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Gegner-Vorschau: Ein neues Braunschweig hat gegen Hertha nichts zu verlieren

Es geht wieder los! Am Montag um 18:30 Uhr wird Hertha BSC zum ersten Pflichtspiel in der Saison 2018/19 im DFB-Pokal antreten. Hertha BASE stellt euch in einer zweiteiligen Vorschau den Gegner Eintracht Braunschweig vor. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit Löwen-Fan Anna (bei Twitter @rosalaut), in dem sie uns das Eintracht Braunschweig der Saison 2018/19 näher erläutert.

Hertha BASE: Wie ist aktuell die Stimmung in Braunschweig nach dem Abstieg und dem eher durchwachsenen Saisonstart?

Der Blick geht nach dem Abstieg mittlerweile wieder nach vorne (Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images)

Anna: Wir sind im Mai relativ ruhig abgestiegen. Nach der furiosen 6:2-Klatsche in Kiel war der Gästeblock irgendetwas zwischen geschockt, paralysiert und traurig. Alle hatten bis zuletzt gedacht, dass wir es packen. Ein Punkt hat gefehlt zum Klassenerhalt. Vom besten Dritten der Zweitligageschichte zum besten Absteiger innerhalb eines Jahres. Danach war völlig klar, was sich schon länger abgezeichnet hat: Torsten Lieberknecht würde nach zehn Jahren Cheftrainer der Profis seinen Posten räumen. Die anschließende Trainersuche hat lange gedauert – zu lange, in Anbetracht der Tatsache, dass die Sommerpause für Drittligisten enorm kurz ist, Ligaauftakt war am 27. Juli. Aber der Neue, Henrik Pedersen, kommt gut an. Seine junge, wilde Truppe ebenfalls: Nach Monaten der ängstlichen Schonkost war das Eintracht-Stadion ganz aus dem Häuschen, als am ersten Spieltag ein erster offensiver Wind über den Platz wehte.

Es klappt noch längst nicht alles: Dem Torhüter fehlt die Spielpraxis, den jungen Spielern die Ruhe, die älteren müssen sich in ihrer Rolle als Führungsspieler erst noch finden. Wir sind in der Liga nach wie vor ohne Sieg. Der Auswärtssieg im Niedersachsenpokal-Spiel am Mittwoch war der erste Pflichtspielsieg seit März. In Braunschweig vermissen alle das zufriedene Siegbier. Nichtsdestotrotz zeigt sich die Szene fußballfanuntypisch geduldig, denn das Bemühen ist erkennbar und die Tendenz sieht positiv aus.

Die meisten hier haben das Gefühl, dass sich tatsächlich etwas entwickelt und glauben nach wie vor an Pedersens Ideen. Angesichts des großen Umbruchs kommt dieser Stotterstart auch nicht gänzlich überraschend. In Interviews und Videos haben Führungsspieler wie Stephan Fürstner bereits um Geduld geworben und vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Ich habe den Eindruck, dass das verstanden worden ist.

Kabinenpredigt: Die Krux mit der Erwartungshaltung

HB: Mit welcher Erwartungshaltung sind die Fans und der Verein in die Saison gegangen? Ist der direkte Wiederaufstieg „Pflicht“?

Anna: Ja und Nein. Die Erwartungshaltung ist hoch und auch der Verein hat das Ziel „Wiederaufstieg“ ausgerufen. Alles andere hätte man den frustrierten Fans, die ein Jahr zuvor noch völlig zurecht über den Aufstieg in die Bundesliga gesprochen haben, nicht verkaufen können. Wir sind wirtschaftlich stabil und können insgesamt auf 10 sehr erfolgreiche Jahre unter Torsten Lieberknecht zurückblicken. Es ist meiner Meinung nach nur korrekt, sich jetzt nicht auf eine vorsichtige Rhetorik einzulassen. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist das Team komplett neu zusammen gestellt, der Trainer ist neu, das Funktionsteam erneuert. Darüberhinaus: Anders als beispielsweise der Kader von Kaiserslautern, der vornehmlich mit Erfahrung ausgestattet wurde, haben wir viele Spieler im Kader, die keine Erfahrung in der dritten Liga, teilweise keine Erfahrung im Herrenbereich haben. Wir stecken bis zum Hals voll mit Talent. Je eher das auf dem Platz zu sehen ist und an Stabilität gewinnt, desto besser. Du kannst in Liga 3 nur im Verbund bestehen. Cottbus ist sehr gut gestartet, sie haben ihren Kader im Sommer kaum verändert – aber das Team funktioniert.

