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Einzelkritik 3. Spieltag: VfL Wolfsburg – Hertha BSC

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Im Top-Spiel des dritten Bundesliga-Spieltages trennten sich der VfL Wolfsburg und Hertha BSC mit einem spektakulären 2:2. Inbesondere die heiße Schlussphase machte die Partie zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit. Die Berliner wurden rund 30 Minuten lang vom Gastgeber dominiert, bis sie endlich in die Partie fanden und sich den Punkt letztendlich verdienten. Einzig der späte 2:2-Ausgleich lässt ein wenig Trübsal blasen. Die Einzelkritik zu einer Berliner Mannschaft, die sich in das Spiel hineinbiss und immer besser wurde.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Für Herthas Schlussmann gehen einem langsam die Superlative aus. Auch gegen Wolfsburg rettete er seiner Mannschaft den Punktgewinn.

Trotz zweier Gegentore zeigte Jarstein einmal mehr eine überragende Leistung. Bei beiden Gegentreffern war der 33-Jährige machtlos. Der Elfmeter von Malli war sehr gut geschossen (Jarstein war aber mal wieder in der richtigen Ecke) und Mehmedis Schuss kam aus zu kurzer Distanz, als dass Jarstein noch hätte reagieren können. In den Szenen, in denen Herthas Keeper aber etwas ausrichten konnte, tat er es zu 100%. Er zeigte insgesamt fünf Paraden, die nahezu allesamt in die Kategorie “spektakulär” eingeordnet werden können. Ob Fernrakte von Roussillon (2. Minute), Volleyschuss Weghorst (65.) oder abgefälschte Hereingaben – Jarstein war immer zur Stelle. Zudem zeigte er, für seine Verhältnisse, viele gute Pässe, die genau in den Fuß oder auf den Kopf seiner Vordermänner fielen.

Eine wieder einmal großartige Leistung des Norwegers, der nun schon seit Wochen ein herausragender Rückhalt Herthas ist und große Verdienste an dem gelungenen Saisonstart hat.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 4

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Lazaro und die Rolle des Rechtsverteidigers in einer Viererkette werden vermutlich keine Freunde mehr. Auch gegen Wolfsburg zeigte er deutliche Defizite auf dieser Position.

Wie bereits gegen Schalke 04 merkte man dem Österreicher im ersten Durchgang deutlich an, dass ihm diese Position nicht liegt. Er hatte offensichtliche Probleme im Defensivverhalten, sei es Stellungsspiel oder Zweikampfverhalten. Lazaro geht schlichtweg die Routine ab, die ein Peter Pekarik (oder Klünter?) auf dieser Position hat. Nicht einmal die Hälfte seiner Duelle konnte er gewinnen, dazu schlichen sich in der frühen Druckphase der “Wölfe” zahlreiche Abspielfehler ein, die Hertha noch weniger Luft zum Atmen ließen. Der 22-Jährige ließ viele Flanken zu, weil ihm der Zugriff auf Brekalo und dem extrem aktiven Roussillon fehlte. Einschränkend lässt sich jedoch sagen, dass Salomon Kalou nicht den idealen Defensivpartner verkörpert.

Um die 30. Minute herum fand Lazaro besser in die Partie und konnte erstmalig auch offensive Akzente setzen. Durch gute Kombinationen konnte er immer wieder Durchbrüche auf seiner Seite erzielen, aus denen insgesamt ein Torschuss und zwei Torschussvorlagen resultierten. Je offener das Spiel gestaltet wurde, desto mehr Freiheiten bekam Lazaro für seine Aktionen und konnte positiv auf sich aufmerksam machen.

Insgesamt war es keine gute Leistung des Flügelspielers. In der ersten halben Stunde fand Lazaro überhaupt nicht in die Partie und war eher ein Gefahrenherd für seine eigene Mannschaft. Danach steigerte er sich, riss das Spiel aber nicht an sich, wie man es von ihm kennt. Eine ausbaufähige Vorstellung.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Am Samstagnachmittag bewies Stark eindrücklich, dass er die Rolle des Abwehrchefs ausfüllen will. Seine Souveränität tat Herthas Defensive augenscheinlich gut.

