BundesligaHertha BSCVorbericht

VfB Stuttgart – Hertha BSC: Hauptsache nicht Aufbaugegner

Alles hätte so schön sein können. Nach dem 1:0-Sieg gegen Frankfurt, sieben Punkten aus den letzten drei Spielen und der Gewissheit, dass man hinten endlich wieder dicht steht, war man bei Hertha wieder oben auf. Im Laufe des Mittwochs erreichte dann jedoch ein dicker Wehrmutstropfen die Öffentlichkeit. Marko Grujic, der gerade erst von seiner langwierigen Verletzung zurückgekommen war, hat sich nach einem Zweikampf im Training mit Vladimir Darida erneut verletzt und wird in diesem Kalenderjahr nicht mehr auf dem Platz stehen. Damit befindet sich Hertha in guter Gesellschaft. Auch der kommende Gegner aus Stuttgart wird derzeit vom Verletzungspech heimgesucht. Allerdings sind die Berliner Sorgen im Vergleich zu denen der Schwaben Luxusprobleme.

Im Rahmen des Vorberichts haben wir diesmal mit VfB-Fan Désirée gesprochen und sie zur Situation der Stuttgarter befragt.

Ohne Ansage in den Abstiegskampf

Tayfun Korkut führte den VfB Stuttgart erst auf den siebten Platz und dann ans Tabellenende. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Gleichwohl sich sowohl Hertha als auch Stuttgart gerade mit Verletzungssorgen herumschlagen müssen, ist die Situation nicht zu vergleichen. Denn während Hertha auf einem komfortablen sechsten Tabellenplatz steht, kämpft der VfB Stuttgart aktuell ums Überleben. Nur zwei Punkte trennen den 16. vom Tabellenende. Das zeichnete sich vor der Saison nicht unbedingt ab. Im Gegenteil war man nach der erfolgreichen Rückrunde, in deren Folge man auf Platz Sieben einlief und den auf den ersten Blick sinnvollen Verstärkungen im Sommer durchaus positiv in die neue Saison gegangen. Zwar schränkt Désirée ein, es habe auch schon letztes Jahr “Stimmen [gegeben], die Tayfun Korkut unterstellten, dass er von der guten Arbeit seines Vorgängers Hannes Wolf profitierte. Davon abgesehen muss man realistischerweise zugeben, dass der VfB in der vergangenen Rückrunde eine ganze Anzahl von knappen Siegen mit einer gehörigen Portion Glück nach Hause gebracht hat.“ Eine derartige Negativspirale, auch vor dem Hintergrund, dass alle Stammspieler und sogar Weltmeister Pavard gehalten werden konnten, erklärt das jedoch längst nicht.
Sucht man nun nach den Gründen für die prekäre Lage beim VfB, führt Désirée die “mangelnde Fitness“ an, die sie mit dem “wiederholten Einbrechen in der Schlussphase“ belegt – ein Malus, der auf die “unzureichende Vorbereitung durch Korkut in der Sommerpause zurückzuführen“ sei. Anhand dieser Ausführungen kann es daher wenig überraschen, dass Tayfun Korkut inzwischen nicht mehr Trainer des VfB ist und Markus Weinzierl nach dem siebten Spieltag das Kommando übernommen hat.

Vom Trainereffekt keine Spur

Auch unter Markus Weinzeril hat sich die Lage nicht verbessert. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Dass diese Maßnahme notwendig war, steht laut Désirée nicht zur Debatte. So sagt sie auf die Frage, ob die Entlassung nach nur sieben Spieltagen nicht zu früh sei und man Korkut mehr Zeit hätte geben sollen: “Dass Korkut das Ruder noch hätte herumreißen können, glaube ich nicht.“ Der erhoffte Trainereffekt ist nach der Trennung allerdings ausgeblieben. In sieben Spielen unter Weinzierl konnte der VfB lediglich sechs Punkte einfahren. Ganze 5 Spiele davon wurden verloren. Gerade der Start war mit einem 0:4 gegen Dortmund, einem 0:4 gegen Hoffenheim und einem 0:3 gegen Frankfurt katastrophal. Auch hierfür führt unsere Stuttgart-Expertin wieder die mangelnde Fitness als Grund an. So sei die Hauptaufgabe von Weinzierl derzeit, “sich und den VfB in die Winterpause [zu] retten.“
Dass dieses Unterfangen so schwierig ist, liegt neben der offensichtlich unzureichenden Vorbereitung auch daran, dass dem ehemaligen Augsburger und Schalker kaum Personal zur Verfügung steht. Désirée sagt dazu: “Davon abgesehen hat Weinzierl mit einer ungeheuren Verletzungsmisere (Abwehr: Maffeo, Badstuber, Pavard, Sosa, Beck; Mittelfeld: Thommy, Aogo, Özcan, Didavi) zu kämpfen, die dazu führt, dass ich im Moment nicht einschätzen kann, ob und wann beim VfB eine Besserung der Situation eintreten wird.“
Auch die eigene Torausbeute liefert in dieser Hinsicht wenig Grund zur Zuversicht. Mit neun Toren stellt der VfB Stuttgart den mit Abstand harmlosesten Angriff der Liga. Laut Désirée liege das sowohl daran, dass man sich kaum Chancen herausspiele als auch, dass man diese wenigen Chancen zu allem Überfluss auch noch vergebe. Es ist dieser Tage also schwierig, einen Hoffnungsschimmer am Neckar auszumachen.

