Hertha BSC

Jahresrückblick 2016

Onefootball hat uns gefragt, ob wir bei ihrem Jahresrückblick 2016 mitwirken wollen – das lassen wir uns natürlich nicht nehmen! Dafür haben wir acht Kategorien zu beantworten, die zusammen eine schöne Jahresrückschau ergeben.

Beste Elf

hertha11Auch Hertha blieb nicht von Verletzungen verschont, so fielen Darida und Weiser lange aus und auch unsere Innenverteidigung aus Brooks und Langkamp fehlten einige Spiele. Wären allesamt fit, hätte Pal Dardai auf einigen Positionen ein echtes Luxusproblem, dennoch wäre diese unsere Wunschelf:

 

 

 

 

Spieler

Hertha sammelte ganze 30 Punkte und überwintert auf dem dritten Tabellenrang, daher ist es schwer, einzelne Spieler herauszuheben – wir nennen dennoch ein paar Akteure, die diese Hinrunde so besonders gemacht haben.

Rune Jarstein:

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger ist seit diesem Jahr die unangefochtene Nummer eins der “alten Dame” und das vollkommen zurecht!

Rune Jarstein erlebte ein unglaubliches Jahr: Er verdrängte Thomas Kraft im Tor und wurde “Norwegens Fußballer des Jahres”. Er zeigt unfassbar konstant starke Leistungen, leistet sich eigentlich nie Fehler und rettete einige Punkte für seine Mannschaft. In der aktuellen Saison zeigte er die drittmeisten Paraden aller Bundesliga-Keeper und hielt beispielsweise in Dortmund den Punktgewinn fest. Gegen Hoffenheim und Leipzig verhinderte er weitaus höhere Niederlagen. Kurzum: Man kann sich voll auf Jarstein verlassen, der für jede gegnerische Offensive eine große Hürde darstellt und bewirkt, dass ein Sandro Wagner vor Wut fast das Tor zerlegt.

Auch spielerisch ist er von hohem Wert. Der 32-Jährige wird viel in das Berliner Aufbauspiel eingebunden und hat pro Spiel durchschnittlich 44 Ballkontakte, nur zwei Bundesliga-Torhüter haben mehr.

Rune Jarstein ist nachweislich einer der besten Schlussmänner der Bundesliga und hat einen sehr hohen Verdienst am momentanen Erfolg Herthas.

Mitchell Weiser:

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der 22-Jährige hat einmal mehr ein großen Entwicklungsschritt gemacht und ist kaum noch aus dieser Mannschaft wegzudenken.

Hertha BSC scheint in der aktuellen Spielzeit den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, so auch stellvertretend Mitchell Weiser. In der vergangenen Spielzeit war er in 33 Pflichtspielen an zehn Toren direkt beteiligt, eine herausragende Quote für einen 22-Jährigen, der vorrangig auf der Position des Außenverteidigers eingesetzt wurde. 2016/17 hat er in gerade einmal 14 Pflichtspielen bereits neun Scorer-Punkte gesammelt. Hertha gewann jede Partie (sechs), in der Weiser an einem oder mehreren Toren direkt beteiligt war, auch das unterstreicht seinen Wert für die Mannschaft.

Generell lässt sich analysieren, dass Mitchell Weiser Herthas „Panzerknacker“ ist. Gegen tiefstehende Gegner, die wenige Räume bieten, reißt er immer wieder Lücken auf. Seine Dribblings, Tempoläufe und Flanken machen Herthas Angriffsspiel unberechenbarer und ungemein schneller. Entweder bespielt er die entstehenden Räume alleine durch Distanzschüsse oder Hereingaben (Beispiel: Spiel gegen M’Gladbach), oder er setzt seine Mitspieler in Szene und spielt den „vorletzten“ Pass. Steht er nicht auf dem Platz, fehlt das. Die These, Hertha sei in gewissem Maße von Weiser abhängig, ist also nicht haltlos.

Vedad Ibisevic:

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Bosnier war bereits in der vergangenen Saison immens wichtig, hat aber in diesem Jahr noch einmal an Bedeutung für das Team gewonnen.