Ich habe den Eindruck, dass es den meisten gelingt, das auf diesen beiden Ebenen zu betrachten. Beide haben ihre absolute Berechtigung. Ich selbst rechne mit einer guten Saison, an deren Ende wir irgendwo zwischen dem 5. und dem 8. Tabellenplatz stehen. 2019/2020 geht es dann zurück in die zweite Liga.

Pedersen baut auf einige erfahrene Spieler und eine Menge Talente

Acht Zugänge, zwölf Abgänge – der Kader wurde nach dem Abschied heftig durchgeschüttelt. Konnte Trainer Pedersen schon eine Stammelf etablieren? 

Mit den Leuten, die wir aus dem Nachwuchs hochgezogen haben, sind es sogar 18 neue Spieler bei den Profis. Was das zarte Durchschnittsalter von 22,6 Jahren erklärt. Pedersen hat sich ein Gerüst von erfahrenen Spielern zusammengestellt, im Zentrum steht Kapitän und Wunschspieler Stephan Fürstner, der von Union Berlin kam. Er spielt im defensiven Mittelfeld vor der anderen Säule, Frederik Tingager. Der Innenverteidiger lief zuletzt an der Seite von Gustav Valsik auf. Der Spieler hatte sich erst verweigert, im Verein zu bleiben – der Trainer scheint aber Überzeugungsarbeit geleistet zu haben. Ich gehe nicht davon aus, dass er nur zu Schaufensterzwecken aufgestellt wird. Im Sturm steht mit Philipp Hofmann der nächste erfahrene Profi. Auf dem Flügel ist Onur Bulut gesetzt, der rennwütige Außen kam im Winter vom SC Freiburg und macht in der dritten Liga ordentlich Wirbel. Außerdem ist Torhüter Marcel Engelhardt gesetzt, der uns sowohl schon Punkte gerettet als auch gekostet hat. Alle anderen Positionen sind noch nicht abschließend vergeben.

Wandspieler Philipp Hofmann (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Neuer Trainer, neuer Kader – kann man schon sagen, was die Stärken und Schwächen des Teams sind?

Nach den ersten Spielen hätte ich gesagt, dass die Offensive eine Schwäche aufgrund der fehlenden Treffsicherheit ist. Uns fehlt ein Knipser. Hofmann funktioniert als Wandspieler hervorragend, leider fehlt aber meist jemand, der die abgelegten Bälle abnehmen und erfolgreich verarbeiten könnte. Nun haben wir im letzten Ligaspiel in Wiesbaden offensiv überragend gespielt, drei Tore erzielt und  lagen bequem in Führung. Dann kassierte die Mannschaft in der Schlussphase eine gelb-rote Karte und nach zwei Toren Vorsprung sogar noch den Ausgleich. Die Abstimmung ist vorne sowie hinten noch nicht ideal. Dazu kommt, dass Pedersen von jedem Spieler hohe Einsatz- und Laufbereitschaft fordert. Lässt auch nur ein Spieler nach, gerät das ganze Team ins Schwimmen. Alles in allem denke ich, ist es eine Kombination aus fehlender Eingespieltheit und Unerfahrenheit, die uns aktuell immer wieder auf die Füße fällt.

Stürmer Philipp Hofmann hat in den letzten beiden Ligaspielen mächtig aufgedreht (2 Tore und 1 Assist) – kann er auch gegen Hertha BSC treffen?

