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“Zurück in die Zukunft” – der Transfersommer 2018 von Hertha im Fazit

Zum Ende des Transfersommers 2018 wollen wir die einzelnen Neuzugänge kurz vorstellen und einordnen und uns an einem Fazit der Transferaktivitäten von Hertha BSC versuchen.

Manager Michael Preetz konnte im Sommer 2018 insgesamt 5 Neuzugänge verpflichten und dabei einen Gewinn von 5 Mio Euro machen.

Pascal Köpke – die Ergänzung

Foto: Karina Hessland-Wissel Bongarts Getty Images

Pascal Köpke wurde für zwei Millionen Euro von Erzgebirge Aue verpflichtet, obwohl dieser schon eigentlich bei Hannover 96 gelandet war. Der 22-jährige Stürmer konnte in der vergangenen Zweitliga-Saison mit zehn Toren und acht Vorlagen sein Talent andeuten. Mit seiner Schnelligkeit, Entscheidungsfindung und Abschlussstärke kann er besonders in Kontersituationen glänzen. Trotzdem wird er in der kommenden Saison in der Stürmerhierachie zunächst klar hinter Kapitän Vedad Ibisevic und Davie Selke stehen. Bei Hertha wird er als “gute Ergänzung für unsere Offensive” gesehen. Zu Einsatzzeiten kann ihm seine Variabilität verhelfen, da er in einem 3-4-3 alle drei vorderen Positionen spielen kann. Sein Ziel muss es sein, sich spätestens 2019 (wenn Ibisevic Hertha verlassen wird) als vollwertige Alternative für die Startelf zu präsentieren. Zwar ist Köpke erst 22 Jahre alt, aufgrund seiner Erfahrungen aus der zweiten und dritten Liga wirkt er aber reifer als andere Spieler in seinem Kader. Er wird sich seiner Chance in Berlin bewusst sein und auf seine Einsatzmöglichkeiten lauern.

Fazit: Dieser Transfer wird Hertha erst mittelfristig richtig helfen. Köpke könnte aber aufgrund seiner Vielseitigkeit auch schon in dieser Saison eine Rolle als Joker spielen und so Spieler wie Alexander Esswein verdrängen. Zunächst gilt erstmal: fleißig von den etablierten Bundesliga-Stürmern Ibisevic und Selke lernen.

Lukas Klünter – der Ersatz

Foto: Dean Mouhtaropoulo//Bongarts/Getty Images

Nachdem Mitchell Weiser für zwölf Millionen Euro zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt ist, hatte Hertha BSC mit Peter Pekarik nur noch einen etatmäßigen Rechtsverteidiger im Kader. Es musste also dringend Ersatz her. Dieser wurde von Preetz in Lukas Klünter gefunden. Der 22-Jährige wechselte für zwei Millionen Euro vom 1. FC Köln in die Hauptstadt, nachdem er in der Rückrunde der Kölner Abstiegssaison fast nicht mehr zum Einsatz kam. Als Weiser-Ersatz erfüllt Klünter zumindest auf dem Papier das Anforderungsprofil: er ist schnell, kann zum Offensivspiel mit beitragen, ist vielseitig einsetzbar und verfügt über Potenzial. Damit ist er als offensive Variante in einem 4-4-2 oder einem System mit Dreierkette und hoch aufrückenden Außenverteidiger eigentlich für die Startelf prädestiniert. Die Realität sieht jedoch bislang anders aus. Obwohl Peter Pekarik in der Vorbereitung verletzt ausgefallen ist, schaffte es Klünter in den ersten beiden Pflichtspielen nicht in die Startformation. Im 3-4-3 übernimmt Lazaro bislang die Rolle als rechter offensiv-agierender Außenverteidiger. Klünters Einsatzchancen dürften sich mit der Leihe von Derrick Luckassen und der zukünftigen Genesung von Peter Pekarik massiv verschlechtert haben. Die aktuelle Hierarchie der rechten Abwehrseite fußt sicherlich auch auf Klünters Vorbereitung. Zwar hing er sich genauso rein wie alle anderen Spieler, es wurden aber vor allem in den Testspielen technische und defensive Mängel an ihm sichtbar, an denen er noch arbeiten muss.

