Nach dem sehr ordentlichen Unentschieden gegen Athletic Bilbao gesellt sich ein weiteres dazu, denn auch gegen Hoffenheim zeigte Hertha BSC eine wirklich ansprechende Leistung. Zu einem Sieg reichte es dennoch nicht, die Einzelkritik wird aber nichts desto trotz viel Lob verteilen.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger bekam trotz der temporären Überlegenheit Hoffenheims nur wenig zu tun und konnte sich daher kaum auszeichnen.

Die wirklich beachtenswerten Szenen verbuchte Jarstein in den ersten Minuten. Zunächst lenkte er einen Kopfball Wagners relativ problemlos über die Latte, um die daraus folgende Ecke nicht mehr verteidigen zu können. Ex-Berliner Sandro Wagner köpfte unhaltbar in die linke untere Ecke des Tore, so war Jarstein überwunden.

Doch viel mehr sollte der 32-Jährige nicht mehr zu halten bekommen, um genau zu sein, gar nichts, denn mehr als diese zwei Abschlüsse brachte Hoffenheim nicht auf seinen Kasten. So durfte er sich nur noch auszeichnen, wenn er TSG-Flanken aus der Luft fischte.

Das Spiel war keines, in welchem Jarstein sich wirklich beweisen konnte. In seinen wenigen Szenen agierte er souverän und viel mehr gibt es zu seinem Auftritt nicht zu sagen.

Abwehr

Peter Pekarik – Note: 2

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Pekarik dufte das zweite Mal in Folge in der Startelf stehen und rechtfertigte seinen Einsatz erneut.

Herthas Rechtsverteidiger war vor allem auf seine Defensivaufgaben konzentriert und erledigte diese tadellos. Er war stets sehr nahe an seinem Gegenspieler dran, ließ Zuber und Amiri gar nicht zur Entfaltung kommen. 60% seiner Tacklings waren erfolgreich, eine gute Quote, zudem bedrängte er die Hoffenheimer so sehr, dass sie oftmals mit dem Ball ins Aus dribbelten oder erfolglose Flankenversuche probierten. So ist es kein Zufall, dass über Pekariks Seite nicht eine einzige Flanke ihr Ziel fand und Hoffenheims linke Seite aus Zuber und Amiri nur eine Chance vorbereitete. Viel sauberer kann man seine Außenbahn gegen solch eine Offensivkraft kaum halten.

Offensiv gelang dem 30-Jährigen dafür sehr wenig, auch wenn er sich für die Läufe in den Angriff nie zu Schade war, so lief er beachtliche 11,1 Kilometer. Pekarik spielte nur eine Flanke, die auch keinen Erfolg brachte, ansonsten hielt er sich eher zurück. Das ist für einen Außenverteidiger zwar ausbaufähig, anhand seiner Abwehrarbeit aber erklärbar.

Für Hoffenheim war auf Pekariks Seite kein Durchkommen, das ist die wichtigste Erkenntnis. Der Slowake spielte äußerst giftig und souverän, gab keinen Zweikampf auf, so wirkte ein Amiri deutlich gefrustet. Ein gutes Zeichen.

Sebastian Langkamp – Note: 4+

(Photo by AMELIE QUERFURTH/AFP/Getty Images)

Es ist sehr schade um Langkamps Patzer beim Gegentreffer, denn ansonsten zeigte er eine wirklich gute Leistung.

Nach sechs Minuten war die Null dahin, Wagner traf zur Hoffenheimer Führung. Begünstigt wurde das vor allem von Sebastian Langkamp, der sich bei dem Eckball völlig falsch positionierte. Aus unerfindlichen Gründen orientierte er sich an Kevin Vogt, der bereits gedeckt war und ließ Wagner komplett freistehen. Der bedankte sich und schenkte ein. Solche Stellungsspielfehler kennt man vom Aushilfskapitän eigentlich nicht.

Und man erlebte sie in diesem Spiel auch nicht mehr. Der 29-Jährige zeigte danach nämlich nur noch seine Stärken und leistete sich keine Fehler mehr. Er gewann jedes Kopfballduell, was bei Hoffenheims vielen Flanken unglaublich wichtig war. Eigentlich war gar kein Vorbeikommen mehr, denn auch am Boden war er nicht zu bezwingen, nicht ein Zweikampf ging verloren. Langkamp klärte ganze sechs Situationen, fing drei Bälle ab (viel für einen Innenverteidiger) und hatte auch ein saubere Spieleröffnung (90% Passquote).

