BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 4. Spieltag: Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach war in Berlin zu Gast und die 51.852 Zuschauer im Olympiastadion bekamen ein echtes Spektakel zu sehen. Am Ende stand es 4-2 für die Hausherren. In dieser Einzelkritik wird es schwer, nicht alle Spieler „gut“ bis „sehr gut“ zu bewerten. Sogar der „Sky“ Kommentator konnte keinen wirklich „schwachen“ Herthaner sehen, und wir können es auch nicht. Solche Spiele kann es ruhig öfter geben.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

Jarstein war bei den Gegentoren machtlos, blieb ohne Fehler. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In seinem Jubiläumsspiel (100. Bundesligaspiel) zeigte sich Rune Jarstein genauso stark, wie in den vergangenen Wochen. In der ersten Halbzeit noch kaum gefordert, konnte er sich, wie schon in Gelsenkirchen, in der Schlussphase auszeichnen (82. Minute gegen Alassane Pléa). Undankbar war der vierte Elfmeter in Folge, der diesmal unhaltbar von Thorgan Hazard zum 0-1 verwandelt wurde. Auch beim zweiten Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 3-2 war Jarstein machtlos: der Kopfball von Pléa war einfach zu gut platziert. Ein fehlerloses Spiel also vom Norweger, der zwar weniger im Fokus als in den letzten Spielen stand aber doch mitentscheidend für den Sieg war.

Abwehr

Marvin Plattenhardt – Note: 2

Konnte das 1-1 vorbereiten: Marvin Plattenhardt (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der deutsche Nationalspieler zeigte ein solides Spiel, auch wenn er deutlich weniger offensive Aktionen hatte als Valentino Lazaro auf der anderen Seite. Defensiv erledigte er seine Aufgabe gut, sodass in der ersten Halbzeit kaum Angriffe über seine linke Seite kamen. Nur selten wurde es brenzlig, das zweite Gegentor wurde allerdings über die linken Abwehrseite von Hertha vorbereitet.

Offensiv konnte Marvin Plattenhardt zwar nicht viele Akzente setzten, eine seiner zwei Flanken landete jedoch sehenswert auf den Kopf von Vedad Ibisevic, der zum 1-1 Ausgleich einnetzte. Zudem weist er eine herausragende Passquote auf (98% angekommene Pässe) und gewann 62% seiner Zweikämpfe. Er harmonierte zudem sehr gut mit Javairo Dilrosun, sodass die linke Seite von Hertha auffällig stark wirkte.

Fabian Lustenberger – Note: 1

Lustenberger mit bärenstarker Rückkehr in die Startelf. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Nach der Verletzung von Jordan Torunarigha und Karim Rekik gab es viel Diskussion um den zweiten Innenverteidiger neben Niklas Stark. Pal Dardai setzte gegen Gladbach auf Erfahrung und ließ Fabian Lustenberger von Anfang an spielen. Dieser zahlte das Vertrauen zurück, indem er ein überragendes Spiel zeigte. Schon in der ersten Halbzeit zeigte sich der Schweizer bissig und zweikampfstark. Er spielte viele Pässe und übernahm die Aufgabe der Spieleröffnung. Dabei kamen 60 seiner 67 Pässe an (90 %). Über 90 Minuten verlor Lustenberger keinen einzigen seiner sieben Zweikämpfe. Unsicherheiten waren nicht zu spüren – er strahlte genau die Sicherheit aus, die die junge Defensive von Hertha brauchte.

Es ist also auch kein Zufall, dass es Lustenberger war, der in der 89. Minute gegen Pléa auf der Linie klären konnte. Ein sehr gelungenes Startelf-Comeback des 30-Jährigen – angesichts der Verletzungssorgen der Hauptstädter meldet sich Lusti genau im richtigen Moment zurück.

