Hertha BSC

Hertha BSC – TSG 1899 Hoffenheim: Mit Frust zurück aus der Länderspielpause

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Bei Hertha überschlagen sich seit Wochen die Ereignisse. Erst der Zoff zwischen der Chefetage und der aktiven Fanszene, nun Berichte über einen Zwist zwischen Preetz und der Mannschaft. Als wäre das nicht Störfeuer genug, kommt auch noch erschwerend hinzu, dass Hertha seit dem Sieg gegen München Anfang Oktober kein Ligaspiel mehr gewinnen konnte und nun auch noch vom Verletzungspech verfolgt wird. Nach dem famosen Saisonstart ist die Situation derzeit eher ernüchternd. Der Ausblick auf den nächsten Gegner macht die Sache nicht unbedingt besser.

Vor dem Spiel gegen Hoffenheim haben wir mit dem Blogger und TSG-Experten Julian gesprochen und ihn zur Situation rund um seinen Verein befragt.

Hoffenheim mit dem Glück des Tüchtigen

Die TSG Hoffenheim hat derzeit gut Lachen. (Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Die TSG Hoffenheim zählt laut Formtabelle zu den Mannschaften der Stunde. Nach holprigem Start konnte sich Hoffenheim inzwischen wieder fangen und fuhr aus den letzten vier Partien zehn Punkte ein. TSG-Experte Julian begründet das vor allem mit dem Faktor Glück. So spiele die TSG derzeit eher schwächeren Fußball als zu Saisonbeginn, habe aber das Glück ihrer Seite. Exemplarisch sagt er dazu: “Dortmund hatte im September in Hoffenheim bis zur 60. Minute keinen Torschuss, hat aber einen Punkt mitgenommen. Augsburg hatte im November mehr als zwanzig, aber verloren.“ So steht nun nach 11 Spieltagen ein überzeugender 6. Platz zu Buche. Auch das Abschneiden in der Champions League stimmt Julian positiv: “In der Champions League bewegt sich die TSG auf Augenhöhe mit Olympique Lyonnais, hat bisher nur gegen City knapp verloren, kann mit einem Heimsieg gegen Donezk in Europa überwintern und mit etwas Glück und Können Mitte Dezember in Manchester vielleicht noch mehr.“ So bleibt als einziger Schönheitsfehler das frühe Ausscheiden in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Auch das ist angesichts des Gegners aus Leipzig aber sehr wohl erklärbar.

Die TSG und die etwas andere Trainersituation

Stichwort Leipzig: Dass die TSG bisher im Soll ist, dürfte vor allem Julian Nagelsmann freuen. Im Misserfolg ist der Trainer naturgemäß immer der Erste, der ins Kreuzfeuer gerät. Im Fall von Nagelsmann ist die Situation jedoch nochmal zunehmend brisanter. In der Sommerpause wurde bekannt, dass er zur neuen Saison die TSG gen Leipzig verlassen wird. Ein schlechtes Abschneiden in der Liga könnte schnell zum Bumerang werden und unangenehme Fragen nach sich ziehen. Das weiß auch Julian: “Ich habe aber auch schon Verbitterte vor dem Stadion gehört. Da hieß es dann, die Aufstellung habe gezeigt, dass er gar nicht gewinnen wolle, man müsse Nagelsmann daher sofort entlassen. Oder, nach dem Spiel gegen Lyon: »Nächstes Mal gehen wir wieder zum SV Waldhof, der gewinnt wenigstens«. So lange er wie jetzt vier Siege in Folge holt, ist es aber gut, schätze ich.“ Der Fußball ist eben doch ein einfaches Geschäft.

Für eine weitere Einstimmung auf das kommende Spiel, könnt ihr auch gern bei meinsportpodcast reinhören, wo unser Redakteur Chris in dieser Woche zu Gast war.