Langkamp machte fast alles in der Begegnung richtig, aber eben nur fast. Das verschuldete Gegentor bleibt nun einmal in seiner Akte für das Spiel, auch wenn der Rest ausgesprochen gut war.

Karim Rekik – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

In Herthas Strafraum wurde eine Sperrzone errichtet und das war auch mit Rekiks solider Vorstellung verbunden.

Karim Rekik spielte gegen Hoffenheim zwar nicht so groß auf, wie noch gegen Bilbao, dennoch präsentierte er sich gewohnt sicher. Tatsächlich hatte Rekik nicht allzu viele Szenen in dieser Partie, er führte nur wenige Zweikämpfe und während Langkamp den Manndecker Wagners gab, war der Holländer eher auf das Abfangen von Pässen und den Spielaufbau konzentriert. Der 22-Jährige positionierte sich deutlich höher als sein Innenverteidigerkollege, konnte so zwei Hoffenheimer Pässe abfangen und einige Bälle eher erlaufen, als durch einen direkten Zweikampf gewinnen.

Im Spielaufbau war Rekik äußerst präsent. Er hatte die drittmeisten Ballkontakte seiner Mannschaft, spielte die meisten Pässe, von denn überragende 96% ankamen. Er machte das Spiel immer wieder schnell, weil er sich auch lange Bälle zu spielen traute und Brooks-artig einige Wege in gegnerische Hälfte machte.

Insgesamt war es eine ordentliche Leistung von Rekik, der sich zwar selten beweisen konnte, aber dennoch Bedeutung für Herthas Spiel hatte, defensiv wie offensiv.

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Es war eine höchst unauffällige Partie von “Platte”, bis er Herthas Ausgleich vorbereitete.

Hoffenheims deutliche Linkslastigkeit im Spiel macht sich vor allem in Plattenhardts Zahlen bemerkbar. Über seine Seite wurden gerade einmal drei flanken (zwei erfolglos) gespielt, er führte nur zwei Zweikämpfe, hatte kaum Bälle abzufangen oder Gegner zu tackeln. Man könnte meinen, dem 25-Jährigen war langweilig. Auch die Heatmap zeigt, dass ihm von Hoffenheim recht wenig zu tun gegeben wurde. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch, denn bei Sandro Wagners Treffer verhält auch Plattenhardt sich nicht ideal. Er sah, dass Langkamp den Torschützen aus den Augen verlor, sodass er dann einrücken oder zumindest zum Kopfball hochsteigen muss, anstatt sich zu ducken. Auch die Szene, in der er sich die gelbe Karte abholte, war nicht besonders glücklich.

Umso mehr konnte sich der Linksverteidiger am Spielaufbau beteiligen, so verzeichnete er zusammen mit Pekarik die meisten Ballkontakte aller Berliner. Leider konnte er mit diesen vor der 55. Minute eher selten viel machen. Oft schickte er nur seine Vordermänner auf der Reise, als selbst einmal in die Tiefe zu gehen. Doch dann fasste er sich endlich mal ein Herz und flankte punktgenau in den Strafraum, wo er Essweins Schulter (ja, Schulter) fand, die das Spielgerät ins linke Toreck beförderte.

Ohne seine Vorlage hätten sich viele Fans sicher gefragt, ob er überhaupt auf dem Feld stand, so war er maßgeblich am Punktgewinn beteiligt.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 1-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Eine hervorragende Leistung von Lustenberger bei seinem 250. Spiel für Hertha BSC.

Was gegen Bilbao bereits gut aus aussah, machte “Lusti” gegen die Hoffenheimer noch besser. Er war unglaublich giftig und sicher in seinem Zweikampfverhalten, so waren 75% seiner Tacklings erfolgreich und er gewann jeden seiner direkten Zweikämpfe, eine überragende Bilanz. Dass Hoffenheim quasi gar nicht durch die Mitte durchbrechen konnte, war ein großer Verdienst des 29-Jährigen. Er bewies einmal mehr sein starkes Stellungsspiel und seine Fähigkeit, gegnerische Angriffe im Keim zu ersticken, weil er seinen Gegenspielern unglaublich wenig Platz lässt.

