BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 1. Spieltag: Hertha BSC – 1. FC Nürnberg

Der Saisonstart von Hertha BSC verläuft weiterhin nach Maß – zumindest wenn es um die Ergebnisse geht. Auf das Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig (2:1) folgte nun am ersten Bundesliga-Spieltag ein 1:0-Erfolg über den 1. FC Nürnberg. Die drei Heimpunkte gegen den Aufsteiger waren verdient, dennoch kann man von keinem durchweg guten Auftritt der Mannschaft reden. Es fehlte in gewissen Spielphasen an Selbstverständnis und Präsenz. Es folgt die erste Einzelkritik der Saison 2018/19.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Herthas Schlussmann durfte sich nach dem Schlusspfiff verdientermaßen feiern lassen. Er war einer der Hauptgründe dafür, dass die drei Punkte in Berlin blieben.

Und das zunächst einmal weniger durch Paraden, als viel mehr durch seine generelle Strafraumpräsenz. Der Norweger fing ganze fünf Nürnberger Hereingaben ab, wirkte dabei stets sicher. Insgesamt drei Torschüsse kamen direkt auf den Kasten Jarsteins, doch nur die Chance von Kubo war wirklich gefährlich. Hier machte der 33-jährige Routinier souverän das kurze Eck zu und wehrte somit auch diese gegnerische Möglichkeit ab. Seine beste Szene hatte Jarstein natürlich in der 84. Minute, als er den von Ishak getretenen Elfmeter hielt. Sicherlich war der Strafstoß nicht sonderlich gut geschossen, aber die richtige Ecke zu ahnen, muss dennoch gelobt werden.

Eine starke erste Bundesliga-Partie 18/19 des Keepers, der seinem Team die drei Punkte sicherte.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Gegen seinen Ausbildungsverein absolvierte Niklas Stark eine souveräne Partie.

Herthas Dreierkette hält – das bewiesen die drei Innenverteidiger auch gegen die Clubberer. Auch Stark konnte sich in einigen Momenten beweisen und sorgte mit dem unfreiwilligen Tackling gegen Nürnbergs Trainer Michael Köllner für die ulkigste Szene des Spiels. Der 23-Jährige gewann knapp über die Hälfte seiner Zweikämpfe, konnte sich aber vor allem im Antizipieren von Situationen hervortun. So konnte er ein paar Bälle abfangen und von Nürnberg eingeleitete Angriffe im Keim ersticken. Dabei kam ihm auch seine überdurchschnittliche Grundschnelligkeit zu gute. Immer wieder fiel Stark durch gute Tacklings/Grätschen auf, wurde über die komplette Laufzeit der Partie aber nur wenig gefordert.

In der 57. Minute wurde er allerdings zu leicht vom quirligen Kubo ausgespielt, der daraufhin beinahe den Ausgleich schoss, doch Jarstein konnte parieren. Sieben Minuten zuvor hatte Stark selbst die Chance auf ein Tor, konnte den gut getretenen Freistoß von Marvin Plattenhardt allerdings nicht verwerten. Seinen Kopfball hielt Nürnbergs Torhüter Bredlow.

Eine insgesamt ordentliche Leistung von Stark, der seine Aufgaben stets mit Ruhe löste und auch ein paar gute Bälle ins Angriffsdrittel spielte.

Karim Rekik – Note: 3

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der Niederländer agierte ziemlich unauffällig, nur sein verursachter Elfmeter rückte ihn kurz in den Mittelpunkt der Begegnung.

Gerade einmal sechs Zweikämpfe führte Rekik im gesamten Spiel. Da die Gastmannschaft es vor allem über die Flügel probierte, blieb der Innenverteidiger oftmals ohne direkte Duelle. Vielmehr war Rekik als Organisator von Nöten, der seine Nebenmänner koordinierte, um die richtigen Abstände zu halten. Rekik war am Samstag also eher kommunikativ eingebunden. Auch als zentraler Passgeber der Dreierkette hat er eine besondere Aufgabe im Spiel. Die erfüllte er recht unspektakulär, aber immerhin mit einer 95%igen Passquote.

Dennoch lesen sich seine Zahlen nicht verkehrt. Vier klärende Aktionen, fünf gewonnene Duelle und drei abgefangene Bälle zeigen, dass Rekik da war, wenn man ihn brauchte. Zudem hatte er wie Stark eine gute Torchance nach einem Berliner Standard. Den verursachten Elfmeter in der 82. Minute legen wir dem 23-Jährigen nicht negativ aus, eine sehr kleinlich entschiedene Szene.

