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Es muss auch ohne Grujic gehen

Nach der großen Euphoriewelle um die großartigen Auftritte von Marko Grujic herrscht nach seinem verletzungsbedingt verfrühten Hinrundenaus die große Depression in Berlin. Auch wenn seine Fähigkeiten und der Wert für die Mannschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden können, ist es nun an der Zeit, sich auch ohne den Serben zu beweisen.

Es kam einem Kollektiv-Stillstand der blau-weißen Fanherzen gleich, als die Meldung einiger Journalisten durch das Netz rauschte: Marko Grujic führte im Training einen Zweikampf mit Teamkollege Vladimir Darida (kein Foul), ging zu Boden und musste humpelnd in die Kabine gebracht werden. Am Mittwoch bestätigte Hertha BSC die Tragödie – Grujic hat sich erneut eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und wird in den letzten drei Hinrunden-Partien nicht mitwirken können. Gerade einmal drei Spiele war der Serbe überhaupt wieder da, nachdem er der Mannschaft bereits zuvor wochenlang fehlte.

Grujics Wert für die Mannschaft

Nun auch Torschütze. (Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Wie sehr der erneute Ausfall des 22-Jährigen wiegt, lässt sich bereits ein einer Statistik ablesen: In sieben Spielen mit Grujic gewann Hertha fünfmal, spielte zweimal Unentschieden und blieb somit ohne Niederlage. Das macht einen herausragenden Punkteschnitt von 2,43. Zum Vergleich: Tabellenführer Borussia Dortmund holte bislang durchschnittlich 2,57 Punkte pro Spiel. Ohne den Serben liest sich Herthas Punkteschnitt deutlich bescheidener: sieben Spiele – ein Sieg, drei Unentschieden, drei Niederlagen – 0,86 Punkte im Schnitt. “Ich will ja keinen der anderen beleidigen. Und Marcelinho war für mich auch eher ein Angreifer. Aber Grujic ist der beste Mittelfeldspieler, den ich in den vergangenen 20 Jahren bei Hertha BSC erlebt habe, auch in meiner Zeit als Spieler”, sagte Trainer Pal Dardai nach der Grujic-Gala gegen Eintracht Frankfurt.

Und auch wenn man dieses überschwängliche Lob des Ungarn nicht teilen sollte, so ist dennoch jedem bewusst, welchen Wert die Liverpool-Leihgabe für die Blau-Weißen hat. “Er macht auch für unsere Spielweise den Unterschied: Er ist präsent in der Mitte, kopfballstark, sowohl defensiv wie offensiv. Er hat einen guten Schuss, ist zweikampfstark und begeht im richtigen Moment taktische Fouls”, so Dardai über seinen Schützling. Es ist die Mischung aus Handlungsschnelligkeit, Abgeklärtheit, Spielverständnis, Kampfeswille und dem Auge für besondere Momente, die Grujic zumindest zu einem der besten Mittelfeldspieler machen, die man in den letzten Jahren in Berlin sichten konnte. Mit Grujic als Schaltzentrale im Zentrum ist das Spiel der “alten Dame” ein anderes, ein besseres.

Auch Mitspieler und theoretischer Konkurrent Fabian Lustenberger schließt sich den allgemeinen Lobeshymnen an: “Marko hat alles“, sagt der Schweizer der Berliner Morgenpost, „offensive Qualität und defensive Stabilität, Kopfballspiel und die fußballerischen Elemente. Er bringt wirklich sehr viel mit.“ Und ohne dem ewigen “Lusti” und Per Skjelbred zu nahe treten zu wollen – es ist ein deutlicher Unterschied, ob die beiden Routiniers die Spielmitte beackern, oder die Achter 2.0 Grujic und Arne Maier geschmeidig durch die Partie führen. “Mal sehen, was er zeigt, wenn er fit ist“, stellte Dardai nach dem 1:0-Heimsieg über den Frankfurtern in Aussicht. Wie nun sicher ist, wird man dies erst im kommenden Jahr erfahren können.