Ebenso stark und das verwundert bei Lustenberger doch sehr, war er offensiv. Er kreierte zwei Torchancen direkt (so viele, wie kein anderer Herthaner) und leitete sehr viele ein, so wie beispielsweise die Chance in der zweiten Halbzeit von Duda, indem er Vorlagengeber Mathew Leckie perfekt bediente. Umso überirdischer wirkt seine Passquote von unfassbaren 96%, denn der Schweizer spielte alles andere als risikoarme Querpässe.

Es gibt sehr wenig, was Lustenberger in dieser Partie hätte besser machen können. Eine fantastische Leistung, die ein wenig unter dem Radar lief.

Per Skjelbred – Note: 2

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auch der Norweger wusste zu beeindrucken, auch wenn er offensiv nicht so wie Lustenberger glänzte.

“Schelle” zeigte vor allem seine defensiven Stärken, denn dort räumte er wirklich viel ab. Durch sein gutes Stellungsspiel und eine immense Laufarbeit von 12,1 Kilometern war er überall in Herthas Hälfte zu finden und mimte vor allem den Staubsauger vor dem eigenen Strafraum. Auffällig war, wie clever er teilweise Fouls zog, um das Hoffenheimer Kombinationsspiel zu stören. So kam die Nagelsmann-Offensive nur sehr selten ins Rollen und schon gar nicht in den Strafraum (nur vier Abschlüsse innerhalb des 16ers).

Im Spiel nach vorne war der 30-Jährige vorrangig für das Ballsichern zuständig, so zeigte er sich sehr pressingresistent und trug den Ball bis zum Mittelkreis, um ihn dort den Kreativkräften zu übergeben. Daher war sein Spiel mit Ball recht Highlight-arm. Dennoch lässt sich seine Passquote von 92% sehen.

Eine gute Leistung von “Schelle”, der Hoffenheims Matchplan, sich durch die Spielmitte zu kombinieren, regelmäßig zerstörte und daher ein Hauptgrund dafür ist, dass ihnen sehr wenig einfiel.

Mathew Leckie – Note: 2

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Kaum ein Spieler war so umtriebig wie der Australier. Einzig das Fortune im Offensivspiel fehlte ihm etwas.

Leckie bleibt einer der formstärksten Herthaner, auch wenn er das in diesem Spiel vor allem in der Arbeit nach hinten zeigt. Dort war er nämlich unfassbar engagiert, sich für wirklich keinen Weg zu schade und auch noch höchst effektiv. Da Hoffenheim mit einem sehr offensiven Außenverteidiger (in diesem Fall Zuber) spielt, war Leckie angehalten Pekarik unter die Arme zu greifen. Dafür lief er bei quasi jedem Hoffenheimer Angriff mit nach hinten, um Pässe abzufangen und Zweikämpfe zuführen und das sehr erfolgreich. 67% seiner Tacklings waren erfolgreich, dazu gewann er eine Mehrzahl seine Zweikämpfe und klärte drei Aktionen. Zudem blockte er zwei Flanken, was beim flügellastigen Spiel der Kraichgauer sehr wichtig war. So defensiv stark hat man einen offensiven Flügelspieler wohl selten arbeiten sehen.

Dennoch vernachlässigte er die Offensive nicht, auch dort war er sehr aktiv. Er legte die Chance von Duda kurz nach dem Pausentee auf und schloss selbst zweimal ab (beide Male geblockt). Er rannte immer wieder in die Tiefe, zog in die Mitte und riss somit Lücken in Hoffenheims Abwehr auf. Durch sein Tempo war er unglaublich schwer einzufangen und erreichte Bälle, die eigentlich schon als verloren galten. Doch so engagiert er war, konnte er dem Tor Baumanns nicht gefährlich werden. Der Wille war eindeutig zu erkennen.

12,2 Kilometer, so viel lief niemand anderes von Hertha, allein das zeigt, welchen Aufwand der 26-Jährige betrieben hat. Eine sehr imponierende Leistung, die jedoch nicht gekrönt werden konnte.

Ondrej Duda – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auf eine sehr schwache erste Hälfte folgte eine zweite, die mit seiner Leistung gegen Bilbao zu vergleichen ist.

Dass Ondrej Duda im ersten Durchgang auf Feld stand, entnehmen wir eigentlich nur dem offiziellen Aufstellungsbogen. Wobei er eine schöne Szene hatte, als er zwei Hoffenheimer mit einem Dribbling vernaschte. Mehr gibt es aber kaum zu erzählen. Durch Hoffenheims sehr gute Anfangsphase war Duda komplett abgemeldet und konnte sich kein bisschen behaupten. Er wirkte wie unsichtbar, leistete sich aber immerhin keine schlimmen Fehlpässe, die die TSG in irgendeiner Weise eingeladen hätten.