Ich halte Hofmann für enorm wichtig für unser Spiel. Er ist fleißig, führt in der Offensive, zieht Gegenspieler auf sich und besticht durch seine wuchtige Physis. Ob er sich bei uns zum Goalgetter mausert, wird sich zeigen. Ich interpretiere ihn mehr als Vorlagengeber, der schon enorm gut in Szene gesetzt werden muss (wie beim 1:0 in Wiesbaden von Franjic), um aus dem Spiel heraus zu treffen. Ich lasse mich aber gerne eines besseren Belehren.

Auf welche Spieler muss Hertha noch besonders achten?

Kann Unaufmerksamkeiten sofort bestrafen: Onur Bulut (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Die Hertha sollte darauf achten, die Flügel nicht ins Laufen kommen zu lassen. Ich gehe stark davon aus, dass Bulut spielen wird. Er verfügt über Bundesligaerfahrung, ist sich für keinen Weg zu schade und enorm schnell. Kleine Unaufmerksamkeiten, die davon ausgehen, dass dieser oder jener Ball sowieso nicht mehr erreicht wird, kann er sofort bestrafen. Wer auf dem anderen Flügel spielt, wird sich zeigen. Der junge Malte Amundsen (20 Jahre) macht seine Sache dort ordentlich, ich mag seine schnörkellose Spielart sehr. Ob er gegen Bundesligaspieler bestehen wird, kann ich nicht abschätzen.

Volles Haus und Flutlicht – Braunschweig hat enorm Bock auf Hertha BSC

Kommt das Pokalspiel gegen einen Erstligisten nach dem durchwachsenen Saisonstart zur Unzeit oder ist es für euch die perfekte Gelegenheit für einen kleinen „Neustart“?

Auf alle Fälle! In Braunschweig haben alle enorm Bock vor vollem Haus unter Flutlicht gegen einen prominenten Gegner zu spielen. Das Spiel nicht machen zu müssen ist eine dankbare Position, von der ich hoffe, dass wir sie stabil und einigermaßen souverän bekleiden werden. Wir haben wenig Druck und große Unterstützung. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Begegnung – fast egal, wie sie ausgeht – nochmal einen motivierenden Schub für die Liga geben wird.

Pedersen scheint ein 4-3-3 zu präferieren. Wird das System auch gegen die Hertha zum Einsatz kommen?

Davon gehe ich sehr stark aus. In der ersten Pressekonferenz hat er das als sein System vorgestellt. Ich denke nicht, dass er davon abweichen wird. Das Team wurde über die gesamte Vorbereitung genau darauf eingestellt.

Die Ex-Unioner Fürstner und Pedersen (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Haben die beiden Ex-Unioner Pedersen und Fürstner schon kundgetan, ob das Spiel gegen Hertha für sie nochmal etwas besonderer ist?

Davon habe ich bisher nichts gehört. Aber die Vorbereitung für das Spiel laufen auch erst seit Donnerstag, weil wir Mittwochabend im Niedersachsenpokal angetreten sind. Vielleicht finden sich in den kommenden Tagen Interviews mit den beiden, in denen sie über dieses Verhältnis sprechen.

Welche Stärken siehst du bei Hertha, die für Braunschweig eine besondere Gefahr darstellen könnten?

Ich setze ganz auf Underdog-Karte: Wir sind individuell weniger gut besetzt, das Tempo in der 3. Liga ist langsamer und die Zweikämpfe werden auf weiterem Raum geführt. Dazu kommt, dass wir eben nicht diese eingespielte Truppe sind, die es dem Bundesligisten, der noch ohne Pflichtspiel ist, durch Geschlossenheit schwer machen könnte. Hinzu kommt, dass der gesamte Kader nur wenig Profi-Erfahrung hat. Ich fürchte, dass wir ein konzentriertes Hertha nicht vor besonders viele Probleme stellen können.

