BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 8. Spieltag: Hertha BSC – SC Freiburg

Die positiven Nachrichten zuerst: Hertha BSC ist seit drei Spielen ungeschlagen und musste zu Hause noch keine einzige Niederlage hinnehmen. Nun zu den zumindest etwas ernüchternden. Es ist der Mannschaft von Trainer Pal Dardai am Sonntag nicht gelungen, die drei Punkte im Olympiastadion zu behalten und nach den Spielen gegen die (auf dem Papier) Underdogs aus Mainz und Freiburg stehen “nur” zwei und nicht sechs weitere Punkte auf dem Konto. Die Einzelkritik zu einem Spiel, dass die “alte Dame” im ersten Durchgang hätte entscheiden müssen, stattdessen aber den Ausgleich kassiert und nicht mehr zurückschlagen kann.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2-

(Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images)

Wie so oft galt bei Jarstein der Spruch: Wird er gebraucht, ist er da.

So auch gegen den SC Freiburg, auch wenn der Norweger nicht viel zu tun bekam. Nur drei Schüsse der Gastmannschaft gingen direkt auf das Tor von Herthas Schlussmann, davon war einer der unhaltbare (weil von Maier abgefälschte) Distanzhammer von Robin Koch zum 1:1-Ausgleich. So war Jarstein erstmals und alleine in der 84. Minute wirklich gefragt, als er den gefährlichen Abschluss von Luca Waldschmidt gerade noch zur Seite abwehren und somit den 1:2-Rückstand verhindern konnte. Eine starke Szene des 34-Jährigen, der im entscheidenden Moment hellwach war.

 

 

Abwehr

Fabian Lustenberger – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Es verfestigte sich gegen Freiburg einmal mehr der Eindruck, dass Lustenberger auf der Innenverteidiger-Position deutlich besser aufgehoben ist, als im zentralen Mittelfeld.

Nein, sicherlich stellte der SC Freiburg nicht dieselbe defensive Herausforderung dar, wie es beispielsweise ein FC Bayern München oder Borussia Mönchengladbach waren. Und dennoch konnte Herthas neu zusammengewürfeltes Innenverteidiger-Duo vollends überzeugen und sich für Einsatzzeiten empfehlen. Lustenberger agierte als sehr starker Zweikämpfer, der 13 (!) seiner 15 Duelle gewann und darüber hinaus acht Bälle sicherte. Zudem trat er überraschend kopfballstark auf, sechs von acht Luftduellen gingen an den Schweizer. Offensiv beteiligte sich der 30-Jährige sogar mit einem Torschuss und einer Torschussvorlage. Er wusste mit seinem Spielaufbau echt zu gefallen, anscheinend tut es ihm sehr gut, als Innenverteidiger deutlich mehr Zeit und Raum für sein Passspiel zu bekommen. So hatte er immer wieder gute Zuspiele auf Lager, beruhigte die Partie aber auch in nötigen Momenten.

Es war ein rundum gelungener Auftritt “Lustis”, der sich als absolut sorgenfreie Alternative für Niklas Stark etabliert.

Derrick Luckassen – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Aufgrund der großen Verletzungssorgen in Herthas Innenverteidigung durfte sich Neuzugang Luckassen erstmals wirklich präsentieren – er machte seine Sache auffällig gut.

Während Nebenmann Lustenberger oft im direkten Zweikampf zu überzeugen wusste, hatte Luckassen seine besonderen Momente im Spielaufbau und Laufduellen. 89% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an, dabei traute er sich er auch regelmäßig lange Bälle und Schnittstellenpässe auf die Außenbahnen zu. So bediente der 23-Jährige beispielsweise Lazaro in einer Szene wunderbar, wodurch eine gefährliche Angriffschance entstand. Interessant zu sehen war, dass Luckassen oftmals als letzter Mann agierte und einige schlampige Zuspiele oder lange Bälle der Freiburger durch seine hohe Schnelligkeit und gute Technik entschärfen konnte. So war die Konzentration des Niederländers bis zum Schlusspfiff gefragt und er konnte sich hochhalten. Insgesamt neun Bälle sicherte die Leihgabe aus Eindhoven, fünf Aktionen klärte er und auch die Zweikampfbilanz konnte er deutlich positiv gestalten.