14 – vierzehn – Aktionen klärte Niklas Stark gegen Wolfsburg. Egal was in den Berliner Strafraum geschlagen wurde, der 23-Jährige köpfte oder schoss in die entgegengesetzte Richtung zurück. Der Innenverteidiger war über die gesamte Spielzeit hoch konzentriert und leistete sich keine Fehler. Dabei hatte er keine leichte Aufgabe, denn er sollte VfL-Sturmtank Woud Weghorst in Manndeckung nehmen. Bei der körperlichen Präsenz und Aktivität des wuchtigen Mittelstürmers kein einfaches Unterfangen. Und doch war Stark eigentlich immer zur Stelle, um das Zuspiel auf Weghorst abzufangen. Kein Wunder, dass Weghorst mit die wenigen Ballkontakte seiner Mannschaft hatte. Beim 2:2 ausgleich trifft ihn wenig Schuld, das Kopfballduell gegen den (in Berlin bestens bekannt) perfekt hochspringenden und etwas größeren John Brooks darf man verlieren.

Bislang war Stark in dieser Spielzeit der unauffällige Part der Innenverteidigung, doch gegen Wolfsburg stellte er seinen Wert eindrucksvoll unter Beweis.

Jordan Torunarigha – Note: 3

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Eine solide Leistung des Eigengewächses, das aber nach rund 70 Minuten verletzungsbedingt nicht mehr weiterspielen konnte.

Wie bereits erwähnt, war Niklas Stark der präsentere Part gegen den VfL Wolfsburg. Torunarigha war weniger mit der Aufgabe betraut, Weghorst aus dem Spiel zu nehmen, sondern sollte die Defensive im allgemeinen stärken. Hierbei fiel er nicht besonders auf, wie es noch gegen Schalke oder Nürnberg der Fall gewesen war. Der 21-Jährige wurde weitaus weniger in direkte Zweikämpfe verwickelt, die große Stärke des Innenverteidigers.

Nach rund 70 Minuten war sein Arbeitstag beendet. Die Behandlungen schlugen nicht mehr an und so musste er den Platz für Fabian Lustenberger verlassen. Bis dahin zeigte Torunarigha eine zufriedenstellende Leistung, nicht mehr und nicht weniger.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Grundsolide mit Ausreißern nach oben – nichts beschreibt Plattenhardt wohl besser als diese vier Worte. Auch gegen Wolfsburg ließ “Platte” nichts anbrennen und hatte ein paar brauchbare Momente im Angriffsspiel.

Auch gegen Wolfsburg galt: Plattenhardt hält seine Seite dicht. Sein sehr gutes Stellungsspiel und Zweikampfverhalten ließen Gegenspieler Renato Steffen (der eigentlich echt gut in Form ist) kaum ins Spiel kommen und wenig Gefahr ausstrahlen. Darüber hinaus erlaubte sich der deutsche Nationalspieler keinerlei Schnitzer und spielte einen gewohnt ruhigen Ball. Spektakuläre Szenen? Fehlanzeige. Dafür aber eben auch keine Fehler, was anderen Herthanern in den ersten 30 Minuten nicht gelang.

Offensiv war nicht allzu viel von dem 26-Jährigen zu sehen. Er wägte ganz genau ab, ob er mit nach vorne stoßen sollte, da er dem lauernden Steffen keine Chance für Konter geben wollte. Insgesamt vier Flanken schlug Plattenhardt, von denen zwei ankamen und zu Torschüssen führten (z.B. der “Schulterball” von Grujic).

Eine ordentliche Leistung des Linksverteidigers, der gewohnt souverän auftrat, aber die besonderen Momente vermissen ließ.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 4-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Die vielleicht erste wirklich schwache Leistung Maiers im Profi-Bereich.