Wer trotz des Ausfall von Grujic unsere lobenden Worte zu ihm hören und eine generelle Einschätzung zum Sieg über Eintracht Frankfurt haben will, sollte unseren Podcast hören:

Der große Hype

Die drei verbleibenden Partien der laufenden Hinrunde werden also ohne Unterschiedsspieler Grujic ausgetragen und mit dieser Aussicht steckt recht viel Sand im Kopf (Grüße an Loddar). Der Serbe ist schließlich einer der Hauptfaktoren für den jüngsten Aufschwung gewesen. Vor seinem Comeback gegen die TSG Hoffenheim (3:3) setzte es zwei deftige Niederlagen gegen RB Leipzig (0:3) und in Düsseldorf (1:4), die Mannschaft erinnerte kaum noch an die, die nach den ersten sechs Spieltagen auf Platz drei stand.

(Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Doch mit Grujic kam Spielstärke, Freude und Erfolg zurück. Die graue Ödnis “Bundesliga” verwandelte sich in ein fruchtbares und farbenfrohes Paradies. Die Oden über den serbischen Hünen kannten kein Maß und er sollte der Auserwählte sein, der Hertha an europäischen Früchte führt. Eine viel zu blumige Beschreibung, findet ihr? Nun, die vielen Kommentare, Podcasts und Artikel der letzten Tage ließen auf nichts anderes schließen, als dass es sich bei Grujic um den fußballerischen Messias für den Hauptstadtverein handelt.

Es soll nicht falsch verstanden werden: die Euphorie ist verständlich und fußt nun einmal auf den überragenden Leistungen des Mittelfeldmotors, doch führt der Hype dazu, dass die Mannschaft um ihn herum in den Hintergrund rückt und es beinahe zu einer One-Man-Show verkommt. Die Frage, ob Grujic ein fantastischer Spieler ist, der die Mannschaft auf ein anderes Niveau hebt, stellt sich nicht. Die Frage, ob so ein Team nicht aber noch aus mehr Spielern besteht und Hertha genügend fähigen Ersatz hat, aber schon.

Die Mannschaft ist gefordert

Denn wenn man von Hertha ohne Grujic redet, dann zwar auch von einer enttäuschenden Serie von fünf Spielen ohne Sieg, aber auch von einer Mannschaft, die gegen den FC Bayern überragend 2:0 gewann und in Dortmund einen verdienten Punkt holte. Diese Spiele wurden durch andere Akteure entschieden und drei von diesen haben nun die Chance, den Ausfall von Grujic für sich zu nutzen und sein Fehlen zu kompensieren.

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai wird sein System ohne Grujic zwangsläufig umstellen müssen. Der Serbe war einer der primären Gründe dafür, dass der Berliner Trainer in den vergangenen zwei Partien mit einem Doppelsturm aus Davie Selke und Vedad Ibisevic spielen ließ. Mit Grujic, sagte Dardai nach dem Sieg in Hannover (2:0), habe er den perfekten Spieler für dieses System, da er spielerisch so viel auffängt, dass er die Rolle des Defensivspielers und Spielmachers gleichzeitig abdecken könne.

Mit dem Ausfall von Grujic wird also mit großer Wahrscheinlichkeit Ondrej Duda sein Startelfcomeback geben. Der Slowake fiel zuletzt in ein körperliches Tief, arbeitete sich aber wieder heraus und wäre bereits gegen Frankfurt wieder ein Kandidat für die Startelf gewesen. Duda stand stellvertretend für den so überraschenden Saisonstart der Blau-Weißen, erzielte sechs Treffer in den ersten acht Ligaspielen. Danach verflachte seine Form wieder, doch nun ist der 23-Jährige wieder gefordert. Duda hat zweifelsohne die Fähigkeiten, seine Mitspieler in Szene zu setzen und selbst torgefährlich zu werden – Attribute, die ohne Grujic sonst fehlen würden. In der verbleibenden Hinrunde wird Dardai große Stücke auf seinen Regisseur halten.