Eine wirklich starker Vorstellung des Startelf-Debütanten, der den ohnehin großen Konkurrenzkampf in Herthas Abwehrzentrale noch mehr anheizen wird.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Oftmals in der laufenden Saison schwebt Lazaro zwischen Weltklasse und leicht katastrophalen Auftritten. Gegen Freiburg war er schlicht “gut”.

Dabei kam den Rechtsverteidiger zugute, dass ihn die Breisgauer vor defensiv nicht allzu unlösbare Aufgaben stellten. Die Seite aus Roland Sallai und Christian Günter bestehend sorgten im Halloween-Monat Oktober nicht gerade für Angst und Schrecken. So hatte Herthas Temodribbler viel Luft für seine gefürchteten Offensivvorstöße, die ihm auch an diesem Tag fast immer gelangen. Insgesamt drei Torchancen legte der Österreicher direkt auf, einen Schuss gab er selbst ab. Es hätte mehr aus seinen so unwiderstehlichen Läufen in den gegnerischen Strafraum (hat Günter oftmals sehr alt aussehen lassen), doch wie einigen anderen Mitspielern fehlte Lazaro teilweise die letzte Präzisionen in seinen Aktionen – dennoch sind drei aufgelegte Chancen ein sehr ordentlicher Wert.

Bei der Entstehung des 1:1, bei dem Freiburg über seine Seite durchbrach, trifft den 22-Jährigen wenig bis keine Schuld. Mitspieler Dilrosun trabte nur hinterher und überließ Lazaro somit zwei Freiburger, die er alleine nicht stoppen konnte. Die fehlende defensive Unterstützung war noch öfter ein Thema, dennoch hielt Lazaro seinen Bereich meistens sauber. Wichtig war er direkt nach der Pause, als gerade noch vor dem eingewechselten Nils Petersen klären konnte – der Stürmer hätte sonst frei anschieben können.

Eine gewohnt offensivstarke Leistung Lazaros, der aber auch nicht seine Aufgaben im Abwehrverhalten vernachlässigte. Er wirkte deutlich reifer als noch z.B. gegen Werder Bremen.

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Eine der besseren Auftritte von Plattenhardt in der aktuellen Spielzeit, auch wenn weiterhin Luft nach oben besteht.

In den vergangenen Wochen konnte “Platte” nur wenig überzeugen – so wenig, dass eine Debatte um ihn und seinen Stammplatz auf der linken Abwehrseite Herthas ausbrauch. Das Spiel gegen Freiburg war zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Sicherlich wollte dem 26-Jährigen nicht alles gelingen auch der Mut, einfach mal Lazaro-like ins Risiko zu gehen, ging ihm noch zu oft ab. Dennoch war zu erkennen, dass der WM-Fahrer dem Offensivspiel seiner Mannschaft etwas mehr Wucht verleihen wollte. Er traute sich deutlich öfter über die Mittellinie als zuletzt und konnte immerhin zwei Torchancen direkt vorbereiten. Plattenhardt traute sich sogar einmal, ins Dribbling gegen zwei Freiburger zu gehen und wurde bei diesem auch erst im letzten Moment gestoppt.

Gegenspieler Marco Terrazzino und Lukas Kübler machten Plattenhardt keine großen Probleme und so hätte er sich auch in dieser Partie eindeutig mehr zutrauen können, dennoch war mehr Wille und Esprit zu erkennen, als noch in den letzten Begegnungen. Es war noch zu oft der Fall, dass Plattenhardt unnötigerweise Tempo aus dem Spiel seiner Mannschaft nahm und den Ball eher nach hinten passte, als weiter anzukurbeln.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 2-

(Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Tatsächlich! Skjelbred gelang gegen den SC Freiburg eine Torvorlage – zuletzt vollbrachte er dies am 16. April 2016. Auch darüber hinaus war es eine starke Partie des Norwegers.

