Es ist schon sehr lange so: wenn Hertha BSC bei Schalke 04 zu Gast ist, gibt es nicht viel zu lachen für die Hauptstädter. Den letzten Sieg auf Schalke gab es 2004. Unser Schalke-Experte heißt Hassan Talib Haji und ist bekannt unter @hassanscorner auf Twitter. Mit ihm blicken wir auf die Partie am Sonntag. Können die Hertha-Fans in Gelsenkirchen endlich wieder jubeln, oder geht die alte Dame im Ruhrpott wieder leer aus?

Hohe Erwartungen beim Vizemeister

Letzte Saison gab es in Gelsenkirchen viel zu feiern (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wenn eine Mannschaft in der Abschlusstabelle auf Platz zwei hinter Bayern München steht, dann wurde viel richtig gemacht. Auch aufgrund der tollen Ergebnisse der vergangenen Spielzeit ist Trainer Domenico Tedesco bei den Fans und der Mannschaft sehr beliebt. „Nach der erfolgreichen Saison sind viele Fans sehr zufrieden mit ihm als Trainer. Am Anfang empörten sich natürlich nicht wenige Anhänger darüber, dass er Benedikt Höwedes quasi zu einem ‘normalen’ Spieler machte, da er einen neuen Kapitän bestimmte und Höwedes dem Konkurrenzkampf aussetzte. Die Vizemeisterschaft hat das aber alles vergessen lassen.

Kein Wunder also, dass die Erwartungen an die neue Saison in Gelsenkirchen stark gestiegen sind. „Bestmöglich sollte der Klub wieder in die Champions League einziehen. Zumindest die Europa League sollte es sein. Alles darunter wäre womöglich eine Enttäuschung für viele Anhänger”, schätzt unser Interview-Partner die Erwartungen an die neue Saison bei Schalke 04 ein.

Ein Gegner mit Wut im Bauch

Innenverteidiger Nastasic sieht gegen Wolfsburg die rote Karte und ist gegen Hertha gesperrt (Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images)

In Gelsenkirchen hatte man am letzten Wochenende jedoch nicht viel Grund zur Freude. Das Spiel gegen Wolfsburg lief alles andere als glücklich für die Schalker, unter snderem gab es auch viel Ärger um den Videoassistenten. „Die Rote Karte von Matija Nastasic warf natürlich vieles über den Haufen, deshalb ist schwer da eine präzise Analyse zu machen“, weiß Hassan. Trotzdem fehlte es Schalke seiner Meinung nach „(…) in der offensive noch an Durchschlagskraft und Kreativität. Hier muss sich die Mannschaft definitiv verbessern.“ Zudem ist es laut Hassan möglich, dass sich „Tedesco mit der taktischen Marschroute in der ersten Halbzeit ein wenig verzockt hat“.

Das wird wohl gegen Hertha nicht nochmal passieren. Nicht einfach also, den Gegner am Sonntag einzuschätzen. Ein Aspekt, der für mehr Gefahr in der Offensive der Schalker und für mehr Kreativität sorgen könnte, ist der Transfer von Sebastian Rudy, der bereits am Sonntag für Schalke auf dem Platz stehen könnte. Über den Neuzugang sagt Hassan: „Das ist ein wichtiger Transfer für den Klub. Ich bin davon überzeugt, dass Sebastian Rudy – von seiner Spielanlage her – der Spieler ist, den Tedesco noch brauchte. Rudy ist ein Stratege, ein Lenker und Denker im Mittelfeld. Er könnte das Angriffsspiel auf geordnete Beine stellen und mehr Qualität ins Spiel bringen. In meinen Augen ist er einer der meistunterschätzten Spieler der Bundesliga.

Die Abwehr, die große Qualität in beiden Teams

Beide Teams haben ihre Stärken in der Defensive (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Hertha BSC ist unter Pal Dardai vor allem für ausgezeichnete Abwehrarbeit bekannt. Es ist tatsächlich viel Qualität in der Mannschaft, vor allem in den zentralen Abwehrpositionen, mit Niklas Stark, Karim Rekik und Jordan Torunarigha. Zudem können im 3-4-3 System, mit Valentino Lazaro und Marvin Plattenhardt als offensivere Außenverteidiger, zwei hochklassige Spieler eingesetzt werden. Die gesamte Mannschaft bei Hertha ist defensiv eine Wand, sodass sie nur schwer vom Gegner zu knacken ist.

Auch in Gelsenkirchen war letzte Saison die Abwehr die große Stärke. Für die neue Spielzeit wurde zudem auch noch mit Salif Sané einen sehr starken Spieler für die Innenverteidigung dazu geholt. Gut für Hertha ist, dass aktuell in der Abwehr „durch die Verletzung von Benjamin Stambouli, dem Abgang von Thilo Kehrer und der jüngsten Zwei-Spiele-Sperre für Matija Nastasic eine etwas dünnere Personaldecke herrscht“. Laut Hassan hat zwar Trainer Tedesco mit Weston McKennie und U19-Vizemeister Niklas Wiemann Lösungen parat, ein Wechsel zurück zu einer Viererkette hält er allerdings für „durchaus möglich“. Das Hauptsystem, was Tedesco spielen lässt, ist „ aktuell das 3-5-2“.