Niklas Stark – Note: 3-

Stark verursachte den vierten Elfmeter im vierten Spiel für Hertha. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Wenn es ein Spieler gibt, der gegen Borussia Mönchengladbach phasenweise schwach war, dann ist es Niklas Stark. Vor allem in der ersten Halbzeit wirkte er bei langen Bällen der Gladbacher unsicher. Ebenso hatte er große Schwierigkeiten mit den schnellen Angreifern der Fohlen. So verursachte er mit einer zu langsamen Reaktion und einem schludrigen Zweikampf den vierten Elfmeter gegen Hertha im vierten Spiel. Dieser führte dann dazu, dass Hertha für wenige Momente mit 0-1 zurücklag.

Insgesamt gewann Stark über 90 Minuten nur 20 % seiner Zweikämpfe. Er steigerte sich in der zweiten Halbzeit und konnte die eine oder andere Szene bereinigen. Er hatte sogar beinahe die Wiedergutmachung auf dem Kopf, als er in der 72. Minute freistehend den Pfosten traf. Stark zeigte eine ordentliche Leistung, wirkte jedoch insgesamt nicht so sicher wie sein Partner in der Innenverteidigung Fabian Lustenberger. Er erlaubte sich ungewohnt viele Fehler, sowohl in Zweikämpfe als auch im Stellungsspiel.

Valentino Lazaro – Note: 1-

Lazaro lässt sich für sein Kopfballtreffer zum 2-1 feiern. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Wenn Valentino Lazaro ein Kopfballtor schießt, dann muss es ein besonderes Spiel gewesen sein. Der Treffer, den er übrigens sehenswert selbst einleitete, ist die Krönung einer sehr guten Partie. Der Österreicher war offensiv oft zu sehen, konnte zwei Torschussvorlagen abgeben und hatte eine Passquote von 82%. Er war derjenige, der Salomon Kalou mit einem schönen Pass in Szene setzte, als dieser im Vollsprint das dritte Tor der Berliner vorbereitete.

Gegen Schalke 04 und Wolfsburg zeigte er noch große Defizite in der Defensive, die Zweifel an seiner Eignung als rechter Verteidiger in der Viererkette aufkommen ließen. Gegen Borussia Mönchengladbach allerdings wirkte er deutlich sicherer. Er gewann 83% seiner Zweikämpfe (im Vergleich im Spiel gegen Schalke 04: 67%, gegen Wolfburg: 50 %) und wirkte trotz anfänglicher Schwierigkeiten in der Defensive weniger anfällig. Lazaro scheint also doch im 4-2-3-1 System als rechter Verteidiger zu funktionieren, was für Pal Dardai eine sehr gute Nachricht sein dürfte.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2+

Arne Maier hatte das Mittelfeld im Griff. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In der ersten Halbzeit war Arne Maier einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz. Gemeinsam mit Marko Grujic machte er das Mittelfeld dicht und konnte außerdem durch starkes Passspiel beeindrucken. Nach seiner eher schwachen Leistung gegen den VfL Wolfsburg zeigte Maier eine Reaktion und bot eine sehr starke Partie. Seine Passquote war mit 98 % angekommenen Pässe herausragend. Er übernahm die Rolle des Ballverteilers im Mittelfeld und war überall zu finden. Außerdem lief er erneut über 12 Kilometer und ist damit der am meisten gelaufene Berliner.

Maier konnte auch durch starke Balleroberungen glänzen, wie zum Beispiel in der fünften Minute gegen Jonas Hofmann oder in der 86. Gegen Florian Neuhaus. In der zweiten Halbzeit war er zwar unauffälliger, dies ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass Hertha defensiver auftrat und vor allem durch Konter agierte. Maier erfüllte seine defensiven Aufgaben herausragend und war einer der Hauptgründe, warum Angriffe der Gladbacher aus der Zentrale kaum Gefahr brachten.

Der 19-Jährigen zeigte gegen Gladbach sein bisher wohl bestes Spiel in dieser Saison. Durch die schwere Verletzung von Marko Grujic wird es noch wichtiger sein, dass er sein Potenzial abruft. Genau das hat er gegen Gladbach gezeigt.