Wir bedanken uns für dieses sehr aufschlussreiche Interview, Anna.

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Es geht wieder los! Am Montag um 18:30 Uhr wird Hertha BSC zum ersten Pflichtspiel in der Saison 2018/19 im DFB-Pokal antreten. Hertha BASE stellt euch in einer zweiteiligen Vorschau den Gegner Eintracht Braunschweig vor. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit Löwen-Fan Anna (bei Twitter @rosalaut), in dem sie uns das Eintracht Braunschweig der Saison 2018/19 näher erläutert.

Hertha BASE: Wie ist aktuell die Stimmung in Braunschweig nach dem Abstieg und dem eher durchwachsenen Saisonstart?

Der Blick geht nach dem Abstieg mittlerweile wieder nach vorne (Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images)

Anna: Wir sind im Mai relativ ruhig abgestiegen. Nach der furiosen 6:2-Klatsche in Kiel war der Gästeblock irgendetwas zwischen geschockt, paralysiert und traurig. Alle hatten bis zuletzt gedacht, dass wir es packen. Ein Punkt hat gefehlt zum Klassenerhalt. Vom besten Dritten der Zweitligageschichte zum besten Absteiger innerhalb eines Jahres. Danach war völlig klar, was sich schon länger abgezeichnet hat: Torsten Lieberknecht würde nach zehn Jahren Cheftrainer der Profis seinen Posten räumen. Die anschließende Trainersuche hat lange gedauert – zu lange, in Anbetracht der Tatsache, dass die Sommerpause für Drittligisten enorm kurz ist, Ligaauftakt war am 27. Juli. Aber der Neue, Henrik Pedersen, kommt gut an. Seine junge, wilde Truppe ebenfalls: Nach Monaten der ängstlichen Schonkost war das Eintracht-Stadion ganz aus dem Häuschen, als am ersten Spieltag ein erster offensiver Wind über den Platz wehte.

Es klappt noch längst nicht alles: Dem Torhüter fehlt die Spielpraxis, den jungen Spielern die Ruhe, die älteren müssen sich in ihrer Rolle als Führungsspieler erst noch finden. Wir sind in der Liga nach wie vor ohne Sieg. Der Auswärtssieg im Niedersachsenpokal-Spiel am Mittwoch war der erste Pflichtspielsieg seit März. In Braunschweig vermissen alle das zufriedene Siegbier. Nichtsdestotrotz zeigt sich die Szene fußballfanuntypisch geduldig, denn das Bemühen ist erkennbar und die Tendenz sieht positiv aus.

Die meisten hier haben das Gefühl, dass sich tatsächlich etwas entwickelt und glauben nach wie vor an Pedersens Ideen. Angesichts des großen Umbruchs kommt dieser Stotterstart auch nicht gänzlich überraschend. In Interviews und Videos haben Führungsspieler wie Stephan Fürstner bereits um Geduld geworben und vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Ich habe den Eindruck, dass das verstanden worden ist.

Kabinenpredigt: Die Krux mit der Erwartungshaltung

HB: Mit welcher Erwartungshaltung sind die Fans und der Verein in die Saison gegangen? Ist der direkte Wiederaufstieg „Pflicht“?

Anna: Ja und Nein. Die Erwartungshaltung ist hoch und auch der Verein hat das Ziel „Wiederaufstieg“ ausgerufen. Alles andere hätte man den frustrierten Fans, die ein Jahr zuvor noch völlig zurecht über den Aufstieg in die Bundesliga gesprochen haben, nicht verkaufen können. Wir sind wirtschaftlich stabil und können insgesamt auf 10 sehr erfolgreiche Jahre unter Torsten Lieberknecht zurückblicken. Es ist meiner Meinung nach nur korrekt, sich jetzt nicht auf eine vorsichtige Rhetorik einzulassen. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist das Team komplett neu zusammen gestellt, der Trainer ist neu, das Funktionsteam erneuert. Darüberhinaus: Anders als beispielsweise der Kader von Kaiserslautern, der vornehmlich mit Erfahrung ausgestattet wurde, haben wir viele Spieler im Kader, die keine Erfahrung in der dritten Liga, teilweise keine Erfahrung im Herrenbereich haben. Wir stecken bis zum Hals voll mit Talent. Je eher das auf dem Platz zu sehen ist und an Stabilität gewinnt, desto besser. Du kannst in Liga 3 nur im Verbund bestehen. Cottbus ist sehr gut gestartet, sie haben ihren Kader im Sommer kaum verändert – aber das Team funktioniert.