Kehrt man ins 4-2-3-1 System zurück, so braucht es auch einen neuen Mann neben dem gesetzten Arne Maier. Dort bieten sich mit Per Skjelbred und Vladimir Darida gleich zwei Spieler an, die in der laufenden Saison noch nicht allzu oft in Erscheinung getreten sind. Skjelbred hatte seinen bislang besten Auftritt beim Heimsieg über den FC Bayern und wird gewillt sein, Dardai seinen Wert zu beweisen. Im kommenden Sommer läuft der Vertrag des Norwegers aus und so werden die drei bevorstehenden Partien durchaus eine Verhandlungsgrundlage für eventuelle Vertragsgespräch in der Winterpause sein. Übernimmt Duda den spielerischen Anteil, kann sich Skjelbred auf die Defensivarbeit konzentrieren, bei welcher er glänzen kann. Zwar knapp 20 Zentimeter kleiner, ist Darida doch ein ähnlicher Spielertyp wie Grujic. Er will das Spiel seiner Mannschaft ankurbeln, ist defensiv wie offensiv zu finden und versucht auch selbst Torgefahr zu entwickeln. All das sah man allerdings lange nicht mehr vom Tschechen, lange Verletzungspausen und Formschwächen warfen den Dauerlaufer immer wieder zurück. Auch der 28-Jährige wäre gut darin beraten, nun Vollgas zu geben und die Grujic-Lücke einigermaßen zu schließen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ausfall von Grujic massiv schmerzt und ein kleiner Schock ist, da er gerade erst wiedergekehrt war. Doch ist es nun an seinen Mitspielern, ihm im Kollektiv zu ersetzen und sich individuell hervorzutun. Die Mannschaft muss Verantwortung übernehmen und einen Lernprozess erkennen lassen, denn eine erneut so schlechte Punkteausbeute ohne Grujic darf sie sich nicht erlauben.


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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Wäre es nicht auch eine Variante in einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld aufzulaufen. Also Maier als 6er, Mittelstädt und Leckie außen und auf der 10 Duda, davor dann die beiden “Hirsche” Selke und Ibisevic.
Zumindest gegen Stuttgart fände ich das interessant. Bei gegnerischem Ballbesitz würde sich Duda dann auf die 8 fallen lassen können. Dass er defensive Qualitäten besitzt, hat er ja auch schon gegen Gelsenkirchen gezeigt.

Antworten
    Marc Schwitzky
    Dezember 13, 2018 4:32 pm

    Hey Jan,
    das klingt tatsächlich nach einer interessanten Variante. Mittelstädt und Leckie sind auch defensiv stark genug, um das offensive Spielsystem zu entlasten. Ob Dardai so mutig spielen lässt, bleibt abzuwarten.
    Blau-weiße Grüße,
    Marc

    Antworten

[…] er bis dahin noch sechzehn oder siebzehn Spiele für Hertha gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit nach allem, was bislang war, recht groß, dass es eine sehr erfolgreiche Rückrunde für Hertha wird. Doch was […]

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Es kam einem Kollektiv-Stillstand der blau-weißen Fanherzen gleich, als die Meldung einiger Journalisten durch das Netz rauschte: Marko Grujic führte im Training einen Zweikampf mit Teamkollege Vladimir Darida (kein Foul), ging zu Boden und musste humpelnd in die Kabine gebracht werden. Am Mittwoch bestätigte Hertha BSC die Tragödie – Grujic hat sich erneut eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und wird in den letzten drei Hinrunden-Partien nicht mitwirken können. Gerade einmal drei Spiele war der Serbe überhaupt wieder da, nachdem er der Mannschaft bereits zuvor wochenlang fehlte.

Grujics Wert für die Mannschaft

Nun auch Torschütze. (Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Wie sehr der erneute Ausfall des 22-Jährigen wiegt, lässt sich bereits ein einer Statistik ablesen: In sieben Spielen mit Grujic gewann Hertha fünfmal, spielte zweimal Unentschieden und blieb somit ohne Niederlage. Das macht einen herausragenden Punkteschnitt von 2,43. Zum Vergleich: Tabellenführer Borussia Dortmund holte bislang durchschnittlich 2,57 Punkte pro Spiel. Ohne den Serben liest sich Herthas Punkteschnitt deutlich bescheidener: sieben Spiele – ein Sieg, drei Unentschieden, drei Niederlagen – 0,86 Punkte im Schnitt. “Ich will ja keinen der anderen beleidigen. Und Marcelinho war für mich auch eher ein Angreifer. Aber Grujic ist der beste Mittelfeldspieler, den ich in den vergangenen 20 Jahren bei Hertha BSC erlebt habe, auch in meiner Zeit als Spieler”, sagte Trainer Pal Dardai nach der Grujic-Gala gegen Eintracht Frankfurt.

