Mit Javairo Dilrosun und Dennis Jastrzembski hat Hertha BSC zwei sehr spannende Flügelspieler im Kader, die trotz ihres jungen Alters eine Rolle in der kommenden Saison spielen könnten. Im zweiten Teil unserer Artikelreihe zu den Prospects dieser Spielzeit sollen die beiden Juwele vorgestellt und eine erste Einschätzung abgegeben werden, ob sie sich bereits in diesem Bundesliga-Jahr beweisen dürfen.

Bereits in unserem Artikel zur Dreierkette, die Pal Dardai nun einführen will, wiesen wir auf die oftmals fehlende Attraktivität in Herthas Offensivspiel hin. Dieses kreative Loch wurde in den vergangenen Jahren noch regelmäßig von dem spielmachenden Rechtsverteidiger Mitchell Weiser ausgefüllt, doch mit seinem Abgang nach Leverkusen droht das gewisse Etwas komplett verloren zu gehen. Einzig Valentino Lazaro konnte vergangene Saison zeigen, dass er eine Mannschaft offensiv mitreißen und durch Dribblings, Sprints wie Vorlagen viel spielerische Last schultern kann. Es kann jedoch nicht das Ziel sein, den 22-jährigen Österreicher alles alleine machen zu lassen und so müssen sich neue Gesichter hervortun.

Dilrosun kann bereits begeistern

Ein Spieler, der sich in Sachen Kreativität und Offensiv-Power bereits von seiner besten Seite zeigt, ist Javairo Dilrosun. Der 20-jährige Niederländer wechselte in diesem Sommer von Manchester City an die Spree, um endlich den Sprung in den Profi-Fußball zu schaffen. “Wir hatten ihn schon länger im Blick und haben die Entwicklung von Javairo intensiv verfolgt. Er hat in der Ajax-Schule und bei Manchester City taktisch und technisch eine hervorragende Ausbildung genossen, ist schnell und spielstark. Wir sind sehr froh, dass wir uns gegen namhafte Konkurrenz durchgesetzt haben und ihn für unseren Weg bei Hertha BSC überzeugen konnten”, zeigte sich Herthas Sportdirektor Michael Preetz von der Verpflichtung begeistert.

Foto: Julian Finney/Getty Images

Zu einem späteren Zeitpunkt erzählte Preetz, dass sich Dilrosun aufgrund der hervorragenden Jugendarbeit in Berlin für Hertha entschieden habe. Spieler wie Mitchell Weiser, Niklas Stark oder Arne Maier haben den Weg vorgemacht, den man in der Hauptstadt gehen kann. Diesen will nun auch der U21-Nationalspieler der Niederlande bestreiten. “Im Fußball geht es immer darum, sich durchzusetzen. Ich bin bereit für Konkurrenzkampf, dafür bin ich Fußballer geworden”, zeigte sich Dilrosun der B.Z. gegenüber hoch motiviert.

Diese Motivation sieht man ihm bislang auch in der gesamten Vorbereitung an. Kaum ein Spieler macht so positiv auf sich aufmerksam wie Dilrosun. In den Testspielen gegen den Fünftligisten Westfalia Herne (2:0) und dem italienischen Erstligisten Atalanta Bergamo (2:3) glänzte er jeweils mit starken Tempo-Dribblings, herausragender Technik und insgesamt zwei Treffern. “So einen Spielertypen hatten wir bisher noch nicht im Kader. Ich freue mich sehr, mit ihm arbeiten zu dürfen. Allerdings muss er sich erst noch auf den Profi-Fußball einstellen. Der ist um einiges härter als im Jugend- oder Amateurbereich. Aber wir haben Geduld mit Javairo. Mein erster Eindruck ist, dass er sehr höflich und fleißig ist”, gab Trainer Pal Dardai als Einschätzung ab.

(Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Dilrosun ist ein Unterschiedsspieler, der mit einer Aktion das Spiel entscheiden kann. Sein Profil gibt genau die Eigenschaften her, die Hertha fehl(t)en: Schnelligkeit, starke Technik – ob beim Schießen oder in eins gegen eins Situationen, Zug zum Tor und das gewisse Etwas. Auch B.Z.-Reporter Marcel Braune bestätigte uns im Hertha-Base-Podcast, dass man mit Dilrosun einen besonderen Spieler bekommen hat. “Er macht Dinge am Ball, die man bei Hertha in Jahren nicht gesehen hat”, so Braune, der ihn das gesamte Trainingslager in Neuruppin beobachten konnte. Routinier und Konkurrent Salomon Kalou zeigt sich ebenfalls beeindruckt von Dilrosuns Fähigkeiten: “Er ist noch ein jung, aber sehr talentiert und super schnell. Für ihn ist die Bundesliga ein guter Schritt. Er wird bei Hertha nicht zu viel Druck haben. Das Team wird ihm helfen und für ihn da sein. In zwei bis drei Jahren kann er ein Top-Spieler für Hertha werden. (Berliner Kurier)”

“Ich kann auf beiden Flügeln spielen. Aber um ehrlich zu sein, fühle ich mich auf der rechten Seite sogar etwas wohler”, verriet Dilrosun der B.Z. Ob links oder rechts, es wird Dilrosun gut tun, nicht sofort im Rampenlicht steht zu müssen. Geht man von dem 4-2-3-1 der vergangenen Jahre aus, so hat er Salomon Kalou, Mathew Leckie, Valentino Lazaro (und Esswein) vor der Nase und muss sich erst einmal durchsetzen. Die anscheinend sehr positive Vorbereitung wird ihm sicherlich dabei helfen und in der Nahrungskette weiter nach oben befördern – es darf aber nicht vergessen werden, dass er noch keinerlei Profi-Erfahrungen besitzt. Für Dilrosun wird es von größter Bedeutung sein, auf die ersten Bundesliga-Minuten zu kommen und dabei wird ihm Dardai, der nun einmal großer Talentförderer ist, helfen. Ohne den Druck, sofort abliefern zu müssen, könnte er jedoch befreit aufspielen und zu einer kleinen Geheimwaffe werden. Die Fähigkeiten dazu hat er.

Herthas größtes Talent neben Maier?

In einer sehr ähnlichen Situation befindet sich Herthas Eigengewächs Dennis Jastrzembski. Vergangene Saison als 2000er Jahrgang (man darf sich nun offiziell alt fühlen) mit der A-Jugend Herthas deutscher Meister geworden, wurde er bereits für die aktuelle Saison als Profi unter Vertrag genommen. Nicht nur das, er überlebte sogar den (ersten) Cut von Pal Dardai, dem Spieler wie Sinan Kurt, Florian Baak, Florian Krebs oder Maurice Covic zum Opfer fielen. Wie Dilrosun hat sich “Jatze” (unser offizieller Vorschlag für seinen Spitznamen) durch eine bisher glänzende Vorbereitung im Profi-Kader festgebissen und schielt vielleicht sogar auf mehr. In der A-Jugend empfahl sich der 18-Jährige mit fünf Toren und 13 Vorlagen in 27 Spielen, er war somit ein großer Faktor für die Meisterschaft. Solch ein Faktor, dass internationale Top-Klubs wie der FC Arsenal großes Interesse an ihm gehabt haben sollen.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Er entschied sich allerdings für Hertha. “Wir freuen uns sehr, dass wir mit Dennis einen weiteren sehr talentierten Nachwuchsspieler aus unserer Akademie künftig zum Kader von Trainer Pal Dardai zählen dürfen”, so Michael Preetz, wohl nicht ahnend, in welchem Tempo der deutsche U18-Nationalspieler sich an das Profi-Niveau gewöhnen würde. Und Tempo ist hierbei das passende Stichwort, denn seine wahnsinnige Schnelligkeit und Explosivität machen ihn zu einer echten Waffe. Von seinen Mannschaftskollegen wird er daher passenderweise “Sonic” genannt. “Bei den Leistungstests war er vorn mit dabei. Er hat eine ausgeprägte Sprungkraft und eine der besten Beschleunigungen im Team. Das ist beachtlich. Körperlich müssen wir ihn noch etwas hinbekommen. Das heißt etwas Masse verlieren und Muskeln aufbauen. Aber wir lassen ihn erst in Ruhe bei uns ankommen”, äußerte sich Herthas Fitness-Trainer Henrik Kuchno zu den körperlichen Attributen des Talents, stellte allerdings klar: “Der Junge brennt, lebt das hier alles zu 100 Prozent!”

