BundesligaVorbericht

Bayer 04 Leverkusen – Hertha BSC: Herrlichs Abschiedsspiel?

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Nach den letzten beiden Bundesligaspielen ist die Euphorie, die zwischenzeitig in Berlin nach 7 Punkten aus drei Spielen herrschte, erst einmal wieder passé. Wie schon so oft in dieser Saison tat man sich wieder einmal gegen die vermeintlich Schwächeren schwer und hat es so zum wiederholten Male verpasst, sich in der Spitzengruppe festzusetzen. Um doch noch mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, hilft daher nur ein Sieg gegen Leverkusen.

Vor der Partie gegen Bayer 04 haben wir mit dem Leverkusen-Fan und Sportjournalisten Bastian Hahne gesprochen und ihn zur derzeitigen Verfassung seines Vereins befragt.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von der Form aus dem Vorjahr sind die Leverkusener Brandt und Bailey weit entfernt. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Man kennt es. Vor der Saison machen sich alle Experten und Fußballfans einen Spaß daraus, die Endtabelle zu tippen. Dass es am Ende eh immer anders kommt, ist dabei klar. So gibt es zumeist 1 bis 2 Teams, die man naturgemäß in den oberen Regionen verortet, die dann aber auf ganzer Linie enttäuschen. Neben Schalke 04 ist das in dieser Spielzeit Bayer Leverkusen. Dabei durfte man nach der letzten Saison durchaus positiv gestimmt sein. Nur die schlechtere Tordifferenz verhinderte die Teilnahme an der Champions League. Zudem musste man auf keiner Position einen Qualitätsverlust hinnehmen und Spieler wie Julian Brandt, Leon Bailey sowie Kai Havertz befinden sich in einem Alter, in dem man naturgemäß mit jedem Jahr besser werden sollte. Die Realität ist jedoch eine andere. Mit Platz 10 hängt Leverkusen den Erwartungen meilenweit hinterher.

Probleme auf und neben dem Platz

Dass Leverkusen gerade derart enttäuscht, begründet Bastian wie folgt: “Es werden zu viele Fehler gemacht. Nicht nur auf dem Platz, sondern überall im Verein. Bei der Kaderplanung hat man vor allem auf den Außenverteidiger-Positionen nicht nachgelegt, dazu sind die Neuzugänge Weiser, Paulinho und Kiese Thelin (noch) keine Verstärkungen. Zwar wurden bis auf Bernd Leno alle Stammkräfte der vergangenen Saison gehalten, doch die meisten stecken seit Monaten in Formkrisen. Auch Trainer Heiko Herrlich findet keine Lösungen mehr, seine Aufstellungen zeugen von Ratlosigkeit.“
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der erst in der Vorsaison installierte Heiko Herrlich in der Kritik steht. Nachdem schon seine Verpflichtung vor eineinhalb Jahren eher mit Argwohn begleitet wurde, sahen sich die Skeptiker nach schwachem Saisonstart bestätigt. Dann jedoch startete Bayer 04 eine beeindruckende Siegesserie, die Leverkusen die Saison und Herrlich wohl den Job rettete. Nun sieht es allerdings nicht danach aus, als wäre ein ähnlicher Lauf zu erwarten. Dabei schien die Grundlage dafür gelegt zu sein. Ende Oktober zeigte Leverkusen zwei absolut beeindruckende Spiele in Folge. Am Wochenende schlug man Werder Bremen auswärts mit 6:2, um nur einige Tage später Gladbach mit 5:0 aus dem DFB-Pokal zu schießen. Statt aus diesen Resultaten Selbstbewusstsein zu tanken, folgten dann jedoch zwei hohe Niederlagen (1:4 gegen Hoffenheim, 0:3 gegen Leipzig) hintereinander. Auch Bastian ist angesichts dieses Verlaufs ratlos: “Es ist kaum zu erklären. Zwei Spiele lang funktionierte alles. Die Mannschaft hat ein Weltklasse-Konterspiel aufgezogen und diese zwei Vereine haben ihr den Gefallen getan, ins offene Messer zu laufen. Den Fehler hat danach keiner mehr gemacht und auch die wenigen Konter, die es noch gab, waren plötzlich wieder auf Drittliga-Niveau. Berappelt hat sich das Team seitdem nicht mehr, auch wenn es noch den ein oder anderen Sieg gab.“

