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Hegeler-Verkauf – Ein konsequenter Schritt in die Zukunft

Nach zweieinhalb Jahren wird das Hegeler-Kapitel in Berlin geschlossen. Der 28-Jährige wechselt für 300.000 € zum englischen Zweitligisten Bristol City, bei dem er einen Vertrag bis 2019 unterschrieben hat. Dieser Wechsel ergibt für alle Seiten Sinn und ist ein weiterer Schritt in Herthas kontinuierlicher Entwicklung.

Jens Hegeler wechselte im Sommer 2014 von Bayer Leverkusen an die Spree und war Herthas erste Verpflichtung der Spielzeit 2014/15. Mit einer Ablöse von 900.000 € stellte er einen vergleichsweise teuren Neuzugang dar, der die Mannschaft laut dem damaligen Trainer Jos Luhukay “qualitativ besser machen” würde. Der Holländer sollte es wissen, schließlich spielte der Mittelfeldspieler bereits 2009 in Augsburg unter ihm. Es war eine von zwei Leihstationen Hegelers, der bei seinem Stammverein Bayer Leverkusen nie zum Stammspieler avancieren konnte und in den drei Jahren, in denen er wirklich bei der “Werkself” spielte, auf insgesamt 65 Pflichtspieleinsätze kam. Das einzige Mal, dass der gebürtige Kölner auffällig in Erscheinung trat, war das Champions-League-Gruppenspiel gegen Real Sociedad im Oktober 2013, das er durch einen wunderschönen Freistoß in der Nachspielzeit zum 2:1 entschied. Ansonsten war wenig über den damals 26-Jährigen bekannt: Ein hochgewachsener Spieler (1,93m), der recht flexibel einsetzbar ist und als taktisch intelligent gilt.

Hegeler wollte aus dem Schatten der Leverkusener Start-Elf hervorrücken und nun endlich selbst Stütze einer Mannschaft werden. Er sähe viele Möglichkeiten in Berlin, sagte er in einem Interview nach dem Wechsel. Die kommenden zwei Jahre sollten ihr Versprechen aber nicht halten können.

Einmal der Held sein - Hegeler gegen Mainz (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Einmal der Held sein – Hegeler gegen Mainz
(Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

In seiner ersten Saison im blau-weißen Trikot absolvierte er 24 Ligaspiele, von denen er 13 Mal in der Startelf stand. In den ersten elf Spielen stand er nur zweimal von Anfang an auf dem Feld und ergatterte fünfmal gar keine Einsatzminuten. Doch daraufhin plagten Hertha akute Verletzungssorgen in der Innenverteidigung, sodass Hegeler auf dieser Position aushalf und elfmal in Folge Startelf-Spieler war. Seine Leistungen waren durchaus ansprechend, vor allen Dingen in seinen ersten Partien war er äußerst souverän und überraschte die Zuschauer durch seine Polyvalenz. Als die angestammten Kräfte jedoch wiederkehrten, reduzierten sich seine Einsätze drastisch, sodass er in den letzten vier Begegnungen nicht einmal spielte und zweimal sogar auf der Tribüne sitzen musste. Trotz der längeren Periode, in der er zufriedenstellend spielte und beim Dardai-Debüt gegen Mainz sogar den siegbringenden Elfmeter zum 2:0-Endstand verwandelte, war es eine durchwachsene Saison für Hegeler. Er war erneut kein Stammspieler.

Die darauffolgende Spielzeit sollte keinesfalls besser werden! Dieses Mal kam er nur auf 16 Einsätze in der Liga, von denen er gerade einmal vier von Anfang an bestritt und neunmal in der Schlussviertelstunde eingewechselt wurde. Hegeler fand sich in einer neuen Rolle wieder: Der Last-Minute-Spieler. Sobald Pal Dardai eine knappe Führung über die Zeit retten musste, wurde der lange und ballsichere Hegeler aufs Feld geschickt. In neun Spielen wurde er innerhalb der letzten 15 Minuten eingetauscht, acht von diesen Begegnungen gewann Hertha. Hegeler kam an Dardais neu formierter Doppelsechs aus wahlweise Skjelbred, Lustenberger, Stark und Darida nicht mehr vorbei und musste die meiste Zeit auf Bank und Tribüne Platz nehmen.

