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Rune Jarstein – Die Nummer “1” mit der “22” auf dem Rücken

Hertha BSC hat schon seit Jahren kein Torwartproblem mehr. Das liegt in erster Linie an der Personalie Rune Jarstein. Der Norweger ist seit der Saison 2015/16 Stammkeeper in Berlin und auch seitdem hat Hertha mit dem Abstieg nichts mehr zu tun. Zufall ist es nicht: Jarstein ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der letzten Jahre bei Hertha BSC. Auch mit der „22“ auf dem Rücken ist klar: Rune Jarstein ist die Nummer „1“ im Tor.

Ein Anfang mit großen Schwierigkeiten

Als Jarstein zum 01. Januar 2014 ablösefrei nach Berlin wechselte, kannte ihn kaum einer in der Hauptstadt. Seine Verpflichtung erstaunte damals nicht wenige. Trainer Jos Luhukay hatte damals als Torhüter neben Thomas Kraft noch Sascha Burchert und Philipp Sprint zur Verfügung. Fanliebling Marius Gersbeck war auch noch dabei, sich der Profi-Mannschaft anzunähern. Ziel der Verpflichtung von Jarstein war offiziell, den Konkurrenzkampf auf der Torhüter-Position aufleben zu lassen. Sowohl Burchert als auch Sprint waren keine ernsthafte Konkurrenz für Thomas Kraft, mit dem Wechsel von Jarstein sollte es sich ändern.

Das erste Jahr in Berlin war für Jarstein schwer. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Wechsel von Torwarttrainer Richard Golz zu Zsolt Petry im Juni 2015 sollte für Rune Jarstein positive Auswirkungen haben. In der Vorbereitung der Saison 2015/16 setzte sich zunächst Thomas Kraft durch. Jarstein habe laut Petry „in seinen Augen brutal viel Unsicherheit“ gehabt. Der neue Torwarttrainer zeigte Jarstein jedoch Vertrauen, arbeitete fleißig mit ihm und überzeugte diesen, in Berlin zu bleiben. „Im Sommer hatten Hertha und ich den Plan, dass ich gehe. Ich war kurz davor, bei einem neuen Klub zu unterschreiben. Aber dann kam Zsolt Petry. Er mochte mein Spiel und wollte, dass ich bleibe.“, sagte Rune Jarstein 2015 der Berliner Morgenpost.

Die Verletzung von Thomas Kraft bringt Jarstein ins Spiel

Als sich Thomas Kraft im fünften Spieltag gegen Wolfsburg am 19. September 2015 einen Kapselriss im Brustkorbbereich holte, musste Rune Jarstein rein. Es folgten so starke Einsätze, dass auch die Rückkehr von Thomas Kraft einige Monate später den Norweger nicht mehr aus dem Tor verdrängen konnte. Jarstein machte alle Spiele (bis auf eines gegen den FC Bayern) mit einer guten Kicker-Durchschnittsnote von 2,9.

Erst die Verletzung von Thomas Kraft in 2015 gab Jarstein die Chance, Stammkeeper zu werden. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Im Sommer 2016 ist es wieder Zsolt Petry, der Pal Dardai davon überzeugte, mit Rune Jarstein als Nummer „1“ in die neue Saison zu gehen. Der neue Stammkeeper überzeugte auch in der Saison 2016/17 (Kicker-Note im Durchschnitt 2,75) und ist seitdem unumstritten. In der „Europa-League Saison“ 2017/18 stand Thomas Kraft nur in der Europa League im Tor, konnte dort ebenfalls gute Leistungen bringen. Alle anderen Pflichtspiele absolvierte aber Jarstein mit, bis auf ein paar Unsicherheiten gegen Ende der Saison, ganz starken Leistungen.

Die neue Saison zeigt die Stärken des Norwegers

Auch diese Saison zeigt Rune Jarstein wieder, dass er keineswegs schlechter geworden ist. Jarstein führt Bundesligaweit in der Kategorie der „weißen Weste“, ist drei Spiele ohne Gegentor geblieben und hielt sogar einen Elfmeter gegen Nürnberg. Außerdem absolvierte er diese Saison sein 100. Spiel für die Blau-Weißen.

