BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 6. Spieltag: Mainz 05 – Hertha BSC

“Gespielt wie Flasche leer”, hätte Trainerlegende Giovanni Trapattoni nach der bitteren sowie spielerisch armen 1:0-Niederlage gegen Mainz 05 gesagt. Hertha wirkte am Samstag völlig kraft- und ideenlos, nicht zuletzt wegen der anstrengenden englischen Wochen. Pal Dardai wollte aus seiner Mannschaft, wie aus einer Zahnpastatube, noch den letzten Rest rausholen, um etwas zählbares aus Hessen mitzunehmen und gegen Östersund wieder munter rotieren zu können. Doch ein Elfmeter und die mangelnde eigene Offensivleistung ließen diesen Plan nicht aufgehen. So wird diese Einzelkritik eher kein Zuckerschlecken.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger kann wohl am wenigsten für die Niederlage.

Wie viel Jarstein zu tun hatte, lässt sich bereits anhand der Schüsse auf sein Tor erkennen. Die Mainzer brachten drei direkt auf seinen Kasten, wovon einer der Elfmeter von De Blasis war. Der Kopfball von Fabian Frei und der Distanzschuss von Suart Serdar stellten absolut keine Probleme für den 32-Jährigen dar. Den Strafstoß vom Argentinier hätte Jarstein sogar beinahe abgewährt, jedoch war dieser zu fest geschossen, sodass er dennoch seinen Weg ins Tor fand.

Es war kein Spiel, in dem sich ein Keeper auszeichnen kann, so blieb Jarstein fast ungeprüft und somit blass.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 2-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auch dem Rechtsverteidiger war seine Überspieltheit anzumerken, dennoch war er wohl der beste Mann auf Seiten Herthas.

Defensiv war der 23-Jährige nur selten wirklich gefordert, denn Mainz wurde über diese Seite nicht gefährlich. Nicht eine einzige Torschussvorlage wurde über Weisers Seite gespielt, keine Flanke kam an und auch kein Torschuss fand von dort statt. Das liegt zum einen am Mainzer Offensivspiel, aber auch an Weiser selbst. Dieser fing grandiose fünf Bälle ab (vier auf Höhe des Mittelkreises) und erstickte somit viele FSV-Angriffe bereits im Keim, zudem gewann er rund die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Weiser war vor allem offensiv wichtig, denn wenn einmal Tempo und Kreativität in Herthas Spiel Einzug erhielt, dann durch ihn. Er gewann einige Dribblings, versuchte immer wieder durchzubrechen, jedoch war das meist nicht von Erfolg gekrönt. Umso effektiver war er, wenn er aus dem zentralen Mittelfeld Pässe spielte, so bereitete er aus dieser Position u.a. die beste Chance des Spiels für Vedad Ibisevic vor. Insgesamt legte er zwei von fünf Chancen auf.

Weiser lief 11 Kilometer, so viel wie kein anderer Herthaner, er kämpfte, er probierte, aber auch ihm war anzumerken, dass ihm der gewisse Esprit fehlte. Dennoch war es ein vollkommen annehmbare Leistung, die eigentlich mit einer Vorlage hätte gekrönt werden müssen.

Sebastian Langkamp – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger wurde ähnlich oft gefordert wie sein Torhüter, konnte sich also auch nicht allzu oft ins Rampenlicht stellen.

Langkamp hatte keinen wirklich schwierigen Arbeitstag, dafür waren seine Gegenspieler nicht gefährlich genug. Der 29-Jährige musste kaum brenzliche Situationen klären, da er meist nur Kopfballduelle gewinnen musste oder (drei) Bälle abfing. Durch sein gutes Stellungsspiel kam er nie wirklich in Bedrängnis und seine Kopfballstärke wehrte die meisten Flanken ab. Einzig in einer Szene konnte sich Langkamp wirklich zeigen: Er grätschte einen Schnittstellenpass von Mainz punktgenau ab, wodurch er verhinderte, dass sein Gegenspieler freie Bahn zum Strafraum gehabt hätte.

