BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 2. Spieltag: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Auf der Partie zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC stand das Siegel “Topspiel”, letztendlich konnte der BVB aber einen ungefährdeten Heimsieg einfahren. Die Mannschaft von Peter Bosz ließ zu kaum einen Zeitpunkt einen Zweifel ankommen, wer Herr dieses Spiels sein würde und gewann verdient mit 2:0. Die Männer von Pal Dardai können sich zwar nicht allzu viel vorwerfen, für einen spannenden Kampf konnten sie allerdings kaum sorgen. So verzeichnet die “alte Dame” in ihrem dritten Pflichtspiel der Saison 2017/18 ihre erster Niederlage und kann ihre Wunden in der anstehenden Länderspielpause lecken. Eventuell kann ja bereits diese Einzelkritik dazu beitragen, zumindest bei manchen Akteuren.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger hatte am Samstagabend einen sehr undankbaren Job, konnte er doch nichts für die beiden Gegentreffer.

Im ersten Durchgang konnte sich Jarstein noch etwas auszeichnen, als er den Schuss aus kurzer Distanz von Christian Pulisic und den Distanzhammer von Maxi Philipp souverän hielt und somit nach dem 1:0-Rückstand schlimmeres verhinderte. Bei diesem konnte er nur hinterhergucken, zu platziert war der Schuss von Aubameyang.

Auch nach der Halbzeit wusste der 32-Jährige zu überzeugen, ohne aber die ganz großen Glanztaten auspacken zu müssen. Zunächst hielt er einen zu zentral platzierten Volley von Philipp, um wenig später gegen das Traumtor von Nuri Sahin machtlos hinterherzugucken. Der Dropkick des Türken dürfte nach unseren Berechnungen die Schallmauer durchbrochen haben, kein Vorwurf also an unseren Keeper. Danach durfte er noch zweimal gegen Pulisic klären.

Eine sehr ordentliche Vorstellung Jarsteins, der jedoch keine Chance erhielt, die Gegentreffer zu verhindern. Seine Paraden waren zwar allesamt sicher, jedoch wenig spektakulär, da in diesen Szenen die Genauigkeit der Dortmunder etwas nachließ.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 3-

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Zwar konnte Weiser immer wieder Akzente setzen, jedoch fing er zu spät damit an und zeigte vor allem defensive Schwächen.

Auch für solch einen technisch versierten und modernen Außenverteidiger wie Mitchell Weiser ist die Defensive immer noch das größte Augenmerk und dort sah er meist nicht gut aus. Der 23-Jährige ließ seinen Gegenspieler Maxi Philipp viel zu oft ziehen, sodass dieser immer wieder in aussichtsreiche Schusspositionen kam. In direkten Duellen mit ihm und Linksverteidiger Zagadou hatte Weiser auch oft das Nachsehen. Zudem war Weisers Verhalten in der Rückwärtsbewegung alles andere als zufriedenstellend, denn zog es ihn nach vorne, so klaffte eine riesige Lücke in Herthas Viererkette, die er oft nicht schließen konnte. Seine defensive Darbietung war somit ungenügend.

Im Offensivspiel liegen bekanntlich seine Stärken und dort hatte er auch in dieser Begegnung seine besten Momente. Weiser war oftmals der einzige Herthaner, der ein wirkliches Gegenpressing ansetzte und Dortmund somit zumindest ein wenig unter Druck brachte. Des Weiteren hinterlief er Mathew Leckie in vielen Situationen mit gutem Tempo und Timing, wodurch er Lücken in Dortmunds Defensive aufriss und für Gefahr sorgte. Weiser bereitete auch durch solche Szenen insgesamt drei Torschüsse, die meisten aller Herthaner. Leider lief er sich aber auch in zahlreichen Momenten einfach nur fest und sorgte dadurch für die angesprochenen Momente, in denen er in Herthas Abwehr fehlte. Insgesamt gewann er nur 35% seiner Zweikämpfe, die drittschlechteste Bilanz aller Spieler in blau-weiß.

Sicherlich war Weiser einer der einzigen Herhaner, die auch wirklich mitspielen wollten und konnten, davon darf man sich aber nicht blenden lassen. Durch sein schwaches Stellungsspiel brachte er seine Mannschaft immer wieder in Gefahr, so war er einer der Spieler, die beim 1:0 viel zu weit weg von Flankengeber Nuri Sahin standen. Das kann er deutlich besser und muss sich nach dieser Partie und auch der ausbaufähigen Leistung gegen Stuttgart steigern.

Sebastian Langkamp – Note: 3

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Der Abwehr-Routinier hatte zwar ein paar Wackler in seinem Spiel, wusste aber insgesamt zu überzeugen und war sicherlich nicht an der Niederlage Schuld.

Langkamp musste zunächst in die Partie finden, das merkte man und so klärte er ein paar Szenen öfter ins Seitenaus, als es spielerisch sauber zu lösen. Doch solange er dabei keine Patzer kreiert, kann man ihm wenig ankreiden. Nach rund 20 Minuten war Langkamp voll da. Der 29-Jährige konnte dennoch keinen Gegentreffer verhindern, beide Szenen fanden nicht in seinem Wirkungsbereich statt, sodass er nicht hätte eingreifen können. Wenn er etwas bewirken konnte, tat er das. Langkamp klärte insgesamt fünf Situationen, fing einige Bälle ab und behielt auch im aggressiven Gegenpressing der Dortmunder die Ruhe, brachte 83% seiner Pässe zu seinen Mitspielern.

