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Hannover 96 – Hertha BSC: Das Momentum nutzen

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So schnell kann sich die Stimmung drehen. Hätte man das Spiel gegen Hoffenheim am vergangenen Samstagnachmittag gegen Hoffenheim nach 55 Minuten abgepfiffen, wäre die Gemütslage in der Hauptstadt noch schlechter als sie es vor dem Anpfiff ohnehin schon war. Doch dank der hervorragenden Moral des Teams fühlt sich das 3:3 nun beinahe wie ein Sieg an, der allen Grund zur Zuversicht im Hinblick auf die kommenden Wochen gibt. Die nüchterne Wahrheit lautet aber dennoch, dass Hertha seit dem 2:0-Sieg über den FC Bayern München kein einziges Spiel mehr gewinnen konnte. Deswegen stehen die Berliner weiterhin unter Druck, endlich wieder dreifach zu punkten. Gerade in Anbetracht des nächsten Gegners sollte dieser langersehnte Sieg möglichst diesen Samstag erfolgen.

Im Vorfeld des Spiels von Hertha bei Hannover 96 haben wir uns wieder einen Experten dazugeholt. Buchautor und Blogger Tobias Groebner (@Buje78) stand uns für die Situation rund um seinen Verein Rede und Antwort.

Hannover setzt den Negativtrend fort

Symbolbild nach Hannovers Niederlage gegen Borussia Möchengladbach (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Dass Hertha am Samstag unter Druck steht, liegt nicht nur an der eigenen Erwartungshaltung, sondern auch an der Verfassung des Gegners. Mit Hannover 96 trifft man auf ein Team in akuter Abstiegsgefahr. Das Erschreckende daran ist, dass die Situation keineswegs unerwartet kam.
Wie unser Experte Tobias klarstellt, konnte man diesen Trend bereits in der vergangenen Rückrunde feststellen: “Schon die letzte Rückrunde war alles andere als berauschend. Auch da hatte man, wenn man ehrlich ist, die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Das setzt sich in dieser Runde einfach nur fort. Auch wenn immer wieder Spiele dazwischen sind, die anderes vermuten lassen, ist 96 einfach sportlich nicht besser.“

Dass die Niedersachsen sportlich so schlecht dastehen, kann unter anderem mit der schwachen Transferphase begründet werden. So verließen in Martin Harnik, Salif Sane und Felix Klaus drei sehr wichtige Stützen den Verein. Keiner der Genannten konnte auch nur ansatzweise ersetzt werden. So lautet Tobias’ eindeutige Bewertung: “Bis auf Muslija und Weydandt sehe ich keinen Neuzugang, der nachhaltig Verbesserung bedeuten würde. Das ist sicher ein vernichtendes Urteil, aber Preis und Leistung stehen einfach nicht im Einklang.“ Diese Aussage lässt sich auch wunderbar am Beispiel von Genki Haraguchi belegen, den man im Sommer für beinahe astronomische 4,5 Millionen aus der Hauptstadt holte und als Gegenleistung bislang eine Torvorlage bekam.

Hinten drückt der Schuh

Das Hauptproblem sieht Buch-Autor Tobias aber nicht in der Offensive, sondern vor allem im defensiven Bereich. Mit 28 Gegentoren hat sich lediglich der 1. FC Nürnberg mehr Treffer gefangen. Unser 96-Experte sagt dazu: “Die Defensive ist derzeit sicher der größte Schwachpunkt. Die Gegentore, die Hannover bekommt, sind viel zu einfach. Es herrscht keine Stabilität im Spiel gegen den Ball und in der Rückwärtsbewegung. Wenn du in jedem Spiel Tore schluckst, fällt das Siegen ungleich schwerer.“

