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Dreierkette bei Hertha – ein System, sie alle zu retten

Innerhalb der letzten Saison kam das Thema auf, dass Hertha BSC sich taktisch etwas neu erfinden und ein System mit Dreierkette einführen müsse, um sich eine Blutauffrischung zu verpassen. Trainer Pal Dardai gibt dem nun nach und spricht offen davon, diese Formation in der Vorbereitung einstudieren zu lassen. Hat Hertha das richtige Spielermaterial dafür? Und wie groß ist der Druck, dass das neue System Früchte trägt?

“Ein System, sie alle zu retten, sie alle zu finden
In den Erfolg zu treiben und ewig zu binden
In der Bundesliga, wo die Stagnation droht”

So oder so ähnlich lautet das berühmte Ring-Gedicht von Herr-der-Ringe-Schöpfer J.R.R. Tolkien. Das Mittelerde-Mastermind formulierte damit einen Anspruch, der bei Hertha BSC in den vergangenen Monat immer stärker gewachsen ist. Die oftmals nicht sonderlich ansehnliche Spielweise der “alten Dame”, gepaart mit der einmal mehr unbefriedigenden Rückrundenbilanz führte bei den Berliner Anhängern zu dem Ergebnis, dass eine Veränderung her muss. Pal Dardai genießt im Durchschnitt weiterhin das Vertrauen der Fans und der Kader wird als hoch talentiert angesehen – nein, es sollte ein hippes, neues Spielsystem sein, das Hertha aus dem grauen Trott heraushievt. Vereine wie Hoffenheim, Augsburg oder der VfB Stuttgart spielen schon lange mit einer Dreierkette, während die Blau-Weißen höchstens von einem 4-2-3-1 zu einem 4-4-2 wechselten.

Ja, es ist wahr. Die Jahre mit Trainer Pal Dardai sind durch große Stabilität geprägt, aber auch von wenigen Experimenten und eher konservativem Fußball. Es ist also legitim, sich ein neues System zu wünschen, um weniger ausrechenbar zu sein.

Dardai und seine Möglichkeiten

Das sieht auch Pal Dardai ein und verkündete bei Hertha.TV für die laufende Vorbereitung: “In Schladming, im nächsten Trainingslager, haben wir drei Testspiele. Da werden wir uns als Zusatzsystem defensiv auch mit der Dreierkette beschäftigen. Ob 3-4-3 oder eine klassische Fünferkette mit zwei Stürmern vorne, werden wir sehen. Je nachdem wie die Jungs das umsetzen. Als zusätzliches System werden wir das üben.”

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Die Umsetzung der neuen taktischen Formation verlangt neben dem möglichst schnellen Verinnerlichen der Spieler auch eine generelle Eignung des Kaders. Kann Hertha mit seinem verfügbaren Aufgebot auf eine Dreierkette umstellen? Die Schlüsselpositionen liegen hierbei in der Innenverteidigung und den Außenbahnen.

Niklas Stark, Jordan Torunarigha und Karim Rekik – diese drei Akteure würden in dem besagten System wohl gemeinsam starten. Schaut man auf ihre Stärken, so lässt sich davon ausgehen, dass sie in einer Dreierkette gut funktionieren könnten. Alle drei (besonders Torunarigha) sind überdurchschnittlich schnelle Innenverteidiger und alle drei verfügen über einen soliden bis guten Spielaufbau. Stark und Rekik fallen zudem regelmäßig durch gutes Stellungsspiel auf, Torunarigha hat hierbei noch kleine Wackler, konnte diese in der Vergangenheit aber oft durch sein Tempo und Zweikampfverhalten ausbügeln. Auf dem Papier sieht das verfügbare Aufgebot also passend aus. Als Backups sind Fabian Lustenberger und die beiden Eigengewächse Florian Baak und Sidney Friede vorgesehen. Letzterer ist wie Lustenberger gelernter “Sechser”, hat sich in der laufenden Vorbereitung allerdings als gute Alternative für die Innenverteidigung aufgedrängt.