Fazit: Klünter ist (noch) nicht der Weiser-Ersatz. Ihn aber jetzt schon als Fehleinkauf abzustempeln, wäre zu früh. Er ist 22 Jahre alt und hat bis 2022 Vertrag. Das ist genug Zeit, um sich zu entwickeln und an die Spielsysteme von Dardai und Widmayer anzupassen. Auch die Verpflichtung von Klünter zahlt auf die Zukunft ein.

Javairo Dilrosun – die Wette

Foto: Julian Finney/Getty Images

Bereits im Mai konnte Michael Preetz Javairo Dilrosun von der zweiten Mannschaft von Manchester City verpflichten und soll dabei unter anderem Benfica Lissabon ausgestochen haben. Der in den Jugendakademien von Ajax Amsterdam und Manchester City ausgebildete Linksfuß soll “alles haben, was ein Trainer sich wünscht.” Der 20-Jährige gilt als großes Talent und ist damit die aktuelle Wette der Berliner auf die Zukunft. Die alte Wette – Genki Haraguchi – wechselte in diesem Sommer für 4,5 Millionen Euro zu Hannover 96. Ähnlich wie Haraguchi soll Dilrosun behutsam aufgebaut und an den Profifußball herangeführt werden. Würde dem jungen Niederländer, anders als Haraguchi, bei Hertha der Durchbruch gelingen, können sich die Fans auf einen dribbel- und abschlussstarken Flügelspieler freuen, der einer Mannschaft das spielerische Element und die besonderen Momente schenken kann.

Fazit: Dilrosun soll und kann in dieser Saison noch nicht im Mittelpunkt stehen. Dafür ist er zu jung und muss noch an der Profifußball herangeführt werden. Trotzdem konnte er bereits in den Testspielen in der Vorbereitung überzeugen und sein enormes Talent andeuten. Aktuell kommt er regelmäßig bei der zweiten Mannschaft zum Einsatz und weiß dort durchaus zu überzeugen. Mit Dilrosun konnte Michael Preetz einen vielversprechenden Wettschein auf die Zukunft erwerben. Ob und wann ein Gewinn eingelöst werden kann und wie hoch dieser dann ausfällt, bleibt abzuwarten.

Marko Grujic – der Besondere

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Dies ist wahrscheinlich der umstrittenste Transfer bei den Hertha-Fans. Für eine Spielzeit leihen die Berliner den Serben Marko Grujic vom FC Liverpool aus. Eine Kaufoption konnte nicht vereinbart werden. Es ist also höchstwahrscheinlich (sag niemals nie!), dass sich die Wege von Grujic und Hertha 2019 wieder trennen werden. Der Spieler kann also der Mannschaft langfristig nicht weiterhelfen, weswegen der Transfer sinnlos erscheint. Wir behaupten: es ist ein guter Transfer von Preetz! Grujic ist fußballerisch ein Ausnahmetalent. Er erinnert mit seinen Fähigkeiten und seinem weiträumigen Aktionsradius an Leon Goretzka und kann als Box-to-Box-Spieler das Mittelfeld spielerisch überbrücken. Somit könnte Grujic ein Grundproblem der Berliner Offensivbemühungen in den letzten Jahren lösen. Sollte der Serbe seine Chance nutzen und voll einschlagen, könnte er dazu beitragen, dass Hertha BSC nichts mit den Abstiegsrängen oder dem unteren Tabellenmittelfeld zu tun bekommt.

Fazit: Selbst wenn Grujic mit Hertha BSC eine (sehr) erfolgreiche Saison spielt, an deren Ende die Qualifikation für das internationale Geschäft steht, und er dann wieder zu Liverpool zurückkehrt – der sportliche Erfolg könnte dazu beitragen, dass andere wichtige Spieler in Berlin bleiben. Spitzentalente wie Selke, Lazaro, Stark oder Rekik werden sich nicht für immer mit Platz 10 zufrieden geben. Um solche Spieler zu halten oder zukünftig nach Berlin zu locken, muss Hertha BSC in der Spielzeit 2018/19 erfolgreicher Fußball spielen. Dafür kann die Leihe von Marko Grujic das perfekte Mittel zum Zweck sein – trotz fehlender Kaufoption.