Marko Grujic – Note: 2+

Seine Verletzung überschattet sein tolles Spiel: Marko Grujic. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

So bitter seine schwere Verletzung in der 70. Minute auch ist: Marko Grujic zeigte am Samstag ein überragendes Spiel. Er konnte neben Arne Maier im Mittelfeld absolut überzeugen, glänzte besonders mit seiner Ballsicherheit: man konnte den Eindruck gewinnen, als sei er überhaupt nicht vom Ball zu trennen. Auch durch viele gefährliche Pässe und Kopfballpräsenz bei Ecken machte er auf sich aufmerksam.

Der Serbe zeigte sich auch sehr torgefährlich: er gab drei Torschüsse ab, die zweitmeisten nach Vedad Ibisevic (fünf Torschüsse). Seine Verletzung ist auch deshalb sehr ärgerlich, da er sehr gut mit Maier harmonierte und auch im Zusammenspiel mit Ondrej Duda gute Szenen hatte. Es ist wohl leider erstmal vorbei mit dem „magischen Dreieck“ Maier-Grujic-Duda. An dieser Stelle wünschen wir Marko Grujic gute Besserung und eine sehr schnelle Genesung.

Ondrej Duda – Note: 2

“He scores when he wants” – Ondrej Duda (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In der ersten Hälfte noch unglücklich agierend, zeigte Ondrej Duda in der zweiten Hälfte des Spiels seine Klasse. Ihm fehlte Anfangs noch die Genauigkeit und Ruhe im Spiel. Er hätte bereits in der 3. Minute die Möglichkeit gehabt sein Treffer zu erzielen, konnte eine Flanke von Javairo Dilrosun allerdings aus kurzer Distanz nicht verwerten. In der 18. Minute sah er auch noch die gelbe Karte wegen taktischen Foulspiels, nachdem er unnötig den Ball verlor.

Der Slowake steigerte sich jedoch nach und nach und war überall auf dem Platz zu finden. Er stellte sein Gegenspieler im Mittelfeld gut zu und lief insgesamt knapp 11 Kilometer und was damit der dritt-laufstärkste Herthaner nach Arne Maier und Javairo Dilrosun. Er spielte viele riskante Pässe, 70% davon kamen an, was ein guter Wert ist. Zwei Torschussvorlagen und zwei eigene Torschüsse zeigen außerdem auch, dass Ondrej Duda viel in Richtung des gegnerischen Tores versuchte. In der 73. Minute konnte er die Partie entscheiden und das 4-2 erzielen, ein schöner Schuss nach Vorlage von Javairo Dilrosun.

Die „Nummer Zehn“ von Hertha BSC bestätigt weiterhin seine starke Form und ist mit vier Toren in vier Spielen aktuell der beste Torschütze der Bundesliga.

Sturm

Javairo Dilrosun – Note: 1-

Dilrosun ist kaum noch wegzudenken für die Startelf. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Vielleicht wird doch Javairo Dilrosun der „Glücksgriff“ der Saison 2018/19 bei Hertha BSC. Der junge Niederländer zeigt ein Profidebüt, den man sonst nur bei „Fifa“ auf der Konsole erlebt. Gegen Gelsenkirchen und Wolfsburg konnte Dilrosun jeweils seine erste Torvorlage und sein erstes Tor erzielen. Gegen Gladbach bereitete er gleich zwei Tore vor und ist aktuell der beste Vorlagengeber der Bundesliga.

Vier Torschussvorlagen, 11,19 gelaufene Kilometer und eine Passquote von 100%, das sind Zahlen die sich sehen lassen können, für einen 20-Jährigen der seine erste Saison in der Bundesliga spielt. Dazu kommen tolle Dribblings und technische Finessen, die meisten Sprints im Hertha-Team (31, im Vergleich Salomon Kalou, mit den zweitmeisten Sprints: 22) und die meisten Flanken. Die einzigen Schwächen des Niederländers sind in der Defensive. Beim zweiten Gegentreffer von Hertha ist er zu spät in der Defensive und kann sein Gegenspieler nicht beim Flanken hindern. Marvin Plattenhardt stand in diesem Moment allein gegen zwei Angreifer. Es ist erst sein drittes Profispiel und trotzdem ist er  schon jetzt ein Leistungsträger bei Hertha BSC. Hut ab, Javairo Dilrosun.

