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Vladimir Darida – Im Wettlauf mit der Konkurrenz

In seiner ersten Saison bei Hertha noch für viele unser bester Spieler, hat Vladimir Darida auch schon vor seiner schweren Verletzung in der Sommerpause eine komplizierte Phase durchgemacht. In den letzten Monaten sind andere Spieler deutlich mehr in den Fokus geraten. Die Konkurrenz läuft dem Tschechen davon. Seine Situation hat sich verändert, und wie schon so oft spielen auch hier Verletzungen eine große Rolle. Fußballspieler und die Fitness halt.

Darida, die „Lunge“ der Liga

Darida spielte im ersten Jahr bei Hertha BSC herausragend. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Sein erstes Jahr bei Hertha BSC lief nahezu perfekt für die Nummer „8“ der Berliner. In der Saison 2015/16 war er topfit, war von Anfang bis Ende der Saison unumstrittener Stammspieler und erzielte in 35 Pflichtspieleinsätzen sieben Tore und 5 Vorlagen (Kicker-Durchschnittsnote 3,45). Ein Traumstart also für den zentralen Mittelfeldspieler, der gerade einen Abstieg mit dem SC Freiburg erleben musste.

Beeindruckend war schon 2015 seine Laufdistanz, was ihm bei einigen Medien den Spitznamen „Die Lunge der Liga“ einbrachte. Doch Darida ist mehr als nur eine kräftige Lunge. Seine Ballsicherheit, Spielintelligenz und Schusstechnik waren mindestens so wertvoll, wie die vielen Kilometer, die er zurücklegte. Er war zweifellos maßgeblich daran beteiligt, dass Hertha am Ende den siebten Tabellenplatz belegte.

Verletzungen, Formschwäche

Den ersten Rückschlag gab es in der nächsten Saison, 2016/17. Er war eigentlich einer der Hauptakteure im tollen Saisonstart von Hertha (Drei Siege in den ersten drei Saisonspielen), konnte sogar beim 2-1 Heimsieg gegen den SC Freiburg als Torschütze glänzen. Im dritten Spiel jedoch, gegen Schalke 04, zog sich der Tscheche einen Außenbandriss zu. Er verpasste die neun nächsten Pflichtspiele.

Zuletzt war Darida nur selten als Torschütze erfolgreich. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Folge kam er langsam zurück in die Startelf, fand jedoch nicht wirklich zu seiner Form der Vorsaison wieder zurück (Kicker-Durchschnittsnote: 3,73). Zwar waren seine Leistungen alles andere als schlecht, und sein Status als Stammspieler unumstritten, trotzdem fehlte das gewisse etwas, was sein Spiel so besonders machte. Der Anspruch war auch zugegebenermaßen nach der ersten Saison bei Hertha sehr hoch. Trotz der vielen Spielminuten kam Darida 2016/17 nur zu zwei Toren und zwei Vorlagen in der Liga.

Auch die Saison 2017/18 verlief alles andere als optimal. Wieder einmal verletzte sich Darida in der Hinrunde schwer, verpasste sogar zehn Bundesliga- und vier Europa League-Spiele. Am Ende war seine Bilanz eher mager, kein Treffer und nur drei Vorlagen. Zwar war er vor allem in der Defensiv-Bewegung ein wertvoller Faktor, doch im Spiel nach vorne konnte er weniger Impulse setzen. Darida lief erneut nach seiner schweren Verletzung ein wenig seiner Form hinterher. Umso wichtiger also für ihn, im Sommer 2018 verletzungsfrei zu bleiben, um erneut topfit in die Saison zu starten. Umso bitterer also, wie sich der Sommer für ihn entwickelte.