Das generelle Angebot an Außenbahnspielern bei Hertha ist sehr reichhaltig. Eine Auflistung und gleichzeitige Einteilung hilft bei der Übersicht:

Linke Verteidigung: Marvin Plattenhardt, Maxi Mittelstädt (Julius Kade)
Linkes Mittelfeld: Salomon Kalou, Javairo Dilrosun, Dennis Jastrzembski, Julius Kade
Rechte Verteidigung: Peter Pekarik, Lukas Klünter
Rechtes Mittelfeld: Valentino Lazaro, Mathew Leckie, Alexander Esswein, Palko Dardai

Dass einige von den aufgelisteten Spielern auch auf dem gegenüberliegenden Flügel agieren kann, ist dabei eher unerheblich. Zunächst muss klar formuliert werden, welche Eigenschaften die Außenpositionen in einem 3-5-2 benötigen. Die sogenannten “Schienenspieler” in diesem System müssen sowohl die offensiven, als auch die defensiven Aufgaben auf ihren Flügeln übernehmen. Das verlangt nach großer Ausdauer und taktischer Disziplin und ist somit nichts für jedermann.

Marvin Plattenhardt und Peter Pekarik können beispielsweise als eher klassische Außenverteidiger angesehen werden, denen das offensive Rüstzeug fehlt, um die “neue” Positionen bei Hertha zu bekleiden. “Platte” kann durch seine Flanken eine Waffe im Angriff sein, aber sein Spiel ist zu eindimensional und technisch nicht variabel genug. Pekarik ist stets bemüht, doch dass aus ihm kein Offensiv-Virtuose mehr wird, ist offensichtlich. Sie fallen also raus. Anders sieht es bei ihren jeweils jüngeren Konkurrenten Mittelstädt und Klünter aus. Beide haben großen Offensivdrang, so kann Mittelstädt auch im Mittelfeld eingesetzt werden und Klünter bekleidete die Position im 3-5-2 bereits beim 1. FC Köln. Sie sind also klare Optionen, genauso wie Lazaro, Leckie und Esswein. Lazaro hat diese Position bereits in Salzburg bespielt und war bei Hertha schon als guter Rechtsverteidiger zu sehen. Leckie hat bei Ingolstadt und in der Nationalmannschaft Australiens ebenso den Rechtsverteidiger gegeben. Esswein beweist sich in der aktuellen Vorbereitung als Alternative für diese Rolle. Bei allen anderen, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, fehlt es an Erfahrung oder defensiv klugem Verhalten.

Das Zwischenfazit lautet also, dass es allerlei vielversprechende Spieler für Außenbahnen gibt, Pal Dardai also genug Auswahl besitzt.

Hertha soll attraktiver und erfolgreicher werden

Die Frage, die dieser Artikel nicht beantworten kann, ist, ob das Dreierketten-System die Hoffnungen aller erfüllen kann. Die Hoffnung, endlich wieder attraktiven Fußball in Berlin sehen zu können, wird vor allem daran geknüpft. Nun ist es nicht so, als ob jede Partie unter der Führung Dardais zu einer 90-minütigen Qual verkommen würde. Auch vergangene Saison gab es Begegnungen, in den die Blau-Weißen ihren Anhängern einiges bieten konnten. Man erinnere sich an die Siege gegen Bayer Leverkusen (2:1, 2:0), Hannover 96 (3:1), RB Leipzig (3:2) oder Eintracht Frankfurt (3:0). Auch das Unentschieden in der Europa League gegen Athletic Bilbao (0:0) konnte sich absolut sehen lassen. Es beschleicht einen nur das Gefühl, dass besonders mit diesem individuell so starken Kader mehr solcher Spiele drin gewesen wären. Mit Spielern wie Plattenhardt, Maier, Duda, Lazaro, Kalou oder Selke sollte man die Möglichkeit haben, schöneren Fußball spielen zu lassen. Und so ist die Hoffnung groß, dass mit dem neuen System genau das eintritt.

Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images

Mit der Attraktivität soll schließlich auch größerer Erfolg in der Hauptstadt einkehren. Die vergangene Spielzeit war mit Platz zehn sicherlich kein Desaster, nach den vorherigen Platzierungen (Rang sieben und sechs), aber ein kleiner Dämpfer in der Herthaner Entwicklung. Durch die vergangenen Jahre und die generelle Weiterentwicklung des Kader ensteht so langsam der allgegenwärtige Anspruch, stets europäisch spielen zu wollen – oder zumindest um die dafür berichtigenden Plätze mitzuspielen. Der Kader ist mit aufstrebenden Spielern wie Lazaro, Maier oder Selke auch einfach zu ambitioniert zusammengestellt, als dass das schnöde Tabellenmittelfeld reichen würde, um sie zu halten. Selke und Lazaro haben bereits offen darüber gesprochen, nach ihrem ersten Jahr bei Hertha lukrative Angebote erhalten zu haben. Plattenhardt soll ebenso umworben sein. „Spieler, die sich exorbitant entwickeln, können wir nur halten, wenn wir selbst auch in dem Maße wachsen“, erklärte Herthas Sportdirektor Michael Preetz der Sport BILD. Es liegt also in Herthas Interesse, möglichst erfolgreich zu sein. Ansonsten droht der Ausverkauf, auch wenn das bei einem Ausbildungsverein wie der “alten Dame” durchaus einkalkuliert sein dürfte.

