Die Länderspielpause gibt uns nach dem zuletzt eher negativen Lauf Herthas (kein Sieg aus den letzten fünf Ligaspielen) ein wenig Zeit zum Verschnaufen. Nach elf Spieltagen, also nach rund einem Drittel der Saison, wollen wir deshalb einen Blick in die Statistiken werfen und ein kleines zahlenbasiertes Zwischenfazit ziehen, sowie einige interessante Beobachtungen notieren.

Ganz allgemein lässt sich festhalten, dass Hertha BSC bislang vier Siege, vier Unentschieden und drei Niederlagen gesammelt und damit aktuell auf dem achten Tabellenplatz steht. Gleichzeitig nähern sich die Berliner mit dieser fast ausgeglichenen Bilanz auch (wie bereits in der Vorsaison) der grauen Mittelklassigkeit.

Die Defensive: überraschend schlecht – Jarstein gewohnt stark

Erneut der gewohnt starke Rückhalt für die Abwehr: Rune Jartsein (Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Ein Grund hierfür liegt in der überraschend schlechten Defensive. Die Mannschaft von Pal Dardai lässt bislang im Schnitt 17,4 Schüsse pro Spiel zu – das ist der höchste Wert aller Bundesligisten. Auch bei den zugelassenen Steil- bzw. Steckpässen liegt Hertha ganz vorne: im Durchschnitt lässt Hertha zwei solcher Pässe und damit Großchancen zu. Ebenso darf der Gegner durchschnittlich 20 Flanken pro Spiel schlagen (zweithöchster Wert). Mit lediglich 14,8 erfolgreichen Tacklings pro Spiel liegt Hertha auch nur auf Platz 15. Dies führte zu bislang 17 Gegentoren.

Diese Zahlen stützen die Beobachtung von Pal Dardai, der nach der Niederlage in Düsseldorf darüber sinnierte, zukünftig vermehrt die Defensive trainieren zu lassen. Dafür, dass es nicht noch mehr Gegentore sind, dürfen sich die Berliner bei Torwart Rune Jarstein bedanken. Der Schlussmann liegt mit 26 gehaltenen Schüssen auf Platz sechs aller Bundesligatorhüter.

Die Offensive: effizient wie immer

In der Offensive grüßt derweil das Murmeltier. Nach elf Spieltagen verzeichnet Hertha BSC mit nur 10,5 Torschüssen den schlechtesten Wert aller Bundesligisten. Auch bei den geschlagenen Flanken (14 pro Spiel) verbuchen die Berliner den zweitschlechtesten Wert. Mit 16 erzielten Toren liegen die Herthaner jedoch im Mittelfeld der Liga (Platz 10). Diese überdurchschnittlich effiziente Torausbeute und das konsequente Zu-Ende-Spielen der Angriffe (nur 28% aller Schüsse werden außerhalb des Strafraums abgegeben) bleiben also auch in dieser Saison das Markenzeichen der Mannschaft von Pal Dardai.

Ebenso gut sieht es bei den Kontertoren (bislang drei – zweitbester Wert) und den Dribblings pro Spiel aus (im Schnitt 7,5 – sechstbester Wert in der Liga). Im Schnitt werden die Herthaner in der Offensive pro Spiel zwölf mal unfair gestoppt und damit am vierthäufigsten in der Liga gefoult.

Dürfte über die Laufleistung der Berliner nicht erfreut sein: Cheftrainer Pal Dardai Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Die gesamte Mannschaft muss mehr ins Laufen kommen!

Besonders erschreckend ist bislang die Laufleistung der Berliner. Mit bislang insgesamt 1247,2 Kilometer hat Hertha BSC die schlechteste Laufbilanz aller Bundesligisten. Im Schnitt läuft das ganze Team nur 113,38 Kilometer pro Spiel. Nur drei Spieler – Maier 11,82 km, Duda 11,30 km und Lazaro 10,66 km, kommen auf eine durchschnittliche Laufleistung von über 10km pro Spiel. Zum Vergleich: beim Tabellenführer Dortmund sind es neun Spieler,  die mehr als zehn Kilometer pro Spiel abreißen. Dies dürfte Trainer Pal Dardai sicherlich nicht gefallen – hier muss Konditionstrainer Henrik Kuchno nachlegen.

Hertha BSC geht härter zur Sache

In der gesamten Saison 2017/18 lag Hertha BSC bei den Strafen mit 49 Gelben und drei Platzverweisen eher im unteren Drittel aller Bundesligateams. In dieser Saison haben die Berliner bereits 23 Gelbe Karten und einen Platzverweis gesammelt. Sie sind damit das Team mit den drittmeisten Strafen. Sammelt das Team auch zukünftig so fleißig Karten, dann wird Dardai seine Startelf nicht nur aufgrund der vielen Verletzungen, sondern auch wegen Gelb- und Rotsperren umbauen müssen.

