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Valentino Lazaro – Herthas vielseitiger Schlüsselspieler

Der Transfersommer 2017 war aus Herthaner Sicht ein ganz besonderer. Durch den Abgang von John Anthony Brooks, der für rund 18 Millionen Euro den Weg in die Autostadt nahm, ermöglichten sich für Michael Preetz und sein Team ganz neue Möglichkeiten. Plötzlich konnte man Geld in die Hand nehmen – und genau das tat Hertha. Für insgesamt 14 Millionen sicherten sich die Berliner die Dienste von Davie Selke, Mathew Leckie, Karim Rekik und Valentino Lazaro. Letzterer war mit einer Leihgebühr von einer halben Millionen Euro noch ein echtes Schnäppchen. Die festgeschriebene Kaufvereinbarung von 6,5 Millionen Euro wird erst in diesem Sommer fällig. Eine hohe Summe für einen damals 21-jährigen, der bislang nur in der österreichischen Liga kickte. Dass dieser Vertrauensvorschuss nicht zu viel des Guten war, bewies der Nationalspieler aber gleich in seiner ersten Saison.

Lest im letzten Teil unserer Reihe über die kommenden Shooting-Stars, was in diesem Jahr von Lazaro erwartet werden darf:

Lazaro rechtfertigt das Vertrauen

Eine englische Woche sollte für den Österreicher der Durchbruch im blau-weißen Trikot sein. Der Neuzugang aus Salzburg deutete schon zuvor immer mal wieder an, wie viel Talent in ihm schmorte. Doch zumeist ging es über Ansätze nicht hinaus. Oft mangelte es ihm am Gefühl für die richtige Entscheidung, sodass seine unbestreitbaren Qualitäten am Ball in der Regel nicht mehr waren als brotlose Kunst. In einer Vorlage oder gar einem Tor mündeten seine Aktionen nur äußerst selten. Mit dem Spiel gegen Hannover 96 am 16. Spieltag der vergangenen Saison sollte sich genau das schlagartig ändern. Plötzlich war da ein anderer Valentino Lazaro, der endlich unter Beweis stellte, welch vielseitige Qualitäten in ihm schlummern. Auf einmal war da dieser unbedingte Zug zum Tor, das Bewusstsein für den richtigen Zeitpunkt des Abspiels und eine unnachahmliche Genauigkeit im Flankenspiel. So leitete Lazaro das 1:0 mit einem Flankenwechsel ein, wie man ihn sonst nur von Toni Kroos kennt: einmal quer über das gesamte Feld genau auf den Fuß von Pekarik. Diese Fähigkeit war es auch, die ihn im darauffolgenden Spiel bei RB Leipzig zum stillen Helden machen sollte. So bereitete er sowohl das Tor von Kalou nach Freistoß als auch das von Selke nach einem Eckball vor und war damit maßgeblich am Sensationssieg zum Hinrundenabschluss beteiligt. Pünktlich zur Rückrundenvorbereitung war Valentino Lazaro damit nach holprigem Start endgültig in der Hauptstadt angekommen.

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas Lichtblick in einer enttäuschenden Rückrunde

Hertha beendete die Hinrunde damals mit 24 Punkten und gerade einmal vier Punkten Rückstand auf die Champions League-Plätze. Nicht wenige träumten aufgrund der wegfallenden Dreifachbelastung davon, dass die Alte Dame nun wieder oben angreifen könne. Der Ausgang ist bekannt: Einmal mehr enttäuschte Herthas Punkteausbeute in der Rückrunde auf ganzer Linie. Erschwerend hinzu kam noch, dass man mit ganz wenigen Ausnahmen auch noch erschreckend schlechten Fußball spielte. Einer der wenigen Hoffnungsschimmer in Herthas sonst so tristem Spiel war Lazaro. Gefühlt ging in diesem Zeitraum jede Offensivaktion über den quirligen Österreicher. Besonders herausstechend ist dabei die Vielseitigkeit Lazaros. Im Laufe der Rückrunde bekleidete er in der offensiven Dreierreihe jede Position und rochiert auch während des Spiels sehr oft. So wurde er zum Beispiel im Spiel gegen den 1. FC Köln nach einer unterirdischen Vorstellung von Mitchell Weiser zur zweiten Halbzeit nach rechts hinten gezogen. Prompt hatte das Spiel eine andere Dynamik. Diese Vielseitigkeit ist neben seinen Qualitäten mit und gegen den Ball ein wichtiger Grund dafür, warum Lazaro für Pal Dardai in diesem Jahr unverzichtbar sein wird. Denn egal, welches System der Ungar bevorzugen wird: An Valentino Lazaro kommt er nicht vorbei.