Auffällig waren Langkamps Offensivszenen, ein seltenes Bild. Im zweiten Durchgang hatte er durch zwei Plattenhardt-Hereingaben die Doppelchance zum Anschlusstreffer, jedoch hielt Bürki einmal großartig und wird beim zweiten Versuch von einem Verteidiger unterstützt.

Langkamp zeigte eine zufriedenstellende Leistung, die aber vor zwei Gegentreffern nicht gefeit war.

Karim Rekik – Note: 2

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Vor dem Spiel wurde die Frage gestellt, ob der Holländer seine bisher sehr guten Leistungen auch gegen einen echten Top-Gegner bestätigen kann und er ließ Taten sprechen.

Rekik zeigte eine starke Partie und konnte vor allem in direkten Duellen mit BVB-Torjäger Aubameyang überzeugen, den er meist sehr gut in Schach halten konnte. In vielen Augen tat er das beim 1:0-Treffer des Gabuners nicht, jedoch trifft in bei diesem Tor keine Schuld. Rekik steht nahe genug an dem Stürmer dran und hat viel Pech, dass er von ihm getunnelt wird. Der Fehler entsteht früher, da die Flanke auf Aubameyang hätte verhindert werden müssen, danach sind Rekik und Torhüter Jarstein machtlos.

Darüber hinaus war es aber eine wirklich gute Vorstellung des 22-Jährigen, der 60% seiner Zweikämpfe gewann und großes Kämpferherz bewies. Er blockte Schüsse, klärte brenzliche Situationen, fing Bälle ab und tackelte auch einige Male sehr effektiv. Kurzum: Rekik war stets zur Stelle und somit der stärkste Part in Herthas Defensivverbund.

Eine beeindrucke Leistung des Neuzugangs, der sich vollkommen akklimatisiert hat und keinerlei Anpassungsschwierigkeiten an die Bundesliga zu haben scheint.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Linksverteidiger wirkte deutlich konzentrierter und aufgeregter als sein Flügelpendant Mitchell Weiser.

Plattenhardt hatte auf dem Papier die deutlich schwierige Aufgabe mit Christian Pulisic, jedoch löste er sie in vielen Situationen überraschend souverän. Er gewann 71% seiner Zweikämpfe, ein herausragende Quote und ließ Pulisic möglichst selten in die gefährlichen Zonen. Der US-Amerikaner war zwar sehr aktiv, verlor aber die meisten Duelle und verzeichnete nur einen recht gefährlichen Abschluss, nachdem er Plattenhardt ausgedribbelt hatte. Zudem fing Herthas Linksverteidiger bereits ein paar Zuspiele auf das Offensiv-Juwel ab, sodass er die Gefahr im Keim erstickte.

Vom Pulisic in der eigenen Hälfte eingeschnürt, konnte “Platte” nur glänzen, wenn er die Standards treten durfte. Der 25-Jährige kreierte durch seine Ecken und Freistöße einige der dünn gesäten Hertha-Chancen, so legte er die Kopfbälle von Niklas Stark und Sebastian Langkamp auf. Fast verrückt erscheint, dass er Langkamp noch ein weitere Möglichkeit servierte, aber mit seinem rechten (!) Fuß – das passiert nahezu nie. Ein paar Eckstöße vertändelte Plattenhardt zwar, zusammengefasst versprühten seine Standards aber große Gefahr.

Eine wirklich solide Leistung des Confed-Cup-Siegers, der seine Erfahrung gegen den jungen Pulisic ausspielte und somit für eine recht sichere linke Seite sorgte. Offensiv konnte aus dem Spiel heraus kaum bis gar nicht wirken, seine ruhenden Bälle konnten sich hingehen sehen lassen.

Mittelfeld

Niklas Stark – Note: 2-

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Der 22-Jährige war bei seinem Startelf-Comeback noch einer der besten Feldspieler bei Hertha.

Es war offensichtlich, dass Pal Dardai gegen den BVB vor allem das Zentrum eng gestalten wollte und dafür war Stark die passende Personalie. Der defensive Mittelfeldspieler warf sich in jeden Zweikampf, doppelte viele Dortmunder und betrieb generell einen sehr hohen Aufwand in Herthas Defensive. Stark gewann überragende 76% seiner Zweikämpfe, ließ seinen Gegenspielern also kaum eine Chance durchzubrechen, so kamen Götze, Castro oder Sahin nahezu nie in eine geeignete Schussposition. Außer dem Tor von Nuri Sahin gab es nur einen recht gefährlichen Schuss (von Philipp) innerhalb des Raumes, den Stark abdeckte. Sein Stellungsspiel hätte in ein paar Situationen zwar besser sein können, insgesamt machte er aber durch seine Zweikampfstärke und seinen immensen Laufaufwand (11,2 km) vieles wett und war defensiv von sehr hohem Wert. Aufgrund von Starks Leistung musste der BVB immer wieder über die Außen angreifen, wo es weitaus einfacher zu verteidigen ist, als wenn er durch die Spielmitte angegriffen hätte. Leider war aber auch Stark einer der Spieler, die Nuri Sahin bei seiner Flanke zum 1:0 hätten energischer attackieren müssen, beim 2:0 war Stark jedoch machtlos.

Defensiv äußerst engagiert, hatte er auch offensiv zwei gute Szenen. Im ersten Durchgang löste er sich bei einem Freistoß von Plattenhardt sehr gut von seinem Gegner, konnte den Kopfball aber nicht mehr genug “drücken”, sodass Dortmunds Torwart Roman Bürki kein Problem mit ihm hatte. Kurz vor Schluss forderte Stark ihn noch einmal mehr heraus, sein Schuss ins rechte Eck konnte der Schweizer aber zur Ecke klären.

