BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 9. Spieltag: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Glücklich, aber verdient. Mit diesen drei Worten lässt sich der Punktgewinn der Berliner im Signal Iduna Park wohl am besten beschreiben. Das 2:2 gegen Borussia Dortmund hätte aufgrund der zahlreichen Chancen des BVB auch anders ausgehen können, doch mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer sehr überzeugenden Schlussphase konnte Hertha BSC einen Punkt in Dortmund ergattern.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Trotz der unfassbaren Offensivpower des BVB wurde Herthas Schlussmann nicht allzu oft geprüft.

Wahnsinnige 19 Torschüsse gab die Mannschaft von Trainer Lucien Favre am Samstag ab, aber nur fünf davon gingen direkt aufs Tor. Mit dabei die beiden BVB-Treffer, bei denen Jarstein machtlos war. Beim Rest sah der Norweger sehr sicher aus, so hielt er z.B. den wuchtigen Kopfball von Piszczek direkt fest und verhinderte so einen Nachschuss. Seine stärkste Szene hatte der 34-Jährige in der 79. Minute, als er den Lupfer-Versuch von Guerreiro mit einem sehr starken Herauslaufen vereitelte.

Ansonsten konnte sich Jarstein wenig auszeichnen, so war beispielsweise seine Strafraumbeherrschung kaum gefragt, da Dortmund fast ausschließlich durch technisch feinen Kombinationsfußball in Berliners 16er kam – ohne Flanken.

Eine insgesamt gute Leistung Jarsteins, der aber nicht so viel zu tun bekam, wie vielleicht angenommen.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 3+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Defensiv kam Lazaro oftmals nicht mit, offensiv brillierte er dafür einmal mehr.

Nein, es gibt einfachere Aufgaben, als gegen Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro zu verteidigen. Dementsprechende Probleme hatte Herthas Rechtsverteidiger, den beiden Einhalt zu gebieten. Besonders Hakimi durfte schalten und walten, wie er wollte. Oftmals kam Lazaro viel zu spät in die Zweikämpfe/Laufduelle, sodass viele Dortmunder Torschüsse über seine Seite eingeleitet wurden. Er verlor die Mehrzahl seiner Zweikämpfe und auch seine sonstigen Abwehr-Statistiken sehen nicht rosig aus. Man merkte einmal mehr, wie überfordert der 23-Jährige defensiv bei herausragenden Gegenspieler sein kann.

Ebenso sah man aber auch, welchen Offensivdrang Lazaro entwickeln kann. Beinahe jedes Mal, wenn er an den Ball kam, wurde es gefährlich. Der Österreicher bereitete Hakimi in diesen Momenten ähnlich große Probleme, wie andersherum. Vier (!) Torschüsse legte Lazaro auf, darunter die riesige Chance von Darida, die der Tscheche gerne hätten nutzen können. Seine Dribblings und Läufe waren einmal mehr unwiderstehlich und sah ergab sich ein sehr spannender Wettbewerb mit Hakimi, wer den anderen in seiner Abwehrarbeit mehr zum Schwitzen bringen würde.

Defensiv pfui, offensiv hui. So einfach kann es manchmal sein.

Niklas Stark – Note: 2

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Es ist beachtlich, wie Stark gegen echte Top-Gegner aufdrehen kann.

War es eine perfekte Partie der Nummer fünf? Nein, das nicht, dafür ließ auch er dem BVB zu viel durchgehen. Doch in den meisten Fällen agierte Stark höchst souverän und wachsam. Am Boden gut und in der Luft kaum zu schlagen, zeigte der U21-Europameister, welches Potenzial in ihm schlummert.

Vor allem sein herausragendes Stellungsspiel und sein auffällig guter Antritt stachen am Samstag heraus. So klärte er insgesamt sieben Aktionen, oftmals dadurch, dass er steile Zuspiele in Herthas Strafraum ablief und aus der Gefahrenzone herausbeförderte. Auch offensiv konnte er einen gefährlichen Kopfball und eine Torschussvorlage beitragen.

Auf Niklas Stark ist Verlass, diese Erkenntnis verfestigt sich in der laufenden Saison immer mehr.