Salomon Kalou – Note: 2

Auch das taktische Foul von Strobl kann Kalou nicht davon abhalten, das 3-1 vorzubereiten. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Seine bisher stärkste Saisonleistung konnte Salomon Kalou leider nicht mit einem Treffer krönen, doch gegen Borussia Mönchengladbach war viel Positives vom Ivorer zu sehen. Erneut rannte der Ivorer mehr als 10 Kilometer über den Platz. Ihm war anzumerken, dass er unbedingt ein Tor erzielen wollte. In der 22. Minute verpasste er nur knapp den Ball, in der 83. Minute knapp den Pfosten. Die bisher bekannte Effektivität lässt er bisher in dieser Saison vermissen.

Wirklich glänzen konnte er jedoch durch seine Torschussvorlagen und Vorbereitungen. In der 15. Spielminute spielt er überragend gut in den Lauf von Ibisevic, der an Jan Sommer scheitert. Ab dann leitet Kalou mehrmals größere Chancen der Berliner ein, bis er in der 63. Minute einen überragenden Sprint aus der eigenen Hälfte startet, sich nicht von Strobl aufhalten lässt und dann im richtigen Moment auf Vedad Ibisevic spielt, der das 3-1 erzielt.

Der Ivorer wartet zwar immer noch auf sein erstes Saisontor, allerdings konnte er am Samstag zeigen, warum er immer noch ein sehr wertvoller Spieler in Pal Dardais Mannschaft ist.

Vedad Ibisevic – Note: 1

Der Kapitän zeigte sich torgefährlich und erzielte Treffer Nummer Zwei und Drei in dieser Saison. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Der Kapitän führte seine Mannschaft in eindrucksvoller Manier zum Sieg. Bereits in der ersten Halbzeit zeigte sich Ibisevic durch gute Luftzweikämpfe und Ballsicherungen. Mit 13 gewonnene Zweikämpfe hat er mehr Zweikämpfe gewonnen, als jeder andere Spieler auf dem Platz.

Doch vor allem durch seine Torgefahr konnte der Bosnier glänzen. Fünf Mal schoss er aufs gegnerische Tor und er erzielte dabei zwei wichtige Tore, jeweils zum 1-1 Ausgleich und zum zwischenzeitlichen 3-1. Der Kapitän der „Alten Dame“ wird vor allem an Toren gemessen: ein Doppelpack ist ein Zeichen, dass er sein Job eindrucksvoll erledigt hat.

Einwechselspieler

Per Skjelbred – Note: /

Bekam seinen ersten Einsatz für Hertha in dieser Saison: Per Skjelbred. (Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Per Skjelbred musste für Marko Grujic eingewechselt werden und konnte seinen ersten Saisoneinsatz feiern. Er zeigte sich hochmotivert und gewohnt zuverlässig in seiner Art und Weise, gegen den Ball zu arbeiten. Der Norweger konnte 100% seiner Zweikämpfe gewinnen und leitete auch den 4. Treffer ein, indem er Javairo Dilrosun schickte, der dann das Tor von Ondrej Duda vorbereitete.

Eine guter Kurzeinsatz also von Per Skjelbred, der möglicherweise durch die Verletzung von Grujic mehr Einsätze in den nächsten Wochen bekommen wird.

Davie Selke – Note: /

Davie Selke wurde kurze Zeit nach dem 4-2 für Vedad Ibisevic eingewechselt und war in der 83. Minute an einer schönen Aktion mit Salomon Kalou beteiligt. Er hatte in der kurzen Zeit nur fünf Ballkontakte, sodass eine Bewertung nur schwer möglich ist.

Derrick Luckassen – Note: /

Auch Derrick Luckassen durfte sein erstes Saisonspiel machen und damit auch sein erstes Pflichtspiel für Hertha BSC. Er wurde in der 87. Minute für Ondrej Duda eingewechselt und im zentralen Mittelfeld eingesetzt. In der kurzen Zeit ist auch seine Leistung nicht zu bewerten.


