BundesligaEinzelkritikHertha BSC

Einzelkritik 16. Spieltag: Hertha BSC – FC Augsburg

Nicht einmal 30.000 Stadion-Besucher, wenig einladendes Wetter und ein Platz, der mehr einem Acker ähnelte – nein, die Partie zwischen Hertha BSC und dem FC Augsburg machte vor dem Anpfiff nicht den Anschein, eine packende zu werden. Die erste Halbzeit wiederum präsentierte dem Zuschauer ein sehr offenes Spiel mit immerhin vier Toren. Bei diesen blieb es jedoch, da der zweite Durchgang eher dem erwarteten Spielverlauf nahe kam. So ist es eine Punkteteilung gewesen, die beide Mannschaft nicht sonderlich voranbringen will.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war kein Faktor am Dienstagabend.

Neun Schüsse gab der FC Augsburg in dieser Begegnung ab, doch nur zwei direkt aufs Tor. Da es sich bei diesen um die beiden Gegentore handelt, wird schnell ersichtlich, dass Jarstein sich an diesem Tag nicht auszeichnen konnte. Bei beiden Gegentreffern war der 34-Jährige machtlos und mehr gab es schlichtweg nicht zu halten.

Ansonsten konnte sich der Torhüter etwas beim Herauslaufen und der Strafraumbeherrschung zeigen, doch auch dort nicht übermäßig, da es insgesamt zu dünne Angriffsbemühungen der Gäste waren.

Eine sehr undankbare Partie für Herthas Schlussmann, der keinen Gegentreffer verhindern und sich auch sonst nicht auszeichnen konnte.

 

Abwehr

Fabian Lustenberger – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Eine eher durchwachsene Darbietung des Routiniers.

Es war sicherlich kein schlechter Auftritt des Schweizers, jedoch fehlte es ihm in einigen Szenen an Souveränität. Das fiel vor allem bei seinen Klärungsversuchen auf, die meist hohe und kontrollierte Querschläger waren, die meist wieder im Augsburger Ballbesitz endeten. Lustenberger ließ Ruhe am Ball vermissen und schaffte dadurch oftmals nicht die gewünschte Entlastung.

Im direkten Zweikampf hingegen konnte man dem 30-Jährigen weniger Vorwürfe machen, sowohl in der Luft als auch am Boden gewann er die deutliche Mehrzahl seiner Duelle. Dazu kommen drei abgefangene Bälle und nicht ein einziges Foul. Er war eigentlich immer zur Stelle, einzig der Ball danach fiel ihm so schwer.

Es war in Ordnung, was Lustenberger angeboten hatte, aber mehr auch nicht.

Jordan Torunarigha – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Eigengewächs erlebte einen unkonzentrierten Tag.

12 Ballsicherungen und sieben klärende Aktionen seitens Torunarigha lesen sich zunächst einmal positiv, doch musste er für diese meist nicht viel mehr tun, als seinen robusten Körper in gewisse Szenen zu werfen. Dem gegenüber steht eine schwache Zweikampfbilanz und eine noch schlechtere Passquote, die sogar deutlich unter der von Lustenberger liegt.

Immer wieder streute der 21-Jährige unnötige Foulspiele ein, insgesamt wirkte Torunarigha nicht 100 prozentig konzentriert. Das war repräsentativ beim zweiten Gegentreffer zu sehen, bei dem der Innenverteidiger ganze zweimal sträfliche Stellungsspielfehler erkennen ließ und so große Lücken für die Augsburger öffnete.

Im zweiten Durchgang stabilisierte sich seine Leistung zwar, das war aber aufgrund der äußerst zurückhaltenden Augsburger Vorstöße auch keine große Herausforderung. Insgesamt war es keine gute Vorstellung Torunarighas, der mit dem Kopf nicht ganz da war.

Peter Pekarik – Note: 4+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Slowake feierte am Dienstag sein Pflichtspiel-Debüt in der laufenden Saison, konnte allerdings nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Erst einmal: Willkommen zurück, Peka! Der 32-Jährige feierte gegen Augsburg sein Comeback nach sieben Monaten ohne Pflichtspieleinsatz für die “alte Dame”. Die lange Pause war Pekarik auch durchaus anzumerken, immer wieder zeigte er kleine Unsicherheiten im Klären von Szenen oder im Spielaufbau. So lag seine Passquote auch bei mehr als ausbaufähigen 69,8%. Auch sein Stellungsspiel war manchmal nicht ideal.