Derrick Luckassen – die Alternative

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Kurz vor Ende der Transferperiode holte Preetz Defensivallrounder Derrick Luckassen vom PSV Eindhoven nach Berlin. Der Niederländer wird für ein Jahr ausgeliehen und kann danach per Kaufoption für fünf Millionen Euro fest verpflichtet werden. Dardai bezeichnet Luckassen als “Kombispieler”, da dieser auf mehreren defensiven Positionen eingesetzt werden kann. Der 23-Jährige kann als Innen- und Rechtsverteidiger sowie im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden und erinnert damit an Niklas Stark. Diese Ähnlichkeit dürfte kein Zufall sein. Die Hertha-Verantwortlichen haben gezielt nach einem Backup für Stark als rechten Innenverteidiger gesucht und anscheinend in Luckassen gefunden. Dieser überzeugt durch seine Schnelligkeit sowie Zweikampfführung und ist durch seine Polyvalenz eine echte Alternative für den 18er-Kader.

Wie groß seine Startelfchancen sind, ist fraglich. In der Innenverteidigung müsste er an Niklas Stark vorbei, der in dieser Saison besonders im Fokus stehen wird. Auf der Sechs müsste Luckassen Arne Maier und/oder Vladimir Darida verdrängen. Die größten Einsatzchancen dürfte Luckassen auf der Rechtsverteidigerposition in einer Viererkette haben. Klünter scheint noch keine Starelf-Option zu sein und Pekarik wird erst einmal seinen körperlichen Rückstand aufholen müssen.

Fazit: Mit Derrick Luckassen konnte Preetz eine vielversprechende Alternative zu Niklas Stark verpflichten. Seine Vielseitigkeit erhöht die Flexibilität von Dardai und gibt dem Kader mehr Tiefe. Aufgrund der Leihe hat Hertha kein Risiko und kann, wenn Luckassen überzeugt, 2019 die Kaufoption ziehen. Sollte der Niederländer sich als Innen- oder Rechtsverteidiger in die Stammelf spielen, wäre eine Ablösesumme von 5 Millionen Euro ein echtes Schnäppchen.

Fehlt etwas? Erfahrung?

Man könnte meinen ja. Der Altersdurchschnitt der von Hertha verpflichteten Spieler beträgt 21,8 Jahre. Gerade Klünter, Köpke und Dilrosun stehen noch am Anfang ihrer Karriere und müssen erst noch den Sprung in die Bundesliga schaffen oder sich dort fest etablieren. Auf ihren Positionen spielen aber noch (!) gestandene Profis (Pekarik, Ibisevic, Kalou), sodass kein sofortiger Leistungsdruck auf den jungen Neuzugängen lastet.

Auch Luckassen (23) und Grujic (22) sind noch jung, haben aber schon eine beachtliche Anzahl an Erstliga-Spielen absolviert. Grujic war mit 20 Jahren Kapitän bei Roter Stern Belgrad und kam schon 52 Mal in höchsten Spielklassen zum Einsatz. Luckassen hat bereits 84 Einsätze in der niederländischen Eredivise und 20 Europa-League-Einsätze absolviert. Beide können einen für ihr Alter durchaus beachtlichen Erfahrungsschatz ins Berliner Team einbringen und Verantwortung übernehmen. Auch sportlich sind sie eine sofortige Verstärkung.

Gesamtfazit

Will man der Transferperiode von Hertha BSC einen Titel geben, muss man “Zurück in die Zukunft” wählen. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten hat Manager Michael Preetz die Abgänge (Weiser, Haraguchi, Schieber) sinnvoll durch junge Talente ersetzt und für die Problemzonen (zentrales Mittelfeld und rechter Innenverteidigung) spannende und kreative Lösungen gefunden. Inwieweit Ondrej Duda als gefühlter Neuzugang endlich ein Teil der Lösung für Herthas Offensivprobleme sein kann, muss die Saison zeigen. Als Alternative stünden Grujic und Darida aber auch Lazaro bereit.

Hertha konnte das Gerüst der Mannschaft zusammen halten, sodass die Verantwortlichen in dieser Transferperiode mit klugen Transfers weiter die Grundlagen für eine vielversprechende Zukunft legen konnten.