Der ausbleibende nächste Schritt

Die Enttäuschung über diesen Verlauf ist gerade deswegen so groß, weil der Kader so viel mehr hergibt. Von einer Offensive mit Brandt, Bailey, Havertz, Bellarabi, Alario und Volland können andere Bundesligisten nur träumen. Allerdings rennen laut Bastian insbesondere Bailey und Brandt ihrer Form gerade meilenweit hinterher. So war es in den vergangenen Spielen “vor allem Kai Havertz, der mit den entscheidenden Toren Schlimmeres verhindern konnte.“ Das in der Vorsaison so gut funktionierende Sturmduo aus Volland und Alario ist nur noch äußerst selten im Einsatz. In der Regel spielt Volland allein in der Spitze. Den Grund dafür “weiß nur Heiko Herrlich“, so Bastian.
All das führt dazu, dass der zu erwartende nächste Schritt hin zu einer stabileren Saison ohne die starken Leistungsschwankungen des Vorjahres ausbleibt und sich im Gegenteil sogar ins Negative verkehrt. So wird es immer unwahrscheinlicher, dass Herrlich Leverkusen noch in der Rückrunde betreuen darf, was auch Bastian klar macht: “Bei den Fans ist er, so muss man es wohl sagen, unten durch. Jedenfalls fachlich und als Leverkusener Trainer. […] Ein Wechsel im Winter ist erwünscht und deutet sich an. Gerüchte um Peter Bosz oder Marco Rose als Nachfolger gibt es bereits. Die Partie am Samstag könnte seine letzte sein.“

Hertha sehnt die Winterpause herbei

Verglichen mit Leverkusen erscheinen Herthas Sorgen als Luxusprobleme. Dennoch dürften Pal Dardai und Co. die Winterpause herbeisehnen, denn personell wird man auch in Leverkusen am Krückstock gehen. Neben den ohnehin schon Langzeitverletzten Stark, Rekik, Dilrosun und Grujic wird, wie schon gegen Augsburg, auch Salomon Kalou nicht mit von der Partie sein. Per Skjelbred steht aufgrund von Zahnschmerzen ebenfalls nicht zur Verfügung. Am Samstag gilt es also, eine gute Basis für die Rückrunde zu schaffen, um dann mit der hoffentlich vollen Kapelle wieder oben anzugreifen.


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Nach den letzten beiden Bundesligaspielen ist die Euphorie, die zwischenzeitig in Berlin nach 7 Punkten aus drei Spielen herrschte, erst einmal wieder passé. Wie schon so oft in dieser Saison tat man sich wieder einmal gegen die vermeintlich Schwächeren schwer und hat es so zum wiederholten Male verpasst, sich in der Spitzengruppe festzusetzen. Um doch noch mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, hilft daher nur ein Sieg gegen Leverkusen.

Vor der Partie gegen Bayer 04 haben wir mit dem Leverkusen-Fan und Sportjournalisten Bastian Hahne gesprochen und ihn zur derzeitigen Verfassung seines Vereins befragt.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von der Form aus dem Vorjahr sind die Leverkusener Brandt und Bailey weit entfernt. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Man kennt es. Vor der Saison machen sich alle Experten und Fußballfans einen Spaß daraus, die Endtabelle zu tippen. Dass es am Ende eh immer anders kommt, ist dabei klar. So gibt es zumeist 1 bis 2 Teams, die man naturgemäß in den oberen Regionen verortet, die dann aber auf ganzer Linie enttäuschen. Neben Schalke 04 ist das in dieser Spielzeit Bayer Leverkusen. Dabei durfte man nach der letzten Saison durchaus positiv gestimmt sein. Nur die schlechtere Tordifferenz verhinderte die Teilnahme an der Champions League. Zudem musste man auf keiner Position einen Qualitätsverlust hinnehmen und Spieler wie Julian Brandt, Leon Bailey sowie Kai Havertz befinden sich in einem Alter, in dem man naturgemäß mit jedem Jahr besser werden sollte. Die Realität ist jedoch eine andere. Mit Platz 10 hängt Leverkusen den Erwartungen meilenweit hinterher.

