Hertha BSCSpieler

Was ist eigentlich mit Valentin Stocker?

“Was ist mit Valentin Stocker?”, wurden wir vor wenigen Tagen von einem unserer Leser gefragt. Uns fiel leider keine ernstzunehmende Antwort ein. Ja, was ist eigentlich mit Valentin Stocker? Der Schweizer war in der letzten Rückrunde das Symbol des Berliner Aufschwungs, das Licht in unserem Spiel – Schlichtweg der einzige Spieler, der uns spielerisch Leben einhauchen konnte, als alle anderen versagten. Nach einer für Hertha nahezu surrealen Hinrunde scheint der 26-Jährige zu einem Mitläufer verkommen zu sein. Kann man für diese Entwicklung stichhaltige Gründe finden? Eine Spurensuche.

“Vali hat uns gerettet”, sagte Trainer Pal Dardai zur Rolle Stockers im letztjährigen Abstiegskampf. Tatsächlich war es der Schweizer Neuzugang, der die “alte Dame” in den erstklassigen Gewässern hielt, nachdem die Mannschaft unter Jos Luhukay fast Schiffbruch erlitten hatte. Besonders Stocker litt unter der Regie des strengen Holländers, durfte als gefeierter Star-Einkauf anfangs sogar nur in der U23 spielen. Erst am vierten Spieltag durfte Stocker für die letzten 20 Minuten gegen den SC Freiburg sein Bundesliga-Debüt feiern. Unter Luhukay stand er nur acht Mal in der Startelf, sammelte in der Hinrunde immerhin vier Torvorlagen. Die Rückrunde sollte aber Stockers wahres Potenzial ans Tageslicht führen. Pal Dardai übernahm die Mannschaft am 20. Spieltag gegen den 1. FSV Mainz 05 und stellte Stocker prompt in die Startelf, verweilte der Mittelfeldspieler noch im vergangenen Spiel über 90 Minuten auf der Bank. Dieser dankte seinem neuen Trainer mit zwei Torvorlagen und dem damit verbundenen ersten Sieg seit dem 15. Spieltag. Damit begann die Zeit, in der Stocker überragte und das Toreschießen quasi alleine schulterte. In der Rückrunde absolvierte er 16 Partien (gegen Augsburg fehlte er gelbgesperrt), schoss in diesen drei Tore und bereitete fünf direkt vor. Möchte man anderen Statistiken vertrauen, war Stocker noch an weitaus mehr Toren direkt beteiligt, jedoch wurden diese von der Bundesliga nicht offiziell als Assists anerkannt. Die Offensivkraft wurde zur zentralen Figur des Berliner Angriffspiels, alles lief über den ehemaligen Baseler. Ob Torschüsse, Vorlagen, Läufe oder Kombinationen – Stocker war immer mittendrin. Man hielt die Klasse und Stocker war der Held. War.

Die Vermutung, Stockers zweite Saison sollte nun zum kompletten Durchbruch seinerseits führen, lag nahe. Auch wir behaupteten in unserer Kaderanalyse vor der Saison, er würde “auch in dieser Saison eine tragende Rolle spielen. Stockers Klasse wird einmal mehr ein wichtiger Faktor in jedem Spiel sein, auf den wir Berliner setzen werden und müssen.” Wir und viele andere Medien täuschten sich.