Ibisevic ist Herthas absoluter Torjäger, seit seinem Wechsel in die Hauptstadt war er in 49 Spielen an fantastischen 30 Toren (22 Tore, 8 Vorlagen) direkt beteiligt. Auch in der laufenden Spielzeit läuft es äußerst erfolgreich für den 32-Jährigen, in 15 Ligaspielen erzielte er acht Tore und bereitete drei weitere vor. Somit ist Ibisevic beinahe an der Hälfte aller Herthaner Tore beteiligt, was seinen Wert eindrucksvoll unterstreicht.

Dieser könnte ohnehin kaum größer sein, da der “Vedator” in dieser Spielzeit die Kapitänsbinde erhielt. Nachdem man enttäuschend in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby IF ausschied, löste der 32-Jährige den langjährigen Kapitän Fabian Lustenberger ab. Man wollte einen “aggressiveren” Führungsstil auf dem Feld, das liefert Ibisevic. Zudem hat diese neue Rolle bewirkt, dass der Mittelstürmer deutlich ruhiger geworden ist und keine Platzverweise mehr provoziert (ja gut, einen in dieser Saison).

Des Weiteren verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag bis 2019, wodurch er ein deutliches Zeichen setzte und auf Geld verzichtet, denn Hertha konnte den hochdotierten Kontrakt seiner Stuttgart-Zeit nicht übernehmen. Ibisevic ist angekommenen und ist durch seine Erfahrung und Torgefahr eine große Säule in der Mannschaft geworden.

 

Trainer

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai ist ein Geschenk des Himmels, so könnte man meinen.

Die Fußballromantik erreicht bei Hertha BSC ihr Limit – Pal Dardai, Herthas Rekordspieler, der seit 20 Jahren im Verein arbeitet, führt zusammen mit Herthas Rekordtorschützen Michael Preetz die “alte Dame” zu immer größerem Erfolg.

Im letzten Jahr erreichte die Mannschaft unter seiner Leitung einen überraschenden siebten Platz, in der aktuellen Spielzeit scheint man diesen Erfolg zumindest wiederholen zu können.

Unser Trainerteam spielt eine bedeutende Rolle. Es entwickelte unsere Talente (Stark, Weiser, Plattenhardt, Brooks) weiter, schaffte eine klare spielerische Identität und ein gewisses Selbstverständnis, mit dem wir in die Spiele gehen. In diesem Jahr hat man sich erneut in jedem Bereich etwas weiterentwickelt, das ergibt eine selten dagewesene Konstanz.

Was waren Eure Highlights im Jahr 2016? Klickt auf das Banner darunter und stimmt bei den 2016 Onefootball Awards ab! Hier ist der Link: https://www.onefootball.com/magazine/onefootball-awards-2016/?native=1

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https://www.onefootball.com/magazine/onefootball-awards-2016/?native=1

Moment

Nun wird es ein wenig persönlicher, daher wechsel ich für diese Kategorie in die Ich-Form. Marcel und ich (Marc), die Chefredakteure von Hertha BASE 1892 wurden zum ersten Spiel der Saison 2016/17, das Heimspiel gegen den SC Freiburg eingeladen, um ein Interview mit Herthas Vereinssender “Hertha.TV” zu führen. Nachdem wir das Video abgedreht hatte, durften wir auf der Pressetribüne Platz nehmen und von dort das Spiel verfolgen.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

Die Partie verlief auf einem mäßigen Niveau, Hertha hatte aber spielerische Vorteile und führte verdient mit 1:0. Um die 75 Minute herum durften Marcel und ich die Schlussphase sogar kurz vor die bekannte Tartanbahn, nur wenige Meter hinter die Trainerbänke beobachten.