Probleme auf und neben dem Platz

Dass Leverkusen gerade derart enttäuscht, begründet Bastian wie folgt: “Es werden zu viele Fehler gemacht. Nicht nur auf dem Platz, sondern überall im Verein. Bei der Kaderplanung hat man vor allem auf den Außenverteidiger-Positionen nicht nachgelegt, dazu sind die Neuzugänge Weiser, Paulinho und Kiese Thelin (noch) keine Verstärkungen. Zwar wurden bis auf Bernd Leno alle Stammkräfte der vergangenen Saison gehalten, doch die meisten stecken seit Monaten in Formkrisen. Auch Trainer Heiko Herrlich findet keine Lösungen mehr, seine Aufstellungen zeugen von Ratlosigkeit.“
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der erst in der Vorsaison installierte Heiko Herrlich in der Kritik steht. Nachdem schon seine Verpflichtung vor eineinhalb Jahren eher mit Argwohn begleitet wurde, sahen sich die Skeptiker nach schwachem Saisonstart bestätigt. Dann jedoch startete Bayer 04 eine beeindruckende Siegesserie, die Leverkusen die Saison und Herrlich wohl den Job rettete. Nun sieht es allerdings nicht danach aus, als wäre ein ähnlicher Lauf zu erwarten. Dabei schien die Grundlage dafür gelegt zu sein. Ende Oktober zeigte Leverkusen zwei absolut beeindruckende Spiele in Folge. Am Wochenende schlug man Werder Bremen auswärts mit 6:2, um nur einige Tage später Gladbach mit 5:0 aus dem DFB-Pokal zu schießen. Statt aus diesen Resultaten Selbstbewusstsein zu tanken, folgten dann jedoch zwei hohe Niederlagen (1:4 gegen Hoffenheim, 0:3 gegen Leipzig) hintereinander. Auch Bastian ist angesichts dieses Verlaufs ratlos: “Es ist kaum zu erklären. Zwei Spiele lang funktionierte alles. Die Mannschaft hat ein Weltklasse-Konterspiel aufgezogen und diese zwei Vereine haben ihr den Gefallen getan, ins offene Messer zu laufen. Den Fehler hat danach keiner mehr gemacht und auch die wenigen Konter, die es noch gab, waren plötzlich wieder auf Drittliga-Niveau. Berappelt hat sich das Team seitdem nicht mehr, auch wenn es noch den ein oder anderen Sieg gab.“

Der ausbleibende nächste Schritt

Die Enttäuschung über diesen Verlauf ist gerade deswegen so groß, weil der Kader so viel mehr hergibt. Von einer Offensive mit Brandt, Bailey, Havertz, Bellarabi, Alario und Volland können andere Bundesligisten nur träumen. Allerdings rennen laut Bastian insbesondere Bailey und Brandt ihrer Form gerade meilenweit hinterher. So war es in den vergangenen Spielen “vor allem Kai Havertz, der mit den entscheidenden Toren Schlimmeres verhindern konnte.“ Das in der Vorsaison so gut funktionierende Sturmduo aus Volland und Alario ist nur noch äußerst selten im Einsatz. In der Regel spielt Volland allein in der Spitze. Den Grund dafür “weiß nur Heiko Herrlich“, so Bastian.
All das führt dazu, dass der zu erwartende nächste Schritt hin zu einer stabileren Saison ohne die starken Leistungsschwankungen des Vorjahres ausbleibt und sich im Gegenteil sogar ins Negative verkehrt. So wird es immer unwahrscheinlicher, dass Herrlich Leverkusen noch in der Rückrunde betreuen darf, was auch Bastian klar macht: “Bei den Fans ist er, so muss man es wohl sagen, unten durch. Jedenfalls fachlich und als Leverkusener Trainer. […] Ein Wechsel im Winter ist erwünscht und deutet sich an. Gerüchte um Peter Bosz oder Marco Rose als Nachfolger gibt es bereits. Die Partie am Samstag könnte seine letzte sein.“

Hertha sehnt die Winterpause herbei

Verglichen mit Leverkusen erscheinen Herthas Sorgen als Luxusprobleme. Dennoch dürften Pal Dardai und Co. die Winterpause herbeisehnen, denn personell wird man auch in Leverkusen am Krückstock gehen. Neben den ohnehin schon Langzeitverletzten Stark, Rekik, Dilrosun und Grujic wird, wie schon gegen Augsburg, auch Salomon Kalou nicht mit von der Partie sein. Per Skjelbred steht aufgrund von Zahnschmerzen ebenfalls nicht zur Verfügung. Am Samstag gilt es also, eine gute Basis für die Rückrunde zu schaffen, um dann mit der hoffentlich vollen Kapelle wieder oben anzugreifen.


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