Unruhen auch neben dem Platz

Ein Bild, das keiner weiteren Erklärung bedarf. (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Und als wäre die sportlich schwierige Lage nicht schon besorgniserregend genug, hat man auch außerhalb des grünen Rasens allerhand Nebenkriegschauplätze. Der seit Jahren währende Streit zwischen Präsident Martin Kind und großen Teilen der Fans erreicht dieser Tage seinen Höhe- bzw Tiefpunkt. “[Martin Kind] versucht mit aller Gewalt, die komplette Macht über die Profispielbetriebsgesellschaft zu erlangen. Im Sommer hat die DFL seinen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1 abgelehnt. Deswegen hat er durch eine Änderung des Gesellschaftervertrags den Verein kaltgestellt. Damit verstößt er offensichtlich gegen die geltende 50+1-Regel und riskiert damit die Lizenz von Hannover 96.“, so Tobias. Infolgedessen wurde nun durch die Mitglieder eine “außerordentliche Mitgliederversammlung“ mit dem Ziel, den aktuellen Aufsichtsrat abzuwählen, einberufen. Man sieht also, dass auch andere Vereine ihr Päckchen zu tragen haben.

Lichtblicke aus dem Lazarett

All diese Aspekte machen Hertha am Samstagnachmittag zum Favoriten, der Hannovers Abwärtstrend nutzen muss. Wäre da nicht das Verletzungspech, das die “Alte Dame“ dieser Tage plagt. Doch auch in der Hinsicht sind gute Nachrichten zu vermelden. Wie Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz vor dem Spiel verlautbaren ließ, wird Jordan Torunarigha gegen Hannover in der Startelf stehen und aller Voraussicht nach zusammen mit Fabian Lustenberger die Innenverteidigung bilden. Auch der gegen Hoffenheim herausragende Leckie steht dem Ungarn zur Verfügung, nachdem er am Dienstag das Training wegen eines Magen Darm-Infekts ausfallen lassen musste. Zudem legte sich Dardai fest, dass WM-Fahrer Plattenhardt und nicht der von seiner Sperre zurückkehrende Mittelstädt von Beginn an ran dürfe. Während sich das Mittelfeld, auch aufgrund der Verletzung von Darida quasi von selbst aufstellt, bleibt noch die Frage zu klären, wer von Beginn an stürmen soll. Hier sagte Dardai, dass ein Doppelsturm mit Ibisevic und Selke eine Option wäre. Man darf in jedem Fall gespannt sein.


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So schnell kann sich die Stimmung drehen. Hätte man das Spiel gegen Hoffenheim am vergangenen Samstagnachmittag gegen Hoffenheim nach 55 Minuten abgepfiffen, wäre die Gemütslage in der Hauptstadt noch schlechter als sie es vor dem Anpfiff ohnehin schon war. Doch dank der hervorragenden Moral des Teams fühlt sich das 3:3 nun beinahe wie ein Sieg an, der allen Grund zur Zuversicht im Hinblick auf die kommenden Wochen gibt. Die nüchterne Wahrheit lautet aber dennoch, dass Hertha seit dem 2:0-Sieg über den FC Bayern München kein einziges Spiel mehr gewinnen konnte. Deswegen stehen die Berliner weiterhin unter Druck, endlich wieder dreifach zu punkten. Gerade in Anbetracht des nächsten Gegners sollte dieser langersehnte Sieg möglichst diesen Samstag erfolgen.

Im Vorfeld des Spiels von Hertha bei Hannover 96 haben wir uns wieder einen Experten dazugeholt. Buchautor und Blogger Tobias Groebner (@Buje78) stand uns für die Situation rund um seinen Verein Rede und Antwort.

Hannover setzt den Negativtrend fort

Symbolbild nach Hannovers Niederlage gegen Borussia Möchengladbach (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Dass Hertha am Samstag unter Druck steht, liegt nicht nur an der eigenen Erwartungshaltung, sondern auch an der Verfassung des Gegners. Mit Hannover 96 trifft man auf ein Team in akuter Abstiegsgefahr. Das Erschreckende daran ist, dass die Situation keineswegs unerwartet kam.
Wie unser Experte Tobias klarstellt, konnte man diesen Trend bereits in der vergangenen Rückrunde feststellen: “Schon die letzte Rückrunde war alles andere als berauschend. Auch da hatte man, wenn man ehrlich ist, die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Das setzt sich in dieser Runde einfach nur fort. Auch wenn immer wieder Spiele dazwischen sind, die anderes vermuten lassen, ist 96 einfach sportlich nicht besser.“

