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Hertha BSC – 1. FC Nürnberg: Schon wieder ein Aufsteiger

Das Warten hat endlich ein Ende. Nach viel zu langer Sommerpause, die auch die WM nur bedingt erträglich machte, steht nun wieder die Bundesliga auf dem Programm. Die Generalprobe für den Saisonstart glückte mit dem Weiterkommen in Braunschweig. Nun heißt es, mit einem Sieg zum Auftakt den Grundstein für eine hoffentlich sorgenfreie Saison zu legen. Der 1. FC Nürnberg ist für dieses Vorhaben nicht der ungeeignetste Gegner.

Für unseren ersten Bundesliga-Vorbericht der neuen Spielzeit haben wir uns vor der ersten Runde des DFB-Pokals mit Nürnberg-Fan und Blogger Steffen unterhalten. Der Experte für den FCN verrät uns, wie der „Glubb“ in der ersten Liga auftreten wird und warum man auf dem Transfermarkt bisher so zurückhaltend agiert.  

Herthas Glück mit dem Spielplan

Wie schon in den vergangenen beiden Jahren meinen es die Spielplaner der DFL vermeintlich gut mit Hertha. Bereits in den Saisons 2016/2017 sowie 2017/2018 startete man mit einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger. Beide Spiele entschied Hertha am Ende für sich. Oft müssen sich die Neuankömmlinge der Bundesliga in dieser Frühphase erst noch an die höhere Qualität der Gegner gewöhnen. Gleichwohl darf man nicht vergessen, dass sowohl 2016 (2:1 gegen Freiburg) als auch 2017 (2:0 gegen Stuttgart) eine gehörige Portion Glück dazu kam. Dennoch spricht einiges dafür, dass Hertha auch am Samstag wieder mit drei Punkten in die neue Spielzeit startet.

Der 1. FC Nürnberg – Nach vier Jahren wieder erstklassig

Nach vierjähriger Pause darf sich der 1. FC Nürnberg wieder Erstiligist nennen. (Photo by Christof STACHE / AFP)

Nach vierjähriger Abstinenz ist der 1. FC Nürnberg wieder Erstligist. In einer Saison, in der es zur Abwechslung mal keinen klaren Aufstiegsfavoriten gab, gelang es den Franken, die Gunst der Stunde zu nutzen. Als Grund für den Aufstieg führt unser Interviewpartner Steffen vor allem die Ausgewogenheit zwischen dem Spiel nach vorn und der defensiven Stabilität an: „Natürlich liest es sich schön, dass wir mit 61 Toren nach Kiel (71) die meisten Tore geschossen haben, aber wir haben auch die zweitwenigsten Gegentore (39) bekommen nach Sandhausen (sechs weniger.) Das zeigt, dass vor allem die Abstimmung perfektioniert wurde und darin der Grundbaustein für den Bundesliga-Aufstieg gelegt wurde.“ Geht es nach Steffen, soll dieser Spielstil in der ersten Liga nicht komplett umgedreht werden, auch wenn sich natürlich an das höhere Niveau angepasst werden muss. Damit auch im Oberhaus die Durchschlagskraft im Angriffsspiel gewährleistet wird, ist vor allem Mikael Ishak der entscheidende Mann. In 28 Partien war der Schwede im Vorjahr an 20 Toren direkt beteiligt und damit maßgeblich für den Aufstieg verantwortlich. Dass sich in der Sommerpause an seiner Torgefahr nichts geändert hat, bewies Ishak am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal. Beide Tore zum 2:1-Sieg der Nürnberger über den SV Linx gingen auf sein Konto. Auch die beiden weiteren Mittelstürmer Adam Zrelak, der eines der beiden Tore von Ishak auflegte und den aus Hamburg verpflichteten Törles Knoll stellt unser Interviewpartner lobend heraus.

