BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 2. Spieltag: Schalke 04 – Hertha BSC

Was. Für. Ein. Spiel. 14 Jahre mussten wir auf einen Hertha-Sieg bei Schalke 04 warten, endlich ist der Bann gebrochen, und Hertha BSC startet mit sechs Punkten in zwei Spielen in die neue Saison. Ondrej Duda und Rune Jarstein sind die Matchwinner eines ereignisreichen Spieles.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1

(Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Wie bewertet man einen Torhüter, der alle Schüsse halten konnte, im Strafraum dominant war und sogar einen Elfmeter mit seinem Vikingerblick ans Tor vorbei schaute? Mit einer glatten eins. Rune Jarstein startet die Bundesligasaison mit zwei Glanzleistungen in zwei Spielen. Gegen Schalke konnte er sich ebenfalls auszeichnen, vor allem während der Schlussphase. Der Norweger zeigte starke Paraden in der Nachspielzeit gegen Guido Burgstaller (90 + 2) und Mark Uth (90 + 3). „Er hat gehalten wie Jesus“ hätte man sagen können, wie damals Lucien Favre zu Jaroslav Drobny. „Am Ende hat Rune uns gerettet“ hieß es von Pal Dardai nach dem Spiel.

Kleines Wehrmutstropfen: die gelbe Karte wegen Zeitspiels in der 50. Minute. Bereits Anfang der zweiten Halbzeit begann Jarstein mit dem Zeitspiel bei Abstößen und sah verdient die gelbe Karte.

Toller Saisonstart also für Rune Jarstein, der jegliche Zweifel verstummen lässt.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+

(Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Niklas Stark spielte am Sonntag eine solide Partie. Mit 11,26 km lieferte er eine, für einen Verteidiger, hohe Laufleistung ab und konnte seine Zweikämpfe alle (!) gewinnen. Vor allem in der Luft war er unbezwingbar und konnte oft, bei den zahlreichen Ecken der Schalker und den vielen Angriffen aus den Seiten, Situationen per Kopf bereinigen. Zudem foulte er kein einziges Mal in der Partie.

Diese Werte zeigen allerdings auch, dass er allgemein weniger Zweikämpfe führte als Jordan Torunarigha oder die Außenverteidiger Valentino Lazaro und Maximilian Mittelstädt. Dies lag vor allem daran, dass es Hertha es schaffte, das Mittelfeld der Schalker zu neutralisieren. So gut wie alle Angriffe der Königsblauen erfolgten auf den Flügel, sodass Niklas Stark nur selten direkt gefragt war.

Ein eher unauffälliges Spiel des 23-Jährigen, der sich keine Fehler leistete und wenig Risiko eingehen musste. Die weiten Bälle nach vorne überließ er meistens Torunarigha.

Karim Rekik – Note: /

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Der Niederländer verletzte sich leider bereits in der fünften Minute an den Adduktoren. Die Schwere der Verletzung ist bisher nicht bekannt, Pal Dardai sagte jedoch in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Es sieht nicht gut aus. Er hat Muskelprobleme.

Der Berliner Cheftrainer stellte das System auf ein 4-2-3-1 um, mit Maximilian Mittelstädt als linker Verteidiger und Stark und Torunarigha als Innenverteidiger. Dafür kam Javairo Dilrosun in die Partie und übernahm die linke offensive Position. Die Systemumstellung wirkte sich nicht wirklich negativ auf das Berliner Spiel aus.

Wir wünschen Karim Rekik eine schnelle Genesung!

 

Jordan Torunarigha – Note: 2+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

So wie auch gegen Nürnberg war Jordan Torunarigha der Innenverteidiger, der am meisten auf sich aufmerksam machte. Er führte viele Zweikämpfe (etwa doppelt so viele wie Niklas Stark), wies eine Zweikampfquote von 67% auf und foulte nur zweimal.

Auffällig war zudem, dass der 21-Jährige öfter lange Bälle in die Spitze spielte. So schickte er in der 15. Spielminute Javairo Dilrosun mit einem spektakulären Ball auf die Reise, der dann die Vorlage zum 1:0 von Ondrej Duda gab.

Zudem konnte er in seiner ruhigen und abgeklärten Art einige Situationen lösen, und erlaubte sich wie Niklas Stark auch keine Fehler. Torunarigha bestätigt auch gegen Schalke seine Formstärke, auch durch die Verletzung von Karim Rekik hat er sein Stammplatz jetzt in jedem System der Berliner zunächst sicher.