Unauffällig, ruhig, souverän – man kann sich einen der Begriffe für Beurteilung von Rekiks Auftritt aussuchen.

Jordan Torunarigha – Note: 2

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas Eigengewächs war der auffälligste Defensivspieler des Tages.

Bei Torunarigha ist es bereits ein Genuss, sich seine Statistik anzusehen: er gewann zwölf seiner 15 Zweikämpfe, acht seiner neun Kopfballduelle. Zudem fing er vier Bälle ab, sicherte drei und fing auch drei ab. Zudem fiel der 21-Jährige immer wieder durch starke Tacklings auf.

Die besondere Klasse des Innenverteidigers blitzte fast durchgängig auf, denn er hat er ein besonderes Gefühl für Gefahrensituationen und wie man sie am besten in den Griff bekommt. Trotz seiner vielen Zweikämpfe foulte Torunarigha nur zweimal, er wirkt souveräner als noch in der Vorsaison, in der man ihm oft Ungestümtheit vorwerfen konnte. Am Samstag war kein Vorbeikommen an ihm und sogar nach vorne trug Torunarigha durch gute Pässe und Läufe seinen Teil bei.

Eine wirklich gute Darbietung des jüngsten Mitglieds der Dreierkette. So ist Torunarigha nicht mehr aus der Startelf wegzudenken.

Mittelfeld

Valentino Lazaro – Note: 2+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Es gibt im Offensivspiel Herthas weiterhin keinen Spieler, der solch einen Effekt haben kann wie Valentino Lazaro. Auch gegen Nürnberg war er Herthas X-Faktor.

Die Blau-Weißen gaben im Spiel gegen Nürnberg insgesamt zehn Schüsse ab. Sechs (!) davon legte Lazaro auf, aus dem Spiel heraus, wie auch durch gut getretene Standards. Darüber hinaus legte der Österreicher den 1:0-Siegtreffer in überragender Manier auf. Er dribbelte Nürnbergs Leibold sehr ansehnlich aus, ließ sich auch nicht mehr einfangen und schob den Ball zum freistehenden Ibisevic, der nur noch den Fuß hinhalten brauchte.

Sicherlich gab es Phasen in der Partie, in denen dem 22-Jährigen nicht alles gelingen wollte oder er etwas untertauchte (besonders nachdem er umgeknickt war), aber unterm Strich war es eine einmal mehr beeindruckende Vorstellung von ihm. Er vernachlässigte auch seine Defensivaufgaben im 3-4-3-System nicht und gewann über die Hälfte seiner Zweikämpfe. Mit einer Laufleistung von knapp elf Kilometern war er der drittfleißigste Herthaner. Außerdem kam Lazaro auf 70 Ballkontakte, war somit der am zweithäufigsten angespielte Herthaner an jenem Tag.

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Nach seinem Traumtor im DFB-Pokal ließ es Plattenhardt gegen Ex-Verein Nürnberg etwas ruhiger angehen. Wohl zu ruhig.

Es war sicherlich keine schlechte Partie des Nationalspielers, aber eine gute eben auch nicht. Dafür zeigte sich “Platte” im Spiel nach vorne nicht mutig genug. Immer wieder hätte er Platz zum laufen/passen gehabt, entschied sich aber für die Drehung Richtung eigenem Tor und spielte den Ball zurück zu einem Innenverteidiger. Das verschleppt das Tempo und ist meistens nicht wirklich zielführend. Wenn es über den 26-Jährigen gefährlich wurde, dann durch Standardsituationen. Insgesamt zwei gute Chancen legte er durch ruhende Bälle auf.

Defensiv kann ihm gewohnt nicht viel vorwerfen. 60% gewonnene Duelle, acht Ballsicherungen, drei klärende Aktionen und ein abgefangener Ball sprechen für eine sichere Abwehrleistung.

Nach seinem Distanzkracher gegen Braunschweig hatte man sich erhofft, dass Plattenhardt weiter forsch nach vorne spielt. Diese Hoffnung löste sich gegen Nürnberg in Luft auf. Eine solide Leistung, nicht mehr.

Arne Maier – Note: 3+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Herthas Mittelfeldjuwel zeigte einmal mehr in Ansätzen, auf was sich die Berliner Fans in dieser Saison freuen können.