Die Frage nach der Bundesligatauglichkeit

In den anderen Mannschaftsteilen muss der Beweis, dass die Qualität für die Bundesliga ausreicht, erst noch angetreten werden. Auf der Torwart-Position verstärkte man sich mit Christian Mathenia vom HSV. Beim Pokalspiel in Linx stand allerdings Fabian Bredlow, der auch über weite Teile der Aufstiegssaison das Tor hütete, im Kasten. Er dürfte also derzeit die Nase vorn haben im Duell mit dem erfahrenerem Mathenia. In der Abwehrreihe sowie dem zentralen Mittelfeld sieht unser Experte den “Glubb” gut aufgestellt. So haben die Nürnberger unter anderem in der Schaltzentrale mit dem deutschen U21-Nationalspieler Eduard Löwen einen spannenden Mann in den eigenen Reihen, der in seinem jungen Alter nun immerhin schon seit 1 1/2 Jahren Stammspieler ist und in der letzten Saison an neun Treffern beteiligt war. Auch Kapitän Hanno Behrens sollte man im Auge behalten. Der Mittelfeldspieler erzielte in der zurückliegenden Spielzeit beachtenswerte 14 Treffer und legte weitere 4 auf. Der Schuh drückt derweil vor allem auf den offensiven Außenbahnen, “da man dort derzeit mit Kerk (verpasste fast die komplette letzte Saison mit einem Achillessehnenriss) und Salli (Zweifel an der Bundesligatauglichkeit) nur sehr, sehr dünn besetzt ist.” Das zeigt ein Problem auf, das sich Hertha und Nürnberg in diesem Jahr teilen.

Gerade die Unterfahrenheit seines Kaders könnte für Trainer Köllner zum Problem werden. (CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Vereint in der Transfer-Problematik

Sowohl Hertha als auch Nürnberg haben im Sommer sehr begrenzten Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt. Während man bei Hertha lange auf einen Geldregen aus England für Plattenhardt zu hoffen schien, um Budget für neue Spieler frei zu machen, wächst auch bei den Franken das Geld nicht auf Bäumen. So standen “laut Sportvorstand Andreas Bornemann zu Beginn der Transferperiode 4 Millionen Euro für 5,6 oder 7 Neuzugänge zur Verfügung.” Gestandene Bundesligaspieler, die sofort weiterhelfen, lassen sich mit diesen Mitteln nur sehr schwer nach Nürnberg locken. Zwar schaffte man es, Robert Bauer von Werder Bremen loszueisen. Davon abgesehen haben aber nur fünf Spieler im Kader überhaupt schon mal Bundesligaluft geschnuppert. Bei dem Großteil dieser Spieler ging es dabei zudem über eine Handvoll Kurzeinsätze nicht hinaus.

So sind die Franken, ähnlich wie Hertha, darauf angewiesen, kreativ zu werden und darauf zu warten, dass interessante Spieler frei werden, die nicht zuvor von wirtschaftlich potenteren Vereinen unter Vertrag genommen wurden. Gerade für den FCN ist diese Methode, auch aufgrund der unklaren Perspektive des Vereins, “unausweichlich”. Ein Akteur, der in diese Kategorie eingeordnet werden kann, ist Yuya Kubo. Der Wechsel des japanischen Nationalspielers wurde kurz nach unserem Interview mit Steffen bekannt gegeben und ist eben ein solcher kreativer Transfer. Es bleibt abzuwarten, ob bis zum 31.08. (Schließung des Transferfensters) noch weitere Verpflichtungen dieser Art folgen.

Auftakt geglückt

Die Vorzeichen vor dem ersten Spieltag könnten bei beiden Teams schlechter sein. Sowohl in Nürnberg als auch bei Hertha darf man sich über die überraschenden Zugänge Kubo (Nürnberg) und Grujic (Hertha) freuen. Zudem erfüllte beide Vereine ihre Pflicht im Pokal und zogen in die nächste Runde ein. Bei Hertha schmerzt zwar der Ausfall von Davie Selke, jedoch darf der Blick auf eine andere Personalie Hoffnung geben. Ondrej Duda, der nun in sein drittes Jahr an der Spree geht und endlich den Durchbruch schaffen will, zeigte eine gute Vorbereitung und glänzte auch gegen Braunschweig, als er mit einem hohen Ball die gesamte Abwehr aushebelte und somit das 2:1 einleitete. Gemeinsam mit Arne Maier bildete er das vielleicht offensivste Duo, das Hertha in der Zentrale unter Pal Dardai je hatte. Zwar merkte man, dass noch längst nicht alle Abläufe stimmten. Dennoch ist diese Konstellation eine Variante, die durchaus vielversprechend sein kann. Es spricht in jedem Fall einiges dafür, dass an der Kombination gegen den FCN nichts geändert wird.

Eure Meinung ist gefragt! Kann Hertha, wie schon in den letzten beiden Jahren, wieder drei Punkte gegen einen Aufsteiger einfahren? Wie schätzt ihr den 1. FC Nürnberg ein? Lasst uns Eure Meinung da!