Eine beinahe tadellose Leistung von Stark, der anscheinend wieder bei 100% ist. In ein paar Szenen hätte er näher bei seinem Gegenspieler sein müssen, insgesamt spielte er aber sehr diszipliniert und kämpferisch betont. Im Spiel nach vorne wirkte er zu hölzern und wenig kreativ, dafür war er defensiv wohl auch zu eingespannt.

Per Skjelbred – Note: 3

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

So schlecht seine erste Halbzeit war, so gut zeigte er sich in der zweiten.

In den ersten 45 Minuten sah Hertha nur wenig Licht, kam kaum aus seiner eigenen Hälfte heraus. Ein Faktor dafür war Per Skjelbred, der zunächst nicht in die Partie fand. Der Norweger bewegte sich zwar viel, fand aber kaum in die Zweikämpfe und wurde oftmals überlaufen. Sein größtes Defizit war aber sein Passspiel, denn kam er doch einmal an Ball heran, machte ihm das Pressing Dortmunds große Probleme. Wurde “Schelle” angelaufen, verursachte er leichtfertige Ballverluste und haarsträubende Fehlpässe, was dem BVB in seiner Strategie nur bestärkte. Der Hausherr behielt so meist die Kontrolle, da Hertha sich nicht aus der eigenen Hälfte lösen konnte.

Wie ausgewechselt kam der Skjelbred aus der Pause, er zeigte urplötzlich eine Leistung, die an seine herausragende Partie gegen den VfB Stuttgart erinnerte. Er wirkte sehr viel wacher, war präsent und brachte das Spiel seiner Mannschaft voran. Der 30-Jährige gewann 70% seiner Zweikämpfe, holte sich die Bälle in seiner typischen Art, indem er das Spiel liest und mit seinem starken Stellungsspiel viele Bälle abfängt/abläuft. Zudem verbesserte er sein Passspiel deutlich, ihm unterliefen keine wirklichen Patzer mehr. Er brachte das Spielgerät sauber aus der eigenen Hälfte heraus, wodurch Herthas Spiel nach vorne deutlich flüssiger wurde.

Ein Spiel mit Licht und Schatten für Skjelbred, der ungewohnte Startprobleme hatte, aber wieder in die Spur fand.

Vladimir Darida – Note: 3+

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Trotz seiner großen Präsenz auf dem Feld hätte Darida so viel mehr aus seinem Spiel machen können.

Wenn etwas in Herthas Offensive passierte, dann war der Tscheche daran beteiligt. Darida verzeichnete mit 59 Ballkontakten die zweitmeisten seines Teams, spielte die zweitmeisten Pässe und lief mit gewohnt überragenden 13,1 km die größte Strecke aller Herthaner. Er glänzte immer wieder, wenn er als Verbindungsspieler von Abwehr und Angriff agieren konnte und die kleinen Mittelfelduelle für sich entschied. Er setzte Kalou, Leckie oder Weiser gut in Szene und war stets anspielbar. Bei Dortmunds energischem Pressing ist eine Passquote in der gegnerischen Hälfte von 74% vollkommen in Ordnung.

Und obwohl bisher nur lobende Worte fielen, müssen wir auch Kritik üben. Ja, Darida überzeugt als Box-to-Box-Player in allen Belangen, jedoch nicht als zentraler Spielgestalter. Wenn Dardai nach dem Spiel sagt, dass sein Team genug Möglichkeiten hatte und nur der letzte Pass fehlte, dann ist vor allem der 27-Jährige angesprochen, der im Kopf viel zu oft ein bis drei Schritte zu langsam war. In zahlreichen Momenten hätte er lieber passen als schießen sollen, oder früher das Zuspiel auf einen beispielsweise durchstartenden Leckie wählen müssen. So versackten viele aussichtsreiche Angriffe, die einfach besser ausgespielt werden müssen.

Bei allem Aufwand muss also festgehalten werden, dass Darida gegen Dortmund zu oft das Auge für den entscheidenden Pass fehlte und er somit die Chancen auf einen Treffer minimierte.

Mathew Leckie – Note: 3

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Der Australier bestritt seine erste Partie im blau-weißen Dress gegen einen Top-Gegner und konnte trotz seiner wenigen Szenen überzeugen.

Leckie hatte einen schweren Stand in diesem Spiel, schließlich bekam er nur selten den Ball und musste sich vorrangig mit Defensivarbeit und dem Lauern auf Konter begnügen. Diese Aufgabe erfüllte er absolut zufriedenstellend, denn er betrieb großen Aufwand, um Weiser defensiv unter die Arme zu greifen und gleichzeitig auch offensiv ein wenig Präsenz auszustrahlen.

Von Darida selten in Szene gesetzt, versuchte er durch Rotation mit Salomon Kalou ein wenig Unruhe zu stiften, jedoch waren seine Außenverteidiger oft defensiv zu sehr eingespannt, als dass sie ihn unterstützen und für Räume sorgen konnten. So war Leckie oft auf sich alleine gestellt und konnte bis auf ein paar erfolglose Hereingaben wenig bewirken. Defensiv ackerte er aber voll mit und gewann knapp 57% seiner Zweikämpfe, eine wirklich gute Bilanz für einen offensiven Außenbahnspieler. Er verlor zwar das entscheidende Duell vor dem 1:0, jedoch stand er unglücklich zum Ball, einen großen Vorwurf kann man ihm also nicht machen.

In der Schlussphase der Partie öffneten sich mehr Räume für ihn, so sah man einige gute Kombinationen zwischen Leckie und Weiser, jedoch ohne Ertrag. Er versuchte immer wieder mit Sprints Lücken in die BVB-Abwehr zu reißen, aber seine Mitspieler erkannten das zu selten, sodass er nicht (wie gegen Stuttgart) “geschickt” wurde und ohne Ball einfach nur ertragslosen Aufwand betrieb.