Spielerisch war der Rechtsverteidiger durchaus aktiv eingebunden. Pekarik verbuchte die drittmeisten Ballkontakte und holte alles aus sich heraus, um das Spiel anzukurbeln. So lief er die viertgrößte Strecke (11,57 km) und zog die drittmeisten Sprints (22) an. Doch es war das alte Lied: Pekarik ist bemüht, doch offensiv nun einmal kein Virtuose wie z.B. Lazaro. So gelang ihm zwar immerhin eine Torschussvorlage, mehr aber auch nicht.

Nach solch einer langen Pause war es klar, dass Pekarik nicht die Sterne vom Himmel spielen wird, doch hätte man sich etwas mehr Souveränität im Abwehrverhalten gewünscht.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Letztendlich eine zu dünne Darbietung des Linksverteidigers.

So wirklich auffallen wollte Plattenhardt am Dienstagabend nicht. Zwar hatte er die meisten Ballkontakte aller Berliner, machte jedoch sehr wenig daraus. Er lief einen Kilometer weniger als Pekarik und stand im Durchschnitt auch deutlich tiefer als sein Flügelpendant. So kam eine bessere Passquote als die des Slowaken zustande, aber auch wenig Einfluss auf die Partie. Eine Torschussvorlage und ein Fehlschuss verbuchte “Platte” gegen die Fuggerstädter – zu wenig für den Platz, den er oftmals hatte.

Defensiv war der 26-Jährige auch nicht durchgängig zuverlässig, beim 2:2 ließ er sich zu leicht von Finnbogason abkochen, der dann genug Platz hatte, um Koo zu bedienen. Seine Zweikampfbilanz war ausgeglichen, somit aber ebenfalls nicht auffällig gut.

Nachdem Plattenhardt zuletzt eine aufsteigende Form erkennen ließ, war die Partie gegen Augsburg ein kleiner Rückschlag. Er machte viel zu wenig aus seinen Spielanteilen und hatte defensiv immer wieder kleinere Probleme.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 3+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Das Mittelfeldjuwel erfüllte gegen den FC Augsburg zahlreiche wichtige Aufgaben, brillierte aber nicht.

Herthas Mittelfeld war gegen den FC Augsburg mit das flexibelste, was man in dieser Hinrunde betrachten durfte. Es gab durchgehend Positionswechsel und Verschiebungen – einzig Maier sollte seine Stellung stur halten. Das hatte den Grund, dass der 19-Jährige als alleiniger gelernter Sechser/Achter die Rolle des Abfangjägers und Ausputzers übernehmen musste. Maier unterband zahlreiche Konter, fing Bälle ab und war oftmals die letzte Instanz vor der Berliner Viererkette. Diese Funktion füllte er zufriedenstellend aus – sieben Ballsicherungen, zwei abgefangene Bälle, drei klärende Aktionen und zwei Tackles unterstreichen das.

Auch sein Aufbauspiel ließ sich sehen. Maier erlaubte sich nur fünf Fehlpässe, vier davon in ungefährlichen Zonen. Ansonsten diente er immer wieder zur Dreiecksbildung, um über die Mittellinie zu kommen, wo dann Duda und Lazaro übernahmen. Sein Passspiel war wenig spektakulär und im zweiten Durchgang hätte man sich etwas mehr Dominanz von ihm gewünscht, aber man kann dem Eigengewächs wenig Vorwürfe machen. Auffällig war nur, dass er keines seiner Dribblings erfolgreich durchbringen konnte, er blieb bei jedem am Gegner hängen.

Eine insgesamt ordentliche Leistung Maiers, der oftmals der eher unsichtbare Part des Mittelfeldgespanns war, aber nie minder wichtig.

Valentino Lazaro – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Österreicher hatte die taktisch wohl interessanteste Rolle von allen Herthanern.

