BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 19. Spieltag: Hertha BSC – Borussia Dortmund

In einer umkämpften Partie trennten sich Hertha BSC und Borussia Dortmund mit einem 1:1-Unentschieden. Während die erste Halbzeit nicht von Spektakel geprägt war, entwickelte sich im zweiten Durchgang ein spannendes Spiel mit vielen auffälligen Szenen. Hertha verpasste es, das 2:0 zu erzielen und so kam der BVB zurück in die Begegnung. Am Ende können sich wohl beide Parteien mit der Punktetrennung zufrieden geben.

Tor

Thomas Kraft – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kraft musste den kurzfristig ausgefallenen Rune Jarstein ersetzen und machte seine Sache wirklich gut.

Der 29-Jährige zeigte seine bereits bekannten Stärken auf der Linie und wehrte die gefährlichen Schüsse von Christian Pulisic (56.) und Jeremy Toljan (84.) sehr stark ab. Des Weiteren scheint er sich im Herauslaufen bzw. im Positionsspiel deutlich verbessert zu haben. Immer wieder war er bei gegnerischen Schnittstellenpässen des BVB früher als der Dortmunder Spieler am Ball und entschärfte dadurch einige Szenen.

Eine mehr als souveräne Vorstellung von Kraft, der seinen guten Eindruck aus den Europa-League-Spielen weiter bestätigt.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 4-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Herthas Rechtsverteidiger hatte mit Dortmunds linker Angriffsseite deutliche Probleme und konnte dem Gegner kaum Einhalt gebieten.

Weiser konnte Dortmunds Jadon Sancho nahezu nie in dessen Aktionen stoppen. Der 17-Jährige machte zugegebenermaßen ein starkes Spiel, erhielt aber viel zu viele Freiheiten von Weiser. Der 23-Jährige verlor die Mehrzahl seiner Zweikämpfe und wurde unzählige Male von Dortmunds linkem Flügel überlaufen, weshalb Hertha auf dieser Seite mächtig wackelte. Er bekam Sancho und Toljan kaum zu fassen und lief meistens nur hinterher. Sowohl Zweikampfverhalten, als auch Stellungsspiel stimmte bei Weiser kaum.

Auch offensiv konnte der U21-Europameister nur wenig bewirken. Zwar waren einige gute Ansätze zu sehen, wie auch vielversprechende Kombinationen, letztendlich kam aber zu wenig dabei rum. Nur eine (misslungene) Flanke und ein Fehlschuss sind zu wenig.

Ein insgesamt schwaches Spiel Weisers, der Sancho an diesem Tag nicht gewachsen war und offensiv seine Genialität vermissen ließ.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der Fels in der Brandung – Niklas Stark überzeugte gegen den BVB als Leuchtturm in der Berliner Abwehr.

Egal wo es brannte, Niklas Stark war zur Stelle. Der Innenverteidiger bestätigte seine gute Form aus dem Spiel gegen den VfB Stuttgart und überzeugte am Freitagabend auf ganzer Linie. Eine Zweikampfquote von knapp 70%, vier abgefangene Bälle und kein einziges verlorenes Kopfballduell beweisen seine Souveränität. Insgesamt klärte der 22-Jährige 14 (!) Aktionen, indem er nahezu alles, was in den Berliner Strafraum geschlagen wurde, postwendend zurückbolzte. Er war stets auf der Höhe des Geschehens und stand nahezu immer richtig. Zwar war sein Stellungsspiel beim 1:1-Ausgleich auch ausbaufähig, aber sicherlich nicht der Grund für den Treffer.

Stark bleibt in herausragender Form und hat sich als Abwehrchef absolut etabliert. Dazu kommt seine mutige Spieleröffnung, in der er sich einige Läufe und lange Bälle traut.

Fabian Lustenberger – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Auch der Schweizer wusste zu überzeugen, auch wenn sein Spiel unauffälliger als das von Partner Stark war.

13 (!) von 14 Zweikämpfen konnte “Lusti” für sich entscheiden – eine phänomenale Quote, die sein hoch intelligentes Zweikampfverhalten unter Beweis stellt. Zudem gewann der angestammte Mittelfeldspieler alle seine Kopfballduelle, beeindruckend für seine Größe. Auch im Klären von brenzlichen Situationen und dem Sichern von Bällen zeigte sich der 29-Jährige überaus souverän, er wirkte über 90 Minuten hoch konzentriert und abgeklärt. Im direkten Duell hatten Schürrle und co. nahezu nichts zu melden, ein großer Verdienst Lustenbergers.