Viel mehr gibt es zu seiner Leistung nicht zu sagen, zu wenig passierte um ihn herum. Eins ist aber noch zu erwähnen: In der 94. Minute hätte er nach dem Ellenbogencheck von Bell einen Elfmeter bekommen müssen. Eine solide Vorstellung Langkamps.

Karim Rekik – Note: 5+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

So solide es bei Langkamp aussah, so unkonzentriert war Rekiks Darbietung.

Kaum einem Spieler in Herthas Reihen merkte man die (mentale) Müdigkeit so an, wie Rekik. Der Holländer ließ seine gewohnte Schärfe in den Pässen vermissen, ließ seinen Gegenspielern etwas mehr Platz als sonst und der Elfmeter spricht wohl am deutlichsten dafür. Es waren rund 50 Minuten gespielt, als der 22-Jährige zunächst einen Katastrophenpass auf Per Skjelbred spielte, der verlor ihn gegen seinen Gegenspieler im Rücken , sodass Rekik seine Aktion durch ein ungestümes Tackling “veredelte”. Er rempelte Muto so laienhaft und unglücklich um, dass er sich über den Strafstoß nicht beschweren darf. Sicherlich hatte er Pech, dass der Videobeweis die zunächst nicht geahndete Aktion noch umentschied, dennoch darf er sich nicht wundern.

Es war kein guter Tag für den Innenverteidiger, der das erste Mal wirklich schwach spielte und seiner Mannschaft wohl einen Punkt kostete. Dennoch muss angemerkt werden, dass solch ein Elfmeter einem frischen Rekik wohl nicht passiert wäre.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Zwar zeigte Plattenhardt keine schlechte Leistung, dem Spiel konnte er dennoch nichts geben.

Der 25-Jährige hatte eher defensiv zu tun, als dass er sich offensiv zeigte. Mainz versuchte meist über seine Seite in den Strafraum zu gelangen, jedoch wusste der Linksverteidiger sich oftmals zu wehren. Er blockte ein paar Flanken durch gutes Stellungsspiel und gewann auch 67% seiner Kopfballduelle. Im direkten Zweikampf wirkte er gewohnt bissig, auch wenn er Probleme bekam, wenn Mainz’ Rechtsverteidiger Donati mit nach vorne zog, denn den Italiener konnte er nur selten verteidigen (er spielte drei Flanken).

Offensiv war es viel zu wenig, was Plattenhardt zeigte. Er konnte sich nahezu nie im Dribbling durchsetzen (oft aufgrund fehlender Beidfüßigkeit) und seine Flanken aus dem Halbfeld waren zu ungenau und fanden nicht einmal ihr Ziel. In seinen letzten Spielen hatte er weitaus mehr Durchkraft und Präzision in seinen Aktionen. Gerade in den Phasen, in denen Mainz tief in der eigenen Hälfte stand, hatte man sich mehr von ihm erwartet.

Es ist schade, dass “Platte” seine Form aus den letzten Partien nicht halten konnte, auch bei ihm war eine klare Müdigkeit zu sehen. Der Preis dafür, dass er bis jetzt keine einzige Minute in dieser Saison verpasste.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 4+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auch der Schweizer konnte die Form aus seinen letzten Spielen nicht konservieren. Ein sehr müder Auftritt.

In der Abwehrarbeit sah “Lusti” meist souverän aus. Er gewann die Mehrzahl seiner Zweikämpfe, tackelte einige Male sehr effektiv und zog an den richtigen Stellen Fouls.

Leider brachte er sich und sein Team aber auch immer wieder in Situationen, in denen das von Nöten war, denn das Passspiel war sein großes Problem. Während er gegen Hoffenheim noch sehr kluge Pässe spielte und diese auch unter großem Risiko ankamen, waren seine meisten Zuspiele gegen Mainz reine Alibi-Pässe oder er spielte sie unnötig zum Gegenspieler und leitete somit Konteraktionen ein. Fast alle seiner Fehlpässe entstanden im ersten Drittel der Mainzer Hälfte, wodurch sie die Umschaltmöglichkeiten erhielten, auf die sie nur lauerten. Ansonsten beschränkte sich der 29-Jährige auf reine “Verwaltungspässe”, also auf ein wahnsinnig destruktives Ballbesitzspiel. Dadurch entstand nahezu nie Tempo oder Platz für Herthas Offensive. Lustenberger hat mit Schuld daran, dass das Spiel so einschläfernd wirkte, denn anstatt den Schnittstellenpass zu versuchen, spielte er lieber erneut zur Innenverteidigung zurück.