Dass sukzessive Abbauen Stockers deutete sich bereits in der frühen Saisonvorbereitung an, wurde damals aber noch als kleines Experiment abgetan. Pal Dardai setzte in den ersten Testspielen eben nicht auf Stocker im Zentrum, sondern auf Jens Hegeler. Stocker musste auf dem linken Flügel sein Können zeigen, eine Rolle, die er zuletzt am 24. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit erfüllen musste. Dardai lobte Hegeler in Vorbereitungswochen und begründete seine Entscheidung, ihm die Rolle des Spielgestalters probeweise anzuvertrauen: “Er ist ein intelligenter Junge, setzt die taktischen Vorgaben gut um. Vielleicht hat ihm das harte Training gut getan. Jedenfalls präsentiert er sich ganz anders als vor der Sommerpause.” Obwohl sich Hegeler letztendlich nicht durchsetzen konnte, war es das erste Hervorblitzen dessen, was der Ungar als idealen zentralen Mittelfeldspieler vor Augen hat: Er sucht einen Taktgeber, der weniger durch konkrete Offensivaktionen auffällt, als vielmehr durch eine kluge Übersicht und Ballverteilung. Jemand, der sehr auf das Aufbauspiel bedacht ist und das Verschieben seiner und der gegnerischen Mannschaft achtet. All das ist Valentin Stocker nicht. Stocker überzeugt durch seine Dynamik, Athletik und seinen Zug zum Tor. Schon während seiner besten Spiele im blau-weißen Trikot konnte man feststellen, dass Stocker oftmals zu überhastet in seinen Aktionen vorging, zu schlampig wurde und so den schnellen Ballverlust provozierte. Selbst in seinen sehr guten Spielen sahen seine Pass- und Zweikampfwerte nicht perfekt aus. Zu wenig für einen Zehner möchte man meinen, wurden diese Schwächen jedoch von zahlreichen Torbeteiligungen und sehenswerten Offensivaktionen kaschiert. Auch der Fitnesszustand Stockers sorgte dafür, dass er in der Vorbereitung weiter an Anerkennung verlor. Er verpasste ein Teil dieser durch eine Länderspielreise, fiel daraufhin in ein “körperliches Loch”, so Pal Dardai. Dieser forderte angeblich bereits vorher eine Steigerung seines Spielers – Diese blieb aus.

Es war der 18. Juli 2015, der den nächsten herben Rückschlag für Stocker bedeuten sollte. An diesem Tag wurde der Transfer Vladimir Daridas offiziell bestätigt. Der Tscheche wechselte vom SC Freiburg zu Hertha BSC und war der größte Berliner Einkauf des Sommers. Darida sollte noch zum Sargnagel für die Hoffnungen Stockers werden, in der Hinrunde wieder zum absoluten Stammpersonal zu gehören. Zunächst sollte sich dieses Bild nicht abzeichnen, spielten beide doch auf völlig verschiedenen Positionen. Die ersten sechs Spieltage dieser Bundesligasaison bestritt Stocker noch als Stammspieler. Besonders beim ersten Heimspiel dieser Spielzeit war er gegen Werder Bremen der beste Berliner Akteur auf dem Rasen, rettete durch sein schönes Tor den Punktgewinn. Doch nun begann sein Abstieg in das Formtief: Gegen Borussia Dortmund (dritter Spieltag) lieferte er seine vielleicht schlechteste Leistung im Berliner Trikot ab und wurde vollkommen zurecht zur Halbzeit ausgewechselt. Davon konnte sich Stocker nicht mehr erholen. Er stand in den drei darauffolgenden Spielen wieder in der Startelf, konnte aber nicht mehr ansatzweise überzeugen – Eine 4+ (siehe unsere Einzelkritik) war seine beste Note in diesen Begegnungen. Es folgten in zehn weiteren Partien nur noch zwei Startelfeinsätze und keine einzige Torbeteiligung.

Zeigte er als Außenstürmer schlechte Leistungen, wurde es in der Öffentlichkeit vermehrt darauf geschoben, dass Stocker ja ohnehin auf der Zehn zu spielen habe und für die Rolle des Flügelspielers nicht die richtigen Anlagen hätte. Ungeachtet dessen, dass er diese Rolle in Basel sogar auf europäischer Ebene mehrmals mit Bravour ausfüllte, konnte er auch in den Partien als zentraler Offensivspieler kein positiver Faktor für seine Mannschaft sein. Gegen den VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach durfte er seine mittlerweile präferierte Position ausüben, aber wirkte wie ein Schatten des Valentin Stockers, den man noch in der vergangenen Rückserie bestaunen konnte. Die Eigenschaften, die man ohnehin schon kritisiert hatte, dominierten sein Spiel. Er war zu fahrig, zu zerstreut in seinen Aktionen, wirkte orientierungslos. Er brachte oftmals keine 50% seiner Pässe zum Mitspieler, verlor mehr Zweikämpfe, als er gewann und war teilweise an nicht einer einzigen Torchance beteiligt. Folgerichtig verkürzten sich seine Einsatzzeiten auf ein Minimum. Seit sechs Spieltagen wartet er auf eine Nominierung für die Startelf. Solch eine lange Durststrecke musste er nicht einmal unter Jos Luhukay erleben.