Nach dem Kabinengang wirkte Hertha wie ausgewechselt und mit ihr auch der 22-Jährige, der nun endlich seine Präsenz und Kreativität aufs Feld brachte. Er zog das Spiel auf, indem er seine starke Pässe auf die Außen spielte, immer anspielbar war und endlich am Mannschaftspressing teilnahm. So eroberte er zwei Bälle, eine gute Quote für einen Spielmacher. Kurz nach der Pause hatte er die Chance zum Ausgleich, sein Schuss konnte aber von Oliver Baumann pariert werden. Danach legte er eine Chance von Esswein auf. Insgesamt bereitete eine Gelegenheit vor und schloss selbst zweimal ab. Durch sein gutes Auge leitete er immer wieder Angriffe ein, so bediente er Plattenhardt beim 1:1.

So schwach der Slowake in der ersten Halbzeit war, so sehr drehte er danach auf. Dennoch sammelte er nur 35 Ballkontakte und wirkte mit der Zeit auch recht platt, weshalb ihn Dardai nach 78 Minuten vom Feld nahm.

Mitchell Weiser – Note: 3+

(Photo by AMELIE QUERFURTH/AFP/Getty Images)

So viel Weiser in dieser Partie arbeitete, so wenig gelang ihm letztendlich.

34, vierunddreißig Zweikämpfe führte Mitchell Weiser in der Begegnung, eine unglaubliche Zahl, die unterstreicht, wie viel er leistete. Sowohl offensiv wie defensiv scheute er kein Duell und gewann 47% von ihnen, was vollkommen in Ordnung geht.

Doch leider machte er aus diesen gewonnen Dribblings nur wenig, denn er legte keine einzige Chance direkt auf und auch seine beiden Schüsse waren nicht von Erfolg gekrönt.

Dennoch war sein Engagement sehr bedeutsam für das Team, denn niemand ging so konsequent ins Pressing wie der 23-Jährige. Er lief den Gegner pausenlos an, provozierte daher Fehler und fing insgesamt sehr starke vier Bälle ab, wodurch Chancen für Hertha entstanden.

Es war eine gute Partie von Weiser, jedoch oft mehr Kampf, als spielerische Klasse. Oftmals war es etwas viel brotlose Kunst, da aus seinen vielen Duellen nur wenig brauchbares entstand.

Sturm

Alexander Esswein – Note: 1-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Esswein belohnte sich auf einer ungewohnten Position endlich für seinen Aufwand in den letzten Wochen.

Der 27-Jährige wurde sehr überraschend in der Sturmspitze aufgestellt, erfüllte diese Rolle aber mehr als zufriedenstellend. Im Pressing wirkte er gewohnt aktiv und aggressiv, er kannte keine Pausen und lief die gegnerische Abwehr durchgängig an. So lief er starke 11,2 Kilometer oder rannte sie vielmehr. Dadurch fing er drei Bälle an, wodurch u.a. eine Doppelchance für Hertha entstand.

Zudem strahlte er auch wirklich Gefahr aus und hing nicht in der Luft, wie man es zunächst vermutet hätte. In der 36. Minute tankte er sich in den Hoffenheimer Strafraum und sein Schuss konnte gerade noch von Baumann von der Linie gekratzt werden. Zudem ließ er sich immer wieder auf die Flügel fallen, wodurch er öfter anspielbar war (hatte mehr Ballkontakte als Duda). Dort entstand auch seine zweite Möglichkeit. Esswein zog in der 49. Minute am Gegenspieler vorbei und chipte den Ball auf die Latte, was aus dem Winkel technisch sehr schwierig wirkte. Nur sechs Minuten später erzielte er dann seinen ersten Saisontreffer. Er löste sich gut von seinem Manndecker und buchsierte die Kugel per Schulter ins linke Toreck. Ein ungewöhnlicher aber ungemein wichtiger Treffer, der seine Leistung belohnte.

Dardais Experiment, Esswein als alleinigen Mittelstürmer einzusetzen, um das Pressing und Konterspiel zu verstärken, ging voll auf. Eine starke Leistung der Nummer sieben.

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