Defensiv souverän, offensiv ängstlich. Zwar zeigte Lustenberger nichts, was man nicht schon von ihm kennen würde, dennoch hätte man sich mehr Kreativität von ihm gewünscht.

Per Skjelbred – Note: 4

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Skjelbred reiht sich in die Riege der Herthaner ein, die einen wirklich schwachen Tag gegen Mainz hatten.

Ihm wollte am Samstagnachmittag nicht viel gelingen, Skjelbred fehlte es an allem: An Präsenz, an Ideen, an Giftigkeit in Zweikämpfen und dem sonst so herausragenden Stellungsspiel. Der 30-Jährige fand nie so richtig in die Partie, die auch nicht seinem Naturell entsprach. Mainz verschanzte sich oft in der eigenen Hälfte und ließ Hertha anlaufen, was dem Spielertyp Skjelbreds nicht entgegen kommt, der eher auf einen offenen Schlagabtausch hofft oder die Defensivschlacht gerne in der eigenen Hälfte hat.

Nach 60 Minuten war Schluss für den Norweger, der seiner Mannschaft kaum helfen konnte. Er konnte Mainz nicht durchbrechen und versteifte sich auf Sicherheitspässe, wodurch seine Wirkung aufs Spiel minimal war.

Mathew Leckie – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Australier wirkte sehr bemüht, doch auch er vermochte es nicht, die Mainzer Defensive wirklich zu knacken.

Ähnlich wie gegen Hoffenheim war Leckie überall zu finden, er versuchte sich sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung einzubringen. Defensiv arbeitete er Mitchell Weiser gut zu, indem er Daniel Brosinski deckte und bei jedem seiner Offensivläufe begleitete. Er fing zwei Bälle ab, gewann viele Zweikämpfe und setzte ein paar gute Tacklings.

In der Offensive war er wichtig, weil er extrem viele Bälle hielt. Er gewann 60% seiner Kopfbälle, wodurch Herthas lange Bälle durchaus erfolgsversprechend waren und konnte diese auch sinnvoll weiterleiten. Immer wieder setzte er sich gut in direkten Duellen durch, sodass er Platz für seine Mannschaftskameraden schaffte und die Bälle in das letzte Drittel trug (was selten genug geschah). Des Weiteren legte er zwei Schüsse auf, selbst kam er aber nicht zum Abschluss.

Es war eine absolut zufriedenstellende Vorstellung eines kämpfenden Leckies, der mit besser aufgelegten Kollegen wohl mehr hätte bewegen können.

Ondrej Duda – Note: 4-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Es verwunderte viele Fans, dass der Slowake erneut von Anfang spielen durfte. Ihre Zweifel sollten sich bewahrheiten.

Dudas Leistung lässt sich leicht damit erklären, dass er absolut ausgelaugt wirkte. Dadurch konnte er das Spiel zu keiner Sekunde an sich anreißen, er strahlte keinerlei Präsenz aus. Besonders in dieser festgefahrenen und tempolosen Begegnung hätte es einen kreativen und engagierten Spielmacher gebraucht, dass konnte Duda aber nicht leisten. Zwar hatte er eine sehr starke Passquote von 90%, jedoch legte er nicht eine Chance auf und die Zuspiele fanden meist in ungefährlichen Zonen statt. Versuchte er einmal in die Spitze zu spielen, so kamen seine Pässe nicht an.

So kurz kann man seine Leistung beschreiben. Es war ein deutliches Zeichen dafür, dass er solche englischen Wochen nicht ohne weiteres wegstecken kann und sein Esprit sehr darunter leidet, so überlastet zu sein.

