Am Sonntag geht die Rückrunde der Bundesliga-Saison auch für Hertha BSC wieder los, die Berliner treten in Nürnberg gegen den Tabellenletzten an. Wir blicken gespannt auf die erste Partie in der Rückrunde unserer Hertha und werfen einen genaueren Blick auf den Gegner. Dafür haben wir mit mit FCN-Fan Felix Amrhein über die sportliche Situation, die Erwartungen der Fans und die Perspektive für Nürnberg im Abstiegskampf gesprochen.

Die Ausgangslage

Schaut man auf die Zahlen, hat der 1. FC Nürnberg eine Hinrunde zum Vergessen gespielt: Die meisten Gegentore (38), die zweitwenigsten eigenen Treffer (14), die wenigsten Torschüsse pro Spiel (10,3) – der FCN hatte in der ersten Hälfte der Saison also vorne und hinten Probleme. Doch konnten diese Schwächen im Trainingslager angegangen werden, so dass eine Verbesserung erwartet werden kann?

Zumindest scheint Trainer Michael Köllner die Probleme anzugehen und versucht der Mannschaft mehr taktische Flexibilität zu geben: “Im Trainingslager hat die Mannschaft ein 4-4-2 mit Raute einstudiert um nicht auf das übliche 4-1-4-1 oder die Alternative 4-4-2 mit Doppelsechs beschränkt zu sein. Die Testspiele deuteten aber darauf hin, dass beim “Glubb” die Abläufe und Automatismen insbesondere offensiv immer noch nicht greifen”, erklärte uns das Mitglied des FCN-Podcasts “Total beGlubbt”.

Nürnberg konnte allerdings in den letzten beiden Testspielen nicht überzeugen, dementsprechend hart fällt die Einschätzung von Felix aus: “Der FCN ist nicht in Form. Zumindest nicht in jener, die er für die Aufholjagd benötigt.”

Die Stimmung hält – noch

Die Zahlen sprechen für sich: aktuell gibt es nicht viel, was die Hoffnung auf einen Klassenerhalt nähren dürfte. Andererseits sind es nur drei Punkte Abstand auf den VfB Stuttgart, der auf dem Relegationsplatz liegt (bei ähnlich schlechter Tordifferenz). Für Felix ist die aktuelle Stimmung bei Fans und Club “eine Mischung aus Resignation und Zweckoptimismus.” Sie schwankt zwischen „Wir sind halt einfach nicht gut genug für den Klassenerhalt.“ und „Keiner glaubt an uns. Jetzt erst recht!“ Fast niemand glaubt an ein fränkisches Fußballwunder. “Dafür waren die Eindrücke bislang einfach zu schlecht. Aber die Situation lässt einen halt noch hoffen und dieses kleine Licht werden wohl alle so lange wie möglich am Leben erhalten wollen.”

Ist Hoffnung in Sicht?

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Wenn es vorne und hinten nicht läuft, könnten Wintertransfers ein Teil der Lösung sein. Doch hier blieb Nürnberg erstaunlich passiv. Bislang setzen die Verantwortlichen „Neuzugänge aus den eigenen Reihen“ – also die Rückkehr von Leistungsträgern wie Hanno Behrens, Christian Mathenia und Enrico Valentini. Doch kann das ausreichen? Felix ist der Meinung, dass echte Neuzugänge nötig sind: “Die Rückkehr der drei genannten (plus Eduard Löwen) macht den FCN wieder wettbewerbsfähiger aber das wird nicht reichen.”

Besonders auf dem defensiven Mittelfeldspieler Eduard Löwen ruhen die Hoffnungen, denn dieser hat “in der Vergangenheit und im Trainingslager gezeigt, dass er der Mannschaft weiterhelfen kann und ihre Qualität fußballerisch und physisch steigert.” Trotzdem darf man von dem 21-Jährigen keine Wunderdinge erwarten. “Man darf nicht vergessen, dass er es bisher auf gerade einmal 7 Bundesliga- und 43 Zweitligaeinsätze bringt. Er mag ein sehr gläubiger Mensch sein, aber deswegen ist er noch lange nicht der Heiland.”