Es geschehen ja immer mal wieder Wunder, so auch am 21. Oktober 2018. Per Skjelbred erhält von Vedad Ibisevic den Ball und sprintet durchs Mittelfeld, um das Spielgerät dann auf Ondrej Duda zu legen, der die Führung erzielt. Es war einer der Momente, in den das spielerische Potenzial aufblitzte, das durchaus in “Schelle” schlummert. Auch sonst konnte sich der 31-Jährige gewinnbringend in das Spiel seiner Mannschaft einbringen. Sein enorm sauberes Passspiel (91% Passquote) und einige schöne Seitenverlagerungen machten ihn zum eleganten Lenker des Berliner Spielaufbaus. Im zweiten Durchgang verflachte sein Spiel aber sichtlich.

Dass Skjelbred sich spielerisch so auffällig viel einschaltete, lag sicherlich auch daran, dass die Freiburger absolut keine Gefahr und Dominanz im zentralen Mittelfeld entwickeln konnten. In ihrem 4-4-2 System klaffte eine riesige Lücke zwischen der Doppelspitze und ihrem Mittelfeld, sodass Herthas Wikinger kaum etwas wegzulaufen oder aufzuräumen bekam. Seine Defensivaufgaben erledigte er souverän, aber verständlicherweise sehr unspektakulär.

In dieser Form hat sich Skjelbred wirklich wieder in Herthas Stammelf festgespielt. Es wird spannend zu sehen sein, wenn Darida und Grujic wieder angreifen werden.

Arne Maier – Note: 3

Auch Herthas Eigengewächs wollte sich offensiv präsentieren, agierte dabei aber äußert glücklos.

War es eine schlechte Partie von Maier? Sicherlich nicht. Einige Stimmen in den sozialen Netzwerken sagen sogar, der 19-Jährige wäre einer der besten bei Hertha gewesen. Da wird diese Einzelkritik nicht ganz mitgehen. Ja, Maier war sehr auffällig, aber eben auch fehlerbehaftet und teilweise wenig konzentriert. Das äußert sich weniger in seiner tatsächlich sehr guten Passbilanz (94% angekommen), sondern vielmehr in seinen Läufen mit dem Ball am Fuß.

Nach den beiden Innenverteidigern verbuchte der U21-Nationalspieler die meisten Ballkontakte aller Herthaner und übernahm sichtlich viel Verantwortung für das Offensivspiel seiner Mannschaft. Da Skjelbred sich um die Defensive kümmerte, hatte Maier einen Freifahrtschein für das Spiel oberhalb der Mittellinie. Er kurbelte das Spiel deutlich an, war ein richtiger Motor und dennoch sind wir nicht voll des Lobes. Denn erst einmal im letzten Angriffsdrittel angekommen, verließ “es” Maier komplett. Es wirkte, als sei er überrascht, so weit gekommen zu sein, sodass er keine Lösung für den nächsten Schritt im Köcher hatte. So vertändelte er sehr oft den Ball oder gab halbgare Hereingaben ab, die sofort und ohne Mühe abgefangen wurden. Maier hielt die Bälle viel zu lang und verpasste es somit, sie im richtigen Moment weiterzuspielen. Daraus entstanden immer wieder Umschaltaktionen für das Streich-Team. Maiers Spiel blieb meist, auch wenn er so präsent wirkte, ohne Wirkung und daher ist es sicherlich kein mieser Auftritt des Youngsters gewesen, aber eben auch kein wirklich guter.

Ondrej Duda – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

“He scores when he wants” durfte nun einmal mehr in der Kabine ertönen. Duda ist aktuell nicht aufzuhalten.

Nach nur sieben Minuten war es soweit – Duda, bedient von Skjelbred, legt sich den Ball auf den rechten Fuß und zwirbelt die Kugel perfekt ins Tor. Keine Chance für Freiburgers Keeper Schwolow, zu genau traf der Slowake den Ball. Sein mittlerweile sechste Saisontreffer. Davon beflügelt spielte Duda eine sehr gute erste Halbzeit, in der er immer wieder durch technisch feine Aktionen, gute Pässe und einen weiteren gefährlichen Abschluss glänzte. Es war beachtlich, wie sich der 23-Jährige gegen Freiburgs Sechser behaupten und insgesamt neun Bälle sichern konnte.

Im zweiten Durchgang konnte Duda sich nicht mehr in dieser Form entfalten, sein Spiel verflachte leider zunehmend. Zumindest versuchte er sich dann im Spiel gegen den Ball, er ließ sich nicht hängen. So lief auch kein Herthaner mehr als der Spielmacher (11,83 km).