Die bereits angesprochene taktische Variabilität der Blau-Weißen hing vor allem mit der Rolle von Lazaro zusammen. Der 22-Jährige pendelte über 90 Minuten zwischen dem “Achter-Raum” und dem rechten Flügel und je nachdem wurde die Formation von Hertha zu einem 4-1-4-1 oder 4-4-2 mit Raute. Lazaro nahm also eine sehr bedeutende Funktion ein, der er aber nicht durchgängig gerecht wurde.

Zwar gehörte Herthas Nummer 20 einmal mehr zu den Aktivposten seiner Mannschaft, ihm fehlte aber teilweise das nötige Glück in seinen Aktionen. So erlaubte er sich, spielte er im zentral-defensiven Mittelfeld, zu viele Fehlpässe in der eigenen Hälfte und lud Augsburg dadurch immer wieder ein. Auch seine Dribblings ließen etwas Durchschlagskraft vermissen. Dennoch legte Lazaro drei Torchancen direkt auf, tatsächlich aber erst ab Minute 73. Zuvor wirkte der Mittelfeldspieler etwas Esprit-los und wenig dynamisch. Auch ihm ist die Belastung der Hinrunde anzumerken gewesen.

Es war nicht durchgängig die Partie des Valentino Lazaro. Dennoch bemühte er sich und hatte Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft. Insgesamt war sein Auftritt nicht zwingend genug.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Tor gemacht, aber ansonsten war wenig vom Slowaken zu sehen.

Es wunderte nicht allzu sehr, als der Arbeitstag des Mittelfeldspielers nach 65 Minuten beendet war. Nein, es wollte nicht so recht die Partie des Ondrej Duda werden. Sein Treffer zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung (Keeper Luthe sah hier alles andere als gut aus) ist nach seinem Formtief zwar eine sehr erfreuliche Sache, jedoch blieb es bezüglich auffälliger Momente eigentlich dabei.

Duda verbuchte nur 36 Ballkontakte, also weniger als Rune Jarstein. Seine Passquote lag bei 91% Prozent, allerdings bewegten sich diese beinahe ausschließlich im Mittelkreis und nicht, wie von Dardai zuvor gewünscht, im letzten Angriffsdrittel. Gefährliche Steckpässe oder starke Seitenverlagerungen gab es an diesem Tage nicht vom 24-Jährigen zu sehen. Auch keine einzige Torschussvorlage gelang Herthas Spielmacher – eigentlich das Hauptzahlungsmittel dieses Spielertypen. Sicherlich spielten die Platzverhältnisse im zweiten Durchgang nicht in die Karten des technisch beschlagenen Dudas, aber insgesamt fehlte es ihm an Präsenz und Finesse.

Mit seinem Treffer war Duda ein wichtiger Faktor für den Punktgewinn – darüber hinaus gelang ihm aber zu wenig.

Maxi Mittelstädt – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Mittelstädt gehörte zu den konstantesten und aktivsten Herthanern.

Es war nicht alles Gold, was Mittelstädt gegen Augsburg anfasste, doch war ihm der Wille und eine Idee nie abzusprechen. Der linke Mittelfeldspieler spulte ein immenses Pensum ab und half vorne wie hinten tatkräftig aus. Gefühlt keinen Zweikampf und keinen Sprint ließ der 22-Jährige aus, um sein Team zu unterstützen.

Offensiv war Mittelstädt regelmäßig durch Flanken und Torabschlüsse präsent – insgesamt vier Torschüsse und eine Torschussvorlage konnte das Berliner Eigengewächs verbuchen. Dazu kamen einige kluge Pässe, seine Passbilanz über 90 Minuten hingegen war mit 60% angekommenen Zuspielen ausbaufähig. Auch im Abwehrverhalten konnte sich Mittelstädt auszeichnen, da er immens viel nach hinten mitarbeitete und so Plattenhardt entlastete. Stieß Augsburgs Rechtsverteidiger Schmid nach vorne, konnte man sich sicher sein, dass Mittelstädt hinterherging. Vier (!) Tackles, zwei klärende Aktionen, ein Block und drei abgefangene Bälle belegen, wie viel defensive Unterstützung der Flügelspieler geleistet hatte. Einzig sein Deckungsverhalten beim 0:1 war verbesserungswürdig, dort fehlte die Abstimmung mit Leckie.