Maximilian Mittelstädt: Note 2

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Maximilian Mittelstädt zeigte gegen Schalke sein bisher bestes Spiel in dieser Saison. Nach der Verletzung von Karim Rekik spielte er in der Vierkette als linker Verteidiger und erfüllte seine Defensivaufgaben hervorragend. Er gewann mit Ondrej Duda die meisten Zweikämpfe, hatte eine Passquote von 73% und war hauptverantwortlich dafür, dass Breel Embolo auf der Schalker rechten Seite kein Land sah. Mittelstädt brachte sein Gegenspieler öfter am Rande der Verzweiflung, bis Embolo nach 57 Minuten ausgewechselt wurde.

In der Offensive jedoch war Mittelstädt kaum zu sehen. Er konnte keine einzige Flanke zum Mann bringen, hatte nur selten Vorstöße und spielte eher Pässe nach hinten als nach vorne. Positiv fielen aber seine kleinen Finten auf, mit denen er sich in engen Situationen gut lösen konnte.

Insgesamt also ein starkes Spiel vom 21-Jährigen. Im Spiel nach vorne muss er allerdings noch mutiger werden, gegen Schalke war er aber ein äußerst guter Ersatz für Marvin Plattenhardt. Er hat deutlich an Körperlichkeit und Reife dazugewonnen.

Valentino Lazaro: Note 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Als einer der zuletzt stärksten Spieler bei Hertha BSC, konnte Valentino Lazaro nur phasenweise in Gelsenkirchen überzeugen. Die frühe Umstellung vom 3-4-3 in das 4-2-3-1 System tat dem Österreicher nicht gut. Er musste öfter seine defensive Rolle wahrnehmen, und war weniger in der Offensivbewegung. Zudem hatte er große Schwierigkeiten, den am Sonntag sehr spielfreudigen Yevhen Konoplianka in den Griff zu bekommen. Viel zu oft kam sein Gegenspieler fast ohne Gegenwehr vorbei und wurde vor allem in der ersten Halbzeit gefährlich. Bezeichnend ist, dass die Angriffe der Schalker fast immer über die linke Seite liefen.

Die rechte Seite der Berliner, mit Lazaro und Kalou, war in der Defensive deutlich anfälliger als die linke Seite. Der Vorlagengeber letzter Woche gegen Nürnberg konnte in Gelsenkirchen nur einen Torschuss vorbereiten, gab nur eine misslungene Flanke ab. Letzte Woche noch drittfleißigster Herthaner lief er in dieser Partie „nur“ 10,87 Kilometer, weniger als sechs andere Berliner Spieler.

Seine Zweikampfquote bleibt ordentlich, mit 67% gewonnenen Zweikämpfen. Stabilisieren konnte sich Lazaro, als Fabian Lustenberger in der 67ten Minute eingewechselt wurde, und Hertha wieder mit drei Innenverteidigern spielte. Das entlastete spürbar den Österreicher, der deutlich offensiver agieren konnte und unter Anderem bei Konter zu sehen war.

In seinen stärkeren Phasen zeigte Lazaro auch in Gelsenkirchen, warum er so wichtig für Hertha BSC ist.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2-

(Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Arne Maier präsentierte sich im zentralen Mittelfeld von Hertha BSC ähnlich wie im ersten Bundesligaspiel gegen Nürnberg. Mit 12,56 Km ist seine Laufleistung höher, als jeder andere Spieler auf dem Platz (hinter ihm Ondrej Duda mit 12,33 km.). Ein Kraftakt also des jungen Berliners, der unermüdlich die Mittelfeldspieler aus Gelsenkirchen bedrängte und dafür sorgte, dass Nabil Bentaleb nie ins Spiel fand. Seine Passquote ist wie auch gegen Nürnberg mit 86 % einer der höchsten in seiner Mannschaft.

Maier übernahm im Mittelfeld eindeutig den defensiveren Part, und überließ die offensiven Aufgaben Ondrej Duda und Marko Grujic. Er agierte eher unauffällig, nahm kein Risiko und spielte keinen einzigen Pass in das letzte Drittel des Gegners. Trotz seiner starken Defensivleistung bleibt in der offensive noch Luft nach oben. Nur selten traute er sich etwas zu, und erst in der letzten Viertelstunde war er mehrmals in der gegnerischen Hälfte zu sehen.

Der 19-jährige Stammspieler wird in den nächsten Wochen die Gelegenheit haben, noch mutiger zu werden.