Verbessert man sich in der kommenden Saison nicht genug, könnte das Wort “Stagnation” fallen. In einem so schnelllebigen Geschäft wie dem Fußball bedeutet dies auch immer Rückschritt. Es braucht spürbare Weiterentwicklung und ein wichtiger Schritt wäre hierfür ein gänzlich neues Spielsystem.

Zu hohe Erwartungen?

Ein Fazit für diesen Artikel fällt schwer, denn man konnte das neue Spielsystem noch keine Sekunde bestaunen. Wer weiß, wie gut es von der Mannschaft aufgenommen wird? Wer weiß, wie oft es zum Einsatz kommen wird? Wer weiß, ob die gegnerischen Teams eine gute Antwort darauf finden? Denn eins steht fest: nur weil Hertha ein neues System implementiert, heißt es nicht, dass sie den Fußball neu erfinden.

Letztes muss sich nämlich immer wieder klar gemacht werden. Ein neues Spielsystem muss nicht bedeuten, dass alles grundlegend besser wird. Die Dreierkette droht aktuell zu einer Art Messias zu werden – oh, mach dass wir besseren und erfolgreicheren Fußball spielen! Und mach, dass dadurch auch mehr Zuschauer ins Stadion kommen! Es ist gefährlich, so viel davon zu erwarten. Ja, das System kann zu einer Verbesserung führen und sollte es auch nach Möglichkeit, damit bewiesen wird, dass sich Pal Dardai weiterentwickeln kann – ABER man darf es nicht zu sehr überhöhen. Den Ring nach Mordor zu bringen … ääh … einen europäischen Platz in der Bundesliga zu erreichen, ist alles andere als leicht und daher muss man vorsichtig mit seinen Erwartungen umgehen.

Freut euch auf die neue Saison, seid auf die taktischen Neuerungen gespannt, aber glaubt nicht, dass die Dreierkette Punkte, Attraktivität und Zuschauerzahlen gleichermaßen retten kann. Frodo war auch nicht unfehlbar.

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Innerhalb der letzten Saison kam das Thema auf, dass Hertha BSC sich taktisch etwas neu erfinden und ein System mit Dreierkette einführen müsse, um sich eine Blutauffrischung zu verpassen. Trainer Pal Dardai gibt dem nun nach und spricht offen davon, diese Formation in der Vorbereitung einstudieren zu lassen. Hat Hertha das richtige Spielermaterial dafür? Und wie groß ist der Druck, dass das neue System Früchte trägt?

“Ein System, sie alle zu retten, sie alle zu finden
In den Erfolg zu treiben und ewig zu binden
In der Bundesliga, wo die Stagnation droht”

So oder so ähnlich lautet das berühmte Ring-Gedicht von Herr-der-Ringe-Schöpfer J.R.R. Tolkien. Das Mittelerde-Mastermind formulierte damit einen Anspruch, der bei Hertha BSC in den vergangenen Monat immer stärker gewachsen ist. Die oftmals nicht sonderlich ansehnliche Spielweise der “alten Dame”, gepaart mit der einmal mehr unbefriedigenden Rückrundenbilanz führte bei den Berliner Anhängern zu dem Ergebnis, dass eine Veränderung her muss. Pal Dardai genießt im Durchschnitt weiterhin das Vertrauen der Fans und der Kader wird als hoch talentiert angesehen – nein, es sollte ein hippes, neues Spielsystem sein, das Hertha aus dem grauen Trott heraushievt. Vereine wie Hoffenheim, Augsburg oder der VfB Stuttgart spielen schon lange mit einer Dreierkette, während die Blau-Weißen höchstens von einem 4-2-3-1 zu einem 4-4-2 wechselten.

Ja, es ist wahr. Die Jahre mit Trainer Pal Dardai sind durch große Stabilität geprägt, aber auch von wenigen Experimenten und eher konservativem Fußball. Es ist also legitim, sich ein neues System zu wünschen, um weniger ausrechenbar zu sein.

Dardai und seine Möglichkeiten

Das sieht auch Pal Dardai ein und verkündete bei Hertha.TV für die laufende Vorbereitung: “In Schladming, im nächsten Trainingslager, haben wir drei Testspiele. Da werden wir uns als Zusatzsystem defensiv auch mit der Dreierkette beschäftigen. Ob 3-4-3 oder eine klassische Fünferkette mit zwei Stürmern vorne, werden wir sehen. Je nachdem wie die Jungs das umsetzen. Als zusätzliches System werden wir das üben.”