Neben seinem Tempo zeichnet Jastrzembski seine gute Ballbehandlung und seine sehr genauen Flanken aus. Es ist beeindruckend, wie selbstbewusst er bereits auf dem Feld auftritt und eine gute Einzelaktion nach der anderen ausführt. “Im Testspiel gegen Duisburg zog er ein Tempo-Dribbling vom eigenen Strafraum bis an den gegnerischen 16er an und ließ sämtliche Gegenspieler stehen. Es ging ein Raunen durchs Stadion”, berichtete Marcel Braune und fügte an: “Er wirkt teilweise fast schon zu gut für sein Alter.” Für Pal Dardai ist durch die Erfahrungen aus der letzten Saison klar: “Er kann in der Bundesliga eine Überraschung werden, aber erstmal muss er ordentlich mittrainieren und sich an den Profifußball gewöhnen. Wir müssen aufpassen. Letztes Jahr fiel der 99er Jahrgang nach der Vorbereitung in ein Loch. Er bekommt von uns jede Zeit, die er braucht.”

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Wie Dilrosun kann das Berliner Eigengewächs der entscheidende Faktor einer Partie sein, aber auch Jastrembski wird sich erst einmal an die Bundesliga gewöhnen müssen. Im Schatten der etablierten Spieler könnte sich der Flügelflitzer allerdings zu einer echten Alternative entwickeln. Jemanden wie ihn zu haben, den man in der 75. Minute einwechselt und der wie eine Dampflok durch die gegnerischen Abwehrreihen marschiert – das wird immer ein Gewinn sein, ungeachtet der Erfahrung des Spielers. Ohne zu große Erwartungen wecken zu wollen: Jastrzembski scheint ein großes Talent zu sein, dass mit seinem “Skillset” perfekt in den modernen Fußball passt und den Konter-Stil Herthas weiter prägen könnte.

Erwartungen an die beiden Talente

Herthas Arbeit mit jungen Talenten – sie bleibt weiterhin spannend. In den letzten Saisons konnten sich Spieler wie Maxi Mittelstädt, Jordan Torunarigha oder Arne Maier hervortun. Ein ebenfalls großes Juwel wie Palko Dardai (19) scheint aktuell beinahe unterzugehen, hat sich vergangene Spielzeit aber auch seine ersten Sporen verdient.

Es ist vollkommen klar, dass Spieler wie Kalou, Leckie und (besonders) Lazaro nicht von jetzt auf gleich von den beiden hier behandelten Jungspunden überholt und abgelöst werden. Es ist jedoch schön zu sehen, dass es ernsthafte Anwärter für diese Flügelpositionen gibt. Sowohl Dilrosun als auch “Jatze” verfügen über Fähigkeiten, die dem Kader sehr gut zu Gesicht stehen werden und allein deswegen werden sie auf ihre ersten Profi-Einsätze kommen. Wie groß ihr Einfluss auf die Saison sein wird, ist schwer zu sagen. Am Ende der Spielzeit sollte man aber sagen können, dass sie ihren nächsten Schritt gegangen und wahrscheinliche Kandidaten auf die zukünftige Flügelzange der “alten Dame” sind. Es besteht die Hoffnung, dass sie auf lange Sicht wieder mehr Glanz in die blau-weißen Hallen bringen.

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