Marko Grujic – Note: 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Als zweiter Sechser neben Arne Maier durfte gegen Schalke Neuzugang Marko Grujic zum ersten Mal von Beginn an spielen. Nicht schlecht für einen Spieler, der erst kurz nach dem ersten Pflichtspiel gegen Eintracht Braunschweig zur Mannschaft gestoßen ist. Das Spiel lief allerdings zunächst an Grujic vorbei. In der 13. Spielminute verursachte er einen Handelfmeter, eine Situation die absolut vermeidbar gewesen wäre. Glücklicherweise verschoss Daniel Caligiuri den Strafstoß.

Seine Aufgabe erfüllte Marko Grujic ansonsten ganz ordentlich. Er übernahm eine ähnliche Rolle wie Arne Maier, allerdings spielte er etwas offensiver und traute sich mehr zu im Spiel nach vorne. So hatte er in der 61. Minute eine große Chance, als er nach Vorlage von Ondrej Duda an Sané vorbei sprintete und nur im letzten Moment an Fährmann scheiterte. Der Serbe lief 12,27 Kilometer und hatte eine Passquote von 86%. Seine Zweikampfquote war allerdings mit 31% gewonnenen Duellen ausbaufähig. Außerdem wirkte er in einigen Situationen etwas nervös und unsicher. Er wusste aber auch immer wieder zu gefallen, besonders wenn er sich in engen Mittelfeldduellen mit klugen Bewegungen und Pässen befreien konnte.

Für ein erstes Spiel von Beginn an im neuen Team war die Leistung von Marko Grujic sehr ordentlich. Mit etwas mehr Spielpraxis und Eingewöhnung an die Mitspieler könnte er öfter seine Chance bekommen, vielleicht schon nächste Partie gegen den VfL Wolfsburg.

Ondrej Duda – Note: 1

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Was war das denn bitte schön für ein Spiel von Ondrej Duda? Die Nummer zehn machte sein mit Abstand bestes Spiel im Hertha-Trikot und war in allen Belangen herausragend. Der Slowake war überall zu finden, lief 12,33 Kilometer und gewann mit Mittelstädt die meisten Zweikämpfe. Er nahm Sebastian Rudy in Manndeckung, und erledigte seine Defensiv-Aufgabe so gut, dass Schalke-Trainer Domenico Tedesco seinen Neuzugang aus Bayern nach 51 Minuten auswechseln musste.

Duda gewann 61 Prozent seiner Zweikämpfe (im Vergleich: Sebastian Rudy nur 50 Prozent, Arne Maier ebenfalls 50%) und war der Hauptgrund, warum Schalke im Zentrum nie die Oberhand gewinnen konnte. Bezeichnend ist seine Grätsche gegen Konoplyanka in der 62. Minute, um einen gefährlichen Konter der Schalker zu unterbinden.

Nummer zehn“ wollte einfach alles in Gelsenkirchen gelingen. Nach starker Vorarbeit von Javairo Dilrosun erzielte er mit einem satten Schuss das 1-0. In der Folge machte er immer wieder auf sich aufmerksam. Er krönte seine starke Leistung mit einem perfekt getretenen Freistoß in der letzten Minute der Nachspielzeit zum 2:0-Endstand. Durch sein Doppelpack hat er bereits jetzt mehr Tore geschossen als in der gesamten letzten Saison. Noch sechs Treffer und Salomon Kalou muss dem Slowaken eine Rolex schenken.

Fakt ist: zeigt Ondrej Duda in den nächsten Wochen und Monaten öfter eine Leistung wie gegen Schalke, wird er nicht mehr aus der Startelf wegzudenken sein. Er versprüht zugleich Spielwitz und unbedingten Willen.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 4+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Die rechte Seite von Hertha war wie bereits erwähnt nicht so stark wie die linke. Dies lag unter anderem auch daran, dass Salomon Kalou wie Valentino Lazaro, kein sehr gutes Spiel ablieferte. Der Ivorer gewann nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe und hatte in der ersten Halbzeit Schwierigkeiten in der Defensivarbeit.

Er versuchte allerdings im Offensivspiel einiges und hätte nach dem Missverständnis in der Schalker Abwehr in der 35. Minute, und einen anschließenden tollen Sprint, das 2:0 machen können, vielleicht sogar müssen. In der zweiten Halbzeit arbeitete er viel mit nach hinten und spulte insgesamt knapp elf Kilometer ab.

