Hertha BSC erlebte einen unglücklichen Rückrundenauftakt gegen den VfB Stuttgart und musste sich trotz zahlreicher guter Torchancen mit 0:1 geschlagen geben. Zwar zeigte die “alte Dame” vor allem im ersten Durchgang ein mehr als zufriedenstellendes Auswärtsspiel, doch greift die Floskel, dass der Fußball ein Ergebnissport ist, auch in diesem Fall. Auch der geflügelte Satz “Wer die Dinger nicht macht, fängt sich selbst welche” traf auf diese Begegnung zu, umso bitterer, dass mit Niklas Stark der eigene Spieler sein Team auf die Verliererstraße brachte. 

Tor

Rune Jarstein – Note: 2-

(Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images )

Der Norweger konnte zwar nicht durch spektakuläre Paraden glänzen, zeigte aber dennoch ein gutes Spiel.

Zwei gegnerische Schüsse aufs Tor und ein unhaltbares Eigentor von Niklas Stark – aus diesen Dingen kann ein Torhüter kein herausragendes Spiel für sich machen. Jarstein überzeugte weniger im Parieren von Schüssen, als vielmehr in seiner Stafraumbeherrschung. Er fing zahlreiche flache Zuspiele und Flanken in den Sechszehner ab und war oft ein Schritt schneller als der Stuttgarter Angreifer. Dadurch vereitelte der 33-Jährige einige potenzielle Möglichkeiten des VfB.

Herthas Schlussmann konnte sich in diesem Spiel nicht im großen Stile auszeichnen, zeigte aber eine dennoch souveräne Leistung.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 3-

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Herthas Rechtsverteidiger scheint in einer ähnlich schwachen Verfassung zu sein, wie es schon in der Hinrunde der Fall war.

Weisers Spiel schwebte zwischen Licht und Schatten, war aber oftmals von Ungenauigkeit geprägt. Der 23-Jährige zeigte bei einigen offensiven Vorstößen gute Ansätze, dabei blieb es jedoch meist. Er spielte viele unnötige Fehlpässe und dribbelte sich einige Male fest, was er durch eher halbgares Provozieren von Fouls löste. Aufgrund dessen verschleppte Weiser einige Angriffe mit Potenzial. Dennoch zeigte er auch gute Szenen, wie den starken Lupfer auf Arne Maier, der Salomon Kalou bediente. Auch der Pass auf Davie Selke, der ebenfalls Kalou eine Chance auflegte, war nicht schlecht, auch wenn etwas ungenau.

Defensiv war Weisers Darbietung in Ordnung, nicht viel mehr. Er gewann ungefähr die Hälfte seiner Zweikämpfe, fing jedoch keinen einzigen Ball ab und auch sein Tackles waren wenig erfolgreich.

Insgesamt war es sicherlich keine miserable Leistung Weisers, jedoch kann er deutlich mehr und macht sich durch eine Passquote von, in diesem Fall, 65% in der gegnerischen Hälfte vieles selbst kaputt.

Niklas Stark – Note: 2-

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Apropos sich selbst etwas kaputt machen – Niklas Stark beschmutzte seine so weiße Weste gegen Stuttgart durch ein Eigentor.

In den sozialen Netzwerken wurde Starks Leistung vor seinem Malheur bereits mit Lobeshymnen beschrieben und das zurecht. Der 22-Jährige trat als echter Abwehrchef auf und überzeugte in jeder Disziplin eines Innenverteidigers. Stark gewann 70% seiner Zweikämpfe und fing starke drei Bälle ab. Besonders das Antizipieren von Stuttgarter Vorstößen und Pässen gelang ihm ausgezeichnet. Herthas Nummer 5 wusste sich im direkten Duell stets zu behaupten, sei es gegen die flinken Stuttgarter Mittelfeldspieler oder den ebenfalls wuchtigen Mario Gomez. Insgesamt klärte Stark neun (!) Szenen und war somit der Fels in der Brandung.

