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Esswein als neuer Rechtsverteidiger?

Rechtsverteidiger Peter Pekarik ist seit Beginn der Vorbereitung verletzt und Mitchell Weiser bei Hertha BSC mittlerweile Geschichte. Aktuell kann Pal Dardai also nur auf Neuzugang Lukas Klünter als etatmäßigen Rechtsverteidiger zurückgreifen un braucht deswegen dringend eine Alternative – vielleicht Alexander Esswein?

Sowohl im Test gegen Stahnsdorf (7:0) als auch gegen Neuruppin (9:1) setzte Trainer Pal Dardai Offensivmann Alexander Esswein hinten rechts ein. „Da hat er Raum vor sich, kann seine Geschwindigkeit weiter verbessern und auch sein Defensivverhalten“, sagte Dardai gegenüber der Berliner Morgenpost. Aber ist Esswein auf der Rechtsverteidigerposition wirklich eine Alternative?

Das Anforderungsprofil eines Außenverteidigers

Spielt bald Esswein statt Pekarik hinten rechts? (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Rechtsverteidiger müssen laufstark sein, damit sie in der Defensive für Kompaktheit und in der Offensive für Breite sorgen können. Esswein ist zumindest schnell, deswegen wurde er 2016 vom FC Augsburg geholt. Wie sehr er aber seine Schnelligkeit auf der laufintensiven Rechtsverteidigerposition umsetzen kann, bleibt fraglich. Die Kombination aus Sprintstärke und Pferdelunge ist nur selten zu finden. Mangelnder Einsatzwille ist dem Rechtsaußen bei seinen Auftritten eigentlich nie vorzuwerfen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Esswein sich bemühen wird, die gesamte Länge der rechten Spielfeldseite abzudecken.

Besonders im 3-5-2 können offensiv-geschulte Rechtsverteidiger glänzen, da in diesem System der Verteidiger auch wichtige Aufgaben in der Offensive übernimmt. Esswein wäre hierfür prädestiniert und könnte besonders mit seiner Schnelligkeit, seiner Schusstechnik und seinen Flanken das Angriffsspiel der Berliner bereichern. So könnte er im Angriffsdrittel den rechten Mittelfeldspieler überlaufen und auf die kopfballstarken Stürmer flanken oder mit seinem starken Schuss für mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe sorgen.

Ein weiteres Attribut, welches besonders in der Defensive wichtig ist, ist die Zweikampfstärke. Esswein hat in der Saison 2017/18 als körperlich robuster Offensivspieler 51% seiner Zweikämpfe gewonnen (zum Vergleich: Weiser 45%, Plattenhardt 60%, Pekarik 62% und Klünter 51%). Auch wenn Esswein unter Dardai sein Defensivverhalten verbessert hat, seine Werte sind insgesamt solide, aber nicht überragend. Hier müsste Esswein als reiner Rechtsverteidiger noch eine Schippe drauflegen.

Ebenso die positionsspezifischen taktischen Anforderungen an die Außenverteidigerposition, wie Orientierung im Raum, Stellungsspiel, sowie Abstände zum Innenverteidiger, wird Esswein sich noch aneignen müssen. Auch wenn Esswein die neue Rolle gut anzunehmen scheint – zwei Testspieleinsätze auf dieser Position werden sicherlich nicht ausreichen.

Schwachpunkt Technik?