Salomon Kalou – Note: 4+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Man merkte dem Ivorer an, dass er nach seinem guten Spiel und Tor gegen Leverkusen nachlegen wollte, es ihm aber nicht gelang.

Bereits nach acht Minuten hatte Kalou die erste Gelegenheit der Partie, also fast. Er luchste Gbamin den Ball ab, legte sich ihn aber zu weit vor, sodass René Adler klären konnte. Etwas genauer gespielt und Herthas Offensivkraft hätte nur noch den Mainzer Keeper vor sich gehabt. Danach sollte jedoch nicht mehr allzu viel folgen, denn Kalou wirkte zwar spielfreudig, aber ebenso unglücklich in den Zweikämpfen, von denen er kaum einen gewann. Er kam nahezu nie an seinen Gegenspielern vorbei, wodurch er äußert wirkungslos blieb.

Kurz vor Ende der Partie legte er noch auf Valentin Stocker ab, dessen Schuss aber großartig von Adler gehalten wurde. Es zeigte zumindest, dass sich der 32-Jährige bis zum Schluss nicht aufgab, wie er es bereits in anderen Begegnungen getan hatte. Eine Leistung, die im Vergleich zum Saisonbeginn engagierter war, aber ebenso glücklos.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Eine Schwache Leistung, die mit einem Platzverweis beendet wurde.

Eins vorweg: Wir alle wissen (noch) nicht, was bei seinem Platzverweis genau gesagt oder getan wurde, daher wird es nicht in die Bewertung seiner Leistung einfließen.

Der Bosnier hatte einen sehr schweren Stand in dieser Partie, da die Mainzer den Hauptteil der 90 Minuten mauerten und Hertha sehr wenig dagegen einfiel. Dadurch hing Ibisevic ziemlich in der Luft, gute Zuspiele erhielt kaum. Die Vorlage Weisers in der 66. Minute hätte dennoch zum Ausgleich reichen müssen, doch der 33-Jährige ließ seine Kaltschnäuzigkeit vermissen und verfehlte kläglich. Das Tor hätte seine Torkrise beendet, das Spiel gedreht und ihm wohl die rote Karte erspart.

So bleibt es ein trauriger Auftritt von Ibisevic, der nicht mehr als einen blutigen Cut mitnahm.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche sollte für ein dynamischeres Aufbauspiel sorgen, um Mainz endlich zu knacken.

Darida beackerte das gesamte Feld, um Bälle zu gewinnen und sie nach vorne zu tragen. 100% seiner Tacklings waren erfolgreich, zudem fing er einen Ball ab. War die Kugel dann in seinem Besitz, spielte er schnell und riskant nach vorne, um den Ausgleich noch erzielen zu können. Dabei kam nicht jeder Pass an, jedoch war das Berliner Angriffsspiel erstmals von Tempo und Breite geprägt. Er riss das Spiel an sich und sammelte in 30 Minuten Einsatzzeit beinahe so viele Ballkontakte wie Duda oder Leckie.

Zwar war sein Einsatz nicht von Erfolg gekrönt, die spielerische Klasse und der Wille waren aber zu erkennen.

Valentin Stocker – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Wie schon gegen Bremen kam der Schweizer für die Schlussviertelstunde und sorgte noch einmal für viel Wirbel.

Stocker spielte voll auf Risiko, kaum ein Pass kam an, jedoch war das in dieser Phase nicht von Bedeutung. Er gewann jedes seiner Kopfballduelle, fing einen Ball ab und verbuchte den gefährlichsten aller Berliner Torabschlüsse in der Partie. Sein Versuch aus der Distanz wurde jedoch grandios von Adler pariert.

Der 28-Jährige strahlte große Präsenz und Spielfreude aus, er empfiehlt sich für größere Aufgaben.

 

Alexander Esswein – Note: 4-

So auffällig Stocker war, so unauffällig war Esswein.

Der 27-Jährige sammelte in 18 Minuten nur sieben Ballkontakte, zwei Pässe und keine Torschussbeteiligung.

So war seine Einwechslung vollkommen wirkungslos.

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“Gespielt wie Flasche leer”, hätte Trainerlegende Giovanni Trapattoni nach der bitteren sowie spielerisch armen 1:0-Niederlage gegen Mainz 05 gesagt. Hertha wirkte am Samstag völlig kraft- und ideenlos, nicht zuletzt wegen der anstrengenden englischen Wochen. Pal Dardai wollte aus seiner Mannschaft, wie aus einer Zahnpastatube, noch den letzten Rest rausholen, um etwas zählbares aus Hessen mitzunehmen und gegen Östersund wieder munter rotieren zu können. Doch ein Elfmeter und die mangelnde eigene Offensivleistung ließen diesen Plan nicht aufgehen. So wird diese Einzelkritik eher kein Zuckerschlecken.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger kann wohl am wenigsten für die Niederlage.

Wie viel Jarstein zu tun hatte, lässt sich bereits anhand der Schüsse auf sein Tor erkennen. Die Mainzer brachten drei direkt auf seinen Kasten, wovon einer der Elfmeter von De Blasis war. Der Kopfball von Fabian Frei und der Distanzschuss von Suart Serdar stellten absolut keine Probleme für den 32-Jährigen dar. Den Strafstoß vom Argentinier hätte Jarstein sogar beinahe abgewährt, jedoch war dieser zu fest geschossen, sodass er dennoch seinen Weg ins Tor fand.

Es war kein Spiel, in dem sich ein Keeper auszeichnen kann, so blieb Jarstein fast ungeprüft und somit blass.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 2-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auch dem Rechtsverteidiger war seine Überspieltheit anzumerken, dennoch war er wohl der beste Mann auf Seiten Herthas.

Defensiv war der 23-Jährige nur selten wirklich gefordert, denn Mainz wurde über diese Seite nicht gefährlich. Nicht eine einzige Torschussvorlage wurde über Weisers Seite gespielt, keine Flanke kam an und auch kein Torschuss fand von dort statt. Das liegt zum einen am Mainzer Offensivspiel, aber auch an Weiser selbst. Dieser fing grandiose fünf Bälle ab (vier auf Höhe des Mittelkreises) und erstickte somit viele FSV-Angriffe bereits im Keim, zudem gewann er rund die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Weiser war vor allem offensiv wichtig, denn wenn einmal Tempo und Kreativität in Herthas Spiel Einzug erhielt, dann durch ihn. Er gewann einige Dribblings, versuchte immer wieder durchzubrechen, jedoch war das meist nicht von Erfolg gekrönt. Umso effektiver war er, wenn er aus dem zentralen Mittelfeld Pässe spielte, so bereitete er aus dieser Position u.a. die beste Chance des Spiels für Vedad Ibisevic vor. Insgesamt legte er zwei von fünf Chancen auf.

Weiser lief 11 Kilometer, so viel wie kein anderer Herthaner, er kämpfte, er probierte, aber auch ihm war anzumerken, dass ihm der gewisse Esprit fehlte. Dennoch war es ein vollkommen annehmbare Leistung, die eigentlich mit einer Vorlage hätte gekrönt werden müssen.

Sebastian Langkamp – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Innenverteidiger wurde ähnlich oft gefordert wie sein Torhüter, konnte sich also auch nicht allzu oft ins Rampenlicht stellen.

Langkamp hatte keinen wirklich schwierigen Arbeitstag, dafür waren seine Gegenspieler nicht gefährlich genug. Der 29-Jährige musste kaum brenzliche Situationen klären, da er meist nur Kopfballduelle gewinnen musste oder (drei) Bälle abfing. Durch sein gutes Stellungsspiel kam er nie wirklich in Bedrängnis und seine Kopfballstärke wehrte die meisten Flanken ab. Einzig in einer Szene konnte sich Langkamp wirklich zeigen: Er grätschte einen Schnittstellenpass von Mainz punktgenau ab, wodurch er verhinderte, dass sein Gegenspieler freie Bahn zum Strafraum gehabt hätte.