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Zum Ende des Transfersommers 2018 wollen wir die einzelnen Neuzugänge kurz vorstellen und einordnen und uns an einem Fazit der Transferaktivitäten von Hertha BSC versuchen.

Manager Michael Preetz konnte im Sommer 2018 insgesamt 5 Neuzugänge verpflichten und dabei einen Gewinn von 5 Mio Euro machen.

Pascal Köpke – die Ergänzung

Foto: Karina Hessland-Wissel Bongarts Getty Images

Pascal Köpke wurde für zwei Millionen Euro von Erzgebirge Aue verpflichtet, obwohl dieser schon eigentlich bei Hannover 96 gelandet war. Der 22-jährige Stürmer konnte in der vergangenen Zweitliga-Saison mit zehn Toren und acht Vorlagen sein Talent andeuten. Mit seiner Schnelligkeit, Entscheidungsfindung und Abschlussstärke kann er besonders in Kontersituationen glänzen. Trotzdem wird er in der kommenden Saison in der Stürmerhierachie zunächst klar hinter Kapitän Vedad Ibisevic und Davie Selke stehen. Bei Hertha wird er als “gute Ergänzung für unsere Offensive” gesehen. Zu Einsatzzeiten kann ihm seine Variabilität verhelfen, da er in einem 3-4-3 alle drei vorderen Positionen spielen kann. Sein Ziel muss es sein, sich spätestens 2019 (wenn Ibisevic Hertha verlassen wird) als vollwertige Alternative für die Startelf zu präsentieren. Zwar ist Köpke erst 22 Jahre alt, aufgrund seiner Erfahrungen aus der zweiten und dritten Liga wirkt er aber reifer als andere Spieler in seinem Kader. Er wird sich seiner Chance in Berlin bewusst sein und auf seine Einsatzmöglichkeiten lauern.

Fazit: Dieser Transfer wird Hertha erst mittelfristig richtig helfen. Köpke könnte aber aufgrund seiner Vielseitigkeit auch schon in dieser Saison eine Rolle als Joker spielen und so Spieler wie Alexander Esswein verdrängen. Zunächst gilt erstmal: fleißig von den etablierten Bundesliga-Stürmern Ibisevic und Selke lernen.

Lukas Klünter – der Ersatz

Foto: Dean Mouhtaropoulo//Bongarts/Getty Images

Nachdem Mitchell Weiser für zwölf Millionen Euro zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt ist, hatte Hertha BSC mit Peter Pekarik nur noch einen etatmäßigen Rechtsverteidiger im Kader. Es musste also dringend Ersatz her. Dieser wurde von Preetz in Lukas Klünter gefunden. Der 22-Jährige wechselte für zwei Millionen Euro vom 1. FC Köln in die Hauptstadt, nachdem er in der Rückrunde der Kölner Abstiegssaison fast nicht mehr zum Einsatz kam. Als Weiser-Ersatz erfüllt Klünter zumindest auf dem Papier das Anforderungsprofil: er ist schnell, kann zum Offensivspiel mit beitragen, ist vielseitig einsetzbar und verfügt über Potenzial. Damit ist er als offensive Variante in einem 4-4-2 oder einem System mit Dreierkette und hoch aufrückenden Außenverteidiger eigentlich für die Startelf prädestiniert. Die Realität sieht jedoch bislang anders aus. Obwohl Peter Pekarik in der Vorbereitung verletzt ausgefallen ist, schaffte es Klünter in den ersten beiden Pflichtspielen nicht in die Startformation. Im 3-4-3 übernimmt Lazaro bislang die Rolle als rechter offensiv-agierender Außenverteidiger. Klünters Einsatzchancen dürften sich mit der Leihe von Derrick Luckassen und der zukünftigen Genesung von Peter Pekarik massiv verschlechtert haben. Die aktuelle Hierarchie der rechten Abwehrseite fußt sicherlich auch auf Klünters Vorbereitung. Zwar hing er sich genauso rein wie alle anderen Spieler, es wurden aber vor allem in den Testspielen technische und defensive Mängel an ihm sichtbar, an denen er noch arbeiten muss.