In der 93. Minute schockierte Freiburgs Kapitän Niclas Höfler das Olympiastadion, indem er eine Ecke Grifos zum Ausgleich einnickte. Die Berliner Fans waren der Verzweiflung nahe und waren drauf und dran ihre Köpfe in den Sand zu stecken, als der in der 85. Minute eingewechselte Schieber sich durch die Freiburger Abwehr tankte und nach mehreren Versuchen das eigentlich unmögliche 2:1 erzielte. Das Olympiastadion war vor Euphorie und positiv besetzter Fassungslosigkeit nicht mehr zu stoppen, es explodierte! Wir beide wären ebenfalls auf das Feld gesprintet, wären die Ordner nicht gewesen. Wir sahen Trikots und Flaschen fliegen, ein Tollhaus!

Dieser Moment wird unvergesslich bleiben und ist zweifellos der Moment 2016!

Spiel

Somit wäre auch das bedeutendste Spiel dieser Hinrunde gefunden, der erste Spieltag gegen den SC Freiburg.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Oftmals ist das erste Spiel einer neuen Saison ein großer Faktor für den Verlauf einer Hinrunde. Hertha hatte eine miese Vorbereitung hinter sich, verschenkte die Europa-League-Quali auch noch an Bröndby IF und schleppte sich gerade noch durch die erste Runde des DFB-Pokals, indem man sich im Elfmeterschießen gegen Drittligist Jahn Regensburg durchsetzte. Die Anspannung und Ungewissheit vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger SC Freiburg war dementsprechend hoch.

Dieser Sieg entfachte eine neue Grundstimmung an der Hanns-Braun-Straße, man glaubte wieder an sich und arbeitete in Ruhe weiter. Es gibt keinen Quotienten, den man mathematisch genau berechnen kann, um zu ermitteln, inwiefern der Saisonauftakt entscheidend für die gesamte Spielzeit ist, jedoch lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Schiebers Tor ungemein wichtig für Herthas bisherigen Saisonverlauf ist.

Enttäuschung

Ondrej Duda war Herthas Königstransfer des Sommers. Der 22-Jährige kostete 4,2 Millionen Euro und unterschrieb für fünf Jahre in Berlin.

(Photo by Ian Walton/Getty Images).

(Photo by Ian Walton/Getty Images).

Trainer Dardai sagte, er habe „eine große Aufgabe“ für Duda. „Er hat einen sehr guten Körper, eine positive Ausstrahlung“, sagt er über Duda „Was ihn auszeichnet ist, dass er in die Tiefe geht. So einen Spieler hatte ich bisher nicht.“ Duda war schon in den Mündern der Insidern, doch dieses große Tunier war die Bühne für den jungen Mittelfeldspieler, um sich auf den Zettel der europäischen Vereine zu spielen. Er kam dort dreimal zum Einsatz und konnte sogar einen Treffer gegen Wales erzielen.

Das wohl größte Talent seines Landes spielte bei Legia Warschau im zentral offensiven Mittelfeld und entzückte die dortigen Fans mit seinem Können. Von den Experten des polnischen Fußballs wird er mit Marc Stendera von Eintracht Frankfurt verglichen – Seine besten Attribute sind Technik, Passspiel und Übersicht, besonders im schnellen Kombinationsspiel soll er seine Stärken haben.

Doch all diese Fakten und Lobeshymnen haben momentan keinen Wert, denn der Slowake konnte noch kein einziges Mal im Kader von Hertha BSC stehen. Komplizierte Knie-Probleme lassen ihn seit Monaten leiden, mittlerweile musste er sogar operiert werden, da jegliche konservativen Methoden nicht anschlugen. Es besteht eine kleine Chance, dass er tatsächlich das Wintertrainingslager absolvieren kann. Sollte dies nicht geschehen, kann er diese Saison wohl abhaken, da er dann kaum noch in die Mannschaft finden wird.

Die Situation um Ondrej Duda ist die größte Enttäuschung 2016.

Held

Herthas Erfolgsgeschichte hat viele Helden, jedoch kämpfte sich wohl niemand so sehr zurück wie Julian Schieber.

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Julian Schieber ist wieder da! Das ist nicht selbstverständlich, denn ein Knorpelschaden im Februar 2015 ließ ihn ein gesamtes Jahr aussetzen. Nach dieser langen Pause musste er damit umgehen, dass er seine Rolle als gesetzter Stürmer verloren hatte. Vedad Ibisevic war mittlerweile vor ihn gerückt, sodass Schieber nur Kurzeinsätze blieben.

