BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 24. Spieltag: FC Bayern München – Hertha BSC

Die Bilanz von Hertha BSC gegen die Top-Teams der Bundesliga bleibt beeindruckend. Beide Spiele gegen Bayer Leverkusen konnten gewonnen werden, dazu ein Punkt gegen Borussia Dortmund und ein Sieg in Leipzig. Auch gegen den großen FC Bayern München bleiben die Berliner in der laufenden Saison ungeschlagen, mit einem 0:0 trennten sich die beiden Mannschaften am Samstagnachmittag. Zwar gab es offensiv nur wenige Highlights der “alten Dame”, defensiv zeigte sie sich aber äußerst diszipliniert und so entführt man einen Punkt aus München.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2+

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger zeigte sich in herausragender Form und brachte die Bayern-Spieler zur Verzweiflung.

Sechs der 19 Schüsse des FC Bayern gingen direkt aufs Tor von Herthas Schlussmann, alle konnten bekannterweise pariert werden. Jarstein glänzte bereits nach fünf Minuten, als er einen Kopfball von Robert Lewandowski mit einem starken Reflex abwehren konnte (zugegebenermaßen sah er beim Rauslaufen nicht allzu souverän aus). In der 50. Minute war der 33-Jährige bei einem Freistoß von David Alaba zur Stelle, sie forderte ihn aber nicht sonderlich heraus. Auch in den weiteren Szenen strahlte Jarstein Sicherheit aus und konnte alle Torschüsse parieren. Des Weiteren wurde seine Strafraumbeherrschung mit jeder Minute besser, so fing er auch einige Eckbälle ab.

Zwar gab es keine unhaltbaren Bälle für Jarstein an diesem Tag, dennoch ist seine Leistung absolut lobenswert. Er war gegen Lewandowski, Ribery und co. stets der Gewinner und ein Faktor für diesen Punktgewinn.

Abwehr

Peter Pekarik – Note: 2-

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Zwar zeigte Pekarik keine solch spektakuläre Leistung wie gegen Leverkusen, dennoch kann man von einem gelungenen Auftritt sprechen.

Dass die Leistung eines Abwehrspielers nicht nur an der Zweikampfquote gemessen werden kann, bewies Pekarik in dieser Partie. Nur 20% seiner Duelle konnte der Slowake gewinnen. Darüber hinaus fing er jedoch vier Bälle ab, klärte fünf Situationen und blockte zwei Bälle. Der Rechtsverteidiger konnte zwar im direkten Duell mit Franck Ribery nur wenig entgegensetzen, dennoch schaffte er es immer wieder, die daraus entstandenen Situationen zu klären. Er war stets auf der Höhe des Geschehens und so konnte Ribery nur einmal wirklich in Szene gesetzt werden, als Pekarik aufgerückt war und der Franzose die daraus entstandene Chance nicht nutzen konnte. Ansonsten war wenig von Ribery zu sehen, ein Verdienst von Pekarik und Mathew Leckie.

Des Weiteren versuchte der 31-Jährige, auch offensiv etwas zu bewirken. Er legte eine Chance und schloss in der 64. Minute selbst ab, sein Schuss mit links löste aber wenig Gefahr aus. Mit 11,1 gelaufenen Kilometern betrieb Pekarik einen großen Aufwand.

Eine mehr als ordentliche Vorstellung des Rechtsverteidigers. Aufgrund seiner konzentrierten Leistung hatte Hertha die linke Angriffsseite der Bayern gut im Griff und ließ wenig zu.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Nach dem Spiel dominierte die Leistung Torunarighas die Herthaner Social-Media-Kanäle, aber auch Niklas Stark zeigte eine bemerkenswerte Vorstellung.

Nach acht Minuten hatte Niklas Stark die erste Berliner Chance des Spiels. Sein Kopfball nach einem Freistoß von Darida landete jedoch knapp neben dem rechten Pfosten. Danach hatte sich der Innenverteidiger auf die Abwehrarbeit zu konzentrieren und machte dies in beeindruckendem Stile. Er gewann neun seiner 14 Zweikämpfe, fing zwei Bälle ab und klärte sieben Situationen. Zudem blockte er drei Pässe und einen Torschuss. Zwar agierte der 22-Jährige weniger auffällig als Kollege Torunarigha, aber durch konzentriertes Stellungsspiel und gutes Zweikampfverhalten war auch Stark ein großer Faktor für Herthas gute Defensivleistung. Er wirkte wahnsinnig abgeklärt und ließ nie etwas anbrennen, außerdem hatte er die weitaus bessere Passquote (66%) als Torunarigha (44%).