Gute Ansätze gegen Nürnberg

Was spricht denn für Hertha? Das Spiel im Olympiastadion gegen Nürnberg war sicherlich kein Offensivfeuerwerk, und kein Fußball für Fans des “Tiki-Taka”. Trotzdem war in Ansätzen einiges mitzunehmen, was den Hertha-Fans Mut machen sollte. Die Dreierkette sah mit dem Trio Niklas Stark, Karim Rekik und vor allem Jordan Torunarigha (der eine besonders gute Partie zeigte) bereits ordentlich aus. Nürnberg enttäuschte zwar im Offensivspiel, allerdings auch deshalb, weil sich die Berliner Innenverteidigung keine Blöße gab. Dass noch nicht alles klappt, ist eindeutig, große Sorgen sollte man sich aber im Hinblick auf das Spiel am Sonntag diesbezüglich nicht machen.

Valentino Lazaro glänzte auch gegen Nürnberg als Vorlagengeber (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Auch im Offensivspiel erspielte sich Hertha zum Teil sehenswerte Aktionen. Das Zusammenspiel von Arne Maier und Ondrej Duda war phasenweise schön anzusehen. Der Mangel an Chancen lag wohl auch daran, dass sowohl Maximilian Mittelstädt, als auch Salomon Kalou auf der jeweils linken und rechten Offensivseite keinen überragenden Tag erwischten, und sich nur selten durchsetzen konnten. Valentino Lazaro konnte dafür als Vorlagengeber glänzen und wird auch Sonntag für Hertha sehr wichtig sein.

Es wird interessant sein zu beobachten, wie Hertha zum ersten Mal diese Saison gegen einen sehr starken Gegner aussieht. Eine weitere Standortbestimmung.

Ausfall von Plattenhardt – Qual der Wahl bei Dardai

Schmerzen wird am Sonntag der Ausfall von Nationalspieler Marvin Plattenhardt, der sich leider eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich zugezogen hat und nicht zur Verfügung steht. Gut möglich also, dass Maximilian Mittelstädt auf dessen Position eingesetzt wird. Dadurch wäre ein Platz frei für einen Offensivspieler. Denkbar wäre, dass Valentino Lazaro diese Position einnimmt, und an seiner Stelle Neuzugang Lukas Klünter sein Debüt bei Hertha auf die rechte Verteidiger-Position feiert. Allerdings ist Lazaro gerade für diese rechte Position im 3-4-3 gedacht, hat dabei gegen Nürnberg bereits eine gute Leistung gezeigt. Es ist also unwahrscheinlich, dass Dardai ihn jetzt wieder offensiver aufstellt. Eine andere Möglichkeit wäre den jungen Dennis Jastrzembski die Chance zu geben, von Beginn an zu spielen. Alexander Esswein saß gegen Nürnberg noch auf der Tribüne, sodass eine Rückkehr in die Startelf sehr zweifelhaft ist.

Plattenhardt fehlt am Sonntag aufgrund einer Adduktorenverletzung (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch Trainer-Sohn Palko Dardai (Startelf?) und Javairo Dilrosun (Kurzeinsatz?) dürfen sich Hoffnungen auf Bundesliga-Minuten machen

Schließlich hat Dardai noch die Option, zurück in das „alte“ System im 4-2-3-1 zu wechseln, und einen zentralen Spieler in die Startelf zu bringen. Da wäre Neuzugang Marko Grujic eine Option, oder aber Dardai wählt die defensivere Variante und vertraut Per Skjelbred (oder Fabian Lustenberger). Dabei könnte dem gegen Nürnberg schwachen Mittelstädt die Bank drohen, da Jordan Torunarigha ebenfalls als linker Verteidiger spielen kann, und einen sehr starken Saisonauftakt zeigt. Es gibt also zahlreiche Optionen für den Berliner Cheftrainer.

Kann Hertha den Bann brechen?

Wie bereits erwähnt, sieht die Statistik von Hertha BSC auf Schalke düster aus. Dazu kommen die Ausfälle von Plattenhardt und Leckie, der noch nicht rechtzeitig fit wird. Zudem sind die Schalker nach der Niederlage in Wolfsburg unter Druck. Dazu sagt Hassan: „Unter Druck war auf Schalke selten etwas für andere Mannschaften zu holen. Ich denke, dass S04 versuchen wird, das Spiel klar zu gewinnen. Ich gehe von einem Heimsieg aus.“ Allerdings weiß er auch: „In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen, so auch die alte Dame die Königsblauen“.

Die Chancen von Hertha stehen zwar nicht besonders gut, allerdings wird die Aufgabe für die Schalker alles andere als leicht sein. Ein Punkt auf Schalke ist möglich, wenn Hertha eine gute Tagesform zeigt und defensiv stabil bleibt. Mit leeren Händen will Hertha nicht schon wieder aus Gelsenkirchen zurück fahren, jede Serie hat bekanntlich auch ein Ende.

 

Was denkt ihr, kann Hertha endlich nach 13 Jahren Flaute auf Gelsenkirchen punkten? Schreibt uns eure Meinung dazu.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

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