Und auch wenn man dieses überschwängliche Lob des Ungarn nicht teilen sollte, so ist dennoch jedem bewusst, welchen Wert die Liverpool-Leihgabe für die Blau-Weißen hat. “Er macht auch für unsere Spielweise den Unterschied: Er ist präsent in der Mitte, kopfballstark, sowohl defensiv wie offensiv. Er hat einen guten Schuss, ist zweikampfstark und begeht im richtigen Moment taktische Fouls”, so Dardai über seinen Schützling. Es ist die Mischung aus Handlungsschnelligkeit, Abgeklärtheit, Spielverständnis, Kampfeswille und dem Auge für besondere Momente, die Grujic zumindest zu einem der besten Mittelfeldspieler machen, die man in den letzten Jahren in Berlin sichten konnte. Mit Grujic als Schaltzentrale im Zentrum ist das Spiel der “alten Dame” ein anderes, ein besseres.

Auch Mitspieler und theoretischer Konkurrent Fabian Lustenberger schließt sich den allgemeinen Lobeshymnen an: “Marko hat alles“, sagt der Schweizer der Berliner Morgenpost, „offensive Qualität und defensive Stabilität, Kopfballspiel und die fußballerischen Elemente. Er bringt wirklich sehr viel mit.“ Und ohne dem ewigen “Lusti” und Per Skjelbred zu nahe treten zu wollen – es ist ein deutlicher Unterschied, ob die beiden Routiniers die Spielmitte beackern, oder die Achter 2.0 Grujic und Arne Maier geschmeidig durch die Partie führen. “Mal sehen, was er zeigt, wenn er fit ist“, stellte Dardai nach dem 1:0-Heimsieg über den Frankfurtern in Aussicht. Wie nun sicher ist, wird man dies erst im kommenden Jahr erfahren können.

Wer trotz des Ausfall von Grujic unsere lobenden Worte zu ihm hören und eine generelle Einschätzung zum Sieg über Eintracht Frankfurt haben will, sollte unseren Podcast hören:

Der große Hype

Die drei verbleibenden Partien der laufenden Hinrunde werden also ohne Unterschiedsspieler Grujic ausgetragen und mit dieser Aussicht steckt recht viel Sand im Kopf (Grüße an Loddar). Der Serbe ist schließlich einer der Hauptfaktoren für den jüngsten Aufschwung gewesen. Vor seinem Comeback gegen die TSG Hoffenheim (3:3) setzte es zwei deftige Niederlagen gegen RB Leipzig (0:3) und in Düsseldorf (1:4), die Mannschaft erinnerte kaum noch an die, die nach den ersten sechs Spieltagen auf Platz drei stand.

(Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Doch mit Grujic kam Spielstärke, Freude und Erfolg zurück. Die graue Ödnis “Bundesliga” verwandelte sich in ein fruchtbares und farbenfrohes Paradies. Die Oden über den serbischen Hünen kannten kein Maß und er sollte der Auserwählte sein, der Hertha an europäischen Früchte führt. Eine viel zu blumige Beschreibung, findet ihr? Nun, die vielen Kommentare, Podcasts und Artikel der letzten Tage ließen auf nichts anderes schließen, als dass es sich bei Grujic um den fußballerischen Messias für den Hauptstadtverein handelt.

Es soll nicht falsch verstanden werden: die Euphorie ist verständlich und fußt nun einmal auf den überragenden Leistungen des Mittelfeldmotors, doch führt der Hype dazu, dass die Mannschaft um ihn herum in den Hintergrund rückt und es beinahe zu einer One-Man-Show verkommt. Die Frage, ob Grujic ein fantastischer Spieler ist, der die Mannschaft auf ein anderes Niveau hebt, stellt sich nicht. Die Frage, ob so ein Team nicht aber noch aus mehr Spielern besteht und Hertha genügend fähigen Ersatz hat, aber schon.

Die Mannschaft ist gefordert

Denn wenn man von Hertha ohne Grujic redet, dann zwar auch von einer enttäuschenden Serie von fünf Spielen ohne Sieg, aber auch von einer Mannschaft, die gegen den FC Bayern überragend 2:0 gewann und in Dortmund einen verdienten Punkt holte. Diese Spiele wurden durch andere Akteure entschieden und drei von diesen haben nun die Chance, den Ausfall von Grujic für sich zu nutzen und sein Fehlen zu kompensieren.