“Da Pal Dardai das Bild vom Schach gebrauchte: Maier und Duda sind die beiden Springer im System von Hertha. Und zwar an dem neuralgischen Punkt im Spiel, in der Mitte, wo Lustenberger und Skjelbred zuletzt vor allem wie Bauern agiert haben. Das 3-4-3 hat das zentrale Problem von Hertha aus den letzten Jahren behoben, nämlich die Sterilität in der Zentrale”, schrieb Hertha-Blogger Marxelinho nach dem Spiel am Samstagnachmittag. Richtig, steril war das Spiel vom 19-Jährigen nicht, dafür war am Ende zu viel Spielkultur und Genialität in Ansätzen zu sehen. Exemplarisch ist die Kombination mit Duda in der 91. Minute zu nennen, mit der Maier die gesamte Nürnberger Defensive austanzte.

Maier agierte als balancierendes Element des Spiels, war um Struktur bemüht, ließ aber auch in entscheidenden Spielphasen Dominanz vermissen. Es ist sicherlich hervorzuheben, dass das Eigengewächs mit einer Passquote von 84% und einer Laufleistung von 11,8 Kilometern beeindruckende Zahlen vorzuweisen hat, aber entscheidend ist ja aufm Platz bzw. was man dort sieht. Und dort konnte Maier durch manche Pässe und Läufe auf sich aufmerksam machen, besonders im ersten Durchgang. Im zweiten mangelte es Maier teilweise an Präsenz oder der letzten Konsequenz in seinen Aktionen. Es war zu keinem Zeitpunkt eine schlechte Partie des Mittelfeldspielers, er riss sie nur etwas zu selten an sich.

Eine zufriedenstellende Leistung von Maier, der aber noch in die Rolle hineinwachsen muss, ein Spiel über 90 Minuten zu lenken.

Ondrej Duda – Note: 3-

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

In zweitem Spiel infolge durfte Ondrej Duda von Anfang an ran. Auch gegen Nürnberg konnte er sein Talent aufblitzen lassen, auch wenn es ihm noch Konstanz fehlt.

Zunächst einmal ist es schön zu sehen, dass der Slowake so fit ist, wie noch in seiner Herthaner Zeit. 12,4 (!) Kilometer lief Duda gegen Nürnberg, ein Wert, den sonst nur Darida oder Skjelbred erreichen. Auch seine zahlreichen (gut geführten) Zweikämpfe oder die von den Stadionbesuchern mit Beifall belohnte Aktion, als er eine Nürnberger Flanke mit großem Körpereinsatz noch weggrätschte, lassen Dudas Eifer erkennen. Duda will, aber es klapp noch nicht alles.

So gab es Phasen in der Partie, in denen der 23-Jährige nur wenig am Spiel teilnahm und unsichtbar wirkte. Zwar war stets bemüht, seine Defensivaufgaben zu erfüllen, das spielerische Element ging dabei aber noch unter. Es fehlte etwas die Balance in seinem Spiel, dazu muss er aber auch gesagt werden, dass er viel Verantwortung auf seiner Position übernehmen muss. In einigen Szenen zeigte er seine Klasse durch starke Pässe, gute Körperdrehungen und das Gespür für gefährliche Situationen – es war aber noch zu selten zu sehen. Insgesamt kam er auf eine Torschussvorlage, mehr nicht und das ist ausbaufähig.

Es wird. Duda konnte auch gegen die Franken Ansätze zeigen, es wird aber noch Zeit brauchen, bis er in dem neuen System zu 100% eingespielt ist.

Angriff

Salomon Kalou – Note: 4+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der Ivorer hatte teilweise echt gute Aktionen, insgesamt war er aber zu selten zu sehen.

Kurz vor Schluss, in der 88. Minute wurde Kalou von Pal Dardai ausgewechselt. Diesen Eingriff des Trainers hätte es vielleicht schon früher gebraucht, denn Kalou hatte im zweiten Durchgang nur noch sehr wenig anzubieten.

Im ersten hatte der 33-Jährige hingegen immer wieder gute Momente, da er sich clever zwischen den Abwehrlinien der Nürnberger bewegte und so eine nützliche Anspielstation darstellte. Er zog oftmals die Aufmerksamkeit auf sich, um dann auf den durchstartenden Lazaro zu passen, der dadurch mehr Raum bekam. So war Kalou auch der Spieler, der den vorletzten Pass zum 1:0 spielte. Sein Spiel verflachte jedoch zu schnell, er verlor sehr viele Zweikämpfe und kam nicht in die Räume, um selber gefährliche Abschlüsse zu verzeichnen. Die Begegnung lief in den zweiten 45 Minuten an Kalou vorbei.