Vielleicht war dieses Spiel der Beweis dafür, dass Stark endgültig zum Abwehrchef geworden ist. Fakt ist, dass er ein außerordentlich gutes Spiel absolviert hat.

Jordan Torunarigha – Note: 1

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Für Jordan Torunarigha gehen einem langsam die Superlative aus, selbst gegen den deutschen Rekordmeister sah das Berliner Eigengewächs unglaublich gut aus.

Robert Lewandowski wollte nach dem Spiel gegen Hertha sein Frau anrufen, aber Torunarigha blockierte die Leitung. Nach diesem Flachwitz gehen wir elegant zu seiner Bewertung über. Der 20-Jährige zeigte einen unvergleichlichen Auftritt gegen den FC Bayern, vor allem gegen den polnischen Weltklasse-Stürmer. Torunarigha gewann fünf seiner sechs Zweikämpfe, sicherte vier Bälle und klärte neun (!) Szenen. Des Weiteren fing er fünf Bälle ab und blockte weitere fünf, darunter drei Schüsse. Egal wo es brannte, war er zur Stelle. In der 14. Minute klärte Herthas Nummer 25 auf der Linie, vier Minuten später blockte er einen Schuss von Lewandowski. In beiden Szenen wären wohl Tore gefallen, wäre er nicht gewesen. Ständig hatte der Innenverteidiger seine Beine in den Münchener Offensivaktionen, ständig störte er sie im letzten Moment der Ausführung.

Und alle das bewerkstelligte er ohne ein einziges Foul, was seine Disziplin und Reife noch einmal unter Beweis stellt. Es war beeindruckend zu sehen, wie Torunarigha seinen Körper bereits im Griff hat (außer bei Aufsetzern, bei denen er oft schwaches Timing hat) und von Spielern wie Lewandowski oder Robben nicht abgekocht werden kann.

Eine herausragende Leistung von Torunarigha, der der Mann des Spiels war.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Eine sehr abgeklärte Darbietung Plattenhardts, der wenig zuließ und ein sehr sauberes Passspiel hatte.

Wie bereits geschrieben, hatte Hertha die linke Angriffsseite des FC Bayern gut im Griff. Die rechte Flanke, bestehend aus Ajren Robben und Rafinha bereitete weitaus mehr Probleme. Fünf Torchancen wurden über die beiden Spieler vorbereitet, weil Robben durch seine Klasse immer wieder Räume schaffen kann und Rafinha ständig überlief. Ein weiterer Faktor war auch Thomas Müller, der sich auf der rechten Seite immer wieder in die Zwischenräume schlich und eine gute Anspielstation bot. Dadurch wurde es immer wieder gefährlich und da Kalou bereits bekannte Schwächen im Defensivverhalten zeigte, musste Plattenhardt oft gegen zwei bis drei Spieler gleichzeitig verteidigen, was nicht immer gut gehen kann. Dennoch machte “Platte” seine Sache sehr ordentlich, fing drei Bälle ab und setzte gute Tackles.

Wichtig war, dass Plattenhardt im Gegensatz zu seinen Mannschaftskameraden ein sehr sauberes Passspiel an den Tag legte. 93% seiner Zuspiele kamen an, sodass wenigstens er für ein wenig Entlastung sorgen konnte. Sein Spiel nach vorne war verständlicherweise verhalten, zwei Flanken schlug aus dem Spiel heraus, ansonsten war wenig von ihm zu sehen.

Eine zufriedenstellende Vorstellung des 26-Jährigen. Er ließ Robben nicht zur Entfaltung kommen und wirkte technisch sicherer als viele andere Herthaner.

Mittelfeld

Vladimir Darida – Note: 2

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Die spielerische Note in Herthas Spiel – Darida war der wichtigste Offensivspieler Berlins und sorgte zumindest für ein wenig Gefahr.