Mittelstädt wollte sichtlich Einfluss auf die Begegnung nehmen und hatte zahlreiche gute Aktionen. Durch seine immens vielen Sprints stellte er stets ein Problem für seine Gegenspieler dar, einzig das Glück in seinen Aktionen hat etwas gefehlt. So hätte er beinahe in der 72. Minute das 3:2 erzielt. Eine sehr ordentliche Vorstellung.

Sturm

Mathew Leckie – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Sprint-Rakete war einmal mehr überall.

Die meisten Meter gemacht (11,74 km), die meisten Sprints (37) wie intensive Läufe (88) angezogen und die meisten Zweikämpfe (15) gewonnen – Leckie bekommt für seinen Fleiß einmal mehr die Bestnote. Der Australier bereitete Augsburg durch seinen enormen Aktionsradius und die vielen Sprints große Probleme, er war ein ständiger Unruheherd.

Und ein Torschütze dazu! In der 28. Minute nahm er den Pass von Selke perfekt mit und schloss cool zwischen die Beine von Torhüter Luthe ab. Hinzukommen drei direkte Torschussvorlagen, ebenfalls eine sehr gute Zahl. Aber auch Leckie vermochte es nicht, über 90 Minuten konstant zu spielen, es gab immer wieder Phasen, in denen ihm zu viele Bälle verloren gingen und er Situationen nicht sauber ausspielte. Dennoch war es bemerkenswert, dass der 27-Jährige an nahezu jeder Offensivaktion seiner Mannschaft beteiligt war.

Eine wirklich gutes Spiel von Leckie, der sich wieder fest in die Startelf gebissen hat.

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Mittelstürmer ackerte wie ein Wahnsinniger, konnte sich selbst aber wieder nicht belohnen.

Ja, das zweite Saisontor von Davie Selke, es liegt in der Luft, doch auch gegen die Fuggerstädter wollte es nicht fallen. Insgesamt fünf Mal versuchte es der 23-Jährige mit dem Torschuss – dreimal verfehlte er den Kasten, einmal wurde geblockt und einmal hielt Luthe. Doch war sein Auftritt am Dienstag der perfekte Beweis dafür, einen Stoßstürmer nicht nur anhand von Toren zu bewerten, denn Selke hatte so viel mehr zu bieten.

So legte der Sturmtank starke drei Torschüsse auf, darunter das 1:1 von Leckie mit einem perfekt getimten Zuspiel. Vorausgegangen war zudem ein hervorragend gewonnenes Kopfballduell gegen Augsburgs Hinteregger, das diese Szene erst möglich machte. In fast schon verlässlicher Manier fungierte Selke als Leuchtturm, der hoch angespielt werden konnte und dann die Bälle weiterleitete. Neun seiner elf Kopfballduelle hatte der Stürmer gewonnen, dazu elf seiner 16 Zweikämpfe am Boden – jeweils überragende Zahlen für ein Spieler seiner Position. Sicherlich war seine Passbilanz einmal mehr kritisch zu betrachten, 52% angekommene Zuspiele sind schlichtweg zu wenig. Damit machte sich Selke immer wieder aussichtsreiche Momente selbst kaputt.

Selkes Galligkeit war ein Garant für den Punktgewinn von Hertha. Der Mittelstürmer spielte eine starke Partie mit enorm viel Einsatz und riss seine Kollegen dadurch mit.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche war nach seiner Einwechslung kein Mehrwert für die Mannschaft.

Darida hatte noch rund 30 Minuten, um das Spiel zu ordnen und auf sich aufmerksam zu machen – wirklich zu nutzen, wusste er sie nicht. Zwar erlaubte er sich keine groben Schnitzer o.ä., aber mehr Einfluss als Duda nahm er nicht.

Tatsächlich spielte Darida auffällig unauffällig, er kurbelte die Partie nicht an. Zehn Pässe in 30 Minuten Spielzeit und kein gewonnener Zweikampf sind zu wenig für einen Joker-Einsatz. Zwar fing Darida drei Bälle ab, was aber hinsichtlich der kopflosen Restangriffe des FCA keine allzu hohe Kunst war.

Es war verständlich, dass Dardai den 28-Jährigen für den wirkungslosen Duda brachte, aber seine Leistung rechtfertigte den Wechsel letztendlich nicht.