Der Ivorer übernahm in der 67. Minute die Kapitänsbinde vom ausgewechselten Vedad Ibisevic. Insgesamt eine passable Leistung von Kalou, der mit Kampfgeist wieder gut machte, was ihm spielerisch nicht gelingen wollte.

Vedad Ibisevic – Note 4-

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Es war ein sehr undankbares Spiel für Vedad Ibisevic. Der Kapitän musste 67 Minuten lang auf Bälle warten, die letztlich nie bei ihm ankamen. Die Schalker Innenverteidigung mit Naldo und Sané ließen ihm kein Raum, und auch in den wenigen Angriffen von Hertha in der ersten Halbzeit wurde er nie im Strafraum gefunden. Er selber konnte sich keine Bälle erarbeiten, gewann nur 17% seiner Zweikämpfe und hatte insgesamt nur 13 Ballkontakte.

Im Ergebnis blieb der 34-Jährige ohne Torschuss und ohne Torschussvorlage. Ein Spiel zum Vergessen also für den Bosnier, der in der 67. Minuten den Platz verlassen musste. Für ihn kam Fabian Lustenberger in die Partie.

Einwechselspieler

Javairo Dilrosun – Note: 2-

(Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Viele waren überrascht, als Karim Rekik verletzt raus musste und ausgerechnet Javairo Dilrosun für ihn eingewechselt wurde. In den letzten Wochen erschien Dennis Jastrzembski der Startelf näher.

Noch überraschter waren die Schalker, als der Niederländer in der 15. Minute einen langen Ball von Torunarigha sehenswert annahm, Richtung Strafraum sprintete und das 1:0 von Ondrej Duda vorbereitete. Sofort fiel Dilrosun durch seine Dribblings, seine Technik und sein Antritt auf. Ihm war die Anspannung des ersten Pflichtspiels bei den Hertha-Profis kaum anzumerken. Er war auch sehr fleißig und lief 11,32 km in 84 Minuten.

Auffällig ist auch seine Passquote: 88 Prozent seiner Pässe kamen an. Auch im engen Raum wusste er seine Mitspieler präzise anzuspielen und leitete vor allem in der zweiten Halbzeit sehenswert Konter ein. Sein Hackentrick in der 86. Minute in den Lauf von Arne Maier ist nur ein Beispiel dafür, was de 20-Jährige mit dem Ball machen kann.

Es klappte aber längst nicht alles beim Niederländer. Er verdribbelte sich das eine oder andere Mal, lief sich immer wieder fest und gewann nur 12% seiner Zweikämpfe. Die linke Außenposition scheint ihm auch besser zu liegen, als im Sturm, wo er nach der Auswechslung von Vedad Ibisevic in der Schlussphase mit Salomon Kalou spielte. Sein Debüt bei Hertha ist jedoch vielversprechend und macht Lust auf mehr. Fußball spielen kann Dilrosun auf jeden Fall, das hat er in Gelsenkirchen gezeigt.

Fabian Lustenberger – Note: 3

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

In der 67. Minuten kam der Schweizer in die Partie und ersetzte Vedad Ibisevic. „Lusti“ spielte als dritter Innenverteidiger zwischen Niklas Stark und Jordan Torunarigha und übernahm ausschließlich defensive Aufgaben. Kaum war er auf dem Platz, schon konnte er sich auszeichnen und in der 68. Minute gegen Guido Burgstaller sehenswert klären.

Er brachte die gewünschte Stabilität, blieb ohne Fehler und fügte sich gut ein. Auffällig war auch seine Kommunikation mit den anderen Verteidigern. Durch seine Präsenz in der Abwehr sorgte er dafür, dass Valentino Lazaro etwas offensiver spielen konnte. Insgesamt waren es ordentliche 30 Minuten von Fabian Lustenberger, der weiterhin eine Alternative in der Defensive von Hertha bleibt.

Dennis Jastrzembski – Note: /

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

„Jatze“ kam für eine Aktion für Salomon Kalou und die hatte es in sich. Die letzte Chance der Schalker führte zum Konter der Berliner über Jastrzembski, der im Vollsprint Richtung Strafraum von Konoplyanka nur durch eine Notbremse zu stoppen war. Ein sehenswerter Antritt vom 18-Jährigen, der dafür sorgte, dass Ondrej Duda per direkten Freistoß das 2:0 erzielte. Viel mehr kann man in einer Minute Spielzeit nicht erreichen.