Die Rolle des Jokers erfüllt er aber fantastisch, menschlich wie sportlich. Er erzielte das ungemein wichtige Siegtor gegen den SC Freiburg und traf auch im darauffolgenden Spiel in Ingolstadt. Zudem bereitete er den Siegtreffer Niklas Starks gegen Schalke 04 vor. Somit hat er großen Anteil an den 30 Punkten seiner Mannschaft. Sobald Schieber auf dem Platz ist, strahlt er große Präsenz und Spielfreude aus. Was er technisch nicht in Stande ist zu leisten, gleicht er durch Kampf und Teamgeist aus.

Vom gefeierten Neuzugang zum Edeljoker – Julian Schieber hat sich seinen Weg bei Hertha sicherlich anders vorgestellt. Nachdem er bei Borussia Dortmund gescheitert war und teilweise zum Gespött der Liga wurde, wollte er in Berlin einen Neuanfang wagen, alles Negative hinter sich lassen. Umso bemerkenswerter ist seine Art damit umzugehen. „Ich bin ein Teamplayer und genau das zeichnet mich aus. Vedads Tore sind wichtig für uns. Ich weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann und habe auch meine Einsatzzeiten in jedem Spiel. Natürlich ist es „nur“ die Jokerrolle, damit kann ich aber leben. Ich will diese Rolle mit Erfolg ausfüllen. Das ist wichtig für die Mannschaft und für mich selbst. Ich weiß, wie lange eine Saison ist und dass ich auch ein Spiel von Anfang an machen werde“, sagte er am 19.11. diesen Jahres Eurosport.

Julian Schieber steht stellvertretend für den herausragenden Zusammenhalt der Mannschaft und ist der Held 2016.

Anti-Held

Ganz ehrlich? Diese Truppe hat aktuell nur Helden!

(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

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Onefootball hat uns gefragt, ob wir bei ihrem Jahresrückblick 2016 mitwirken wollen – das lassen wir uns natürlich nicht nehmen! Dafür haben wir acht Kategorien zu beantworten, die zusammen eine schöne Jahresrückschau ergeben.

Beste Elf

hertha11Auch Hertha blieb nicht von Verletzungen verschont, so fielen Darida und Weiser lange aus und auch unsere Innenverteidigung aus Brooks und Langkamp fehlten einige Spiele. Wären allesamt fit, hätte Pal Dardai auf einigen Positionen ein echtes Luxusproblem, dennoch wäre diese unsere Wunschelf:

 

 

 

 

Spieler

Hertha sammelte ganze 30 Punkte und überwintert auf dem dritten Tabellenrang, daher ist es schwer, einzelne Spieler herauszuheben – wir nennen dennoch ein paar Akteure, die diese Hinrunde so besonders gemacht haben.

Rune Jarstein:

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger ist seit diesem Jahr die unangefochtene Nummer eins der “alten Dame” und das vollkommen zurecht!

Rune Jarstein erlebte ein unglaubliches Jahr: Er verdrängte Thomas Kraft im Tor und wurde “Norwegens Fußballer des Jahres”. Er zeigt unfassbar konstant starke Leistungen, leistet sich eigentlich nie Fehler und rettete einige Punkte für seine Mannschaft. In der aktuellen Saison zeigte er die drittmeisten Paraden aller Bundesliga-Keeper und hielt beispielsweise in Dortmund den Punktgewinn fest. Gegen Hoffenheim und Leipzig verhinderte er weitaus höhere Niederlagen. Kurzum: Man kann sich voll auf Jarstein verlassen, der für jede gegnerische Offensive eine große Hürde darstellt und bewirkt, dass ein Sandro Wagner vor Wut fast das Tor zerlegt.

Auch spielerisch ist er von hohem Wert. Der 32-Jährige wird viel in das Berliner Aufbauspiel eingebunden und hat pro Spiel durchschnittlich 44 Ballkontakte, nur zwei Bundesliga-Torhüter haben mehr.