Die Strafraumbeherrschung ist eine Stärke von Jarstein. (Foto: Guenter Schiffmann/AFP/Getty Images)

Doch was macht denn Jarstein so stark? Der 1,92m große Norweger konnte in den letzten Jahren seine Strafraumbeherrschung deutlich verbessern. Torwarttrainer Petry stellte bei seiner Ankunft bei Hertha im Juli 2015 fest: „Er (Jarstein) war auch sehr fixiert auf den Fünfmeterraum, hat nicht den Mut gehabt, sich ein bisschen weiter vorne zu positionieren“. Heute ist davon nichts mehr zu merken: der Schlussmann konnte im letzten Spiel gegen Mainz wieder zeigen, dass er sein Strafraum im Griff hat, fing drei Flanken aus der Luft ab. Auch am Boden ist der Norweger schwer zu bezwingen, zeigt starke Reflexe und Paraden.

Außerdem gilt Jarstein als Perfektionist, als jemand der nach dem Mannschaftstraining noch Extra-Schichten schiebt. Seine Ruhe und Gelassenheit sind eine Inspiration auf dem Feld und es ist gut möglich, dass seine Verteidiger davon profitieren. Seine fußballerischen Qualitäten wurden zuletzt auch von Pal Dardai gelobt: die Mannschaft fühle sich sicher, wenn der Norweger im Tor stehe.

Auch die Saison 2018/19 fängt also gut an für Rune Jarstein. Bis wann kann er sein Niveau bei Hertha BSC halten?

Wie entwickelt sich die Konkurrenz im Tor?

Der mittlerweile 34-Jährige hat ein Vertrag bis 2021, erklärte allerdings in mehreren Interviews, dass er sich vorstellen könne bis 40 weiterzuspielen – am liebsten in Berlin. Es ist schließlich auch nicht unüblich, dass Keeper ihre Karriere erst spät beenden. Man denke an dieser Stelle beispielsweise an Gianluigi Buffon (40 Jahre), Iker Casillas (37 Jahre) oder auch Petr Cech (36 Jahre), die alle drei noch auf hohem Niveau Fußball spielen. Pal Dardai meinte ebenfalls, er könne sich vorstellen, dass Jarstein noch länger bei Hertha kickt. Voraussetzung dafür sei aber, dass er sich nicht schwer verletze.

Ein möglicher Konkurrent, Marius Gersbeck, ist noch lange verletzt.
(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Seine Konkurrenz wird sich spätestens im Sommer verändern. Thomas Kraft, der sich bisher in seiner Rolle als Nummer zwei als ein absoluter Musterprofi zeigt, wird im Sommer wohl gehen. Sein Vertrag läuft aus und der 30-Jährige könnte eine neue Herausforderung als Stammkeeper woanders suchen. Ihm wird immer wieder Interesse für ein Engagement in den USA nachgesagt.

Es bleiben also die jungen Torhüter bei Hertha BSC. Am nächsten dran scheint Jonathan Klinsmann (21 Jahre) zu sein, wobei auch Dennis Smarsch (19 Jahre) große Fortschritte gemacht hat. Marius Gersbeck (23 Jahre) ist noch für einige Zeit verletzt und wird zunächst keine ernste Konkurrenz sein für die „Nummer 1“ im Tor. Aktuell zeigt Leihgabe Nils Körber (21) als Stamm-Torwart bei, VfL Osnabrück herausragende Leistungen und wurde sogar für Deutschlands U21-Nationalmannschaft nominiert. Bei allen jungen Keepern stellt sich die Frage, wie weit sie sind und ob sie bereit wären, auch bei den Profis langfristig im Tor zu stehen.

So oder so: wenn Jarstein die Hauptstadt verlässt, wird es für sein Nachfolger schwer: der Norweger wird sehr große Torwarthandschuhe hinterlassen.