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Nicht einmal 30.000 Stadion-Besucher, wenig einladendes Wetter und ein Platz, der mehr einem Acker ähnelte – nein, die Partie zwischen Hertha BSC und dem FC Augsburg machte vor dem Anpfiff nicht den Anschein, eine packende zu werden. Die erste Halbzeit wiederum präsentierte dem Zuschauer ein sehr offenes Spiel mit immerhin vier Toren. Bei diesen blieb es jedoch, da der zweite Durchgang eher dem erwarteten Spielverlauf nahe kam. So ist es eine Punkteteilung gewesen, die beide Mannschaft nicht sonderlich voranbringen will.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Norweger war kein Faktor am Dienstagabend.

Neun Schüsse gab der FC Augsburg in dieser Begegnung ab, doch nur zwei direkt aufs Tor. Da es sich bei diesen um die beiden Gegentore handelt, wird schnell ersichtlich, dass Jarstein sich an diesem Tag nicht auszeichnen konnte. Bei beiden Gegentreffern war der 34-Jährige machtlos und mehr gab es schlichtweg nicht zu halten.

Ansonsten konnte sich der Torhüter etwas beim Herauslaufen und der Strafraumbeherrschung zeigen, doch auch dort nicht übermäßig, da es insgesamt zu dünne Angriffsbemühungen der Gäste waren.

Eine sehr undankbare Partie für Herthas Schlussmann, der keinen Gegentreffer verhindern und sich auch sonst nicht auszeichnen konnte.

 

Abwehr

Fabian Lustenberger – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Eine eher durchwachsene Darbietung des Routiniers.

Es war sicherlich kein schlechter Auftritt des Schweizers, jedoch fehlte es ihm in einigen Szenen an Souveränität. Das fiel vor allem bei seinen Klärungsversuchen auf, die meist hohe und kontrollierte Querschläger waren, die meist wieder im Augsburger Ballbesitz endeten. Lustenberger ließ Ruhe am Ball vermissen und schaffte dadurch oftmals nicht die gewünschte Entlastung.

Im direkten Zweikampf hingegen konnte man dem 30-Jährigen weniger Vorwürfe machen, sowohl in der Luft als auch am Boden gewann er die deutliche Mehrzahl seiner Duelle. Dazu kommen drei abgefangene Bälle und nicht ein einziges Foul. Er war eigentlich immer zur Stelle, einzig der Ball danach fiel ihm so schwer.

Es war in Ordnung, was Lustenberger angeboten hatte, aber mehr auch nicht.

Jordan Torunarigha – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Eigengewächs erlebte einen unkonzentrierten Tag.

12 Ballsicherungen und sieben klärende Aktionen seitens Torunarigha lesen sich zunächst einmal positiv, doch musste er für diese meist nicht viel mehr tun, als seinen robusten Körper in gewisse Szenen zu werfen. Dem gegenüber steht eine schwache Zweikampfbilanz und eine noch schlechtere Passquote, die sogar deutlich unter der von Lustenberger liegt.

Immer wieder streute der 21-Jährige unnötige Foulspiele ein, insgesamt wirkte Torunarigha nicht 100 prozentig konzentriert. Das war repräsentativ beim zweiten Gegentreffer zu sehen, bei dem der Innenverteidiger ganze zweimal sträfliche Stellungsspielfehler erkennen ließ und so große Lücken für die Augsburger öffnete.

Im zweiten Durchgang stabilisierte sich seine Leistung zwar, das war aber aufgrund der äußerst zurückhaltenden Augsburger Vorstöße auch keine große Herausforderung. Insgesamt war es keine gute Vorstellung Torunarighas, der mit dem Kopf nicht ganz da war.

Peter Pekarik – Note: 4+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Slowake feierte am Dienstag sein Pflichtspiel-Debüt in der laufenden Saison, konnte allerdings nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Erst einmal: Willkommen zurück, Peka! Der 32-Jährige feierte gegen Augsburg sein Comeback nach sieben Monaten ohne Pflichtspieleinsatz für die “alte Dame”. Die lange Pause war Pekarik auch durchaus anzumerken, immer wieder zeigte er kleine Unsicherheiten im Klären von Szenen oder im Spielaufbau. So lag seine Passquote auch bei mehr als ausbaufähigen 69,8%. Auch sein Stellungsspiel war manchmal nicht ideal.