Seine Spieleröffnung war auffällig offensiv ausgelegt, er traute sich immer wieder Vorstöße bis kurz vor die Mittellinie und spielte auch einige lange Bälle. Seine Passquote von knapp 76% ist zwar ausbaufähig, liegt aber eben auch an seinem mutigen Spielaufbau.

Bis hierhin liest sich Starks Darbietung mehr als gut, jedoch wird sie von der Szene in der 78. Minute überschattet. Herthas Innenverteidiger will als letzter Mann Mario Gomez am Schuss hindern und spitzelt die Kugel dabei selbst ins Berliner Gehäuse. Es muss dazu gesagt werden, dass Stark den Ball spielen musste, da es sonst eine Notbremse und rot gewesen wäre. Dass der Ball dann aber über Jarstein hinweg ins Tor fliegt, ist pures Pech.

Eine eigentlich wunderbare Leistung von Niklas Stark, der wahnsinnig sicher und dominant auftrat, am Ende aber der Pechvogel des Spiels war.

Fabian Lustenberger – Note: 2

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Für den Ersatz von Karim Rekik gilt eine ähnliche Bewertung, denn auch Lustenberger überzeugte durch einen sehr souveränen Auftritt.

Dass mit Niklas Stark und Fabian Lustenberger eine im Vergleich zur Hinrunde (Langkamp & Rekik) komplett neue Innenverteidigung auf dem Feld stand, merkte man nicht eine Sekunde. Zusammen mit Stark zeigte “Lusti” eine sehr ansprechende Leistung und war in jeder entscheidenden Szene zur Stelle. Auch der Schweizer zeigte sich kompromisslos in den Duellen, gewann sogar überragende 82% von ihnen und fing zahlreiche Pässe ab. Er brillierte durch seine stärkste Fähigkeit – dem Stellungsspiel.

Im Aufbauspiel war er zurückhaltender als sein Innenverteidigerkollege, dafür aber auch sehr sicher, 88% seiner Zuspiele kamen an. Die “neue” Rolle als Teil der Viererkette scheint dem 29-Jährigen gut zu tun, da er sich einzig auf das Verteidigen konzentrieren kann und spielerisch wenig zeigen muss. Eine starke Vorstellung von Lustenberger.

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Defensiv sehr souverän und offensiv zu wenig dominant – Plattenhardt legte einen ausbaufähigen Rückrundenstart hin.

Plattenhardts Leistung gegen den VfB Stuttgart war das Gegenstück zu Mitchell Weiser. Der deutsche Nationalspieler konzentrierte sich vor allem auf die einfachen Dinge, spielte grundsolide, ließ jedoch besondere und offensive Momente vermissen. Im Abwehrverhalten zeigte “Platte” sich sehr reif, da er die Mehrzahl seiner Zweikämpfe gewann und sehr starke fünf Pässe abfing. Er war über 90 Minuten hochkonzentriert und ließ defensiv nichts anbrennen. Sowohl im Zweikampf, als auch im Stellungsspiel kann man dem 25-Jährigen nichts vorwerfen.

Doch so dominant Plattenhardt defensiv auftrat, so wenig zeigte er sich im Angriffsspiel. Er traute sich zu selten nach vorne bzw. führte seine Vorstöße oftmals nicht konsequent genug aus, sodass er nicht oft genug hinterlief oder in die Mitte zog. Keine seiner fünf Flanken kam bei einem Mitspieler an, auch wenn sein eines Zuspiel auf Mathew Leckie wirklich knapp war.

Plattenhardts Spiel fehlte die Balance zwischen Offensive und Defensive, er war zu sehr auf Stabilität bedacht und ließ dadurch zahlreiche Möglichkeiten des Vorstoßes liegen. Letztendlich ist er aber immer noch Abwehrspieler und dieser Disziplin überzeugte er auf ganzer Linie.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 3+

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

“Schelle” zeigte eine recht unauffällige aber gleichzeitig auch ordentliche Leistung am Samstagnachmittag.