Eine verpasste Vorbereitung

Darida kehrte gegen den SC Freiburg in den Kader zurück. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Vorbereitung hatte gerade erst begonnen, da verdrehte sich Darida im allerersten Testspiel gegen Stahnsdorf das Knie. „Vier, fünf Tage“ sollte „Vladi“ laut Dardai deswegen ausfallen. Die bittere Diagnose (Knochenmarködem) kam jedoch kurz darauf und es hieß, der 28-Jährige würde auf unbestimmte Zeit ausfallen. Tatsächlich dauerte es bis zum 2. Oktober bis er wieder im Mannschaftstraining auftauchte. Bei einer so langen Ausfallzeit dauerte es natürlich auch eine Weile, bis er seinen Weg zurück in den Kader der Berliner fand. Tschechiens Fußballer des Jahres 2017 zeigte sich im Training immer mehr, verzichtete sogar auf eine Länderspielreise.

Es war ihm anzumerken, dass er auf einen Einsatz gegen seinen Ex-Club Freiburg brannte. „Ich bin 100 Prozent bereit, zu spielen, kann voll an mein Limit gehen“, hieß es vor dem Spiel gegen die Breisgauer. Tatsächlich konnte man die Nummer „8“ gegen den SC Freiburg endlich wieder im Kader sehen. Den von vielen Fans, und auch von uns, erwarteten Kurzeinsatz bekam er gegen seine alte Liebe jedoch nicht. Die Situation im Team hat sich in seiner Abwesenheit auch ziemlich stark verändert.

Neue Konkurrenzsituation

In den vergangenen Spielzeiten war die Konkurrenzsituation im zentralen Mittelfeld nur sehr bedingt zu spüren. 2016/17 fielen Ondrej Duda und Fabian Lustenberger sehr lange aus, mögliche Konkurrenten wie Alexander Baumjohann (nicht mehr im Kader) und Tolga Cigerci (nach Galatasaray Istanbul ausgeliehen) spielen keine Rolle. 2017/18 war die Situation ähnlich: Duda kam nicht in Form, sodass nur Per Skjelbred und Fabian Lustenberger als Kandidaten für die Sechser-/Achter- Position in Frage kamen. Arne Maier konnte sich jedoch in die Mannschaft spielen und deutete an, dass er in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen würde.

Arne Maier ist heute auf der Sechs gesetzt. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

So war es keine Überraschung, dass sich Maier sofort in der Saison 2018/19 als Stammspieler im zentralen Mittelfeld etablierte. In Abwesenheit von Darida versuchte Dardai, einen spielstarken Sechser als Ersatz zu finden. Die Lösung kam kurz vor Transferschluss in Person von Marko Grujic. Das Trio im Mittelfeld Maier – Grujic – Duda überzeugte insbesondere gegen Gelsenkirchen und Daridas Ausfall war nicht zu spüren.

Erst als auch Grujic sich verletzte fiel auf, dass ein spielerisch starker zentraler Mittelfeldspieler im Team fehlt. Die Lösung mit Fabian Lustenberger ging gegen Werder Bremen nach Hinten los. Wegen der Verletzungssorgen in der Innenverteidigung wanderte der Schweizer zurück in die Abwehr und überzeugte seitdem auf dieser Position.

Die Karten werden neu gemischt

In den letzten Spielen wurde als Sechser neben Maier Per Skjelbred eingesetzt, der zwar gute Leistungen zeigte, jedoch ein ganz anderes Spielerprofil aufweist als Darida oder auch Grujic. Skjelbred ist nicht der „spielerisch starke“ Sechser, den Dardai am liebsten neben den jungen Maier im Zentrum hätte. So wird sich auch der Ungar freuen, dass er mit Darida bald eine weitere Option hat.

Ein Einsatz von Darida ist also nur eine Frage der Zeit. Allerdings wird auch Marko Grujic in absehbarer Zeit wieder fit sein und um seinen Platz kämpfen. Die Zeit, in der Darida unumstrittener Stammspieler war, ist vorbei. Jetzt wird er umso mehr um seine Rolle in der Mannschaft kämpfen müssen, und vielleicht ist es gerade das, was ihn wieder auf sein Topniveau bringen kann. Die Konkurrenz ist ihm in seiner Abwesenheit weggelaufen, jetzt muss er hinterher. Das Potenzial dazu hat „die Lunge der Liga“ auf jeden Fall.

 


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In seiner ersten Saison bei Hertha noch für viele unser bester Spieler, hat Vladimir Darida auch schon vor seiner schweren Verletzung in der Sommerpause eine komplizierte Phase durchgemacht. In den letzten Monaten sind andere Spieler deutlich mehr in den Fokus geraten. Die Konkurrenz läuft dem Tschechen davon. Seine Situation hat sich verändert, und wie schon so oft spielen auch hier Verletzungen eine große Rolle. Fußballspieler und die Fitness halt.

Darida, die „Lunge“ der Liga

Darida spielte im ersten Jahr bei Hertha BSC herausragend. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Sein erstes Jahr bei Hertha BSC lief nahezu perfekt für die Nummer „8“ der Berliner. In der Saison 2015/16 war er topfit, war von Anfang bis Ende der Saison unumstrittener Stammspieler und erzielte in 35 Pflichtspieleinsätzen sieben Tore und 5 Vorlagen (Kicker-Durchschnittsnote 3,45). Ein Traumstart also für den zentralen Mittelfeldspieler, der gerade einen Abstieg mit dem SC Freiburg erleben musste.

Beeindruckend war schon 2015 seine Laufdistanz, was ihm bei einigen Medien den Spitznamen „Die Lunge der Liga“ einbrachte. Doch Darida ist mehr als nur eine kräftige Lunge. Seine Ballsicherheit, Spielintelligenz und Schusstechnik waren mindestens so wertvoll, wie die vielen Kilometer, die er zurücklegte. Er war zweifellos maßgeblich daran beteiligt, dass Hertha am Ende den siebten Tabellenplatz belegte.

Verletzungen, Formschwäche

Den ersten Rückschlag gab es in der nächsten Saison, 2016/17. Er war eigentlich einer der Hauptakteure im tollen Saisonstart von Hertha (Drei Siege in den ersten drei Saisonspielen), konnte sogar beim 2-1 Heimsieg gegen den SC Freiburg als Torschütze glänzen. Im dritten Spiel jedoch, gegen Schalke 04, zog sich der Tscheche einen Außenbandriss zu. Er verpasste die neun nächsten Pflichtspiele.

Zuletzt war Darida nur selten als Torschütze erfolgreich. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Folge kam er langsam zurück in die Startelf, fand jedoch nicht wirklich zu seiner Form der Vorsaison wieder zurück (Kicker-Durchschnittsnote: 3,73). Zwar waren seine Leistungen alles andere als schlecht, und sein Status als Stammspieler unumstritten, trotzdem fehlte das gewisse etwas, was sein Spiel so besonders machte. Der Anspruch war auch zugegebenermaßen nach der ersten Saison bei Hertha sehr hoch. Trotz der vielen Spielminuten kam Darida 2016/17 nur zu zwei Toren und zwei Vorlagen in der Liga.

Auch die Saison 2017/18 verlief alles andere als optimal. Wieder einmal verletzte sich Darida in der Hinrunde schwer, verpasste sogar zehn Bundesliga- und vier Europa League-Spiele. Am Ende war seine Bilanz eher mager, kein Treffer und nur drei Vorlagen. Zwar war er vor allem in der Defensiv-Bewegung ein wertvoller Faktor, doch im Spiel nach vorne konnte er weniger Impulse setzen. Darida lief erneut nach seiner schweren Verletzung ein wenig seiner Form hinterher. Umso wichtiger also für ihn, im Sommer 2018 verletzungsfrei zu bleiben, um erneut topfit in die Saison zu starten. Umso bitterer also, wie sich der Sommer für ihn entwickelte.

Eine verpasste Vorbereitung

Darida kehrte gegen den SC Freiburg in den Kader zurück. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Vorbereitung hatte gerade erst begonnen, da verdrehte sich Darida im allerersten Testspiel gegen Stahnsdorf das Knie. „Vier, fünf Tage“ sollte „Vladi“ laut Dardai deswegen ausfallen. Die bittere Diagnose (Knochenmarködem) kam jedoch kurz darauf und es hieß, der 28-Jährige würde auf unbestimmte Zeit ausfallen. Tatsächlich dauerte es bis zum 2. Oktober bis er wieder im Mannschaftstraining auftauchte. Bei einer so langen Ausfallzeit dauerte es natürlich auch eine Weile, bis er seinen Weg zurück in den Kader der Berliner fand. Tschechiens Fußballer des Jahres 2017 zeigte sich im Training immer mehr, verzichtete sogar auf eine Länderspielreise.

Es war ihm anzumerken, dass er auf einen Einsatz gegen seinen Ex-Club Freiburg brannte. „Ich bin 100 Prozent bereit, zu spielen, kann voll an mein Limit gehen“, hieß es vor dem Spiel gegen die Breisgauer. Tatsächlich konnte man die Nummer „8“ gegen den SC Freiburg endlich wieder im Kader sehen. Den von vielen Fans, und auch von uns, erwarteten Kurzeinsatz bekam er gegen seine alte Liebe jedoch nicht. Die Situation im Team hat sich in seiner Abwesenheit auch ziemlich stark verändert.

Neue Konkurrenzsituation

In den vergangenen Spielzeiten war die Konkurrenzsituation im zentralen Mittelfeld nur sehr bedingt zu spüren. 2016/17 fielen Ondrej Duda und Fabian Lustenberger sehr lange aus, mögliche Konkurrenten wie Alexander Baumjohann (nicht mehr im Kader) und Tolga Cigerci (nach Galatasaray Istanbul ausgeliehen) spielen keine Rolle. 2017/18 war die Situation ähnlich: Duda kam nicht in Form, sodass nur Per Skjelbred und Fabian Lustenberger als Kandidaten für die Sechser-/Achter- Position in Frage kamen. Arne Maier konnte sich jedoch in die Mannschaft spielen und deutete an, dass er in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen würde.

Arne Maier ist heute auf der Sechs gesetzt. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

So war es keine Überraschung, dass sich Maier sofort in der Saison 2018/19 als Stammspieler im zentralen Mittelfeld etablierte. In Abwesenheit von Darida versuchte Dardai, einen spielstarken Sechser als Ersatz zu finden. Die Lösung kam kurz vor Transferschluss in Person von Marko Grujic. Das Trio im Mittelfeld Maier – Grujic – Duda überzeugte insbesondere gegen Gelsenkirchen und Daridas Ausfall war nicht zu spüren.

Erst als auch Grujic sich verletzte fiel auf, dass ein spielerisch starker zentraler Mittelfeldspieler im Team fehlt. Die Lösung mit Fabian Lustenberger ging gegen Werder Bremen nach Hinten los. Wegen der Verletzungssorgen in der Innenverteidigung wanderte der Schweizer zurück in die Abwehr und überzeugte seitdem auf dieser Position.

Die Karten werden neu gemischt

In den letzten Spielen wurde als Sechser neben Maier Per Skjelbred eingesetzt, der zwar gute Leistungen zeigte, jedoch ein ganz anderes Spielerprofil aufweist als Darida oder auch Grujic. Skjelbred ist nicht der „spielerisch starke“ Sechser, den Dardai am liebsten neben den jungen Maier im Zentrum hätte. So wird sich auch der Ungar freuen, dass er mit Darida bald eine weitere Option hat.

Ein Einsatz von Darida ist also nur eine Frage der Zeit. Allerdings wird auch Marko Grujic in absehbarer Zeit wieder fit sein und um seinen Platz kämpfen. Die Zeit, in der Darida unumstrittener Stammspieler war, ist vorbei. Jetzt wird er umso mehr um seine Rolle in der Mannschaft kämpfen müssen, und vielleicht ist es gerade das, was ihn wieder auf sein Topniveau bringen kann. Die Konkurrenz ist ihm in seiner Abwesenheit weggelaufen, jetzt muss er hinterher. Das Potenzial dazu hat „die Lunge der Liga“ auf jeden Fall.

 


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