Die Rolle von Kalou im neuen 3-4-3 ist durchaus interessant, da er mit seiner unfassbaren Ruhe am Ball Räume öffnen und bedienen kann. Leider fehlte es ihm noch eigenen gefährlichen Szenen.

Maxi Mittelstädt – Note: 4

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

An den Linksaußen geht sicherlich der Fairplay-Preis des Spieltages, ansonsten nahm er aber wenig aus der Partie für sich mit.

Einen Kontakt habe er zwar gespürt, deshalb müsse er aber sich nicht gleich fallen lassen, so Mittelstädt nach der Partie am sky-Mikrofon. Nach diesem Statement ist Neymar erstmal vor Entrüstung die Blondierung aus den Haaren gefallen. Nürnbergs Bauer hatte Ball und Mittelstädt per Grätsche getroffen und hätte sich der Herthaner fallen gelassen, hätte es wohl Strafstoß für die alte Dame gegeben. So wurde nichts draus, aber wir loben natürlich das Ehrgefühl vom Berliner Eigengewächs.

Ansonsten war eine unauffällige Leistung des 21-Jährigen, der an keinem Torschuss direkt beteiligt war und nur wenig offensiven Esprit ausstrahlte. Zwar war Mittelstädt bemüht, nur einfallen wollte ihm nicht viel. So war es nur folgerichtig, in der 72. Minute Dennis Jastrzembski für ihn einzuwechseln, der durch sein Tempo deutlich mehr Betrieb machte.

Stets bemüht – das macht auf dem Zeugnis eine vier und so ist es für Mittelstädt auch in dieser Einzelkritik. Kaum gute, aber auch kaum schlechte Aktionen hatte er vorzuweisen – bei gerade einmal 26 Ballkontakten nicht verwunderlich.

Vedad Ibisevic – Note: 2

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der graue Wolf im Herthaner Sturm kann es noch. Ibisevic stand wie gegen Braunschweig einmal goldrichtig.

Es fühlt sich wie zu seinen besten Zeiten an: der Ball kommt in den Strafraum und Ibisevic ist da. Gegen Nürnberg stahl er sich von Manndecker Margreiter davon und musste bei Lazaros Pass nur noch den Fuß hinhalten, um das 1:0 zu markieren. Ein Torjäger und sein Riecher.

Ansonsten gab es jedoch kaum noch Chancen für den Bosnier, seinen Torhunger zu stillen. In der 32. und 86. Minute gab er jeweils einen harmlosen Kopfball ab, vielmehr kam nicht mehr. Es ist jedoch herauszustellen, wie gut sich Herthas Kapitän am Angriffsspiel beteiligte. Er behauptete zahlreiche Bälle und leitete sie in gewohnt starker Manier weiter. So war er oftmals Initiator für gute Angriffe.

In Abwesenheit von Davie Selke unterstreicht Ibisevic, dass er auch noch mit 34 Jahren einen großen Wert für die Mannschaft haben kann. Ein sehr rundes Spiel des Mittelstürmers.

Einwechslungen

Dennis Jastrembski – Note: /

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas erster Bundesligaspieler aus dem Jahrgang 2000 wollte auch gegen Nürnberg einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wirkte aber deutlich übermotiviert.

18 Minuten stand “Jatze” gegen Nürnberg auf dem Feld und in denen gelangen ihm drei Fouls und eine verdiente gelbe Karte. Der junge Außenstürmer wollte sofort zeigen, was er kann, bremste sich durch seine ungestümen Aktionen jedoch selbst aus. Es war allerdings gut zu sehen, dass er mehr Präsenz zeigte als zuvor noch Mittelstädt. Jastrzembski presste leidenschaftlich und forderte Bälle – tat also genau das, was sich Dardai von der Einwechslung versprach. Der Ungar wäre jedoch noch erfreuter gewesen, wenn das Eigengewächs in der 94. Minute die große Chance zum 2:0 genutzt hätte. Es fehlte jedoch die nötige Ruhe, um seinen Debüt-Treffer im Profibereich zu erzielen.

Ein nächster Eindruck von Jastrzembski, der unterstreicht, dass er im Profibereich mithalten kann. Er sollte nur daran arbeiten, cooler in seinen Aktionen zu werden, aber das kommt mit der Erfahrung.