Ein weiterer guter Auftritt von Herthas “Number Ten”, der ihm noch mehr Selbstvertrauen schenken wird.

Salomon Kalou – Note: 3

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Für den Routiner gilt nahezu dasselbe wie für Maier.

Wer gewann nach Lustenberger die meisten Zweikämpfe aller Herthaner? Ja, tatsächlich Kalou. Der Ivorer trat unfassbar ballsicher auf und ließ seine Gegenspieler regelmäßig verdutzt stehen. Mit seiner engen Ballführungen und seinen listigen Finten fand er immer wieder den Weg in den Strafraum, doch dort angekommen, konnte er seine sonst so gewohnte Kaltschnäuzigkeit nicht abrufen.

In sehr vielen aussichtsreichen Situationen schoss er zu ungenau oder – und das war das größte Manko – er behielt den Ball viel zu lange am Fuß. Er traute sich nicht, den Ball auch einfach mal in die Mitte zu “hämmern”, wo Ibisevic und co. verzweifelt warteten. Stattdessen lief sich der 33-Jährige andauernd fest und vertändelte somit viele aussichtsreiche Chancen. Es war fast schon tragisch mitanzusehen, wie sich Kalou gekonnt in den Strafraum schlängelte, um dann unerklärliche Blackouts zu produzieren.

Eine schwierig zu bewertende Leistung des Flügelangreifers. Letztendlich hat ihm die letzte Konsequenz gefehlt.

Javairo Dilrosun – Note: 3-

(Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Auch Dilrosun konnte im Ansatz überzeugen, doch zu oft war zu verspielt und nicht klar genug in seinen Aktionen.

Eine Passquote von fast 90% und zwei Torschussvorlagen lesen sich gar nicht so schlecht – es wäre nur so viel mehr für den 20-Jährigen drin gewesen. Dilrosun kam oft in aussichtsreiche Positionen, entschied sich jedoch meist für die falsche Option. Hätte er schießen sollen, spielte er den Pass und umgekehrt. In unzähligen Szenen rannte sich der Niederländer im Gegenspieler fest, weil er mit dem Kopf durch die Wand wollte – oder er verschwand für einige Minuten gänzlich von der Bildfläche.

Sicherlich war es eine besserer Auftritt als noch gegen Mainz 05, den “alten” Dilrosun erkennt man aktuell aber nicht über 90 Minuten. Einzig in der 62. Minute konnte er einen seiner besonderen Momente kreieren, als er sich auf der linken Seite technisch überragend durchtankte und eine wunderbare Flanke auf Ibisevic spielte, der haarscharf das 2:1 verpasste. Kurz danach wurde der U21-Nationalspieler ausgewechselt.

Sicherlich kein schlechtes Spiel von Dilrosun, aber ein irgendwie “unvollständiges”, weil er deutlich mehr hätte bewegen können.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 4+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ein sehr undankbares Spiel für einen Mittelstürmer, auch wenn Ibisevic alles mögliche versuchte.

Gerade einmal 26 Ballkontakte hatte Herthas Kapitän am Sonntag aufzuweisen – und dennoch hatte er Einfluss auf dieses Spiel. Ohne den 34-Jährigen wäre das 1:0 nicht gefallen, denn Ibisevic ließ sich gut ins Mittelfeld fallen, riss somit eine Lücke in Freiburgs Mitte, in die der von ihm bediente Skjelbred hineinstoßen konnte. Der Rest des Angriffs ist bekannt.

Ansonsten konnte der Bosnier wenig auf sich aufmerksam machen. Er bekam kaum brauchbare Zuspiele und kam somit selten in die Gelegenheit, Gefahr auszustrahlen. Er wurde nahezu 90 Minuten lang im Strafraum gedoppelt, sodass seine Mitspieler es oftmals gar nicht erst versuchten, ihn anzuspielen. In der 62. Minute hätte “Vedo” dennoch beinahe seinen fünften Saisontreffer erzielt, sein Kopfball strich jedoch denkbar knapp am linken Pfosten vorbei.

Ibisevic ist bei diesem Spielverlauf kaum ein Vorwurf zu machen, eine äußerst schwierige Partie für einen Stürmertypen wie ihn.