Fabian Lustenberger – Note: 3

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Keine schlechte Leistung zeigte auch Lustenberger, der aber mehr Probleme mit Dortmunds Angreifern hatte, als seine beiden Nebenmänner.

Die größte Stärke vom Schweizer ist sein Stellungsspiel und das kaum gegen den BVB besonders zum tragen. Ach Aktionen klärte er, zudem blockte er drei Schüsse der Schwarz-Gelben ab. In diesen Momenten glänzte er mit seiner Antizipation, doch im direkten Zweikampf war zu spüren, das es ihm zu schnell ging. Reus und co. konnten sich zu leicht an ihm vorbeischlängeln – so gesehen in der 8. Minute. Auch im Spielaufbau leistete sich der 30-Jährige leichte Fehler, die zu den gefürchteten Umschaltaktionen des Gastgebers führten. Über eine bestimmte Szene muss jedoch zu reden sein: bei 1:0-Treffer des BVB verhielt sich Lustenberger sehr ungeschickt. Er hätte eigentlich bei seinem Gegenspieler Götze bleiben müssen, um den Pass auf ihn aufzuhalten oder zumindest in den Zweikampf zu kommen. Er entschied sich jedoch dazu, auch noch auf den Ballführenden zu gehen und so machte er die Tür für die Führung auf, da Rekik nicht alleine gegen drei Dortmunder verteidigen kann.

Ein Spiel, das einem verdeutlichte, was Lustenberger sehr gut und was er nicht mehr allzu sicher kann. Eine wirklich schlechte Darbietung war es aber nicht.

Karim Rekik – Note: 2-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Niederländer spielte eine herausragende erste Halbzeit, im zweiten Durchgang sah man immer weniger von ihm.

Seinen großen Auftritt hat Rekik bereits nach acht Minuten, als er den Schuss von Jadon Sancho gerade noch weggrätschen konnte und so den frühen Rückstand verhinderte. In den ersten 45 Minuten gab es kaum einen Herthaner, der so selbstbewusst und bestimmt auftrat, wie den 23-Jährigen. Er wirkte unglaublich sicher, sowohl im Zweikampf, als auch mit dem Ball am Fuß.

Dieser Eindruck bestätigte sich nicht im zweiten Durchgang und das musste er auch nicht. Der mittlerweile alte Piszczek konnte nach der Pause nicht mehr wirklich anschieben und so führte der BVB beinahe alle Angriffe über seine linke Angriffsseite oder durch die Spielmitte aus. So kam Rekik in immer weniger direkte Duelle und hatte somit nicht so viel zu tun wie seine Nebenmänner.

Ein höchst souveräner Auftritt des Innenverteidigers, der weniger als Stark und Lustenberger in Erscheinung trat.

Maxi Mittelstädt – Note: 1-

(Foto: Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Plattenhardt, dein Platz wackelt immer mehr. Mittelstädt ist auf dem Vormarsch – und zwar wie!

Bei Mittelstädt reicht beinahe nur ein Blick auf die Zahlen, um ihn in den Himmel zu loben. Niemand auf dem Feld gewann so viele Zweikämpfe wie der 21-Jährige, dazu kommen acht Ballsicherungen, sechs klärende Aktionen, fünf Tackles und vier abgefangene Bälle.

Und mit einem von diesen leitete das Berliner Eigengewächs den Ausgleich herausragend ein und das bildet eine schnöde Zahl nun einmal nicht ab. Er stibitzte sich im Vollsprint den Ball, ließ alle Dortmunder stehen und hatte dann das Auge und den Fuß, um Salomon Kalou perfekt zu bedienen. Eine Einzelaktion, die man von einem Berliner Linksverteidiger lange nicht mehr gesehen hat. Auch darüber hinaus zeigte Mittelstädt einen außerordentlichen Offensivdrang. Anfangs wollte ihm einiges nicht gelingen, einige Flanken setzte er in den Sand. Mit der Zeit wurde er aber immer präziser und legte insgesamt sehr starke vier Torschüsse auf. Auch der Pass auf Davie Selke, der daraufhin den Elfmeter herausholte, kam von Mittelstädt.