 

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Der Saisonstart von Hertha BSC verläuft weiterhin nach Maß – zumindest wenn es um die Ergebnisse geht. Auf das Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig (2:1) folgte nun am ersten Bundesliga-Spieltag ein 1:0-Erfolg über den 1. FC Nürnberg. Die drei Heimpunkte gegen den Aufsteiger waren verdient, dennoch kann man von keinem durchweg guten Auftritt der Mannschaft reden. Es fehlte in gewissen Spielphasen an Selbstverständnis und Präsenz. Es folgt die erste Einzelkritik der Saison 2018/19.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Herthas Schlussmann durfte sich nach dem Schlusspfiff verdientermaßen feiern lassen. Er war einer der Hauptgründe dafür, dass die drei Punkte in Berlin blieben.

Und das zunächst einmal weniger durch Paraden, als viel mehr durch seine generelle Strafraumpräsenz. Der Norweger fing ganze fünf Nürnberger Hereingaben ab, wirkte dabei stets sicher. Insgesamt drei Torschüsse kamen direkt auf den Kasten Jarsteins, doch nur die Chance von Kubo war wirklich gefährlich. Hier machte der 33-jährige Routinier souverän das kurze Eck zu und wehrte somit auch diese gegnerische Möglichkeit ab. Seine beste Szene hatte Jarstein natürlich in der 84. Minute, als er den von Ishak getretenen Elfmeter hielt. Sicherlich war der Strafstoß nicht sonderlich gut geschossen, aber die richtige Ecke zu ahnen, muss dennoch gelobt werden.

Eine starke erste Bundesliga-Partie 18/19 des Keepers, der seinem Team die drei Punkte sicherte.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Gegen seinen Ausbildungsverein absolvierte Niklas Stark eine souveräne Partie.

Herthas Dreierkette hält – das bewiesen die drei Innenverteidiger auch gegen die Clubberer. Auch Stark konnte sich in einigen Momenten beweisen und sorgte mit dem unfreiwilligen Tackling gegen Nürnbergs Trainer Michael Köllner für die ulkigste Szene des Spiels. Der 23-Jährige gewann knapp über die Hälfte seiner Zweikämpfe, konnte sich aber vor allem im Antizipieren von Situationen hervortun. So konnte er ein paar Bälle abfangen und von Nürnberg eingeleitete Angriffe im Keim ersticken. Dabei kam ihm auch seine überdurchschnittliche Grundschnelligkeit zu gute. Immer wieder fiel Stark durch gute Tacklings/Grätschen auf, wurde über die komplette Laufzeit der Partie aber nur wenig gefordert.

In der 57. Minute wurde er allerdings zu leicht vom quirligen Kubo ausgespielt, der daraufhin beinahe den Ausgleich schoss, doch Jarstein konnte parieren. Sieben Minuten zuvor hatte Stark selbst die Chance auf ein Tor, konnte den gut getretenen Freistoß von Marvin Plattenhardt allerdings nicht verwerten. Seinen Kopfball hielt Nürnbergs Torhüter Bredlow.

Eine insgesamt ordentliche Leistung von Stark, der seine Aufgaben stets mit Ruhe löste und auch ein paar gute Bälle ins Angriffsdrittel spielte.

Karim Rekik – Note: 3

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der Niederländer agierte ziemlich unauffällig, nur sein verursachter Elfmeter rückte ihn kurz in den Mittelpunkt der Begegnung.

Gerade einmal sechs Zweikämpfe führte Rekik im gesamten Spiel. Da die Gastmannschaft es vor allem über die Flügel probierte, blieb der Innenverteidiger oftmals ohne direkte Duelle. Vielmehr war Rekik als Organisator von Nöten, der seine Nebenmänner koordinierte, um die richtigen Abstände zu halten. Rekik war am Samstag also eher kommunikativ eingebunden. Auch als zentraler Passgeber der Dreierkette hat er eine besondere Aufgabe im Spiel. Die erfüllte er recht unspektakulär, aber immerhin mit einer 95%igen Passquote.

Dennoch lesen sich seine Zahlen nicht verkehrt. Vier klärende Aktionen, fünf gewonnene Duelle und drei abgefangene Bälle zeigen, dass Rekik da war, wenn man ihn brauchte. Zudem hatte er wie Stark eine gute Torchance nach einem Berliner Standard. Den verursachten Elfmeter in der 82. Minute legen wir dem 23-Jährigen nicht negativ aus, eine sehr kleinlich entschiedene Szene.