Eine engagierte und disziplinierte Leistung des 26-Jährigen, der schlichtweg besser hätte eingebunden werden müssen.

Salomon Kalou – Note: 5

(Photo credit should read INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Wie schon gegen Stuttgart lieferte Kalou eine absolut enttäuschende Leistung ab.

Der Ivorer fand zu keinem Zeitpunkt der Partie ab, das belegen allein seine 17 Ballkontakte. Zudem ließ er jede Durchschlagskraft vermissen, er verlor jeden seiner fünf Zweikämpfe. Ob gegen Zagadou oder Łukasz Piszczek, Herthas Routinier stellte absolut keine Gefahr für Dortmund dar.  Zudem brachte er gerade einmal die Hälfte seiner 14 Pässe zum Mitspieler.

Es fühlte sich an, als wäre Hertha zu zehnt aufgelaufen, schließlich beteiligte sich der 32-Jährige nicht einmal an der Defensivarbeit seiner Mannschaft. So stand er anteilnahmslos in der gegnerischen Hälfte, während Plattenhardt und co. überrollt wurden. Hätte er dafür offensiv wenigstens etwas bewegt, hätte man ihm verzeihen können, aber keine einzige Beteiligung an einer Torchance brachte Kalou zustande.

Ein Auftritt, bei dem selbst 58 Minuten zu viel waren. Kalou wurde vollkommen zurecht ausgewechselt und zeigt im zweiten Spiel in Folge eine unterirdische Leistung.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Auch Herthas Mittelstürmer nahm überhaupt nicht an der Begegnung teil, auch wenn es sicherlich kein leichtes Spiel für ihn war.

Der 33-Jährige hatte einen äußerst schweren Stand am Samstagabend, da Hertha besonders im ersten Durchgang offensiv nicht stattfand und man Angst haben musste, dass er in der Dortmunds Spielhälfte vereinsamen würde. Er erhielt kaum brauchbare Zuspiele, Vorlagen für etwaige Schussmöglichkeiten schon gar nicht.

Aber auch der Bosnier tat einiges dafür, dass es im Spiel nach vorne nicht voranging. Ein Hertha-BASE-Redakteur hatte einen passenden Vergleich: “Mit Ibisevic ins Kombinationsspiel bedeutet aktuell, dass man einen Flummi gegen eine Betonwand wirft”, polemisch, aber treffend. Spielte man Ibisevic an, kam die Kugel postwendend zurück, weil er sie direkt in zum Gegner weiterleitete, der den Gegenangriff starten konnte. Der “Vedator” konnte keinerlei Bälle halten, was sonst seine Stärke und so wichtig für Herthas Angriffsspiel ist.

Seinen größten Beitrag zum Spiel leistete sich Ibisevic beim 2:0, was er persönlich einleitete. Er erhielt den Ball, tunnelte einen Dortmunder gekonnt und anstatt auf den aufgerückten Darida zu spielen, dribbelte er sich fest und verlor das Spielgerät. Eine viel ungünstigere Situation hätte es kaum geben können, da Herthas Mittelfeld aufgerückt war und der BVB somit sehr viel “Wiese” vor sich hatte und sich relativ unbedrängt in den Strafraum kombinieren konnte.

Auch wenn es eine wirklich undankbare Partie für Ibisevic war, kann man erwarten, dass er mit all seiner Erfahrung mehr aus ihr macht.

Einwechslungen

Genki Haraguchi – Note: 5+

(Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

Der Japaner ersetzte Salomon Kalou auf der linken Außenbahn, blieb aber ähnlich blass wie der Ivorer.

Haraguchi hätte noch einiges bewegen können, schließlich lebt er von seiner Agilität und einem großen Laufaufwand, was gegen müde Dortmunder sehr effektiv gewesen sein könnte. Der 26-Jährige nutzte diese Chance aber nicht, sondern begrüßte seine Mannschaft erst einmal mit einem totalen Querschläger, der in einer Ecke Dortmund endete.

Haraguchi belebte die Partie nicht, er trieb nur das fehlerhafte Kombinationsspiel seines Vorgängers voran, wodurch er einige aussichtsreiche Angriffe verschleppte. Es war schlichtweg zu wenig, er gewann nur 33% seiner Duelle und wagte einfach nichts.

Mit zwei frischen Offensivspielern noch einmal für Dynamik zu sorgen, hätte für Pal Dardai aufgehen können, jedoch nicht mit einem so mies aufgelegten Haraguchi, der sich nicht zu verbessern scheint.

Alexander Esswein – Note: 4-

(Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Der Vertreter von Vedad Ibisevic konnte ähnlich wenig bewirken, auch wenn bei ihm zumindest ein Wille zu erkennen war.

Esswein fiel vor allem durch seine vielen Läufe ins Abseits auf, insgesamt drei Mal wurde er zurückgepfiffen. Dadurch war zumindest ersichtlich, dass er etwas versuchen wollte. Zudem war es meistens recht knapp, sodass er mit etwas Glück wirklich durchgebrochen wäre und dann allein vor dem Tor gestanden hätte.

Der 27-Jährige rannte die gegnerische Innenverteidigung so oft an, wie er nur konnte (etwas, das vorher gefehlt hatte), aber ohne die Unterstützung seiner Kollegen war es eine vergebene Mühe.

Auch Esswein konnte nichts mehr für seine Mannschaft drehen, auch wenn sein Einsatz stimmte.