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Die Umsetzung der neuen taktischen Formation verlangt neben dem möglichst schnellen Verinnerlichen der Spieler auch eine generelle Eignung des Kaders. Kann Hertha mit seinem verfügbaren Aufgebot auf eine Dreierkette umstellen? Die Schlüsselpositionen liegen hierbei in der Innenverteidigung und den Außenbahnen.

Niklas Stark, Jordan Torunarigha und Karim Rekik – diese drei Akteure würden in dem besagten System wohl gemeinsam starten. Schaut man auf ihre Stärken, so lässt sich davon ausgehen, dass sie in einer Dreierkette gut funktionieren könnten. Alle drei (besonders Torunarigha) sind überdurchschnittlich schnelle Innenverteidiger und alle drei verfügen über einen soliden bis guten Spielaufbau. Stark und Rekik fallen zudem regelmäßig durch gutes Stellungsspiel auf, Torunarigha hat hierbei noch kleine Wackler, konnte diese in der Vergangenheit aber oft durch sein Tempo und Zweikampfverhalten ausbügeln. Auf dem Papier sieht das verfügbare Aufgebot also passend aus. Als Backups sind Fabian Lustenberger und die beiden Eigengewächse Florian Baak und Sidney Friede vorgesehen. Letzterer ist wie Lustenberger gelernter “Sechser”, hat sich in der laufenden Vorbereitung allerdings als gute Alternative für die Innenverteidigung aufgedrängt.

Das generelle Angebot an Außenbahnspielern bei Hertha ist sehr reichhaltig. Eine Auflistung und gleichzeitige Einteilung hilft bei der Übersicht:

Linke Verteidigung: Marvin Plattenhardt, Maxi Mittelstädt (Julius Kade)
Linkes Mittelfeld: Salomon Kalou, Javairo Dilrosun, Dennis Jastrzembski, Julius Kade
Rechte Verteidigung: Peter Pekarik, Lukas Klünter
Rechtes Mittelfeld: Valentino Lazaro, Mathew Leckie, Alexander Esswein, Palko Dardai

Dass einige von den aufgelisteten Spielern auch auf dem gegenüberliegenden Flügel agieren kann, ist dabei eher unerheblich. Zunächst muss klar formuliert werden, welche Eigenschaften die Außenpositionen in einem 3-5-2 benötigen. Die sogenannten “Schienenspieler” in diesem System müssen sowohl die offensiven, als auch die defensiven Aufgaben auf ihren Flügeln übernehmen. Das verlangt nach großer Ausdauer und taktischer Disziplin und ist somit nichts für jedermann.

Marvin Plattenhardt und Peter Pekarik können beispielsweise als eher klassische Außenverteidiger angesehen werden, denen das offensive Rüstzeug fehlt, um die “neue” Positionen bei Hertha zu bekleiden. “Platte” kann durch seine Flanken eine Waffe im Angriff sein, aber sein Spiel ist zu eindimensional und technisch nicht variabel genug. Pekarik ist stets bemüht, doch dass aus ihm kein Offensiv-Virtuose mehr wird, ist offensichtlich. Sie fallen also raus. Anders sieht es bei ihren jeweils jüngeren Konkurrenten Mittelstädt und Klünter aus. Beide haben großen Offensivdrang, so kann Mittelstädt auch im Mittelfeld eingesetzt werden und Klünter bekleidete die Position im 3-5-2 bereits beim 1. FC Köln. Sie sind also klare Optionen, genauso wie Lazaro, Leckie und Esswein. Lazaro hat diese Position bereits in Salzburg bespielt und war bei Hertha schon als guter Rechtsverteidiger zu sehen. Leckie hat bei Ingolstadt und in der Nationalmannschaft Australiens ebenso den Rechtsverteidiger gegeben. Esswein beweist sich in der aktuellen Vorbereitung als Alternative für diese Rolle. Bei allen anderen, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, fehlt es an Erfahrung oder defensiv klugem Verhalten.

Das Zwischenfazit lautet also, dass es allerlei vielversprechende Spieler für Außenbahnen gibt, Pal Dardai also genug Auswahl besitzt.