Viel mehr gibt es zu seiner Leistung nicht zu sagen, zu wenig passierte um ihn herum. Eins ist aber noch zu erwähnen: In der 94. Minute hätte er nach dem Ellenbogencheck von Bell einen Elfmeter bekommen müssen. Eine solide Vorstellung Langkamps.

Karim Rekik – Note: 5+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

So solide es bei Langkamp aussah, so unkonzentriert war Rekiks Darbietung.

Kaum einem Spieler in Herthas Reihen merkte man die (mentale) Müdigkeit so an, wie Rekik. Der Holländer ließ seine gewohnte Schärfe in den Pässen vermissen, ließ seinen Gegenspielern etwas mehr Platz als sonst und der Elfmeter spricht wohl am deutlichsten dafür. Es waren rund 50 Minuten gespielt, als der 22-Jährige zunächst einen Katastrophenpass auf Per Skjelbred spielte, der verlor ihn gegen seinen Gegenspieler im Rücken , sodass Rekik seine Aktion durch ein ungestümes Tackling “veredelte”. Er rempelte Muto so laienhaft und unglücklich um, dass er sich über den Strafstoß nicht beschweren darf. Sicherlich hatte er Pech, dass der Videobeweis die zunächst nicht geahndete Aktion noch umentschied, dennoch darf er sich nicht wundern.

Es war kein guter Tag für den Innenverteidiger, der das erste Mal wirklich schwach spielte und seiner Mannschaft wohl einen Punkt kostete. Dennoch muss angemerkt werden, dass solch ein Elfmeter einem frischen Rekik wohl nicht passiert wäre.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Zwar zeigte Plattenhardt keine schlechte Leistung, dem Spiel konnte er dennoch nichts geben.

Der 25-Jährige hatte eher defensiv zu tun, als dass er sich offensiv zeigte. Mainz versuchte meist über seine Seite in den Strafraum zu gelangen, jedoch wusste der Linksverteidiger sich oftmals zu wehren. Er blockte ein paar Flanken durch gutes Stellungsspiel und gewann auch 67% seiner Kopfballduelle. Im direkten Zweikampf wirkte er gewohnt bissig, auch wenn er Probleme bekam, wenn Mainz’ Rechtsverteidiger Donati mit nach vorne zog, denn den Italiener konnte er nur selten verteidigen (er spielte drei Flanken).

Offensiv war es viel zu wenig, was Plattenhardt zeigte. Er konnte sich nahezu nie im Dribbling durchsetzen (oft aufgrund fehlender Beidfüßigkeit) und seine Flanken aus dem Halbfeld waren zu ungenau und fanden nicht einmal ihr Ziel. In seinen letzten Spielen hatte er weitaus mehr Durchkraft und Präzision in seinen Aktionen. Gerade in den Phasen, in denen Mainz tief in der eigenen Hälfte stand, hatte man sich mehr von ihm erwartet.

Es ist schade, dass “Platte” seine Form aus den letzten Partien nicht halten konnte, auch bei ihm war eine klare Müdigkeit zu sehen. Der Preis dafür, dass er bis jetzt keine einzige Minute in dieser Saison verpasste.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 4+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Auch der Schweizer konnte die Form aus seinen letzten Spielen nicht konservieren. Ein sehr müder Auftritt.

In der Abwehrarbeit sah “Lusti” meist souverän aus. Er gewann die Mehrzahl seiner Zweikämpfe, tackelte einige Male sehr effektiv und zog an den richtigen Stellen Fouls.

Leider brachte er sich und sein Team aber auch immer wieder in Situationen, in denen das von Nöten war, denn das Passspiel war sein großes Problem. Während er gegen Hoffenheim noch sehr kluge Pässe spielte und diese auch unter großem Risiko ankamen, waren seine meisten Zuspiele gegen Mainz reine Alibi-Pässe oder er spielte sie unnötig zum Gegenspieler und leitete somit Konteraktionen ein. Fast alle seiner Fehlpässe entstanden im ersten Drittel der Mainzer Hälfte, wodurch sie die Umschaltmöglichkeiten erhielten, auf die sie nur lauerten. Ansonsten beschränkte sich der 29-Jährige auf reine “Verwaltungspässe”, also auf ein wahnsinnig destruktives Ballbesitzspiel. Dadurch entstand nahezu nie Tempo oder Platz für Herthas Offensive. Lustenberger hat mit Schuld daran, dass das Spiel so einschläfernd wirkte, denn anstatt den Schnittstellenpass zu versuchen, spielte er lieber erneut zur Innenverteidigung zurück.