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Hertha BSC hat schon seit Jahren kein Torwartproblem mehr. Das liegt in erster Linie an der Personalie Rune Jarstein. Der Norweger ist seit der Saison 2015/16 Stammkeeper in Berlin und auch seitdem hat Hertha mit dem Abstieg nichts mehr zu tun. Zufall ist es nicht: Jarstein ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der letzten Jahre bei Hertha BSC. Auch mit der „22“ auf dem Rücken ist klar: Rune Jarstein ist die Nummer „1“ im Tor.

Ein Anfang mit großen Schwierigkeiten

Als Jarstein zum 01. Januar 2014 ablösefrei nach Berlin wechselte, kannte ihn kaum einer in der Hauptstadt. Seine Verpflichtung erstaunte damals nicht wenige. Trainer Jos Luhukay hatte damals als Torhüter neben Thomas Kraft noch Sascha Burchert und Philipp Sprint zur Verfügung. Fanliebling Marius Gersbeck war auch noch dabei, sich der Profi-Mannschaft anzunähern. Ziel der Verpflichtung von Jarstein war offiziell, den Konkurrenzkampf auf der Torhüter-Position aufleben zu lassen. Sowohl Burchert als auch Sprint waren keine ernsthafte Konkurrenz für Thomas Kraft, mit dem Wechsel von Jarstein sollte es sich ändern.

Das erste Jahr in Berlin war für Jarstein schwer. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Wechsel von Torwarttrainer Richard Golz zu Zsolt Petry im Juni 2015 sollte für Rune Jarstein positive Auswirkungen haben. In der Vorbereitung der Saison 2015/16 setzte sich zunächst Thomas Kraft durch. Jarstein habe laut Petry „in seinen Augen brutal viel Unsicherheit“ gehabt. Der neue Torwarttrainer zeigte Jarstein jedoch Vertrauen, arbeitete fleißig mit ihm und überzeugte diesen, in Berlin zu bleiben. „Im Sommer hatten Hertha und ich den Plan, dass ich gehe. Ich war kurz davor, bei einem neuen Klub zu unterschreiben. Aber dann kam Zsolt Petry. Er mochte mein Spiel und wollte, dass ich bleibe.“, sagte Rune Jarstein 2015 der Berliner Morgenpost.

Die Verletzung von Thomas Kraft bringt Jarstein ins Spiel

Als sich Thomas Kraft im fünften Spieltag gegen Wolfsburg am 19. September 2015 einen Kapselriss im Brustkorbbereich holte, musste Rune Jarstein rein. Es folgten so starke Einsätze, dass auch die Rückkehr von Thomas Kraft einige Monate später den Norweger nicht mehr aus dem Tor verdrängen konnte. Jarstein machte alle Spiele (bis auf eines gegen den FC Bayern) mit einer guten Kicker-Durchschnittsnote von 2,9.

Erst die Verletzung von Thomas Kraft in 2015 gab Jarstein die Chance, Stammkeeper zu werden. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Im Sommer 2016 ist es wieder Zsolt Petry, der Pal Dardai davon überzeugte, mit Rune Jarstein als Nummer „1“ in die neue Saison zu gehen. Der neue Stammkeeper überzeugte auch in der Saison 2016/17 (Kicker-Note im Durchschnitt 2,75) und ist seitdem unumstritten. In der „Europa-League Saison“ 2017/18 stand Thomas Kraft nur in der Europa League im Tor, konnte dort ebenfalls gute Leistungen bringen. Alle anderen Pflichtspiele absolvierte aber Jarstein mit, bis auf ein paar Unsicherheiten gegen Ende der Saison, ganz starken Leistungen.

Die neue Saison zeigt die Stärken des Norwegers

Auch diese Saison zeigt Rune Jarstein wieder, dass er keineswegs schlechter geworden ist. Jarstein führt Bundesligaweit in der Kategorie der „weißen Weste“, ist drei Spiele ohne Gegentor geblieben und hielt sogar einen Elfmeter gegen Nürnberg. Außerdem absolvierte er diese Saison sein 100. Spiel für die Blau-Weißen.