Schaffte Hertha ein wenig Entlastung in seinem Spiel, so war Darida daran beteiligt. Der Tscheche hatte den gefährlichsten Schuss Herthas, als er Sven Ulreich in der 19. Minute per Weitschuss prüfte. In der 30. Minute wäre er beinahe zu einer zweiten Chance gekommen, der von Süle abgefälschte Ball landete jedoch in den Händen des FCB-Keepers. Des Weiteren legte Darida zwei Chancen auf, war also insgesamt an drei der fünf Torschüsse von Hertha direkt involviert.

Ansonsten lag auch sein Augenmerk auf der Defensive. Abstände, Abstände, Abstände – so hieß das Gebot und daran hielt er sich. Er agierte sehr diszipliniert und nie voreilig gegen den Ball, versuchte Passwege zuzustellen und Thiago wie Martinez nicht ins Spiel kommen zu lassen. Vier Bälle konnte er sichern, drei abfangen und drei weitere Situationen klärte er. Sein Spiel war gewohnt laufintensiv, so verbuchte er 13,4 Kilometer. Darida versuchte jede Lücke zu stopfen, die zu finden war.

Leider konnte er seinen Offensivdrang nicht aufrecht erhalten und so fehlte es Hertha mit steigender Spieldauer an Entlastung. Insgesamt war es aber ein guter Auftritt des 27-Jährigen.

Fabian Lustenberger – Note: 2

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Lustenberger fungierte mehr als dritter Innenverteidiger, als als defensiver Mittelfeldspieler. Diese Rolle füllte er jedoch gewohnt gut aus.

Auf Lustenberger ist Verlass. Ähnlich wie gegen Leipzig schmiss er sich in die Defensivarbeit, wie Kinder sich in ein Bällebad. Der Schweizer nahm jeden Zweikampf an, arbeitete gewissenhaft gegen Ball und versuchte stets, seine Beine in die gegnerischen Aktionen zu bekommen. Das gelang ihm auch sehr gut, so gewann er 75% seiner Zweikämpfe, fing vier Bälle ab, klärte drei Aktionen und blockte drei (!) Schüsse im Strafraum. Der 29-Jährige hatte in diesem Spiel keinen Anspruch auf technisch feine Aktionen, Hauptsache der Kasten bleibt sauber und das schaffte er mit vereinten Kräften. Auf der Heatmap ist zu erkennen, dass “Lusti” sich nahezu nur vor dem eigenen Strafraum aufhielt und dennoch beinahe zwölf Kilometer gelaufen wäre. Das zeigt, wie sehr er sich gegen Ball und Gegenspieler aufrieb.

Lustenbergers Passquote (66%) ließ wie bei so vielen Spielern zu wünschen übrig, dennoch war es eine starke Partie von ihm.

Valentino Lazaro – Note: 3-

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Viel Aufwand, nicht allzu viel Ertrag. Lazaro hatte gegen den FC Bayern einen schwierigen Stand und konnte nicht den gewohnten Einfluss auf die Partie nehmen.

Auch bei Lazaro ist die Heatmap ein gutes Werkzeug, um seine realtaktische Position festzustellen. Der Österreicher agierte nämlich vielmehr als “Sechser”, als dass er den “Zehner”-Raum ausfüllte. Da die Hausherren das Spiel dominierten und Hertha eng gestaffelt mit zwei dichten Ketten gegen den Ball verteidigte, musste sich Lazaro in den Dienst der Mannschaft stellen. Er versuchte Lücken zuzulaufen und mit seinem Tempo in Laufduelle mit Bayerns Mittelfeldspielern zu gehen.

Auch deshalb konnte Lazaro in der gegnerischen Hälfte nicht sonderlich glänzen. Er zeigte nur wenige Tempo-Dribblings, die auch nicht viel einbrachten und probierte sich an nur einer Flanke. In der 83. Minute verzeichnete der 21-Jährige seinen einzigen Torschuss, doch dieser war zu zentral und konnte von Ulreich problemlos gehalten werden.

Es war keine einfache Partie für Lazaro. Da Hertha für nur wenig Entlastung sorgen konnte, blieb er die meiste Zeit des Spiels blass. In so einer Partie kann meist nur durch die eine entscheidende Szene glänzen, diese kam aber nicht und so bleibt es bei einem engagierten aber glücklosen Auftritt.