Ein Anführer auch neben dem Platz

Lazaro geht auf und neben dem Platz voran. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Doch nicht nur auf dem Platz ist Lazaro eine Schlüsselfigur für Hertha. Trotz seines jungen Alters hat er sich schon des Öfteren als Lautsprecher hervorgetan: So sagte er, nachdem Hertha es zum wiederholten Male nicht schaffte, mit einem machbaren Sieg den Anschluss an die oberen Plätze herzustellen: „Ich habe das Gefühl, wir verkacken es richtig in den Spielen, in denen man sich Raum schaffen kann. Und dann wenn der Hut brennt, sind wir auf einmal da und gewinnen die Spiele. Das war schon drei vier Mal so. Jedes Mal wenn wir die Chance gegen einen kleineren Gegner haben, verkacken wir es.“ Diese Aussagen zeigen, wie gierig Lazaro nach Erfolg ist und dass er sich nicht scheut, Probleme zu benennen. Gerade in einer Mannschaft mit so vielen jungen Spielern braucht es solche Charaktere.

Komplette Vorbereitung als Schlüssel

Ein Grund dafür, wieso man in dieser Saison von Lazaro noch mehr erwarten darf als im Vorjahr, liegt darin, dass er jetzt eine ganze Vorbereitung mit dem Team hat. Nach seiner Ankunft im letzten Sommer verpasste er die ersten sieben Partien mit einem Außenbandanriss. Danach dauerte es seine Zeit, bis er mit dem Rest des Teams harmonisierte. Derartige Anlaufschwierigkeiten sind nun nicht zu erwarten. Bleibt er verletzungsfrei, ist er der Spieler, der den Unterschied in der kommenden Saison machen kann. Auch er selbst setzt sich hohe Ziele. So sagt er gegenüber dem Tagesspiegel: „Es wäre schön, wenn meine Scorer-Werte im zweistelligen Bereich liegen.“ Angesichts seiner starken Debüt-Saison kann man dieses Ziel fast schon unterambitioniert nennen.

 

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Der Transfersommer 2017 war aus Herthaner Sicht ein ganz besonderer. Durch den Abgang von John Anthony Brooks, der für rund 18 Millionen Euro den Weg in die Autostadt nahm, ermöglichten sich für Michael Preetz und sein Team ganz neue Möglichkeiten. Plötzlich konnte man Geld in die Hand nehmen – und genau das tat Hertha. Für insgesamt 14 Millionen sicherten sich die Berliner die Dienste von Davie Selke, Mathew Leckie, Karim Rekik und Valentino Lazaro. Letzterer war mit einer Leihgebühr von einer halben Millionen Euro noch ein echtes Schnäppchen. Die festgeschriebene Kaufvereinbarung von 6,5 Millionen Euro wird erst in diesem Sommer fällig. Eine hohe Summe für einen damals 21-jährigen, der bislang nur in der österreichischen Liga kickte. Dass dieser Vertrauensvorschuss nicht zu viel des Guten war, bewies der Nationalspieler aber gleich in seiner ersten Saison.

Lest im letzten Teil unserer Reihe über die kommenden Shooting-Stars, was in diesem Jahr von Lazaro erwartet werden darf:

Lazaro rechtfertigt das Vertrauen

Eine englische Woche sollte für den Österreicher der Durchbruch im blau-weißen Trikot sein. Der Neuzugang aus Salzburg deutete schon zuvor immer mal wieder an, wie viel Talent in ihm schmorte. Doch zumeist ging es über Ansätze nicht hinaus. Oft mangelte es ihm am Gefühl für die richtige Entscheidung, sodass seine unbestreitbaren Qualitäten am Ball in der Regel nicht mehr waren als brotlose Kunst. In einer Vorlage oder gar einem Tor mündeten seine Aktionen nur äußerst selten. Mit dem Spiel gegen Hannover 96 am 16. Spieltag der vergangenen Saison sollte sich genau das schlagartig ändern. Plötzlich war da ein anderer Valentino Lazaro, der endlich unter Beweis stellte, welch vielseitige Qualitäten in ihm schlummern. Auf einmal war da dieser unbedingte Zug zum Tor, das Bewusstsein für den richtigen Zeitpunkt des Abspiels und eine unnachahmliche Genauigkeit im Flankenspiel. So leitete Lazaro das 1:0 mit einem Flankenwechsel ein, wie man ihn sonst nur von Toni Kroos kennt: einmal quer über das gesamte Feld genau auf den Fuß von Pekarik. Diese Fähigkeit war es auch, die ihn im darauffolgenden Spiel bei RB Leipzig zum stillen Helden machen sollte. So bereitete er sowohl das Tor von Kalou nach Freistoß als auch das von Selke nach einem Eckball vor und war damit maßgeblich am Sensationssieg zum Hinrundenabschluss beteiligt. Pünktlich zur Rückrundenvorbereitung war Valentino Lazaro damit nach holprigem Start endgültig in der Hauptstadt angekommen.