Nachdem der 18. Juli bereits genannt wurde, folgt nun das zweite Datum, dass einen bedeutenden Faktor für Stockers Krise darstellt: Am 6. November 2015 spielte Hertha BSC in Hannover. Es war eine Woche vergangen, nachdem man (mit Stocker in der Startelf) seine wohl herbste Hinrundenniederlage erlitten hatte. Vor dem heimischen Publikum verlor man deutlich mit 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach. Pal Dardai überraschte mit einer neuen Formation, bei der Vladimir Darida, der bis dato nur als defensiver Mittelfeldspieler auftrat, die Rolle des Spielgestalters übernahm. Zusammen mit Fabian Lustenberger und Per Skjelbred (beide als 6er) bildete der Tscheche das “magische” Dreieck, dass zusammen mit einem glänzend aufgelegtem Salomon Kalou die letztwöchige Pleite wiedergutmachte und einen beeindruckenden 3:1-Sieg bescherte. Dardai führte damit endgültig das System ein, was er bereits in der Sommerpause hat trainieren lassen und machte seinen neuen Liebling Darida zur zentralen Figur seiner Taktik. Seit dieser Umstellung gewann man fünf der letzten sechs Hinrundenspiele, man verlor einzig gegen die Übermacht aus München und auch das mit einem respektablem 0:2. Es scheint, als habe Dardai durch diese Umstellung den nächsten Entwicklungsschritt innerhalb der Mannschaft getätigt. Besonders die vergangenen drei Bundesligapartien gegen Bayer Leverkusen, Darmstadt 98 und Mainz 05 haben eine Berliner Mannschaft gezeigt, die herausragenden Fußball spielen kann und völlig zurecht solch eine erfolgreiche Saison spielt.

Diese Entwicklung fand aber gänzlich ohne Stocker statt. In der Zentrale deutlich von Darida verdrängt, konnte er sich auf den Außenbahnen gegen Genki Haraguchi und Salomon Kalou ebenfalls nicht durchsetzen. Es scheint, als habe die Mannschaft sich taktisch und spielerisch exorbitant verbessert und Stocker während dieses Prozesses überholt.

Es gibt somit zahlreiche Gründe für die Krise Stockers: Fehlende Fitness, Systemumstellung und schlechte Leistungen haben ihn immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Auch in der Winterpause und der damit verbundenen Vorbereitung auf die Rückrunde soll Stocker nicht zu 100% Leistung gezeigt haben. Dardai sagt dennoch: “Wir planen mit Vali, er ist ein guter Junge.” Diese Chance muss der der 26-Jährige nutzen, denn was für Spieler, wie Änis Ben-Hatira oder Roy Beerens gilt, betrifft auch ihn: Wer den Konkurrenzkampf nicht annimmt, bleibt auf der Strecke. Die Klasse, wieder wichtig für das Team zu werden, hat er allemal, das hat er ein halbes Jahr bewiesen. Der aktuelle Status ist nicht für die Ewigkeit, der Fußball extrem schnelllebig und so muss Stocker die Möglichkeit nutzen, wenn sie sich ihm bietet. Er muss Pal Dardai das Gefühl geben, eine echte Alternative zu sein, sollten seine Konkurrenten schwächeln.

Wie bewertet ihr die aktuelle Situation Stockers? Glaubt ihr, er kann noch einmal wichtig für die Mannschaft werden?

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“Was ist mit Valentin Stocker?”, wurden wir vor wenigen Tagen von einem unserer Leser gefragt. Uns fiel leider keine ernstzunehmende Antwort ein. Ja, was ist eigentlich mit Valentin Stocker? Der Schweizer war in der letzten Rückrunde das Symbol des Berliner Aufschwungs, das Licht in unserem Spiel – Schlichtweg der einzige Spieler, der uns spielerisch Leben einhauchen konnte, als alle anderen versagten. Nach einer für Hertha nahezu surrealen Hinrunde scheint der 26-Jährige zu einem Mitläufer verkommen zu sein. Kann man für diese Entwicklung stichhaltige Gründe finden? Eine Spurensuche.

“Vali hat uns gerettet”, sagte Trainer Pal Dardai zur Rolle Stockers im letztjährigen Abstiegskampf. Tatsächlich war es der Schweizer Neuzugang, der die “alte Dame” in den erstklassigen Gewässern hielt, nachdem die Mannschaft unter Jos Luhukay fast Schiffbruch erlitten hatte. Besonders Stocker litt unter der Regie des strengen Holländers, durfte als gefeierter Star-Einkauf anfangs sogar nur in der U23 spielen. Erst am vierten Spieltag durfte Stocker für die letzten 20 Minuten gegen den SC Freiburg sein Bundesliga-Debüt feiern. Unter Luhukay stand er nur acht Mal in der Startelf, sammelte in der Hinrunde immerhin vier Torvorlagen. Die Rückrunde sollte aber Stockers wahres Potenzial ans Tageslicht führen. Pal Dardai übernahm die Mannschaft am 20. Spieltag gegen den 1. FSV Mainz 05 und stellte Stocker prompt in die Startelf, verweilte der Mittelfeldspieler noch im vergangenen Spiel über 90 Minuten auf der Bank. Dieser dankte seinem neuen Trainer mit zwei Torvorlagen und dem damit verbundenen ersten Sieg seit dem 15. Spieltag. Damit begann die Zeit, in der Stocker überragte und das Toreschießen quasi alleine schulterte. In der Rückrunde absolvierte er 16 Partien (gegen Augsburg fehlte er gelbgesperrt), schoss in diesen drei Tore und bereitete fünf direkt vor. Möchte man anderen Statistiken vertrauen, war Stocker noch an weitaus mehr Toren direkt beteiligt, jedoch wurden diese von der Bundesliga nicht offiziell als Assists anerkannt. Die Offensivkraft wurde zur zentralen Figur des Berliner Angriffspiels, alles lief über den ehemaligen Baseler. Ob Torschüsse, Vorlagen, Läufe oder Kombinationen – Stocker war immer mittendrin. Man hielt die Klasse und Stocker war der Held. War.

Die Vermutung, Stockers zweite Saison sollte nun zum kompletten Durchbruch seinerseits führen, lag nahe. Auch wir behaupteten in unserer Kaderanalyse vor der Saison, er würde “auch in dieser Saison eine tragende Rolle spielen. Stockers Klasse wird einmal mehr ein wichtiger Faktor in jedem Spiel sein, auf den wir Berliner setzen werden und müssen.” Wir und viele andere Medien täuschten sich.

Dass sukzessive Abbauen Stockers deutete sich bereits in der frühen Saisonvorbereitung an, wurde damals aber noch als kleines Experiment abgetan. Pal Dardai setzte in den ersten Testspielen eben nicht auf Stocker im Zentrum, sondern auf Jens Hegeler. Stocker musste auf dem linken Flügel sein Können zeigen, eine Rolle, die er zuletzt am 24. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit erfüllen musste. Dardai lobte Hegeler in Vorbereitungswochen und begründete seine Entscheidung, ihm die Rolle des Spielgestalters probeweise anzuvertrauen: “Er ist ein intelligenter Junge, setzt die taktischen Vorgaben gut um. Vielleicht hat ihm das harte Training gut getan. Jedenfalls präsentiert er sich ganz anders als vor der Sommerpause.” Obwohl sich Hegeler letztendlich nicht durchsetzen konnte, war es das erste Hervorblitzen dessen, was der Ungar als idealen zentralen Mittelfeldspieler vor Augen hat: Er sucht einen Taktgeber, der weniger durch konkrete Offensivaktionen auffällt, als vielmehr durch eine kluge Übersicht und Ballverteilung. Jemand, der sehr auf das Aufbauspiel bedacht ist und das Verschieben seiner und der gegnerischen Mannschaft achtet. All das ist Valentin Stocker nicht. Stocker überzeugt durch seine Dynamik, Athletik und seinen Zug zum Tor. Schon während seiner besten Spiele im blau-weißen Trikot konnte man feststellen, dass Stocker oftmals zu überhastet in seinen Aktionen vorging, zu schlampig wurde und so den schnellen Ballverlust provozierte. Selbst in seinen sehr guten Spielen sahen seine Pass- und Zweikampfwerte nicht perfekt aus. Zu wenig für einen Zehner möchte man meinen, wurden diese Schwächen jedoch von zahlreichen Torbeteiligungen und sehenswerten Offensivaktionen kaschiert. Auch der Fitnesszustand Stockers sorgte dafür, dass er in der Vorbereitung weiter an Anerkennung verlor. Er verpasste ein Teil dieser durch eine Länderspielreise, fiel daraufhin in ein “körperliches Loch”, so Pal Dardai. Dieser forderte angeblich bereits vorher eine Steigerung seines Spielers – Diese blieb aus.

Es war der 18. Juli 2015, der den nächsten herben Rückschlag für Stocker bedeuten sollte. An diesem Tag wurde der Transfer Vladimir Daridas offiziell bestätigt. Der Tscheche wechselte vom SC Freiburg zu Hertha BSC und war der größte Berliner Einkauf des Sommers. Darida sollte noch zum Sargnagel für die Hoffnungen Stockers werden, in der Hinrunde wieder zum absoluten Stammpersonal zu gehören. Zunächst sollte sich dieses Bild nicht abzeichnen, spielten beide doch auf völlig verschiedenen Positionen. Die ersten sechs Spieltage dieser Bundesligasaison bestritt Stocker noch als Stammspieler. Besonders beim ersten Heimspiel dieser Spielzeit war er gegen Werder Bremen der beste Berliner Akteur auf dem Rasen, rettete durch sein schönes Tor den Punktgewinn. Doch nun begann sein Abstieg in das Formtief: Gegen Borussia Dortmund (dritter Spieltag) lieferte er seine vielleicht schlechteste Leistung im Berliner Trikot ab und wurde vollkommen zurecht zur Halbzeit ausgewechselt. Davon konnte sich Stocker nicht mehr erholen. Er stand in den drei darauffolgenden Spielen wieder in der Startelf, konnte aber nicht mehr ansatzweise überzeugen – Eine 4+ (siehe unsere Einzelkritik) war seine beste Note in diesen Begegnungen. Es folgten in zehn weiteren Partien nur noch zwei Startelfeinsätze und keine einzige Torbeteiligung.

Zeigte er als Außenstürmer schlechte Leistungen, wurde es in der Öffentlichkeit vermehrt darauf geschoben, dass Stocker ja ohnehin auf der Zehn zu spielen habe und für die Rolle des Flügelspielers nicht die richtigen Anlagen hätte. Ungeachtet dessen, dass er diese Rolle in Basel sogar auf europäischer Ebene mehrmals mit Bravour ausfüllte, konnte er auch in den Partien als zentraler Offensivspieler kein positiver Faktor für seine Mannschaft sein. Gegen den VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach durfte er seine mittlerweile präferierte Position ausüben, aber wirkte wie ein Schatten des Valentin Stockers, den man noch in der vergangenen Rückserie bestaunen konnte. Die Eigenschaften, die man ohnehin schon kritisiert hatte, dominierten sein Spiel. Er war zu fahrig, zu zerstreut in seinen Aktionen, wirkte orientierungslos. Er brachte oftmals keine 50% seiner Pässe zum Mitspieler, verlor mehr Zweikämpfe, als er gewann und war teilweise an nicht einer einzigen Torchance beteiligt. Folgerichtig verkürzten sich seine Einsatzzeiten auf ein Minimum. Seit sechs Spieltagen wartet er auf eine Nominierung für die Startelf. Solch eine lange Durststrecke musste er nicht einmal unter Jos Luhukay erleben.

Nachdem der 18. Juli bereits genannt wurde, folgt nun das zweite Datum, dass einen bedeutenden Faktor für Stockers Krise darstellt: Am 6. November 2015 spielte Hertha BSC in Hannover. Es war eine Woche vergangen, nachdem man (mit Stocker in der Startelf) seine wohl herbste Hinrundenniederlage erlitten hatte. Vor dem heimischen Publikum verlor man deutlich mit 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach. Pal Dardai überraschte mit einer neuen Formation, bei der Vladimir Darida, der bis dato nur als defensiver Mittelfeldspieler auftrat, die Rolle des Spielgestalters übernahm. Zusammen mit Fabian Lustenberger und Per Skjelbred (beide als 6er) bildete der Tscheche das “magische” Dreieck, dass zusammen mit einem glänzend aufgelegtem Salomon Kalou die letztwöchige Pleite wiedergutmachte und einen beeindruckenden 3:1-Sieg bescherte. Dardai führte damit endgültig das System ein, was er bereits in der Sommerpause hat trainieren lassen und machte seinen neuen Liebling Darida zur zentralen Figur seiner Taktik. Seit dieser Umstellung gewann man fünf der letzten sechs Hinrundenspiele, man verlor einzig gegen die Übermacht aus München und auch das mit einem respektablem 0:2. Es scheint, als habe Dardai durch diese Umstellung den nächsten Entwicklungsschritt innerhalb der Mannschaft getätigt. Besonders die vergangenen drei Bundesligapartien gegen Bayer Leverkusen, Darmstadt 98 und Mainz 05 haben eine Berliner Mannschaft gezeigt, die herausragenden Fußball spielen kann und völlig zurecht solch eine erfolgreiche Saison spielt.

Diese Entwicklung fand aber gänzlich ohne Stocker statt. In der Zentrale deutlich von Darida verdrängt, konnte er sich auf den Außenbahnen gegen Genki Haraguchi und Salomon Kalou ebenfalls nicht durchsetzen. Es scheint, als habe die Mannschaft sich taktisch und spielerisch exorbitant verbessert und Stocker während dieses Prozesses überholt.

Es gibt somit zahlreiche Gründe für die Krise Stockers: Fehlende Fitness, Systemumstellung und schlechte Leistungen haben ihn immer weiter in den Hintergrund gedrängt. Auch in der Winterpause und der damit verbundenen Vorbereitung auf die Rückrunde soll Stocker nicht zu 100% Leistung gezeigt haben. Dardai sagt dennoch: “Wir planen mit Vali, er ist ein guter Junge.” Diese Chance muss der der 26-Jährige nutzen, denn was für Spieler, wie Änis Ben-Hatira oder Roy Beerens gilt, betrifft auch ihn: Wer den Konkurrenzkampf nicht annimmt, bleibt auf der Strecke. Die Klasse, wieder wichtig für das Team zu werden, hat er allemal, das hat er ein halbes Jahr bewiesen. Der aktuelle Status ist nicht für die Ewigkeit, der Fußball extrem schnelllebig und so muss Stocker die Möglichkeit nutzen, wenn sie sich ihm bietet. Er muss Pal Dardai das Gefühl geben, eine echte Alternative zu sein, sollten seine Konkurrenten schwächeln.

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