Im Aufbauspiel ist der Schweizer deutlich zurückhaltender als Niklas Stark, ansonsten machte er ein ähnlich gutes Spiel. Der Strafraum konnte nur sehr selten vom BVB erobert werden, so ist es kein Zufall, dass drei der acht Dortmunder Schüsse außerhalb des 16ers ausgeführt wurden. Es muss jedoch angemerkt werden, dass er bei Szene mit Yarmolenko riesiges Glück hatte, da der Schiedsrichter auf Elfmeter hätte entscheiden müssen.

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Wesentlich sicherer als Weiser trat Marvin Plattenhardt auf, der durch sehr solides Stellungsspiel und kompromissloses Zweikampfverhalten viele Dortmunder Vorstöße über seine Seite stoppen konnte.

Es ist eine Mammutaufgabe, Dortmunds Christian Pulisic über die gesamte Spiellänge in Schach zu halten und dieser wird kaum ein Spieler gerecht. Auch Plattenhardt konnte nicht verhindern, dass der US-Amerikaner einige gute Momente hatte. Es ist jedoch auch “Platte” gewesen, der Pulisic über die meiste Zeit im Griff hatte und ihm wenig Raum zur Entfaltung schenkte. Herthas Linksverteidiger gewann zwei Drittel seiner Zweikämpfe und setzte zahlreiche starke Tacklings. Der 25-Jährige ließ sich nur selten abkochen und verhinderte die Mehrzahl schwarz-gelber Angriffe über seine Flanke.

Offensiv strahlte Plattenhardt Zielstrebigkeit aus, auch wenn ihm nicht alles gelang. Er eroberte ein paar Bälle in der gegnerischen Hälfte und war gewillt, diese auch in (3) Flanken umzumünzen, von denen eine bei ihrem Ziel ankam. Des Weiteren waren seine Standards durchaus gefährlich, so legte er zwei Torchancen dadurch auf, von der Starks Kopfball wohl die gefährlichste war. Plattenhardts eigener Abschluss durch einen Freistoß war ebenso gar nicht mal schlecht getreten.

Eine insgesamt runde Leistung des deutschen Nationalspielers, der seine Seite meist dicht hielt und ein paar offensive Akzente setzen konnte.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 3+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger gehört zu dem Mittelfeldreieck Herthas, das Dortmund Kreativspieler aus dem Spiel nehmen sollte und er erledigt seine Aufgabe gewissenhaft.

Die Partie gegen den BVB war für ihn Spieler wie Skjelbred wie gemacht: Viele Mittelfelduelle, viel Laufarbeit, Manndeckung – alles Disziplinen, in denen er brillieren kann. Skjelbred war Spiegel-taktisch Mario Götze oder situativ Shinji Kagawa zugeteilt und ging ihnen gewaltig auf Nerven und Füße. Herthas Kapitän gewann 60% seiner Zweikämpfe sowie alle Duelle in der Luft. Des Weiteren sicherte er einige Bälle und fiel durch clevere Tacklings auf. Es ist nun einmal sein Spiel, den gegnerischen Kreativen die Lust am Spiel zu nehmen. Im zweiten Durchgang konnte sich Dortmund aber weitaus besser aus Herthas Manndeckung befreien, sodass Skjelbred und co. viel an Kontrolle einbüßten. Es viel dem 30-Jährigen deutlich schwerer, Dortmunds Mittelfeldspieler festzunageln. Er versuchte daraufhin, vermehrt Räume zuzulaufen und im Strafraum Situationen zu klären.

Im Aufbauspiel war “Schelle” oftmals zu zögerlich. Er suchte meist die sichere, aber eben auch unkreative Lösung, weshalb er Chancen verpasste, das Spiel seiner Mannschaft schneller zu machen. Zudem waren seine Zuspiele in der gegnerischen Hälfte zu unsauber, nur 50% kamen bei den Mitspielern an.

Gegen den Ball sah Skjelbreds Vorstellung besonders in der ersten Halbzeit wirklich gut aus. Mit der Zeit verlor er jedoch die Dominanz und Zugriff. Schlussendlich war es aber eine zufriedenstellende Leistung des Norwegers. Er lief übrigens die meisten Meter (12,4 km) aller eingesetzten Spieler.