Hertha ohne den “besten Mittelfeldspieler der letzten 20 Jahre“

Die Favoritenrolle ist am Samstagnachmittag also klar auf Herthas Seite. Der Ausfall von Marko Grujic, der von Dardai jüngst zum “besten Mittelfeldspieler bei Hertha in den letzten 20 Jahren“ geadelt wurde, tut zwar weh, darf aber nicht als Ausrede geltend gemacht werden. Der VfB muss in dieser Form auch so geschlagen werden. Zumal mit Ondrej Duda hochwertiger Ersatz bereitsteht. Es darf daher also eigentlich nur um drei Punkte gehen und darum, nicht, wie so manches Mal in der Vergangenheit, wieder als Aufbaugegner zu fungieren.


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Im Rahmen des Vorberichts haben wir diesmal mit VfB-Fan Désirée gesprochen und sie zur Situation der Stuttgarter befragt.

Ohne Ansage in den Abstiegskampf

Tayfun Korkut führte den VfB Stuttgart erst auf den siebten Platz und dann ans Tabellenende. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Gleichwohl sich sowohl Hertha als auch Stuttgart gerade mit Verletzungssorgen herumschlagen müssen, ist die Situation nicht zu vergleichen. Denn während Hertha auf einem komfortablen sechsten Tabellenplatz steht, kämpft der VfB Stuttgart aktuell ums Überleben. Nur zwei Punkte trennen den 16. vom Tabellenende. Das zeichnete sich vor der Saison nicht unbedingt ab. Im Gegenteil war man nach der erfolgreichen Rückrunde, in deren Folge man auf Platz Sieben einlief und den auf den ersten Blick sinnvollen Verstärkungen im Sommer durchaus positiv in die neue Saison gegangen. Zwar schränkt Désirée ein, es habe auch schon letztes Jahr “Stimmen [gegeben], die Tayfun Korkut unterstellten, dass er von der guten Arbeit seines Vorgängers Hannes Wolf profitierte. Davon abgesehen muss man realistischerweise zugeben, dass der VfB in der vergangenen Rückrunde eine ganze Anzahl von knappen Siegen mit einer gehörigen Portion Glück nach Hause gebracht hat.“ Eine derartige Negativspirale, auch vor dem Hintergrund, dass alle Stammspieler und sogar Weltmeister Pavard gehalten werden konnten, erklärt das jedoch längst nicht.
Sucht man nun nach den Gründen für die prekäre Lage beim VfB, führt Désirée die “mangelnde Fitness“ an, die sie mit dem “wiederholten Einbrechen in der Schlussphase“ belegt – ein Malus, der auf die “unzureichende Vorbereitung durch Korkut in der Sommerpause zurückzuführen“ sei. Anhand dieser Ausführungen kann es daher wenig überraschen, dass Tayfun Korkut inzwischen nicht mehr Trainer des VfB ist und Markus Weinzierl nach dem siebten Spieltag das Kommando übernommen hat.

Vom Trainereffekt keine Spur

Auch unter Markus Weinzeril hat sich die Lage nicht verbessert. (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Dass diese Maßnahme notwendig war, steht laut Désirée nicht zur Debatte. So sagt sie auf die Frage, ob die Entlassung nach nur sieben Spieltagen nicht zu früh sei und man Korkut mehr Zeit hätte geben sollen: “Dass Korkut das Ruder noch hätte herumreißen können, glaube ich nicht.“ Der erhoffte Trainereffekt ist nach der Trennung allerdings ausgeblieben. In sieben Spielen unter Weinzierl konnte der VfB lediglich sechs Punkte einfahren. Ganze 5 Spiele davon wurden verloren. Gerade der Start war mit einem 0:4 gegen Dortmund, einem 0:4 gegen Hoffenheim und einem 0:3 gegen Frankfurt katastrophal. Auch hierfür führt unsere Stuttgart-Expertin wieder die mangelnde Fitness als Grund an. So sei die Hauptaufgabe von Weinzierl derzeit, “sich und den VfB in die Winterpause [zu] retten.“
Dass dieses Unterfangen so schwierig ist, liegt neben der offensichtlich unzureichenden Vorbereitung auch daran, dass dem ehemaligen Augsburger und Schalker kaum Personal zur Verfügung steht. Désirée sagt dazu: “Davon abgesehen hat Weinzierl mit einer ungeheuren Verletzungsmisere (Abwehr: Maffeo, Badstuber, Pavard, Sosa, Beck; Mittelfeld: Thommy, Aogo, Özcan, Didavi) zu kämpfen, die dazu führt, dass ich im Moment nicht einschätzen kann, ob und wann beim VfB eine Besserung der Situation eintreten wird.“
Auch die eigene Torausbeute liefert in dieser Hinsicht wenig Grund zur Zuversicht. Mit neun Toren stellt der VfB Stuttgart den mit Abstand harmlosesten Angriff der Liga. Laut Désirée liege das sowohl daran, dass man sich kaum Chancen herausspiele als auch, dass man diese wenigen Chancen zu allem Überfluss auch noch vergebe. Es ist dieser Tage also schwierig, einen Hoffnungsschimmer am Neckar auszumachen.

Hertha ohne den “besten Mittelfeldspieler der letzten 20 Jahre“

Die Favoritenrolle ist am Samstagnachmittag also klar auf Herthas Seite. Der Ausfall von Marko Grujic, der von Dardai jüngst zum “besten Mittelfeldspieler bei Hertha in den letzten 20 Jahren“ geadelt wurde, tut zwar weh, darf aber nicht als Ausrede geltend gemacht werden. Der VfB muss in dieser Form auch so geschlagen werden. Zumal mit Ondrej Duda hochwertiger Ersatz bereitsteht. Es darf daher also eigentlich nur um drei Punkte gehen und darum, nicht, wie so manches Mal in der Vergangenheit, wieder als Aufbaugegner zu fungieren.


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