Vorheriger Beitrag
Schalke 04 – Hertha BSC: Jede Serie hat ein Ende
Nächster Beitrag
Nationalität ist keine Leistung

Ähnliche Beiträge

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.

Was. Für. Ein. Spiel. 14 Jahre mussten wir auf einen Hertha-Sieg bei Schalke 04 warten, endlich ist der Bann gebrochen, und Hertha BSC startet mit sechs Punkten in zwei Spielen in die neue Saison. Ondrej Duda und Rune Jarstein sind die Matchwinner eines ereignisreichen Spieles.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1

(Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Wie bewertet man einen Torhüter, der alle Schüsse halten konnte, im Strafraum dominant war und sogar einen Elfmeter mit seinem Vikingerblick ans Tor vorbei schaute? Mit einer glatten eins. Rune Jarstein startet die Bundesligasaison mit zwei Glanzleistungen in zwei Spielen. Gegen Schalke konnte er sich ebenfalls auszeichnen, vor allem während der Schlussphase. Der Norweger zeigte starke Paraden in der Nachspielzeit gegen Guido Burgstaller (90 + 2) und Mark Uth (90 + 3). „Er hat gehalten wie Jesus“ hätte man sagen können, wie damals Lucien Favre zu Jaroslav Drobny. „Am Ende hat Rune uns gerettet“ hieß es von Pal Dardai nach dem Spiel.

Kleines Wehrmutstropfen: die gelbe Karte wegen Zeitspiels in der 50. Minute. Bereits Anfang der zweiten Halbzeit begann Jarstein mit dem Zeitspiel bei Abstößen und sah verdient die gelbe Karte.

Toller Saisonstart also für Rune Jarstein, der jegliche Zweifel verstummen lässt.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+

(Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Niklas Stark spielte am Sonntag eine solide Partie. Mit 11,26 km lieferte er eine, für einen Verteidiger, hohe Laufleistung ab und konnte seine Zweikämpfe alle (!) gewinnen. Vor allem in der Luft war er unbezwingbar und konnte oft, bei den zahlreichen Ecken der Schalker und den vielen Angriffen aus den Seiten, Situationen per Kopf bereinigen. Zudem foulte er kein einziges Mal in der Partie.

Diese Werte zeigen allerdings auch, dass er allgemein weniger Zweikämpfe führte als Jordan Torunarigha oder die Außenverteidiger Valentino Lazaro und Maximilian Mittelstädt. Dies lag vor allem daran, dass es Hertha es schaffte, das Mittelfeld der Schalker zu neutralisieren. So gut wie alle Angriffe der Königsblauen erfolgten auf den Flügel, sodass Niklas Stark nur selten direkt gefragt war.

Ein eher unauffälliges Spiel des 23-Jährigen, der sich keine Fehler leistete und wenig Risiko eingehen musste. Die weiten Bälle nach vorne überließ er meistens Torunarigha.

Karim Rekik – Note: /

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Der Niederländer verletzte sich leider bereits in der fünften Minute an den Adduktoren. Die Schwere der Verletzung ist bisher nicht bekannt, Pal Dardai sagte jedoch in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Es sieht nicht gut aus. Er hat Muskelprobleme.

Der Berliner Cheftrainer stellte das System auf ein 4-2-3-1 um, mit Maximilian Mittelstädt als linker Verteidiger und Stark und Torunarigha als Innenverteidiger. Dafür kam Javairo Dilrosun in die Partie und übernahm die linke offensive Position. Die Systemumstellung wirkte sich nicht wirklich negativ auf das Berliner Spiel aus.

Wir wünschen Karim Rekik eine schnelle Genesung!

 

Jordan Torunarigha – Note: 2+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

So wie auch gegen Nürnberg war Jordan Torunarigha der Innenverteidiger, der am meisten auf sich aufmerksam machte. Er führte viele Zweikämpfe (etwa doppelt so viele wie Niklas Stark), wies eine Zweikampfquote von 67% auf und foulte nur zweimal.

Auffällig war zudem, dass der 21-Jährige öfter lange Bälle in die Spitze spielte. So schickte er in der 15. Spielminute Javairo Dilrosun mit einem spektakulären Ball auf die Reise, der dann die Vorlage zum 1:0 von Ondrej Duda gab.

Zudem konnte er in seiner ruhigen und abgeklärten Art einige Situationen lösen, und erlaubte sich wie Niklas Stark auch keine Fehler. Torunarigha bestätigt auch gegen Schalke seine Formstärke, auch durch die Verletzung von Karim Rekik hat er sein Stammplatz jetzt in jedem System der Berliner zunächst sicher.