Die Probleme der “alten Dame in den ersten 30 Minuten der Partie sind vor allem auf die fehlende Präsenz und Passgenauigkeit im zentralen Mittelfeld zurückzuführen und daran hatte der 19-Jährige einen eklatanten Anteil. Maier trat nicht mit breiter Brust auf, sondern verlor sich in dem aggressiv anlaufenden Mittelfeld der Wolfsburger. Er war nicht in der Lage, das Spiel zu beruhigen und “einfache” Raumgewinne zu erzielen. In der eigenen Hälfte war seine Passquote noch recht ordentlich, doch sobald es über die Mittellinie ging, wurde er unsicher und so verlor Hertha den Ball oftmals nach nur wenigen Sekunden wieder. Ihm wollten auch seine sonst so sicheren Seitenverlagerungen nicht gelingen. Es streuten sich Fehler ein, die man nicht von ihm gewöhnt war. Dazu kam ein schwaches Zweikampfverhalten, er gewann fast kein direktes Duell. Sein verursachter Elfmeter ist sicherlich kein grober Fehler gewesen, dennoch geht er zu plump in das Duell mit Arnold.

Es war sicherlich kein einfaches Spiel für Maier, der auch erst spät von der U21-Nationalmannschaft zurückkehrte, aber es fehlte das Aufbäumen in seinem Spiel. Er machte es dem Gastgeber zu leicht, Kontrolle über das Mittelfeld zu gewinnen. Auch er steigerte sich etwas im Laufe der Partie, aber eine wirkliche Souveränität ging dem Eigengewächs an diesem Tag ab.

Marko Grujic – Note: 3+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Leihgabe des FC Liverpool hatte anfangs ebenso Probleme mit der Wolfsburger Spielweise, adaptierte aber deutlich besser als Maier.

Wie auch Maier brauchte Grujic Zeit, um Lösungen gegen das so zweikampffreudige Mittelfeld der Niedersachsen zu finden. Diese Aufwärmphase war aber merklich kürzer als beim Berliner Juwel. Dank seines robusten Körpers konnte sich der Serbe immer besser durchsetzen und wurde mit jeder guten Aktion selbstbewusster.

Als einer der einzigen Herthaner traute er sich längere Läufe mit dem Ball zu und schaffte somit wichtigen Platz für die Blau-Weißen. Grujic führte sehr viele Zweikämpfe, von denen er vor allem in der Luft viele gewann. Zudem klärte er sechs Szenen – eine gute Bilanz. Gleichzeitig war er auch ein Faktor für die Offensive. Zwei Torschüsse und eine Torschussvorlage belegen seinen Eifer. Der 23-Jährige stellte unter Beweis, welch wichtige Rolle er als Box-to-Box-Spieler er bei Hertha übernehmen kann.

Eine sehr ordentliche Leistung nach anfänglichen Schwierigkeiten von Grujic.

Ondrej Duda – Note: 2

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Aus dem Spiel heraus wollte Herthas Spielmacher Ondrej Duda gegen Wolfsburg längst nicht so viel gelingen, wie noch bei seinem Gala-Auftritt auf Schalke. Dennoch spiegelt seine Leistung beim 2:2 wieder, welche Entwicklung er genommen hat.

In der Begegnung am dritten Spieltag war Duda längst nicht auffällig, wie noch in Gelsenkirchen. Teilweise tauchte er scheinbar sogar etwas unter, doch bei genauerem Hinsehen lässt sich viel Lobenswertes an seiner Leistung feststellen. Die Wolfsburger Mannschaft begann unglaublich stürmisch, wollte möglichst früh in Führung gehen und dafür das Mittelfeld überladen. Dadurch kam Herthas Zentrale nur schwer ins Spiel, doch während Arne Maier und Marko Grujic (weniger) große Probleme hatten, sich an die Taktik des Gegners anzupassen, adaptierte Duda recht schnell. Er ließ regelmäßig tief fallen, um seinen Verteidigern als Anspielstation zu dienen und das Pressing des Gastgebers auszuhebeln. Das war nicht immer von Erfolg gekrönt, ließ aber erkennen, dass Duda Lösungen suchte. Kein Herthaner hatte so viele Ballkontakte wie er – seine 62 beweisen, was für ein wichtiger Fixpunkt er für seine Mannschaft war

Des Weiteren führte der 23-Jährige zahlreiche Zweikämpfe und versuchte generell viel mit nach hinten zu arbeiten. Mit 12,2 Kilometern legte er mit Abstand die größte Laufstrecke aller Berliner hin. Er war sich für keinen Laufweg und kein Duell zu Schade. Duda war auch der Spieler, der beim Freistoß in der 91. Minute große Verantwortung übernahm und schlitzohrig das 2:1 schoss. Dabei schob er den Ball unter der hochspringenden Mauer durch und überraschte damit den machtlosen Koen Casteels.