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Die positiven Nachrichten zuerst: Hertha BSC ist seit drei Spielen ungeschlagen und musste zu Hause noch keine einzige Niederlage hinnehmen. Nun zu den zumindest etwas ernüchternden. Es ist der Mannschaft von Trainer Pal Dardai am Sonntag nicht gelungen, die drei Punkte im Olympiastadion zu behalten und nach den Spielen gegen die (auf dem Papier) Underdogs aus Mainz und Freiburg stehen “nur” zwei und nicht sechs weitere Punkte auf dem Konto. Die Einzelkritik zu einem Spiel, dass die “alte Dame” im ersten Durchgang hätte entscheiden müssen, stattdessen aber den Ausgleich kassiert und nicht mehr zurückschlagen kann.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2-

(Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images)

Wie so oft galt bei Jarstein der Spruch: Wird er gebraucht, ist er da.

So auch gegen den SC Freiburg, auch wenn der Norweger nicht viel zu tun bekam. Nur drei Schüsse der Gastmannschaft gingen direkt auf das Tor von Herthas Schlussmann, davon war einer der unhaltbare (weil von Maier abgefälschte) Distanzhammer von Robin Koch zum 1:1-Ausgleich. So war Jarstein erstmals und alleine in der 84. Minute wirklich gefragt, als er den gefährlichen Abschluss von Luca Waldschmidt gerade noch zur Seite abwehren und somit den 1:2-Rückstand verhindern konnte. Eine starke Szene des 34-Jährigen, der im entscheidenden Moment hellwach war.

 

 

Abwehr

Fabian Lustenberger – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Es verfestigte sich gegen Freiburg einmal mehr der Eindruck, dass Lustenberger auf der Innenverteidiger-Position deutlich besser aufgehoben ist, als im zentralen Mittelfeld.

Nein, sicherlich stellte der SC Freiburg nicht dieselbe defensive Herausforderung dar, wie es beispielsweise ein FC Bayern München oder Borussia Mönchengladbach waren. Und dennoch konnte Herthas neu zusammengewürfeltes Innenverteidiger-Duo vollends überzeugen und sich für Einsatzzeiten empfehlen. Lustenberger agierte als sehr starker Zweikämpfer, der 13 (!) seiner 15 Duelle gewann und darüber hinaus acht Bälle sicherte. Zudem trat er überraschend kopfballstark auf, sechs von acht Luftduellen gingen an den Schweizer. Offensiv beteiligte sich der 30-Jährige sogar mit einem Torschuss und einer Torschussvorlage. Er wusste mit seinem Spielaufbau echt zu gefallen, anscheinend tut es ihm sehr gut, als Innenverteidiger deutlich mehr Zeit und Raum für sein Passspiel zu bekommen. So hatte er immer wieder gute Zuspiele auf Lager, beruhigte die Partie aber auch in nötigen Momenten.

Es war ein rundum gelungener Auftritt “Lustis”, der sich als absolut sorgenfreie Alternative für Niklas Stark etabliert.

Derrick Luckassen – Note: 2-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Aufgrund der großen Verletzungssorgen in Herthas Innenverteidigung durfte sich Neuzugang Luckassen erstmals wirklich präsentieren – er machte seine Sache auffällig gut.

Während Nebenmann Lustenberger oft im direkten Zweikampf zu überzeugen wusste, hatte Luckassen seine besonderen Momente im Spielaufbau und Laufduellen. 89% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an, dabei traute er sich er auch regelmäßig lange Bälle und Schnittstellenpässe auf die Außenbahnen zu. So bediente der 23-Jährige beispielsweise Lazaro in einer Szene wunderbar, wodurch eine gefährliche Angriffschance entstand. Interessant zu sehen war, dass Luckassen oftmals als letzter Mann agierte und einige schlampige Zuspiele oder lange Bälle der Freiburger durch seine hohe Schnelligkeit und gute Technik entschärfen konnte. So war die Konzentration des Niederländers bis zum Schlusspfiff gefragt und er konnte sich hochhalten. Insgesamt neun Bälle sicherte die Leihgabe aus Eindhoven, fünf Aktionen klärte er und auch die Zweikampfbilanz konnte er deutlich positiv gestalten.

