Bundesliga

Eintracht Frankfurt – Hertha BSC: Der Druck liegt bei den Adlern

Die letzten Wochen brachten bei Hertha zwei gute Nachrichten auf einmal. Erstens konnte man feststellen, dass Hertha tatsächlich noch in der Lage ist, Gefahr auf das gegnerische Tor zu erzeugen. Zweitens belohnte man sich gegen Köln, trotz schwacher Schlussphase, in der man seinen Gegner viel zu sehr gewähren ließ, und gewann erstmals seit dem 16. Spieltag wieder im eigenen Stadion. Am kommenden Samstag hat man die Möglichkeit, den Trend zu bestätigen. Beim Gegner vom Samstagnachmittag Eintracht Frankfurt geht es dieser Tage heiß her, nicht nur sportlich.

Ein Statement zur Unzeit: Kovac verlässt Eintracht Frankfurt

Niko Kovac trainiert ab dem Sommer den FC Bayern. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images))

Eintracht Frankfurt war bis vor wenigen Wochen ein Paradebeispiel dafür, wie Fans, Verein, Verantwortliche und Trainer an einem Strang ziehen und eine wahre Symbiose vollziehen. Waren die Frankfurter Fans in breiten Teilen der deutschen Medienlandschaft oft als gewaltaffin verschrien, konnte selbst die Springer-Presse nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem der Protest gegen die Montagsspiele beispielhaft dafür war, wie man stilvoll und laut zugleich seinen Unmut äußert. Dazu kam auch noch der sportliche Erfolg, der sich durch die ganze Saison zieht und die genannte Symbiose noch positiv verstärkte. In der vergangenen Woche erhielt die Harmonie einen gewaltigen Riss. Kein Thema wurde in den letzten Tagen derart breit diskutiert, wie der Abgang von Trainer Niko Kovac hin zum FC Bayern München. Dabei war es nicht der Wechsel, der die Frankfurter Fans erzürnte, sondern die Art und Weise, wie das Ganze kommuniziert wurde. Viele fühlen sich (zurecht) betrogen, ob der Tatsache, dass Niko Kovac nur eine Woche vor Verkündung des Wechsels öffentlich äußerte, es gebe “Stand jetzt“ keinen Grund, daran zu zweifeln, dass er im nächsten Jahr Eintracht Frankfurt trainiere. Nur um sich dann am Freitagnachmittag vor die versammelte Presse zu stellen und sich darauf zu berufen, dass er durch seine wohl überlegte Wortwahl ja nicht gelogen habe. Die ganze Prozedur ist gerade deshalb so ärgerlich, weil man in Niko Kovac noch einen der letzten Fußballromantiker im sonst so kommerzialisierten Geschäft sah. Dieser Illusion wurde man jetzt zu großen Teilen beraubt.

Eintracht Frankfurt steht zum zweiten Mal in Folge im DFB Pokal-Finale. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Wie die Fans der Eintracht im Stadion allerdings reagierten, zeigte, dass sich Vereine nun mal nicht über die handelnden Verantwortlichen definieren. Die Eintracht verlor 1:4 in Leverkusen, erlitt damit einen herben Rückschlag beim Kampf um die Champions League-Plätze und die Fans feierten die Mannschaft, als hätte man gerade 3:0 gewonnen. Auch beim Spiel gegen Hertha – dem ersten Heimspiel für Niko Kovac seit Verkündung des Wechsels – darf ein solcher Support erwartet werden. Man kann als Hertha also nicht darauf hoffen, dass sich die Unruhe rund um den Verein auf den Rängen bemerkbar machen wird. Das liegt auch daran, dass alle wissen, was auf dem Spiel steht. Zwar steht man nach dem 1:0-Sieg auf Schalke am Mittwoch im Pokalfinale. Da dort allerdings der FC Bayern wartet, ist der Ligabetrieb die einzige realistische Möglichkeit, sich für den europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison zu qualifizieren und damit eine starke Saison zu veredeln.

Hertha fährt ohne Druck nach Frankfurt

Während das Spiel für die Eintracht im Hinblick auf die kommende Saison also durchaus entscheidend ist, kann Hertha die Partie vergleichsweise entspannt angehen. Wie schon seit Wochen hat Hertha punktetechnisch keinen Druck, kann nach oben nichts mehr ausrichten und muss nach unten erst recht keine Befürchtungen haben. Dennoch wäre es für das Selbstbewusstsein ohne Frage hilfreich, diese Saison, die auf vielen Ebenen schwierig war, versöhnlich zu beenden. Zum einen kann man das über den Tabellenplatz erreichen, denn ein einstelliger Tabellenplatz könnte in einer Europa League-Saison, in der sich Hertha zudem im Umbruch befindet, als Erfolg verbucht werden. Zum anderen kann man auch über die Spielweise wieder einiges gutmachen. Die vergangenen beiden Spieltage gegen Gladbach und Köln waren in dem Kontext schon ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar stimmte auch in diesen Spielen längst nicht alles, aber immerhin zeigte Hertha nach längerer Zeit endlich wieder Fußball, der die Zuschauer mitriss. Dass es auch in Frankfurt heiß hergehen könnte, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Das letzte Gastspiel bei der Eintracht endete mit einem 3:3, im Vorjahr 1:1 und vor dreieinhalb Jahren bekamen die Fans gar ein 4:4 zu sehen. Gegen die Wiederholung eines solchen Spektakels hätte auf Berliner Seite wohl niemand etwas einzuwenden.

Ihr seid gefragt. Wie beobachtet ihr die Situation um Kovac und die Eintracht? Wie schätzt ihr die Auswirkungen auf das Spiel ein und was ist euer Tipp? Lasst uns eure Meinung da!