Rune Jarstein ist nachweislich einer der besten Schlussmänner der Bundesliga und hat einen sehr hohen Verdienst am momentanen Erfolg Herthas.

Mitchell Weiser:

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Der 22-Jährige hat einmal mehr ein großen Entwicklungsschritt gemacht und ist kaum noch aus dieser Mannschaft wegzudenken.

Hertha BSC scheint in der aktuellen Spielzeit den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, so auch stellvertretend Mitchell Weiser. In der vergangenen Spielzeit war er in 33 Pflichtspielen an zehn Toren direkt beteiligt, eine herausragende Quote für einen 22-Jährigen, der vorrangig auf der Position des Außenverteidigers eingesetzt wurde. 2016/17 hat er in gerade einmal 14 Pflichtspielen bereits neun Scorer-Punkte gesammelt. Hertha gewann jede Partie (sechs), in der Weiser an einem oder mehreren Toren direkt beteiligt war, auch das unterstreicht seinen Wert für die Mannschaft.

Generell lässt sich analysieren, dass Mitchell Weiser Herthas „Panzerknacker“ ist. Gegen tiefstehende Gegner, die wenige Räume bieten, reißt er immer wieder Lücken auf. Seine Dribblings, Tempoläufe und Flanken machen Herthas Angriffsspiel unberechenbarer und ungemein schneller. Entweder bespielt er die entstehenden Räume alleine durch Distanzschüsse oder Hereingaben (Beispiel: Spiel gegen M’Gladbach), oder er setzt seine Mitspieler in Szene und spielt den „vorletzten“ Pass. Steht er nicht auf dem Platz, fehlt das. Die These, Hertha sei in gewissem Maße von Weiser abhängig, ist also nicht haltlos.

Vedad Ibisevic:

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Bosnier war bereits in der vergangenen Saison immens wichtig, hat aber in diesem Jahr noch einmal an Bedeutung für das Team gewonnen.

Ibisevic ist Herthas absoluter Torjäger, seit seinem Wechsel in die Hauptstadt war er in 49 Spielen an fantastischen 30 Toren (22 Tore, 8 Vorlagen) direkt beteiligt. Auch in der laufenden Spielzeit läuft es äußerst erfolgreich für den 32-Jährigen, in 15 Ligaspielen erzielte er acht Tore und bereitete drei weitere vor. Somit ist Ibisevic beinahe an der Hälfte aller Herthaner Tore beteiligt, was seinen Wert eindrucksvoll unterstreicht.

Dieser könnte ohnehin kaum größer sein, da der “Vedator” in dieser Spielzeit die Kapitänsbinde erhielt. Nachdem man enttäuschend in der Europa-League-Qualifikation gegen Bröndby IF ausschied, löste der 32-Jährige den langjährigen Kapitän Fabian Lustenberger ab. Man wollte einen “aggressiveren” Führungsstil auf dem Feld, das liefert Ibisevic. Zudem hat diese neue Rolle bewirkt, dass der Mittelstürmer deutlich ruhiger geworden ist und keine Platzverweise mehr provoziert (ja gut, einen in dieser Saison).

Des Weiteren verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag bis 2019, wodurch er ein deutliches Zeichen setzte und auf Geld verzichtet, denn Hertha konnte den hochdotierten Kontrakt seiner Stuttgart-Zeit nicht übernehmen. Ibisevic ist angekommenen und ist durch seine Erfahrung und Torgefahr eine große Säule in der Mannschaft geworden.

 

Trainer

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai ist ein Geschenk des Himmels, so könnte man meinen.

Die Fußballromantik erreicht bei Hertha BSC ihr Limit – Pal Dardai, Herthas Rekordspieler, der seit 20 Jahren im Verein arbeitet, führt zusammen mit Herthas Rekordtorschützen Michael Preetz die “alte Dame” zu immer größerem Erfolg.