Maximilian Mittelstädt: Note 2

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Maximilian Mittelstädt zeigte gegen Schalke sein bisher bestes Spiel in dieser Saison. Nach der Verletzung von Karim Rekik spielte er in der Vierkette als linker Verteidiger und erfüllte seine Defensivaufgaben hervorragend. Er gewann mit Ondrej Duda die meisten Zweikämpfe, hatte eine Passquote von 73% und war hauptverantwortlich dafür, dass Breel Embolo auf der Schalker rechten Seite kein Land sah. Mittelstädt brachte sein Gegenspieler öfter am Rande der Verzweiflung, bis Embolo nach 57 Minuten ausgewechselt wurde.

In der Offensive jedoch war Mittelstädt kaum zu sehen. Er konnte keine einzige Flanke zum Mann bringen, hatte nur selten Vorstöße und spielte eher Pässe nach hinten als nach vorne. Positiv fielen aber seine kleinen Finten auf, mit denen er sich in engen Situationen gut lösen konnte.

Insgesamt also ein starkes Spiel vom 21-Jährigen. Im Spiel nach vorne muss er allerdings noch mutiger werden, gegen Schalke war er aber ein äußerst guter Ersatz für Marvin Plattenhardt. Er hat deutlich an Körperlichkeit und Reife dazugewonnen.

Valentino Lazaro: Note 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Als einer der zuletzt stärksten Spieler bei Hertha BSC, konnte Valentino Lazaro nur phasenweise in Gelsenkirchen überzeugen. Die frühe Umstellung vom 3-4-3 in das 4-2-3-1 System tat dem Österreicher nicht gut. Er musste öfter seine defensive Rolle wahrnehmen, und war weniger in der Offensivbewegung. Zudem hatte er große Schwierigkeiten, den am Sonntag sehr spielfreudigen Yevhen Konoplianka in den Griff zu bekommen. Viel zu oft kam sein Gegenspieler fast ohne Gegenwehr vorbei und wurde vor allem in der ersten Halbzeit gefährlich. Bezeichnend ist, dass die Angriffe der Schalker fast immer über die linke Seite liefen.

Die rechte Seite der Berliner, mit Lazaro und Kalou, war in der Defensive deutlich anfälliger als die linke Seite. Der Vorlagengeber letzter Woche gegen Nürnberg konnte in Gelsenkirchen nur einen Torschuss vorbereiten, gab nur eine misslungene Flanke ab. Letzte Woche noch drittfleißigster Herthaner lief er in dieser Partie „nur“ 10,87 Kilometer, weniger als sechs andere Berliner Spieler.

Seine Zweikampfquote bleibt ordentlich, mit 67% gewonnenen Zweikämpfen. Stabilisieren konnte sich Lazaro, als Fabian Lustenberger in der 67ten Minute eingewechselt wurde, und Hertha wieder mit drei Innenverteidigern spielte. Das entlastete spürbar den Österreicher, der deutlich offensiver agieren konnte und unter Anderem bei Konter zu sehen war.

In seinen stärkeren Phasen zeigte Lazaro auch in Gelsenkirchen, warum er so wichtig für Hertha BSC ist.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2-

(Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Arne Maier präsentierte sich im zentralen Mittelfeld von Hertha BSC ähnlich wie im ersten Bundesligaspiel gegen Nürnberg. Mit 12,56 Km ist seine Laufleistung höher, als jeder andere Spieler auf dem Platz (hinter ihm Ondrej Duda mit 12,33 km.). Ein Kraftakt also des jungen Berliners, der unermüdlich die Mittelfeldspieler aus Gelsenkirchen bedrängte und dafür sorgte, dass Nabil Bentaleb nie ins Spiel fand. Seine Passquote ist wie auch gegen Nürnberg mit 86 % einer der höchsten in seiner Mannschaft.

Maier übernahm im Mittelfeld eindeutig den defensiveren Part, und überließ die offensiven Aufgaben Ondrej Duda und Marko Grujic. Er agierte eher unauffällig, nahm kein Risiko und spielte keinen einzigen Pass in das letzte Drittel des Gegners. Trotz seiner starken Defensivleistung bleibt in der offensive noch Luft nach oben. Nur selten traute er sich etwas zu, und erst in der letzten Viertelstunde war er mehrmals in der gegnerischen Hälfte zu sehen.

