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Wer ist eigentlich Alexander Esswein?

„Nach der EM kommt richtig Bewegung rein,” kündigte Manager Michael Preetz an. Er sollte sein Wort halten, denn nur wenige Tage nach dem EM-Finale zwischen Frankreich und Portugal stellt Hertha BSC seinen ersten Neuzugang der Saison 2016/17 vor: Alexander Esswein wechselt vom FC Augsburg nach Berlin!

… So lautete unser ursprüngliches Intro für diesen Artikel, der bereits seit Wochen im Archiv verstaubt. Nun holen wir ihn doch noch raus und es fühlt sich an, als wären wir ein Zauberer, der über seine alten Schriften pustet, um zu erkennen, was auf ihnen geschrieben steht. Dieser Transfer stellte sich nämlich als ermüdende Hängepartie heraus, die eine Woche vor dem Transferschluss endlich beendet werden konnte.

Inwieweit kann Esswein der Mannschaft helfen? Wie ist er sportlich und menschlich einzuschätzen?

Der in Worms geborene Alexander Esswein lernte das Fußballspielen in seiner Region, der Rheinland-Pfalz, aber auch in Baden-Württemberg. Seine ersten großen Stationen waren Waldhof Mannheim und der 1. FC Kaiserslautern. 2008 zog es ihn zum VfL Wolfsburg, wo er zunächst in der zweiten Mannschaft zum Zuge kam, bis er sich mit vier Erstligaeinsätzen rechtmäßiger Deutscher Meister der Saison 2008/2009 nennen durfte – An der Seite von Hertha-Rechtsverteidiger Peter Pekarik. Doch dieser Erfolg diente nicht als Sprungbrett für mehr Profispiele. Esswein konnte sich bei den „Wölfen“ nicht durchsetzen, woraufhin man ihn in die dritte Liga zu Dynamo Dresden auslieh. Dort wurde er zum absoluten Leistungsträger, schoss in 31 Spielen 17 Tore und bereitete acht weitere vor – Diese Werte sicherten in den Titel des Drittligaspielers des Jahres. Der 1. FC Nürnberg wurde auf ihn aufmerksam und so wechselte der damalige U21-Nationalspieler ins Frankenland. In seinen drei Jahren beim „Club“ gelangen ihm 62 Pflichtspieleinsätze, in denen er 14 Scorerpunkte sammelte. Jedoch konnte er sich nie richtig durchsetzen und kam besonders in seinem letzten Jahr oftmals nur von der Bank. Die Konsequenz aus dieser wenig zufriedenstellenden Situation war der Wechsel zum FC Augsburg im Winter 2014. Der Offensivspieler wurde beim FCA auf Anhieb Stammspieler. In 70 Pflichtspielen für die Fuggerstädter erzielte Esswein fünf Tore und bereite sieben vor. In der abgelaufenen Spielzeit waren es in 29 Spielen sechs Torbeteiligungen. Zudem kam er in sechs Euro-League-Spielen zum Einsatz.

Esswein entwickelte sich also vom fast schon ewigen Talent zu einem etablierten Bundesligaprofi. Hertha BSC und die Stadt Berlin sind nun die neuen Herausforderungen für den 26-Jährigen. Doch kann er diese Aufgabe packen?