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Borussia Mönchengladbach war in Berlin zu Gast und die 51.852 Zuschauer im Olympiastadion bekamen ein echtes Spektakel zu sehen. Am Ende stand es 4-2 für die Hausherren. In dieser Einzelkritik wird es schwer, nicht alle Spieler „gut“ bis „sehr gut“ zu bewerten. Sogar der „Sky“ Kommentator konnte keinen wirklich „schwachen“ Herthaner sehen, und wir können es auch nicht. Solche Spiele kann es ruhig öfter geben.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

Jarstein war bei den Gegentoren machtlos, blieb ohne Fehler. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In seinem Jubiläumsspiel (100. Bundesligaspiel) zeigte sich Rune Jarstein genauso stark, wie in den vergangenen Wochen. In der ersten Halbzeit noch kaum gefordert, konnte er sich, wie schon in Gelsenkirchen, in der Schlussphase auszeichnen (82. Minute gegen Alassane Pléa). Undankbar war der vierte Elfmeter in Folge, der diesmal unhaltbar von Thorgan Hazard zum 0-1 verwandelt wurde. Auch beim zweiten Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 3-2 war Jarstein machtlos: der Kopfball von Pléa war einfach zu gut platziert. Ein fehlerloses Spiel also vom Norweger, der zwar weniger im Fokus als in den letzten Spielen stand aber doch mitentscheidend für den Sieg war.

Abwehr

Marvin Plattenhardt – Note: 2

Konnte das 1-1 vorbereiten: Marvin Plattenhardt (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der deutsche Nationalspieler zeigte ein solides Spiel, auch wenn er deutlich weniger offensive Aktionen hatte als Valentino Lazaro auf der anderen Seite. Defensiv erledigte er seine Aufgabe gut, sodass in der ersten Halbzeit kaum Angriffe über seine linke Seite kamen. Nur selten wurde es brenzlig, das zweite Gegentor wurde allerdings über die linken Abwehrseite von Hertha vorbereitet.

Offensiv konnte Marvin Plattenhardt zwar nicht viele Akzente setzten, eine seiner zwei Flanken landete jedoch sehenswert auf den Kopf von Vedad Ibisevic, der zum 1-1 Ausgleich einnetzte. Zudem weist er eine herausragende Passquote auf (98% angekommene Pässe) und gewann 62% seiner Zweikämpfe. Er harmonierte zudem sehr gut mit Javairo Dilrosun, sodass die linke Seite von Hertha auffällig stark wirkte.

Fabian Lustenberger – Note: 1

Lustenberger mit bärenstarker Rückkehr in die Startelf. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Nach der Verletzung von Jordan Torunarigha und Karim Rekik gab es viel Diskussion um den zweiten Innenverteidiger neben Niklas Stark. Pal Dardai setzte gegen Gladbach auf Erfahrung und ließ Fabian Lustenberger von Anfang an spielen. Dieser zahlte das Vertrauen zurück, indem er ein überragendes Spiel zeigte. Schon in der ersten Halbzeit zeigte sich der Schweizer bissig und zweikampfstark. Er spielte viele Pässe und übernahm die Aufgabe der Spieleröffnung. Dabei kamen 60 seiner 67 Pässe an (90 %). Über 90 Minuten verlor Lustenberger keinen einzigen seiner sieben Zweikämpfe. Unsicherheiten waren nicht zu spüren – er strahlte genau die Sicherheit aus, die die junge Defensive von Hertha brauchte.

Es ist also auch kein Zufall, dass es Lustenberger war, der in der 89. Minute gegen Pléa auf der Linie klären konnte. Ein sehr gelungenes Startelf-Comeback des 30-Jährigen – angesichts der Verletzungssorgen der Hauptstädter meldet sich Lusti genau im richtigen Moment zurück.