Mathew Leckie – Note: 3

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Als rechter Mittelfeldspieler aufgeboten, war Leckie an diesem Tag mehr zweiter Rechtsverteidiger.

Ein weiteres Mal muss die Heatmap bemüht werden, denn wie Lazaro agierte auch Leckie eine Reihe hinter seiner eigentlichen Position. Da die Münchener viel Druck über Ribery und Alaba ausüben wollten, war der Australier dazu angehalten, Pekarik tatkräftig zu unterstützen. Hierfür führte er mit 38 (!) mit Abstand die meisten Zweikämpfe aller Herthaner und gewann sogar beinahe die Hälfte. Zudem klärte er einige Situationen und zeigte gute Tacklings. Der 27-Jährige war immens wichtig, um diesen Flügel zu schließen und dieses Engagement ist absolut zu loben.

Sein Spiel nach vorne litt jedoch gewaltig darunter. Er spielte teilweise haarsträubende Fehlpässe, sodass die Berliner Ballgewinne sofort wieder hergeschenkt wurden und keine eigenen Angriffe begonnen werden konnten. Leckie agierte bei eigenem Ballbesitz viel zu kopflos und überhastet. Immerhin eine Chance legte er auf, ansonsten war einmal mehr wenig von dem so effektiven Leckie der Hinrunde zu sehen.

Es war ein sehr mannschaftsdienlicher Auftritt von Leckie, dem jedoch die zündenden Ideen und die nötige Ruhe am Ball fehlten.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Kalou ist ein Phänomen. Er kann ein ganzes Spiel nicht zu sehen sehen, doch im entscheidenden Moment ist er da. Diesen gab es gegen München jedoch nicht und so war es ein sehr blasser Auftritt des Ivorers.

Nach Selke (16) hatte Kalou (23) die wenigsten Ballkontakte. Er nahm nur sehr wenig am Spiel teil, ihm fehlte jegliche Präsenz. Seinen besten Moment hatte Kalou in der 57. Minute, sein ansehnlicher Schuss stellte aber keine Herausforderung für Ulreich dar. Ansonsten war der 32-Jährige an keiner Herthaner Chance beteiligt, ließ jedoch auch das Engagement in der Defensivarbeit vermissen. Zwar stand er meist gut gegen den Ball, aber wenn Bayern über den rechten Flügel durchbrechen wollte, war Flügel-Partner Plattenhardt oft alleine. Im direkten Duell sah Kalou nicht schlecht aus, aber seine Pässe waren an diesem Tag unterirdisch. Nur sechs seiner 14 Zuspiele kamen beim Mitspieler an, als nicht einmal die Hälfte. In zahlreichen aussichtsreichen Umschaltaktionen hatte er eine zu lockere Körpersprache und spielte die Bälle direkt zum Gegner.

Es war folgerichtig, dass Kalou nach 80 Minuten ausgewechselt wurde. Er zeigte schlichtweg zu wenig. Dass er am liebsten gegen große Gegner spielt, konnte man nicht erkennen.

Sturm

Davie Selke – Note: 4-

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Der Stürmer der unterlegenden Mannschaft gegen den FC Bayern ist um seine Situation nicht zu beneiden. Selke konnte nicht am Spiel teilnehmen.

Seine beste Szene hatte Selke in der 18. Minute, als er den Schuss von Darida mit einer schönen Ablage vorbereitete. Ansonsten war von dem Mittelstürmer absolut nichts zu sehen, was am Spielverlauf festzumachen ist. Das Spiel fand nahezu ausschließlich in der Herthaner Spielhälfte statt, sodass Selke nur in der Luft hing und manchmal die gegnerischen Innenverteidiger anlaufen durfte. Es war ein sehr undankbares Spiel für den 23-Jährigen, der keinerlei Einfluss auf die Partie nehmen konnte und nach blassen 70 Minuten vom Feld genommen wurde.

Einen großen Vorwurf kann man Selke nicht machen. Er rieb sich auf, was aber nichts einbrachte. Herthas Umschaltspiel nach Ballgewinnen war derart schlampig, als dass nichts entstehen und Selke nicht in Szene gesetzt werden konnte.