Eine herausragende Leistung von Mittelstädt, offensiv wie defensiv.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 4-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war der schwächste Herthaner am Samstagnachmittag.

An keinem Herthaner lief die erste Halbzeit so vorbei, wie an Skjelbred. Der 31-Jährige fand überhaupt nicht in die Partie, war nahezu nie zu sehen. Das Dortmunder Spiel war für den Mittelfeldmotor schlichtweg zu schnell, er fand nicht in die Zweikämpfe und spielte zahlreiche Fehlpässe. Gerade einmal 65% seiner Zuspiele kamen an, eine gruselige Bilanz.

Kein erfolgreiches Tackling, kein abgefangener Ball, nur eine Ballsicherung – nein, es war nicht das Spiel des Per Skjelbreds. Angeschlagen musste der Wikinger nach der Halbzeit für Darida ausgewechselt werden. Auch seine Leistung hätte dafür gereicht, nicht mehr an dem Spiel teilzunehmen. Den Knüppel, den er normalerweise in das Spiel des Gegners wirft, hatte er wohl in Berlin vergessen. Er war absolut kein Faktor an diesem Tag.

 

Arne Maier – Note: 3

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch Arne Maier brauchte viel Zeit, um sich in die Begegnung hineinzubeißen.

Der 19-Jährige hatte im ersten Durchgang arge Probleme, sich im Mittelfeld gegen Witsel und co. zu behaupten und der Partie seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Anfangs noch überhaupt kein Faktor, wurde Maier allerdings von Minute zu Minute dominanter in seine, Spiel.

Spätestens nach dem Pausentee erlebte man den Maier, den man so schätzt und liebt. Er agierte sehr ballsicher und stets mit dem Kopf nach vorne, um das Spiel seiner Mannschaft anzuschieben. Zehn (!) Ballsicherungen belegen, wie gut sich Maier im Mittelfeld behaupten konnte. Er beließ es oft bei einfachen Pässen, diese führten jedoch dazu, dass Hertha durch eigene Ballbesitzphasen auch einmal zum Atmen kam. Das war nicht spektakulär, aber notwendig.

Es war spannend zu sehen, wie sich Maier immer besser in dem Spiel einfand und irgendwann ganz der alte war. Das ist für einen 19-Jährigen nicht selbstverständlich. Eine insgesamt ordentliche Leistung.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Duda agierte einmal mehr als Manndecker und konnte so sein eigenes Spiel nicht wie gewohnt aufziehen.

Dardai packte einmal mehr den taktischen Kniff aus, Ondrej Duda als Manndecker auf den gegnerischen Strippenzieher im Mittelfeld anzusetzen. In diesem Fall war es Axel Witsel, der es einmal aktuell aber fast unmöglich macht, ihn aufzuhalten. Zwar agierte Duda taktisch sehr diszipliniert und lief Witsel fast durchgängig an, doch der so formstarke Belgier fand dennoch genug Lösungen, um das Spiel seiner Mannschaft aufzuziehen. Auffällig war, wie viele Fouls (vier) Duda zog, um das Spiel der Dortmunder immer wieder zum Stocken zu bringen. Im Defensiv-taktischen Verhalten legte der Slowake zumindest eine gute Figur hin, auch wenn er Witsel oft nur hinterherlief.

Im Spiel nach vorne konnte der 23-Jährige dadurch allerdings nicht so wirken wie in den letzten Wochen. Zwar war er eine sichere Anspielstation (elf Ballsicherungen), doch die Weiterverarbeitung der Bälle stockte etwas. Er zeigte kaum nennenswerte Offensiv-Aktionen und verbuchte gerade einmal 39 Ballkontakte, ein irritierend geringer Wert, der unterstreicht, wie losgebunden er von vielen Berliner Angriffen war.

Taktisch engagiert, laufstark, aber offensiv ohne Esprit – eine Leistung, die in Ordnung geht und nicht mehr. Dass sein Arbeitstag nach 72 Minuten beendet war, war verständlich.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 1

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Zweimal war Kalou gefordert, zweimal war er da.

Dass wenn Hertha am Ball war, sofort Gefahr herrschte, lag auch an dem Ivorer. Er hatte immer wieder eine Idee und die Ruhe am Ball, sie auch umzusetzen. So legte er z.B. in der 10. Minute eine eigentliche gute Gelegenheit für Ibisevic auf, doch der Bosnier konnte das Zuspiel technisch nicht verwerten. Darüber hinaus gab Kalou zwei Torschüsse ab – einer ging vorbei, der andere wurde noch abgeblockt.

Insgesamt waren es aber vier Abschlüsse, denn zwei weitere landeten im Tor der Dortmunder. In der 41. Minute stahl sich der 33-Jährige von seinem Gegenspieler davon und schob die Kugel, vorgelegt von Mittelstädt, cool an Bürki vorbei in den Kasten. In 91. Minute musste Kalou allerdings noch nervenstärker agieren, als er den Elfmeter zum 2:2-Ausgleich sicher verwandelte. Somit war Kalou zum Matchwinner der “alten Dame” geworden und das mit gerade einmal 29 Ballkontakte.

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Die vielleicht schwächste Leistung von Herthas Kapitän in dieser Saison.

Und das lag nicht etwa daran, dass Ibisevic nicht in das Spiel seiner Mannschaft eingebunden worden wäre. Tatsächlich hatte der Bosnier mehrere aussichtsreiche Gelegenheiten, um gefährlich zu werden. Bälle von Lazaro und Kalou hätte Ibisevic zumindest zu einem Torschuss weiterverarbeiten müssen, doch das wollte ihm an diesem Tag nicht gelingen.

Genauso unglücklich agierte der 34-Jährige bei seiner Zweikampfführung, denn kaum ein Duell konnte er für sich entscheiden. So war es nur folgerichtig, ihn nach 57 Minuten für Davie Selke vom Feld zu nehmen.

Eine wirklich schwache Vorstellung von Ibisevic, der im DFB-Pokal wohl geschont werden wird.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche meldet sich mit einem zusammenfassend sehr ordentlichem Comeback zurück.

Nein, es wollte Darida am Samstag sicherlich nicht alles gelingen – aber auch nicht wenig. Der 28-Jährige war von Anfang an sofort in der Partie, sehr präsent. So sammelte er beinahe so viele Ballkontakte wie Duda in über 70 Minuten. Der Mittelfeldmotor agierte meist in Nähe des BVB-Strafraums und suchte nach Lösungen, das schwarz-gelbe Abwehrbollwerk zu durchdringen. Dabei ließ er jedoch immer wieder gute Gelegenheiten liegen, wie seinen verunglückten Schuss in der 50 Minute oder als er Lazaro in der 74. Minute übersah und nicht in den komplett freien Raum spielte.

Es war sicherlich nicht alles herausragend, was Darida an diesem Tag versucht hatte, doch mit seiner großen Präsenz und Spielfreude war auch er ein Faktor für diesen Punktgewinn.

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Das was Ibisevic gefehlt hatte, brachte Selke auf den Platz.

Gemeint ist die letzte Konsequenz. Selke sprühte mal wieder vor Leidenschaft und Siegeswille und ging genau so in die Zweikämpfe. Er beschäftigte die BVB-Abwehr in seinen 30 Minuten Spielzeit durchgehend und zeigte eine völlig andere Präsenz als Ibisevic.

Und nein, es macht wohl absolut keinen Spaß, gegen den 23-Jährigen Zweikämpfe zu führen. Selke versucht wirklich alles, um sich durchzusetzen – so gesehen in der 90. Minute, als er sich um Zagadou herumstocherte, selber viel Armeinsatz zeigte, aber letztendlich vom Franzosen Elfmeter-würdig gelegt wurde. Diese unbedingte Einsatz brachte letztendlich den Punkt in Dortmund ein.

Ein Einsatz, der unterstreicht, dass Selke wohl für seine erste Startelfnominierung in dieser Saison bereit ist.


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Glücklich, aber verdient. Mit diesen drei Worten lässt sich der Punktgewinn der Berliner im Signal Iduna Park wohl am besten beschreiben. Das 2:2 gegen Borussia Dortmund hätte aufgrund der zahlreichen Chancen des BVB auch anders ausgehen können, doch mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer sehr überzeugenden Schlussphase konnte Hertha BSC einen Punkt in Dortmund ergattern.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Trotz der unfassbaren Offensivpower des BVB wurde Herthas Schlussmann nicht allzu oft geprüft.

Wahnsinnige 19 Torschüsse gab die Mannschaft von Trainer Lucien Favre am Samstag ab, aber nur fünf davon gingen direkt aufs Tor. Mit dabei die beiden BVB-Treffer, bei denen Jarstein machtlos war. Beim Rest sah der Norweger sehr sicher aus, so hielt er z.B. den wuchtigen Kopfball von Piszczek direkt fest und verhinderte so einen Nachschuss. Seine stärkste Szene hatte der 34-Jährige in der 79. Minute, als er den Lupfer-Versuch von Guerreiro mit einem sehr starken Herauslaufen vereitelte.

Ansonsten konnte sich Jarstein wenig auszeichnen, so war beispielsweise seine Strafraumbeherrschung kaum gefragt, da Dortmund fast ausschließlich durch technisch feinen Kombinationsfußball in Berliners 16er kam – ohne Flanken.

Eine insgesamt gute Leistung Jarsteins, der aber nicht so viel zu tun bekam, wie vielleicht angenommen.

Abwehr

Valentino Lazaro – Note: 3+

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Defensiv kam Lazaro oftmals nicht mit, offensiv brillierte er dafür einmal mehr.

Nein, es gibt einfachere Aufgaben, als gegen Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro zu verteidigen. Dementsprechende Probleme hatte Herthas Rechtsverteidiger, den beiden Einhalt zu gebieten. Besonders Hakimi durfte schalten und walten, wie er wollte. Oftmals kam Lazaro viel zu spät in die Zweikämpfe/Laufduelle, sodass viele Dortmunder Torschüsse über seine Seite eingeleitet wurden. Er verlor die Mehrzahl seiner Zweikämpfe und auch seine sonstigen Abwehr-Statistiken sehen nicht rosig aus. Man merkte einmal mehr, wie überfordert der 23-Jährige defensiv bei herausragenden Gegenspieler sein kann.

Ebenso sah man aber auch, welchen Offensivdrang Lazaro entwickeln kann. Beinahe jedes Mal, wenn er an den Ball kam, wurde es gefährlich. Der Österreicher bereitete Hakimi in diesen Momenten ähnlich große Probleme, wie andersherum. Vier (!) Torschüsse legte Lazaro auf, darunter die riesige Chance von Darida, die der Tscheche gerne hätten nutzen können. Seine Dribblings und Läufe waren einmal mehr unwiderstehlich und sah ergab sich ein sehr spannender Wettbewerb mit Hakimi, wer den anderen in seiner Abwehrarbeit mehr zum Schwitzen bringen würde.

Defensiv pfui, offensiv hui. So einfach kann es manchmal sein.

Niklas Stark – Note: 2

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Es ist beachtlich, wie Stark gegen echte Top-Gegner aufdrehen kann.

War es eine perfekte Partie der Nummer fünf? Nein, das nicht, dafür ließ auch er dem BVB zu viel durchgehen. Doch in den meisten Fällen agierte Stark höchst souverän und wachsam. Am Boden gut und in der Luft kaum zu schlagen, zeigte der U21-Europameister, welches Potenzial in ihm schlummert.

Vor allem sein herausragendes Stellungsspiel und sein auffällig guter Antritt stachen am Samstag heraus. So klärte er insgesamt sieben Aktionen, oftmals dadurch, dass er steile Zuspiele in Herthas Strafraum ablief und aus der Gefahrenzone herausbeförderte. Auch offensiv konnte er einen gefährlichen Kopfball und eine Torschussvorlage beitragen.

Auf Niklas Stark ist Verlass, diese Erkenntnis verfestigt sich in der laufenden Saison immer mehr.

Fabian Lustenberger – Note: 3

(Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Keine schlechte Leistung zeigte auch Lustenberger, der aber mehr Probleme mit Dortmunds Angreifern hatte, als seine beiden Nebenmänner.

Die größte Stärke vom Schweizer ist sein Stellungsspiel und das kaum gegen den BVB besonders zum tragen. Ach Aktionen klärte er, zudem blockte er drei Schüsse der Schwarz-Gelben ab. In diesen Momenten glänzte er mit seiner Antizipation, doch im direkten Zweikampf war zu spüren, das es ihm zu schnell ging. Reus und co. konnten sich zu leicht an ihm vorbeischlängeln – so gesehen in der 8. Minute. Auch im Spielaufbau leistete sich der 30-Jährige leichte Fehler, die zu den gefürchteten Umschaltaktionen des Gastgebers führten. Über eine bestimmte Szene muss jedoch zu reden sein: bei 1:0-Treffer des BVB verhielt sich Lustenberger sehr ungeschickt. Er hätte eigentlich bei seinem Gegenspieler Götze bleiben müssen, um den Pass auf ihn aufzuhalten oder zumindest in den Zweikampf zu kommen. Er entschied sich jedoch dazu, auch noch auf den Ballführenden zu gehen und so machte er die Tür für die Führung auf, da Rekik nicht alleine gegen drei Dortmunder verteidigen kann.

Ein Spiel, das einem verdeutlichte, was Lustenberger sehr gut und was er nicht mehr allzu sicher kann. Eine wirklich schlechte Darbietung war es aber nicht.

Karim Rekik – Note: 2-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Niederländer spielte eine herausragende erste Halbzeit, im zweiten Durchgang sah man immer weniger von ihm.

Seinen großen Auftritt hat Rekik bereits nach acht Minuten, als er den Schuss von Jadon Sancho gerade noch weggrätschen konnte und so den frühen Rückstand verhinderte. In den ersten 45 Minuten gab es kaum einen Herthaner, der so selbstbewusst und bestimmt auftrat, wie den 23-Jährigen. Er wirkte unglaublich sicher, sowohl im Zweikampf, als auch mit dem Ball am Fuß.

Dieser Eindruck bestätigte sich nicht im zweiten Durchgang und das musste er auch nicht. Der mittlerweile alte Piszczek konnte nach der Pause nicht mehr wirklich anschieben und so führte der BVB beinahe alle Angriffe über seine linke Angriffsseite oder durch die Spielmitte aus. So kam Rekik in immer weniger direkte Duelle und hatte somit nicht so viel zu tun wie seine Nebenmänner.

Ein höchst souveräner Auftritt des Innenverteidigers, der weniger als Stark und Lustenberger in Erscheinung trat.

Maxi Mittelstädt – Note: 1-

(Foto: Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Plattenhardt, dein Platz wackelt immer mehr. Mittelstädt ist auf dem Vormarsch – und zwar wie!

Bei Mittelstädt reicht beinahe nur ein Blick auf die Zahlen, um ihn in den Himmel zu loben. Niemand auf dem Feld gewann so viele Zweikämpfe wie der 21-Jährige, dazu kommen acht Ballsicherungen, sechs klärende Aktionen, fünf Tackles und vier abgefangene Bälle.

Und mit einem von diesen leitete das Berliner Eigengewächs den Ausgleich herausragend ein und das bildet eine schnöde Zahl nun einmal nicht ab. Er stibitzte sich im Vollsprint den Ball, ließ alle Dortmunder stehen und hatte dann das Auge und den Fuß, um Salomon Kalou perfekt zu bedienen. Eine Einzelaktion, die man von einem Berliner Linksverteidiger lange nicht mehr gesehen hat. Auch darüber hinaus zeigte Mittelstädt einen außerordentlichen Offensivdrang. Anfangs wollte ihm einiges nicht gelingen, einige Flanken setzte er in den Sand. Mit der Zeit wurde er aber immer präziser und legte insgesamt sehr starke vier Torschüsse auf. Auch der Pass auf Davie Selke, der daraufhin den Elfmeter herausholte, kam von Mittelstädt.

Eine herausragende Leistung von Mittelstädt, offensiv wie defensiv.

Mittelfeld

Per Skjelbred – Note: 4-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war der schwächste Herthaner am Samstagnachmittag.

An keinem Herthaner lief die erste Halbzeit so vorbei, wie an Skjelbred. Der 31-Jährige fand überhaupt nicht in die Partie, war nahezu nie zu sehen. Das Dortmunder Spiel war für den Mittelfeldmotor schlichtweg zu schnell, er fand nicht in die Zweikämpfe und spielte zahlreiche Fehlpässe. Gerade einmal 65% seiner Zuspiele kamen an, eine gruselige Bilanz.

Kein erfolgreiches Tackling, kein abgefangener Ball, nur eine Ballsicherung – nein, es war nicht das Spiel des Per Skjelbreds. Angeschlagen musste der Wikinger nach der Halbzeit für Darida ausgewechselt werden. Auch seine Leistung hätte dafür gereicht, nicht mehr an dem Spiel teilzunehmen. Den Knüppel, den er normalerweise in das Spiel des Gegners wirft, hatte er wohl in Berlin vergessen. Er war absolut kein Faktor an diesem Tag.

 

Arne Maier – Note: 3

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Auch Arne Maier brauchte viel Zeit, um sich in die Begegnung hineinzubeißen.

Der 19-Jährige hatte im ersten Durchgang arge Probleme, sich im Mittelfeld gegen Witsel und co. zu behaupten und der Partie seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Anfangs noch überhaupt kein Faktor, wurde Maier allerdings von Minute zu Minute dominanter in seine, Spiel.

Spätestens nach dem Pausentee erlebte man den Maier, den man so schätzt und liebt. Er agierte sehr ballsicher und stets mit dem Kopf nach vorne, um das Spiel seiner Mannschaft anzuschieben. Zehn (!) Ballsicherungen belegen, wie gut sich Maier im Mittelfeld behaupten konnte. Er beließ es oft bei einfachen Pässen, diese führten jedoch dazu, dass Hertha durch eigene Ballbesitzphasen auch einmal zum Atmen kam. Das war nicht spektakulär, aber notwendig.

Es war spannend zu sehen, wie sich Maier immer besser in dem Spiel einfand und irgendwann ganz der alte war. Das ist für einen 19-Jährigen nicht selbstverständlich. Eine insgesamt ordentliche Leistung.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Duda agierte einmal mehr als Manndecker und konnte so sein eigenes Spiel nicht wie gewohnt aufziehen.

Dardai packte einmal mehr den taktischen Kniff aus, Ondrej Duda als Manndecker auf den gegnerischen Strippenzieher im Mittelfeld anzusetzen. In diesem Fall war es Axel Witsel, der es einmal aktuell aber fast unmöglich macht, ihn aufzuhalten. Zwar agierte Duda taktisch sehr diszipliniert und lief Witsel fast durchgängig an, doch der so formstarke Belgier fand dennoch genug Lösungen, um das Spiel seiner Mannschaft aufzuziehen. Auffällig war, wie viele Fouls (vier) Duda zog, um das Spiel der Dortmunder immer wieder zum Stocken zu bringen. Im Defensiv-taktischen Verhalten legte der Slowake zumindest eine gute Figur hin, auch wenn er Witsel oft nur hinterherlief.

Im Spiel nach vorne konnte der 23-Jährige dadurch allerdings nicht so wirken wie in den letzten Wochen. Zwar war er eine sichere Anspielstation (elf Ballsicherungen), doch die Weiterverarbeitung der Bälle stockte etwas. Er zeigte kaum nennenswerte Offensiv-Aktionen und verbuchte gerade einmal 39 Ballkontakte, ein irritierend geringer Wert, der unterstreicht, wie losgebunden er von vielen Berliner Angriffen war.

Taktisch engagiert, laufstark, aber offensiv ohne Esprit – eine Leistung, die in Ordnung geht und nicht mehr. Dass sein Arbeitstag nach 72 Minuten beendet war, war verständlich.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 1

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Zweimal war Kalou gefordert, zweimal war er da.

Dass wenn Hertha am Ball war, sofort Gefahr herrschte, lag auch an dem Ivorer. Er hatte immer wieder eine Idee und die Ruhe am Ball, sie auch umzusetzen. So legte er z.B. in der 10. Minute eine eigentliche gute Gelegenheit für Ibisevic auf, doch der Bosnier konnte das Zuspiel technisch nicht verwerten. Darüber hinaus gab Kalou zwei Torschüsse ab – einer ging vorbei, der andere wurde noch abgeblockt.

Insgesamt waren es aber vier Abschlüsse, denn zwei weitere landeten im Tor der Dortmunder. In der 41. Minute stahl sich der 33-Jährige von seinem Gegenspieler davon und schob die Kugel, vorgelegt von Mittelstädt, cool an Bürki vorbei in den Kasten. In 91. Minute musste Kalou allerdings noch nervenstärker agieren, als er den Elfmeter zum 2:2-Ausgleich sicher verwandelte. Somit war Kalou zum Matchwinner der “alten Dame” geworden und das mit gerade einmal 29 Ballkontakte.

Vedad Ibisevic – Note: 5

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Die vielleicht schwächste Leistung von Herthas Kapitän in dieser Saison.

Und das lag nicht etwa daran, dass Ibisevic nicht in das Spiel seiner Mannschaft eingebunden worden wäre. Tatsächlich hatte der Bosnier mehrere aussichtsreiche Gelegenheiten, um gefährlich zu werden. Bälle von Lazaro und Kalou hätte Ibisevic zumindest zu einem Torschuss weiterverarbeiten müssen, doch das wollte ihm an diesem Tag nicht gelingen.

Genauso unglücklich agierte der 34-Jährige bei seiner Zweikampfführung, denn kaum ein Duell konnte er für sich entscheiden. So war es nur folgerichtig, ihn nach 57 Minuten für Davie Selke vom Feld zu nehmen.

Eine wirklich schwache Vorstellung von Ibisevic, der im DFB-Pokal wohl geschont werden wird.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche meldet sich mit einem zusammenfassend sehr ordentlichem Comeback zurück.

Nein, es wollte Darida am Samstag sicherlich nicht alles gelingen – aber auch nicht wenig. Der 28-Jährige war von Anfang an sofort in der Partie, sehr präsent. So sammelte er beinahe so viele Ballkontakte wie Duda in über 70 Minuten. Der Mittelfeldmotor agierte meist in Nähe des BVB-Strafraums und suchte nach Lösungen, das schwarz-gelbe Abwehrbollwerk zu durchdringen. Dabei ließ er jedoch immer wieder gute Gelegenheiten liegen, wie seinen verunglückten Schuss in der 50 Minute oder als er Lazaro in der 74. Minute übersah und nicht in den komplett freien Raum spielte.

Es war sicherlich nicht alles herausragend, was Darida an diesem Tag versucht hatte, doch mit seiner großen Präsenz und Spielfreude war auch er ein Faktor für diesen Punktgewinn.

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Das was Ibisevic gefehlt hatte, brachte Selke auf den Platz.

Gemeint ist die letzte Konsequenz. Selke sprühte mal wieder vor Leidenschaft und Siegeswille und ging genau so in die Zweikämpfe. Er beschäftigte die BVB-Abwehr in seinen 30 Minuten Spielzeit durchgehend und zeigte eine völlig andere Präsenz als Ibisevic.

Und nein, es macht wohl absolut keinen Spaß, gegen den 23-Jährigen Zweikämpfe zu führen. Selke versucht wirklich alles, um sich durchzusetzen – so gesehen in der 90. Minute, als er sich um Zagadou herumstocherte, selber viel Armeinsatz zeigte, aber letztendlich vom Franzosen Elfmeter-würdig gelegt wurde. Diese unbedingte Einsatz brachte letztendlich den Punkt in Dortmund ein.

Ein Einsatz, der unterstreicht, dass Selke wohl für seine erste Startelfnominierung in dieser Saison bereit ist.


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