Niklas Stark – Note: 3-

Stark verursachte den vierten Elfmeter im vierten Spiel für Hertha. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Wenn es ein Spieler gibt, der gegen Borussia Mönchengladbach phasenweise schwach war, dann ist es Niklas Stark. Vor allem in der ersten Halbzeit wirkte er bei langen Bällen der Gladbacher unsicher. Ebenso hatte er große Schwierigkeiten mit den schnellen Angreifern der Fohlen. So verursachte er mit einer zu langsamen Reaktion und einem schludrigen Zweikampf den vierten Elfmeter gegen Hertha im vierten Spiel. Dieser führte dann dazu, dass Hertha für wenige Momente mit 0-1 zurücklag.

Insgesamt gewann Stark über 90 Minuten nur 20 % seiner Zweikämpfe. Er steigerte sich in der zweiten Halbzeit und konnte die eine oder andere Szene bereinigen. Er hatte sogar beinahe die Wiedergutmachung auf dem Kopf, als er in der 72. Minute freistehend den Pfosten traf. Stark zeigte eine ordentliche Leistung, wirkte jedoch insgesamt nicht so sicher wie sein Partner in der Innenverteidigung Fabian Lustenberger. Er erlaubte sich ungewohnt viele Fehler, sowohl in Zweikämpfe als auch im Stellungsspiel.

Valentino Lazaro – Note: 1-

Lazaro lässt sich für sein Kopfballtreffer zum 2-1 feiern. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Wenn Valentino Lazaro ein Kopfballtor schießt, dann muss es ein besonderes Spiel gewesen sein. Der Treffer, den er übrigens sehenswert selbst einleitete, ist die Krönung einer sehr guten Partie. Der Österreicher war offensiv oft zu sehen, konnte zwei Torschussvorlagen abgeben und hatte eine Passquote von 82%. Er war derjenige, der Salomon Kalou mit einem schönen Pass in Szene setzte, als dieser im Vollsprint das dritte Tor der Berliner vorbereitete.

Gegen Schalke 04 und Wolfsburg zeigte er noch große Defizite in der Defensive, die Zweifel an seiner Eignung als rechter Verteidiger in der Viererkette aufkommen ließen. Gegen Borussia Mönchengladbach allerdings wirkte er deutlich sicherer. Er gewann 83% seiner Zweikämpfe (im Vergleich im Spiel gegen Schalke 04: 67%, gegen Wolfburg: 50 %) und wirkte trotz anfänglicher Schwierigkeiten in der Defensive weniger anfällig. Lazaro scheint also doch im 4-2-3-1 System als rechter Verteidiger zu funktionieren, was für Pal Dardai eine sehr gute Nachricht sein dürfte.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2+

Arne Maier hatte das Mittelfeld im Griff. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In der ersten Halbzeit war Arne Maier einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz. Gemeinsam mit Marko Grujic machte er das Mittelfeld dicht und konnte außerdem durch starkes Passspiel beeindrucken. Nach seiner eher schwachen Leistung gegen den VfL Wolfsburg zeigte Maier eine Reaktion und bot eine sehr starke Partie. Seine Passquote war mit 98 % angekommenen Pässe herausragend. Er übernahm die Rolle des Ballverteilers im Mittelfeld und war überall zu finden. Außerdem lief er erneut über 12 Kilometer und ist damit der am meisten gelaufene Berliner.

Maier konnte auch durch starke Balleroberungen glänzen, wie zum Beispiel in der fünften Minute gegen Jonas Hofmann oder in der 86. Gegen Florian Neuhaus. In der zweiten Halbzeit war er zwar unauffälliger, dies ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass Hertha defensiver auftrat und vor allem durch Konter agierte. Maier erfüllte seine defensiven Aufgaben herausragend und war einer der Hauptgründe, warum Angriffe der Gladbacher aus der Zentrale kaum Gefahr brachten.

Der 19-Jährigen zeigte gegen Gladbach sein bisher wohl bestes Spiel in dieser Saison. Durch die schwere Verletzung von Marko Grujic wird es noch wichtiger sein, dass er sein Potenzial abruft. Genau das hat er gegen Gladbach gezeigt.