Der 19-jährige Stammspieler wird in den nächsten Wochen die Gelegenheit haben, noch mutiger zu werden.

Marko Grujic – Note: 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Als zweiter Sechser neben Arne Maier durfte gegen Schalke Neuzugang Marko Grujic zum ersten Mal von Beginn an spielen. Nicht schlecht für einen Spieler, der erst kurz nach dem ersten Pflichtspiel gegen Eintracht Braunschweig zur Mannschaft gestoßen ist. Das Spiel lief allerdings zunächst an Grujic vorbei. In der 13. Spielminute verursachte er einen Handelfmeter, eine Situation die absolut vermeidbar gewesen wäre. Glücklicherweise verschoss Daniel Caligiuri den Strafstoß.

Seine Aufgabe erfüllte Marko Grujic ansonsten ganz ordentlich. Er übernahm eine ähnliche Rolle wie Arne Maier, allerdings spielte er etwas offensiver und traute sich mehr zu im Spiel nach vorne. So hatte er in der 61. Minute eine große Chance, als er nach Vorlage von Ondrej Duda an Sané vorbei sprintete und nur im letzten Moment an Fährmann scheiterte. Der Serbe lief 12,27 Kilometer und hatte eine Passquote von 86%. Seine Zweikampfquote war allerdings mit 31% gewonnenen Duellen ausbaufähig. Außerdem wirkte er in einigen Situationen etwas nervös und unsicher. Er wusste aber auch immer wieder zu gefallen, besonders wenn er sich in engen Mittelfeldduellen mit klugen Bewegungen und Pässen befreien konnte.

Für ein erstes Spiel von Beginn an im neuen Team war die Leistung von Marko Grujic sehr ordentlich. Mit etwas mehr Spielpraxis und Eingewöhnung an die Mitspieler könnte er öfter seine Chance bekommen, vielleicht schon nächste Partie gegen den VfL Wolfsburg.

Ondrej Duda – Note: 1

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Was war das denn bitte schön für ein Spiel von Ondrej Duda? Die Nummer zehn machte sein mit Abstand bestes Spiel im Hertha-Trikot und war in allen Belangen herausragend. Der Slowake war überall zu finden, lief 12,33 Kilometer und gewann mit Mittelstädt die meisten Zweikämpfe. Er nahm Sebastian Rudy in Manndeckung, und erledigte seine Defensiv-Aufgabe so gut, dass Schalke-Trainer Domenico Tedesco seinen Neuzugang aus Bayern nach 51 Minuten auswechseln musste.

Duda gewann 61 Prozent seiner Zweikämpfe (im Vergleich: Sebastian Rudy nur 50 Prozent, Arne Maier ebenfalls 50%) und war der Hauptgrund, warum Schalke im Zentrum nie die Oberhand gewinnen konnte. Bezeichnend ist seine Grätsche gegen Konoplyanka in der 62. Minute, um einen gefährlichen Konter der Schalker zu unterbinden.

Nummer zehn“ wollte einfach alles in Gelsenkirchen gelingen. Nach starker Vorarbeit von Javairo Dilrosun erzielte er mit einem satten Schuss das 1-0. In der Folge machte er immer wieder auf sich aufmerksam. Er krönte seine starke Leistung mit einem perfekt getretenen Freistoß in der letzten Minute der Nachspielzeit zum 2:0-Endstand. Durch sein Doppelpack hat er bereits jetzt mehr Tore geschossen als in der gesamten letzten Saison. Noch sechs Treffer und Salomon Kalou muss dem Slowaken eine Rolex schenken.

Fakt ist: zeigt Ondrej Duda in den nächsten Wochen und Monaten öfter eine Leistung wie gegen Schalke, wird er nicht mehr aus der Startelf wegzudenken sein. Er versprüht zugleich Spielwitz und unbedingten Willen.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 4+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Die rechte Seite von Hertha war wie bereits erwähnt nicht so stark wie die linke. Dies lag unter anderem auch daran, dass Salomon Kalou wie Valentino Lazaro, kein sehr gutes Spiel ablieferte. Der Ivorer gewann nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe und hatte in der ersten Halbzeit Schwierigkeiten in der Defensivarbeit.

Er versuchte allerdings im Offensivspiel einiges und hätte nach dem Missverständnis in der Schalker Abwehr in der 35. Minute, und einen anschließenden tollen Sprint, das 2:0 machen können, vielleicht sogar müssen. In der zweiten Halbzeit arbeitete er viel mit nach hinten und spulte insgesamt knapp elf Kilometer ab.