Ich habe den Eindruck, dass es den meisten gelingt, das auf diesen beiden Ebenen zu betrachten. Beide haben ihre absolute Berechtigung. Ich selbst rechne mit einer guten Saison, an deren Ende wir irgendwo zwischen dem 5. und dem 8. Tabellenplatz stehen. 2019/2020 geht es dann zurück in die zweite Liga.

Pedersen baut auf einige erfahrene Spieler und eine Menge Talente

Acht Zugänge, zwölf Abgänge – der Kader wurde nach dem Abschied heftig durchgeschüttelt. Konnte Trainer Pedersen schon eine Stammelf etablieren? 

Mit den Leuten, die wir aus dem Nachwuchs hochgezogen haben, sind es sogar 18 neue Spieler bei den Profis. Was das zarte Durchschnittsalter von 22,6 Jahren erklärt. Pedersen hat sich ein Gerüst von erfahrenen Spielern zusammengestellt, im Zentrum steht Kapitän und Wunschspieler Stephan Fürstner, der von Union Berlin kam. Er spielt im defensiven Mittelfeld vor der anderen Säule, Frederik Tingager. Der Innenverteidiger lief zuletzt an der Seite von Gustav Valsik auf. Der Spieler hatte sich erst verweigert, im Verein zu bleiben – der Trainer scheint aber Überzeugungsarbeit geleistet zu haben. Ich gehe nicht davon aus, dass er nur zu Schaufensterzwecken aufgestellt wird. Im Sturm steht mit Philipp Hofmann der nächste erfahrene Profi. Auf dem Flügel ist Onur Bulut gesetzt, der rennwütige Außen kam im Winter vom SC Freiburg und macht in der dritten Liga ordentlich Wirbel. Außerdem ist Torhüter Marcel Engelhardt gesetzt, der uns sowohl schon Punkte gerettet als auch gekostet hat. Alle anderen Positionen sind noch nicht abschließend vergeben.

Wandspieler Philipp Hofmann (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Neuer Trainer, neuer Kader – kann man schon sagen, was die Stärken und Schwächen des Teams sind?

Nach den ersten Spielen hätte ich gesagt, dass die Offensive eine Schwäche aufgrund der fehlenden Treffsicherheit ist. Uns fehlt ein Knipser. Hofmann funktioniert als Wandspieler hervorragend, leider fehlt aber meist jemand, der die abgelegten Bälle abnehmen und erfolgreich verarbeiten könnte. Nun haben wir im letzten Ligaspiel in Wiesbaden offensiv überragend gespielt, drei Tore erzielt und  lagen bequem in Führung. Dann kassierte die Mannschaft in der Schlussphase eine gelb-rote Karte und nach zwei Toren Vorsprung sogar noch den Ausgleich. Die Abstimmung ist vorne sowie hinten noch nicht ideal. Dazu kommt, dass Pedersen von jedem Spieler hohe Einsatz- und Laufbereitschaft fordert. Lässt auch nur ein Spieler nach, gerät das ganze Team ins Schwimmen. Alles in allem denke ich, ist es eine Kombination aus fehlender Eingespieltheit und Unerfahrenheit, die uns aktuell immer wieder auf die Füße fällt.

Stürmer Philipp Hofmann hat in den letzten beiden Ligaspielen mächtig aufgedreht (2 Tore und 1 Assist) – kann er auch gegen Hertha BSC treffen?