Es war ein Spiel, das eigentlich gegen den Spielertyp Duda lief und doch machte er das beste aus der Partie.

Javairo Dilrosun – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Javairo Dilrosun machte sowohl gegen Schalke 04 als auch gegen den VfL Wolfsburg auf sich aufmerksam. Der gerade einmal 20-jährige Flügelspieler hat nach zwei Profi-Spielen bereits eine besondere Bedeutung für Hertha BSC.

Die Balleroberung, das Dribbling in den gegnerischen Strafraum und der perfekte Abschluss ins rechte Eck – Javairo Dilrosun gelang all das bei seinem ersten Tor im Profibereich. Am Samstag erzielte der Flügelspieler das zwischenzeitliche 1:0, doch auch darüber hinaus war er einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz. Dilrosun zeichneten auch gegen die „Wölfe“ seine unwiderstehlichen Dribblings auf, mit denen immer wieder für Durchbrüche sorgen kann. Er gewann sechs seiner acht Zweikämpfe – ein für Offensivspieler überragender Wert.

Sicherlich war Dilrosun im ersten Durchgang noch kaum zu sehen, im zweiten drehte er aber richtig auf und stellte sein Talent einmal mehr unter Beweis.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Seine schwache Darbietung hätte Kalou mit nur einer Szene ausgleichen können, doch diese vertändelte er sträflich.

Die drittwenigsten Ballkontakte (nach Ibisevic und dem früh ausgewechselten Torunarigha), wenig gewonnene Zweikämpfe und nur zwei Torschussbeteiligungen – es war nicht der Tag des Salomon Kalou. Der Ivorer hatte große Probleme mit dem engen Zugriff auf ihn und der körperlichen Spielweise der Wolfsburger. Selten konnte er sich lösen und so tauchte er teilweise minutenlang unter.

Nichts, was man von dem 33-Jährigen nicht schon kennen würde und es muss auch nicht bedeuten, dass er nicht dennoch einen positiven Einfluss auf die Performance seiner Mannschaft gehabt hat. In diesem Fall aber leider schon, denn seine einzig vielversprechende Szene konnte Kalou nicht nutzen. Er nahm John Brooks in der 18. Minute den Ball im Mittelfeld ab und dribbelte bis vor den den Strafraum. Anstatt aber auf den einlaufenden Vedad Ibisevic zu passen, entschied er sich zu schießen und legte den Ball deutlich über den Kasten. Eine leichtfertig vertändelte Chance, die Kalou normalerweise cooler ausspielt.

Kalou zeigte gegen Wolfsburg eine mangelhafte Leistung, die er mit einer Szene hätte egalisieren können.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Einmal mehr kein leichtes Spiel für den 34-Jährigen, dem man aber auch die immensen Anstrengungen einer Bundesliga-Partie anmerkt.

Gerade einmal 28 Ballkontakte sammelte Ibisevic bis zu seiner Auswechslung in der 74. Minute. Allein diese Zahl beschreibt gut, wie wenig eingebunden der Bosnier ins Spiel seiner Mannschaft war. Herthas Kapitän fand am Samstagnachmittag quasi nicht statt, war kein Faktor. Er verlor nahezu alle Zweikämpfe, konnten Bälle kaum festmachen und kam auch nie in aussichtsreiche Schussposition.

Es ist aber auch zu sehen, dass Ibisevic mit seinen 34 Jahren nicht mehr in der Lage ist, sich gegen solch einen Spielverlauf zu wären. In seinen ersten beiden Jahren in Berlin ließ er sich oft ins Mittelfeld fallen, um Bälle zu fordern und weiterzuleiten. Das passiert mittlerweile nicht mehr und so läuft ein gesamtes Spiel an ihm vorbei. Deshalb war seine Auswechslung auch folgerichtig.


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[…] er das Mittelfeld dicht und konnte außerdem durch starkes Passspiel beeindrucken. Nach seiner eher schwachen Leistung gegen den VfL Wolfsburg zeigte Maier eine Reaktion und bot eine sehr starke Partie. Seine Passquote war mit 98 % […]

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Im Top-Spiel des dritten Bundesliga-Spieltages trennten sich der VfL Wolfsburg und Hertha BSC mit einem spektakulären 2:2. Inbesondere die heiße Schlussphase machte die Partie zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit. Die Berliner wurden rund 30 Minuten lang vom Gastgeber dominiert, bis sie endlich in die Partie fanden und sich den Punkt letztendlich verdienten. Einzig der späte 2:2-Ausgleich lässt ein wenig Trübsal blasen. Die Einzelkritik zu einer Berliner Mannschaft, die sich in das Spiel hineinbiss und immer besser wurde.

Tor

Rune Jarstein – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Für Herthas Schlussmann gehen einem langsam die Superlative aus. Auch gegen Wolfsburg rettete er seiner Mannschaft den Punktgewinn.

Trotz zweier Gegentore zeigte Jarstein einmal mehr eine überragende Leistung. Bei beiden Gegentreffern war der 33-Jährige machtlos. Der Elfmeter von Malli war sehr gut geschossen (Jarstein war aber mal wieder in der richtigen Ecke) und Mehmedis Schuss kam aus zu kurzer Distanz, als dass Jarstein noch hätte reagieren können. In den Szenen, in denen Herthas Keeper aber etwas ausrichten konnte, tat er es zu 100%. Er zeigte insgesamt fünf Paraden, die nahezu allesamt in die Kategorie “spektakulär” eingeordnet werden können. Ob Fernrakte von Roussillon (2. Minute), Volleyschuss Weghorst (65.) oder abgefälschte Hereingaben – Jarstein war immer zur Stelle. Zudem zeigte er, für seine Verhältnisse, viele gute Pässe, die genau in den Fuß oder auf den Kopf seiner Vordermänner fielen.

Eine wieder einmal großartige Leistung des Norwegers, der nun schon seit Wochen ein herausragender Rückhalt Herthas ist und große Verdienste an dem gelungenen Saisonstart hat.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 4

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Lazaro und die Rolle des Rechtsverteidigers in einer Viererkette werden vermutlich keine Freunde mehr. Auch gegen Wolfsburg zeigte er deutliche Defizite auf dieser Position.

Wie bereits gegen Schalke 04 merkte man dem Österreicher im ersten Durchgang deutlich an, dass ihm diese Position nicht liegt. Er hatte offensichtliche Probleme im Defensivverhalten, sei es Stellungsspiel oder Zweikampfverhalten. Lazaro geht schlichtweg die Routine ab, die ein Peter Pekarik (oder Klünter?) auf dieser Position hat. Nicht einmal die Hälfte seiner Duelle konnte er gewinnen, dazu schlichen sich in der frühen Druckphase der “Wölfe” zahlreiche Abspielfehler ein, die Hertha noch weniger Luft zum Atmen ließen. Der 22-Jährige ließ viele Flanken zu, weil ihm der Zugriff auf Brekalo und dem extrem aktiven Roussillon fehlte. Einschränkend lässt sich jedoch sagen, dass Salomon Kalou nicht den idealen Defensivpartner verkörpert.

Um die 30. Minute herum fand Lazaro besser in die Partie und konnte erstmalig auch offensive Akzente setzen. Durch gute Kombinationen konnte er immer wieder Durchbrüche auf seiner Seite erzielen, aus denen insgesamt ein Torschuss und zwei Torschussvorlagen resultierten. Je offener das Spiel gestaltet wurde, desto mehr Freiheiten bekam Lazaro für seine Aktionen und konnte positiv auf sich aufmerksam machen.

Insgesamt war es keine gute Leistung des Flügelspielers. In der ersten halben Stunde fand Lazaro überhaupt nicht in die Partie und war eher ein Gefahrenherd für seine eigene Mannschaft. Danach steigerte er sich, riss das Spiel aber nicht an sich, wie man es von ihm kennt. Eine ausbaufähige Vorstellung.

Niklas Stark – Note: 2+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Am Samstagnachmittag bewies Stark eindrücklich, dass er die Rolle des Abwehrchefs ausfüllen will. Seine Souveränität tat Herthas Defensive augenscheinlich gut.

14 – vierzehn – Aktionen klärte Niklas Stark gegen Wolfsburg. Egal was in den Berliner Strafraum geschlagen wurde, der 23-Jährige köpfte oder schoss in die entgegengesetzte Richtung zurück. Der Innenverteidiger war über die gesamte Spielzeit hoch konzentriert und leistete sich keine Fehler. Dabei hatte er keine leichte Aufgabe, denn er sollte VfL-Sturmtank Woud Weghorst in Manndeckung nehmen. Bei der körperlichen Präsenz und Aktivität des wuchtigen Mittelstürmers kein einfaches Unterfangen. Und doch war Stark eigentlich immer zur Stelle, um das Zuspiel auf Weghorst abzufangen. Kein Wunder, dass Weghorst mit die wenigen Ballkontakte seiner Mannschaft hatte. Beim 2:2 ausgleich trifft ihn wenig Schuld, das Kopfballduell gegen den (in Berlin bestens bekannt) perfekt hochspringenden und etwas größeren John Brooks darf man verlieren.

Bislang war Stark in dieser Spielzeit der unauffällige Part der Innenverteidigung, doch gegen Wolfsburg stellte er seinen Wert eindrucksvoll unter Beweis.

Jordan Torunarigha – Note: 3

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Eine solide Leistung des Eigengewächses, das aber nach rund 70 Minuten verletzungsbedingt nicht mehr weiterspielen konnte.

Wie bereits erwähnt, war Niklas Stark der präsentere Part gegen den VfL Wolfsburg. Torunarigha war weniger mit der Aufgabe betraut, Weghorst aus dem Spiel zu nehmen, sondern sollte die Defensive im allgemeinen stärken. Hierbei fiel er nicht besonders auf, wie es noch gegen Schalke oder Nürnberg der Fall gewesen war. Der 21-Jährige wurde weitaus weniger in direkte Zweikämpfe verwickelt, die große Stärke des Innenverteidigers.

Nach rund 70 Minuten war sein Arbeitstag beendet. Die Behandlungen schlugen nicht mehr an und so musste er den Platz für Fabian Lustenberger verlassen. Bis dahin zeigte Torunarigha eine zufriedenstellende Leistung, nicht mehr und nicht weniger.

Marvin Plattenhardt – Note: 3+

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Grundsolide mit Ausreißern nach oben – nichts beschreibt Plattenhardt wohl besser als diese vier Worte. Auch gegen Wolfsburg ließ “Platte” nichts anbrennen und hatte ein paar brauchbare Momente im Angriffsspiel.

Auch gegen Wolfsburg galt: Plattenhardt hält seine Seite dicht. Sein sehr gutes Stellungsspiel und Zweikampfverhalten ließen Gegenspieler Renato Steffen (der eigentlich echt gut in Form ist) kaum ins Spiel kommen und wenig Gefahr ausstrahlen. Darüber hinaus erlaubte sich der deutsche Nationalspieler keinerlei Schnitzer und spielte einen gewohnt ruhigen Ball. Spektakuläre Szenen? Fehlanzeige. Dafür aber eben auch keine Fehler, was anderen Herthanern in den ersten 30 Minuten nicht gelang.

Offensiv war nicht allzu viel von dem 26-Jährigen zu sehen. Er wägte ganz genau ab, ob er mit nach vorne stoßen sollte, da er dem lauernden Steffen keine Chance für Konter geben wollte. Insgesamt vier Flanken schlug Plattenhardt, von denen zwei ankamen und zu Torschüssen führten (z.B. der “Schulterball” von Grujic).

Eine ordentliche Leistung des Linksverteidigers, der gewohnt souverän auftrat, aber die besonderen Momente vermissen ließ.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 4-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Die vielleicht erste wirklich schwache Leistung Maiers im Profi-Bereich.

Die Probleme der “alten Dame in den ersten 30 Minuten der Partie sind vor allem auf die fehlende Präsenz und Passgenauigkeit im zentralen Mittelfeld zurückzuführen und daran hatte der 19-Jährige einen eklatanten Anteil. Maier trat nicht mit breiter Brust auf, sondern verlor sich in dem aggressiv anlaufenden Mittelfeld der Wolfsburger. Er war nicht in der Lage, das Spiel zu beruhigen und “einfache” Raumgewinne zu erzielen. In der eigenen Hälfte war seine Passquote noch recht ordentlich, doch sobald es über die Mittellinie ging, wurde er unsicher und so verlor Hertha den Ball oftmals nach nur wenigen Sekunden wieder. Ihm wollten auch seine sonst so sicheren Seitenverlagerungen nicht gelingen. Es streuten sich Fehler ein, die man nicht von ihm gewöhnt war. Dazu kam ein schwaches Zweikampfverhalten, er gewann fast kein direktes Duell. Sein verursachter Elfmeter ist sicherlich kein grober Fehler gewesen, dennoch geht er zu plump in das Duell mit Arnold.

Es war sicherlich kein einfaches Spiel für Maier, der auch erst spät von der U21-Nationalmannschaft zurückkehrte, aber es fehlte das Aufbäumen in seinem Spiel. Er machte es dem Gastgeber zu leicht, Kontrolle über das Mittelfeld zu gewinnen. Auch er steigerte sich etwas im Laufe der Partie, aber eine wirkliche Souveränität ging dem Eigengewächs an diesem Tag ab.

Marko Grujic – Note: 3+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Leihgabe des FC Liverpool hatte anfangs ebenso Probleme mit der Wolfsburger Spielweise, adaptierte aber deutlich besser als Maier.

Wie auch Maier brauchte Grujic Zeit, um Lösungen gegen das so zweikampffreudige Mittelfeld der Niedersachsen zu finden. Diese Aufwärmphase war aber merklich kürzer als beim Berliner Juwel. Dank seines robusten Körpers konnte sich der Serbe immer besser durchsetzen und wurde mit jeder guten Aktion selbstbewusster.

Als einer der einzigen Herthaner traute er sich längere Läufe mit dem Ball zu und schaffte somit wichtigen Platz für die Blau-Weißen. Grujic führte sehr viele Zweikämpfe, von denen er vor allem in der Luft viele gewann. Zudem klärte er sechs Szenen – eine gute Bilanz. Gleichzeitig war er auch ein Faktor für die Offensive. Zwei Torschüsse und eine Torschussvorlage belegen seinen Eifer. Der 23-Jährige stellte unter Beweis, welch wichtige Rolle er als Box-to-Box-Spieler er bei Hertha übernehmen kann.

Eine sehr ordentliche Leistung nach anfänglichen Schwierigkeiten von Grujic.

Ondrej Duda – Note: 2

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Aus dem Spiel heraus wollte Herthas Spielmacher Ondrej Duda gegen Wolfsburg längst nicht so viel gelingen, wie noch bei seinem Gala-Auftritt auf Schalke. Dennoch spiegelt seine Leistung beim 2:2 wieder, welche Entwicklung er genommen hat.

In der Begegnung am dritten Spieltag war Duda längst nicht auffällig, wie noch in Gelsenkirchen. Teilweise tauchte er scheinbar sogar etwas unter, doch bei genauerem Hinsehen lässt sich viel Lobenswertes an seiner Leistung feststellen. Die Wolfsburger Mannschaft begann unglaublich stürmisch, wollte möglichst früh in Führung gehen und dafür das Mittelfeld überladen. Dadurch kam Herthas Zentrale nur schwer ins Spiel, doch während Arne Maier und Marko Grujic (weniger) große Probleme hatten, sich an die Taktik des Gegners anzupassen, adaptierte Duda recht schnell. Er ließ regelmäßig tief fallen, um seinen Verteidigern als Anspielstation zu dienen und das Pressing des Gastgebers auszuhebeln. Das war nicht immer von Erfolg gekrönt, ließ aber erkennen, dass Duda Lösungen suchte. Kein Herthaner hatte so viele Ballkontakte wie er – seine 62 beweisen, was für ein wichtiger Fixpunkt er für seine Mannschaft war

Des Weiteren führte der 23-Jährige zahlreiche Zweikämpfe und versuchte generell viel mit nach hinten zu arbeiten. Mit 12,2 Kilometern legte er mit Abstand die größte Laufstrecke aller Berliner hin. Er war sich für keinen Laufweg und kein Duell zu Schade. Duda war auch der Spieler, der beim Freistoß in der 91. Minute große Verantwortung übernahm und schlitzohrig das 2:1 schoss. Dabei schob er den Ball unter der hochspringenden Mauer durch und überraschte damit den machtlosen Koen Casteels.

Es war ein Spiel, das eigentlich gegen den Spielertyp Duda lief und doch machte er das beste aus der Partie.

Javairo Dilrosun – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Javairo Dilrosun machte sowohl gegen Schalke 04 als auch gegen den VfL Wolfsburg auf sich aufmerksam. Der gerade einmal 20-jährige Flügelspieler hat nach zwei Profi-Spielen bereits eine besondere Bedeutung für Hertha BSC.

Die Balleroberung, das Dribbling in den gegnerischen Strafraum und der perfekte Abschluss ins rechte Eck – Javairo Dilrosun gelang all das bei seinem ersten Tor im Profibereich. Am Samstag erzielte der Flügelspieler das zwischenzeitliche 1:0, doch auch darüber hinaus war er einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz. Dilrosun zeichneten auch gegen die „Wölfe“ seine unwiderstehlichen Dribblings auf, mit denen immer wieder für Durchbrüche sorgen kann. Er gewann sechs seiner acht Zweikämpfe – ein für Offensivspieler überragender Wert.

Sicherlich war Dilrosun im ersten Durchgang noch kaum zu sehen, im zweiten drehte er aber richtig auf und stellte sein Talent einmal mehr unter Beweis.

Salomon Kalou – Note: 5+

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Seine schwache Darbietung hätte Kalou mit nur einer Szene ausgleichen können, doch diese vertändelte er sträflich.

Die drittwenigsten Ballkontakte (nach Ibisevic und dem früh ausgewechselten Torunarigha), wenig gewonnene Zweikämpfe und nur zwei Torschussbeteiligungen – es war nicht der Tag des Salomon Kalou. Der Ivorer hatte große Probleme mit dem engen Zugriff auf ihn und der körperlichen Spielweise der Wolfsburger. Selten konnte er sich lösen und so tauchte er teilweise minutenlang unter.

Nichts, was man von dem 33-Jährigen nicht schon kennen würde und es muss auch nicht bedeuten, dass er nicht dennoch einen positiven Einfluss auf die Performance seiner Mannschaft gehabt hat. In diesem Fall aber leider schon, denn seine einzig vielversprechende Szene konnte Kalou nicht nutzen. Er nahm John Brooks in der 18. Minute den Ball im Mittelfeld ab und dribbelte bis vor den den Strafraum. Anstatt aber auf den einlaufenden Vedad Ibisevic zu passen, entschied er sich zu schießen und legte den Ball deutlich über den Kasten. Eine leichtfertig vertändelte Chance, die Kalou normalerweise cooler ausspielt.

Kalou zeigte gegen Wolfsburg eine mangelhafte Leistung, die er mit einer Szene hätte egalisieren können.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Einmal mehr kein leichtes Spiel für den 34-Jährigen, dem man aber auch die immensen Anstrengungen einer Bundesliga-Partie anmerkt.

Gerade einmal 28 Ballkontakte sammelte Ibisevic bis zu seiner Auswechslung in der 74. Minute. Allein diese Zahl beschreibt gut, wie wenig eingebunden der Bosnier ins Spiel seiner Mannschaft war. Herthas Kapitän fand am Samstagnachmittag quasi nicht statt, war kein Faktor. Er verlor nahezu alle Zweikämpfe, konnten Bälle kaum festmachen und kam auch nie in aussichtsreiche Schussposition.

Es ist aber auch zu sehen, dass Ibisevic mit seinen 34 Jahren nicht mehr in der Lage ist, sich gegen solch einen Spielverlauf zu wären. In seinen ersten beiden Jahren in Berlin ließ er sich oft ins Mittelfeld fallen, um Bälle zu fordern und weiterzuleiten. Das passiert mittlerweile nicht mehr und so läuft ein gesamtes Spiel an ihm vorbei. Deshalb war seine Auswechslung auch folgerichtig.


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[…] er das Mittelfeld dicht und konnte außerdem durch starkes Passspiel beeindrucken. Nach seiner eher schwachen Leistung gegen den VfL Wolfsburg zeigte Maier eine Reaktion und bot eine sehr starke Partie. Seine Passquote war mit 98 % […]

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