Dreh- und Angelpunkt Arne Maier 

Arne Meier mit einer bislang bärenstarken Saison (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Wenn man sich die Einzelleistungen der Spieler genauer anschaut, ist besonders Youngster Arne Maier hervorzuheben. Mit 51,3 Pässen spielt Maier die meisten Pässe aller Herthaner pro Spiel und bringt dabei gute 87,6% erfolgreich an den Mann. Das Talent übertrifft derzeit alle Erwartungen und spielt bislang eine sehr gute Saison. Die besten Passquoten aller Herthaner haben mit 89% Vladimir Darida, gefolgt von Derrick Luckassen (88,7%) und eben Maier (87,6%).

Die meisten Ballaktionen haben Valentino Lazaro (709) und Maier (691), danach folgen mit großem Abstand Duda (550) und Stark (512). Hier wird deutlich, welche Spieler besonders wichtig für den Spielaufbau von Hertha BSC sind.

Umso schwerer wiegt das Hinrundenaus von Niklas Stark. Auch weil der Abwehrmann mit 6,6 klärenden Aktionen pro Spiel für defensive Stabilität sorgte und damit an seine guten Leistungen aus der Vorsaison anknüpfte. Erst mit großem Abstand folgen in dieser Kategorie Lustenberger (4,1), Mittelstädt (3,5) und Rekik (3,1).

Lazaro und Kalou sorgen für die Dynamik

Auch Valentino Lazaro spielt bislang eine sehr starke Saison. Der Österreicher ist mit seiner Dynamik für das Berliner Offensivspiel besonders wichtig. Lazaro lief bislang die meisten Sprints (267) im Berliner Team und bringt so die nötige Schnelligkeit ins Spiel. Mit Abstand folgen Dilrosun mit 220, Kalou mit 208 und Maier mit 201 Sprints. Bei den Dribblings liegt Salomon Kalou mit durchschnittlich 1,4 erfolgreichen Versuchen vorne, gefolgt von Marko Grujic (1,3) und Lazaro (1,1).

Lazaro bereitet ebenfalls die meisten Schüsse pro Spiel (2,4) vor. Sein Konterpart auf der linken Seite, Marvin Plattenhardt, legt die zweitmeisten Schüsse auf (1,9), gefolgt von Javairo Dilrosun (1,2). Das niederländische Talent, das aktuell erstmals in die Nationalmannschaft berufen wurde, ist übrigens der am meisten gefoulte Spieler (1,7mal pro Spiel) bei Hertha BSC. Danach folgen Fabian Lustenberger, Vladimir Darida und Ondrej Duda mit je 1,5.

 

Valentino Lazaro ist mit seiner Dynamik enorm wichtig für Hertha BSC (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Zweikampfmaschine und Torjäger Duda

Überraschenderweise entpuppt sich Ondrej Duda als Zweikampfmaschine. Mit bislang 26 begangenen Fouls am Gegner verzeichnet er aktuell den höchsten Wert in der Bundesliga. Der offensive Mittelfeldspieler foult nicht nur, sondern ist mit bislang insgesamt 107 gewonnenen Zweikämpfen Spitzenreiter der Berliner. Duda ist mit sechs Treffern auch derzeit Herthas Torjäger Nr. 1 – eine Leistung, die ihm vor der Saison nur wenige zugetraut haben.

Zwischenfazit nach einem Drittel der Saison

Hertha BSC zeigt in der aktuellen Spielzeit besonders in der Defensive ungewohnte Schwächen. Die Abwehr lässt einfach zu viel zu. Eine Erklärung hierfür könnte jedoch der Umstand sein, dass Pal Dardai (zu) oft verletzungsbedingt seine Abwehr umbauen musste. Mit den erneut langen Verletzungspausen von Stark und Rekik, sowie den immer wieder kehrenden kleineren Verletzungen bei Jordan Torunarigha wird sich diese Situation auf absehbare Zeit nicht verbessern.

Mit der Rückkehr von Marko Grujic wird aber wieder mehr Stabilität ins Berliner Spiel kommen, was wiederum die Abwehr entlasten kann. Behält die Mannschaft gleichzeitig ihre gewohnt hohe Effizienz vor dem Tor, könnte demnächst auch wieder an die Erfolge vom Saisonbeginn angeknüpft werden.


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