Vorheriger Beitrag
Einzelkritik 22. Spieltag: Bayer Leverkusen – Hertha BSC
Nächster Beitrag
PODCAST HB#63 Rekik regelt

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Die Bilanz von Hertha BSC gegen die Top-Teams der Bundesliga bleibt beeindruckend. Beide Spiele gegen Bayer Leverkusen konnten gewonnen werden, dazu ein Punkt gegen Borussia Dortmund und ein Sieg in Leipzig. Auch gegen den großen FC Bayern München bleiben die Berliner in der laufenden Saison ungeschlagen, mit einem 0:0 trennten sich die beiden Mannschaften am Samstagnachmittag. Zwar gab es offensiv nur wenige Highlights der “alten Dame”, defensiv zeigte sie sich aber äußerst diszipliniert und so entführt man einen Punkt aus München.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2+

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger zeigte sich in herausragender Form und brachte die Bayern-Spieler zur Verzweiflung.

Sechs der 19 Schüsse des FC Bayern gingen direkt aufs Tor von Herthas Schlussmann, alle konnten bekannterweise pariert werden. Jarstein glänzte bereits nach fünf Minuten, als er einen Kopfball von Robert Lewandowski mit einem starken Reflex abwehren konnte (zugegebenermaßen sah er beim Rauslaufen nicht allzu souverän aus). In der 50. Minute war der 33-Jährige bei einem Freistoß von David Alaba zur Stelle, sie forderte ihn aber nicht sonderlich heraus. Auch in den weiteren Szenen strahlte Jarstein Sicherheit aus und konnte alle Torschüsse parieren. Des Weiteren wurde seine Strafraumbeherrschung mit jeder Minute besser, so fing er auch einige Eckbälle ab.

Zwar gab es keine unhaltbaren Bälle für Jarstein an diesem Tag, dennoch ist seine Leistung absolut lobenswert. Er war gegen Lewandowski, Ribery und co. stets der Gewinner und ein Faktor für diesen Punktgewinn.

Abwehr

Peter Pekarik – Note: 2-

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Zwar zeigte Pekarik keine solch spektakuläre Leistung wie gegen Leverkusen, dennoch kann man von einem gelungenen Auftritt sprechen.

Dass die Leistung eines Abwehrspielers nicht nur an der Zweikampfquote gemessen werden kann, bewies Pekarik in dieser Partie. Nur 20% seiner Duelle konnte der Slowake gewinnen. Darüber hinaus fing er jedoch vier Bälle ab, klärte fünf Situationen und blockte zwei Bälle. Der Rechtsverteidiger konnte zwar im direkten Duell mit Franck Ribery nur wenig entgegensetzen, dennoch schaffte er es immer wieder, die daraus entstandenen Situationen zu klären. Er war stets auf der Höhe des Geschehens und so konnte Ribery nur einmal wirklich in Szene gesetzt werden, als Pekarik aufgerückt war und der Franzose die daraus entstandene Chance nicht nutzen konnte. Ansonsten war wenig von Ribery zu sehen, ein Verdienst von Pekarik und Mathew Leckie.

Des Weiteren versuchte der 31-Jährige, auch offensiv etwas zu bewirken. Er legte eine Chance und schloss in der 64. Minute selbst ab, sein Schuss mit links löste aber wenig Gefahr aus. Mit 11,1 gelaufenen Kilometern betrieb Pekarik einen großen Aufwand.

Eine mehr als ordentliche Vorstellung des Rechtsverteidigers. Aufgrund seiner konzentrierten Leistung hatte Hertha die linke Angriffsseite der Bayern gut im Griff und ließ wenig zu.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Nach dem Spiel dominierte die Leistung Torunarighas die Herthaner Social-Media-Kanäle, aber auch Niklas Stark zeigte eine bemerkenswerte Vorstellung.

Nach acht Minuten hatte Niklas Stark die erste Berliner Chance des Spiels. Sein Kopfball nach einem Freistoß von Darida landete jedoch knapp neben dem rechten Pfosten. Danach hatte sich der Innenverteidiger auf die Abwehrarbeit zu konzentrieren und machte dies in beeindruckendem Stile. Er gewann neun seiner 14 Zweikämpfe, fing zwei Bälle ab und klärte sieben Situationen. Zudem blockte er drei Pässe und einen Torschuss. Zwar agierte der 22-Jährige weniger auffällig als Kollege Torunarigha, aber durch konzentriertes Stellungsspiel und gutes Zweikampfverhalten war auch Stark ein großer Faktor für Herthas gute Defensivleistung. Er wirkte wahnsinnig abgeklärt und ließ nie etwas anbrennen, außerdem hatte er die weitaus bessere Passquote (66%) als Torunarigha (44%).