Der Fluch der guten Tat

Mit Uth und Gnabry musste man auch in diesem Sommer wieder zwei Hochkaräter ersetzen. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Hoffenheim wurde auch in diesem Sommer wieder die eigene gute Saison zum Verhängnis. Nachdem man in der Vorsaison binnen 6 Monaten mit einem Schwung drei der wichtigsten Spieler (Rudy, Süle, Wagner), an den Branchenprimus aus München verlor, waren es in diesem Sommer wieder zwei Hochkaräter, die Hoffenheim den Rücken kehrten. Sowohl im Falle von Gnabry, dessen Abgang wegen der Leihe von Vornherein klar war als auch bei Mark Uth, dessen Vertrag zum Saisonende auslief, waren der TSG die Hände gebunden. Insbesondere die Qualitäten von Gnabry hebt unser Experte heraus: “Serge Gnabry ist ein Fußballspieler mit genialen Momenten, in denen er mit wenigen Bewegungen eine Abwehr auseinanderziehen oder gleich selbst überwinden kann. […] Seine Momente haben in der Rückrunde das Hoffenheimer Spiel ganz wesentlich geprägt.“ Dennoch verweist Julian darauf, dass sowohl Uth als auch Gnabry ersetzt werden konnten.
So sei der Abgang von Gnabry vor allem dadurch aufgefangen worden, dass man nun insgesamt variantenreicher spielt und sich nicht mehr auf Gnabry als “unberechenbares“ Element verlässt. Hinzu kommt, dass man in Reiss Nelson einen hochtalentierten Spieler zu sich geholt hat, der in vielerlei Hinsicht an Gnabry erinnert. Spieler wie Bittencourt und Grifo haben zudem auch immer das Potenzial, für besondere Momente zu sorgen, auch wenn sie laut Julian noch nicht die Leistungen zeigen würden, die man erwarten könnte.
Auch bei Mark Uth wurde der Abgang sowohl intern als auch extern aufgefangen. So darf sich Adam Szalai in dieser Saison öfter beweisen. Während er in der Vorsaison in erster Linie von der Bank kam, stand er in diesem Jahr bei sieben Ligapartien in der Startelf und kommt auf starke 5 Torbeteiligungen in 9 Spielen. Auch die Bilanz des Neuzugangs Belfodil kann sich mit 4 Scorerpunkten aus 7 Partien sehen lassen.

Das Herthaner Lazarett bekommt Zuwachs

Während es bei Hoffenheim derzeit also wenig Grund zur Besorgnis gibt, stellt sich die Lage an der Spree gänzlich anders dar. So sorgt abgesehen von all den Störfeuern neben dem Platz vor allem die Verletzensituation für gedrückte Stimmung. Mit Karim Rekik und Niklas Stark fallen gleich zwei Stammkräfte aus der Innenverteidigung aus. Letzterer wird in diesem Jahr kein Spiel mehr bestreiten. Dassselbe gilt für Javairo Dilrosun, der sich in seinem Länderspieldebebüt gegen Deutschland veletzte. So wird es gegen die TSG aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Duo Luckassen-Lustenberger ankommen, da auch Jordan Torunarigha noch nicht bei 100 Prozent ist.
Trotz all dieser Hiobsbotschaften gibt es auch eine Nachricht, die Hertha Mut machen kann. Marko Grujic dürfte am Samstag erstmals nach seiner Verletzung aus dem Spiel gegen Gladbach wieder im Kader stehen. Die Hoffnung ist groß, dass mit ihm auch die Dominanz und der Spielwitz aus dem Mittelfeld zurückkehrt, den man ohne ihn seit Wochen vermisst.


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Bei Hertha überschlagen sich seit Wochen die Ereignisse. Erst der Zoff zwischen der Chefetage und der aktiven Fanszene, nun Berichte über einen Zwist zwischen Preetz und der Mannschaft. Als wäre das nicht Störfeuer genug, kommt auch noch erschwerend hinzu, dass Hertha seit dem Sieg gegen München Anfang Oktober kein Ligaspiel mehr gewinnen konnte und nun auch noch vom Verletzungspech verfolgt wird. Nach dem famosen Saisonstart ist die Situation derzeit eher ernüchternd. Der Ausblick auf den nächsten Gegner macht die Sache nicht unbedingt besser.

Vor dem Spiel gegen Hoffenheim haben wir mit dem Blogger und TSG-Experten Julian gesprochen und ihn zur Situation rund um seinen Verein befragt.

Hoffenheim mit dem Glück des Tüchtigen

Die TSG Hoffenheim hat derzeit gut Lachen. (Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Die TSG Hoffenheim zählt laut Formtabelle zu den Mannschaften der Stunde. Nach holprigem Start konnte sich Hoffenheim inzwischen wieder fangen und fuhr aus den letzten vier Partien zehn Punkte ein. TSG-Experte Julian begründet das vor allem mit dem Faktor Glück. So spiele die TSG derzeit eher schwächeren Fußball als zu Saisonbeginn, habe aber das Glück ihrer Seite. Exemplarisch sagt er dazu: “Dortmund hatte im September in Hoffenheim bis zur 60. Minute keinen Torschuss, hat aber einen Punkt mitgenommen. Augsburg hatte im November mehr als zwanzig, aber verloren.“ So steht nun nach 11 Spieltagen ein überzeugender 6. Platz zu Buche. Auch das Abschneiden in der Champions League stimmt Julian positiv: “In der Champions League bewegt sich die TSG auf Augenhöhe mit Olympique Lyonnais, hat bisher nur gegen City knapp verloren, kann mit einem Heimsieg gegen Donezk in Europa überwintern und mit etwas Glück und Können Mitte Dezember in Manchester vielleicht noch mehr.“ So bleibt als einziger Schönheitsfehler das frühe Ausscheiden in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Auch das ist angesichts des Gegners aus Leipzig aber sehr wohl erklärbar.