Dass die Niedersachsen sportlich so schlecht dastehen, kann unter anderem mit der schwachen Transferphase begründet werden. So verließen in Martin Harnik, Salif Sane und Felix Klaus drei sehr wichtige Stützen den Verein. Keiner der Genannten konnte auch nur ansatzweise ersetzt werden. So lautet Tobias’ eindeutige Bewertung: “Bis auf Muslija und Weydandt sehe ich keinen Neuzugang, der nachhaltig Verbesserung bedeuten würde. Das ist sicher ein vernichtendes Urteil, aber Preis und Leistung stehen einfach nicht im Einklang.“ Diese Aussage lässt sich auch wunderbar am Beispiel von Genki Haraguchi belegen, den man im Sommer für beinahe astronomische 4,5 Millionen aus der Hauptstadt holte und als Gegenleistung bislang eine Torvorlage bekam.

Hinten drückt der Schuh

Das Hauptproblem sieht Buch-Autor Tobias aber nicht in der Offensive, sondern vor allem im defensiven Bereich. Mit 28 Gegentoren hat sich lediglich der 1. FC Nürnberg mehr Treffer gefangen. Unser 96-Experte sagt dazu: “Die Defensive ist derzeit sicher der größte Schwachpunkt. Die Gegentore, die Hannover bekommt, sind viel zu einfach. Es herrscht keine Stabilität im Spiel gegen den Ball und in der Rückwärtsbewegung. Wenn du in jedem Spiel Tore schluckst, fällt das Siegen ungleich schwerer.“

Unruhen auch neben dem Platz

Ein Bild, das keiner weiteren Erklärung bedarf. (Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Und als wäre die sportlich schwierige Lage nicht schon besorgniserregend genug, hat man auch außerhalb des grünen Rasens allerhand Nebenkriegschauplätze. Der seit Jahren währende Streit zwischen Präsident Martin Kind und großen Teilen der Fans erreicht dieser Tage seinen Höhe- bzw Tiefpunkt. “[Martin Kind] versucht mit aller Gewalt, die komplette Macht über die Profispielbetriebsgesellschaft zu erlangen. Im Sommer hat die DFL seinen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1 abgelehnt. Deswegen hat er durch eine Änderung des Gesellschaftervertrags den Verein kaltgestellt. Damit verstößt er offensichtlich gegen die geltende 50+1-Regel und riskiert damit die Lizenz von Hannover 96.“, so Tobias. Infolgedessen wurde nun durch die Mitglieder eine “außerordentliche Mitgliederversammlung“ mit dem Ziel, den aktuellen Aufsichtsrat abzuwählen, einberufen. Man sieht also, dass auch andere Vereine ihr Päckchen zu tragen haben.

Lichtblicke aus dem Lazarett

All diese Aspekte machen Hertha am Samstagnachmittag zum Favoriten, der Hannovers Abwärtstrend nutzen muss. Wäre da nicht das Verletzungspech, das die “Alte Dame“ dieser Tage plagt. Doch auch in der Hinsicht sind gute Nachrichten zu vermelden. Wie Trainer Pal Dardai auf der Pressekonferenz vor dem Spiel verlautbaren ließ, wird Jordan Torunarigha gegen Hannover in der Startelf stehen und aller Voraussicht nach zusammen mit Fabian Lustenberger die Innenverteidigung bilden. Auch der gegen Hoffenheim herausragende Leckie steht dem Ungarn zur Verfügung, nachdem er am Dienstag das Training wegen eines Magen Darm-Infekts ausfallen lassen musste. Zudem legte sich Dardai fest, dass WM-Fahrer Plattenhardt und nicht der von seiner Sperre zurückkehrende Mittelstädt von Beginn an ran dürfe. Während sich das Mittelfeld, auch aufgrund der Verletzung von Darida quasi von selbst aufstellt, bleibt noch die Frage zu klären, wer von Beginn an stürmen soll. Hier sagte Dardai, dass ein Doppelsturm mit Ibisevic und Selke eine Option wäre. Man darf in jedem Fall gespannt sein.


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