Hertha BSCVorbericht

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Das etwas andere Topspiel

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Mit einer mittelgroßen Sensation verabschiedete sich Hertha am 2. Spieltag in die Länderspielpause. Der erste Punktgewinn auf Schalke seit 14 Jahren sorgt auch knapp zwei Wochen später immer noch für ungläubiges Kopfschütteln und Euphorie an der Spree. Dabei lieferte nicht nur das bloße Ergebnis Grund zur Freude. Auch spielerisch wussten die Blau-Weißen zu überzeugen. Allen voran das neue Trio im Mittelfeldzentrum aus Maier, Neuzugang Grujic und Duda machte Lust auf mehr. Gerade dass Matchwinner und Doppelpacker Duda endlich sein Potenzial abruft, ist ungemein wichtig für die ganze Mannschaft. Es ist dieser Tage daher schwierig, von Wolke 7 hinabzugleiten. Der nächste Gegner ist allerdings prädestiniert dafür, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen.

Für den Vorbericht zum dritten Spieltag haben wir der Wolfsburg-Expertin Antonia ein paar Fragen zu ihrem Verein gestellt, um zu erfahren, was vom guten Saisonstart der Wölfe zu halten ist und was sich im Sommer alles getan hat.

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Die Überraschungsstarter unter sich

Am Samstagnachmittag kommt es in der VW-Arena beim VfL Wolfsburg zum Aufeinandertreffen der – neben dem FC Bayern – einzigen beiden Mannschaften ohne Punktverlust. Wenn man sich das Auftaktprogramm der „Wölfe“ vor Augen führt, ist dieser gute Start nicht minder überraschend als bei Hertha. Nachdem man am ersten Spieltag in einer turbulenten Partie den Vizemeister aus Schalke besiegte, gelang dem Team von Bruno Labbadia am zweiten Spieltag gleich der nächste Coup. Trotz eines frühen Rückstands stand am Ende ein 3:1-Sieg gegen die vor der Saison so hoch gehandelten Leverkusener auf dem Papier. Das überrascht gerade dann, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass Wolfsburg dem Abstieg in den beiden Vorjahren erst in der Relegation von der Schippe gesprungen war.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Mit neuen Spielern zu alter Stärke?

Natürlich sollte man sich hüten, nach zwei Spieltagen gleich eine positive Prognose für die gesamte Saison auszusprechen. Dies gilt für Hertha und Wolfsburg gleichermaßen. Dennoch stellt man beim VfL auch unabhängig von der Punkteausbeute positive Veränderungen fest. In den vergangenen Jahren war der Verein zum Chaosclub verkommen. Trotz der Meisterschaft 2009 und der erfolgreichen Saison 2015 (Vizemeister und DFB-Pokal-Sieger) konnte man in der Folgezeit keine nachhaltige Entwicklung vorantreiben. Nachdem Kevin de Bruyne und Ivan Perisic den Verein verließen, ging es mit Wolfsburg rapide bergab. Angesichts der Qualität dieser Spieler ist das wenig verwunderlich. Allerdings war es keinesfalls so, als hätte man diese Lücken nicht mit großen Namen und dem Aufwand von viel Geld zu füllen versucht. Spieler wie Julian Draxler vermochten es aber nicht, den VfL wieder in die Erfolgsspur zu führen. Doch die Zeiten, in denen derartige Transfers getätigt wurden, scheinen passé zu sein. So bezeichnet auch Antonia die Einkäufe als “deutlich überlegter und besser als in den vorherigen Jahren”. Das bezieht sich auch auf die Ausgaben. Nun gehört zur ganzen Wahrheit, dass der VfL auch in diesem Jahr wieder 40 Millionen Euro für Nezugänge ausgab. Verglichen mit den Vorjahren ist das allerdings fast schon bescheiden. Zudem scheinen sich die Neuzugänge von Beginn an gut einzufügen, was in der Vergangenheit auch eher eine Seltenheit war. Sowohl Daniel Ginczek als auch Wout Weghorst konnten sich bereits in die Torschützenliste eintragen. Auch Linksverteidiger Roussillon, der für 5 Millionen Euro aus Montpellier kam, “überzeugt bisher mit seinen Flanken” und hebt damit, ebenso wie die beiden Erstgenannten “den Rest der Mannschaft auf ein neues Niveau”.

Labbadia und Schmadtke krempeln Wolfsburg um

Dass Wolfsburg dieser Tage ein anderes Bild abgibt als in der Vergangenheit, hängt zu großen Teilen mit Trainer Bruno Labbadia zusammen. Dabei ist es laut unserer Expertin weniger die Spielweise, die sich geändert hat als viel mehr der Charakter der Mannschaft, die endlich als Team auftritt. Dass Labbadia für solche Maßnahmen der richtige Mann ist, ist allerspätestens seit seiner zweiten Amtszeit beim HSV kein Geheimnis mehr. So spielte in diesem Sommer in Wolfsburg das Thema Teambuilding eine große Rolle. Auch nach außen hin präsentiert sich der VfL weitaus souveräner, als dies zum Beispiel noch mit Sportdirektor Olaf Rebbe der Fall war. Das gilt vor allem für die Formulierung der sportlichen Ziele. So wies Geschäftsführer Jörg Schmadtke das Bestreben, sich in diesem Jahr europäisch zu qualifizieren, jüngst deutlich zurück. Diese neue Wolfsburger Bescheidenheit überträgt sich auch auf die Fans. So spricht auch Antonia trotz sechs Punkten aus zwei Spielen weiterhin vom Ziel, dem Abstiegskampf fern zu bleiben und lobt die Verantwortlichen für das neue Anspruchsdenken.