Eine wirklich starker Vorstellung des Startelf-Debütanten, der den ohnehin großen Konkurrenzkampf in Herthas Abwehrzentrale noch mehr anheizen wird.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Oftmals in der laufenden Saison schwebt Lazaro zwischen Weltklasse und leicht katastrophalen Auftritten. Gegen Freiburg war er schlicht “gut”.

Dabei kam den Rechtsverteidiger zugute, dass ihn die Breisgauer vor defensiv nicht allzu unlösbare Aufgaben stellten. Die Seite aus Roland Sallai und Christian Günter bestehend sorgten im Halloween-Monat Oktober nicht gerade für Angst und Schrecken. So hatte Herthas Temodribbler viel Luft für seine gefürchteten Offensivvorstöße, die ihm auch an diesem Tag fast immer gelangen. Insgesamt drei Torchancen legte der Österreicher direkt auf, einen Schuss gab er selbst ab. Es hätte mehr aus seinen so unwiderstehlichen Läufen in den gegnerischen Strafraum (hat Günter oftmals sehr alt aussehen lassen), doch wie einigen anderen Mitspielern fehlte Lazaro teilweise die letzte Präzisionen in seinen Aktionen – dennoch sind drei aufgelegte Chancen ein sehr ordentlicher Wert.

Bei der Entstehung des 1:1, bei dem Freiburg über seine Seite durchbrach, trifft den 22-Jährigen wenig bis keine Schuld. Mitspieler Dilrosun trabte nur hinterher und überließ Lazaro somit zwei Freiburger, die er alleine nicht stoppen konnte. Die fehlende defensive Unterstützung war noch öfter ein Thema, dennoch hielt Lazaro seinen Bereich meistens sauber. Wichtig war er direkt nach der Pause, als gerade noch vor dem eingewechselten Nils Petersen klären konnte – der Stürmer hätte sonst frei anschieben können.

Eine gewohnt offensivstarke Leistung Lazaros, der aber auch nicht seine Aufgaben im Abwehrverhalten vernachlässigte. Er wirkte deutlich reifer als noch z.B. gegen Werder Bremen.

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Eine der besseren Auftritte von Plattenhardt in der aktuellen Spielzeit, auch wenn weiterhin Luft nach oben besteht.

In den vergangenen Wochen konnte “Platte” nur wenig überzeugen – so wenig, dass eine Debatte um ihn und seinen Stammplatz auf der linken Abwehrseite Herthas ausbrauch. Das Spiel gegen Freiburg war zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Sicherlich wollte dem 26-Jährigen nicht alles gelingen auch der Mut, einfach mal Lazaro-like ins Risiko zu gehen, ging ihm noch zu oft ab. Dennoch war zu erkennen, dass der WM-Fahrer dem Offensivspiel seiner Mannschaft etwas mehr Wucht verleihen wollte. Er traute sich deutlich öfter über die Mittellinie als zuletzt und konnte immerhin zwei Torchancen direkt vorbereiten. Plattenhardt traute sich sogar einmal, ins Dribbling gegen zwei Freiburger zu gehen und wurde bei diesem auch erst im letzten Moment gestoppt.

Gegenspieler Marco Terrazzino und Lukas Kübler machten Plattenhardt keine großen Probleme und so hätte er sich auch in dieser Partie eindeutig mehr zutrauen können, dennoch war mehr Wille und Esprit zu erkennen, als noch in den letzten Begegnungen. Es war noch zu oft der Fall, dass Plattenhardt unnötigerweise Tempo aus dem Spiel seiner Mannschaft nahm und den Ball eher nach hinten passte, als weiter anzukurbeln.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 2-

(Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Tatsächlich! Skjelbred gelang gegen den SC Freiburg eine Torvorlage – zuletzt vollbrachte er dies am 16. April 2016. Auch darüber hinaus war es eine starke Partie des Norwegers.