Unauffällig, ruhig, souverän – man kann sich einen der Begriffe für Beurteilung von Rekiks Auftritt aussuchen.

Jordan Torunarigha – Note: 2

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas Eigengewächs war der auffälligste Defensivspieler des Tages.

Bei Torunarigha ist es bereits ein Genuss, sich seine Statistik anzusehen: er gewann zwölf seiner 15 Zweikämpfe, acht seiner neun Kopfballduelle. Zudem fing er vier Bälle ab, sicherte drei und fing auch drei ab. Zudem fiel der 21-Jährige immer wieder durch starke Tacklings auf.

Die besondere Klasse des Innenverteidigers blitzte fast durchgängig auf, denn er hat er ein besonderes Gefühl für Gefahrensituationen und wie man sie am besten in den Griff bekommt. Trotz seiner vielen Zweikämpfe foulte Torunarigha nur zweimal, er wirkt souveräner als noch in der Vorsaison, in der man ihm oft Ungestümtheit vorwerfen konnte. Am Samstag war kein Vorbeikommen an ihm und sogar nach vorne trug Torunarigha durch gute Pässe und Läufe seinen Teil bei.

Eine wirklich gute Darbietung des jüngsten Mitglieds der Dreierkette. So ist Torunarigha nicht mehr aus der Startelf wegzudenken.

Mittelfeld

Valentino Lazaro – Note: 2+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Es gibt im Offensivspiel Herthas weiterhin keinen Spieler, der solch einen Effekt haben kann wie Valentino Lazaro. Auch gegen Nürnberg war er Herthas X-Faktor.

Die Blau-Weißen gaben im Spiel gegen Nürnberg insgesamt zehn Schüsse ab. Sechs (!) davon legte Lazaro auf, aus dem Spiel heraus, wie auch durch gut getretene Standards. Darüber hinaus legte der Österreicher den 1:0-Siegtreffer in überragender Manier auf. Er dribbelte Nürnbergs Leibold sehr ansehnlich aus, ließ sich auch nicht mehr einfangen und schob den Ball zum freistehenden Ibisevic, der nur noch den Fuß hinhalten brauchte.

Sicherlich gab es Phasen in der Partie, in denen dem 22-Jährigen nicht alles gelingen wollte oder er etwas untertauchte (besonders nachdem er umgeknickt war), aber unterm Strich war es eine einmal mehr beeindruckende Vorstellung von ihm. Er vernachlässigte auch seine Defensivaufgaben im 3-4-3-System nicht und gewann über die Hälfte seiner Zweikämpfe. Mit einer Laufleistung von knapp elf Kilometern war er der drittfleißigste Herthaner. Außerdem kam Lazaro auf 70 Ballkontakte, war somit der am zweithäufigsten angespielte Herthaner an jenem Tag.

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Nach seinem Traumtor im DFB-Pokal ließ es Plattenhardt gegen Ex-Verein Nürnberg etwas ruhiger angehen. Wohl zu ruhig.

Es war sicherlich keine schlechte Partie des Nationalspielers, aber eine gute eben auch nicht. Dafür zeigte sich “Platte” im Spiel nach vorne nicht mutig genug. Immer wieder hätte er Platz zum laufen/passen gehabt, entschied sich aber für die Drehung Richtung eigenem Tor und spielte den Ball zurück zu einem Innenverteidiger. Das verschleppt das Tempo und ist meistens nicht wirklich zielführend. Wenn es über den 26-Jährigen gefährlich wurde, dann durch Standardsituationen. Insgesamt zwei gute Chancen legte er durch ruhende Bälle auf.

Defensiv kann ihm gewohnt nicht viel vorwerfen. 60% gewonnene Duelle, acht Ballsicherungen, drei klärende Aktionen und ein abgefangener Ball sprechen für eine sichere Abwehrleistung.

Nach seinem Distanzkracher gegen Braunschweig hatte man sich erhofft, dass Plattenhardt weiter forsch nach vorne spielt. Diese Hoffnung löste sich gegen Nürnberg in Luft auf. Eine solide Leistung, nicht mehr.

Arne Maier – Note: 3+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Herthas Mittelfeldjuwel zeigte einmal mehr in Ansätzen, auf was sich die Berliner Fans in dieser Saison freuen können.

