BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 6. Spieltag: Hertha BSC – FC Bayern München

Hertha BSC konnte den besonderen Rahmen eines ausverkauften Olympiastadions in Flutlicht gehüllt nutzen und einen 2:0-Sieg gegen den FC Bayern München erringen. Im ersten Durchgang war klar zu sehen, dass die Berliner nicht nur mit reinem Mauern zum Erfolg kommen wollten, sondern auch spielerisch ihr Glück suchten. Durch eine hohe Effizienz ging man mit einer 2:0-Führung in die Pause, die man im zweiten Durchgang leidenschaftlich verteidigte und über die Zeit brachte. Eine Einzelkritik zu einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung. 

Tor

Thomas Kraft – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Einige Fans wurde schon Angst und Bange bei dem Gedanken, dass nicht Rune Jarstein gegen den FC Bayern im Tor stehen würde. Ersatz Kraft konnte allerdings absolut überzeugen.

25 Schüsse klingen erst einmal imposant, doch letztendlich brachten die Münchener nur fünf davon direkt auf das Tor Berlins und so waren Paraden von Kraft gar nicht allzu oft gefordert. Wurde es jedoch einmal brenzlich, so konnte man sich auf den ehemaligen Bayern-Keeper verlassen, der über 90 Minuten sehr konzentriert auftrat. Er stand bei vielen Szenen goldrichtig und behielt die Übersicht, um diese zu klären. Auffällig war zudem, dass der 30-Jährige das Spiel seiner eigenen Mannschaft oft beschleunigen wollte und dafür viele Bälle schnell weitergab.

Kraft, auch wenn nicht oft geprüft, war ein sehr sicherer Rückhalt für seine Mannschaft, da er viel Ruhe ausstrahlte und in den entscheidenden Momenten eingriff.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Österreicher hatte mit dem Verteidigen von Ribery und Alaba eine unfassbar schwere Aufgabe, verausgabte sich für diese und hatte obendrein noch Luft für wunderbare Offensivaktionen.

Gegen Bremen zeigte Lazaro eindrücklich auf, welche Schwierigkeiten er mit defensivem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten hat – am Freitagabend waren zwar erneut leichte Defizite zu erkennen, im Rahmen seiner Möglichkeiten machte er aber defensiv einen guten Job. Es muss einmal klar gesagt werden: spielst du gegen Ribery und Alaba, dann kannst du vieles einfach nicht verhindern. Die Qualität dieses Duos ist so hoch, dass dem Gegenspieler oftmals einfach die Füße gebunden sind. So auch Lazaro in einigen Szenen, in denen Ribery ihn austanzte oder im Zusammenspiel mit dem aufrückenden Alaba überspielte. Und auch wenn Kalou im Defensivverhalten auffällig engagiert war, ist das Tempo der linken Bayern-Seite einfach zu flott für den Ivorer. So war Lazaro oftmals auf sich alleingestellt und schaffte es dennoch, sechs (!) Bälle abzufangen, sechs Aktionen zu klären und drei Flanken zu blocken. Der Österreicher tat alles in seiner Macht stehende, um seine Seite dicht zu halten und selbst dann finden Ribery und co. Lösungen. Es lässt sich also sagen, dass Lazaro defensiv deutlich verbessert auftrat, jedoch trotzdem Probleme mit seinen so hoch veranlagten Gegenspielern hatte.

Im Vorwärtsdrang bereitete Lazaro allerdings seinen Gegenspielern ebenso Schwierigkeiten. Der 22-Jährige unternahm zahlreiche Ausflüge nach vorne, um Druck auf den Gegner auszuüben und auf dem Flügel durchzubrechen. Dies gelang ihm auch mit Bravour, so legte er z.B. das 2:0 für Duda großartig auf. Seine Tempoläufe und Dribblings waren sehr ansehnlich und effektiv. So ist es bezeichnend, dass Lazaro als Rechtsverteidiger mit Abstand die meisten Ballkontakte (62) seiner Mannschaft hatte. Dies lag auch an seiner exquisiten Kombinationsfähigkeit, denn er fand oft auf engstem Raum intelligente Lösungen, um sich zu befreien.

Eine herausragende Partie Lazaros, der defensiv stets die Konzentration oben hielt und offensiv große Akzente setzen konnte. Ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft.

Niklas Stark – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Vermutungen zufolge hat Stark eine große Delle im Kopf – Grund dafür sind die vielen Aktionen, die er mit seinem Schädel klärte.

Es waren weniger Zweikämpfe, als vielmehr die generelle Strafraumbeherrschung, die Stark an diesem Tag auszeichnete. Der 23-Jährige gewann zwar die Mehrzahl seiner Duelle, hatte von diesen aber nicht allzu viele. Da es die Bayern viel über Hereingaben in den Berliner 16er versuchten, war Stark vor allem als Leuchtturm gefragt, der die Bälle direkt wieder aus eben diesem herausbeförderte. Elf (!) Aktionen klärte Stark am Freitagabend. Ständig hatte der Innenverteidiger seinen Fuß oder Kopf in den gegnerischen Angriffsbemühungen und entschärfte diese. Er erlaubte sich nahezu keine Unsicherheiten, einzig bei Robbens großer Torchance ließ er den Ball auf den Niederländer unnötig passieren.