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Auf der Partie zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC stand das Siegel “Topspiel”, letztendlich konnte der BVB aber einen ungefährdeten Heimsieg einfahren. Die Mannschaft von Peter Bosz ließ zu kaum einen Zeitpunkt einen Zweifel ankommen, wer Herr dieses Spiels sein würde und gewann verdient mit 2:0. Die Männer von Pal Dardai können sich zwar nicht allzu viel vorwerfen, für einen spannenden Kampf konnten sie allerdings kaum sorgen. So verzeichnet die “alte Dame” in ihrem dritten Pflichtspiel der Saison 2017/18 ihre erster Niederlage und kann ihre Wunden in der anstehenden Länderspielpause lecken. Eventuell kann ja bereits diese Einzelkritik dazu beitragen, zumindest bei manchen Akteuren.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger hatte am Samstagabend einen sehr undankbaren Job, konnte er doch nichts für die beiden Gegentreffer.

Im ersten Durchgang konnte sich Jarstein noch etwas auszeichnen, als er den Schuss aus kurzer Distanz von Christian Pulisic und den Distanzhammer von Maxi Philipp souverän hielt und somit nach dem 1:0-Rückstand schlimmeres verhinderte. Bei diesem konnte er nur hinterhergucken, zu platziert war der Schuss von Aubameyang.

Auch nach der Halbzeit wusste der 32-Jährige zu überzeugen, ohne aber die ganz großen Glanztaten auspacken zu müssen. Zunächst hielt er einen zu zentral platzierten Volley von Philipp, um wenig später gegen das Traumtor von Nuri Sahin machtlos hinterherzugucken. Der Dropkick des Türken dürfte nach unseren Berechnungen die Schallmauer durchbrochen haben, kein Vorwurf also an unseren Keeper. Danach durfte er noch zweimal gegen Pulisic klären.

Eine sehr ordentliche Vorstellung Jarsteins, der jedoch keine Chance erhielt, die Gegentreffer zu verhindern. Seine Paraden waren zwar allesamt sicher, jedoch wenig spektakulär, da in diesen Szenen die Genauigkeit der Dortmunder etwas nachließ.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 3-

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Zwar konnte Weiser immer wieder Akzente setzen, jedoch fing er zu spät damit an und zeigte vor allem defensive Schwächen.

Auch für solch einen technisch versierten und modernen Außenverteidiger wie Mitchell Weiser ist die Defensive immer noch das größte Augenmerk und dort sah er meist nicht gut aus. Der 23-Jährige ließ seinen Gegenspieler Maxi Philipp viel zu oft ziehen, sodass dieser immer wieder in aussichtsreiche Schusspositionen kam. In direkten Duellen mit ihm und Linksverteidiger Zagadou hatte Weiser auch oft das Nachsehen. Zudem war Weisers Verhalten in der Rückwärtsbewegung alles andere als zufriedenstellend, denn zog es ihn nach vorne, so klaffte eine riesige Lücke in Herthas Viererkette, die er oft nicht schließen konnte. Seine defensive Darbietung war somit ungenügend.

Im Offensivspiel liegen bekanntlich seine Stärken und dort hatte er auch in dieser Begegnung seine besten Momente. Weiser war oftmals der einzige Herthaner, der ein wirkliches Gegenpressing ansetzte und Dortmund somit zumindest ein wenig unter Druck brachte. Des Weiteren hinterlief er Mathew Leckie in vielen Situationen mit gutem Tempo und Timing, wodurch er Lücken in Dortmunds Defensive aufriss und für Gefahr sorgte. Weiser bereitete auch durch solche Szenen insgesamt drei Torschüsse, die meisten aller Herthaner. Leider lief er sich aber auch in zahlreichen Momenten einfach nur fest und sorgte dadurch für die angesprochenen Momente, in denen er in Herthas Abwehr fehlte. Insgesamt gewann er nur 35% seiner Zweikämpfe, die drittschlechteste Bilanz aller Spieler in blau-weiß.

Sicherlich war Weiser einer der einzigen Herhaner, die auch wirklich mitspielen wollten und konnten, davon darf man sich aber nicht blenden lassen. Durch sein schwaches Stellungsspiel brachte er seine Mannschaft immer wieder in Gefahr, so war er einer der Spieler, die beim 1:0 viel zu weit weg von Flankengeber Nuri Sahin standen. Das kann er deutlich besser und muss sich nach dieser Partie und auch der ausbaufähigen Leistung gegen Stuttgart steigern.

Sebastian Langkamp – Note: 3

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Der Abwehr-Routinier hatte zwar ein paar Wackler in seinem Spiel, wusste aber insgesamt zu überzeugen und war sicherlich nicht an der Niederlage Schuld.

Langkamp musste zunächst in die Partie finden, das merkte man und so klärte er ein paar Szenen öfter ins Seitenaus, als es spielerisch sauber zu lösen. Doch solange er dabei keine Patzer kreiert, kann man ihm wenig ankreiden. Nach rund 20 Minuten war Langkamp voll da. Der 29-Jährige konnte dennoch keinen Gegentreffer verhindern, beide Szenen fanden nicht in seinem Wirkungsbereich statt, sodass er nicht hätte eingreifen können. Wenn er etwas bewirken konnte, tat er das. Langkamp klärte insgesamt fünf Situationen, fing einige Bälle ab und behielt auch im aggressiven Gegenpressing der Dortmunder die Ruhe, brachte 83% seiner Pässe zu seinen Mitspielern.

Auffällig waren Langkamps Offensivszenen, ein seltenes Bild. Im zweiten Durchgang hatte er durch zwei Plattenhardt-Hereingaben die Doppelchance zum Anschlusstreffer, jedoch hielt Bürki einmal großartig und wird beim zweiten Versuch von einem Verteidiger unterstützt.