Fazit: Klünter ist (noch) nicht der Weiser-Ersatz. Ihn aber jetzt schon als Fehleinkauf abzustempeln, wäre zu früh. Er ist 22 Jahre alt und hat bis 2022 Vertrag. Das ist genug Zeit, um sich zu entwickeln und an die Spielsysteme von Dardai und Widmayer anzupassen. Auch die Verpflichtung von Klünter zahlt auf die Zukunft ein.

Javairo Dilrosun – die Wette

Foto: Julian Finney/Getty Images

Bereits im Mai konnte Michael Preetz Javairo Dilrosun von der zweiten Mannschaft von Manchester City verpflichten und soll dabei unter anderem Benfica Lissabon ausgestochen haben. Der in den Jugendakademien von Ajax Amsterdam und Manchester City ausgebildete Linksfuß soll “alles haben, was ein Trainer sich wünscht.” Der 20-Jährige gilt als großes Talent und ist damit die aktuelle Wette der Berliner auf die Zukunft. Die alte Wette – Genki Haraguchi – wechselte in diesem Sommer für 4,5 Millionen Euro zu Hannover 96. Ähnlich wie Haraguchi soll Dilrosun behutsam aufgebaut und an den Profifußball herangeführt werden. Würde dem jungen Niederländer, anders als Haraguchi, bei Hertha der Durchbruch gelingen, können sich die Fans auf einen dribbel- und abschlussstarken Flügelspieler freuen, der einer Mannschaft das spielerische Element und die besonderen Momente schenken kann.

Fazit: Dilrosun soll und kann in dieser Saison noch nicht im Mittelpunkt stehen. Dafür ist er zu jung und muss noch an der Profifußball herangeführt werden. Trotzdem konnte er bereits in den Testspielen in der Vorbereitung überzeugen und sein enormes Talent andeuten. Aktuell kommt er regelmäßig bei der zweiten Mannschaft zum Einsatz und weiß dort durchaus zu überzeugen. Mit Dilrosun konnte Michael Preetz einen vielversprechenden Wettschein auf die Zukunft erwerben. Ob und wann ein Gewinn eingelöst werden kann und wie hoch dieser dann ausfällt, bleibt abzuwarten.

Marko Grujic – der Besondere

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Dies ist wahrscheinlich der umstrittenste Transfer bei den Hertha-Fans. Für eine Spielzeit leihen die Berliner den Serben Marko Grujic vom FC Liverpool aus. Eine Kaufoption konnte nicht vereinbart werden. Es ist also höchstwahrscheinlich (sag niemals nie!), dass sich die Wege von Grujic und Hertha 2019 wieder trennen werden. Der Spieler kann also der Mannschaft langfristig nicht weiterhelfen, weswegen der Transfer sinnlos erscheint. Wir behaupten: es ist ein guter Transfer von Preetz! Grujic ist fußballerisch ein Ausnahmetalent. Er erinnert mit seinen Fähigkeiten und seinem weiträumigen Aktionsradius an Leon Goretzka und kann als Box-to-Box-Spieler das Mittelfeld spielerisch überbrücken. Somit könnte Grujic ein Grundproblem der Berliner Offensivbemühungen in den letzten Jahren lösen. Sollte der Serbe seine Chance nutzen und voll einschlagen, könnte er dazu beitragen, dass Hertha BSC nichts mit den Abstiegsrängen oder dem unteren Tabellenmittelfeld zu tun bekommt.

Fazit: Selbst wenn Grujic mit Hertha BSC eine (sehr) erfolgreiche Saison spielt, an deren Ende die Qualifikation für das internationale Geschäft steht, und er dann wieder zu Liverpool zurückkehrt – der sportliche Erfolg könnte dazu beitragen, dass andere wichtige Spieler in Berlin bleiben. Spitzentalente wie Selke, Lazaro, Stark oder Rekik werden sich nicht für immer mit Platz 10 zufrieden geben. Um solche Spieler zu halten oder zukünftig nach Berlin zu locken, muss Hertha BSC in der Spielzeit 2018/19 erfolgreicher Fußball spielen. Dafür kann die Leihe von Marko Grujic das perfekte Mittel zum Zweck sein – trotz fehlender Kaufoption.