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas Lichtblick in einer enttäuschenden Rückrunde

Hertha beendete die Hinrunde damals mit 24 Punkten und gerade einmal vier Punkten Rückstand auf die Champions League-Plätze. Nicht wenige träumten aufgrund der wegfallenden Dreifachbelastung davon, dass die Alte Dame nun wieder oben angreifen könne. Der Ausgang ist bekannt: Einmal mehr enttäuschte Herthas Punkteausbeute in der Rückrunde auf ganzer Linie. Erschwerend hinzu kam noch, dass man mit ganz wenigen Ausnahmen auch noch erschreckend schlechten Fußball spielte. Einer der wenigen Hoffnungsschimmer in Herthas sonst so tristem Spiel war Lazaro. Gefühlt ging in diesem Zeitraum jede Offensivaktion über den quirligen Österreicher. Besonders herausstechend ist dabei die Vielseitigkeit Lazaros. Im Laufe der Rückrunde bekleidete er in der offensiven Dreierreihe jede Position und rochiert auch während des Spiels sehr oft. So wurde er zum Beispiel im Spiel gegen den 1. FC Köln nach einer unterirdischen Vorstellung von Mitchell Weiser zur zweiten Halbzeit nach rechts hinten gezogen. Prompt hatte das Spiel eine andere Dynamik. Diese Vielseitigkeit ist neben seinen Qualitäten mit und gegen den Ball ein wichtiger Grund dafür, warum Lazaro für Pal Dardai in diesem Jahr unverzichtbar sein wird. Denn egal, welches System der Ungar bevorzugen wird: An Valentino Lazaro kommt er nicht vorbei.

Ein Anführer auch neben dem Platz

Lazaro geht auf und neben dem Platz voran. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Doch nicht nur auf dem Platz ist Lazaro eine Schlüsselfigur für Hertha. Trotz seines jungen Alters hat er sich schon des Öfteren als Lautsprecher hervorgetan: So sagte er, nachdem Hertha es zum wiederholten Male nicht schaffte, mit einem machbaren Sieg den Anschluss an die oberen Plätze herzustellen: „Ich habe das Gefühl, wir verkacken es richtig in den Spielen, in denen man sich Raum schaffen kann. Und dann wenn der Hut brennt, sind wir auf einmal da und gewinnen die Spiele. Das war schon drei vier Mal so. Jedes Mal wenn wir die Chance gegen einen kleineren Gegner haben, verkacken wir es.“ Diese Aussagen zeigen, wie gierig Lazaro nach Erfolg ist und dass er sich nicht scheut, Probleme zu benennen. Gerade in einer Mannschaft mit so vielen jungen Spielern braucht es solche Charaktere.

Komplette Vorbereitung als Schlüssel

Ein Grund dafür, wieso man in dieser Saison von Lazaro noch mehr erwarten darf als im Vorjahr, liegt darin, dass er jetzt eine ganze Vorbereitung mit dem Team hat. Nach seiner Ankunft im letzten Sommer verpasste er die ersten sieben Partien mit einem Außenbandanriss. Danach dauerte es seine Zeit, bis er mit dem Rest des Teams harmonisierte. Derartige Anlaufschwierigkeiten sind nun nicht zu erwarten. Bleibt er verletzungsfrei, ist er der Spieler, der den Unterschied in der kommenden Saison machen kann. Auch er selbst setzt sich hohe Ziele. So sagt er gegenüber dem Tagesspiegel: „Es wäre schön, wenn meine Scorer-Werte im zweistelligen Bereich liegen.“ Angesichts seiner starken Debüt-Saison kann man dieses Ziel fast schon unterambitioniert nennen.

 

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