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Die letzten Wochen brachten bei Hertha zwei gute Nachrichten auf einmal. Erstens konnte man feststellen, dass Hertha tatsächlich noch in der Lage ist, Gefahr auf das gegnerische Tor zu erzeugen. Zweitens belohnte man sich gegen Köln, trotz schwacher Schlussphase, in der man seinen Gegner viel zu sehr gewähren ließ, und gewann erstmals seit dem 16. Spieltag wieder im eigenen Stadion. Am kommenden Samstag hat man die Möglichkeit, den Trend zu bestätigen. Beim Gegner vom Samstagnachmittag Eintracht Frankfurt geht es dieser Tage heiß her, nicht nur sportlich.

Ein Statement zur Unzeit: Kovac verlässt Eintracht Frankfurt

Niko Kovac trainiert ab dem Sommer den FC Bayern. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images))

Eintracht Frankfurt war bis vor wenigen Wochen ein Paradebeispiel dafür, wie Fans, Verein, Verantwortliche und Trainer an einem Strang ziehen und eine wahre Symbiose vollziehen. Waren die Frankfurter Fans in breiten Teilen der deutschen Medienlandschaft oft als gewaltaffin verschrien, konnte selbst die Springer-Presse nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem der Protest gegen die Montagsspiele beispielhaft dafür war, wie man stilvoll und laut zugleich seinen Unmut äußert. Dazu kam auch noch der sportliche Erfolg, der sich durch die ganze Saison zieht und die genannte Symbiose noch positiv verstärkte. In der vergangenen Woche erhielt die Harmonie einen gewaltigen Riss. Kein Thema wurde in den letzten Tagen derart breit diskutiert, wie der Abgang von Trainer Niko Kovac hin zum FC Bayern München. Dabei war es nicht der Wechsel, der die Frankfurter Fans erzürnte, sondern die Art und Weise, wie das Ganze kommuniziert wurde. Viele fühlen sich (zurecht) betrogen, ob der Tatsache, dass Niko Kovac nur eine Woche vor Verkündung des Wechsels öffentlich äußerte, es gebe “Stand jetzt“ keinen Grund, daran zu zweifeln, dass er im nächsten Jahr Eintracht Frankfurt trainiere. Nur um sich dann am Freitagnachmittag vor die versammelte Presse zu stellen und sich darauf zu berufen, dass er durch seine wohl überlegte Wortwahl ja nicht gelogen habe. Die ganze Prozedur ist gerade deshalb so ärgerlich, weil man in Niko Kovac noch einen der letzten Fußballromantiker im sonst so kommerzialisierten Geschäft sah. Dieser Illusion wurde man jetzt zu großen Teilen beraubt.

Eintracht Frankfurt steht zum zweiten Mal in Folge im DFB Pokal-Finale. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Wie die Fans der Eintracht im Stadion allerdings reagierten, zeigte, dass sich Vereine nun mal nicht über die handelnden Verantwortlichen definieren. Die Eintracht verlor 1:4 in Leverkusen, erlitt damit einen herben Rückschlag beim Kampf um die Champions League-Plätze und die Fans feierten die Mannschaft, als hätte man gerade 3:0 gewonnen. Auch beim Spiel gegen Hertha – dem ersten Heimspiel für Niko Kovac seit Verkündung des Wechsels – darf ein solcher Support erwartet werden. Man kann als Hertha also nicht darauf hoffen, dass sich die Unruhe rund um den Verein auf den Rängen bemerkbar machen wird. Das liegt auch daran, dass alle wissen, was auf dem Spiel steht. Zwar steht man nach dem 1:0-Sieg auf Schalke am Mittwoch im Pokalfinale. Da dort allerdings der FC Bayern wartet, ist der Ligabetrieb die einzige realistische Möglichkeit, sich für den europäischen Wettbewerb in der kommenden Saison zu qualifizieren und damit eine starke Saison zu veredeln.

Hertha fährt ohne Druck nach Frankfurt

Während das Spiel für die Eintracht im Hinblick auf die kommende Saison also durchaus entscheidend ist, kann Hertha die Partie vergleichsweise entspannt angehen. Wie schon seit Wochen hat Hertha punktetechnisch keinen Druck, kann nach oben nichts mehr ausrichten und muss nach unten erst recht keine Befürchtungen haben. Dennoch wäre es für das Selbstbewusstsein ohne Frage hilfreich, diese Saison, die auf vielen Ebenen schwierig war, versöhnlich zu beenden. Zum einen kann man das über den Tabellenplatz erreichen, denn ein einstelliger Tabellenplatz könnte in einer Europa League-Saison, in der sich Hertha zudem im Umbruch befindet, als Erfolg verbucht werden. Zum anderen kann man auch über die Spielweise wieder einiges gutmachen. Die vergangenen beiden Spieltage gegen Gladbach und Köln waren in dem Kontext schon ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar stimmte auch in diesen Spielen längst nicht alles, aber immerhin zeigte Hertha nach längerer Zeit endlich wieder Fußball, der die Zuschauer mitriss. Dass es auch in Frankfurt heiß hergehen könnte, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Das letzte Gastspiel bei der Eintracht endete mit einem 3:3, im Vorjahr 1:1 und vor dreieinhalb Jahren bekamen die Fans gar ein 4:4 zu sehen. Gegen die Wiederholung eines solchen Spektakels hätte auf Berliner Seite wohl niemand etwas einzuwenden.

Ihr seid gefragt. Wie beobachtet ihr die Situation um Kovac und die Eintracht? Wie schätzt ihr die Auswirkungen auf das Spiel ein und was ist euer Tipp? Lasst uns eure Meinung da!

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