Nürnberg, Gladbach, Bayern München: Die kurze Liste der Mannschaften, die sich in der noch jungen Saison die Ehre im Berliner Olympiastadion gaben, könnte wahrlich weniger prominent besetzt sein. Umso beeindruckender ist die Berliner Bilanz. Jedes der drei Spiele konnte gewonnen werden. Addiert mit den 5 Punkten, die Hertha von Auswärtsreisen mitgebracht hat, macht das nach sieben Spieltagen Platz 5 in der Liga. Dazu kommt erfreulicherweise, dass die Mannschaft von Pal Dardai endlich Fußball spielt, den man sich unabhängig vom Ergebnis anschauen kann. Es gibt derzeit wenig Grund zur Besorgnis, sollte man meinen. Ein Blick auf die Personaldecke trübt die Stimmung dann allerdings doch ein wenig – ein Problem, das sich Hertha mit dem kommenden Gegner aus Freiburg teilt.

Im Rahmen unseres Vorberichts über den SC Freiburg haben wir uns wieder einmal Expertise von außen geholt. Blogger und Freiburg-Fan Mischa (http://www.zerstreuung-fussball.de/) stand uns Rede und Antwort zu seinem Verein und hat uns verraten, wie er die aktuelle Situation im Breisgau einschätzt.

Der SC Freiburg als Wundertüte der Liga

Christian Streich beim 3:3 von Freiburg gegen den VfB Stuttgart (Foto: Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Mit acht Punkten aus sieben Spielen ist der SC Freiburg solide in die neue Bundesliga-Saison gestartet. So unspektakulär der Punktestand aussieht, so abenteuerlich hat sich teilweise das Zustandekommen gestaltet. 3:3 gegen Stuttgart, 3:1 gegen Wolfsburg, 1:4 gegen Augsburg – und das alles binnen zwei Wochen. Angesprochen auf diese sehr unterschiedlichen Resultate sagt unser Experte: “Es stimmt, dass Freiburgs Auftritte bisher sehr unterschiedlich waren. Der Grund dafür liegt darin, dass der Sportclub seine Spielweise und Formation an den Gegner, besonders aber auch an den Spielverlauf, anpasst. Ausgehend von einem 4-4-2 – zuletzt auch ein 4-1-4-1 mit sehr hohen Achtern –, hat Streich bei Rückständen gegen Cottbus, Stuttgart und Augsburg auf ein sehr offensives 3-4-3 umgestellt, bei Führung gegen Wolfsburg und Schalke zur Schlussviertelstunde auf ein defensives 5-3-2. Das bringt häufig Dynamik ins Spiel, welches dann, gerade bei der offensiven Umstellung, in beide Richtungen kippen kann.” Diese taktische Varianz ist unter Christian Streich so etwas wie das Markenzeichen des Sportclubs. Dennoch hatten auch die Freiburger, ähnlich wie Hertha, in der Vorsaison Probleme, den Weg nach vorn zu suchen. Das hat sich nach Aussage von Mischa in diesem Jahr wieder zum Positiven gewendet. So agiert der SC Freiburg wieder weitaus mutiger im Angriffsspiel. Allerdings leidet darunter momentan gleichzeitig die defensive Stabilität. So bedeuten 13 Gegentore die zweitschwächste Abwehr der Liga. Es hapert also noch an der Balance, gleichwohl das jüngste 0:0 gegen Bayer Leverkusen in diesem Kontext vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sein könnte.

Neuzugänge ohne Anpassungsprobleme

Dass Freiburg insgesamt einen zufriedenstellenden Saisonstart hinlegen konnte, hängt zu großen Teilen auch mit den Neuverpflichtungen aus dem Sommer zusammen. So konnten sich alle Zugänge “problemlos einfügen und der Mannschaft sofort weiterhelfen. Heintz, Gondorf, Waldschmidt und Sallai wurden alle regelmäßig eingesetzt und haben sogar alle schon getroffen.” Insbesondere der Transfer von Dominique Heintz, den man von Absteiger Köln loseiste, sorgte für einiges Staunen, da dem Vernehmen nach auch Vereine mit anderen finanziellen Möglichkeiten an ihm interessiert waren. So konnte der Kader nach dem Abgang von Caglar Söyüncü gerade in der Breite verbessert werden. Dennoch drückt vor dem Spiel in Berlin besonders auf einer Position der Schuh.

Verletzungssorgen hüben wie drüben

Mit Rekik, Stark und Torunarigha fällt die komplette Dreierkette vom Saisonstart aus. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Trainer Christian Streich dürfte in Vorbereitung auf diesen Spieltag vor allem die Frage nach der Besetzung seines Angriffs umhertreiben. Florian Niederlecher, der gerade erst nach monatelanger Verletzung zurückgekehrt war, muss nun schon wieder pausieren. Hinzu kommt, dass auch der Einsatz von Nils Petersen nach einer Schultereckgelenksprellung noch ungewiss ist. Der Stürmer reist zwar mit nach Berlin, ob es für einen Startelfeinsatz reicht, ist aber noch fraglich. Die Alternative würde laut Experte Mischa so aussehen, dass “entweder Haberer oder Höler in den Sturm und Waldschmidt beziehungsweise Terrazzino als hängende Spitze eingesetzt werden. So ganz optimal wäre das nicht, gerade auch im Spiel gegen den Ball.” Aus Berliner Sicht sollten sich dadurch also eigentlich Vorteile ergeben, wäre da nicht die eigene Verletztenproblematik. So stehen alle drei Stamm-Innenverteidiger (Stark, Rekik, Torunarigha) am Wochenende nicht zur Verfügung. Stattdessen dürften neben dem wohl gesetzten Fabian Lustenberger entweder Florian Baak oder Neuzugang Derrick Luckassen auflaufen. Die Voraussetzungen könnten also auf beiden Seiten besser sein. Dennoch gibt es für Hertha auch erfreuliche Nachrichten aus der medizinischen Abteilung.

Darida vor Comeback gegen den Ex-Verein

Ein lang vermisster Spieler könnte am Sonntag seine Rückkehr in den Kader feiern. Nachdem Vladimir Darida Anfang Oktober wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen war, konnte er am vergangenen Donnerstag Spielpraxis in der U23 sammeln. Gerade nach dem längerfristigen Ausfall von Marko Grujic kommt dieser Umstand sehr gelegen. Da SC-Experte Mischa Darida noch bestens aus dessen Zeit in Freiburg kennt, erinnert er sich gern an den Tschechen zurück. So sagt er: “Als der Sportclub vor ein paar Jahren in die 2. Liga musste, verließen einige Spieler den Verein. Ich persönlich trauere noch am meisten Darida hinterher, auch wenn Schmid, Bürki, Mehmedi oder Mitrovic der Mannschaft weiterhelfen könnten. Die Mischung aus Laufstärke, Übersicht, Zweikampfstärke, Raumgefühl und sauberer Technik im zentralen Mittelfeld sucht der Sportclub seit Daridas Abgang vergeblich.” Wenn Darida nach seiner langen Verletzung wieder an diese Attribute anknüpfen kann, würde sich auf Herthaner Seite niemand beschweren.


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