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Pal Dardai wird sein System ohne Grujic zwangsläufig umstellen müssen. Der Serbe war einer der primären Gründe dafür, dass der Berliner Trainer in den vergangenen zwei Partien mit einem Doppelsturm aus Davie Selke und Vedad Ibisevic spielen ließ. Mit Grujic, sagte Dardai nach dem Sieg in Hannover (2:0), habe er den perfekten Spieler für dieses System, da er spielerisch so viel auffängt, dass er die Rolle des Defensivspielers und Spielmachers gleichzeitig abdecken könne.

Mit dem Ausfall von Grujic wird also mit großer Wahrscheinlichkeit Ondrej Duda sein Startelfcomeback geben. Der Slowake fiel zuletzt in ein körperliches Tief, arbeitete sich aber wieder heraus und wäre bereits gegen Frankfurt wieder ein Kandidat für die Startelf gewesen. Duda stand stellvertretend für den so überraschenden Saisonstart der Blau-Weißen, erzielte sechs Treffer in den ersten acht Ligaspielen. Danach verflachte seine Form wieder, doch nun ist der 23-Jährige wieder gefordert. Duda hat zweifelsohne die Fähigkeiten, seine Mitspieler in Szene zu setzen und selbst torgefährlich zu werden – Attribute, die ohne Grujic sonst fehlen würden. In der verbleibenden Hinrunde wird Dardai große Stücke auf seinen Regisseur halten.

Kehrt man ins 4-2-3-1 System zurück, so braucht es auch einen neuen Mann neben dem gesetzten Arne Maier. Dort bieten sich mit Per Skjelbred und Vladimir Darida gleich zwei Spieler an, die in der laufenden Saison noch nicht allzu oft in Erscheinung getreten sind. Skjelbred hatte seinen bislang besten Auftritt beim Heimsieg über den FC Bayern und wird gewillt sein, Dardai seinen Wert zu beweisen. Im kommenden Sommer läuft der Vertrag des Norwegers aus und so werden die drei bevorstehenden Partien durchaus eine Verhandlungsgrundlage für eventuelle Vertragsgespräch in der Winterpause sein. Übernimmt Duda den spielerischen Anteil, kann sich Skjelbred auf die Defensivarbeit konzentrieren, bei welcher er glänzen kann. Zwar knapp 20 Zentimeter kleiner, ist Darida doch ein ähnlicher Spielertyp wie Grujic. Er will das Spiel seiner Mannschaft ankurbeln, ist defensiv wie offensiv zu finden und versucht auch selbst Torgefahr zu entwickeln. All das sah man allerdings lange nicht mehr vom Tschechen, lange Verletzungspausen und Formschwächen warfen den Dauerlaufer immer wieder zurück. Auch der 28-Jährige wäre gut darin beraten, nun Vollgas zu geben und die Grujic-Lücke einigermaßen zu schließen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ausfall von Grujic massiv schmerzt und ein kleiner Schock ist, da er gerade erst wiedergekehrt war. Doch ist es nun an seinen Mitspielern, ihm im Kollektiv zu ersetzen und sich individuell hervorzutun. Die Mannschaft muss Verantwortung übernehmen und einen Lernprozess erkennen lassen, denn eine erneut so schlechte Punkteausbeute ohne Grujic darf sie sich nicht erlauben.


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Wäre es nicht auch eine Variante in einem 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld aufzulaufen. Also Maier als 6er, Mittelstädt und Leckie außen und auf der 10 Duda, davor dann die beiden “Hirsche” Selke und Ibisevic.
Zumindest gegen Stuttgart fände ich das interessant. Bei gegnerischem Ballbesitz würde sich Duda dann auf die 8 fallen lassen können. Dass er defensive Qualitäten besitzt, hat er ja auch schon gegen Gelsenkirchen gezeigt.

Antworten
    Marc Schwitzky
    Dezember 13, 2018 4:32 pm

    Hey Jan,
    das klingt tatsächlich nach einer interessanten Variante. Mittelstädt und Leckie sind auch defensiv stark genug, um das offensive Spielsystem zu entlasten. Ob Dardai so mutig spielen lässt, bleibt abzuwarten.
    Blau-weiße Grüße,
    Marc

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[…] er bis dahin noch sechzehn oder siebzehn Spiele für Hertha gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit nach allem, was bislang war, recht groß, dass es eine sehr erfolgreiche Rückrunde für Hertha wird. Doch was […]

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