Die Strafraumbeherrschung ist eine Stärke von Jarstein. (Foto: Guenter Schiffmann/AFP/Getty Images)

Doch was macht denn Jarstein so stark? Der 1,92m große Norweger konnte in den letzten Jahren seine Strafraumbeherrschung deutlich verbessern. Torwarttrainer Petry stellte bei seiner Ankunft bei Hertha im Juli 2015 fest: „Er (Jarstein) war auch sehr fixiert auf den Fünfmeterraum, hat nicht den Mut gehabt, sich ein bisschen weiter vorne zu positionieren“. Heute ist davon nichts mehr zu merken: der Schlussmann konnte im letzten Spiel gegen Mainz wieder zeigen, dass er sein Strafraum im Griff hat, fing drei Flanken aus der Luft ab. Auch am Boden ist der Norweger schwer zu bezwingen, zeigt starke Reflexe und Paraden.

Außerdem gilt Jarstein als Perfektionist, als jemand der nach dem Mannschaftstraining noch Extra-Schichten schiebt. Seine Ruhe und Gelassenheit sind eine Inspiration auf dem Feld und es ist gut möglich, dass seine Verteidiger davon profitieren. Seine fußballerischen Qualitäten wurden zuletzt auch von Pal Dardai gelobt: die Mannschaft fühle sich sicher, wenn der Norweger im Tor stehe.

Auch die Saison 2018/19 fängt also gut an für Rune Jarstein. Bis wann kann er sein Niveau bei Hertha BSC halten?

Wie entwickelt sich die Konkurrenz im Tor?

Der mittlerweile 34-Jährige hat ein Vertrag bis 2021, erklärte allerdings in mehreren Interviews, dass er sich vorstellen könne bis 40 weiterzuspielen – am liebsten in Berlin. Es ist schließlich auch nicht unüblich, dass Keeper ihre Karriere erst spät beenden. Man denke an dieser Stelle beispielsweise an Gianluigi Buffon (40 Jahre), Iker Casillas (37 Jahre) oder auch Petr Cech (36 Jahre), die alle drei noch auf hohem Niveau Fußball spielen. Pal Dardai meinte ebenfalls, er könne sich vorstellen, dass Jarstein noch länger bei Hertha kickt. Voraussetzung dafür sei aber, dass er sich nicht schwer verletze.

Ein möglicher Konkurrent, Marius Gersbeck, ist noch lange verletzt.
(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Seine Konkurrenz wird sich spätestens im Sommer verändern. Thomas Kraft, der sich bisher in seiner Rolle als Nummer zwei als ein absoluter Musterprofi zeigt, wird im Sommer wohl gehen. Sein Vertrag läuft aus und der 30-Jährige könnte eine neue Herausforderung als Stammkeeper woanders suchen. Ihm wird immer wieder Interesse für ein Engagement in den USA nachgesagt.

Es bleiben also die jungen Torhüter bei Hertha BSC. Am nächsten dran scheint Jonathan Klinsmann (21 Jahre) zu sein, wobei auch Dennis Smarsch (19 Jahre) große Fortschritte gemacht hat. Marius Gersbeck (23 Jahre) ist noch für einige Zeit verletzt und wird zunächst keine ernste Konkurrenz sein für die „Nummer 1“ im Tor. Aktuell zeigt Leihgabe Nils Körber (21) als Stamm-Torwart bei, VfL Osnabrück herausragende Leistungen und wurde sogar für Deutschlands U21-Nationalmannschaft nominiert. Bei allen jungen Keepern stellt sich die Frage, wie weit sie sind und ob sie bereit wären, auch bei den Profis langfristig im Tor zu stehen.

So oder so: wenn Jarstein die Hauptstadt verlässt, wird es für sein Nachfolger schwer: der Norweger wird sehr große Torwarthandschuhe hinterlassen.


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