BundesligaHertha BSC

Der Schüler trifft auf seinen Lehrer

Wenn am Samstag Hertha BSC auf den Tabellenführer Borussia Dortmund trifft, kann man sagen, dass auch ein Schüler auf seinen Lehrer trifft. Denn Hertha-Trainer Pal Dardai und BVB-Coach Lucien Favre sind in besonderer Art und Weise miteinander verbunden.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Favres Rat an Dardai

Es ist nicht übertrieben zu sagen, Favre sei ein Stück weit dafür verantwortlich, dass Dardai der Trainer wurde, der er ist. Als Lucien Favre noch Übungsleiter in Berlin war, bestritt der Spieler Dardai unter ihm 55 Bundesligaspiele. Über diese Zeit sagt Dardai, dass Lucien Favre der Trainer sei, “der mich am meisten geprägt hat.” „Ich habe von ihm sehr viel gelernt, besonders im taktischen Bereich. Es ist ein besonderes Verhältnis.“ Der Schweizer hatte seinem Mittelfeldabräumer damals auch geraten, die ersten Schritte als Trainer zunächst im Jugendbereich zu gehen.

Favre wurde in seiner Zeit in Berlin als ständiger Mahner und Nörgler bekannt, der immer wieder etwas auszusetzen hatte. Er wollte damit seine Mannschaft immer weiter entwickeln und verbessern. Eigenschaften die auch vom jetzigen Berliner Chefcoach bekannt sind. Der Ungar hinterfragt sich und seine Mannschaft regelmäßig und spricht in direkten Gesprächen mit den Spieler Probleme und Fehler an.

Dardai mit Favre-Fußball

Hertha BSC hat unter Dardai lange Zeit Favre-Fußball gespielt. Der Schweizer legt zum Beispiel großen Wert auf eine konsequente Chancenverwertung. Auch Hertha BSC unter Dardai lebte von der überdurchschnittlich guten Effizienz. So gaben die Berliner beispielsweise in der Saison 2017/18 die wenigsten Torschüsse aller Bundesligisten ab, haben aber die zehntmeisten Tore geschossen.

Im Spielaufbau lässt es Favre eher gemütlich angehen und setzt nur selten auf schnelles Umschaltspiel und Konter. Ein Bild, dass man von Hertha unter Dardai aus den letzten Jahren nur zu genüge kennt. Legendär sind die scheinbar endloses Passstafetten zwischen den Innenverteidigern und Torwart Rune Jarstein. Auch die sehr wenigen Kontertore sind ein Indiz dafür, dass Dardai sich stark von Favre inspirieren ließ.

Dardai scheint auch mit Favre dessen Faible für polyvalente Spieler zu teilen. Bestes Beispiel dafür ist wohl Fabian Lustenberger, der erste “polyvalente” Spieler bei Hertha BSC. Favre förderte seinen Schweizer Landsmann und baute ihn zur Stammkraft im Berliner Team auf. Auch unter Pal Dardai nahm Lustenberger eine herausragende Stellung ein und blieb bis 2016 Kapitän der Mannschaft. Weitere Beweis ist Dardais Sympathie für vielseitige Spieler wie Mitchell Weiser oder Valentino Lazaro.

So wie Favre sich zuletzt in Dortmund weiterentwickelte, so entwickelte sich auch Dardai weiter. Neue Spieler wie Lazaro, Maier und Dilrosun ermöglichen es Dardai, in der aktuelle Spielzeit einen kreativeren und schnelleren Stil mit mehr Umschaltmomenten spielen zu lassen.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Dardai schafft mit Hertha das Gleiche wie Favre mit Gladbach

Als Lucien Favre im Februar 2011 Borussia Mönchengladbach übernimmt, stehen die Fohlen kurz vor dem Abstieg. Favre sicherte den Klassenerhalt und formte anschließend in kürzester Zeit mit beschränkten finanziellen Mitteln Gladbach zu einer schlagkräftigen Bundesliga-Mannschaft. Bereits 2011/12 konnte er den Verein zur Champions League-Qualifikation führen. Auch in den beiden nachfolgenden Spielzeiten hat Favre mit dem achten und sechsten Platz die Qualifikationen für die Europa League erreicht. Die Krönung seines Schaffens war dann der dritte Tabellenplatz und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League 2016.

Auch Dardai übernahm die Berliner in großer Abstiegsnot und formte in den nachfolgenden Spielzeiten Hertha BSC zu einem Team, dass trotz geringem Budget die Liga überraschte. Dardai führte die Berliner in der Saison 2015/16 auf Platz 7 und damit in die Quali-Runde zur Europa League. In der darauffolgenden Saison konnten sich die Blau-Weißen dann direkt für Europa qualifizieren. Dabei konnte Dardai zumindest in der Hinrunde die Berliner in der Tabellenspitze etablieren. Der nächste Schritt in seiner Entwicklung wäre es, die Mannschaft über die gesamte Saison an ihr Leistungslimit bringen zu können.

Favres Können als Trainer wird derzeit wieder in Dortmund deutlich. Der Schweizer hat es in kürzester Zeit geschafft, die in der letzten Saison ins Straucheln geratenen Borussen wieder zu einem ernsthaften Meisterschaftskandidaten geformt.

Ob der Schüler Dardai seinem Lehrer Favre einen Streich spielen und einen oder sogar drei Punkte aus Dortmund entführen kann, werden wir am Samstag sehen können. Das bislang einzige Aufeinandertreffen als Trainer konnte Favre mit 2:1 im Mai 2015 für sich entscheiden.


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Wenn am Samstag Hertha BSC auf den Tabellenführer Borussia Dortmund trifft, kann man sagen, dass auch ein Schüler auf seinen Lehrer trifft. Denn Hertha-Trainer Pal Dardai und BVB-Coach Lucien Favre sind in besonderer Art und Weise miteinander verbunden.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Favres Rat an Dardai

Es ist nicht übertrieben zu sagen, Favre sei ein Stück weit dafür verantwortlich, dass Dardai der Trainer wurde, der er ist. Als Lucien Favre noch Übungsleiter in Berlin war, bestritt der Spieler Dardai unter ihm 55 Bundesligaspiele. Über diese Zeit sagt Dardai, dass Lucien Favre der Trainer sei, “der mich am meisten geprägt hat.” „Ich habe von ihm sehr viel gelernt, besonders im taktischen Bereich. Es ist ein besonderes Verhältnis.“ Der Schweizer hatte seinem Mittelfeldabräumer damals auch geraten, die ersten Schritte als Trainer zunächst im Jugendbereich zu gehen.

Favre wurde in seiner Zeit in Berlin als ständiger Mahner und Nörgler bekannt, der immer wieder etwas auszusetzen hatte. Er wollte damit seine Mannschaft immer weiter entwickeln und verbessern. Eigenschaften die auch vom jetzigen Berliner Chefcoach bekannt sind. Der Ungar hinterfragt sich und seine Mannschaft regelmäßig und spricht in direkten Gesprächen mit den Spieler Probleme und Fehler an.

Dardai mit Favre-Fußball

Hertha BSC hat unter Dardai lange Zeit Favre-Fußball gespielt. Der Schweizer legt zum Beispiel großen Wert auf eine konsequente Chancenverwertung. Auch Hertha BSC unter Dardai lebte von der überdurchschnittlich guten Effizienz. So gaben die Berliner beispielsweise in der Saison 2017/18 die wenigsten Torschüsse aller Bundesligisten ab, haben aber die zehntmeisten Tore geschossen.

Im Spielaufbau lässt es Favre eher gemütlich angehen und setzt nur selten auf schnelles Umschaltspiel und Konter. Ein Bild, dass man von Hertha unter Dardai aus den letzten Jahren nur zu genüge kennt. Legendär sind die scheinbar endloses Passstafetten zwischen den Innenverteidigern und Torwart Rune Jarstein. Auch die sehr wenigen Kontertore sind ein Indiz dafür, dass Dardai sich stark von Favre inspirieren ließ.

Dardai scheint auch mit Favre dessen Faible für polyvalente Spieler zu teilen. Bestes Beispiel dafür ist wohl Fabian Lustenberger, der erste “polyvalente” Spieler bei Hertha BSC. Favre förderte seinen Schweizer Landsmann und baute ihn zur Stammkraft im Berliner Team auf. Auch unter Pal Dardai nahm Lustenberger eine herausragende Stellung ein und blieb bis 2016 Kapitän der Mannschaft. Weitere Beweis ist Dardais Sympathie für vielseitige Spieler wie Mitchell Weiser oder Valentino Lazaro.

So wie Favre sich zuletzt in Dortmund weiterentwickelte, so entwickelte sich auch Dardai weiter. Neue Spieler wie Lazaro, Maier und Dilrosun ermöglichen es Dardai, in der aktuelle Spielzeit einen kreativeren und schnelleren Stil mit mehr Umschaltmomenten spielen zu lassen.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Dardai schafft mit Hertha das Gleiche wie Favre mit Gladbach

Als Lucien Favre im Februar 2011 Borussia Mönchengladbach übernimmt, stehen die Fohlen kurz vor dem Abstieg. Favre sicherte den Klassenerhalt und formte anschließend in kürzester Zeit mit beschränkten finanziellen Mitteln Gladbach zu einer schlagkräftigen Bundesliga-Mannschaft. Bereits 2011/12 konnte er den Verein zur Champions League-Qualifikation führen. Auch in den beiden nachfolgenden Spielzeiten hat Favre mit dem achten und sechsten Platz die Qualifikationen für die Europa League erreicht. Die Krönung seines Schaffens war dann der dritte Tabellenplatz und die damit verbundene direkte Qualifikation für die Champions League 2016.

Auch Dardai übernahm die Berliner in großer Abstiegsnot und formte in den nachfolgenden Spielzeiten Hertha BSC zu einem Team, dass trotz geringem Budget die Liga überraschte. Dardai führte die Berliner in der Saison 2015/16 auf Platz 7 und damit in die Quali-Runde zur Europa League. In der darauffolgenden Saison konnten sich die Blau-Weißen dann direkt für Europa qualifizieren. Dabei konnte Dardai zumindest in der Hinrunde die Berliner in der Tabellenspitze etablieren. Der nächste Schritt in seiner Entwicklung wäre es, die Mannschaft über die gesamte Saison an ihr Leistungslimit bringen zu können.

Favres Können als Trainer wird derzeit wieder in Dortmund deutlich. Der Schweizer hat es in kürzester Zeit geschafft, die in der letzten Saison ins Straucheln geratenen Borussen wieder zu einem ernsthaften Meisterschaftskandidaten geformt.

Ob der Schüler Dardai seinem Lehrer Favre einen Streich spielen und einen oder sogar drei Punkte aus Dortmund entführen kann, werden wir am Samstag sehen können. Das bislang einzige Aufeinandertreffen als Trainer konnte Favre mit 2:1 im Mai 2015 für sich entscheiden.


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