“Da Pal Dardai das Bild vom Schach gebrauchte: Maier und Duda sind die beiden Springer im System von Hertha. Und zwar an dem neuralgischen Punkt im Spiel, in der Mitte, wo Lustenberger und Skjelbred zuletzt vor allem wie Bauern agiert haben. Das 3-4-3 hat das zentrale Problem von Hertha aus den letzten Jahren behoben, nämlich die Sterilität in der Zentrale”, schrieb Hertha-Blogger Marxelinho nach dem Spiel am Samstagnachmittag. Richtig, steril war das Spiel vom 19-Jährigen nicht, dafür war am Ende zu viel Spielkultur und Genialität in Ansätzen zu sehen. Exemplarisch ist die Kombination mit Duda in der 91. Minute zu nennen, mit der Maier die gesamte Nürnberger Defensive austanzte.

Maier agierte als balancierendes Element des Spiels, war um Struktur bemüht, ließ aber auch in entscheidenden Spielphasen Dominanz vermissen. Es ist sicherlich hervorzuheben, dass das Eigengewächs mit einer Passquote von 84% und einer Laufleistung von 11,8 Kilometern beeindruckende Zahlen vorzuweisen hat, aber entscheidend ist ja aufm Platz bzw. was man dort sieht. Und dort konnte Maier durch manche Pässe und Läufe auf sich aufmerksam machen, besonders im ersten Durchgang. Im zweiten mangelte es Maier teilweise an Präsenz oder der letzten Konsequenz in seinen Aktionen. Es war zu keinem Zeitpunkt eine schlechte Partie des Mittelfeldspielers, er riss sie nur etwas zu selten an sich.

Eine zufriedenstellende Leistung von Maier, der aber noch in die Rolle hineinwachsen muss, ein Spiel über 90 Minuten zu lenken.

Ondrej Duda – Note: 3-

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

In zweitem Spiel infolge durfte Ondrej Duda von Anfang an ran. Auch gegen Nürnberg konnte er sein Talent aufblitzen lassen, auch wenn es ihm noch Konstanz fehlt.

Zunächst einmal ist es schön zu sehen, dass der Slowake so fit ist, wie noch in seiner Herthaner Zeit. 12,4 (!) Kilometer lief Duda gegen Nürnberg, ein Wert, den sonst nur Darida oder Skjelbred erreichen. Auch seine zahlreichen (gut geführten) Zweikämpfe oder die von den Stadionbesuchern mit Beifall belohnte Aktion, als er eine Nürnberger Flanke mit großem Körpereinsatz noch weggrätschte, lassen Dudas Eifer erkennen. Duda will, aber es klapp noch nicht alles.

So gab es Phasen in der Partie, in denen der 23-Jährige nur wenig am Spiel teilnahm und unsichtbar wirkte. Zwar war stets bemüht, seine Defensivaufgaben zu erfüllen, das spielerische Element ging dabei aber noch unter. Es fehlte etwas die Balance in seinem Spiel, dazu muss er aber auch gesagt werden, dass er viel Verantwortung auf seiner Position übernehmen muss. In einigen Szenen zeigte er seine Klasse durch starke Pässe, gute Körperdrehungen und das Gespür für gefährliche Situationen – es war aber noch zu selten zu sehen. Insgesamt kam er auf eine Torschussvorlage, mehr nicht und das ist ausbaufähig.

Es wird. Duda konnte auch gegen die Franken Ansätze zeigen, es wird aber noch Zeit brauchen, bis er in dem neuen System zu 100% eingespielt ist.

Angriff

Salomon Kalou – Note: 4+

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der Ivorer hatte teilweise echt gute Aktionen, insgesamt war er aber zu selten zu sehen.

Kurz vor Schluss, in der 88. Minute wurde Kalou von Pal Dardai ausgewechselt. Diesen Eingriff des Trainers hätte es vielleicht schon früher gebraucht, denn Kalou hatte im zweiten Durchgang nur noch sehr wenig anzubieten.

Im ersten hatte der 33-Jährige hingegen immer wieder gute Momente, da er sich clever zwischen den Abwehrlinien der Nürnberger bewegte und so eine nützliche Anspielstation darstellte. Er zog oftmals die Aufmerksamkeit auf sich, um dann auf den durchstartenden Lazaro zu passen, der dadurch mehr Raum bekam. So war Kalou auch der Spieler, der den vorletzten Pass zum 1:0 spielte. Sein Spiel verflachte jedoch zu schnell, er verlor sehr viele Zweikämpfe und kam nicht in die Räume, um selber gefährliche Abschlüsse zu verzeichnen. Die Begegnung lief in den zweiten 45 Minuten an Kalou vorbei.