Langkamp zeigte eine zufriedenstellende Leistung, die aber vor zwei Gegentreffern nicht gefeit war.

Karim Rekik – Note: 2

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Vor dem Spiel wurde die Frage gestellt, ob der Holländer seine bisher sehr guten Leistungen auch gegen einen echten Top-Gegner bestätigen kann und er ließ Taten sprechen.

Rekik zeigte eine starke Partie und konnte vor allem in direkten Duellen mit BVB-Torjäger Aubameyang überzeugen, den er meist sehr gut in Schach halten konnte. In vielen Augen tat er das beim 1:0-Treffer des Gabuners nicht, jedoch trifft in bei diesem Tor keine Schuld. Rekik steht nahe genug an dem Stürmer dran und hat viel Pech, dass er von ihm getunnelt wird. Der Fehler entsteht früher, da die Flanke auf Aubameyang hätte verhindert werden müssen, danach sind Rekik und Torhüter Jarstein machtlos.

Darüber hinaus war es aber eine wirklich gute Vorstellung des 22-Jährigen, der 60% seiner Zweikämpfe gewann und großes Kämpferherz bewies. Er blockte Schüsse, klärte brenzliche Situationen, fing Bälle ab und tackelte auch einige Male sehr effektiv. Kurzum: Rekik war stets zur Stelle und somit der stärkste Part in Herthas Defensivverbund.

Eine beeindrucke Leistung des Neuzugangs, der sich vollkommen akklimatisiert hat und keinerlei Anpassungsschwierigkeiten an die Bundesliga zu haben scheint.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Linksverteidiger wirkte deutlich konzentrierter und aufgeregter als sein Flügelpendant Mitchell Weiser.

Plattenhardt hatte auf dem Papier die deutlich schwierige Aufgabe mit Christian Pulisic, jedoch löste er sie in vielen Situationen überraschend souverän. Er gewann 71% seiner Zweikämpfe, ein herausragende Quote und ließ Pulisic möglichst selten in die gefährlichen Zonen. Der US-Amerikaner war zwar sehr aktiv, verlor aber die meisten Duelle und verzeichnete nur einen recht gefährlichen Abschluss, nachdem er Plattenhardt ausgedribbelt hatte. Zudem fing Herthas Linksverteidiger bereits ein paar Zuspiele auf das Offensiv-Juwel ab, sodass er die Gefahr im Keim erstickte.

Vom Pulisic in der eigenen Hälfte eingeschnürt, konnte “Platte” nur glänzen, wenn er die Standards treten durfte. Der 25-Jährige kreierte durch seine Ecken und Freistöße einige der dünn gesäten Hertha-Chancen, so legte er die Kopfbälle von Niklas Stark und Sebastian Langkamp auf. Fast verrückt erscheint, dass er Langkamp noch ein weitere Möglichkeit servierte, aber mit seinem rechten (!) Fuß – das passiert nahezu nie. Ein paar Eckstöße vertändelte Plattenhardt zwar, zusammengefasst versprühten seine Standards aber große Gefahr.

Eine wirklich solide Leistung des Confed-Cup-Siegers, der seine Erfahrung gegen den jungen Pulisic ausspielte und somit für eine recht sichere linke Seite sorgte. Offensiv konnte aus dem Spiel heraus kaum bis gar nicht wirken, seine ruhenden Bälle konnten sich hingehen sehen lassen.

Mittelfeld

Niklas Stark – Note: 2-

(Photo by INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Der 22-Jährige war bei seinem Startelf-Comeback noch einer der besten Feldspieler bei Hertha.

Es war offensichtlich, dass Pal Dardai gegen den BVB vor allem das Zentrum eng gestalten wollte und dafür war Stark die passende Personalie. Der defensive Mittelfeldspieler warf sich in jeden Zweikampf, doppelte viele Dortmunder und betrieb generell einen sehr hohen Aufwand in Herthas Defensive. Stark gewann überragende 76% seiner Zweikämpfe, ließ seinen Gegenspielern also kaum eine Chance durchzubrechen, so kamen Götze, Castro oder Sahin nahezu nie in eine geeignete Schussposition. Außer dem Tor von Nuri Sahin gab es nur einen recht gefährlichen Schuss (von Philipp) innerhalb des Raumes, den Stark abdeckte. Sein Stellungsspiel hätte in ein paar Situationen zwar besser sein können, insgesamt machte er aber durch seine Zweikampfstärke und seinen immensen Laufaufwand (11,2 km) vieles wett und war defensiv von sehr hohem Wert. Aufgrund von Starks Leistung musste der BVB immer wieder über die Außen angreifen, wo es weitaus einfacher zu verteidigen ist, als wenn er durch die Spielmitte angegriffen hätte. Leider war aber auch Stark einer der Spieler, die Nuri Sahin bei seiner Flanke zum 1:0 hätten energischer attackieren müssen, beim 2:0 war Stark jedoch machtlos.

Defensiv äußerst engagiert, hatte er auch offensiv zwei gute Szenen. Im ersten Durchgang löste er sich bei einem Freistoß von Plattenhardt sehr gut von seinem Gegner, konnte den Kopfball aber nicht mehr genug “drücken”, sodass Dortmunds Torwart Roman Bürki kein Problem mit ihm hatte. Kurz vor Schluss forderte Stark ihn noch einmal mehr heraus, sein Schuss ins rechte Eck konnte der Schweizer aber zur Ecke klären.