Dienst nach Vorschrift, so lässt sich Skjelbreds Vorstellung gegen Stuttgart wohl am besten beschreiben. Der Norweger sollte dem kampfstarken VfB-Mittelfeld Einhalt gebieten und ihnen in den Zweikämpfen den Schneid abkaufen. Das gelang ihm ganz gut, schließlich entschied er fast 70% seiner Duelle für sich und fing auch den einen oder anderen Ball ab.

Im Passspiel zeigte er sich unaufgeregt (87% angekommen) aber auch wenig kreativ. Er beschränkte sich meist darauf, als dritter Innenverteidiger das Spiel von hinten heraus aufzubauen, in die gegnerische Hälfte verirrte er sich eher selten. Wichtig war, dass der 30-Jährige ziemlich pressingresistent auftrat, viele Bälle sicherte und somit keine Fehler in der eigenen Hälfte produzierte.

Eine zufriedenstellende Leistung Skjelbreds, der durch seine Erfahrung Ruhe ausstrahlte und den einen oder anderen sehr guten Ballgewinn verzeichnete.

Arne Maier – Note: 2

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Herthas Eigengewächs überzeugte über alle Maßen gegen den VfB Stuttgart, sowohl spielerisch, als auch kämpferisch.

Arne Maier drückte diesem Spiel seinen Stempel auf. Der 19-Jährige steckte defensiv nie auf und bewies einmal mehr, wie körperlich weit er bereits ist. Er gewann über die Hälfte seiner Zweikämpfe, setzte immer wieder nach und bildete zusammen mit Per Skjelbred eine überaus “eklige” Doppelsechs für den Gegner. Dazu kommt, dass er 75% seiner Luftduelle gewann und drei Bälle abfing.

Maier war überall zu finden und mit 12,4 gelaufenden Kilometern der laufstärkste Berliner auf dem Feld. Dazu passt auch, dass er eben nicht nur defensiv auffällig war, sondern der Mannschaft auch im Angriffsspiel unter die Arme griff. Mit einer 80%igen Passquote in der gegnerischen Hälfte und einem guten Gespür für Seitenverlagerungen balancierte Maier das Spiel seiner Mannschaft vor allem im ersten Durchgang exzellent aus. In der 41. Minute wurde sein tolles Zuspiel auf Salomon Kalou leider nicht mit einem Tor gekrönt, der Ivorer setzte seine Flanke über das Tor. In der zweiten Hälfte büßte das Berliner Eigengewächs leider an Dominanz ein.

Eine starke Vorstellung von Arne Maier, der bereits nach so kurzer Zeit nicht mehr aus dem Team wegzudenken ist. Er gab Hertha auch in diesem Spiel weitaus mehr spielerische Klasse und Dominanz aus der Mittelfeldzentrale heraus.

Valentino Lazaro – Note: 4

(Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

“Dominant” ist ein in dieser Einzelkritik häufig verwendeter Begriff, das trifft jedoch nicht auf Lazaro zu.

Es hätte alles so schön sein können. Valentino Lazaro schien seine starke Form aus dem Hinrundenendspurt mit nach Stuttgart genommen zu haben und zeigte wirklich auffällige erste 25 Minuten. Er glänzte durch eine tolle Handlungsschnelligkeit und gute Kombinationen mit vor allem Weiser und Leckie. In der 23. Minute wurde der Österreicher von Leckie bedient, sein Schuss landete jedoch nur am rechten Außenpfosten.

Ab diesem Zeitpunkt war allerdings kaum noch etwas von Lazaro zu sehen. Er fiel fast nur noch durch Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe auf. Bei seiner Auswechslung in der 86. Minute stand eine Passquote von 68% und eine Zweikampfbilanz von 30% zu Buche, jeweils grausige Werte. Lazaro verlor irgendwann die Bindung zum Spiel und irrte eher über den Platz, als das er etwas konstruktives tat. Ihm fehlte die Konsequenz, der genaue Plan und so verlor Hertha im zweiten Durchgang die Kontrolle über das Mittelfeld – ein Faktor, der in Halbzeit eins noch für Herthas spielerisches Übergewicht sorgte.

Eine mehr als durchwachsene Leistung des 21-Jährigen, der seine starke Anfangsphase nicht ansatzweise halten konnte. Am Ende hat er außer seines Versuches keine Torschussbeteiligung vorzuweisen.