Die Rolle von Kalou im neuen 3-4-3 ist durchaus interessant, da er mit seiner unfassbaren Ruhe am Ball Räume öffnen und bedienen kann. Leider fehlte es ihm noch eigenen gefährlichen Szenen.

Maxi Mittelstädt – Note: 4

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

An den Linksaußen geht sicherlich der Fairplay-Preis des Spieltages, ansonsten nahm er aber wenig aus der Partie für sich mit.

Einen Kontakt habe er zwar gespürt, deshalb müsse er aber sich nicht gleich fallen lassen, so Mittelstädt nach der Partie am sky-Mikrofon. Nach diesem Statement ist Neymar erstmal vor Entrüstung die Blondierung aus den Haaren gefallen. Nürnbergs Bauer hatte Ball und Mittelstädt per Grätsche getroffen und hätte sich der Herthaner fallen gelassen, hätte es wohl Strafstoß für die alte Dame gegeben. So wurde nichts draus, aber wir loben natürlich das Ehrgefühl vom Berliner Eigengewächs.

Ansonsten war eine unauffällige Leistung des 21-Jährigen, der an keinem Torschuss direkt beteiligt war und nur wenig offensiven Esprit ausstrahlte. Zwar war Mittelstädt bemüht, nur einfallen wollte ihm nicht viel. So war es nur folgerichtig, in der 72. Minute Dennis Jastrzembski für ihn einzuwechseln, der durch sein Tempo deutlich mehr Betrieb machte.

Stets bemüht – das macht auf dem Zeugnis eine vier und so ist es für Mittelstädt auch in dieser Einzelkritik. Kaum gute, aber auch kaum schlechte Aktionen hatte er vorzuweisen – bei gerade einmal 26 Ballkontakten nicht verwunderlich.

Vedad Ibisevic – Note: 2

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Der graue Wolf im Herthaner Sturm kann es noch. Ibisevic stand wie gegen Braunschweig einmal goldrichtig.

Es fühlt sich wie zu seinen besten Zeiten an: der Ball kommt in den Strafraum und Ibisevic ist da. Gegen Nürnberg stahl er sich von Manndecker Margreiter davon und musste bei Lazaros Pass nur noch den Fuß hinhalten, um das 1:0 zu markieren. Ein Torjäger und sein Riecher.

Ansonsten gab es jedoch kaum noch Chancen für den Bosnier, seinen Torhunger zu stillen. In der 32. und 86. Minute gab er jeweils einen harmlosen Kopfball ab, vielmehr kam nicht mehr. Es ist jedoch herauszustellen, wie gut sich Herthas Kapitän am Angriffsspiel beteiligte. Er behauptete zahlreiche Bälle und leitete sie in gewohnt starker Manier weiter. So war er oftmals Initiator für gute Angriffe.

In Abwesenheit von Davie Selke unterstreicht Ibisevic, dass er auch noch mit 34 Jahren einen großen Wert für die Mannschaft haben kann. Ein sehr rundes Spiel des Mittelstürmers.

Einwechslungen

Dennis Jastrembski – Note: /

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Herthas erster Bundesligaspieler aus dem Jahrgang 2000 wollte auch gegen Nürnberg einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wirkte aber deutlich übermotiviert.

18 Minuten stand “Jatze” gegen Nürnberg auf dem Feld und in denen gelangen ihm drei Fouls und eine verdiente gelbe Karte. Der junge Außenstürmer wollte sofort zeigen, was er kann, bremste sich durch seine ungestümen Aktionen jedoch selbst aus. Es war allerdings gut zu sehen, dass er mehr Präsenz zeigte als zuvor noch Mittelstädt. Jastrzembski presste leidenschaftlich und forderte Bälle – tat also genau das, was sich Dardai von der Einwechslung versprach. Der Ungar wäre jedoch noch erfreuter gewesen, wenn das Eigengewächs in der 94. Minute die große Chance zum 2:0 genutzt hätte. Es fehlte jedoch die nötige Ruhe, um seinen Debüt-Treffer im Profibereich zu erzielen.

Ein nächster Eindruck von Jastrzembski, der unterstreicht, dass er im Profibereich mithalten kann. Er sollte nur daran arbeiten, cooler in seinen Aktionen zu werden, aber das kommt mit der Erfahrung.

 

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