Die Sieglosserie hat endlich ein Ende. Nach sechs Ligaspielen ohne Dreier konnte Hertha gegen Hannover nun wieder ein Erfolgserlebnis feiern. Dazu zeigte sich die zuletzt so anfällige Abwehr stabil und konnte die Null halten. Zwar war der Sieg durchaus überzeugend, Kritiker könnten aber berechtigterweise anmerken, dass mit Hannover nicht gerade ein Gegner auf Augenhöhe vorzufinden war. Wie nachhaltig die steigende Formkurve seit dem 3:3 gegen Hoffenheim ist, wird sich daher nun im kommenden Spiel zeigen. Mit Eintracht Frankfurt wartet am Samstagabend ein echter Gradmesser im Berliner Olympiastadion.

Als Interview-Gast haben wir dieses Mal hohe Prominenz an Land gezogen. Bastian Roth vom Eintracht Frankfurt Podcast, drei90 und Fußball 2000 hat sich die Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zu seiner SGE zu beantworten.

Die Adler fliegen hoch

Haller und Jovic beim Torjubel – ein Bild, das es am Samstag zu vermeiden gilt. (Foto: Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Schaute man sich in den letzten Wochen und Monaten die Eintracht an, konnte man teilweise nur erstaunt den Kopf schütteln. Allen Widrigkeiten und Expertenmeinungen zum Trotz eilte die Mannschaft von Adi Hütter sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League von Sieg zu Sieg. So gab es vor dem zurückliegenden Spieltag aus den vergangenen 11 Spielen zehnmal die volle Punkteausbeute. Besonders beeindruckend ist dabei die Offensivpower der SGE. Jovic und Haller kommen auf 10 bzw 9 Treffer und belegen damit die Plätze 1 und 3 der Torschützenliste. Der Vizeweltmeister Ante Rebic fällt in der Hinsicht mit seinen fünf Toren schon fast hinten runter. Doch nicht nur die Offensive zeigt sich dieser Tage in guter Verfassung. So sagt Frankfurt-Experte Sebastian Roth angesprochen darauf, was die Eintracht neben der Offensive so stark macht: “MAKOTO HASEBE! Was der momentan spielt, ist nicht normal! Er hält den Laden zusammen und erlebt seinen 4. Frühling. Er ist der Einzige, der tatsächlich niemals ausfallen darf. Hinzu kommt ein Geist innerhalb der Mannschaft, im Umfeld und in der Stadt, der echt herausragend (Grüße und Liebe an meinen Brudi Marvin) ist. Frankfurt ist halt einfach geil…“

Frankfurt trotzt dem Aderlass

Dass Frankfurt zurzeit “einfach geil“ ist, war zu Saisonbeginn in der Form keineswegs zu erwarten. Im Sommer musste man am Main einige schmerzhafte Abgänge verkraften. So verließen mit Marius Wolf, Kevin-Prince Boateng und Omar Mascarell drei absolute Leistungsträger den Verein. Hinzu kam noch der viel diskutierte Wechsel von Niko Kovac, der die Eintracht zum DFB Pokal-Sieg und damit in die Europa League führte, hin zum FC Bayern. Viele Experten sahen die SGE daher sogar als Abstiegskandidaten. Und der Saisonstart sah so aus, als würden sie Recht behalten. Einem 0:5 im Supercup gegen die Bayern folgte das Ausscheiden in der ersten Pokalrunde gegen Ulm. Der neue Trainer Adi Hütter war schon angezählt, bevor die Saison überhaupt richtig begonnen hatte. Auch der Start in der Bundesliga half dem Liganeuling Hütter nicht dabei, die Kritiker verstummen zu lassen. Nach fünf Spieltagen standen lediglich vier Zähler auf der Habenseite. Doch dann begann die angesprochene Siegesserie. Mit dem Abstand von einigen Monaten sagt Basti zum Saisonstart: “Es wurde merkwürdig schnell unruhig und der Trainer schon VOR dem ersten(!) Spieltag angezählt. Das war sehr übertrieben und es hat sich ja auch herausgestellt, dass die Angst mancher Fans unbegründet war. Es dauert halt einfach, wenn ein neuer Trainer kommt, wichtige Spieler den Verein verlassen und die Spieler sich nach dem Pokalrausch neu sammeln. Also alles easy!“

Hütter macht Kovac vergessen

Adi Hütter kam in der Sommerpause von den Young Boys Bern nach Frankfurt. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Dass man aus Frankfurter Sicht mittlerweile so entspannt auf den misslungenen Saisonstart blicken kann, hängt dabei vor allem mit dem anfangs gescholtenen Adi Hütter zusammen. Der Österreicher hat der SGE einen neuen offensiven Spielstil mit hoch stehenden Verteidigern und frühem Pressing verpasst. Zwar berge dieser Spielstil derzeit die Gefahr, dass “Lücken im zentralen Mittelfeld [entstehen]“ und dass durch die Innenverteidiger, die beim Spielaufbau sehr weit außen stehen, das Team bei Ballverlusten in Bedrängnis gebracht würde, wie Basti sagt. Gleichzeitig sagt er aber auch, dass die Offensive diese möglichen Anfälligkeiten dieser Tage überstrahlt. Auch dies ist ein Verdienst von Hütter, der sich im Gegensatz zu Vorgänger Kovac traut, “mit Haller UND Jovic zu spielen.“

Hinzu kommen einige taktische Kniffe des neuen Coaches. So führt Basti als Beispiel die Maßnahme an, Neuzugang Filip Kostic als linken Verteidiger aufzustellen, der seine Sache auf der ungewohnten Position seit Wochen hervorragend macht. All diese Faktoren sind es auch, die aus Sicht von Basti den Ausschlag geben, dass man Stand jetzt die hochdekorierten Abgänge zu kompensieren weiß.

Alles hat ein Ende

Die wochenlange Welle der Euphorie in Frankfurt erhielt nun jedoch am vergangenen Sonntag einen kleinen Dämpfer, als man gegen den VfL Wolfsburg mit 1:2 unterlag. Ein Ergebnis, das aus Berliner Sicht Hoffnung machen darf, war man doch angesichts der Wochen zuvor schon fast geneigt, zu glauben, die Eintracht würde diesen unfassbaren Lauf bis zum Saisonende fortsetzen. So sind es plötzlich wieder schmale drei Punkte, die Hertha von Frankfurt trennen. Ein Abstand, den man also mit einem Sieg am Samstag schließen könnte. Dass das eine Mammutaufgabe werden wird, wurde hiermit hinreichend dargelegt. Gerade das Unterbinden der Frankfurter Offensive zählt jener Tage nicht unbedingt zu den Lieblingsaufgaben eines Bundesligateams. Umso wichtiger ist es, dass Fabian Lustenberger und Jordan Torunarigha in Hannover Selbstvertrauen tanken konnten und besonders Letzterer in herausragender Form ist. Diese wird es auch am Samstagabend brauchen, um etwas Zählbares mitzunehmen.


2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

[…] in der Europa League von Sieg zu Sieg. Diese zwei vorangegangenen Sätze stammen tatsächlich aus unserem Vorbericht für das Hinspiel, können in diesem Fall aber Wort für Wort übernommen werden, denn an der Frankfurter […]

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