Vielleicht war dieses Spiel der Beweis dafür, dass Stark endgültig zum Abwehrchef geworden ist. Fakt ist, dass er ein außerordentlich gutes Spiel absolviert hat.

Jordan Torunarigha – Note: 1

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Für Jordan Torunarigha gehen einem langsam die Superlative aus, selbst gegen den deutschen Rekordmeister sah das Berliner Eigengewächs unglaublich gut aus.

Robert Lewandowski wollte nach dem Spiel gegen Hertha sein Frau anrufen, aber Torunarigha blockierte die Leitung. Nach diesem Flachwitz gehen wir elegant zu seiner Bewertung über. Der 20-Jährige zeigte einen unvergleichlichen Auftritt gegen den FC Bayern, vor allem gegen den polnischen Weltklasse-Stürmer. Torunarigha gewann fünf seiner sechs Zweikämpfe, sicherte vier Bälle und klärte neun (!) Szenen. Des Weiteren fing er fünf Bälle ab und blockte weitere fünf, darunter drei Schüsse. Egal wo es brannte, war er zur Stelle. In der 14. Minute klärte Herthas Nummer 25 auf der Linie, vier Minuten später blockte er einen Schuss von Lewandowski. In beiden Szenen wären wohl Tore gefallen, wäre er nicht gewesen. Ständig hatte der Innenverteidiger seine Beine in den Münchener Offensivaktionen, ständig störte er sie im letzten Moment der Ausführung.

Und alle das bewerkstelligte er ohne ein einziges Foul, was seine Disziplin und Reife noch einmal unter Beweis stellt. Es war beeindruckend zu sehen, wie Torunarigha seinen Körper bereits im Griff hat (außer bei Aufsetzern, bei denen er oft schwaches Timing hat) und von Spielern wie Lewandowski oder Robben nicht abgekocht werden kann.

Eine herausragende Leistung von Torunarigha, der der Mann des Spiels war.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Eine sehr abgeklärte Darbietung Plattenhardts, der wenig zuließ und ein sehr sauberes Passspiel hatte.

Wie bereits geschrieben, hatte Hertha die linke Angriffsseite des FC Bayern gut im Griff. Die rechte Flanke, bestehend aus Ajren Robben und Rafinha bereitete weitaus mehr Probleme. Fünf Torchancen wurden über die beiden Spieler vorbereitet, weil Robben durch seine Klasse immer wieder Räume schaffen kann und Rafinha ständig überlief. Ein weiterer Faktor war auch Thomas Müller, der sich auf der rechten Seite immer wieder in die Zwischenräume schlich und eine gute Anspielstation bot. Dadurch wurde es immer wieder gefährlich und da Kalou bereits bekannte Schwächen im Defensivverhalten zeigte, musste Plattenhardt oft gegen zwei bis drei Spieler gleichzeitig verteidigen, was nicht immer gut gehen kann. Dennoch machte “Platte” seine Sache sehr ordentlich, fing drei Bälle ab und setzte gute Tackles.

Wichtig war, dass Plattenhardt im Gegensatz zu seinen Mannschaftskameraden ein sehr sauberes Passspiel an den Tag legte. 93% seiner Zuspiele kamen an, sodass wenigstens er für ein wenig Entlastung sorgen konnte. Sein Spiel nach vorne war verständlicherweise verhalten, zwei Flanken schlug aus dem Spiel heraus, ansonsten war wenig von ihm zu sehen.

Eine zufriedenstellende Vorstellung des 26-Jährigen. Er ließ Robben nicht zur Entfaltung kommen und wirkte technisch sicherer als viele andere Herthaner.

Mittelfeld

Vladimir Darida – Note: 2

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Die spielerische Note in Herthas Spiel – Darida war der wichtigste Offensivspieler Berlins und sorgte zumindest für ein wenig Gefahr.