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Das Warten hat endlich ein Ende. Nach viel zu langer Sommerpause, die auch die WM nur bedingt erträglich machte, steht nun wieder die Bundesliga auf dem Programm. Die Generalprobe für den Saisonstart glückte mit dem Weiterkommen in Braunschweig. Nun heißt es, mit einem Sieg zum Auftakt den Grundstein für eine hoffentlich sorgenfreie Saison zu legen. Der 1. FC Nürnberg ist für dieses Vorhaben nicht der ungeeignetste Gegner.

Für unseren ersten Bundesliga-Vorbericht der neuen Spielzeit haben wir uns vor der ersten Runde des DFB-Pokals mit Nürnberg-Fan und Blogger Steffen unterhalten. Der Experte für den FCN verrät uns, wie der „Glubb“ in der ersten Liga auftreten wird und warum man auf dem Transfermarkt bisher so zurückhaltend agiert.  

Herthas Glück mit dem Spielplan

Wie schon in den vergangenen beiden Jahren meinen es die Spielplaner der DFL vermeintlich gut mit Hertha. Bereits in den Saisons 2016/2017 sowie 2017/2018 startete man mit einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger. Beide Spiele entschied Hertha am Ende für sich. Oft müssen sich die Neuankömmlinge der Bundesliga in dieser Frühphase erst noch an die höhere Qualität der Gegner gewöhnen. Gleichwohl darf man nicht vergessen, dass sowohl 2016 (2:1 gegen Freiburg) als auch 2017 (2:0 gegen Stuttgart) eine gehörige Portion Glück dazu kam. Dennoch spricht einiges dafür, dass Hertha auch am Samstag wieder mit drei Punkten in die neue Spielzeit startet.

Der 1. FC Nürnberg – Nach vier Jahren wieder erstklassig

Nach vierjähriger Pause darf sich der 1. FC Nürnberg wieder Erstiligist nennen. (Photo by Christof STACHE / AFP)

Nach vierjähriger Abstinenz ist der 1. FC Nürnberg wieder Erstligist. In einer Saison, in der es zur Abwechslung mal keinen klaren Aufstiegsfavoriten gab, gelang es den Franken, die Gunst der Stunde zu nutzen. Als Grund für den Aufstieg führt unser Interviewpartner Steffen vor allem die Ausgewogenheit zwischen dem Spiel nach vorn und der defensiven Stabilität an: „Natürlich liest es sich schön, dass wir mit 61 Toren nach Kiel (71) die meisten Tore geschossen haben, aber wir haben auch die zweitwenigsten Gegentore (39) bekommen nach Sandhausen (sechs weniger.) Das zeigt, dass vor allem die Abstimmung perfektioniert wurde und darin der Grundbaustein für den Bundesliga-Aufstieg gelegt wurde.“ Geht es nach Steffen, soll dieser Spielstil in der ersten Liga nicht komplett umgedreht werden, auch wenn sich natürlich an das höhere Niveau angepasst werden muss. Damit auch im Oberhaus die Durchschlagskraft im Angriffsspiel gewährleistet wird, ist vor allem Mikael Ishak der entscheidende Mann. In 28 Partien war der Schwede im Vorjahr an 20 Toren direkt beteiligt und damit maßgeblich für den Aufstieg verantwortlich. Dass sich in der Sommerpause an seiner Torgefahr nichts geändert hat, bewies Ishak am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal. Beide Tore zum 2:1-Sieg der Nürnberger über den SV Linx gingen auf sein Konto. Auch die beiden weiteren Mittelstürmer Adam Zrelak, der eines der beiden Tore von Ishak auflegte und den aus Hamburg verpflichteten Törles Knoll stellt unser Interviewpartner lobend heraus.