Im letzten Jahr erreichte die Mannschaft unter seiner Leitung einen überraschenden siebten Platz, in der aktuellen Spielzeit scheint man diesen Erfolg zumindest wiederholen zu können.

Unser Trainerteam spielt eine bedeutende Rolle. Es entwickelte unsere Talente (Stark, Weiser, Plattenhardt, Brooks) weiter, schaffte eine klare spielerische Identität und ein gewisses Selbstverständnis, mit dem wir in die Spiele gehen. In diesem Jahr hat man sich erneut in jedem Bereich etwas weiterentwickelt, das ergibt eine selten dagewesene Konstanz.

Was waren Eure Highlights im Jahr 2016? Klickt auf das Banner darunter und stimmt bei den 2016 Onefootball Awards ab! Hier ist der Link: https://www.onefootball.com/magazine/onefootball-awards-2016/?native=1

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https://www.onefootball.com/magazine/onefootball-awards-2016/?native=1

Moment

Nun wird es ein wenig persönlicher, daher wechsel ich für diese Kategorie in die Ich-Form. Marcel und ich (Marc), die Chefredakteure von Hertha BASE 1892 wurden zum ersten Spiel der Saison 2016/17, das Heimspiel gegen den SC Freiburg eingeladen, um ein Interview mit Herthas Vereinssender “Hertha.TV” zu führen. Nachdem wir das Video abgedreht hatte, durften wir auf der Pressetribüne Platz nehmen und von dort das Spiel verfolgen.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

Die Partie verlief auf einem mäßigen Niveau, Hertha hatte aber spielerische Vorteile und führte verdient mit 1:0. Um die 75 Minute herum durften Marcel und ich die Schlussphase sogar kurz vor die bekannte Tartanbahn, nur wenige Meter hinter die Trainerbänke beobachten.

In der 93. Minute schockierte Freiburgs Kapitän Niclas Höfler das Olympiastadion, indem er eine Ecke Grifos zum Ausgleich einnickte. Die Berliner Fans waren der Verzweiflung nahe und waren drauf und dran ihre Köpfe in den Sand zu stecken, als der in der 85. Minute eingewechselte Schieber sich durch die Freiburger Abwehr tankte und nach mehreren Versuchen das eigentlich unmögliche 2:1 erzielte. Das Olympiastadion war vor Euphorie und positiv besetzter Fassungslosigkeit nicht mehr zu stoppen, es explodierte! Wir beide wären ebenfalls auf das Feld gesprintet, wären die Ordner nicht gewesen. Wir sahen Trikots und Flaschen fliegen, ein Tollhaus!

Dieser Moment wird unvergesslich bleiben und ist zweifellos der Moment 2016!

Spiel

Somit wäre auch das bedeutendste Spiel dieser Hinrunde gefunden, der erste Spieltag gegen den SC Freiburg.

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Oftmals ist das erste Spiel einer neuen Saison ein großer Faktor für den Verlauf einer Hinrunde. Hertha hatte eine miese Vorbereitung hinter sich, verschenkte die Europa-League-Quali auch noch an Bröndby IF und schleppte sich gerade noch durch die erste Runde des DFB-Pokals, indem man sich im Elfmeterschießen gegen Drittligist Jahn Regensburg durchsetzte. Die Anspannung und Ungewissheit vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger SC Freiburg war dementsprechend hoch.

Dieser Sieg entfachte eine neue Grundstimmung an der Hanns-Braun-Straße, man glaubte wieder an sich und arbeitete in Ruhe weiter. Es gibt keinen Quotienten, den man mathematisch genau berechnen kann, um zu ermitteln, inwiefern der Saisonauftakt entscheidend für die gesamte Spielzeit ist, jedoch lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Schiebers Tor ungemein wichtig für Herthas bisherigen Saisonverlauf ist.

Enttäuschung

Ondrej Duda war Herthas Königstransfer des Sommers. Der 22-Jährige kostete 4,2 Millionen Euro und unterschrieb für fünf Jahre in Berlin.

(Photo by Ian Walton/Getty Images).

(Photo by Ian Walton/Getty Images).