Kein seltener Anblick - Hegeler nur im Trainingsleibchen (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Kein seltener Anblick – Hegeler nur im Leibchen (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch in der laufenden Saison ereilte ihn dieses Schicksal, nur sechs Einsätze und zwei Startelf-Nominierungen belegen es. In der zwei vergangenen Partien gegen RB Leipzig und den SV Darmstadt 98 durfte er zwei Spiele in Folge vom Anpfiff an bestreiten, dies rüttelte aber nicht an seiner Entscheidung, Hertha BSC verlassen zu wollen. Dies ist vollkommen verständlich, schließlich ist er mittlerweile 28 Jahre alt und möchte endlich regelmäßig zum Einsatz kommen. In zweieinhalb Jahren beim Haupstadtverein stehen 53 Pflichtspiele zu Buche, aber nur 21 in der Startelf und durchschnittlich 46 Minuten Einsatzzeit pro Spiel.

Hegeler kommt somit seinem auslaufenden Vertrag in Berlin zuvor und entscheidet sich für die englische zweite Liga, für Bristol City. Beim aktuell Tabellen-Achtzehnten sind die Chancen, oft in der Startelf zu stehen, wesentlich höher als bei Hertha. Dort war er nur noch reiner Ersatzspieler und wurde nur eingesetzt, wenn man die Schlussphase einer Partie zu überstehen hatte, oder von großem Verletzungspech heimgesucht wurde. Charakterlich war Jens Hegeler stets als äußerst mannschaftsdienlich einzuordnen. Er vergiftete die Stimmung der Mannschaft niemals, auch wenn er kaum Spielzeit erhielt. Er suchte nie den Weg der Öffentlichkeit, um etwaigen Frust über seine Rolle im Verein loszuwerden. Das ist ihm hoch anzurechnen und spricht für die starke Gemeinschaft der Herthaner Mannschaft.

Neue Chancen

Hegelers Wechsel ist für alle Seiten nur folgerichtig. Er wechselt zu einem Verein, der seine Dienste dringend benötigt, er wird viel spielen und Hertha kann somit den Weg für die Eigengewächse freimachen. Sein Verkauf war ein konsequenter Schritt in Richtung Herthas Zukunft.

Ein Bild aus vergangenen Tagen (Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Ein Bild aus vergangenen Tagen – Ronny und Jojo
(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Dieser begann bereits auf der vorletzten Mitgliederversammlung, auf der verkündet wurde, dass die auslaufenden Verträge von Johannes Van den Bergh und Sascha Burchert nicht verlängert werden und Hertha sich darüber hinaus von Ronny trennt, indem man seinen Kontrakt auflöst.

Diese drei Spieler waren schon lange keine Faktoren mehr für die erste Mannschaft der “alten Dame”, sondern nur noch für den blau-weißen Geldbeutel. Es war nur konsequent, nicht aufgrund alter Verbundenheit alle sportlichen Kriterien über Bord zu werfen, wie es bereits in der Vergangenheit geschehen ist. Um es etwas härter zu formulieren: Hertha “schleppt” keine Spieler mehr durch, sondern trennt sich von ihnen, sobald sie keinen sportlichen Wert mehr haben. Jens Hegeler fiel leider in dieses Muster und so war sein Verkauf ebenso konsequent. Der Kader besteht nun beinahe nur noch aus Leistungsträgern, engagierten Spielern aus der zweiten Reihe und aufstrebenden Talenten.

Jens Hegeler war sehr flexibel einsetzbar, konnte vom offensiven Mittelfeld bis zur Innenverteidigung alles nahezu gleichwertig spielen und war somit Dardais Allzweckwaffe auf der Ersatzbank. Der Ungar baute daher auf ihn und so fand sich Hegeler fast immer im 18er-Kader wieder. Einige andere Spieler mussten dadurch zu Hause oder auf der Tribüne bleiben. Vor allem Herthas Eigengewächse litten darunter. Im Sommer leitete Dardai einen Umbruch in Herthas “dritter Reihe” ein und setzte dort auf junge Spieler und nicht mehr auf erfahrene Profis, für die es nur selten für den 18er-Kader reichte. Burchert (26) wurde durch Körber (20), Van den Bergh (29) durch Mittelstädt (19) und Ronny (30) durch Kurt (20) ersetzt.