Weitere Neuzugänge sind also nötig, jedoch weist Felix darauf hin, dass die Klubführung “nur dann etwas unternehmen werde, wenn man hundertprozentig vom Transfer überzeugt ist. Die letzten Aussagen lassen keinen Neuzugang mehr beim FCN erwarten. Allerdings wurden auch im Sommer ohne vorheriges Blätterrascheln am Ende noch Transfer aus dem Ärmel geschüttelt.”

Wenn ihr Freunde des gesprochenen Wortes seid, dann könnt ihr hier bei meinsportpodcast.de nachhören, wie Nürnberg-Experte Felix und Herthabase-Redakteur Marc Schwitzky die aktuelle Situation beider Vereine vor dem Rückrundenstart einschätzen.

#FCNBSC: Ziel noch erreichbar

Die Offensive hakt immer noch

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Vor der Winterpause blieben die Franken vier Spiele in Folge ohne eigenen Treffer. Der Mann der die Buden machen soll, kommt einfach nicht in Fahrt: Mikael Ishak gelangen in bislang 13 Einsätzen nur zwei Treffer und zwei Vorlagen. In der Aufstiegssaison konnte er noch 12 Tore und 8 Vorlagen für Nürnberg erzielen. Trainer Köllner muss dem Offensivspiel neue Impulse geben, für gewöhnlich bietet sich hier das Wintertrainingslager an. Doch auch hier ist es Nürnberg nicht gelungen, die schmerzlich vermisste Torgefährlichkeit wiederzufinden: Zwei Tore in 5 Halbzeiten gegen niederländische bzw. belgische Abstiegskandidaten sprechen leider für sich.”

 

Die Abwehrschwäche als Qualitäts- und Trainingsfrage

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Nürnberg hat mit 38 Toren die meisten Gegentore der Liga kassiert. Da sind zwar zwei dicke Klatschen gegen Dortmund (7:0) und Leipzig (6:0) dabei, aber grundsätzlich wirkt die Abwehr nicht stabil. Für Felix hat das zwei Gründe. Als erstes führt er die immer wieder kehrenden individuellen Fehler an, die am Ende die komplette Hintermannschaft kollabieren lassen. “Da lässt sich im Training nicht viel machen. Das ist einfach eine Qualitätsfrage.” Als zweiten Grund für die vielen Gegentore sieht er die fehlende Absicherung nach eigenen Standards: “Gerade zum Ende der Hinrunde durften die Gegner nach Ecken und Freistößen oft unbedrängt aufs Tor des FCN zulaufen. Mehr Gegentore verhinderte nur mangelnde Abschlussqualität bzw. das konsequente Ausspielen der Überzahlsituationen. Das kann, nein, muss man sogar trainieren und ich hoffe inständig, dass es geschehen ist!”

Der FCN macht vor dem Start der Rückrunde keinen guten Eindruck und die Mannschaft von Pal Dardai ist damit in der klaren Favoritenrolle. Wie sehr die Berliner mit dieser Rollenverteilung hadern, zeigen die enttäuschenden Ergebnisse gegen die vermeintlich schwächeren Teams. Von den aktuell fünf letztplatzierten Teams konnte die Hertha nur Hannover souverän mit einem 2:0 und Nürnberg zum Saisonstart knapp mit 1:0 besiegen. Gegen Augsburg gab es ein maues 2:2. Und gegen Düsseldorf und Stuttgart gab es blamable Niederlagen.

Damit der Rückrundenauftakt gegen die vermeintlich schwachen Nürnberger nicht zu einer weiteren Blamage wird, muss Hertha BSC seine Klasse konsequent und konzentriert ausspielen. Hoffnung macht dabei die Rückkehr von Marko Grujic. Der Serbe zeigte im Training in dieser Woche starke Leistungen und wird mit nach Nürnberg fahren. Mit Grujic ist Hertha bislang noch ungeschlagen.

 

 


1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

[…] ihm spielte sicherlich die aktuell schwache Offensive von Nürnberg in die Karten. Es bleibt abzuwarten wie sich Niklas Stark nach seiner langen Verletzung gegen […]

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