Arne Maier – Note: 3

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Die Leistung des 19-Jährigen lässt sich wohl mit dem Wort “solide” am treffendsten beschreiben.

Arne Maier machte sein erstes Spiel gegen einen richtig großen Gegner und war bemüht, sich daher auf die eher einfachen Dinge seines Spiels zu konzentrieren. Er war auf ein sauberes Passspiel, viel Laufarbeit und solide Manndeckung bedacht. Seine Passquote sah auch deutlich besser als die von Sechser-Kollege Skjelbred aus, 83% seiner Pässe kamen an, sogar 86% in der gegnerischen Hälfte. Dadurch transportierte Maier den Ball sicher ins nächste Spieldrittel, eine wichtige Funktion. Im Zweikampf fehlte ihm jedoch teilweise die Abgeklärtheit, nur die Hälfte seiner Duelle konnte er gewinnen. Götze und Kagawa konnten ihm immer mal wieder ein Schnippchen schlagen. Gegen den Ball war sein Spiel ausbaufähig, mit der Kugel konnte er jedoch einiges bewirken. Besonders seine Pressingresistenz wusste zu gefallen, durch die er Dortmund Arbeit gegen den Ball deutlich erschwerte.

Im letzten Angriffsdrittel traute sich das Berliner Eigengewächs zu wenig zu, meist spielte er nur die Sicherheitspässe und rückte daraufhin wieder in die Grundordnung zurück. Das ist in Ordnung, aber man hat es schon einmal mutiger von Maier gesehen.

Eine ordentliche Leistung Maiers, der sich keinerlei echte Patzer erlaubte. Einzig bei Dortmunds Ausgleichtreffer hätte er sich besser orientieren müssen, in der Szene deckte er nur “toten” Raum. Ansonsten schaffte er durch seine Ballsicherheit Ruhe für seine Mannschaft.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Es ist kein Leichtes, die Leistung Dudas gerecht zu benoten. Einer guten Leistung stehen zwei grobe Fehler gegenüber.

Dudas Spiel gegen den BVB fing sehr vielversprechend an. Er zeigte ungeahnte Defensiv-Qualitäten, indem er Dortmunds Julian Weigl in konsequente Manndeckung nahm und jeden Meter verfolgte. Dabei zeigte er gutes taktisches Gefühl und starke Laufarbeit. Auch mit dem Ball konnte der Slowake überzeugen. Er kurbelte das Spiel seiner Mannschaft aus der Zentrale heraus an, indem er es breit machte und mitgelaufene Mannschaftskameraden mit viel Übersicht bediente. Seine Sicherheit am Ball und sein gutes Auge vielen sofort auf, solche Fähigkeiten haben bei Hertha nur wenige Spieler. Zwar fehlten ihm etwas die Durchschlagskraft, gute Ansätze zeige er aber allemal.

Der zweite Durchgang wurde mit dem Tor von Davie Selke eingeleitet, bei dem auch Duda seine Füße im Spiel hatte. Sein toller Doppelpass mit Vorlagengeber Valentino Lazaro brach Dortmund Defensive auf und ermöglichte den Führungstreffer. In der 63. Minute passierte dem 23-Jährigen sein erste Ungeschick. Kalou bekommt im halblinken Strafraum den Ball, spielt ihn an Bürki vorbei, aber in der Mitte schiebt Duda den Ball noch über die Linie. Er stand jedoch im Abseits und hätte den Schuss von Kalou einfach durchlassen müssen. Ob BVB-Verteidiger Ömer Toprak noch hätte klären können, liegt im Bereich des Konjunktiv. Nur acht Minuten später wird Duda endgültig zum Pechvogel der Begegnung, als er den Ball zunächst gut gewinnt, Dortmund jedoch mit einem gedankenlosen Querpass wieder zu Angriff einlud, der zum Ausgleich führte. Ein sehr unglücklicher Ballverlust des Spielmachers.

Sechs Minuten darauf wurde Duda ausgewechselt. Er zeigte eine eigentlich bemerkenswert gute Leistung, die aber von seinen beiden Fehlern überschattet wird. Dennoch zeigte er einige Dinge, die Mut für die kommenden Spiele machen können.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Zwar tauchte Lazaro immer mal wieder unter, ohne sein Mitwirken ging bei Hertha offensiv aber herzlich wenig.

Wer den Wert von Lazaro für Herthas Spiel bemessen will, muss sich eigentlich nur Berlins Anzahl an Torschüssen und Lazaros Anzahl an Vorlagen ansehen. Der Österreicher legte nämlich vier der neun Torschüsse der “alten Dame” auf, also rund die Hälfte – eine wahnsinnig gute Bilanz. Der 21-Jährige versprühte viel Dynamik und Spielwitz über Herthas rechte Seite und war eine deutliche Steigerung zu Mathew Leckie in der Vorwoche gegen Stuttgart. Durch sein irrsinniges Tempo entwischte er Gegenspieler Toljan das ein oder andere Mal und konnte den Platz für gute Kombinationen nutzen.

In der 46. Minute fiel Herthas Führungstreffer und Lazaro war mittendrin. Er leitete das Tor zunächst selbst durch einen sehenswerten Doppelpass mit Ondrej Duda ein und bediente dann auch noch Torschütze Selke mustergültig. Eine wunderbare Szene des Neuzugangs, der seine aufsteigende Form beibehält. Danach war jedoch nicht mehr allzu viel von Lazaro zu sehen, der sich durch die zunehmende Dominanz Dortmunds defensiv beteiligte, offensiv aber keine Akzente mehr setzen konnte.

Eine überzeugende Darbietung Lazaros, der einen riesigen Anteil an Herthas zwischenzeitlicher Führung hatte.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ja, Kalou spielte auch mit. Der Ivorer zeigte viel zu wenig Aktivität und Laufarbeit, um seiner Mannschaft wirklich helfen zu können.

Das Spiel am Freitagabend war keines, das zu Kalous Eigenschaften passt. Im ersten Durchgang stand vor allem die Arbeit gegen den Ball im Fokus und das ist keine Disziplin, die dem 32-Jährigen sonderlich liegt. Er war in den ersten 45 Minuten kaum zu sehen und konnte mit den schnellen Außenspielern Dortmunds nicht mithalten.

Auch nach dem Pausentee konnte Kalou nicht überzeugen. Hertha wurde zunehmend in die eigene Spielhälfte gedrückt und brauchte jeden Mann zum Verteidigen. Kalou fiel jedoch vielmehr durch schlampige Klärungsversuche und fehlende Laufarbeit auf. Er verpasste es immer wieder, wichtige Räume zuzulaufen, weshalb Herthas Rückraum in einigen Momenten völlig offen erschien. So auch beim 1:1, als Kalou viel zu spät realisierte, dass den Rücken von Plattenhardt decken muss. Als er loslief, war es schon zu spät und Kagawa köpfte ungestört zum Ausgleich ein. Diese Läufe sind im modernen Fußball überlebenswichtig. Ohne sie entstehen Lücken, die von einem Team wie Dortmund eiskalt ausgenutzt werden.

Sicherlich hatte Herthas Nummer acht das Pech, dass sein potenzielles Tor in der 64. Minute durch Duda verhindert wurde. Das widerlegt jedoch nicht den Fakt, dass Kalou für das Spiel am Freitag deutlich zu phlegmatisch und langsam war. Ein mehr als unglücklicher Auftritt Kalous.

Sturm

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ein weiterer Fakt für Kalous mangelnde Aufopferung: Mittelstürmer Davie Selke lief zwei Kilometer mehr als der Ivorer. Selke erzielte darüber hinaus das 1:0, hing aber meist in der Luft.

Als er gebraucht wurde, war er da. Davie Selke machte gegen den BVB sein erstes Tor im Jahr 2018 und versuchte auch darüber hinaus, seiner Mannschaft unter die Arme zu greifen. Der U21-Europameister rieb sich gegen Dortmunds Abwehr auf, suchte jeden Lauf und Zweikampf. Wirklich lobenswert ist, dass er tatsächlich auch die Mehrzahl seiner Duelle gewann, ein sehr seltener Wert für einen Mittelstürmer. Besonders in der Luft konnte sich der 23-Jährige behaupten, wodurch er einige Bälle sichern und seiner Mannschaft etwas Ruhe verschaffen konnte.

In der 46. Minute löste er sich bei Lazaros Zuspiel perfekt getimed von seinem Gegenspieler und schob lässig zum 1:0 ein. Dabei muss angemerkt werden, dass seine Taktik, gegen Bürkis Laufrichtung zu zielen, sehr gut aufging. Ein echter Torjäger eben.

Es war keine leichte Partie für Selke, der aber das beste aus ihr machte und Herthas Treffer des Tages erzielte.

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In einer umkämpften Partie trennten sich Hertha BSC und Borussia Dortmund mit einem 1:1-Unentschieden. Während die erste Halbzeit nicht von Spektakel geprägt war, entwickelte sich im zweiten Durchgang ein spannendes Spiel mit vielen auffälligen Szenen. Hertha verpasste es, das 2:0 zu erzielen und so kam der BVB zurück in die Begegnung. Am Ende können sich wohl beide Parteien mit der Punktetrennung zufrieden geben.

Tor

Thomas Kraft – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kraft musste den kurzfristig ausgefallenen Rune Jarstein ersetzen und machte seine Sache wirklich gut.

Der 29-Jährige zeigte seine bereits bekannten Stärken auf der Linie und wehrte die gefährlichen Schüsse von Christian Pulisic (56.) und Jeremy Toljan (84.) sehr stark ab. Des Weiteren scheint er sich im Herauslaufen bzw. im Positionsspiel deutlich verbessert zu haben. Immer wieder war er bei gegnerischen Schnittstellenpässen des BVB früher als der Dortmunder Spieler am Ball und entschärfte dadurch einige Szenen.

Eine mehr als souveräne Vorstellung von Kraft, der seinen guten Eindruck aus den Europa-League-Spielen weiter bestätigt.

Abwehr

Mitchell Weiser – Note: 4-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Herthas Rechtsverteidiger hatte mit Dortmunds linker Angriffsseite deutliche Probleme und konnte dem Gegner kaum Einhalt gebieten.

Weiser konnte Dortmunds Jadon Sancho nahezu nie in dessen Aktionen stoppen. Der 17-Jährige machte zugegebenermaßen ein starkes Spiel, erhielt aber viel zu viele Freiheiten von Weiser. Der 23-Jährige verlor die Mehrzahl seiner Zweikämpfe und wurde unzählige Male von Dortmunds linkem Flügel überlaufen, weshalb Hertha auf dieser Seite mächtig wackelte. Er bekam Sancho und Toljan kaum zu fassen und lief meistens nur hinterher. Sowohl Zweikampfverhalten, als auch Stellungsspiel stimmte bei Weiser kaum.

Auch offensiv konnte der U21-Europameister nur wenig bewirken. Zwar waren einige gute Ansätze zu sehen, wie auch vielversprechende Kombinationen, letztendlich kam aber zu wenig dabei rum. Nur eine (misslungene) Flanke und ein Fehlschuss sind zu wenig.

Ein insgesamt schwaches Spiel Weisers, der Sancho an diesem Tag nicht gewachsen war und offensiv seine Genialität vermissen ließ.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der Fels in der Brandung – Niklas Stark überzeugte gegen den BVB als Leuchtturm in der Berliner Abwehr.

Egal wo es brannte, Niklas Stark war zur Stelle. Der Innenverteidiger bestätigte seine gute Form aus dem Spiel gegen den VfB Stuttgart und überzeugte am Freitagabend auf ganzer Linie. Eine Zweikampfquote von knapp 70%, vier abgefangene Bälle und kein einziges verlorenes Kopfballduell beweisen seine Souveränität. Insgesamt klärte der 22-Jährige 14 (!) Aktionen, indem er nahezu alles, was in den Berliner Strafraum geschlagen wurde, postwendend zurückbolzte. Er war stets auf der Höhe des Geschehens und stand nahezu immer richtig. Zwar war sein Stellungsspiel beim 1:1-Ausgleich auch ausbaufähig, aber sicherlich nicht der Grund für den Treffer.

Stark bleibt in herausragender Form und hat sich als Abwehrchef absolut etabliert. Dazu kommt seine mutige Spieleröffnung, in der er sich einige Läufe und lange Bälle traut.

Fabian Lustenberger – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Auch der Schweizer wusste zu überzeugen, auch wenn sein Spiel unauffälliger als das von Partner Stark war.

13 (!) von 14 Zweikämpfen konnte “Lusti” für sich entscheiden – eine phänomenale Quote, die sein hoch intelligentes Zweikampfverhalten unter Beweis stellt. Zudem gewann der angestammte Mittelfeldspieler alle seine Kopfballduelle, beeindruckend für seine Größe. Auch im Klären von brenzlichen Situationen und dem Sichern von Bällen zeigte sich der 29-Jährige überaus souverän, er wirkte über 90 Minuten hoch konzentriert und abgeklärt. Im direkten Duell hatten Schürrle und co. nahezu nichts zu melden, ein großer Verdienst Lustenbergers.

Im Aufbauspiel ist der Schweizer deutlich zurückhaltender als Niklas Stark, ansonsten machte er ein ähnlich gutes Spiel. Der Strafraum konnte nur sehr selten vom BVB erobert werden, so ist es kein Zufall, dass drei der acht Dortmunder Schüsse außerhalb des 16ers ausgeführt wurden. Es muss jedoch angemerkt werden, dass er bei Szene mit Yarmolenko riesiges Glück hatte, da der Schiedsrichter auf Elfmeter hätte entscheiden müssen.

Marvin Plattenhardt – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Wesentlich sicherer als Weiser trat Marvin Plattenhardt auf, der durch sehr solides Stellungsspiel und kompromissloses Zweikampfverhalten viele Dortmunder Vorstöße über seine Seite stoppen konnte.

Es ist eine Mammutaufgabe, Dortmunds Christian Pulisic über die gesamte Spiellänge in Schach zu halten und dieser wird kaum ein Spieler gerecht. Auch Plattenhardt konnte nicht verhindern, dass der US-Amerikaner einige gute Momente hatte. Es ist jedoch auch “Platte” gewesen, der Pulisic über die meiste Zeit im Griff hatte und ihm wenig Raum zur Entfaltung schenkte. Herthas Linksverteidiger gewann zwei Drittel seiner Zweikämpfe und setzte zahlreiche starke Tacklings. Der 25-Jährige ließ sich nur selten abkochen und verhinderte die Mehrzahl schwarz-gelber Angriffe über seine Flanke.

Offensiv strahlte Plattenhardt Zielstrebigkeit aus, auch wenn ihm nicht alles gelang. Er eroberte ein paar Bälle in der gegnerischen Hälfte und war gewillt, diese auch in (3) Flanken umzumünzen, von denen eine bei ihrem Ziel ankam. Des Weiteren waren seine Standards durchaus gefährlich, so legte er zwei Torchancen dadurch auf, von der Starks Kopfball wohl die gefährlichste war. Plattenhardts eigener Abschluss durch einen Freistoß war ebenso gar nicht mal schlecht getreten.

Eine insgesamt runde Leistung des deutschen Nationalspielers, der seine Seite meist dicht hielt und ein paar offensive Akzente setzen konnte.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 3+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger gehört zu dem Mittelfeldreieck Herthas, das Dortmund Kreativspieler aus dem Spiel nehmen sollte und er erledigt seine Aufgabe gewissenhaft.

Die Partie gegen den BVB war für ihn Spieler wie Skjelbred wie gemacht: Viele Mittelfelduelle, viel Laufarbeit, Manndeckung – alles Disziplinen, in denen er brillieren kann. Skjelbred war Spiegel-taktisch Mario Götze oder situativ Shinji Kagawa zugeteilt und ging ihnen gewaltig auf Nerven und Füße. Herthas Kapitän gewann 60% seiner Zweikämpfe sowie alle Duelle in der Luft. Des Weiteren sicherte er einige Bälle und fiel durch clevere Tacklings auf. Es ist nun einmal sein Spiel, den gegnerischen Kreativen die Lust am Spiel zu nehmen. Im zweiten Durchgang konnte sich Dortmund aber weitaus besser aus Herthas Manndeckung befreien, sodass Skjelbred und co. viel an Kontrolle einbüßten. Es viel dem 30-Jährigen deutlich schwerer, Dortmunds Mittelfeldspieler festzunageln. Er versuchte daraufhin, vermehrt Räume zuzulaufen und im Strafraum Situationen zu klären.

Im Aufbauspiel war “Schelle” oftmals zu zögerlich. Er suchte meist die sichere, aber eben auch unkreative Lösung, weshalb er Chancen verpasste, das Spiel seiner Mannschaft schneller zu machen. Zudem waren seine Zuspiele in der gegnerischen Hälfte zu unsauber, nur 50% kamen bei den Mitspielern an.

Gegen den Ball sah Skjelbreds Vorstellung besonders in der ersten Halbzeit wirklich gut aus. Mit der Zeit verlor er jedoch die Dominanz und Zugriff. Schlussendlich war es aber eine zufriedenstellende Leistung des Norwegers. Er lief übrigens die meisten Meter (12,4 km) aller eingesetzten Spieler.

Arne Maier – Note: 3

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Die Leistung des 19-Jährigen lässt sich wohl mit dem Wort “solide” am treffendsten beschreiben.

Arne Maier machte sein erstes Spiel gegen einen richtig großen Gegner und war bemüht, sich daher auf die eher einfachen Dinge seines Spiels zu konzentrieren. Er war auf ein sauberes Passspiel, viel Laufarbeit und solide Manndeckung bedacht. Seine Passquote sah auch deutlich besser als die von Sechser-Kollege Skjelbred aus, 83% seiner Pässe kamen an, sogar 86% in der gegnerischen Hälfte. Dadurch transportierte Maier den Ball sicher ins nächste Spieldrittel, eine wichtige Funktion. Im Zweikampf fehlte ihm jedoch teilweise die Abgeklärtheit, nur die Hälfte seiner Duelle konnte er gewinnen. Götze und Kagawa konnten ihm immer mal wieder ein Schnippchen schlagen. Gegen den Ball war sein Spiel ausbaufähig, mit der Kugel konnte er jedoch einiges bewirken. Besonders seine Pressingresistenz wusste zu gefallen, durch die er Dortmund Arbeit gegen den Ball deutlich erschwerte.

Im letzten Angriffsdrittel traute sich das Berliner Eigengewächs zu wenig zu, meist spielte er nur die Sicherheitspässe und rückte daraufhin wieder in die Grundordnung zurück. Das ist in Ordnung, aber man hat es schon einmal mutiger von Maier gesehen.

Eine ordentliche Leistung Maiers, der sich keinerlei echte Patzer erlaubte. Einzig bei Dortmunds Ausgleichtreffer hätte er sich besser orientieren müssen, in der Szene deckte er nur “toten” Raum. Ansonsten schaffte er durch seine Ballsicherheit Ruhe für seine Mannschaft.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Es ist kein Leichtes, die Leistung Dudas gerecht zu benoten. Einer guten Leistung stehen zwei grobe Fehler gegenüber.

Dudas Spiel gegen den BVB fing sehr vielversprechend an. Er zeigte ungeahnte Defensiv-Qualitäten, indem er Dortmunds Julian Weigl in konsequente Manndeckung nahm und jeden Meter verfolgte. Dabei zeigte er gutes taktisches Gefühl und starke Laufarbeit. Auch mit dem Ball konnte der Slowake überzeugen. Er kurbelte das Spiel seiner Mannschaft aus der Zentrale heraus an, indem er es breit machte und mitgelaufene Mannschaftskameraden mit viel Übersicht bediente. Seine Sicherheit am Ball und sein gutes Auge vielen sofort auf, solche Fähigkeiten haben bei Hertha nur wenige Spieler. Zwar fehlten ihm etwas die Durchschlagskraft, gute Ansätze zeige er aber allemal.

Der zweite Durchgang wurde mit dem Tor von Davie Selke eingeleitet, bei dem auch Duda seine Füße im Spiel hatte. Sein toller Doppelpass mit Vorlagengeber Valentino Lazaro brach Dortmund Defensive auf und ermöglichte den Führungstreffer. In der 63. Minute passierte dem 23-Jährigen sein erste Ungeschick. Kalou bekommt im halblinken Strafraum den Ball, spielt ihn an Bürki vorbei, aber in der Mitte schiebt Duda den Ball noch über die Linie. Er stand jedoch im Abseits und hätte den Schuss von Kalou einfach durchlassen müssen. Ob BVB-Verteidiger Ömer Toprak noch hätte klären können, liegt im Bereich des Konjunktiv. Nur acht Minuten später wird Duda endgültig zum Pechvogel der Begegnung, als er den Ball zunächst gut gewinnt, Dortmund jedoch mit einem gedankenlosen Querpass wieder zu Angriff einlud, der zum Ausgleich führte. Ein sehr unglücklicher Ballverlust des Spielmachers.

Sechs Minuten darauf wurde Duda ausgewechselt. Er zeigte eine eigentlich bemerkenswert gute Leistung, die aber von seinen beiden Fehlern überschattet wird. Dennoch zeigte er einige Dinge, die Mut für die kommenden Spiele machen können.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Zwar tauchte Lazaro immer mal wieder unter, ohne sein Mitwirken ging bei Hertha offensiv aber herzlich wenig.

Wer den Wert von Lazaro für Herthas Spiel bemessen will, muss sich eigentlich nur Berlins Anzahl an Torschüssen und Lazaros Anzahl an Vorlagen ansehen. Der Österreicher legte nämlich vier der neun Torschüsse der “alten Dame” auf, also rund die Hälfte – eine wahnsinnig gute Bilanz. Der 21-Jährige versprühte viel Dynamik und Spielwitz über Herthas rechte Seite und war eine deutliche Steigerung zu Mathew Leckie in der Vorwoche gegen Stuttgart. Durch sein irrsinniges Tempo entwischte er Gegenspieler Toljan das ein oder andere Mal und konnte den Platz für gute Kombinationen nutzen.

In der 46. Minute fiel Herthas Führungstreffer und Lazaro war mittendrin. Er leitete das Tor zunächst selbst durch einen sehenswerten Doppelpass mit Ondrej Duda ein und bediente dann auch noch Torschütze Selke mustergültig. Eine wunderbare Szene des Neuzugangs, der seine aufsteigende Form beibehält. Danach war jedoch nicht mehr allzu viel von Lazaro zu sehen, der sich durch die zunehmende Dominanz Dortmunds defensiv beteiligte, offensiv aber keine Akzente mehr setzen konnte.

Eine überzeugende Darbietung Lazaros, der einen riesigen Anteil an Herthas zwischenzeitlicher Führung hatte.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ja, Kalou spielte auch mit. Der Ivorer zeigte viel zu wenig Aktivität und Laufarbeit, um seiner Mannschaft wirklich helfen zu können.

Das Spiel am Freitagabend war keines, das zu Kalous Eigenschaften passt. Im ersten Durchgang stand vor allem die Arbeit gegen den Ball im Fokus und das ist keine Disziplin, die dem 32-Jährigen sonderlich liegt. Er war in den ersten 45 Minuten kaum zu sehen und konnte mit den schnellen Außenspielern Dortmunds nicht mithalten.

Auch nach dem Pausentee konnte Kalou nicht überzeugen. Hertha wurde zunehmend in die eigene Spielhälfte gedrückt und brauchte jeden Mann zum Verteidigen. Kalou fiel jedoch vielmehr durch schlampige Klärungsversuche und fehlende Laufarbeit auf. Er verpasste es immer wieder, wichtige Räume zuzulaufen, weshalb Herthas Rückraum in einigen Momenten völlig offen erschien. So auch beim 1:1, als Kalou viel zu spät realisierte, dass den Rücken von Plattenhardt decken muss. Als er loslief, war es schon zu spät und Kagawa köpfte ungestört zum Ausgleich ein. Diese Läufe sind im modernen Fußball überlebenswichtig. Ohne sie entstehen Lücken, die von einem Team wie Dortmund eiskalt ausgenutzt werden.

Sicherlich hatte Herthas Nummer acht das Pech, dass sein potenzielles Tor in der 64. Minute durch Duda verhindert wurde. Das widerlegt jedoch nicht den Fakt, dass Kalou für das Spiel am Freitag deutlich zu phlegmatisch und langsam war. Ein mehr als unglücklicher Auftritt Kalous.

Sturm

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ein weiterer Fakt für Kalous mangelnde Aufopferung: Mittelstürmer Davie Selke lief zwei Kilometer mehr als der Ivorer. Selke erzielte darüber hinaus das 1:0, hing aber meist in der Luft.

Als er gebraucht wurde, war er da. Davie Selke machte gegen den BVB sein erstes Tor im Jahr 2018 und versuchte auch darüber hinaus, seiner Mannschaft unter die Arme zu greifen. Der U21-Europameister rieb sich gegen Dortmunds Abwehr auf, suchte jeden Lauf und Zweikampf. Wirklich lobenswert ist, dass er tatsächlich auch die Mehrzahl seiner Duelle gewann, ein sehr seltener Wert für einen Mittelstürmer. Besonders in der Luft konnte sich der 23-Jährige behaupten, wodurch er einige Bälle sichern und seiner Mannschaft etwas Ruhe verschaffen konnte.

In der 46. Minute löste er sich bei Lazaros Zuspiel perfekt getimed von seinem Gegenspieler und schob lässig zum 1:0 ein. Dabei muss angemerkt werden, dass seine Taktik, gegen Bürkis Laufrichtung zu zielen, sehr gut aufging. Ein echter Torjäger eben.

Es war keine leichte Partie für Selke, der aber das beste aus ihr machte und Herthas Treffer des Tages erzielte.

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