Es geschehen ja immer mal wieder Wunder, so auch am 21. Oktober 2018. Per Skjelbred erhält von Vedad Ibisevic den Ball und sprintet durchs Mittelfeld, um das Spielgerät dann auf Ondrej Duda zu legen, der die Führung erzielt. Es war einer der Momente, in den das spielerische Potenzial aufblitzte, das durchaus in “Schelle” schlummert. Auch sonst konnte sich der 31-Jährige gewinnbringend in das Spiel seiner Mannschaft einbringen. Sein enorm sauberes Passspiel (91% Passquote) und einige schöne Seitenverlagerungen machten ihn zum eleganten Lenker des Berliner Spielaufbaus. Im zweiten Durchgang verflachte sein Spiel aber sichtlich.

Dass Skjelbred sich spielerisch so auffällig viel einschaltete, lag sicherlich auch daran, dass die Freiburger absolut keine Gefahr und Dominanz im zentralen Mittelfeld entwickeln konnten. In ihrem 4-4-2 System klaffte eine riesige Lücke zwischen der Doppelspitze und ihrem Mittelfeld, sodass Herthas Wikinger kaum etwas wegzulaufen oder aufzuräumen bekam. Seine Defensivaufgaben erledigte er souverän, aber verständlicherweise sehr unspektakulär.

In dieser Form hat sich Skjelbred wirklich wieder in Herthas Stammelf festgespielt. Es wird spannend zu sehen sein, wenn Darida und Grujic wieder angreifen werden.

Arne Maier – Note: 3

Auch Herthas Eigengewächs wollte sich offensiv präsentieren, agierte dabei aber äußert glücklos.

War es eine schlechte Partie von Maier? Sicherlich nicht. Einige Stimmen in den sozialen Netzwerken sagen sogar, der 19-Jährige wäre einer der besten bei Hertha gewesen. Da wird diese Einzelkritik nicht ganz mitgehen. Ja, Maier war sehr auffällig, aber eben auch fehlerbehaftet und teilweise wenig konzentriert. Das äußert sich weniger in seiner tatsächlich sehr guten Passbilanz (94% angekommen), sondern vielmehr in seinen Läufen mit dem Ball am Fuß.

Nach den beiden Innenverteidigern verbuchte der U21-Nationalspieler die meisten Ballkontakte aller Herthaner und übernahm sichtlich viel Verantwortung für das Offensivspiel seiner Mannschaft. Da Skjelbred sich um die Defensive kümmerte, hatte Maier einen Freifahrtschein für das Spiel oberhalb der Mittellinie. Er kurbelte das Spiel deutlich an, war ein richtiger Motor und dennoch sind wir nicht voll des Lobes. Denn erst einmal im letzten Angriffsdrittel angekommen, verließ “es” Maier komplett. Es wirkte, als sei er überrascht, so weit gekommen zu sein, sodass er keine Lösung für den nächsten Schritt im Köcher hatte. So vertändelte er sehr oft den Ball oder gab halbgare Hereingaben ab, die sofort und ohne Mühe abgefangen wurden. Maier hielt die Bälle viel zu lang und verpasste es somit, sie im richtigen Moment weiterzuspielen. Daraus entstanden immer wieder Umschaltaktionen für das Streich-Team. Maiers Spiel blieb meist, auch wenn er so präsent wirkte, ohne Wirkung und daher ist es sicherlich kein mieser Auftritt des Youngsters gewesen, aber eben auch kein wirklich guter.

Ondrej Duda – Note: 2+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

“He scores when he wants” durfte nun einmal mehr in der Kabine ertönen. Duda ist aktuell nicht aufzuhalten.

Nach nur sieben Minuten war es soweit – Duda, bedient von Skjelbred, legt sich den Ball auf den rechten Fuß und zwirbelt die Kugel perfekt ins Tor. Keine Chance für Freiburgers Keeper Schwolow, zu genau traf der Slowake den Ball. Sein mittlerweile sechste Saisontreffer. Davon beflügelt spielte Duda eine sehr gute erste Halbzeit, in der er immer wieder durch technisch feine Aktionen, gute Pässe und einen weiteren gefährlichen Abschluss glänzte. Es war beachtlich, wie sich der 23-Jährige gegen Freiburgs Sechser behaupten und insgesamt neun Bälle sichern konnte.

Im zweiten Durchgang konnte Duda sich nicht mehr in dieser Form entfalten, sein Spiel verflachte leider zunehmend. Zumindest versuchte er sich dann im Spiel gegen den Ball, er ließ sich nicht hängen. So lief auch kein Herthaner mehr als der Spielmacher (11,83 km).