Spielerisch war der Rechtsverteidiger durchaus aktiv eingebunden. Pekarik verbuchte die drittmeisten Ballkontakte und holte alles aus sich heraus, um das Spiel anzukurbeln. So lief er die viertgrößte Strecke (11,57 km) und zog die drittmeisten Sprints (22) an. Doch es war das alte Lied: Pekarik ist bemüht, doch offensiv nun einmal kein Virtuose wie z.B. Lazaro. So gelang ihm zwar immerhin eine Torschussvorlage, mehr aber auch nicht.

Nach solch einer langen Pause war es klar, dass Pekarik nicht die Sterne vom Himmel spielen wird, doch hätte man sich etwas mehr Souveränität im Abwehrverhalten gewünscht.

Marvin Plattenhardt – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Letztendlich eine zu dünne Darbietung des Linksverteidigers.

So wirklich auffallen wollte Plattenhardt am Dienstagabend nicht. Zwar hatte er die meisten Ballkontakte aller Berliner, machte jedoch sehr wenig daraus. Er lief einen Kilometer weniger als Pekarik und stand im Durchschnitt auch deutlich tiefer als sein Flügelpendant. So kam eine bessere Passquote als die des Slowaken zustande, aber auch wenig Einfluss auf die Partie. Eine Torschussvorlage und ein Fehlschuss verbuchte “Platte” gegen die Fuggerstädter – zu wenig für den Platz, den er oftmals hatte.

Defensiv war der 26-Jährige auch nicht durchgängig zuverlässig, beim 2:2 ließ er sich zu leicht von Finnbogason abkochen, der dann genug Platz hatte, um Koo zu bedienen. Seine Zweikampfbilanz war ausgeglichen, somit aber ebenfalls nicht auffällig gut.

Nachdem Plattenhardt zuletzt eine aufsteigende Form erkennen ließ, war die Partie gegen Augsburg ein kleiner Rückschlag. Er machte viel zu wenig aus seinen Spielanteilen und hatte defensiv immer wieder kleinere Probleme.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 3+

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Das Mittelfeldjuwel erfüllte gegen den FC Augsburg zahlreiche wichtige Aufgaben, brillierte aber nicht.

Herthas Mittelfeld war gegen den FC Augsburg mit das flexibelste, was man in dieser Hinrunde betrachten durfte. Es gab durchgehend Positionswechsel und Verschiebungen – einzig Maier sollte seine Stellung stur halten. Das hatte den Grund, dass der 19-Jährige als alleiniger gelernter Sechser/Achter die Rolle des Abfangjägers und Ausputzers übernehmen musste. Maier unterband zahlreiche Konter, fing Bälle ab und war oftmals die letzte Instanz vor der Berliner Viererkette. Diese Funktion füllte er zufriedenstellend aus – sieben Ballsicherungen, zwei abgefangene Bälle, drei klärende Aktionen und zwei Tackles unterstreichen das.

Auch sein Aufbauspiel ließ sich sehen. Maier erlaubte sich nur fünf Fehlpässe, vier davon in ungefährlichen Zonen. Ansonsten diente er immer wieder zur Dreiecksbildung, um über die Mittellinie zu kommen, wo dann Duda und Lazaro übernahmen. Sein Passspiel war wenig spektakulär und im zweiten Durchgang hätte man sich etwas mehr Dominanz von ihm gewünscht, aber man kann dem Eigengewächs wenig Vorwürfe machen. Auffällig war nur, dass er keines seiner Dribblings erfolgreich durchbringen konnte, er blieb bei jedem am Gegner hängen.

Eine insgesamt ordentliche Leistung Maiers, der oftmals der eher unsichtbare Part des Mittelfeldgespanns war, aber nie minder wichtig.

Valentino Lazaro – Note: 3-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Der Österreicher hatte die taktisch wohl interessanteste Rolle von allen Herthanern.

Die bereits angesprochene taktische Variabilität der Blau-Weißen hing vor allem mit der Rolle von Lazaro zusammen. Der 22-Jährige pendelte über 90 Minuten zwischen dem “Achter-Raum” und dem rechten Flügel und je nachdem wurde die Formation von Hertha zu einem 4-1-4-1 oder 4-4-2 mit Raute. Lazaro nahm also eine sehr bedeutende Funktion ein, der er aber nicht durchgängig gerecht wurde.