Mathew Leckie – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Australier wirkte nicht bei 100% Frische, warf für seine Mannschaft aber dennoch alles in die Waagschale.

Genau wie Lazaro begann Leckie durchaus stürmisch. Der Flügelspieler war an zahlreichen Angriffen direkt beteiligt und legte zwei Schüsse von Hertha auf. Auffällig war, wie ballsicher Leckie auftrat und das Spielgerät sogar gegen mehrere Gegner behielt. Dadurch schaffte er Platz und setzte Flügelpartner Weiser in Szene. Auch seine Passquote von 80% angekommenen Zuspielen in der gegnerischen Hälfte lässt sich absolut sehen.

Doch mit der Zeit flachte das Spiel des 26-Jährigen ab. Er hatte kaum noch zündende Ideen nach vorne und beschränkte sich meist darauf, Weiser defensiv zu unterstützten. Dadurch lässt sich auch seine auffällig hohe Laufleistung von 12,3 km erklären, er ging viele Wege mit nach hinten.

Eine solide Leistung, der mit der Zeit die Glanzmomente fehlten. Insgesamt kann man Leckie aber nicht allzu große Vorwürfe machen.

Salomon Kalou – Note: 5

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas aktueller Toptorjäger ließ seine gewohnte Kaltschnäuzigkeit vermissen und konnte dem Spiel sonst wenig geben.

Kalous anfängliche Vorstellung gegen Stuttgart war durchaus gut. Er war ballsicher, konnte dadurch einige Bälle im Mittelfeld festmachen und sie an seine schnelleren Mitspieler weiterleiten. Danach war jedoch kaum bis gar nichts mehr von ihm zu sehen. Er konnte dem Spiel seiner Mannschaft, offensiv wie defensiv, nichts geben und verschwand oftmals für einige Minuten. Nach Davie Selke hatte er die wenigsten Ballkontakte von allen Berlinern, zudem gewann er nur wenig Zweikämpfe und seine Pässe hätten ebenfalls mehr Zielstrebigkeit vertragen können.

Doch all das hätte unerheblich sein können, hätte der 32-Jährige eine seiner beiden großen Torchancen verwandelt. In der 31. Spielminute erhielt er ein Zuspiel von Davie Selke, das er nur zu einem Eckball verwerten konnte. Zugegebenermaßen war diese Gelegenheit technisch wirklich schwierig umzusetzen. Kalous zweite Chance jedoch nicht. Zehn Minuten später wurde er mustergültig von Arne Maier bedient und schaffte es, den Kopfball über das leere Tor zu setzen. Damit verschenkte der Ivorer die Chance zur Herthaner Führung zweimal.

Das 100. Bundesliga-Spiel Kalous für Hertha fand keine schöne Geschichte und so muss sich Kalou an einer schwachen Leistung messen lassen.

Sturm

Davie Selke – Note: 4+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Auch Herthas Mittelstürmer blieb am Samstagnachmittag ohne Glück.

Nach nur drei Minuten hätte es bereits 1:0 für Hertha stehen können. Niklas Stark leitete einen Herthaner Freistoß weiter und Davie Selke, sichtlich überrascht, konnte die daraus entstehende Chance direkt vor dem Tor nicht nutzen.

Es blieb Selkes einziger Torschuss in dieser Partie, die für ihn äußerst undankbar ablief. Er rieb sich in Duellen auf, suchte jeden Zweikampf, ob am Boden oder in der Luft. Seine Bemühungen trugen jedoch keine Früchte und so bleibt es bei einem kämpferisch betonten, aber glücklosen Auftritt des 22-Jährigen. Seine Vorlage für Kalou in der 31. Minute lässt sich noch positiv hervorheben.

Die Partie lief am Mittelstürmer vorbei, er hatte nur 27 Ballkontakte und war kaum ins Spiel seiner Mannschaft eingebunden. Ihm sind vielleicht keine große Vorwürfe zu machen, eine unauffällige Leistung bleibt es dennoch.

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