Durch nachrückende Talente wie Dardai könnte Esswein auf dem offensiven Flügel Probleme bekommen. (Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Ebenso gehört es zum Anforderungsprofil, dass ein Außenverteidiger technisch sauber spielt, da Ballverluste vor dem eigenen Tor sehr gefährlich sind. Insbesondere die Ballannahme und -mitnahme sind wichtig, um das Spiel reibungslos aufzubauen und dem gegnerischen Pressing standzuhalten. Hier liegt vielleicht Essweins größte Schwäche. Er hat in seinem Spiel immer wieder technische Stockkfehler und macht bei der Ballannahme teils haarsträubende Fehler. Dies kann in der Offensive zwar für „chaotisch-kreative“ Momente sorgen und den Gegner verwirren, aber ob Dardai diese Momente in der Nähe des eigenen Strafraums haben möchte, ist zu bezweifeln. Esswein könnte deswegen im Spielaufbau das bevorzugte Pressingopfer werden, bei dem der Gegner den Ballverlust erzwingen und so Torchancen kreieren will. Um sich aus diesen Pressingsituationen zu befreien und den Spielaufbau über die Außen anzukurbeln brauchen Außenverteidiger neben den Technik auch ein sauberes Passspiel. Hier weist Esswein eine Passquote von 75% (Wert aus der Saison von 2017/18) auf (wieder zum Vergleich: Weiser 75%, Plattenhardt 82%, Pekarik 76%, Klünter 69%) – also ein relativ solider, aber nicht überragender Wert.

 

Esswein eher ein  Backup-Backup-Backup-Rechtsverteidiger

Fazit: Esswein bringt einige Grundvoraussetzungen für die Rechtsverteidigerposition mit. Inwieweit er die Umstellung vom „chaotisch-kreativen“ Offensiv- zum stabilen Defensivakteur wirklich schafft, kann erst unter Wettkampfbedingungen beurteilt werden. In einem offensiven 3-5-2 könnte Esswein mit seinem Vorwärtsdrang und seiner Schnelligkeit eine Alternative für den ebenfalls schnellen Lukas Klünter sein. Sollte Pal Dardai jedoch gegen starke Gegner auf defensive Stabilität in einer 4-2-3-1 oder 4-4-2 Grundordnung setzen, wäre nach dem etatmäßigen Rechtsverteidigerduo Lukas Klünter und Peter Pekarik wahrscheinlich Niklas Stark die nächste Rückfalloption. Der zentrale Defensivakteur hat beim 1. FC Nürnberg schon öfter als Rechtsverteidiger gespielt.

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Rechtsverteidiger Peter Pekarik ist seit Beginn der Vorbereitung verletzt und Mitchell Weiser bei Hertha BSC mittlerweile Geschichte. Aktuell kann Pal Dardai also nur auf Neuzugang Lukas Klünter als etatmäßigen Rechtsverteidiger zurückgreifen un braucht deswegen dringend eine Alternative – vielleicht Alexander Esswein?

Sowohl im Test gegen Stahnsdorf (7:0) als auch gegen Neuruppin (9:1) setzte Trainer Pal Dardai Offensivmann Alexander Esswein hinten rechts ein. „Da hat er Raum vor sich, kann seine Geschwindigkeit weiter verbessern und auch sein Defensivverhalten“, sagte Dardai gegenüber der Berliner Morgenpost. Aber ist Esswein auf der Rechtsverteidigerposition wirklich eine Alternative?

Das Anforderungsprofil eines Außenverteidigers

Spielt bald Esswein statt Pekarik hinten rechts? (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Rechtsverteidiger müssen laufstark sein, damit sie in der Defensive für Kompaktheit und in der Offensive für Breite sorgen können. Esswein ist zumindest schnell, deswegen wurde er 2016 vom FC Augsburg geholt. Wie sehr er aber seine Schnelligkeit auf der laufintensiven Rechtsverteidigerposition umsetzen kann, bleibt fraglich. Die Kombination aus Sprintstärke und Pferdelunge ist nur selten zu finden. Mangelnder Einsatzwille ist dem Rechtsaußen bei seinen Auftritten eigentlich nie vorzuwerfen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Esswein sich bemühen wird, die gesamte Länge der rechten Spielfeldseite abzudecken.