Derrick Luckassen – die Alternative

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Kurz vor Ende der Transferperiode holte Preetz Defensivallrounder Derrick Luckassen vom PSV Eindhoven nach Berlin. Der Niederländer wird für ein Jahr ausgeliehen und kann danach per Kaufoption für fünf Millionen Euro fest verpflichtet werden. Dardai bezeichnet Luckassen als “Kombispieler”, da dieser auf mehreren defensiven Positionen eingesetzt werden kann. Der 23-Jährige kann als Innen- und Rechtsverteidiger sowie im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden und erinnert damit an Niklas Stark. Diese Ähnlichkeit dürfte kein Zufall sein. Die Hertha-Verantwortlichen haben gezielt nach einem Backup für Stark als rechten Innenverteidiger gesucht und anscheinend in Luckassen gefunden. Dieser überzeugt durch seine Schnelligkeit sowie Zweikampfführung und ist durch seine Polyvalenz eine echte Alternative für den 18er-Kader.

Wie groß seine Startelfchancen sind, ist fraglich. In der Innenverteidigung müsste er an Niklas Stark vorbei, der in dieser Saison besonders im Fokus stehen wird. Auf der Sechs müsste Luckassen Arne Maier und/oder Vladimir Darida verdrängen. Die größten Einsatzchancen dürfte Luckassen auf der Rechtsverteidigerposition in einer Viererkette haben. Klünter scheint noch keine Starelf-Option zu sein und Pekarik wird erst einmal seinen körperlichen Rückstand aufholen müssen.

Fazit: Mit Derrick Luckassen konnte Preetz eine vielversprechende Alternative zu Niklas Stark verpflichten. Seine Vielseitigkeit erhöht die Flexibilität von Dardai und gibt dem Kader mehr Tiefe. Aufgrund der Leihe hat Hertha kein Risiko und kann, wenn Luckassen überzeugt, 2019 die Kaufoption ziehen. Sollte der Niederländer sich als Innen- oder Rechtsverteidiger in die Stammelf spielen, wäre eine Ablösesumme von 5 Millionen Euro ein echtes Schnäppchen.

Fehlt etwas? Erfahrung?

Man könnte meinen ja. Der Altersdurchschnitt der von Hertha verpflichteten Spieler beträgt 21,8 Jahre. Gerade Klünter, Köpke und Dilrosun stehen noch am Anfang ihrer Karriere und müssen erst noch den Sprung in die Bundesliga schaffen oder sich dort fest etablieren. Auf ihren Positionen spielen aber noch (!) gestandene Profis (Pekarik, Ibisevic, Kalou), sodass kein sofortiger Leistungsdruck auf den jungen Neuzugängen lastet.

Auch Luckassen (23) und Grujic (22) sind noch jung, haben aber schon eine beachtliche Anzahl an Erstliga-Spielen absolviert. Grujic war mit 20 Jahren Kapitän bei Roter Stern Belgrad und kam schon 52 Mal in höchsten Spielklassen zum Einsatz. Luckassen hat bereits 84 Einsätze in der niederländischen Eredivise und 20 Europa-League-Einsätze absolviert. Beide können einen für ihr Alter durchaus beachtlichen Erfahrungsschatz ins Berliner Team einbringen und Verantwortung übernehmen. Auch sportlich sind sie eine sofortige Verstärkung.

Gesamtfazit

Will man der Transferperiode von Hertha BSC einen Titel geben, muss man “Zurück in die Zukunft” wählen. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten hat Manager Michael Preetz die Abgänge (Weiser, Haraguchi, Schieber) sinnvoll durch junge Talente ersetzt und für die Problemzonen (zentrales Mittelfeld und rechter Innenverteidigung) spannende und kreative Lösungen gefunden. Inwieweit Ondrej Duda als gefühlter Neuzugang endlich ein Teil der Lösung für Herthas Offensivprobleme sein kann, muss die Saison zeigen. Als Alternative stünden Grujic und Darida aber auch Lazaro bereit.

Hertha konnte das Gerüst der Mannschaft zusammen halten, sodass die Verantwortlichen in dieser Transferperiode mit klugen Transfers weiter die Grundlagen für eine vielversprechende Zukunft legen konnten.

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