Ich halte Hofmann für enorm wichtig für unser Spiel. Er ist fleißig, führt in der Offensive, zieht Gegenspieler auf sich und besticht durch seine wuchtige Physis. Ob er sich bei uns zum Goalgetter mausert, wird sich zeigen. Ich interpretiere ihn mehr als Vorlagengeber, der schon enorm gut in Szene gesetzt werden muss (wie beim 1:0 in Wiesbaden von Franjic), um aus dem Spiel heraus zu treffen. Ich lasse mich aber gerne eines besseren Belehren.

Auf welche Spieler muss Hertha noch besonders achten?

Kann Unaufmerksamkeiten sofort bestrafen: Onur Bulut (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Die Hertha sollte darauf achten, die Flügel nicht ins Laufen kommen zu lassen. Ich gehe stark davon aus, dass Bulut spielen wird. Er verfügt über Bundesligaerfahrung, ist sich für keinen Weg zu schade und enorm schnell. Kleine Unaufmerksamkeiten, die davon ausgehen, dass dieser oder jener Ball sowieso nicht mehr erreicht wird, kann er sofort bestrafen. Wer auf dem anderen Flügel spielt, wird sich zeigen. Der junge Malte Amundsen (20 Jahre) macht seine Sache dort ordentlich, ich mag seine schnörkellose Spielart sehr. Ob er gegen Bundesligaspieler bestehen wird, kann ich nicht abschätzen.

Volles Haus und Flutlicht – Braunschweig hat enorm Bock auf Hertha BSC

Kommt das Pokalspiel gegen einen Erstligisten nach dem durchwachsenen Saisonstart zur Unzeit oder ist es für euch die perfekte Gelegenheit für einen kleinen „Neustart“?

Auf alle Fälle! In Braunschweig haben alle enorm Bock vor vollem Haus unter Flutlicht gegen einen prominenten Gegner zu spielen. Das Spiel nicht machen zu müssen ist eine dankbare Position, von der ich hoffe, dass wir sie stabil und einigermaßen souverän bekleiden werden. Wir haben wenig Druck und große Unterstützung. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Begegnung – fast egal, wie sie ausgeht – nochmal einen motivierenden Schub für die Liga geben wird.

Pedersen scheint ein 4-3-3 zu präferieren. Wird das System auch gegen die Hertha zum Einsatz kommen?

Davon gehe ich sehr stark aus. In der ersten Pressekonferenz hat er das als sein System vorgestellt. Ich denke nicht, dass er davon abweichen wird. Das Team wurde über die gesamte Vorbereitung genau darauf eingestellt.

Die Ex-Unioner Fürstner und Pedersen (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Haben die beiden Ex-Unioner Pedersen und Fürstner schon kundgetan, ob das Spiel gegen Hertha für sie nochmal etwas besonderer ist?

Davon habe ich bisher nichts gehört. Aber die Vorbereitung für das Spiel laufen auch erst seit Donnerstag, weil wir Mittwochabend im Niedersachsenpokal angetreten sind. Vielleicht finden sich in den kommenden Tagen Interviews mit den beiden, in denen sie über dieses Verhältnis sprechen.

Welche Stärken siehst du bei Hertha, die für Braunschweig eine besondere Gefahr darstellen könnten?

Ich setze ganz auf Underdog-Karte: Wir sind individuell weniger gut besetzt, das Tempo in der 3. Liga ist langsamer und die Zweikämpfe werden auf weiterem Raum geführt. Dazu kommt, dass wir eben nicht diese eingespielte Truppe sind, die es dem Bundesligisten, der noch ohne Pflichtspiel ist, durch Geschlossenheit schwer machen könnte. Hinzu kommt, dass der gesamte Kader nur wenig Profi-Erfahrung hat. Ich fürchte, dass wir ein konzentriertes Hertha nicht vor besonders viele Probleme stellen können.

Wir bedanken uns für dieses sehr aufschlussreiche Interview, Anna.

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