Torunarigha gegen Darmstadt auf der Bank (Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

Torunarigha gegen Darmstadt auf der Bank
(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai möchte eine höhere Durchlässigkeit zum Profi-Team gewährleisten und Herthas Talente so oft wie möglich mit der Männermannschaft trainieren lassen, sodass sie sich durch das hohe Niveau schneller steigern und empfehlen können. So standen diese Saison bereits fünf Eigengewächse im Bundesliga-Kader von Hertha: Nils Körber, Maxi Mittelstädt, Julius Kaade (17), Florian Baak (17) und Jordan Torunarigha (19). Zudem finden auch Allan (19) und Sinan Kurt (20) immer wieder ihren Weg in das Aufgebot und sogar auf den Platz.

Der U-Nationalverteidiger Jordan Torunarigha unterschrieb vor kurzem seinen Profivertrag bei Hertha BSC, der bis 2020 gültig ist. Er ist ein weiteres Zeichen für die “etwas” neue Ausrichtung Herthas. Sollten Langkamp, Brooks und co. erneut allesamt ausfallen, würde nun der 19-Jährige das Vertrauen bekommen, und kein Jens Hegeler mehr. Zwei Jungs aus dem “goldenen” 1999er Jahrgang werden von nun an nur noch mit der ersten Mannschaft trainieren und sollen bald ihren Profi-Vertrag unterzeichnen: Florian Baak (Innenverteidigung) und Arne Maier (17, zentrales Mittelfeld). Pal Dardai zur B.Z.: „Die beiden sind echte Rohdiamanten. Der Profivertrag ist der erste Schritt, aber es ist noch ein langer und harter Weg bis nach ganz oben!“ Für Arne Maier findet der 40-Jährige sogar noch größere Worte: „Ein echter Spielmacher. Die Ballmitnahme von Arne ist exzellent. Er ist ein absolutes Ausnahmetalent, ich weiß, dass ihn weltweit jede Menge Scouts auf der Liste haben.“

Da Alexander Baumjohann den Verein höchst wahrscheinlich noch im Winter verlassen wird, wäre erneut eine Lücke frei, die ein Arne Maier füllen könnte. Des Weiteren läuft der Vertrag von Thomas Kraft aus und es ist nicht zu erwarten, dass er diesen verlängern wird. Eigengewächs Marius Gersbeck (21) könnte die Rolle der Nummer zwei übernehmen – ganz im neuen Hertha-Stil!

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Nach zweieinhalb Jahren wird das Hegeler-Kapitel in Berlin geschlossen. Der 28-Jährige wechselt für 300.000 € zum englischen Zweitligisten Bristol City, bei dem er einen Vertrag bis 2019 unterschrieben hat. Dieser Wechsel ergibt für alle Seiten Sinn und ist ein weiterer Schritt in Herthas kontinuierlicher Entwicklung.

Jens Hegeler wechselte im Sommer 2014 von Bayer Leverkusen an die Spree und war Herthas erste Verpflichtung der Spielzeit 2014/15. Mit einer Ablöse von 900.000 € stellte er einen vergleichsweise teuren Neuzugang dar, der die Mannschaft laut dem damaligen Trainer Jos Luhukay “qualitativ besser machen” würde. Der Holländer sollte es wissen, schließlich spielte der Mittelfeldspieler bereits 2009 in Augsburg unter ihm. Es war eine von zwei Leihstationen Hegelers, der bei seinem Stammverein Bayer Leverkusen nie zum Stammspieler avancieren konnte und in den drei Jahren, in denen er wirklich bei der “Werkself” spielte, auf insgesamt 65 Pflichtspieleinsätze kam. Das einzige Mal, dass der gebürtige Kölner auffällig in Erscheinung trat, war das Champions-League-Gruppenspiel gegen Real Sociedad im Oktober 2013, das er durch einen wunderschönen Freistoß in der Nachspielzeit zum 2:1 entschied. Ansonsten war wenig über den damals 26-Jährigen bekannt: Ein hochgewachsener Spieler (1,93m), der recht flexibel einsetzbar ist und als taktisch intelligent gilt.

Hegeler wollte aus dem Schatten der Leverkusener Start-Elf hervorrücken und nun endlich selbst Stütze einer Mannschaft werden. Er sähe viele Möglichkeiten in Berlin, sagte er in einem Interview nach dem Wechsel. Die kommenden zwei Jahre sollten ihr Versprechen aber nicht halten können.

Einmal der Held sein - Hegeler gegen Mainz (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Einmal der Held sein – Hegeler gegen Mainz
(Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

In seiner ersten Saison im blau-weißen Trikot absolvierte er 24 Ligaspiele, von denen er 13 Mal in der Startelf stand. In den ersten elf Spielen stand er nur zweimal von Anfang an auf dem Feld und ergatterte fünfmal gar keine Einsatzminuten. Doch daraufhin plagten Hertha akute Verletzungssorgen in der Innenverteidigung, sodass Hegeler auf dieser Position aushalf und elfmal in Folge Startelf-Spieler war. Seine Leistungen waren durchaus ansprechend, vor allen Dingen in seinen ersten Partien war er äußerst souverän und überraschte die Zuschauer durch seine Polyvalenz. Als die angestammten Kräfte jedoch wiederkehrten, reduzierten sich seine Einsätze drastisch, sodass er in den letzten vier Begegnungen nicht einmal spielte und zweimal sogar auf der Tribüne sitzen musste. Trotz der längeren Periode, in der er zufriedenstellend spielte und beim Dardai-Debüt gegen Mainz sogar den siegbringenden Elfmeter zum 2:0-Endstand verwandelte, war es eine durchwachsene Saison für Hegeler. Er war erneut kein Stammspieler.

Die darauffolgende Spielzeit sollte keinesfalls besser werden! Dieses Mal kam er nur auf 16 Einsätze in der Liga, von denen er gerade einmal vier von Anfang an bestritt und neunmal in der Schlussviertelstunde eingewechselt wurde. Hegeler fand sich in einer neuen Rolle wieder: Der Last-Minute-Spieler. Sobald Pal Dardai eine knappe Führung über die Zeit retten musste, wurde der lange und ballsichere Hegeler aufs Feld geschickt. In neun Spielen wurde er innerhalb der letzten 15 Minuten eingetauscht, acht von diesen Begegnungen gewann Hertha. Hegeler kam an Dardais neu formierter Doppelsechs aus wahlweise Skjelbred, Lustenberger, Stark und Darida nicht mehr vorbei und musste die meiste Zeit auf Bank und Tribüne Platz nehmen.

Kein seltener Anblick - Hegeler nur im Trainingsleibchen (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Kein seltener Anblick – Hegeler nur im Leibchen (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch in der laufenden Saison ereilte ihn dieses Schicksal, nur sechs Einsätze und zwei Startelf-Nominierungen belegen es. In der zwei vergangenen Partien gegen RB Leipzig und den SV Darmstadt 98 durfte er zwei Spiele in Folge vom Anpfiff an bestreiten, dies rüttelte aber nicht an seiner Entscheidung, Hertha BSC verlassen zu wollen. Dies ist vollkommen verständlich, schließlich ist er mittlerweile 28 Jahre alt und möchte endlich regelmäßig zum Einsatz kommen. In zweieinhalb Jahren beim Haupstadtverein stehen 53 Pflichtspiele zu Buche, aber nur 21 in der Startelf und durchschnittlich 46 Minuten Einsatzzeit pro Spiel.

Hegeler kommt somit seinem auslaufenden Vertrag in Berlin zuvor und entscheidet sich für die englische zweite Liga, für Bristol City. Beim aktuell Tabellen-Achtzehnten sind die Chancen, oft in der Startelf zu stehen, wesentlich höher als bei Hertha. Dort war er nur noch reiner Ersatzspieler und wurde nur eingesetzt, wenn man die Schlussphase einer Partie zu überstehen hatte, oder von großem Verletzungspech heimgesucht wurde. Charakterlich war Jens Hegeler stets als äußerst mannschaftsdienlich einzuordnen. Er vergiftete die Stimmung der Mannschaft niemals, auch wenn er kaum Spielzeit erhielt. Er suchte nie den Weg der Öffentlichkeit, um etwaigen Frust über seine Rolle im Verein loszuwerden. Das ist ihm hoch anzurechnen und spricht für die starke Gemeinschaft der Herthaner Mannschaft.

Neue Chancen

Hegelers Wechsel ist für alle Seiten nur folgerichtig. Er wechselt zu einem Verein, der seine Dienste dringend benötigt, er wird viel spielen und Hertha kann somit den Weg für die Eigengewächse freimachen. Sein Verkauf war ein konsequenter Schritt in Richtung Herthas Zukunft.