Defensiv souverän, offensiv ängstlich. Zwar zeigte Lustenberger nichts, was man nicht schon von ihm kennen würde, dennoch hätte man sich mehr Kreativität von ihm gewünscht.

Per Skjelbred – Note: 4

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Skjelbred reiht sich in die Riege der Herthaner ein, die einen wirklich schwachen Tag gegen Mainz hatten.

Ihm wollte am Samstagnachmittag nicht viel gelingen, Skjelbred fehlte es an allem: An Präsenz, an Ideen, an Giftigkeit in Zweikämpfen und dem sonst so herausragenden Stellungsspiel. Der 30-Jährige fand nie so richtig in die Partie, die auch nicht seinem Naturell entsprach. Mainz verschanzte sich oft in der eigenen Hälfte und ließ Hertha anlaufen, was dem Spielertyp Skjelbreds nicht entgegen kommt, der eher auf einen offenen Schlagabtausch hofft oder die Defensivschlacht gerne in der eigenen Hälfte hat.

Nach 60 Minuten war Schluss für den Norweger, der seiner Mannschaft kaum helfen konnte. Er konnte Mainz nicht durchbrechen und versteifte sich auf Sicherheitspässe, wodurch seine Wirkung aufs Spiel minimal war.

Mathew Leckie – Note: 3

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Australier wirkte sehr bemüht, doch auch er vermochte es nicht, die Mainzer Defensive wirklich zu knacken.

Ähnlich wie gegen Hoffenheim war Leckie überall zu finden, er versuchte sich sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung einzubringen. Defensiv arbeitete er Mitchell Weiser gut zu, indem er Daniel Brosinski deckte und bei jedem seiner Offensivläufe begleitete. Er fing zwei Bälle ab, gewann viele Zweikämpfe und setzte ein paar gute Tacklings.

In der Offensive war er wichtig, weil er extrem viele Bälle hielt. Er gewann 60% seiner Kopfbälle, wodurch Herthas lange Bälle durchaus erfolgsversprechend waren und konnte diese auch sinnvoll weiterleiten. Immer wieder setzte er sich gut in direkten Duellen durch, sodass er Platz für seine Mannschaftskameraden schaffte und die Bälle in das letzte Drittel trug (was selten genug geschah). Des Weiteren legte er zwei Schüsse auf, selbst kam er aber nicht zum Abschluss.

Es war eine absolut zufriedenstellende Vorstellung eines kämpfenden Leckies, der mit besser aufgelegten Kollegen wohl mehr hätte bewegen können.

Ondrej Duda – Note: 4-

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Es verwunderte viele Fans, dass der Slowake erneut von Anfang spielen durfte. Ihre Zweifel sollten sich bewahrheiten.

Dudas Leistung lässt sich leicht damit erklären, dass er absolut ausgelaugt wirkte. Dadurch konnte er das Spiel zu keiner Sekunde an sich anreißen, er strahlte keinerlei Präsenz aus. Besonders in dieser festgefahrenen und tempolosen Begegnung hätte es einen kreativen und engagierten Spielmacher gebraucht, dass konnte Duda aber nicht leisten. Zwar hatte er eine sehr starke Passquote von 90%, jedoch legte er nicht eine Chance auf und die Zuspiele fanden meist in ungefährlichen Zonen statt. Versuchte er einmal in die Spitze zu spielen, so kamen seine Pässe nicht an.

So kurz kann man seine Leistung beschreiben. Es war ein deutliches Zeichen dafür, dass er solche englischen Wochen nicht ohne weiteres wegstecken kann und sein Esprit sehr darunter leidet, so überlastet zu sein.