Die Frage nach der Bundesligatauglichkeit

In den anderen Mannschaftsteilen muss der Beweis, dass die Qualität für die Bundesliga ausreicht, erst noch angetreten werden. Auf der Torwart-Position verstärkte man sich mit Christian Mathenia vom HSV. Beim Pokalspiel in Linx stand allerdings Fabian Bredlow, der auch über weite Teile der Aufstiegssaison das Tor hütete, im Kasten. Er dürfte also derzeit die Nase vorn haben im Duell mit dem erfahrenerem Mathenia. In der Abwehrreihe sowie dem zentralen Mittelfeld sieht unser Experte den “Glubb” gut aufgestellt. So haben die Nürnberger unter anderem in der Schaltzentrale mit dem deutschen U21-Nationalspieler Eduard Löwen einen spannenden Mann in den eigenen Reihen, der in seinem jungen Alter nun immerhin schon seit 1 1/2 Jahren Stammspieler ist und in der letzten Saison an neun Treffern beteiligt war. Auch Kapitän Hanno Behrens sollte man im Auge behalten. Der Mittelfeldspieler erzielte in der zurückliegenden Spielzeit beachtenswerte 14 Treffer und legte weitere 4 auf. Der Schuh drückt derweil vor allem auf den offensiven Außenbahnen, “da man dort derzeit mit Kerk (verpasste fast die komplette letzte Saison mit einem Achillessehnenriss) und Salli (Zweifel an der Bundesligatauglichkeit) nur sehr, sehr dünn besetzt ist.” Das zeigt ein Problem auf, das sich Hertha und Nürnberg in diesem Jahr teilen.

Gerade die Unterfahrenheit seines Kaders könnte für Trainer Köllner zum Problem werden. (CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images)

Vereint in der Transfer-Problematik

Sowohl Hertha als auch Nürnberg haben im Sommer sehr begrenzten Handlungsspielraum auf dem Transfermarkt. Während man bei Hertha lange auf einen Geldregen aus England für Plattenhardt zu hoffen schien, um Budget für neue Spieler frei zu machen, wächst auch bei den Franken das Geld nicht auf Bäumen. So standen “laut Sportvorstand Andreas Bornemann zu Beginn der Transferperiode 4 Millionen Euro für 5,6 oder 7 Neuzugänge zur Verfügung.” Gestandene Bundesligaspieler, die sofort weiterhelfen, lassen sich mit diesen Mitteln nur sehr schwer nach Nürnberg locken. Zwar schaffte man es, Robert Bauer von Werder Bremen loszueisen. Davon abgesehen haben aber nur fünf Spieler im Kader überhaupt schon mal Bundesligaluft geschnuppert. Bei dem Großteil dieser Spieler ging es dabei zudem über eine Handvoll Kurzeinsätze nicht hinaus.

So sind die Franken, ähnlich wie Hertha, darauf angewiesen, kreativ zu werden und darauf zu warten, dass interessante Spieler frei werden, die nicht zuvor von wirtschaftlich potenteren Vereinen unter Vertrag genommen wurden. Gerade für den FCN ist diese Methode, auch aufgrund der unklaren Perspektive des Vereins, “unausweichlich”. Ein Akteur, der in diese Kategorie eingeordnet werden kann, ist Yuya Kubo. Der Wechsel des japanischen Nationalspielers wurde kurz nach unserem Interview mit Steffen bekannt gegeben und ist eben ein solcher kreativer Transfer. Es bleibt abzuwarten, ob bis zum 31.08. (Schließung des Transferfensters) noch weitere Verpflichtungen dieser Art folgen.

Auftakt geglückt

Die Vorzeichen vor dem ersten Spieltag könnten bei beiden Teams schlechter sein. Sowohl in Nürnberg als auch bei Hertha darf man sich über die überraschenden Zugänge Kubo (Nürnberg) und Grujic (Hertha) freuen. Zudem erfüllte beide Vereine ihre Pflicht im Pokal und zogen in die nächste Runde ein. Bei Hertha schmerzt zwar der Ausfall von Davie Selke, jedoch darf der Blick auf eine andere Personalie Hoffnung geben. Ondrej Duda, der nun in sein drittes Jahr an der Spree geht und endlich den Durchbruch schaffen will, zeigte eine gute Vorbereitung und glänzte auch gegen Braunschweig, als er mit einem hohen Ball die gesamte Abwehr aushebelte und somit das 2:1 einleitete. Gemeinsam mit Arne Maier bildete er das vielleicht offensivste Duo, das Hertha in der Zentrale unter Pal Dardai je hatte. Zwar merkte man, dass noch längst nicht alle Abläufe stimmten. Dennoch ist diese Konstellation eine Variante, die durchaus vielversprechend sein kann. Es spricht in jedem Fall einiges dafür, dass an der Kombination gegen den FCN nichts geändert wird.

Eure Meinung ist gefragt! Kann Hertha, wie schon in den letzten beiden Jahren, wieder drei Punkte gegen einen Aufsteiger einfahren? Wie schätzt ihr den 1. FC Nürnberg ein? Lasst uns Eure Meinung da!

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