Marko Grujic – Note: 2+

Seine Verletzung überschattet sein tolles Spiel: Marko Grujic. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

So bitter seine schwere Verletzung in der 70. Minute auch ist: Marko Grujic zeigte am Samstag ein überragendes Spiel. Er konnte neben Arne Maier im Mittelfeld absolut überzeugen, glänzte besonders mit seiner Ballsicherheit: man konnte den Eindruck gewinnen, als sei er überhaupt nicht vom Ball zu trennen. Auch durch viele gefährliche Pässe und Kopfballpräsenz bei Ecken machte er auf sich aufmerksam.

Der Serbe zeigte sich auch sehr torgefährlich: er gab drei Torschüsse ab, die zweitmeisten nach Vedad Ibisevic (fünf Torschüsse). Seine Verletzung ist auch deshalb sehr ärgerlich, da er sehr gut mit Maier harmonierte und auch im Zusammenspiel mit Ondrej Duda gute Szenen hatte. Es ist wohl leider erstmal vorbei mit dem „magischen Dreieck“ Maier-Grujic-Duda. An dieser Stelle wünschen wir Marko Grujic gute Besserung und eine sehr schnelle Genesung.

Ondrej Duda – Note: 2

“He scores when he wants” – Ondrej Duda (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

In der ersten Hälfte noch unglücklich agierend, zeigte Ondrej Duda in der zweiten Hälfte des Spiels seine Klasse. Ihm fehlte Anfangs noch die Genauigkeit und Ruhe im Spiel. Er hätte bereits in der 3. Minute die Möglichkeit gehabt sein Treffer zu erzielen, konnte eine Flanke von Javairo Dilrosun allerdings aus kurzer Distanz nicht verwerten. In der 18. Minute sah er auch noch die gelbe Karte wegen taktischen Foulspiels, nachdem er unnötig den Ball verlor.

Der Slowake steigerte sich jedoch nach und nach und war überall auf dem Platz zu finden. Er stellte sein Gegenspieler im Mittelfeld gut zu und lief insgesamt knapp 11 Kilometer und was damit der dritt-laufstärkste Herthaner nach Arne Maier und Javairo Dilrosun. Er spielte viele riskante Pässe, 70% davon kamen an, was ein guter Wert ist. Zwei Torschussvorlagen und zwei eigene Torschüsse zeigen außerdem auch, dass Ondrej Duda viel in Richtung des gegnerischen Tores versuchte. In der 73. Minute konnte er die Partie entscheiden und das 4-2 erzielen, ein schöner Schuss nach Vorlage von Javairo Dilrosun.

Die „Nummer Zehn“ von Hertha BSC bestätigt weiterhin seine starke Form und ist mit vier Toren in vier Spielen aktuell der beste Torschütze der Bundesliga.

Sturm

Javairo Dilrosun – Note: 1-

Dilrosun ist kaum noch wegzudenken für die Startelf. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Vielleicht wird doch Javairo Dilrosun der „Glücksgriff“ der Saison 2018/19 bei Hertha BSC. Der junge Niederländer zeigt ein Profidebüt, den man sonst nur bei „Fifa“ auf der Konsole erlebt. Gegen Gelsenkirchen und Wolfsburg konnte Dilrosun jeweils seine erste Torvorlage und sein erstes Tor erzielen. Gegen Gladbach bereitete er gleich zwei Tore vor und ist aktuell der beste Vorlagengeber der Bundesliga.

Vier Torschussvorlagen, 11,19 gelaufene Kilometer und eine Passquote von 100%, das sind Zahlen die sich sehen lassen können, für einen 20-Jährigen der seine erste Saison in der Bundesliga spielt. Dazu kommen tolle Dribblings und technische Finessen, die meisten Sprints im Hertha-Team (31, im Vergleich Salomon Kalou, mit den zweitmeisten Sprints: 22) und die meisten Flanken. Die einzigen Schwächen des Niederländers sind in der Defensive. Beim zweiten Gegentreffer von Hertha ist er zu spät in der Defensive und kann sein Gegenspieler nicht beim Flanken hindern. Marvin Plattenhardt stand in diesem Moment allein gegen zwei Angreifer. Es ist erst sein drittes Profispiel und trotzdem ist er  schon jetzt ein Leistungsträger bei Hertha BSC. Hut ab, Javairo Dilrosun.