Ein weiterer guter Auftritt von Herthas “Number Ten”, der ihm noch mehr Selbstvertrauen schenken wird.

Salomon Kalou – Note: 3

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Für den Routiner gilt nahezu dasselbe wie für Maier.

Wer gewann nach Lustenberger die meisten Zweikämpfe aller Herthaner? Ja, tatsächlich Kalou. Der Ivorer trat unfassbar ballsicher auf und ließ seine Gegenspieler regelmäßig verdutzt stehen. Mit seiner engen Ballführungen und seinen listigen Finten fand er immer wieder den Weg in den Strafraum, doch dort angekommen, konnte er seine sonst so gewohnte Kaltschnäuzigkeit nicht abrufen.

In sehr vielen aussichtsreichen Situationen schoss er zu ungenau oder – und das war das größte Manko – er behielt den Ball viel zu lange am Fuß. Er traute sich nicht, den Ball auch einfach mal in die Mitte zu “hämmern”, wo Ibisevic und co. verzweifelt warteten. Stattdessen lief sich der 33-Jährige andauernd fest und vertändelte somit viele aussichtsreiche Chancen. Es war fast schon tragisch mitanzusehen, wie sich Kalou gekonnt in den Strafraum schlängelte, um dann unerklärliche Blackouts zu produzieren.

Eine schwierig zu bewertende Leistung des Flügelangreifers. Letztendlich hat ihm die letzte Konsequenz gefehlt.

Javairo Dilrosun – Note: 3-

(Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Auch Dilrosun konnte im Ansatz überzeugen, doch zu oft war zu verspielt und nicht klar genug in seinen Aktionen.

Eine Passquote von fast 90% und zwei Torschussvorlagen lesen sich gar nicht so schlecht – es wäre nur so viel mehr für den 20-Jährigen drin gewesen. Dilrosun kam oft in aussichtsreiche Positionen, entschied sich jedoch meist für die falsche Option. Hätte er schießen sollen, spielte er den Pass und umgekehrt. In unzähligen Szenen rannte sich der Niederländer im Gegenspieler fest, weil er mit dem Kopf durch die Wand wollte – oder er verschwand für einige Minuten gänzlich von der Bildfläche.

Sicherlich war es eine besserer Auftritt als noch gegen Mainz 05, den “alten” Dilrosun erkennt man aktuell aber nicht über 90 Minuten. Einzig in der 62. Minute konnte er einen seiner besonderen Momente kreieren, als er sich auf der linken Seite technisch überragend durchtankte und eine wunderbare Flanke auf Ibisevic spielte, der haarscharf das 2:1 verpasste. Kurz danach wurde der U21-Nationalspieler ausgewechselt.

Sicherlich kein schlechtes Spiel von Dilrosun, aber ein irgendwie “unvollständiges”, weil er deutlich mehr hätte bewegen können.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 4+

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Ein sehr undankbares Spiel für einen Mittelstürmer, auch wenn Ibisevic alles mögliche versuchte.

Gerade einmal 26 Ballkontakte hatte Herthas Kapitän am Sonntag aufzuweisen – und dennoch hatte er Einfluss auf dieses Spiel. Ohne den 34-Jährigen wäre das 1:0 nicht gefallen, denn Ibisevic ließ sich gut ins Mittelfeld fallen, riss somit eine Lücke in Freiburgs Mitte, in die der von ihm bediente Skjelbred hineinstoßen konnte. Der Rest des Angriffs ist bekannt.

Ansonsten konnte der Bosnier wenig auf sich aufmerksam machen. Er bekam kaum brauchbare Zuspiele und kam somit selten in die Gelegenheit, Gefahr auszustrahlen. Er wurde nahezu 90 Minuten lang im Strafraum gedoppelt, sodass seine Mitspieler es oftmals gar nicht erst versuchten, ihn anzuspielen. In der 62. Minute hätte “Vedo” dennoch beinahe seinen fünften Saisontreffer erzielt, sein Kopfball strich jedoch denkbar knapp am linken Pfosten vorbei.

Ibisevic ist bei diesem Spielverlauf kaum ein Vorwurf zu machen, eine äußerst schwierige Partie für einen Stürmertypen wie ihn.


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