Die TSG und die etwas andere Trainersituation

Stichwort Leipzig: Dass die TSG bisher im Soll ist, dürfte vor allem Julian Nagelsmann freuen. Im Misserfolg ist der Trainer naturgemäß immer der Erste, der ins Kreuzfeuer gerät. Im Fall von Nagelsmann ist die Situation jedoch nochmal zunehmend brisanter. In der Sommerpause wurde bekannt, dass er zur neuen Saison die TSG gen Leipzig verlassen wird. Ein schlechtes Abschneiden in der Liga könnte schnell zum Bumerang werden und unangenehme Fragen nach sich ziehen. Das weiß auch Julian: “Ich habe aber auch schon Verbitterte vor dem Stadion gehört. Da hieß es dann, die Aufstellung habe gezeigt, dass er gar nicht gewinnen wolle, man müsse Nagelsmann daher sofort entlassen. Oder, nach dem Spiel gegen Lyon: »Nächstes Mal gehen wir wieder zum SV Waldhof, der gewinnt wenigstens«. So lange er wie jetzt vier Siege in Folge holt, ist es aber gut, schätze ich.“ Der Fußball ist eben doch ein einfaches Geschäft.

Für eine weitere Einstimmung auf das kommende Spiel, könnt ihr auch gern bei meinsportpodcast reinhören, wo unser Redakteur Chris in dieser Woche zu Gast war.

Der Fluch der guten Tat

Mit Uth und Gnabry musste man auch in diesem Sommer wieder zwei Hochkaräter ersetzen. (Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Hoffenheim wurde auch in diesem Sommer wieder die eigene gute Saison zum Verhängnis. Nachdem man in der Vorsaison binnen 6 Monaten mit einem Schwung drei der wichtigsten Spieler (Rudy, Süle, Wagner), an den Branchenprimus aus München verlor, waren es in diesem Sommer wieder zwei Hochkaräter, die Hoffenheim den Rücken kehrten. Sowohl im Falle von Gnabry, dessen Abgang wegen der Leihe von Vornherein klar war als auch bei Mark Uth, dessen Vertrag zum Saisonende auslief, waren der TSG die Hände gebunden. Insbesondere die Qualitäten von Gnabry hebt unser Experte heraus: “Serge Gnabry ist ein Fußballspieler mit genialen Momenten, in denen er mit wenigen Bewegungen eine Abwehr auseinanderziehen oder gleich selbst überwinden kann. […] Seine Momente haben in der Rückrunde das Hoffenheimer Spiel ganz wesentlich geprägt.“ Dennoch verweist Julian darauf, dass sowohl Uth als auch Gnabry ersetzt werden konnten.
So sei der Abgang von Gnabry vor allem dadurch aufgefangen worden, dass man nun insgesamt variantenreicher spielt und sich nicht mehr auf Gnabry als “unberechenbares“ Element verlässt. Hinzu kommt, dass man in Reiss Nelson einen hochtalentierten Spieler zu sich geholt hat, der in vielerlei Hinsicht an Gnabry erinnert. Spieler wie Bittencourt und Grifo haben zudem auch immer das Potenzial, für besondere Momente zu sorgen, auch wenn sie laut Julian noch nicht die Leistungen zeigen würden, die man erwarten könnte.
Auch bei Mark Uth wurde der Abgang sowohl intern als auch extern aufgefangen. So darf sich Adam Szalai in dieser Saison öfter beweisen. Während er in der Vorsaison in erster Linie von der Bank kam, stand er in diesem Jahr bei sieben Ligapartien in der Startelf und kommt auf starke 5 Torbeteiligungen in 9 Spielen. Auch die Bilanz des Neuzugangs Belfodil kann sich mit 4 Scorerpunkten aus 7 Partien sehen lassen.

Das Herthaner Lazarett bekommt Zuwachs

Während es bei Hoffenheim derzeit also wenig Grund zur Besorgnis gibt, stellt sich die Lage an der Spree gänzlich anders dar. So sorgt abgesehen von all den Störfeuern neben dem Platz vor allem die Verletzensituation für gedrückte Stimmung. Mit Karim Rekik und Niklas Stark fallen gleich zwei Stammkräfte aus der Innenverteidigung aus. Letzterer wird in diesem Jahr kein Spiel mehr bestreiten. Dassselbe gilt für Javairo Dilrosun, der sich in seinem Länderspieldebebüt gegen Deutschland veletzte. So wird es gegen die TSG aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Duo Luckassen-Lustenberger ankommen, da auch Jordan Torunarigha noch nicht bei 100 Prozent ist.
Trotz all dieser Hiobsbotschaften gibt es auch eine Nachricht, die Hertha Mut machen kann. Marko Grujic dürfte am Samstag erstmals nach seiner Verletzung aus dem Spiel gegen Gladbach wieder im Kader stehen. Die Hoffnung ist groß, dass mit ihm auch die Dominanz und der Spielwitz aus dem Mittelfeld zurückkehrt, den man ohne ihn seit Wochen vermisst.


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