Zwar gehörte Herthas Nummer 20 einmal mehr zu den Aktivposten seiner Mannschaft, ihm fehlte aber teilweise das nötige Glück in seinen Aktionen. So erlaubte er sich, spielte er im zentral-defensiven Mittelfeld, zu viele Fehlpässe in der eigenen Hälfte und lud Augsburg dadurch immer wieder ein. Auch seine Dribblings ließen etwas Durchschlagskraft vermissen. Dennoch legte Lazaro drei Torchancen direkt auf, tatsächlich aber erst ab Minute 73. Zuvor wirkte der Mittelfeldspieler etwas Esprit-los und wenig dynamisch. Auch ihm ist die Belastung der Hinrunde anzumerken gewesen.

Es war nicht durchgängig die Partie des Valentino Lazaro. Dennoch bemühte er sich und hatte Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft. Insgesamt war sein Auftritt nicht zwingend genug.

Ondrej Duda – Note: 3-

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Tor gemacht, aber ansonsten war wenig vom Slowaken zu sehen.

Es wunderte nicht allzu sehr, als der Arbeitstag des Mittelfeldspielers nach 65 Minuten beendet war. Nein, es wollte nicht so recht die Partie des Ondrej Duda werden. Sein Treffer zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung (Keeper Luthe sah hier alles andere als gut aus) ist nach seinem Formtief zwar eine sehr erfreuliche Sache, jedoch blieb es bezüglich auffälliger Momente eigentlich dabei.

Duda verbuchte nur 36 Ballkontakte, also weniger als Rune Jarstein. Seine Passquote lag bei 91% Prozent, allerdings bewegten sich diese beinahe ausschließlich im Mittelkreis und nicht, wie von Dardai zuvor gewünscht, im letzten Angriffsdrittel. Gefährliche Steckpässe oder starke Seitenverlagerungen gab es an diesem Tage nicht vom 24-Jährigen zu sehen. Auch keine einzige Torschussvorlage gelang Herthas Spielmacher – eigentlich das Hauptzahlungsmittel dieses Spielertypen. Sicherlich spielten die Platzverhältnisse im zweiten Durchgang nicht in die Karten des technisch beschlagenen Dudas, aber insgesamt fehlte es ihm an Präsenz und Finesse.

Mit seinem Treffer war Duda ein wichtiger Faktor für den Punktgewinn – darüber hinaus gelang ihm aber zu wenig.

Maxi Mittelstädt – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Mittelstädt gehörte zu den konstantesten und aktivsten Herthanern.

Es war nicht alles Gold, was Mittelstädt gegen Augsburg anfasste, doch war ihm der Wille und eine Idee nie abzusprechen. Der linke Mittelfeldspieler spulte ein immenses Pensum ab und half vorne wie hinten tatkräftig aus. Gefühlt keinen Zweikampf und keinen Sprint ließ der 22-Jährige aus, um sein Team zu unterstützen.

Offensiv war Mittelstädt regelmäßig durch Flanken und Torabschlüsse präsent – insgesamt vier Torschüsse und eine Torschussvorlage konnte das Berliner Eigengewächs verbuchen. Dazu kamen einige kluge Pässe, seine Passbilanz über 90 Minuten hingegen war mit 60% angekommenen Zuspielen ausbaufähig. Auch im Abwehrverhalten konnte sich Mittelstädt auszeichnen, da er immens viel nach hinten mitarbeitete und so Plattenhardt entlastete. Stieß Augsburgs Rechtsverteidiger Schmid nach vorne, konnte man sich sicher sein, dass Mittelstädt hinterherging. Vier (!) Tackles, zwei klärende Aktionen, ein Block und drei abgefangene Bälle belegen, wie viel defensive Unterstützung der Flügelspieler geleistet hatte. Einzig sein Deckungsverhalten beim 0:1 war verbesserungswürdig, dort fehlte die Abstimmung mit Leckie.