Der Ivorer übernahm in der 67. Minute die Kapitänsbinde vom ausgewechselten Vedad Ibisevic. Insgesamt eine passable Leistung von Kalou, der mit Kampfgeist wieder gut machte, was ihm spielerisch nicht gelingen wollte.

Vedad Ibisevic – Note 4-

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Es war ein sehr undankbares Spiel für Vedad Ibisevic. Der Kapitän musste 67 Minuten lang auf Bälle warten, die letztlich nie bei ihm ankamen. Die Schalker Innenverteidigung mit Naldo und Sané ließen ihm kein Raum, und auch in den wenigen Angriffen von Hertha in der ersten Halbzeit wurde er nie im Strafraum gefunden. Er selber konnte sich keine Bälle erarbeiten, gewann nur 17% seiner Zweikämpfe und hatte insgesamt nur 13 Ballkontakte.

Im Ergebnis blieb der 34-Jährige ohne Torschuss und ohne Torschussvorlage. Ein Spiel zum Vergessen also für den Bosnier, der in der 67. Minuten den Platz verlassen musste. Für ihn kam Fabian Lustenberger in die Partie.

Einwechselspieler

Javairo Dilrosun – Note: 2-

(Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Viele waren überrascht, als Karim Rekik verletzt raus musste und ausgerechnet Javairo Dilrosun für ihn eingewechselt wurde. In den letzten Wochen erschien Dennis Jastrzembski der Startelf näher.

Noch überraschter waren die Schalker, als der Niederländer in der 15. Minute einen langen Ball von Torunarigha sehenswert annahm, Richtung Strafraum sprintete und das 1:0 von Ondrej Duda vorbereitete. Sofort fiel Dilrosun durch seine Dribblings, seine Technik und sein Antritt auf. Ihm war die Anspannung des ersten Pflichtspiels bei den Hertha-Profis kaum anzumerken. Er war auch sehr fleißig und lief 11,32 km in 84 Minuten.

Auffällig ist auch seine Passquote: 88 Prozent seiner Pässe kamen an. Auch im engen Raum wusste er seine Mitspieler präzise anzuspielen und leitete vor allem in der zweiten Halbzeit sehenswert Konter ein. Sein Hackentrick in der 86. Minute in den Lauf von Arne Maier ist nur ein Beispiel dafür, was de 20-Jährige mit dem Ball machen kann.

Es klappte aber längst nicht alles beim Niederländer. Er verdribbelte sich das eine oder andere Mal, lief sich immer wieder fest und gewann nur 12% seiner Zweikämpfe. Die linke Außenposition scheint ihm auch besser zu liegen, als im Sturm, wo er nach der Auswechslung von Vedad Ibisevic in der Schlussphase mit Salomon Kalou spielte. Sein Debüt bei Hertha ist jedoch vielversprechend und macht Lust auf mehr. Fußball spielen kann Dilrosun auf jeden Fall, das hat er in Gelsenkirchen gezeigt.

Fabian Lustenberger – Note: 3

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

In der 67. Minuten kam der Schweizer in die Partie und ersetzte Vedad Ibisevic. „Lusti“ spielte als dritter Innenverteidiger zwischen Niklas Stark und Jordan Torunarigha und übernahm ausschließlich defensive Aufgaben. Kaum war er auf dem Platz, schon konnte er sich auszeichnen und in der 68. Minute gegen Guido Burgstaller sehenswert klären.

Er brachte die gewünschte Stabilität, blieb ohne Fehler und fügte sich gut ein. Auffällig war auch seine Kommunikation mit den anderen Verteidigern. Durch seine Präsenz in der Abwehr sorgte er dafür, dass Valentino Lazaro etwas offensiver spielen konnte. Insgesamt waren es ordentliche 30 Minuten von Fabian Lustenberger, der weiterhin eine Alternative in der Defensive von Hertha bleibt.

Dennis Jastrzembski – Note: /

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

„Jatze“ kam für eine Aktion für Salomon Kalou und die hatte es in sich. Die letzte Chance der Schalker führte zum Konter der Berliner über Jastrzembski, der im Vollsprint Richtung Strafraum von Konoplyanka nur durch eine Notbremse zu stoppen war. Ein sehenswerter Antritt vom 18-Jährigen, der dafür sorgte, dass Ondrej Duda per direkten Freistoß das 2:0 erzielte. Viel mehr kann man in einer Minute Spielzeit nicht erreichen.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü