Auf in die nächste Pokalrunde! Am Dienstag um 18:30 geht es für Hertha BSC gegen den SV Darmstadt 98 um den Einzug in die dritte Pokalrunde. Hertha BASE stellt euch in einer zweiteiligen Vorschau die Lilien und deren Entwicklung in der aktuellen Saison vor. Den Anfang machen wir mit einem Interview mit Matthias vom KickschuhBlog und dem Lilien-Podcast Hoch & Weit.

“Zurück in die Zukunft”? – Dirk Schuster. Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Hertha Base: Blickt man als Außenstehender aktuell auf Darmstadt, fühlt man sich ein bisschen an „Zurück in die Zukunft“ erinnert. Trainer Dirk Schuster kehrte vergangene Saison nach dem Aus von Torsten Frings als Trainer zurück. Hat sich die Rückkehr für beide Seiten gelohnt?
Matthias: Schusters Rückkehr war eher ein „Zurück in die Vergangenheit“. Torsten Frings wollte mehr Fußball wagen, was leider nicht funktionierte und die Mannschaft immer verunsicherter zurückließ. So war Schuster mit seinem starken Fokus auf defensiver Stabilität der richtige Mann. Fußballerisch sieht das alles nach wie vor wenig inspiriert und oft eindimensional aus. Aber Schuster hat der Mannschaft in der Rückrunde wieder den Glauben an sich selbst gegeben. So reichte es mit viel Wille und Disziplin sowie dem notwendigen Glück zum Klassenerhalt.

Insofern hat sich seine Rückkehr gelohnt, denn wie es in Liga 3 laufen kann, sieht man derzeit an Braunschweig, die absolut nicht aus dem Quark kommen. Für Schuster selbst hat sich die Rückkehr natürlich auch rentiert. Er war schon auf dem Sprung nach Zypern und hätte wohl so schnell keinen Job bei anderen Klubs aus der 1. oder 2. Bundesliga bekommen.

Das Ziel für die aktuelle Spielzeit: eine sorgenfreie Saison

HB: Was ist die Anspruchshaltung des Vereins für die aktuelle Saison? Geht es eher um Etablierung in der zweiten Liga oder schielt man mittelfristig wieder Richtung Bundesliga?

Matthias: Schuster sagte im Mai unmittelbar nach dem Abpfiff des letzten Saisonspiels, dass die Lilien den Klassenerhalt nur mit zwei blauen Augen geschafft hätten. Von Jubel war damals nicht viel zu sehen, jeder war einfach nur erleichtert: Die Fans, die Spieler und die Verantwortlichen. Deshalb lautet die Maßgabe dieses Mal einfach nur eine sorgenfreie Saison zu erleben. Nach gutem Start wuchs zuletzt mit sechs sieglosen Spielen die Unruhe, denn die Entwicklung erinnerte frappierend an die letzte Spielzeit. Der Sieg am Freitag gegen Fürth lässt alle Durchatmen.

Körperliche Präsenz ist für das Darmstädter SPiel immer noch wichtig. Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images

HB: Mit 19 Abgängen und 14 Zugängen gab es in der vergangenen Sommerpause einen starken Umbruch. Was war die Strategie dabei?

Matthias: Schuster hatte zwar schon in der Winterpause die Chance, den Kader nach seinen Vorstellungen zu korrigieren, so richtig war das aber erst in der Sommerpause möglich. Im letzten Jahr fehlte uns das Tempo und auch Linksfüßer waren im Team rar gesät. Das sollte sich im Sommer ändern.
Trotz der vielen Neuzugänge hat Schuster bei der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche angedeutet, dass es ihm nicht gelungen sei, den Kader in der Breite besser aufzustellen. Rechts hinten ist die Baustelle immer noch nicht befriedigend geschlossen worden. Ansonsten legt Schuster – wenig überraschend – viel Wert auf körperlich präsente Spieler, die schon anderswo ihre Qualitäten gezeigt haben, wenngleich nicht (mehr) als Leistungsträger. Er bleibt sich also treu. Und fußballerische Finesse oder Talente stehen bei unserem Coach ohnehin nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.

Altbekannte Darmstädter Spielkultur: Hoch und weit

HB: Darmstadt gibt mit die wenigsten Schüsse pro Spiel aller Zweitligateams ab (11,5) und versucht die wenigsten Dribblings (3,5), spielt aber die zweitmeisten Flanken (20) und zweitmeisten langen Bälle (82) pro Spiel. Hoch und weit ist immer noch die Maxime von Dirk Schuster?

Matthias: Gegen Fürth sah dies in der 2. Halbzeit schon ansehnlicher aus, weil oft weiter vorne Zweikämpfe geführt und auch gewonnen wurden. Daraus resultierten wiederum Kurzpässe, weil die Abstände zum Nebenmann geringer waren. Oft versuchen die Lilien aber kompakt hinter dem Ball zu stehen und diesen nach Ballgewinn schnell aus der Gefahrenzone zu befördern. Und schon sind wir tatsächlich bei hohen und weiten Schlägen. Gegen die Hertha sollte es denn auch genauso aussehen, denn Ballverluste um den Strafraum gilt es tunlichst zu vermeiden. Liegen die Lilien einmal 0:1 zurück, dann können sie das Spiel nicht mehr drehen. Das letzte Mal gelang das vor über einem Jahr.

Tobias Kempe ist der Schlüsselspieler für die Lilien. Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

HB: Tobias Kempe führt derzeit bei euch mit fünf Toren die interne Torschützenliste an, spielt aber im defensiven Mittelfeld. Ist das eher ein Zeichen seines Könnens oder ein Indiz für eine schwache Offensive?

Matthias: Unter seinen fünf Treffern waren ein Elfmeter und ein Freistoß. Er ist bei uns also auch der Mann für die ruhenden Bälle. Seine Versetzung in die Zentrale war ein Schlüsselelement der vergangenen Saison. Auf dem Flügel gibt es schnellere Spieler als ihn, und im Verbund mit einem rein defensiven Sechser hat er nun das Spiel vor sich und kann die Bälle mit seiner guten Technik besser verarbeiten, als alle anderen potenziellen Sechser. Zudem ist er enorm laufstark, was er im Zentrum besser ausspielen kann, als auf den Außen. Ich würde also sagen, er hat seine Position gefunden, denn er ist fußballerisch für Lilienverhältnisse herausragend, selbst wenn er sich gerne ein wenig zu spät vom Ball trennt.

Darmstadt geht mit einem Erfolgserlebnis in das Pokalspiel

HB: Darmstadt konnte zuletzt in der Liga nur bedingt überzeugen. In den letzten Spielen gab es konnte nur ein Unentschieden und ein Sieg geholt werden. Kommt das Pokalspiel gegen einen Erstligisten zur Unzeit oder ist es für euch die perfekte Gelegenheit für einen kleinen „Neustart“?

Matthias: Die Hoffnung besteht, dass das 2:0 gegen Fürth oder sogar schon das 1:1 zuvor in Regensburg eine Art Neustart war. Insofern ist die Stimmung jetzt deutlich entspannter als in der Länderspielpause mit zuvor vier Niederlagen infolge. Der DFB-Pokal ist ein Bonus, der uns früher nicht selten ganz, ganz wichtige Einnahmen generierte. Und auch jetzt sind mit dem anstehenden Stadionumbau zusätzliche Geldquellen gerne gesehen. Hinzu kommt: Gegen die Hertha zählen die Lilien als Underdog. Eine Rolle, die einem Team von Dirk Schuster immer behagt. Dazu noch vor eigenem Publikum.

HB: Dirk Schuster lässt Darmstadt fast ausschließlich im 4-2-3-1 spielen. Kann und wird er Hertha-Trainer Pal Dardai mit einer anderen Taktik überraschen?

Matthias: Nein, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Eventuell könnten die Außen gegen die Hertha etwas tiefer stehen, was auch mit personellen Änderungen einhergehen könnte. Aber wenn es mal so läuft wie gegen Fürth, dann ändert ein Dirk Schuster sein Team in der Regel nicht, sofern es nicht verletzungsbedingt sein muss.

Konnte sich nicht in Berlin, aber dafür in Damrstadt durchsetzen: Fabian Holland. Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

HB: Auf welche Darmstädter Spieler muss Hertha besonders Acht geben?
Matthias: Herausragend ist ganz sicher unser Keeper Daniel Heuer Fernandes. Er war letzte Saison der notenbeste Torhüter der 2. Liga und wird auch gegen die Hertha Gelegenheiten bekommen, sich auszuzeichnen. Technisch ragen der junge Marvin Mehlem und der bereits thematisierte Tobi Kempe heraus, aber das dürfte womöglich gegen die Hertha nicht allzu sehr zum Tragen kommen. Mit Serdar Dursun verfügen wir zudem über einen Stoßstürmer, der zumindest in der 2. Liga sehr viele Zweikämpfe führt, Bälle fest macht und auch wieder an den Mann bringt.

Last but not least dürfen Hertha-Fans auf Fabi Holland achten. Er kam vor vier Jahren aus Berlin und hat sich als Linksverteidiger bei uns seither unter allen Trainern festgebissen. Er ist ein nicht sonderlich spektakulärer, aber absolut solider Spieler mit einer tadellosen Einstellung.


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