Mittelstädt wollte sichtlich Einfluss auf die Begegnung nehmen und hatte zahlreiche gute Aktionen. Durch seine immens vielen Sprints stellte er stets ein Problem für seine Gegenspieler dar, einzig das Glück in seinen Aktionen hat etwas gefehlt. So hätte er beinahe in der 72. Minute das 3:2 erzielt. Eine sehr ordentliche Vorstellung.

Sturm

Mathew Leckie – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Sprint-Rakete war einmal mehr überall.

Die meisten Meter gemacht (11,74 km), die meisten Sprints (37) wie intensive Läufe (88) angezogen und die meisten Zweikämpfe (15) gewonnen – Leckie bekommt für seinen Fleiß einmal mehr die Bestnote. Der Australier bereitete Augsburg durch seinen enormen Aktionsradius und die vielen Sprints große Probleme, er war ein ständiger Unruheherd.

Und ein Torschütze dazu! In der 28. Minute nahm er den Pass von Selke perfekt mit und schloss cool zwischen die Beine von Torhüter Luthe ab. Hinzukommen drei direkte Torschussvorlagen, ebenfalls eine sehr gute Zahl. Aber auch Leckie vermochte es nicht, über 90 Minuten konstant zu spielen, es gab immer wieder Phasen, in denen ihm zu viele Bälle verloren gingen und er Situationen nicht sauber ausspielte. Dennoch war es bemerkenswert, dass der 27-Jährige an nahezu jeder Offensivaktion seiner Mannschaft beteiligt war.

Eine wirklich gutes Spiel von Leckie, der sich wieder fest in die Startelf gebissen hat.

Davie Selke – Note: 2

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Herthas Mittelstürmer ackerte wie ein Wahnsinniger, konnte sich selbst aber wieder nicht belohnen.

Ja, das zweite Saisontor von Davie Selke, es liegt in der Luft, doch auch gegen die Fuggerstädter wollte es nicht fallen. Insgesamt fünf Mal versuchte es der 23-Jährige mit dem Torschuss – dreimal verfehlte er den Kasten, einmal wurde geblockt und einmal hielt Luthe. Doch war sein Auftritt am Dienstag der perfekte Beweis dafür, einen Stoßstürmer nicht nur anhand von Toren zu bewerten, denn Selke hatte so viel mehr zu bieten.

So legte der Sturmtank starke drei Torschüsse auf, darunter das 1:1 von Leckie mit einem perfekt getimten Zuspiel. Vorausgegangen war zudem ein hervorragend gewonnenes Kopfballduell gegen Augsburgs Hinteregger, das diese Szene erst möglich machte. In fast schon verlässlicher Manier fungierte Selke als Leuchtturm, der hoch angespielt werden konnte und dann die Bälle weiterleitete. Neun seiner elf Kopfballduelle hatte der Stürmer gewonnen, dazu elf seiner 16 Zweikämpfe am Boden – jeweils überragende Zahlen für ein Spieler seiner Position. Sicherlich war seine Passbilanz einmal mehr kritisch zu betrachten, 52% angekommene Zuspiele sind schlichtweg zu wenig. Damit machte sich Selke immer wieder aussichtsreiche Momente selbst kaputt.

Selkes Galligkeit war ein Garant für den Punktgewinn von Hertha. Der Mittelstürmer spielte eine starke Partie mit enorm viel Einsatz und riss seine Kollegen dadurch mit.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 4

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Der Tscheche war nach seiner Einwechslung kein Mehrwert für die Mannschaft.

Darida hatte noch rund 30 Minuten, um das Spiel zu ordnen und auf sich aufmerksam zu machen – wirklich zu nutzen, wusste er sie nicht. Zwar erlaubte er sich keine groben Schnitzer o.ä., aber mehr Einfluss als Duda nahm er nicht.

Tatsächlich spielte Darida auffällig unauffällig, er kurbelte die Partie nicht an. Zehn Pässe in 30 Minuten Spielzeit und kein gewonnener Zweikampf sind zu wenig für einen Joker-Einsatz. Zwar fing Darida drei Bälle ab, was aber hinsichtlich der kopflosen Restangriffe des FCA keine allzu hohe Kunst war.

Es war verständlich, dass Dardai den 28-Jährigen für den wirkungslosen Duda brachte, aber seine Leistung rechtfertigte den Wechsel letztendlich nicht.


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