Ein Bild aus vergangenen Tagen (Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Ein Bild aus vergangenen Tagen – Ronny und Jojo
(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Dieser begann bereits auf der vorletzten Mitgliederversammlung, auf der verkündet wurde, dass die auslaufenden Verträge von Johannes Van den Bergh und Sascha Burchert nicht verlängert werden und Hertha sich darüber hinaus von Ronny trennt, indem man seinen Kontrakt auflöst.

Diese drei Spieler waren schon lange keine Faktoren mehr für die erste Mannschaft der “alten Dame”, sondern nur noch für den blau-weißen Geldbeutel. Es war nur konsequent, nicht aufgrund alter Verbundenheit alle sportlichen Kriterien über Bord zu werfen, wie es bereits in der Vergangenheit geschehen ist. Um es etwas härter zu formulieren: Hertha “schleppt” keine Spieler mehr durch, sondern trennt sich von ihnen, sobald sie keinen sportlichen Wert mehr haben. Jens Hegeler fiel leider in dieses Muster und so war sein Verkauf ebenso konsequent. Der Kader besteht nun beinahe nur noch aus Leistungsträgern, engagierten Spielern aus der zweiten Reihe und aufstrebenden Talenten.

Jens Hegeler war sehr flexibel einsetzbar, konnte vom offensiven Mittelfeld bis zur Innenverteidigung alles nahezu gleichwertig spielen und war somit Dardais Allzweckwaffe auf der Ersatzbank. Der Ungar baute daher auf ihn und so fand sich Hegeler fast immer im 18er-Kader wieder. Einige andere Spieler mussten dadurch zu Hause oder auf der Tribüne bleiben. Vor allem Herthas Eigengewächse litten darunter. Im Sommer leitete Dardai einen Umbruch in Herthas “dritter Reihe” ein und setzte dort auf junge Spieler und nicht mehr auf erfahrene Profis, für die es nur selten für den 18er-Kader reichte. Burchert (26) wurde durch Körber (20), Van den Bergh (29) durch Mittelstädt (19) und Ronny (30) durch Kurt (20) ersetzt.

Torunarigha gegen Darmstadt auf der Bank (Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

Torunarigha gegen Darmstadt auf der Bank
(Photo by Annegret Hilse/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai möchte eine höhere Durchlässigkeit zum Profi-Team gewährleisten und Herthas Talente so oft wie möglich mit der Männermannschaft trainieren lassen, sodass sie sich durch das hohe Niveau schneller steigern und empfehlen können. So standen diese Saison bereits fünf Eigengewächse im Bundesliga-Kader von Hertha: Nils Körber, Maxi Mittelstädt, Julius Kaade (17), Florian Baak (17) und Jordan Torunarigha (19). Zudem finden auch Allan (19) und Sinan Kurt (20) immer wieder ihren Weg in das Aufgebot und sogar auf den Platz.

Der U-Nationalverteidiger Jordan Torunarigha unterschrieb vor kurzem seinen Profivertrag bei Hertha BSC, der bis 2020 gültig ist. Er ist ein weiteres Zeichen für die “etwas” neue Ausrichtung Herthas. Sollten Langkamp, Brooks und co. erneut allesamt ausfallen, würde nun der 19-Jährige das Vertrauen bekommen, und kein Jens Hegeler mehr. Zwei Jungs aus dem “goldenen” 1999er Jahrgang werden von nun an nur noch mit der ersten Mannschaft trainieren und sollen bald ihren Profi-Vertrag unterzeichnen: Florian Baak (Innenverteidigung) und Arne Maier (17, zentrales Mittelfeld). Pal Dardai zur B.Z.: „Die beiden sind echte Rohdiamanten. Der Profivertrag ist der erste Schritt, aber es ist noch ein langer und harter Weg bis nach ganz oben!“ Für Arne Maier findet der 40-Jährige sogar noch größere Worte: „Ein echter Spielmacher. Die Ballmitnahme von Arne ist exzellent. Er ist ein absolutes Ausnahmetalent, ich weiß, dass ihn weltweit jede Menge Scouts auf der Liste haben.“

Da Alexander Baumjohann den Verein höchst wahrscheinlich noch im Winter verlassen wird, wäre erneut eine Lücke frei, die ein Arne Maier füllen könnte. Des Weiteren läuft der Vertrag von Thomas Kraft aus und es ist nicht zu erwarten, dass er diesen verlängern wird. Eigengewächs Marius Gersbeck (21) könnte die Rolle der Nummer zwei übernehmen – ganz im neuen Hertha-Stil!

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