Trainer Dardai sagte, er habe „eine große Aufgabe“ für Duda. „Er hat einen sehr guten Körper, eine positive Ausstrahlung“, sagt er über Duda „Was ihn auszeichnet ist, dass er in die Tiefe geht. So einen Spieler hatte ich bisher nicht.“ Duda war schon in den Mündern der Insidern, doch dieses große Tunier war die Bühne für den jungen Mittelfeldspieler, um sich auf den Zettel der europäischen Vereine zu spielen. Er kam dort dreimal zum Einsatz und konnte sogar einen Treffer gegen Wales erzielen.

Das wohl größte Talent seines Landes spielte bei Legia Warschau im zentral offensiven Mittelfeld und entzückte die dortigen Fans mit seinem Können. Von den Experten des polnischen Fußballs wird er mit Marc Stendera von Eintracht Frankfurt verglichen – Seine besten Attribute sind Technik, Passspiel und Übersicht, besonders im schnellen Kombinationsspiel soll er seine Stärken haben.

Doch all diese Fakten und Lobeshymnen haben momentan keinen Wert, denn der Slowake konnte noch kein einziges Mal im Kader von Hertha BSC stehen. Komplizierte Knie-Probleme lassen ihn seit Monaten leiden, mittlerweile musste er sogar operiert werden, da jegliche konservativen Methoden nicht anschlugen. Es besteht eine kleine Chance, dass er tatsächlich das Wintertrainingslager absolvieren kann. Sollte dies nicht geschehen, kann er diese Saison wohl abhaken, da er dann kaum noch in die Mannschaft finden wird.

Die Situation um Ondrej Duda ist die größte Enttäuschung 2016.

Held

Herthas Erfolgsgeschichte hat viele Helden, jedoch kämpfte sich wohl niemand so sehr zurück wie Julian Schieber.

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Julian Schieber ist wieder da! Das ist nicht selbstverständlich, denn ein Knorpelschaden im Februar 2015 ließ ihn ein gesamtes Jahr aussetzen. Nach dieser langen Pause musste er damit umgehen, dass er seine Rolle als gesetzter Stürmer verloren hatte. Vedad Ibisevic war mittlerweile vor ihn gerückt, sodass Schieber nur Kurzeinsätze blieben.

Die Rolle des Jokers erfüllt er aber fantastisch, menschlich wie sportlich. Er erzielte das ungemein wichtige Siegtor gegen den SC Freiburg und traf auch im darauffolgenden Spiel in Ingolstadt. Zudem bereitete er den Siegtreffer Niklas Starks gegen Schalke 04 vor. Somit hat er großen Anteil an den 30 Punkten seiner Mannschaft. Sobald Schieber auf dem Platz ist, strahlt er große Präsenz und Spielfreude aus. Was er technisch nicht in Stande ist zu leisten, gleicht er durch Kampf und Teamgeist aus.

Vom gefeierten Neuzugang zum Edeljoker – Julian Schieber hat sich seinen Weg bei Hertha sicherlich anders vorgestellt. Nachdem er bei Borussia Dortmund gescheitert war und teilweise zum Gespött der Liga wurde, wollte er in Berlin einen Neuanfang wagen, alles Negative hinter sich lassen. Umso bemerkenswerter ist seine Art damit umzugehen. „Ich bin ein Teamplayer und genau das zeichnet mich aus. Vedads Tore sind wichtig für uns. Ich weiß, wie schnell es im Fußball gehen kann und habe auch meine Einsatzzeiten in jedem Spiel. Natürlich ist es „nur“ die Jokerrolle, damit kann ich aber leben. Ich will diese Rolle mit Erfolg ausfüllen. Das ist wichtig für die Mannschaft und für mich selbst. Ich weiß, wie lange eine Saison ist und dass ich auch ein Spiel von Anfang an machen werde“, sagte er am 19.11. diesen Jahres Eurosport.

Julian Schieber steht stellvertretend für den herausragenden Zusammenhalt der Mannschaft und ist der Held 2016.

Anti-Held

Ganz ehrlich? Diese Truppe hat aktuell nur Helden!

(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

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