Eine gute Vorstellung Starks, der große Konzentration bewies und ganz unspektakulär seinen Bereich sauber hielt.

Karim Rekik – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Niederländer trat unglaublich routiniert auf und war vor allem für das Aufbauspiel von großer Bedeutung.

Gerade einmal sein zweites Spiel nach seinem Comeback und es wirkt, als wäre Rekik nie weg gewesen. Der Innenverteidiger trat absolut selbstbewusst und entschlossen gegen die Münchener auf, ließ keinen Zweifel daran, wer um den Berliner Strafraum herum das Sagen hatte. Im Zweikampf war der 23-Jährige kaum zu überwinden und auch seine Stressresistenz mit dem Ball am Fuß war beeindruckend. Während Stark mehr mit dem Klären von Gefahren beschäftigt war, sollte Rekik das Spielgerät sauber aus den Gefahrenzonen schaffen und einen geordneten Spielaufbau forcieren. Das gelang dem Innenverteidiger sehr ordentlich und so war er mitverantwortlich dafür, dass die “alte Dame” vieles spielerisch löste. Auffällig waren einmal mehr seine gewohnt starken Tacklings, mit denen er Aktionen des FCB im Keim erstickte.

Rekik regelt – es bleibt dabei, dass den Niederländer nichts verunsichern kann und seinen Stiefel runterspielte und dann kann der Gegner auch der FC Bayern München sein.

Maximilian Mittelstädt – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dass Mittelstädt und nicht Marvin Plattenhardt gegen den FC Bayern spielte durfte, spricht für den neuen Status des Berliner Eigengewächs. Dass er diesen Einsatz auch noch mit einer wirklich guten Leistung rechtfertige, spricht dann auch für seine neue Qualitätsstufe.

Einschränkend lässt schon einmal sagen, dass der FC Bayern einen glasklaren Fokus auf seine linke Angriffsseite (Ribery & Alaba) gelegt hatte und Mittelstädt daher nicht so viel zu tun bekam wie Lazaro. War der 21-Jährige allerdings gefragt, zeigte er sich sehr entschlossen im Zweikampf und immer dicht am Gegenspieler. Ajren Robben und später Thomas Müller kamen dadurch kaum zur Entfaltung. Gefährlich wurde es nur, wenn Rechtsverteidiger Joshua Kimmich mit aufrückte und Mittelstädt im Verbund mit Dilrosun zwei Bayern-Akteure ausschalten musste. Er bewies nicht nur starkes Zweikampfverhalten (fünf von sieben Duellen gewonnen), sondern auch sehr kluges Stellungsspiel (vier Bälle abgefangen). Seine einzige Schwäche bestand darin, gewisse Situationen sauber auszuspielen, so verursachte er immer wieder unnötige Ecken und Einwürfe für den Gegner.

Offensiv konnte sich Mittelstädt nicht entfalten, da er zu sehr an seine Defensivaufgaben gebunden war und ihm der Platz fehlte, um auch noch vorne durchzustarten. Es war aber zu erkennen, dass Dardai vor allem Lazaro mitstürmen lassen wollte, um so eine Asymmetrie im Berliner Spiel zu schaffen.

Mittelstädt erfüllte exakt das, was von ihm erwartet wurde. Er sollte Robbens Schatten werden und dem 34-Jährigen keine Luft zum atmen lassen – und genau das machte der Linksverteidiger. Seinem Spiel fehlten zwar die Glanzpunkte, aber das war hier auch nicht gefragt.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Norweger hat seinen ersten Startelfeinsatz in dieser Spielzeit absolut gerechtfertigt.

Als sowohl Vedad Ibisevic als auch Salomon Kalou ausgewechselt waren, bekam Skjelbred die Kapitänsbinde überreicht. Ein passendes Bild, denn der Kämpfer führte das Mittelfeld mit seinem so leidenschaftlichem Spiel regelrecht an. Wie man Herthas Wikinger kennt, schmiss er sich gegen Bayern in alles, was nach Ball und Zweikampf aussah. Er spulte ein unfassbares Pensum ab, überhitzte aber nie und hielt stets die Abstände im Mittelfeld ein. Sein großer Verdienst war es, dass München kaum dazu kam, durch die Mitte zu kombinieren – fast sämtliche Angriffe liefen über die Flügel. Durch starkes Positionsspiel und resolute Zweikampfführung zermürbte “Schelle” Sanches, James und co. Niemand bei Hertha gewann so viele Duelle wie der 31-Jährige, dazu fing er auch einige Bälle ab und zeigte gute Tacklings. Trotz seiner vielen Zweikämpfe verhielt sich Skjelbred stets fair, zog nur einziges Foul und sah keine gelbe Karte.

Doch es würde der Leistung des Routiniers nicht gerecht werden, nur sein Spiel gegen den Ball zu loben, denn auch mit dem Spielgerät wusste er etwas zu bewirken. Gewann er die Kugel, zeigte er sich äußerst ballsicher und agierte mit viel Übersicht. Er machte das Spiel oft angenehm breit, sodass Bayern schlechter in sein Gegenpressing kam und erst einmal die schnellen Berliner Außenspieler einfangen musste. 88,5% der Pässe von Skjelbred kamen beim Mitspieler an – in so einer Begegnung eine wirklich starke Zahl. Auch den einen oder anderen Lauf mit Ball traute sich Skjelbred zu.

Eine wirklich beeindruckende Leistung Skjelbreds. Er hielt den bajuwarischen Angriffswellen stets Stand und leitete viele eigene Vorstöße mit ein.

Arne Maier – Note: 1

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Vor solch einer Darbietung eines gerade einmal 19-Jährigen muss man sich verneigen. Eine Sternstunde für Maier.

Ja, das war das beste Spiel in der noch so jungen Profi-Karriere des Arne Maier. Gegen den großen FC Bayern trat der Mittelfeldstratege mit breiter Brust als zentraler Lenker seiner Mannschaft auf. Kaum ein Angriff wurde nicht über ihn initiiert, er zog alle Fäden. In der wahnsinnig engen Spielmitte war Maier stets gewillt, flache & spielerische Lösungen zu finden und ließ sich dabei nicht von den sehr energisch anlaufenden Gegenspielern irritieren. Das Eigengewächs spielte nicht einen einzigen (!) langen Ball und verbuchte dennoch eine überragende Passquote von 94%. Mit welcher Spielintelligenz und Ballsicherheit er auftrat, suchte seines gleichen. Die spielerisch so starke erste Halbzeit beruhte auf der hervorragenden Leistung Maiers.

Doch auch gegen den Ball war Herthas Nummer 23 immens wichtig. Körperlich fiel er im Gegensatz zu seinen deutlich routinierteren Gegenspielern keineswegs ab und gewann einige wichtige Zweikämpfe. Dazu klärte er vier Aktionen, was seine große Sicherheit noch einmal unterstreicht. Er lief die zweitmeisten Meter aller Blau-Weißen und war stets dort, wo er gebraucht wurde. Auch er hielt, obwohl er noch gestalterische Aufgaben hatte, nie aus der engen Formation heraus.

Es ist kaum zu fassen, was für eine Partie Maier am Freitag hingelegt hat. Das Spiel wurde auch im Mittelfeld gewonnen und dort war Maier der, der über allen anderen thronte.

Ondrej Duda – Note: 2+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

“He scores when he wants” – diesen Gesang konnten Fans und Mitspieler auch nach dem 2:0 am Freitag wieder anstimmen. Duda hat einen Lauf und war auch darüber hinaus sehr wichtig im Spiel seiner Mannschaft.

12,7 Kilometer – niemand anderes auf dem Feld lief so viel wie der Slowake, der auch abseits seines Tores großen Wert für sein Team hatte. Im ersten Durchgang presste Hertha situativ und in diesen Momenten war Duda sehr wichtig, da er die Gegenspieler sehr engagiert anlief und deren Spielaufbau störte. Das alles, um nur wenige Sekunden später wieder geordnet in Herthas Mittelfeldkette Platz zu nehmen und den Münchenern dort erneut das Leben schwer zu machen. Der 23-Jährige führte die meisten Zweikämpfe aller Herthaner, von denen er zwar auch einige verlor, aber zumindest immer Nickligkeiten verteilte. Seine fünf Fouls sprechen nicht für mangelnde Disziplin, sondern für ein gutes Gespür, wann Schwung aus den gegnerischen Angriffen genommen werden muss.

Im Spiel nach vorne war Duda sehr präsent und ideenreich. Er schaffte es oft, sich gut “aufzudrehen” und seinen Mitspielern die Bälle zu servieren. Beispielhaft war seine Vorlage in der 22. Minute, als er einen punktgenauen Ball auf den Kopf von Ibisevic spielte, dessen Torschuss von Neuer pariert wurde, doch der darauffolgende Zweikampf führte zum Elfmeter. Die Dynamik in seinen Aktionen bereitete Bayern immer wieder Probleme. Und dann war da ja noch sein Tor zum 2:0. Er schlich sich sehr gut von Renato Sanches weg und schweißte die Kugel kompromisslos unter den Giebel. So ließ er Manuel Neuer keinerlei Chance.

Sowohl mit, als auch gegen den Ball lieferte Duda eine beeindruckende Vorstellung ab.

Salomon Kalou – Note: 1-

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Ivorer bestach durch großartige Ballsicherheit, tolle Dribblings und seinem Mitwirken bei beiden Treffern.

Welchen Deal mit dem Teufel ist Kalou eingegangen, dass dieser ihm seine Nerven genommen hat? Der 33-Jährige trat wie die Ruhe selbst gegen den deutschen Rekordmeister auf und dribbelte sich durch seine Reihen, als ob es Gegner wie jeder andere wäre. Kaum jemand bei Hertha konnte so für Entlastung sorgen wie Kalou, da er die Bälle nach vorne trug und so Lücken riss. Aus diesen entstanden Angriffe, die sonst nicht möglich gewesen wären. Ganze neun Ballsicherungen konnte Kalou verbuchen, der dem Ansatz, Angriffe spielerisch auszulösen, sehr zuträglich war. Ohne ihn hätte es auch beide Berliner Tore nicht gegeben, da er beim 1:0 den Elfmeter rausholte und beim 2:0 Vorlagengeber Lazaro sehr gut in Szene setzte.

Selbst wurde er zwar nicht gefährlich, aber er stellte sich voll in den Dienst der Mannschaft. Auch defensiv ackerte der Flügelspieler fleißig mit – zwei abgefangene Bälle, zwei geklärte Aktionen und ein Block zeigen es. Nach 70 Minuten war verständlicherweise keine Luft mehr vorhanden und so wurde er nach einer riesigen Vorstellung mit Standig Ovations vom Feld verabschiedet.

Javairo Dilrosun – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Keine einfache Partie für den jungen Niederländer, der das erste Mal primär Defensivaufgaben an die Hand bekommen hatte.

Es war sicherlich keine schlechte Partie Dilrosuns, es fehlten lediglich die ganz großen Momente, die er zuletzt so oft kreieren konnte. Grund dafür war, wie intensiv der 20-Jährige in die Abwehrarbeit seiner Mannschaft eingebunden war. Er hatte offensichtlich den Auftrag bekommen, Kimmich jedes Mal zu verfolgen, sollte dieser sich Richtung letztes Angriffsdrittel bewegen. Das kostet viel Kraft und Konzentration, die einem dann bei den eigenen Umschaltaktionen fehlen. Zwar konnte Dilrosun immer mal wieder Raumgewinne durch Sprints und Dribblings verzeichnen, so effektiv wie Routinier Kalou war er aber längst nicht. Es war aber stets der Eifer vom jungen Flügelflitzer zu erkennen, der nach Herthas zentralen Mittelfeldspielern die meisten Meter seiner Mannschaft machte und die allermeisten Sprints zog. Dilrosun kam aber einfach nicht seine gewünschten Zonen, in denen er mit Flanken und Torschüssen für Gefahr sorgen kann – dafür war Bayerns Rückwärtsbewegung schlicht zu gut, mit der sie ihn kurz vorm letzten Drittel stoppten.

Es war eine insgesamt zufriedenstellende Leistung Dilrosuns, der sich voll in den Dienst seines Teams stellte, dadurch aber wenige eigene Glanzpunkte setzen konnte.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die besagte Hymne für Ondrej Duda könnte aktuell auch für Herthas Kapitän angestimmt werden, schließlich ließ dieser es sich nicht nehmen, gegen den FC Bayern seinen bereits vierten Saisontreffer zu erzielen.

Bereits in der Entstehung zum Elfmeter hatte Ibisevic seine Aktien, denn er nahm die Hereingabe Dudas großartig mit dem Kopf an, sodass Neuer seinen Torschuss zur Seite abwehren musste – der Rest ist Geschichte. Auch darüber hinaus war der Bosnier wichtig für seine Mannschaft, weil er sich immer wieder in die eigene Hälfte fallen ließ, um den Ball mit seinem robusten Körper abzuschirmen und ihn dann an seine Mitspieler weiterzuleiten. Es war von vornherein klar, dass Ibisevic als Mittelstürmer gegen den FC Bayern nicht allzu viele Spielanteile haben wird, das liegt an der Natur dieses Spiels. Vielmehr die Arbeit gegen den Ball, also das Pressing auf Münchens Innenverteidigung lag im Aufgabenbereich des 34-Jährigen.

Bevor die Müdigkeitsphase des Sturm-Oldies eintreten konnte, wurde er für den frischen Selke ausgewechselt – bis dahin war es ein guter Auftritt von Ibisevic gewesen, der seine Mannschaft zur Führung schoss.

Einwechslungen

Davie Selke – Note: 3+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Laufen, kratzen, beißen – die Aufgabenstellung für Selke war klar und wurde von ihm sehr befriedigend erfüllt.

Gekommen, um für Entlastung seiner Mannschaft zu sorgen, biss sich der 23-Jährige sofort in die Partie. Er gewann auffällig viele Kopfballduelle, die seinen Mitspielern Luft zum Atmen gaben, da der Ball dann erst einmal in der gegnerischen Hälfte war. Er beschäftigte seine Gegenspieler pausenlos und machte Gebrauch davon, dass diese bereits 50 Minuten in den Beinen hatten. Sein ständiges Stören und Anlaufen war äußerst wertvoll, dazu seine gute Zweikampfführung. Einzig die Weiterverarbeitung seiner festgemachten Bälle ließ zu Wünschen übrig – gerade einmal 40% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an. So hätte der Mittelstürmer tatsächlich für das 3:0 sorgen können, hätte er kurz vor Schlusspfiff nicht die Kunstschuss über Keeper Neuer probiert, sondern den durchstartenden Jastrzembski bedient, der nur noch Wiese vor sich gehabt hätte. Zumindest eine Torschussvorlage verzeichnete Selke.

Eine engagierte und mannschaftsdienliche Leistung von Selke.

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Hertha BSC konnte den besonderen Rahmen eines ausverkauften Olympiastadions in Flutlicht gehüllt nutzen und einen 2:0-Sieg gegen den FC Bayern München erringen. Im ersten Durchgang war klar zu sehen, dass die Berliner nicht nur mit reinem Mauern zum Erfolg kommen wollten, sondern auch spielerisch ihr Glück suchten. Durch eine hohe Effizienz ging man mit einer 2:0-Führung in die Pause, die man im zweiten Durchgang leidenschaftlich verteidigte und über die Zeit brachte. Eine Einzelkritik zu einer sehr geschlossenen Mannschaftsleistung. 

Tor

Thomas Kraft – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Einige Fans wurde schon Angst und Bange bei dem Gedanken, dass nicht Rune Jarstein gegen den FC Bayern im Tor stehen würde. Ersatz Kraft konnte allerdings absolut überzeugen.

25 Schüsse klingen erst einmal imposant, doch letztendlich brachten die Münchener nur fünf davon direkt auf das Tor Berlins und so waren Paraden von Kraft gar nicht allzu oft gefordert. Wurde es jedoch einmal brenzlich, so konnte man sich auf den ehemaligen Bayern-Keeper verlassen, der über 90 Minuten sehr konzentriert auftrat. Er stand bei vielen Szenen goldrichtig und behielt die Übersicht, um diese zu klären. Auffällig war zudem, dass der 30-Jährige das Spiel seiner eigenen Mannschaft oft beschleunigen wollte und dafür viele Bälle schnell weitergab.

Kraft, auch wenn nicht oft geprüft, war ein sehr sicherer Rückhalt für seine Mannschaft, da er viel Ruhe ausstrahlte und in den entscheidenden Momenten eingriff.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Österreicher hatte mit dem Verteidigen von Ribery und Alaba eine unfassbar schwere Aufgabe, verausgabte sich für diese und hatte obendrein noch Luft für wunderbare Offensivaktionen.

Gegen Bremen zeigte Lazaro eindrücklich auf, welche Schwierigkeiten er mit defensivem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten hat – am Freitagabend waren zwar erneut leichte Defizite zu erkennen, im Rahmen seiner Möglichkeiten machte er aber defensiv einen guten Job. Es muss einmal klar gesagt werden: spielst du gegen Ribery und Alaba, dann kannst du vieles einfach nicht verhindern. Die Qualität dieses Duos ist so hoch, dass dem Gegenspieler oftmals einfach die Füße gebunden sind. So auch Lazaro in einigen Szenen, in denen Ribery ihn austanzte oder im Zusammenspiel mit dem aufrückenden Alaba überspielte. Und auch wenn Kalou im Defensivverhalten auffällig engagiert war, ist das Tempo der linken Bayern-Seite einfach zu flott für den Ivorer. So war Lazaro oftmals auf sich alleingestellt und schaffte es dennoch, sechs (!) Bälle abzufangen, sechs Aktionen zu klären und drei Flanken zu blocken. Der Österreicher tat alles in seiner Macht stehende, um seine Seite dicht zu halten und selbst dann finden Ribery und co. Lösungen. Es lässt sich also sagen, dass Lazaro defensiv deutlich verbessert auftrat, jedoch trotzdem Probleme mit seinen so hoch veranlagten Gegenspielern hatte.

Im Vorwärtsdrang bereitete Lazaro allerdings seinen Gegenspielern ebenso Schwierigkeiten. Der 22-Jährige unternahm zahlreiche Ausflüge nach vorne, um Druck auf den Gegner auszuüben und auf dem Flügel durchzubrechen. Dies gelang ihm auch mit Bravour, so legte er z.B. das 2:0 für Duda großartig auf. Seine Tempoläufe und Dribblings waren sehr ansehnlich und effektiv. So ist es bezeichnend, dass Lazaro als Rechtsverteidiger mit Abstand die meisten Ballkontakte (62) seiner Mannschaft hatte. Dies lag auch an seiner exquisiten Kombinationsfähigkeit, denn er fand oft auf engstem Raum intelligente Lösungen, um sich zu befreien.

Eine herausragende Partie Lazaros, der defensiv stets die Konzentration oben hielt und offensiv große Akzente setzen konnte. Ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft.

Niklas Stark – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Vermutungen zufolge hat Stark eine große Delle im Kopf – Grund dafür sind die vielen Aktionen, die er mit seinem Schädel klärte.

Es waren weniger Zweikämpfe, als vielmehr die generelle Strafraumbeherrschung, die Stark an diesem Tag auszeichnete. Der 23-Jährige gewann zwar die Mehrzahl seiner Duelle, hatte von diesen aber nicht allzu viele. Da es die Bayern viel über Hereingaben in den Berliner 16er versuchten, war Stark vor allem als Leuchtturm gefragt, der die Bälle direkt wieder aus eben diesem herausbeförderte. Elf (!) Aktionen klärte Stark am Freitagabend. Ständig hatte der Innenverteidiger seinen Fuß oder Kopf in den gegnerischen Angriffsbemühungen und entschärfte diese. Er erlaubte sich nahezu keine Unsicherheiten, einzig bei Robbens großer Torchance ließ er den Ball auf den Niederländer unnötig passieren.

Eine gute Vorstellung Starks, der große Konzentration bewies und ganz unspektakulär seinen Bereich sauber hielt.

Karim Rekik – Note: 2

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Niederländer trat unglaublich routiniert auf und war vor allem für das Aufbauspiel von großer Bedeutung.

Gerade einmal sein zweites Spiel nach seinem Comeback und es wirkt, als wäre Rekik nie weg gewesen. Der Innenverteidiger trat absolut selbstbewusst und entschlossen gegen die Münchener auf, ließ keinen Zweifel daran, wer um den Berliner Strafraum herum das Sagen hatte. Im Zweikampf war der 23-Jährige kaum zu überwinden und auch seine Stressresistenz mit dem Ball am Fuß war beeindruckend. Während Stark mehr mit dem Klären von Gefahren beschäftigt war, sollte Rekik das Spielgerät sauber aus den Gefahrenzonen schaffen und einen geordneten Spielaufbau forcieren. Das gelang dem Innenverteidiger sehr ordentlich und so war er mitverantwortlich dafür, dass die “alte Dame” vieles spielerisch löste. Auffällig waren einmal mehr seine gewohnt starken Tacklings, mit denen er Aktionen des FCB im Keim erstickte.

Rekik regelt – es bleibt dabei, dass den Niederländer nichts verunsichern kann und seinen Stiefel runterspielte und dann kann der Gegner auch der FC Bayern München sein.

Maximilian Mittelstädt – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dass Mittelstädt und nicht Marvin Plattenhardt gegen den FC Bayern spielte durfte, spricht für den neuen Status des Berliner Eigengewächs. Dass er diesen Einsatz auch noch mit einer wirklich guten Leistung rechtfertige, spricht dann auch für seine neue Qualitätsstufe.

Einschränkend lässt schon einmal sagen, dass der FC Bayern einen glasklaren Fokus auf seine linke Angriffsseite (Ribery & Alaba) gelegt hatte und Mittelstädt daher nicht so viel zu tun bekam wie Lazaro. War der 21-Jährige allerdings gefragt, zeigte er sich sehr entschlossen im Zweikampf und immer dicht am Gegenspieler. Ajren Robben und später Thomas Müller kamen dadurch kaum zur Entfaltung. Gefährlich wurde es nur, wenn Rechtsverteidiger Joshua Kimmich mit aufrückte und Mittelstädt im Verbund mit Dilrosun zwei Bayern-Akteure ausschalten musste. Er bewies nicht nur starkes Zweikampfverhalten (fünf von sieben Duellen gewonnen), sondern auch sehr kluges Stellungsspiel (vier Bälle abgefangen). Seine einzige Schwäche bestand darin, gewisse Situationen sauber auszuspielen, so verursachte er immer wieder unnötige Ecken und Einwürfe für den Gegner.

Offensiv konnte sich Mittelstädt nicht entfalten, da er zu sehr an seine Defensivaufgaben gebunden war und ihm der Platz fehlte, um auch noch vorne durchzustarten. Es war aber zu erkennen, dass Dardai vor allem Lazaro mitstürmen lassen wollte, um so eine Asymmetrie im Berliner Spiel zu schaffen.

Mittelstädt erfüllte exakt das, was von ihm erwartet wurde. Er sollte Robbens Schatten werden und dem 34-Jährigen keine Luft zum atmen lassen – und genau das machte der Linksverteidiger. Seinem Spiel fehlten zwar die Glanzpunkte, aber das war hier auch nicht gefragt.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 1-

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Der Norweger hat seinen ersten Startelfeinsatz in dieser Spielzeit absolut gerechtfertigt.

Als sowohl Vedad Ibisevic als auch Salomon Kalou ausgewechselt waren, bekam Skjelbred die Kapitänsbinde überreicht. Ein passendes Bild, denn der Kämpfer führte das Mittelfeld mit seinem so leidenschaftlichem Spiel regelrecht an. Wie man Herthas Wikinger kennt, schmiss er sich gegen Bayern in alles, was nach Ball und Zweikampf aussah. Er spulte ein unfassbares Pensum ab, überhitzte aber nie und hielt stets die Abstände im Mittelfeld ein. Sein großer Verdienst war es, dass München kaum dazu kam, durch die Mitte zu kombinieren – fast sämtliche Angriffe liefen über die Flügel. Durch starkes Positionsspiel und resolute Zweikampfführung zermürbte “Schelle” Sanches, James und co. Niemand bei Hertha gewann so viele Duelle wie der 31-Jährige, dazu fing er auch einige Bälle ab und zeigte gute Tacklings. Trotz seiner vielen Zweikämpfe verhielt sich Skjelbred stets fair, zog nur einziges Foul und sah keine gelbe Karte.

Doch es würde der Leistung des Routiniers nicht gerecht werden, nur sein Spiel gegen den Ball zu loben, denn auch mit dem Spielgerät wusste er etwas zu bewirken. Gewann er die Kugel, zeigte er sich äußerst ballsicher und agierte mit viel Übersicht. Er machte das Spiel oft angenehm breit, sodass Bayern schlechter in sein Gegenpressing kam und erst einmal die schnellen Berliner Außenspieler einfangen musste. 88,5% der Pässe von Skjelbred kamen beim Mitspieler an – in so einer Begegnung eine wirklich starke Zahl. Auch den einen oder anderen Lauf mit Ball traute sich Skjelbred zu.

Eine wirklich beeindruckende Leistung Skjelbreds. Er hielt den bajuwarischen Angriffswellen stets Stand und leitete viele eigene Vorstöße mit ein.

Arne Maier – Note: 1

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Vor solch einer Darbietung eines gerade einmal 19-Jährigen muss man sich verneigen. Eine Sternstunde für Maier.

Ja, das war das beste Spiel in der noch so jungen Profi-Karriere des Arne Maier. Gegen den großen FC Bayern trat der Mittelfeldstratege mit breiter Brust als zentraler Lenker seiner Mannschaft auf. Kaum ein Angriff wurde nicht über ihn initiiert, er zog alle Fäden. In der wahnsinnig engen Spielmitte war Maier stets gewillt, flache & spielerische Lösungen zu finden und ließ sich dabei nicht von den sehr energisch anlaufenden Gegenspielern irritieren. Das Eigengewächs spielte nicht einen einzigen (!) langen Ball und verbuchte dennoch eine überragende Passquote von 94%. Mit welcher Spielintelligenz und Ballsicherheit er auftrat, suchte seines gleichen. Die spielerisch so starke erste Halbzeit beruhte auf der hervorragenden Leistung Maiers.

Doch auch gegen den Ball war Herthas Nummer 23 immens wichtig. Körperlich fiel er im Gegensatz zu seinen deutlich routinierteren Gegenspielern keineswegs ab und gewann einige wichtige Zweikämpfe. Dazu klärte er vier Aktionen, was seine große Sicherheit noch einmal unterstreicht. Er lief die zweitmeisten Meter aller Blau-Weißen und war stets dort, wo er gebraucht wurde. Auch er hielt, obwohl er noch gestalterische Aufgaben hatte, nie aus der engen Formation heraus.

Es ist kaum zu fassen, was für eine Partie Maier am Freitag hingelegt hat. Das Spiel wurde auch im Mittelfeld gewonnen und dort war Maier der, der über allen anderen thronte.

Ondrej Duda – Note: 2+

(Foto: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

“He scores when he wants” – diesen Gesang konnten Fans und Mitspieler auch nach dem 2:0 am Freitag wieder anstimmen. Duda hat einen Lauf und war auch darüber hinaus sehr wichtig im Spiel seiner Mannschaft.

12,7 Kilometer – niemand anderes auf dem Feld lief so viel wie der Slowake, der auch abseits seines Tores großen Wert für sein Team hatte. Im ersten Durchgang presste Hertha situativ und in diesen Momenten war Duda sehr wichtig, da er die Gegenspieler sehr engagiert anlief und deren Spielaufbau störte. Das alles, um nur wenige Sekunden später wieder geordnet in Herthas Mittelfeldkette Platz zu nehmen und den Münchenern dort erneut das Leben schwer zu machen. Der 23-Jährige führte die meisten Zweikämpfe aller Herthaner, von denen er zwar auch einige verlor, aber zumindest immer Nickligkeiten verteilte. Seine fünf Fouls sprechen nicht für mangelnde Disziplin, sondern für ein gutes Gespür, wann Schwung aus den gegnerischen Angriffen genommen werden muss.

Im Spiel nach vorne war Duda sehr präsent und ideenreich. Er schaffte es oft, sich gut “aufzudrehen” und seinen Mitspielern die Bälle zu servieren. Beispielhaft war seine Vorlage in der 22. Minute, als er einen punktgenauen Ball auf den Kopf von Ibisevic spielte, dessen Torschuss von Neuer pariert wurde, doch der darauffolgende Zweikampf führte zum Elfmeter. Die Dynamik in seinen Aktionen bereitete Bayern immer wieder Probleme. Und dann war da ja noch sein Tor zum 2:0. Er schlich sich sehr gut von Renato Sanches weg und schweißte die Kugel kompromisslos unter den Giebel. So ließ er Manuel Neuer keinerlei Chance.

Sowohl mit, als auch gegen den Ball lieferte Duda eine beeindruckende Vorstellung ab.

Salomon Kalou – Note: 1-

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Ivorer bestach durch großartige Ballsicherheit, tolle Dribblings und seinem Mitwirken bei beiden Treffern.

Welchen Deal mit dem Teufel ist Kalou eingegangen, dass dieser ihm seine Nerven genommen hat? Der 33-Jährige trat wie die Ruhe selbst gegen den deutschen Rekordmeister auf und dribbelte sich durch seine Reihen, als ob es Gegner wie jeder andere wäre. Kaum jemand bei Hertha konnte so für Entlastung sorgen wie Kalou, da er die Bälle nach vorne trug und so Lücken riss. Aus diesen entstanden Angriffe, die sonst nicht möglich gewesen wären. Ganze neun Ballsicherungen konnte Kalou verbuchen, der dem Ansatz, Angriffe spielerisch auszulösen, sehr zuträglich war. Ohne ihn hätte es auch beide Berliner Tore nicht gegeben, da er beim 1:0 den Elfmeter rausholte und beim 2:0 Vorlagengeber Lazaro sehr gut in Szene setzte.

Selbst wurde er zwar nicht gefährlich, aber er stellte sich voll in den Dienst der Mannschaft. Auch defensiv ackerte der Flügelspieler fleißig mit – zwei abgefangene Bälle, zwei geklärte Aktionen und ein Block zeigen es. Nach 70 Minuten war verständlicherweise keine Luft mehr vorhanden und so wurde er nach einer riesigen Vorstellung mit Standig Ovations vom Feld verabschiedet.

Javairo Dilrosun – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Keine einfache Partie für den jungen Niederländer, der das erste Mal primär Defensivaufgaben an die Hand bekommen hatte.

Es war sicherlich keine schlechte Partie Dilrosuns, es fehlten lediglich die ganz großen Momente, die er zuletzt so oft kreieren konnte. Grund dafür war, wie intensiv der 20-Jährige in die Abwehrarbeit seiner Mannschaft eingebunden war. Er hatte offensichtlich den Auftrag bekommen, Kimmich jedes Mal zu verfolgen, sollte dieser sich Richtung letztes Angriffsdrittel bewegen. Das kostet viel Kraft und Konzentration, die einem dann bei den eigenen Umschaltaktionen fehlen. Zwar konnte Dilrosun immer mal wieder Raumgewinne durch Sprints und Dribblings verzeichnen, so effektiv wie Routinier Kalou war er aber längst nicht. Es war aber stets der Eifer vom jungen Flügelflitzer zu erkennen, der nach Herthas zentralen Mittelfeldspielern die meisten Meter seiner Mannschaft machte und die allermeisten Sprints zog. Dilrosun kam aber einfach nicht seine gewünschten Zonen, in denen er mit Flanken und Torschüssen für Gefahr sorgen kann – dafür war Bayerns Rückwärtsbewegung schlicht zu gut, mit der sie ihn kurz vorm letzten Drittel stoppten.

Es war eine insgesamt zufriedenstellende Leistung Dilrosuns, der sich voll in den Dienst seines Teams stellte, dadurch aber wenige eigene Glanzpunkte setzen konnte.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 2-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die besagte Hymne für Ondrej Duda könnte aktuell auch für Herthas Kapitän angestimmt werden, schließlich ließ dieser es sich nicht nehmen, gegen den FC Bayern seinen bereits vierten Saisontreffer zu erzielen.

Bereits in der Entstehung zum Elfmeter hatte Ibisevic seine Aktien, denn er nahm die Hereingabe Dudas großartig mit dem Kopf an, sodass Neuer seinen Torschuss zur Seite abwehren musste – der Rest ist Geschichte. Auch darüber hinaus war der Bosnier wichtig für seine Mannschaft, weil er sich immer wieder in die eigene Hälfte fallen ließ, um den Ball mit seinem robusten Körper abzuschirmen und ihn dann an seine Mitspieler weiterzuleiten. Es war von vornherein klar, dass Ibisevic als Mittelstürmer gegen den FC Bayern nicht allzu viele Spielanteile haben wird, das liegt an der Natur dieses Spiels. Vielmehr die Arbeit gegen den Ball, also das Pressing auf Münchens Innenverteidigung lag im Aufgabenbereich des 34-Jährigen.

Bevor die Müdigkeitsphase des Sturm-Oldies eintreten konnte, wurde er für den frischen Selke ausgewechselt – bis dahin war es ein guter Auftritt von Ibisevic gewesen, der seine Mannschaft zur Führung schoss.

Einwechslungen

Davie Selke – Note: 3+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Laufen, kratzen, beißen – die Aufgabenstellung für Selke war klar und wurde von ihm sehr befriedigend erfüllt.

Gekommen, um für Entlastung seiner Mannschaft zu sorgen, biss sich der 23-Jährige sofort in die Partie. Er gewann auffällig viele Kopfballduelle, die seinen Mitspielern Luft zum Atmen gaben, da der Ball dann erst einmal in der gegnerischen Hälfte war. Er beschäftigte seine Gegenspieler pausenlos und machte Gebrauch davon, dass diese bereits 50 Minuten in den Beinen hatten. Sein ständiges Stören und Anlaufen war äußerst wertvoll, dazu seine gute Zweikampfführung. Einzig die Weiterverarbeitung seiner festgemachten Bälle ließ zu Wünschen übrig – gerade einmal 40% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an. So hätte der Mittelstürmer tatsächlich für das 3:0 sorgen können, hätte er kurz vor Schlusspfiff nicht die Kunstschuss über Keeper Neuer probiert, sondern den durchstartenden Jastrzembski bedient, der nur noch Wiese vor sich gehabt hätte. Zumindest eine Torschussvorlage verzeichnete Selke.

Eine engagierte und mannschaftsdienliche Leistung von Selke.

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