Salomon Kalou – Note: 4+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Man merkte dem Ivorer an, dass er nach seinem guten Spiel und Tor gegen Leverkusen nachlegen wollte, es ihm aber nicht gelang.

Bereits nach acht Minuten hatte Kalou die erste Gelegenheit der Partie, also fast. Er luchste Gbamin den Ball ab, legte sich ihn aber zu weit vor, sodass René Adler klären konnte. Etwas genauer gespielt und Herthas Offensivkraft hätte nur noch den Mainzer Keeper vor sich gehabt. Danach sollte jedoch nicht mehr allzu viel folgen, denn Kalou wirkte zwar spielfreudig, aber ebenso unglücklich in den Zweikämpfen, von denen er kaum einen gewann. Er kam nahezu nie an seinen Gegenspielern vorbei, wodurch er äußert wirkungslos blieb.

Kurz vor Ende der Partie legte er noch auf Valentin Stocker ab, dessen Schuss aber großartig von Adler gehalten wurde. Es zeigte zumindest, dass sich der 32-Jährige bis zum Schluss nicht aufgab, wie er es bereits in anderen Begegnungen getan hatte. Eine Leistung, die im Vergleich zum Saisonbeginn engagierter war, aber ebenso glücklos.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Eine Schwache Leistung, die mit einem Platzverweis beendet wurde.

Eins vorweg: Wir alle wissen (noch) nicht, was bei seinem Platzverweis genau gesagt oder getan wurde, daher wird es nicht in die Bewertung seiner Leistung einfließen.

Der Bosnier hatte einen sehr schweren Stand in dieser Partie, da die Mainzer den Hauptteil der 90 Minuten mauerten und Hertha sehr wenig dagegen einfiel. Dadurch hing Ibisevic ziemlich in der Luft, gute Zuspiele erhielt kaum. Die Vorlage Weisers in der 66. Minute hätte dennoch zum Ausgleich reichen müssen, doch der 33-Jährige ließ seine Kaltschnäuzigkeit vermissen und verfehlte kläglich. Das Tor hätte seine Torkrise beendet, das Spiel gedreht und ihm wohl die rote Karte erspart.

So bleibt es ein trauriger Auftritt von Ibisevic, der nicht mehr als einen blutigen Cut mitnahm.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche sollte für ein dynamischeres Aufbauspiel sorgen, um Mainz endlich zu knacken.

Darida beackerte das gesamte Feld, um Bälle zu gewinnen und sie nach vorne zu tragen. 100% seiner Tacklings waren erfolgreich, zudem fing er einen Ball ab. War die Kugel dann in seinem Besitz, spielte er schnell und riskant nach vorne, um den Ausgleich noch erzielen zu können. Dabei kam nicht jeder Pass an, jedoch war das Berliner Angriffsspiel erstmals von Tempo und Breite geprägt. Er riss das Spiel an sich und sammelte in 30 Minuten Einsatzzeit beinahe so viele Ballkontakte wie Duda oder Leckie.

Zwar war sein Einsatz nicht von Erfolg gekrönt, die spielerische Klasse und der Wille waren aber zu erkennen.

Valentin Stocker – Note: 3+

(Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Wie schon gegen Bremen kam der Schweizer für die Schlussviertelstunde und sorgte noch einmal für viel Wirbel.

Stocker spielte voll auf Risiko, kaum ein Pass kam an, jedoch war das in dieser Phase nicht von Bedeutung. Er gewann jedes seiner Kopfballduelle, fing einen Ball ab und verbuchte den gefährlichsten aller Berliner Torabschlüsse in der Partie. Sein Versuch aus der Distanz wurde jedoch grandios von Adler pariert.

Der 28-Jährige strahlte große Präsenz und Spielfreude aus, er empfiehlt sich für größere Aufgaben.

 

Alexander Esswein – Note: 4-

So auffällig Stocker war, so unauffällig war Esswein.

Der 27-Jährige sammelte in 18 Minuten nur sieben Ballkontakte, zwei Pässe und keine Torschussbeteiligung.

So war seine Einwechslung vollkommen wirkungslos.

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