Wer bleibt Bayernjäger?

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

So sehr man sich als Hertha-Fan die aktuelle Tabelle einfrieren möchte, so klar sollte allen sein, dass dieser Zustand wahrscheinlich nicht von Dauer sein wird. Trotzdem ist es keineswegs verboten, die Erfolgswelle zu reiten, solange es der Wellengang noch erlaubt. Am Samstagnachmittag entscheidet sich also, welches der beiden Teams den Bayern auf den Fersen bleibt. Aus Wolfsburger Sicht ist die Partie insofern interessant, als dass man erstmals in der neuen Spielzeit nicht die Außenseiterrolle innehat. So sagte Antonia angesprochen auf den erfolgreichen Start: “Es bleibt interessant zu sehen, wie man gegen einen Gegner spielt, bei dem der andere Verein nicht der klare Favorit ist wie zuletzt gegen Schalke und Leverkusen.” Genau das ist jetzt der Fall. Mit Hertha und Wolfsburg begegnen sich zwei Teams, die auf Augenhöhe anzusiedeln sind. Allerdings dürfte Trainer Pal Dardai ein paar kleine Sorgenfalten haben, wenn es um die Kaderzusammenstellung für Samstag geht. Mittelstädt, der sich auf Schalke eine Sprunggelenksverletzung zuzog, wird gegen Wolfsburg wohl keine Option sein. Auch hinter Dilrosun steht ein Fragezeichen. Der Nezugang schlug sich in der Woche, ebenso wie Pascal Köpke, mit einem Magen-Darm-Virus herum. Jedoch gibt es auch erfreuliche Nachrichten. Davie Selke dürfte nach seinem Comeback im Testspiel samt Treffer wieder zum Kader gehören. Auch Marvin Plattenhardt konnte nach Adduktorenbeschwerden wieder voll mit trainieren. Keine allzu schlechten Aussichten also, um weiter im Windschatten der Bayern laufen zu können.

 


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Mit einer mittelgroßen Sensation verabschiedete sich Hertha am 2. Spieltag in die Länderspielpause. Der erste Punktgewinn auf Schalke seit 14 Jahren sorgt auch knapp zwei Wochen später immer noch für ungläubiges Kopfschütteln und Euphorie an der Spree. Dabei lieferte nicht nur das bloße Ergebnis Grund zur Freude. Auch spielerisch wussten die Blau-Weißen zu überzeugen. Allen voran das neue Trio im Mittelfeldzentrum aus Maier, Neuzugang Grujic und Duda machte Lust auf mehr. Gerade dass Matchwinner und Doppelpacker Duda endlich sein Potenzial abruft, ist ungemein wichtig für die ganze Mannschaft. Es ist dieser Tage daher schwierig, von Wolke 7 hinabzugleiten. Der nächste Gegner ist allerdings prädestiniert dafür, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen.

Für den Vorbericht zum dritten Spieltag haben wir der Wolfsburg-Expertin Antonia ein paar Fragen zu ihrem Verein gestellt, um zu erfahren, was vom guten Saisonstart der Wölfe zu halten ist und was sich im Sommer alles getan hat.

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Die Überraschungsstarter unter sich

Am Samstagnachmittag kommt es in der VW-Arena beim VfL Wolfsburg zum Aufeinandertreffen der – neben dem FC Bayern – einzigen beiden Mannschaften ohne Punktverlust. Wenn man sich das Auftaktprogramm der „Wölfe“ vor Augen führt, ist dieser gute Start nicht minder überraschend als bei Hertha. Nachdem man am ersten Spieltag in einer turbulenten Partie den Vizemeister aus Schalke besiegte, gelang dem Team von Bruno Labbadia am zweiten Spieltag gleich der nächste Coup. Trotz eines frühen Rückstands stand am Ende ein 3:1-Sieg gegen die vor der Saison so hoch gehandelten Leverkusener auf dem Papier. Das überrascht gerade dann, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass Wolfsburg dem Abstieg in den beiden Vorjahren erst in der Relegation von der Schippe gesprungen war.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Mit neuen Spielern zu alter Stärke?

Natürlich sollte man sich hüten, nach zwei Spieltagen gleich eine positive Prognose für die gesamte Saison auszusprechen. Dies gilt für Hertha und Wolfsburg gleichermaßen. Dennoch stellt man beim VfL auch unabhängig von der Punkteausbeute positive Veränderungen fest. In den vergangenen Jahren war der Verein zum Chaosclub verkommen. Trotz der Meisterschaft 2009 und der erfolgreichen Saison 2015 (Vizemeister und DFB-Pokal-Sieger) konnte man in der Folgezeit keine nachhaltige Entwicklung vorantreiben. Nachdem Kevin de Bruyne und Ivan Perisic den Verein verließen, ging es mit Wolfsburg rapide bergab. Angesichts der Qualität dieser Spieler ist das wenig verwunderlich. Allerdings war es keinesfalls so, als hätte man diese Lücken nicht mit großen Namen und dem Aufwand von viel Geld zu füllen versucht. Spieler wie Julian Draxler vermochten es aber nicht, den VfL wieder in die Erfolgsspur zu führen. Doch die Zeiten, in denen derartige Transfers getätigt wurden, scheinen passé zu sein. So bezeichnet auch Antonia die Einkäufe als “deutlich überlegter und besser als in den vorherigen Jahren”. Das bezieht sich auch auf die Ausgaben. Nun gehört zur ganzen Wahrheit, dass der VfL auch in diesem Jahr wieder 40 Millionen Euro für Nezugänge ausgab. Verglichen mit den Vorjahren ist das allerdings fast schon bescheiden. Zudem scheinen sich die Neuzugänge von Beginn an gut einzufügen, was in der Vergangenheit auch eher eine Seltenheit war. Sowohl Daniel Ginczek als auch Wout Weghorst konnten sich bereits in die Torschützenliste eintragen. Auch Linksverteidiger Roussillon, der für 5 Millionen Euro aus Montpellier kam, “überzeugt bisher mit seinen Flanken” und hebt damit, ebenso wie die beiden Erstgenannten “den Rest der Mannschaft auf ein neues Niveau”.

Labbadia und Schmadtke krempeln Wolfsburg um

Dass Wolfsburg dieser Tage ein anderes Bild abgibt als in der Vergangenheit, hängt zu großen Teilen mit Trainer Bruno Labbadia zusammen. Dabei ist es laut unserer Expertin weniger die Spielweise, die sich geändert hat als viel mehr der Charakter der Mannschaft, die endlich als Team auftritt. Dass Labbadia für solche Maßnahmen der richtige Mann ist, ist allerspätestens seit seiner zweiten Amtszeit beim HSV kein Geheimnis mehr. So spielte in diesem Sommer in Wolfsburg das Thema Teambuilding eine große Rolle. Auch nach außen hin präsentiert sich der VfL weitaus souveräner, als dies zum Beispiel noch mit Sportdirektor Olaf Rebbe der Fall war. Das gilt vor allem für die Formulierung der sportlichen Ziele. So wies Geschäftsführer Jörg Schmadtke das Bestreben, sich in diesem Jahr europäisch zu qualifizieren, jüngst deutlich zurück. Diese neue Wolfsburger Bescheidenheit überträgt sich auch auf die Fans. So spricht auch Antonia trotz sechs Punkten aus zwei Spielen weiterhin vom Ziel, dem Abstiegskampf fern zu bleiben und lobt die Verantwortlichen für das neue Anspruchsdenken.

Wer bleibt Bayernjäger?

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

So sehr man sich als Hertha-Fan die aktuelle Tabelle einfrieren möchte, so klar sollte allen sein, dass dieser Zustand wahrscheinlich nicht von Dauer sein wird. Trotzdem ist es keineswegs verboten, die Erfolgswelle zu reiten, solange es der Wellengang noch erlaubt. Am Samstagnachmittag entscheidet sich also, welches der beiden Teams den Bayern auf den Fersen bleibt. Aus Wolfsburger Sicht ist die Partie insofern interessant, als dass man erstmals in der neuen Spielzeit nicht die Außenseiterrolle innehat. So sagte Antonia angesprochen auf den erfolgreichen Start: “Es bleibt interessant zu sehen, wie man gegen einen Gegner spielt, bei dem der andere Verein nicht der klare Favorit ist wie zuletzt gegen Schalke und Leverkusen.” Genau das ist jetzt der Fall. Mit Hertha und Wolfsburg begegnen sich zwei Teams, die auf Augenhöhe anzusiedeln sind. Allerdings dürfte Trainer Pal Dardai ein paar kleine Sorgenfalten haben, wenn es um die Kaderzusammenstellung für Samstag geht. Mittelstädt, der sich auf Schalke eine Sprunggelenksverletzung zuzog, wird gegen Wolfsburg wohl keine Option sein. Auch hinter Dilrosun steht ein Fragezeichen. Der Nezugang schlug sich in der Woche, ebenso wie Pascal Köpke, mit einem Magen-Darm-Virus herum. Jedoch gibt es auch erfreuliche Nachrichten. Davie Selke dürfte nach seinem Comeback im Testspiel samt Treffer wieder zum Kader gehören. Auch Marvin Plattenhardt konnte nach Adduktorenbeschwerden wieder voll mit trainieren. Keine allzu schlechten Aussichten also, um weiter im Windschatten der Bayern laufen zu können.

 


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