Trainer Pal Dardai konnte mit der letztjährigen Entwicklung der Mannschaft sehr zufrieden sein, fast alle Bereiche des Teams konnten sich deutlich verbessern. Einzig die offensiven Außenbahnen blieben etwas auf der Strecke. Salomon Kalou wurde zwar als Linksaußen eingesetzt, der Ivorer agierte aber mehr als hängende Spitze und wurde trotz seiner herausragenden Leistungen nie dem klassischen Bild eines Flügelspielers gerecht. Roy Beerens und Valentin Stocker waren u.a. die Verlierer der Saison, da sie in einem Formtief Marke Marianengraben verweilten. Mitchell Weiser entwickelte sich innerhalb der Saison zum Rechtsverteidiger und wenn der 21-Jährige eine Station offensiver spielen musste, waren dies meist keine Glanzleistungen. Zudem muss Weiser sich neu beweisen, nachdem es zwischen ihm und Dardai gekracht hatte und er eine Woche Einzeltraining aufgebrummt bekam. Sein entscheidendes Tor im Pokal gegen Regensburg sollte bei seiner Rückkeher ins Team wuchtig geholfen haben. Genki Haraguchi war zwar eine Konstante im System der „alten Dame“, doch mit gerade einmal sieben Torbeteiligungen in 37 Pflichtspielen zeigt auch er auf, dass man sich personell verstärken musste.
Die Mission ist also klar: Esswein soll für mehr Qualität auf den offensiven Außenbahnen sorgen. Dies tut er vor allen Dingen durch sein brutales Tempo – Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 34,6 km/h ist er schneller als jeder andere im Kader der „alten Dame“. Mehr Schnelligkeit forderten Dardai und Preetz nach der vergangenen Saison, mit Alexander Esswein bekommt man diese Eigenschaft. Zu dieser gesellt sich, dass er sehr aktiv im Spiel ist, oftmals mit seinem Flügelspieler rotiert (etwas, dass auch unter Dardai oftmals der Fall ist), oder auch in Spitze zieht, um dort für Unruhe zu sorgen. Technisch das ein oder andere Mal nicht völlig filigran, setzt er sich besonders durch seinen robusten Körper (85 kg auf 1,83m) in eins-gegen-eins-Situationen durch. Gepaart mit seiner besonderen Geschwindigkeit ist Esswein also jemand, der sehr gut auf den Außen durchbrechen kann, ein Vorteil gegenüber Genki Haraguchi, dieser hat seine Probleme mit Offensivläufen. Des Weiteren stimmt Essweins Einstellung auf dem Feld: Er zerreißt sich, ist ein Kämpfertyp und daher auch eine Antwort auf die “mangelnde Körpersprache”, die Trainer Dardai seinem Team nach dem Europa-League-Aus gegen Bröndby attestiert hatte.

Doch wie fast jeder Fußballer hat Esswein auch klare Schwächen: Genauso wie Haraguchi muss er immens an seiner Effizienz arbeiten, in 127 Bundesligapartien gelangen ihm gerade einmal 21 Torbeteiligungen. Zum Vergleich: Haraguchi sammelte in 53 Einsätzen acht Scorerpunkte. Er schießt gerne aus allen Lagen und ist auch nicht scheu, Distanzschüsse auszupacken – Etwas, dass Hertha gut zu Gesicht stehen könnte, da man es in der letzten Saison zu oft versuchte den Ball ins Tor “zu tragen”. Einzig ein Vladimir Darida war außerhalb des Strafraums gefährlich. Diese Eigenschaft ist aber nur wertvoll, wenn sie in Tore und gefährliche Szenen umgemünzt werden kann.

Wir wollten uns aber nicht von Zahlen einen Eindruck geben lassen, also haben wir Kristell Gnahm, eine Bloggerin und FC-Augsburg-Expertin gefragt, ob sie uns nähere Informationen zu Esswein geben könne. Das hat sie mit folgendem Text getan, welcher zudem die menschliche Komponente abdeckt:

„Alex hatte auch immer wieder gute Phasen, hat es leider aber nie geschafft, sich in mein Herz zu spielen. Auch von den anderen Fans hatte ich selten den Eindruck, dass er ein Liebling geworden wäre, andererseits ist er aber auch nie so negativ aufgefallen, dass man sagte, der müsse weg. Er fügte sich einfach meist ins Gesamtbild der Mannschaft ein: Lief es gut, sah auch Alex gut aus, aber lief es schlecht, hat er auch nicht unbedingt geglänzt.
In der letzten Saison, der Europa League Saison, wuchs natürlich das internationale Interesse am FCA, und auch Alex Esswein blieb nicht unentdeckt: auf ebay wurde sogar ein Original Autogramm von “Alexander Food wine” angeboten. Ob der Gewinn allerdings die Mühe gerechtfertigt hat, einen Profiübersetzer zu engagieren, entzieht sich meiner Kenntnis.

In der letzten Saison war er leider ohnehin lange verletzt und konnte daher wenig zum Klassenerhalt beitragen, aber das Schicksal teilt er mit einigen FCAler. So, viel mehr fällt mir leider nicht ein, beim FCA sind wir einfach sehr wohlwollend zu unseren Jungs, und die Medienlandschaft ist mega ruhig, da gibt es weder Skandale noch Boulevard, und die Spieler können völlig entspannt in der Stadt rumlaufen, ohne erkannt und belästigt zu werden. Kleinstadt, Bundesliga-Neuling, da kann sich der gute Alex auf andere Verhältnisse gefasst machen in Berlin!“

Wir bedanken uns für diesen Gastbeitrag! Folgt Kristell gerne auf Twitter (@kristaldo) und hört, wenn ihr Interesse habt, in ihren Podcast “Auf die Zirbelnuss” rein, den ihr auf meinsportradio.de findet!

https://meinsportradio.de/zirbelnuss

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„Nach der EM kommt richtig Bewegung rein,” kündigte Manager Michael Preetz an. Er sollte sein Wort halten, denn nur wenige Tage nach dem EM-Finale zwischen Frankreich und Portugal stellt Hertha BSC seinen ersten Neuzugang der Saison 2016/17 vor: Alexander Esswein wechselt vom FC Augsburg nach Berlin!

… So lautete unser ursprüngliches Intro für diesen Artikel, der bereits seit Wochen im Archiv verstaubt. Nun holen wir ihn doch noch raus und es fühlt sich an, als wären wir ein Zauberer, der über seine alten Schriften pustet, um zu erkennen, was auf ihnen geschrieben steht. Dieser Transfer stellte sich nämlich als ermüdende Hängepartie heraus, die eine Woche vor dem Transferschluss endlich beendet werden konnte.

Inwieweit kann Esswein der Mannschaft helfen? Wie ist er sportlich und menschlich einzuschätzen?

Der in Worms geborene Alexander Esswein lernte das Fußballspielen in seiner Region, der Rheinland-Pfalz, aber auch in Baden-Württemberg. Seine ersten großen Stationen waren Waldhof Mannheim und der 1. FC Kaiserslautern. 2008 zog es ihn zum VfL Wolfsburg, wo er zunächst in der zweiten Mannschaft zum Zuge kam, bis er sich mit vier Erstligaeinsätzen rechtmäßiger Deutscher Meister der Saison 2008/2009 nennen durfte – An der Seite von Hertha-Rechtsverteidiger Peter Pekarik. Doch dieser Erfolg diente nicht als Sprungbrett für mehr Profispiele. Esswein konnte sich bei den „Wölfen“ nicht durchsetzen, woraufhin man ihn in die dritte Liga zu Dynamo Dresden auslieh. Dort wurde er zum absoluten Leistungsträger, schoss in 31 Spielen 17 Tore und bereitete acht weitere vor – Diese Werte sicherten in den Titel des Drittligaspielers des Jahres. Der 1. FC Nürnberg wurde auf ihn aufmerksam und so wechselte der damalige U21-Nationalspieler ins Frankenland. In seinen drei Jahren beim „Club“ gelangen ihm 62 Pflichtspieleinsätze, in denen er 14 Scorerpunkte sammelte. Jedoch konnte er sich nie richtig durchsetzen und kam besonders in seinem letzten Jahr oftmals nur von der Bank. Die Konsequenz aus dieser wenig zufriedenstellenden Situation war der Wechsel zum FC Augsburg im Winter 2014. Der Offensivspieler wurde beim FCA auf Anhieb Stammspieler. In 70 Pflichtspielen für die Fuggerstädter erzielte Esswein fünf Tore und bereite sieben vor. In der abgelaufenen Spielzeit waren es in 29 Spielen sechs Torbeteiligungen. Zudem kam er in sechs Euro-League-Spielen zum Einsatz.

Esswein entwickelte sich also vom fast schon ewigen Talent zu einem etablierten Bundesligaprofi. Hertha BSC und die Stadt Berlin sind nun die neuen Herausforderungen für den 26-Jährigen. Doch kann er diese Aufgabe packen?