Besonders im 3-5-2 können offensiv-geschulte Rechtsverteidiger glänzen, da in diesem System der Verteidiger auch wichtige Aufgaben in der Offensive übernimmt. Esswein wäre hierfür prädestiniert und könnte besonders mit seiner Schnelligkeit, seiner Schusstechnik und seinen Flanken das Angriffsspiel der Berliner bereichern. So könnte er im Angriffsdrittel den rechten Mittelfeldspieler überlaufen und auf die kopfballstarken Stürmer flanken oder mit seinem starken Schuss für mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe sorgen.

Ein weiteres Attribut, welches besonders in der Defensive wichtig ist, ist die Zweikampfstärke. Esswein hat in der Saison 2017/18 als körperlich robuster Offensivspieler 51% seiner Zweikämpfe gewonnen (zum Vergleich: Weiser 45%, Plattenhardt 60%, Pekarik 62% und Klünter 51%). Auch wenn Esswein unter Dardai sein Defensivverhalten verbessert hat, seine Werte sind insgesamt solide, aber nicht überragend. Hier müsste Esswein als reiner Rechtsverteidiger noch eine Schippe drauflegen.

Ebenso die positionsspezifischen taktischen Anforderungen an die Außenverteidigerposition, wie Orientierung im Raum, Stellungsspiel, sowie Abstände zum Innenverteidiger, wird Esswein sich noch aneignen müssen. Auch wenn Esswein die neue Rolle gut anzunehmen scheint – zwei Testspieleinsätze auf dieser Position werden sicherlich nicht ausreichen.

Schwachpunkt Technik?

Durch nachrückende Talente wie Dardai könnte Esswein auf dem offensiven Flügel Probleme bekommen. (Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Ebenso gehört es zum Anforderungsprofil, dass ein Außenverteidiger technisch sauber spielt, da Ballverluste vor dem eigenen Tor sehr gefährlich sind. Insbesondere die Ballannahme und -mitnahme sind wichtig, um das Spiel reibungslos aufzubauen und dem gegnerischen Pressing standzuhalten. Hier liegt vielleicht Essweins größte Schwäche. Er hat in seinem Spiel immer wieder technische Stockkfehler und macht bei der Ballannahme teils haarsträubende Fehler. Dies kann in der Offensive zwar für „chaotisch-kreative“ Momente sorgen und den Gegner verwirren, aber ob Dardai diese Momente in der Nähe des eigenen Strafraums haben möchte, ist zu bezweifeln. Esswein könnte deswegen im Spielaufbau das bevorzugte Pressingopfer werden, bei dem der Gegner den Ballverlust erzwingen und so Torchancen kreieren will. Um sich aus diesen Pressingsituationen zu befreien und den Spielaufbau über die Außen anzukurbeln brauchen Außenverteidiger neben den Technik auch ein sauberes Passspiel. Hier weist Esswein eine Passquote von 75% (Wert aus der Saison von 2017/18) auf (wieder zum Vergleich: Weiser 75%, Plattenhardt 82%, Pekarik 76%, Klünter 69%) – also ein relativ solider, aber nicht überragender Wert.

 

Esswein eher ein  Backup-Backup-Backup-Rechtsverteidiger

Fazit: Esswein bringt einige Grundvoraussetzungen für die Rechtsverteidigerposition mit. Inwieweit er die Umstellung vom „chaotisch-kreativen“ Offensiv- zum stabilen Defensivakteur wirklich schafft, kann erst unter Wettkampfbedingungen beurteilt werden. In einem offensiven 3-5-2 könnte Esswein mit seinem Vorwärtsdrang und seiner Schnelligkeit eine Alternative für den ebenfalls schnellen Lukas Klünter sein. Sollte Pal Dardai jedoch gegen starke Gegner auf defensive Stabilität in einer 4-2-3-1 oder 4-4-2 Grundordnung setzen, wäre nach dem etatmäßigen Rechtsverteidigerduo Lukas Klünter und Peter Pekarik wahrscheinlich Niklas Stark die nächste Rückfalloption. Der zentrale Defensivakteur hat beim 1. FC Nürnberg schon öfter als Rechtsverteidiger gespielt.

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