Salomon Kalou – Note: 2

Auch das taktische Foul von Strobl kann Kalou nicht davon abhalten, das 3-1 vorzubereiten. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Seine bisher stärkste Saisonleistung konnte Salomon Kalou leider nicht mit einem Treffer krönen, doch gegen Borussia Mönchengladbach war viel Positives vom Ivorer zu sehen. Erneut rannte der Ivorer mehr als 10 Kilometer über den Platz. Ihm war anzumerken, dass er unbedingt ein Tor erzielen wollte. In der 22. Minute verpasste er nur knapp den Ball, in der 83. Minute knapp den Pfosten. Die bisher bekannte Effektivität lässt er bisher in dieser Saison vermissen.

Wirklich glänzen konnte er jedoch durch seine Torschussvorlagen und Vorbereitungen. In der 15. Spielminute spielt er überragend gut in den Lauf von Ibisevic, der an Jan Sommer scheitert. Ab dann leitet Kalou mehrmals größere Chancen der Berliner ein, bis er in der 63. Minute einen überragenden Sprint aus der eigenen Hälfte startet, sich nicht von Strobl aufhalten lässt und dann im richtigen Moment auf Vedad Ibisevic spielt, der das 3-1 erzielt.

Der Ivorer wartet zwar immer noch auf sein erstes Saisontor, allerdings konnte er am Samstag zeigen, warum er immer noch ein sehr wertvoller Spieler in Pal Dardais Mannschaft ist.

Vedad Ibisevic – Note: 1

Der Kapitän zeigte sich torgefährlich und erzielte Treffer Nummer Zwei und Drei in dieser Saison. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Der Kapitän führte seine Mannschaft in eindrucksvoller Manier zum Sieg. Bereits in der ersten Halbzeit zeigte sich Ibisevic durch gute Luftzweikämpfe und Ballsicherungen. Mit 13 gewonnene Zweikämpfe hat er mehr Zweikämpfe gewonnen, als jeder andere Spieler auf dem Platz.

Doch vor allem durch seine Torgefahr konnte der Bosnier glänzen. Fünf Mal schoss er aufs gegnerische Tor und er erzielte dabei zwei wichtige Tore, jeweils zum 1-1 Ausgleich und zum zwischenzeitlichen 3-1. Der Kapitän der „Alten Dame“ wird vor allem an Toren gemessen: ein Doppelpack ist ein Zeichen, dass er sein Job eindrucksvoll erledigt hat.

Einwechselspieler

Per Skjelbred – Note: /

Bekam seinen ersten Einsatz für Hertha in dieser Saison: Per Skjelbred. (Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images)

Per Skjelbred musste für Marko Grujic eingewechselt werden und konnte seinen ersten Saisoneinsatz feiern. Er zeigte sich hochmotivert und gewohnt zuverlässig in seiner Art und Weise, gegen den Ball zu arbeiten. Der Norweger konnte 100% seiner Zweikämpfe gewinnen und leitete auch den 4. Treffer ein, indem er Javairo Dilrosun schickte, der dann das Tor von Ondrej Duda vorbereitete.

Eine guter Kurzeinsatz also von Per Skjelbred, der möglicherweise durch die Verletzung von Grujic mehr Einsätze in den nächsten Wochen bekommen wird.

Davie Selke – Note: /

Davie Selke wurde kurze Zeit nach dem 4-2 für Vedad Ibisevic eingewechselt und war in der 83. Minute an einer schönen Aktion mit Salomon Kalou beteiligt. Er hatte in der kurzen Zeit nur fünf Ballkontakte, sodass eine Bewertung nur schwer möglich ist.

Derrick Luckassen – Note: /

Auch Derrick Luckassen durfte sein erstes Saisonspiel machen und damit auch sein erstes Pflichtspiel für Hertha BSC. Er wurde in der 87. Minute für Ondrej Duda eingewechselt und im zentralen Mittelfeld eingesetzt. In der kurzen Zeit ist auch seine Leistung nicht zu bewerten.


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