Schaffte Hertha ein wenig Entlastung in seinem Spiel, so war Darida daran beteiligt. Der Tscheche hatte den gefährlichsten Schuss Herthas, als er Sven Ulreich in der 19. Minute per Weitschuss prüfte. In der 30. Minute wäre er beinahe zu einer zweiten Chance gekommen, der von Süle abgefälschte Ball landete jedoch in den Händen des FCB-Keepers. Des Weiteren legte Darida zwei Chancen auf, war also insgesamt an drei der fünf Torschüsse von Hertha direkt involviert.

Ansonsten lag auch sein Augenmerk auf der Defensive. Abstände, Abstände, Abstände – so hieß das Gebot und daran hielt er sich. Er agierte sehr diszipliniert und nie voreilig gegen den Ball, versuchte Passwege zuzustellen und Thiago wie Martinez nicht ins Spiel kommen zu lassen. Vier Bälle konnte er sichern, drei abfangen und drei weitere Situationen klärte er. Sein Spiel war gewohnt laufintensiv, so verbuchte er 13,4 Kilometer. Darida versuchte jede Lücke zu stopfen, die zu finden war.

Leider konnte er seinen Offensivdrang nicht aufrecht erhalten und so fehlte es Hertha mit steigender Spieldauer an Entlastung. Insgesamt war es aber ein guter Auftritt des 27-Jährigen.

Fabian Lustenberger – Note: 2

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Lustenberger fungierte mehr als dritter Innenverteidiger, als als defensiver Mittelfeldspieler. Diese Rolle füllte er jedoch gewohnt gut aus.

Auf Lustenberger ist Verlass. Ähnlich wie gegen Leipzig schmiss er sich in die Defensivarbeit, wie Kinder sich in ein Bällebad. Der Schweizer nahm jeden Zweikampf an, arbeitete gewissenhaft gegen Ball und versuchte stets, seine Beine in die gegnerischen Aktionen zu bekommen. Das gelang ihm auch sehr gut, so gewann er 75% seiner Zweikämpfe, fing vier Bälle ab, klärte drei Aktionen und blockte drei (!) Schüsse im Strafraum. Der 29-Jährige hatte in diesem Spiel keinen Anspruch auf technisch feine Aktionen, Hauptsache der Kasten bleibt sauber und das schaffte er mit vereinten Kräften. Auf der Heatmap ist zu erkennen, dass “Lusti” sich nahezu nur vor dem eigenen Strafraum aufhielt und dennoch beinahe zwölf Kilometer gelaufen wäre. Das zeigt, wie sehr er sich gegen Ball und Gegenspieler aufrieb.

Lustenbergers Passquote (66%) ließ wie bei so vielen Spielern zu wünschen übrig, dennoch war es eine starke Partie von ihm.

Valentino Lazaro – Note: 3-

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Viel Aufwand, nicht allzu viel Ertrag. Lazaro hatte gegen den FC Bayern einen schwierigen Stand und konnte nicht den gewohnten Einfluss auf die Partie nehmen.

Auch bei Lazaro ist die Heatmap ein gutes Werkzeug, um seine realtaktische Position festzustellen. Der Österreicher agierte nämlich vielmehr als “Sechser”, als dass er den “Zehner”-Raum ausfüllte. Da die Hausherren das Spiel dominierten und Hertha eng gestaffelt mit zwei dichten Ketten gegen den Ball verteidigte, musste sich Lazaro in den Dienst der Mannschaft stellen. Er versuchte Lücken zuzulaufen und mit seinem Tempo in Laufduelle mit Bayerns Mittelfeldspielern zu gehen.

Auch deshalb konnte Lazaro in der gegnerischen Hälfte nicht sonderlich glänzen. Er zeigte nur wenige Tempo-Dribblings, die auch nicht viel einbrachten und probierte sich an nur einer Flanke. In der 83. Minute verzeichnete der 21-Jährige seinen einzigen Torschuss, doch dieser war zu zentral und konnte von Ulreich problemlos gehalten werden.

Es war keine einfache Partie für Lazaro. Da Hertha für nur wenig Entlastung sorgen konnte, blieb er die meiste Zeit des Spiels blass. In so einer Partie kann meist nur durch die eine entscheidende Szene glänzen, diese kam aber nicht und so bleibt es bei einem engagierten aber glücklosen Auftritt.