Eine beinahe tadellose Leistung von Stark, der anscheinend wieder bei 100% ist. In ein paar Szenen hätte er näher bei seinem Gegenspieler sein müssen, insgesamt spielte er aber sehr diszipliniert und kämpferisch betont. Im Spiel nach vorne wirkte er zu hölzern und wenig kreativ, dafür war er defensiv wohl auch zu eingespannt.

Per Skjelbred – Note: 3

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

So schlecht seine erste Halbzeit war, so gut zeigte er sich in der zweiten.

In den ersten 45 Minuten sah Hertha nur wenig Licht, kam kaum aus seiner eigenen Hälfte heraus. Ein Faktor dafür war Per Skjelbred, der zunächst nicht in die Partie fand. Der Norweger bewegte sich zwar viel, fand aber kaum in die Zweikämpfe und wurde oftmals überlaufen. Sein größtes Defizit war aber sein Passspiel, denn kam er doch einmal an Ball heran, machte ihm das Pressing Dortmunds große Probleme. Wurde “Schelle” angelaufen, verursachte er leichtfertige Ballverluste und haarsträubende Fehlpässe, was dem BVB in seiner Strategie nur bestärkte. Der Hausherr behielt so meist die Kontrolle, da Hertha sich nicht aus der eigenen Hälfte lösen konnte.

Wie ausgewechselt kam der Skjelbred aus der Pause, er zeigte urplötzlich eine Leistung, die an seine herausragende Partie gegen den VfB Stuttgart erinnerte. Er wirkte sehr viel wacher, war präsent und brachte das Spiel seiner Mannschaft voran. Der 30-Jährige gewann 70% seiner Zweikämpfe, holte sich die Bälle in seiner typischen Art, indem er das Spiel liest und mit seinem starken Stellungsspiel viele Bälle abfängt/abläuft. Zudem verbesserte er sein Passspiel deutlich, ihm unterliefen keine wirklichen Patzer mehr. Er brachte das Spielgerät sauber aus der eigenen Hälfte heraus, wodurch Herthas Spiel nach vorne deutlich flüssiger wurde.

Ein Spiel mit Licht und Schatten für Skjelbred, der ungewohnte Startprobleme hatte, aber wieder in die Spur fand.

Vladimir Darida – Note: 3+

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Trotz seiner großen Präsenz auf dem Feld hätte Darida so viel mehr aus seinem Spiel machen können.

Wenn etwas in Herthas Offensive passierte, dann war der Tscheche daran beteiligt. Darida verzeichnete mit 59 Ballkontakten die zweitmeisten seines Teams, spielte die zweitmeisten Pässe und lief mit gewohnt überragenden 13,1 km die größte Strecke aller Herthaner. Er glänzte immer wieder, wenn er als Verbindungsspieler von Abwehr und Angriff agieren konnte und die kleinen Mittelfelduelle für sich entschied. Er setzte Kalou, Leckie oder Weiser gut in Szene und war stets anspielbar. Bei Dortmunds energischem Pressing ist eine Passquote in der gegnerischen Hälfte von 74% vollkommen in Ordnung.

Und obwohl bisher nur lobende Worte fielen, müssen wir auch Kritik üben. Ja, Darida überzeugt als Box-to-Box-Player in allen Belangen, jedoch nicht als zentraler Spielgestalter. Wenn Dardai nach dem Spiel sagt, dass sein Team genug Möglichkeiten hatte und nur der letzte Pass fehlte, dann ist vor allem der 27-Jährige angesprochen, der im Kopf viel zu oft ein bis drei Schritte zu langsam war. In zahlreichen Momenten hätte er lieber passen als schießen sollen, oder früher das Zuspiel auf einen beispielsweise durchstartenden Leckie wählen müssen. So versackten viele aussichtsreiche Angriffe, die einfach besser ausgespielt werden müssen.

Bei allem Aufwand muss also festgehalten werden, dass Darida gegen Dortmund zu oft das Auge für den entscheidenden Pass fehlte und er somit die Chancen auf einen Treffer minimierte.

Mathew Leckie – Note: 3

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Der Australier bestritt seine erste Partie im blau-weißen Dress gegen einen Top-Gegner und konnte trotz seiner wenigen Szenen überzeugen.

Leckie hatte einen schweren Stand in diesem Spiel, schließlich bekam er nur selten den Ball und musste sich vorrangig mit Defensivarbeit und dem Lauern auf Konter begnügen. Diese Aufgabe erfüllte er absolut zufriedenstellend, denn er betrieb großen Aufwand, um Weiser defensiv unter die Arme zu greifen und gleichzeitig auch offensiv ein wenig Präsenz auszustrahlen.

Von Darida selten in Szene gesetzt, versuchte er durch Rotation mit Salomon Kalou ein wenig Unruhe zu stiften, jedoch waren seine Außenverteidiger oft defensiv zu sehr eingespannt, als dass sie ihn unterstützen und für Räume sorgen konnten. So war Leckie oft auf sich alleine gestellt und konnte bis auf ein paar erfolglose Hereingaben wenig bewirken. Defensiv ackerte er aber voll mit und gewann knapp 57% seiner Zweikämpfe, eine wirklich gute Bilanz für einen offensiven Außenbahnspieler. Er verlor zwar das entscheidende Duell vor dem 1:0, jedoch stand er unglücklich zum Ball, einen großen Vorwurf kann man ihm also nicht machen.

In der Schlussphase der Partie öffneten sich mehr Räume für ihn, so sah man einige gute Kombinationen zwischen Leckie und Weiser, jedoch ohne Ertrag. Er versuchte immer wieder mit Sprints Lücken in die BVB-Abwehr zu reißen, aber seine Mitspieler erkannten das zu selten, sodass er nicht (wie gegen Stuttgart) “geschickt” wurde und ohne Ball einfach nur ertragslosen Aufwand betrieb.