Hertha soll attraktiver und erfolgreicher werden

Die Frage, die dieser Artikel nicht beantworten kann, ist, ob das Dreierketten-System die Hoffnungen aller erfüllen kann. Die Hoffnung, endlich wieder attraktiven Fußball in Berlin sehen zu können, wird vor allem daran geknüpft. Nun ist es nicht so, als ob jede Partie unter der Führung Dardais zu einer 90-minütigen Qual verkommen würde. Auch vergangene Saison gab es Begegnungen, in den die Blau-Weißen ihren Anhängern einiges bieten konnten. Man erinnere sich an die Siege gegen Bayer Leverkusen (2:1, 2:0), Hannover 96 (3:1), RB Leipzig (3:2) oder Eintracht Frankfurt (3:0). Auch das Unentschieden in der Europa League gegen Athletic Bilbao (0:0) konnte sich absolut sehen lassen. Es beschleicht einen nur das Gefühl, dass besonders mit diesem individuell so starken Kader mehr solcher Spiele drin gewesen wären. Mit Spielern wie Plattenhardt, Maier, Duda, Lazaro, Kalou oder Selke sollte man die Möglichkeit haben, schöneren Fußball spielen zu lassen. Und so ist die Hoffnung groß, dass mit dem neuen System genau das eintritt.

Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images

Mit der Attraktivität soll schließlich auch größerer Erfolg in der Hauptstadt einkehren. Die vergangene Spielzeit war mit Platz zehn sicherlich kein Desaster, nach den vorherigen Platzierungen (Rang sieben und sechs), aber ein kleiner Dämpfer in der Herthaner Entwicklung. Durch die vergangenen Jahre und die generelle Weiterentwicklung des Kader ensteht so langsam der allgegenwärtige Anspruch, stets europäisch spielen zu wollen – oder zumindest um die dafür berichtigenden Plätze mitzuspielen. Der Kader ist mit aufstrebenden Spielern wie Lazaro, Maier oder Selke auch einfach zu ambitioniert zusammengestellt, als dass das schnöde Tabellenmittelfeld reichen würde, um sie zu halten. Selke und Lazaro haben bereits offen darüber gesprochen, nach ihrem ersten Jahr bei Hertha lukrative Angebote erhalten zu haben. Plattenhardt soll ebenso umworben sein. „Spieler, die sich exorbitant entwickeln, können wir nur halten, wenn wir selbst auch in dem Maße wachsen“, erklärte Herthas Sportdirektor Michael Preetz der Sport BILD. Es liegt also in Herthas Interesse, möglichst erfolgreich zu sein. Ansonsten droht der Ausverkauf, auch wenn das bei einem Ausbildungsverein wie der “alten Dame” durchaus einkalkuliert sein dürfte.

Verbessert man sich in der kommenden Saison nicht genug, könnte das Wort “Stagnation” fallen. In einem so schnelllebigen Geschäft wie dem Fußball bedeutet dies auch immer Rückschritt. Es braucht spürbare Weiterentwicklung und ein wichtiger Schritt wäre hierfür ein gänzlich neues Spielsystem.

Zu hohe Erwartungen?

Ein Fazit für diesen Artikel fällt schwer, denn man konnte das neue Spielsystem noch keine Sekunde bestaunen. Wer weiß, wie gut es von der Mannschaft aufgenommen wird? Wer weiß, wie oft es zum Einsatz kommen wird? Wer weiß, ob die gegnerischen Teams eine gute Antwort darauf finden? Denn eins steht fest: nur weil Hertha ein neues System implementiert, heißt es nicht, dass sie den Fußball neu erfinden.

Letztes muss sich nämlich immer wieder klar gemacht werden. Ein neues Spielsystem muss nicht bedeuten, dass alles grundlegend besser wird. Die Dreierkette droht aktuell zu einer Art Messias zu werden – oh, mach dass wir besseren und erfolgreicheren Fußball spielen! Und mach, dass dadurch auch mehr Zuschauer ins Stadion kommen! Es ist gefährlich, so viel davon zu erwarten. Ja, das System kann zu einer Verbesserung führen und sollte es auch nach Möglichkeit, damit bewiesen wird, dass sich Pal Dardai weiterentwickeln kann – ABER man darf es nicht zu sehr überhöhen. Den Ring nach Mordor zu bringen … ääh … einen europäischen Platz in der Bundesliga zu erreichen, ist alles andere als leicht und daher muss man vorsichtig mit seinen Erwartungen umgehen.

Freut euch auf die neue Saison, seid auf die taktischen Neuerungen gespannt, aber glaubt nicht, dass die Dreierkette Punkte, Attraktivität und Zuschauerzahlen gleichermaßen retten kann. Frodo war auch nicht unfehlbar.

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