Mathew Leckie – Note: 3

(Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Als rechter Mittelfeldspieler aufgeboten, war Leckie an diesem Tag mehr zweiter Rechtsverteidiger.

Ein weiteres Mal muss die Heatmap bemüht werden, denn wie Lazaro agierte auch Leckie eine Reihe hinter seiner eigentlichen Position. Da die Münchener viel Druck über Ribery und Alaba ausüben wollten, war der Australier dazu angehalten, Pekarik tatkräftig zu unterstützen. Hierfür führte er mit 38 (!) mit Abstand die meisten Zweikämpfe aller Herthaner und gewann sogar beinahe die Hälfte. Zudem klärte er einige Situationen und zeigte gute Tacklings. Der 27-Jährige war immens wichtig, um diesen Flügel zu schließen und dieses Engagement ist absolut zu loben.

Sein Spiel nach vorne litt jedoch gewaltig darunter. Er spielte teilweise haarsträubende Fehlpässe, sodass die Berliner Ballgewinne sofort wieder hergeschenkt wurden und keine eigenen Angriffe begonnen werden konnten. Leckie agierte bei eigenem Ballbesitz viel zu kopflos und überhastet. Immerhin eine Chance legte er auf, ansonsten war einmal mehr wenig von dem so effektiven Leckie der Hinrunde zu sehen.

Es war ein sehr mannschaftsdienlicher Auftritt von Leckie, dem jedoch die zündenden Ideen und die nötige Ruhe am Ball fehlten.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Kalou ist ein Phänomen. Er kann ein ganzes Spiel nicht zu sehen sehen, doch im entscheidenden Moment ist er da. Diesen gab es gegen München jedoch nicht und so war es ein sehr blasser Auftritt des Ivorers.

Nach Selke (16) hatte Kalou (23) die wenigsten Ballkontakte. Er nahm nur sehr wenig am Spiel teil, ihm fehlte jegliche Präsenz. Seinen besten Moment hatte Kalou in der 57. Minute, sein ansehnlicher Schuss stellte aber keine Herausforderung für Ulreich dar. Ansonsten war der 32-Jährige an keiner Herthaner Chance beteiligt, ließ jedoch auch das Engagement in der Defensivarbeit vermissen. Zwar stand er meist gut gegen den Ball, aber wenn Bayern über den rechten Flügel durchbrechen wollte, war Flügel-Partner Plattenhardt oft alleine. Im direkten Duell sah Kalou nicht schlecht aus, aber seine Pässe waren an diesem Tag unterirdisch. Nur sechs seiner 14 Zuspiele kamen beim Mitspieler an, als nicht einmal die Hälfte. In zahlreichen aussichtsreichen Umschaltaktionen hatte er eine zu lockere Körpersprache und spielte die Bälle direkt zum Gegner.

Es war folgerichtig, dass Kalou nach 80 Minuten ausgewechselt wurde. Er zeigte schlichtweg zu wenig. Dass er am liebsten gegen große Gegner spielt, konnte man nicht erkennen.

Sturm

Davie Selke – Note: 4-

(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

Der Stürmer der unterlegenden Mannschaft gegen den FC Bayern ist um seine Situation nicht zu beneiden. Selke konnte nicht am Spiel teilnehmen.

Seine beste Szene hatte Selke in der 18. Minute, als er den Schuss von Darida mit einer schönen Ablage vorbereitete. Ansonsten war von dem Mittelstürmer absolut nichts zu sehen, was am Spielverlauf festzumachen ist. Das Spiel fand nahezu ausschließlich in der Herthaner Spielhälfte statt, sodass Selke nur in der Luft hing und manchmal die gegnerischen Innenverteidiger anlaufen durfte. Es war ein sehr undankbares Spiel für den 23-Jährigen, der keinerlei Einfluss auf die Partie nehmen konnte und nach blassen 70 Minuten vom Feld genommen wurde.

Einen großen Vorwurf kann man Selke nicht machen. Er rieb sich auf, was aber nichts einbrachte. Herthas Umschaltspiel nach Ballgewinnen war derart schlampig, als dass nichts entstehen und Selke nicht in Szene gesetzt werden konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü