BundesligaVorbericht

Mainz 05 – Hertha BSC: Die Chance zur Wiedergutmachung

Was am vergangenen Freitagabend noch keiner so recht glauben konnte, ist auch heute noch schwer zu fassen. Dennoch zeigt der Blick auf die Tabelle vor dem 7. Spieltag, dass es kein kollektiver blau-weißer Traum gewesen ist. Hertha hat tatsächlich den deutschen Rekordmeister besiegt und ist damit punktgleich mit dem FC Bayern auf Rang 3 der Tabelle. Gerade nach der ernüchternden Niederlage war damit nicht unbedingt zu rechnen. Das zeigt, welch starken Charakter diese so junge Mannschaft hat. Nun steht man vor einer ähnlichen Situation wie nach dem Heimsieg über Borussia Mönchengladbach. Auch da wurde Hertha deutschlandweit in den Fußball-Olymp gehoben, nur um drei Tage später einen enttäuschenden Auftritt an der Weser hinzulegen. Nun hat die Mannschaft von Pal Dardai die Chance, zu beweisen, dass sie mit dem medialen Druck umgehen kann. Mit dem FSV Mainz 05 wartet ein Gegner, der zuletzt gerade auswärts kein gutes Pflaster für Hertha war.

Für unseren Vorbericht haben wir uns dieses Mal die Autorin und Journalistin Mara Pfeiffer ins Boot geholt und mit ihr über den FSV Mainz 05 gesprochen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

In sportlich schwierigen Zeiten ist der Job des Fußballtrainers wohl einer der undankbarsten Berufe. Aktuellstes Beispiel dürfte Niko Kovac sein, der nach dem erfolgreichen Start mit dem FC Bayern zunächst in den siebten Himmel gelobt wurde und nun nach drei sieglosen Spielen gefühlt kurz vor dem Aus steht. Dass es sich auszahlen kann, am Trainer festzuhalten, lässt sich momentan in Mainz beobachten. Sandro Schwarz übernahm den FSV zur Saison 2017/2018 und hatte von Beginn an einen schweren Stand. So sagt Mainz-Expertin Mara dazu: „Obwohl der 05-Trainer ein echter Meenzer Bub ist, war sein Standing bei den Fans anfangs sehr durchwachsen. Das galt ebenso für Sportdirektor Rouven Schröder, beide wurden vielfach angegriffen und ihre Entlassung quasi permanent gefordert.“ Sie begründet dies unter anderem mit der generellen Unruhe, die im vergangenen Jahr rund um Mainz herrschte. Gemeint ist das Wirrwarr rund um die Nachfolge vom langjährigen Präsidenten Harald Strutz, dem zunächst Johannes Kaluza nachfolgte. Nach nicht mal einem halben Jahr trat dieser aber nach internen Streitigkeiten zurück. Diese Unstimmigkeiten scheinen jetzt beseitigt zu sein und so lässt es sich auch für Sandro Schwarz wieder ruhiger arbeiten, was auch an einer „Aussprache“ zwischen ihm und den Fans im Laufe der vergangenen Spielzeit liegen dürfte. Der solide Saisonstart tat in diesem Zusammenhang auch sein Übriges.

Vorne pfui, hinten hui

Stand jetzt konnte Mainz 05 die Abgänge im Sommer gut kompensieren. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Dass Mainz nach sechs Spielen mit souveränen acht Punkten in der Tabelle steht, hat zu einem wesentlichen Teil mit den Neuzugängen zu tun. Vor allem Mateta und Niakhaté, die für insgesamt 14 Millionen Euro aus Frankreich geholt wurden, stechen hier heraus, wie auch Mara betont: „Moussa Niakhaté ist ein junger Innenverteidiger, der bereits einen prima Job macht und für die Tore sollen in dieser Saison zum einen versierte Spieler wie Anthony Ujah und dann neue wie Jean-Philippe Mateta sorgen, der mit seiner Unbekümmertheit eine sehr erfrischende Erscheinung ist.“ Auch der von Atletico Madrid losgeeiste Kunde Malong wird von unserer Expertin positiv hervorgehoben. Dass Mainz 05 in diesem Sommer beachtliche 30 Millionen Euro für Transfers ausgeben konnte, liegt primär daran, dass man auf der anderen Seite sehr viel Geld eingenommen hat. Allein Innenverteidiger Abdou Diallo spülte 28 Millionen Euro in die eigenen Kassen. Weitere 10 gab es jeweils für Eigengewächs Serdar und Yoshinori Muto. Angesichts der Qualität dieser Abgänge ist es auch normal, dass noch nicht alles rund läuft. Während die Defensive mit gerade einmal vier Gegentoren die beste der Liga ist, lässt die Torausbeute zu wünschen übrig. Mickrige vier Tore stehen auf der Haben-Seite. Lediglich Schalke 04 hat weniger Treffer erzielt. So sagt auch Mara, dass in erster Linie die „letzten Meter vor dem Tor“ verbessert werden müssen. Nicht umsonst gingen die 05er in den jüngsten drei Partien ohne eigenen Treffer vom Platz. Aus Berliner Sicht darf sich diese Serie gern erst einmal fortsetzen.

Vom Dardai-Debüt bis zu kuriosen Platzverweisen

In den vergangenen Jahren war Mainz nicht unbedingt der Lieblingsort der Blau-Weißen. Dabei begann die Amtszeit von Pal Dardai mit einem 2:0-Sieg in der Karnevalshochburg. Dies sollte allerdings der vorerst letzte Sieg des Ungarn in Mainz gewesen sein. In der darauffolgenden Saison verpasste man trotz Chancenwucher am letzten Spieltag mit einem 0:0 die direkte Qualifikation für die Europa League. Daraufhin musste Hertha in den Play-Offs gegen Brondby antreten. Das Ende des Liedes dürfte noch jedem bekannt sein. Die zwei weiteren Auswärtsspiele gingen sogar verloren. Besonders in Erinnerung bleibt dabei der Auftritt aus der vergangenen Spielzeit, als Vedad Ibisevic wegen angeblicher Schiedsrichterbeleidigung des Platzes verwiesen wurde. Der Kapitän wies sofort jegliche Schuld von sich und wurde anschließend von einer Lippenleserin entlastet. Aktuell befindet sich der Bosnier in absoluter Höchstform. Ein guter Zeitpunkt also, um diesmal für positive Schlagzeilen zu sorgen.

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Was am vergangenen Freitagabend noch keiner so recht glauben konnte, ist auch heute noch schwer zu fassen. Dennoch zeigt der Blick auf die Tabelle vor dem 7. Spieltag, dass es kein kollektiver blau-weißer Traum gewesen ist. Hertha hat tatsächlich den deutschen Rekordmeister besiegt und ist damit punktgleich mit dem FC Bayern auf Rang 3 der Tabelle. Gerade nach der ernüchternden Niederlage war damit nicht unbedingt zu rechnen. Das zeigt, welch starken Charakter diese so junge Mannschaft hat. Nun steht man vor einer ähnlichen Situation wie nach dem Heimsieg über Borussia Mönchengladbach. Auch da wurde Hertha deutschlandweit in den Fußball-Olymp gehoben, nur um drei Tage später einen enttäuschenden Auftritt an der Weser hinzulegen. Nun hat die Mannschaft von Pal Dardai die Chance, zu beweisen, dass sie mit dem medialen Druck umgehen kann. Mit dem FSV Mainz 05 wartet ein Gegner, der zuletzt gerade auswärts kein gutes Pflaster für Hertha war.

Für unseren Vorbericht haben wir uns dieses Mal die Autorin und Journalistin Mara Pfeiffer ins Boot geholt und mit ihr über den FSV Mainz 05 gesprochen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

In sportlich schwierigen Zeiten ist der Job des Fußballtrainers wohl einer der undankbarsten Berufe. Aktuellstes Beispiel dürfte Niko Kovac sein, der nach dem erfolgreichen Start mit dem FC Bayern zunächst in den siebten Himmel gelobt wurde und nun nach drei sieglosen Spielen gefühlt kurz vor dem Aus steht. Dass es sich auszahlen kann, am Trainer festzuhalten, lässt sich momentan in Mainz beobachten. Sandro Schwarz übernahm den FSV zur Saison 2017/2018 und hatte von Beginn an einen schweren Stand. So sagt Mainz-Expertin Mara dazu: „Obwohl der 05-Trainer ein echter Meenzer Bub ist, war sein Standing bei den Fans anfangs sehr durchwachsen. Das galt ebenso für Sportdirektor Rouven Schröder, beide wurden vielfach angegriffen und ihre Entlassung quasi permanent gefordert.“ Sie begründet dies unter anderem mit der generellen Unruhe, die im vergangenen Jahr rund um Mainz herrschte. Gemeint ist das Wirrwarr rund um die Nachfolge vom langjährigen Präsidenten Harald Strutz, dem zunächst Johannes Kaluza nachfolgte. Nach nicht mal einem halben Jahr trat dieser aber nach internen Streitigkeiten zurück. Diese Unstimmigkeiten scheinen jetzt beseitigt zu sein und so lässt es sich auch für Sandro Schwarz wieder ruhiger arbeiten, was auch an einer „Aussprache“ zwischen ihm und den Fans im Laufe der vergangenen Spielzeit liegen dürfte. Der solide Saisonstart tat in diesem Zusammenhang auch sein Übriges.

Vorne pfui, hinten hui

Stand jetzt konnte Mainz 05 die Abgänge im Sommer gut kompensieren. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Dass Mainz nach sechs Spielen mit souveränen acht Punkten in der Tabelle steht, hat zu einem wesentlichen Teil mit den Neuzugängen zu tun. Vor allem Mateta und Niakhaté, die für insgesamt 14 Millionen Euro aus Frankreich geholt wurden, stechen hier heraus, wie auch Mara betont: „Moussa Niakhaté ist ein junger Innenverteidiger, der bereits einen prima Job macht und für die Tore sollen in dieser Saison zum einen versierte Spieler wie Anthony Ujah und dann neue wie Jean-Philippe Mateta sorgen, der mit seiner Unbekümmertheit eine sehr erfrischende Erscheinung ist.“ Auch der von Atletico Madrid losgeeiste Kunde Malong wird von unserer Expertin positiv hervorgehoben. Dass Mainz 05 in diesem Sommer beachtliche 30 Millionen Euro für Transfers ausgeben konnte, liegt primär daran, dass man auf der anderen Seite sehr viel Geld eingenommen hat. Allein Innenverteidiger Abdou Diallo spülte 28 Millionen Euro in die eigenen Kassen. Weitere 10 gab es jeweils für Eigengewächs Serdar und Yoshinori Muto. Angesichts der Qualität dieser Abgänge ist es auch normal, dass noch nicht alles rund läuft. Während die Defensive mit gerade einmal vier Gegentoren die beste der Liga ist, lässt die Torausbeute zu wünschen übrig. Mickrige vier Tore stehen auf der Haben-Seite. Lediglich Schalke 04 hat weniger Treffer erzielt. So sagt auch Mara, dass in erster Linie die „letzten Meter vor dem Tor“ verbessert werden müssen. Nicht umsonst gingen die 05er in den jüngsten drei Partien ohne eigenen Treffer vom Platz. Aus Berliner Sicht darf sich diese Serie gern erst einmal fortsetzen.

Vom Dardai-Debüt bis zu kuriosen Platzverweisen

In den vergangenen Jahren war Mainz nicht unbedingt der Lieblingsort der Blau-Weißen. Dabei begann die Amtszeit von Pal Dardai mit einem 2:0-Sieg in der Karnevalshochburg. Dies sollte allerdings der vorerst letzte Sieg des Ungarn in Mainz gewesen sein. In der darauffolgenden Saison verpasste man trotz Chancenwucher am letzten Spieltag mit einem 0:0 die direkte Qualifikation für die Europa League. Daraufhin musste Hertha in den Play-Offs gegen Brondby antreten. Das Ende des Liedes dürfte noch jedem bekannt sein. Die zwei weiteren Auswärtsspiele gingen sogar verloren. Besonders in Erinnerung bleibt dabei der Auftritt aus der vergangenen Spielzeit, als Vedad Ibisevic wegen angeblicher Schiedsrichterbeleidigung des Platzes verwiesen wurde. Der Kapitän wies sofort jegliche Schuld von sich und wurde anschließend von einer Lippenleserin entlastet. Aktuell befindet sich der Bosnier in absoluter Höchstform. Ein guter Zeitpunkt also, um diesmal für positive Schlagzeilen zu sorgen.

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