Trainer Pal Dardai konnte mit der letztjährigen Entwicklung der Mannschaft sehr zufrieden sein, fast alle Bereiche des Teams konnten sich deutlich verbessern. Einzig die offensiven Außenbahnen blieben etwas auf der Strecke. Salomon Kalou wurde zwar als Linksaußen eingesetzt, der Ivorer agierte aber mehr als hängende Spitze und wurde trotz seiner herausragenden Leistungen nie dem klassischen Bild eines Flügelspielers gerecht. Roy Beerens und Valentin Stocker waren u.a. die Verlierer der Saison, da sie in einem Formtief Marke Marianengraben verweilten. Mitchell Weiser entwickelte sich innerhalb der Saison zum Rechtsverteidiger und wenn der 21-Jährige eine Station offensiver spielen musste, waren dies meist keine Glanzleistungen. Zudem muss Weiser sich neu beweisen, nachdem es zwischen ihm und Dardai gekracht hatte und er eine Woche Einzeltraining aufgebrummt bekam. Sein entscheidendes Tor im Pokal gegen Regensburg sollte bei seiner Rückkeher ins Team wuchtig geholfen haben. Genki Haraguchi war zwar eine Konstante im System der „alten Dame“, doch mit gerade einmal sieben Torbeteiligungen in 37 Pflichtspielen zeigt auch er auf, dass man sich personell verstärken musste.
Die Mission ist also klar: Esswein soll für mehr Qualität auf den offensiven Außenbahnen sorgen. Dies tut er vor allen Dingen durch sein brutales Tempo – Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 34,6 km/h ist er schneller als jeder andere im Kader der „alten Dame“. Mehr Schnelligkeit forderten Dardai und Preetz nach der vergangenen Saison, mit Alexander Esswein bekommt man diese Eigenschaft. Zu dieser gesellt sich, dass er sehr aktiv im Spiel ist, oftmals mit seinem Flügelspieler rotiert (etwas, dass auch unter Dardai oftmals der Fall ist), oder auch in Spitze zieht, um dort für Unruhe zu sorgen. Technisch das ein oder andere Mal nicht völlig filigran, setzt er sich besonders durch seinen robusten Körper (85 kg auf 1,83m) in eins-gegen-eins-Situationen durch. Gepaart mit seiner besonderen Geschwindigkeit ist Esswein also jemand, der sehr gut auf den Außen durchbrechen kann, ein Vorteil gegenüber Genki Haraguchi, dieser hat seine Probleme mit Offensivläufen. Des Weiteren stimmt Essweins Einstellung auf dem Feld: Er zerreißt sich, ist ein Kämpfertyp und daher auch eine Antwort auf die “mangelnde Körpersprache”, die Trainer Dardai seinem Team nach dem Europa-League-Aus gegen Bröndby attestiert hatte.

Doch wie fast jeder Fußballer hat Esswein auch klare Schwächen: Genauso wie Haraguchi muss er immens an seiner Effizienz arbeiten, in 127 Bundesligapartien gelangen ihm gerade einmal 21 Torbeteiligungen. Zum Vergleich: Haraguchi sammelte in 53 Einsätzen acht Scorerpunkte. Er schießt gerne aus allen Lagen und ist auch nicht scheu, Distanzschüsse auszupacken – Etwas, dass Hertha gut zu Gesicht stehen könnte, da man es in der letzten Saison zu oft versuchte den Ball ins Tor “zu tragen”. Einzig ein Vladimir Darida war außerhalb des Strafraums gefährlich. Diese Eigenschaft ist aber nur wertvoll, wenn sie in Tore und gefährliche Szenen umgemünzt werden kann.

Wir wollten uns aber nicht von Zahlen einen Eindruck geben lassen, also haben wir Kristell Gnahm, eine Bloggerin und FC-Augsburg-Expertin gefragt, ob sie uns nähere Informationen zu Esswein geben könne. Das hat sie mit folgendem Text getan, welcher zudem die menschliche Komponente abdeckt:

„Alex hatte auch immer wieder gute Phasen, hat es leider aber nie geschafft, sich in mein Herz zu spielen. Auch von den anderen Fans hatte ich selten den Eindruck, dass er ein Liebling geworden wäre, andererseits ist er aber auch nie so negativ aufgefallen, dass man sagte, der müsse weg. Er fügte sich einfach meist ins Gesamtbild der Mannschaft ein: Lief es gut, sah auch Alex gut aus, aber lief es schlecht, hat er auch nicht unbedingt geglänzt.
In der letzten Saison, der Europa League Saison, wuchs natürlich das internationale Interesse am FCA, und auch Alex Esswein blieb nicht unentdeckt: auf ebay wurde sogar ein Original Autogramm von “Alexander Food wine” angeboten. Ob der Gewinn allerdings die Mühe gerechtfertigt hat, einen Profiübersetzer zu engagieren, entzieht sich meiner Kenntnis.

In der letzten Saison war er leider ohnehin lange verletzt und konnte daher wenig zum Klassenerhalt beitragen, aber das Schicksal teilt er mit einigen FCAler. So, viel mehr fällt mir leider nicht ein, beim FCA sind wir einfach sehr wohlwollend zu unseren Jungs, und die Medienlandschaft ist mega ruhig, da gibt es weder Skandale noch Boulevard, und die Spieler können völlig entspannt in der Stadt rumlaufen, ohne erkannt und belästigt zu werden. Kleinstadt, Bundesliga-Neuling, da kann sich der gute Alex auf andere Verhältnisse gefasst machen in Berlin!“

Wir bedanken uns für diesen Gastbeitrag! Folgt Kristell gerne auf Twitter (@kristaldo) und hört, wenn ihr Interesse habt, in ihren Podcast “Auf die Zirbelnuss” rein, den ihr auf meinsportradio.de findet!

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