Eine engagierte und disziplinierte Leistung des 26-Jährigen, der schlichtweg besser hätte eingebunden werden müssen.

Salomon Kalou – Note: 5

(Photo credit should read INA FASSBENDER/AFP/Getty Images)

Wie schon gegen Stuttgart lieferte Kalou eine absolut enttäuschende Leistung ab.

Der Ivorer fand zu keinem Zeitpunkt der Partie ab, das belegen allein seine 17 Ballkontakte. Zudem ließ er jede Durchschlagskraft vermissen, er verlor jeden seiner fünf Zweikämpfe. Ob gegen Zagadou oder Łukasz Piszczek, Herthas Routinier stellte absolut keine Gefahr für Dortmund dar.  Zudem brachte er gerade einmal die Hälfte seiner 14 Pässe zum Mitspieler.

Es fühlte sich an, als wäre Hertha zu zehnt aufgelaufen, schließlich beteiligte sich der 32-Jährige nicht einmal an der Defensivarbeit seiner Mannschaft. So stand er anteilnahmslos in der gegnerischen Hälfte, während Plattenhardt und co. überrollt wurden. Hätte er dafür offensiv wenigstens etwas bewegt, hätte man ihm verzeihen können, aber keine einzige Beteiligung an einer Torchance brachte Kalou zustande.

Ein Auftritt, bei dem selbst 58 Minuten zu viel waren. Kalou wurde vollkommen zurecht ausgewechselt und zeigt im zweiten Spiel in Folge eine unterirdische Leistung.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Auch Herthas Mittelstürmer nahm überhaupt nicht an der Begegnung teil, auch wenn es sicherlich kein leichtes Spiel für ihn war.

Der 33-Jährige hatte einen äußerst schweren Stand am Samstagabend, da Hertha besonders im ersten Durchgang offensiv nicht stattfand und man Angst haben musste, dass er in der Dortmunds Spielhälfte vereinsamen würde. Er erhielt kaum brauchbare Zuspiele, Vorlagen für etwaige Schussmöglichkeiten schon gar nicht.

Aber auch der Bosnier tat einiges dafür, dass es im Spiel nach vorne nicht voranging. Ein Hertha-BASE-Redakteur hatte einen passenden Vergleich: “Mit Ibisevic ins Kombinationsspiel bedeutet aktuell, dass man einen Flummi gegen eine Betonwand wirft”, polemisch, aber treffend. Spielte man Ibisevic an, kam die Kugel postwendend zurück, weil er sie direkt in zum Gegner weiterleitete, der den Gegenangriff starten konnte. Der “Vedator” konnte keinerlei Bälle halten, was sonst seine Stärke und so wichtig für Herthas Angriffsspiel ist.

Seinen größten Beitrag zum Spiel leistete sich Ibisevic beim 2:0, was er persönlich einleitete. Er erhielt den Ball, tunnelte einen Dortmunder gekonnt und anstatt auf den aufgerückten Darida zu spielen, dribbelte er sich fest und verlor das Spielgerät. Eine viel ungünstigere Situation hätte es kaum geben können, da Herthas Mittelfeld aufgerückt war und der BVB somit sehr viel “Wiese” vor sich hatte und sich relativ unbedrängt in den Strafraum kombinieren konnte.

Auch wenn es eine wirklich undankbare Partie für Ibisevic war, kann man erwarten, dass er mit all seiner Erfahrung mehr aus ihr macht.

Einwechslungen

Genki Haraguchi – Note: 5+

(Photo by Karina Hessland/Bongarts/Getty Images)

Der Japaner ersetzte Salomon Kalou auf der linken Außenbahn, blieb aber ähnlich blass wie der Ivorer.

Haraguchi hätte noch einiges bewegen können, schließlich lebt er von seiner Agilität und einem großen Laufaufwand, was gegen müde Dortmunder sehr effektiv gewesen sein könnte. Der 26-Jährige nutzte diese Chance aber nicht, sondern begrüßte seine Mannschaft erst einmal mit einem totalen Querschläger, der in einer Ecke Dortmund endete.

Haraguchi belebte die Partie nicht, er trieb nur das fehlerhafte Kombinationsspiel seines Vorgängers voran, wodurch er einige aussichtsreiche Angriffe verschleppte. Es war schlichtweg zu wenig, er gewann nur 33% seiner Duelle und wagte einfach nichts.

Mit zwei frischen Offensivspielern noch einmal für Dynamik zu sorgen, hätte für Pal Dardai aufgehen können, jedoch nicht mit einem so mies aufgelegten Haraguchi, der sich nicht zu verbessern scheint.

Alexander Esswein – Note: 4-

(Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Der Vertreter von Vedad Ibisevic konnte ähnlich wenig bewirken, auch wenn bei ihm zumindest ein Wille zu erkennen war.

Esswein fiel vor allem durch seine vielen Läufe ins Abseits auf, insgesamt drei Mal wurde er zurückgepfiffen. Dadurch war zumindest ersichtlich, dass er etwas versuchen wollte. Zudem war es meistens recht knapp, sodass er mit etwas Glück wirklich durchgebrochen wäre und dann allein vor dem Tor gestanden hätte.

Der 27-Jährige rannte die gegnerische Innenverteidigung so oft an, wie er nur konnte (etwas, das vorher gefehlt hatte), aber ohne die Unterstützung seiner Kollegen war es eine vergebene Mühe.

Auch Esswein konnte nichts mehr für seine Mannschaft drehen, auch wenn sein Einsatz stimmte.

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