Einzelkritik

Einzelkritik 18. Spieltag: 1.FC Nürnberg – Hertha BSC

Endlich wieder ein Sieg im ersten Rückrundenspiel! Hertha BSC siegt im Sonntagsspiel gegen den 1.FC Nürnberg auswärts mit 3:1. Am Ende ist es ein verdienter Erfolg der “alten Dame” gewesen, die drei wichtige Punkte mit nach Hause nimmt. Unsere Einzelkritik zum erfolgreichen Rückrundenauftakt.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Ein ruhiges Spiel für Rune Jarstein. Der Norweger musste kaum eingreifen und konnte zusehen, wie seine Mannschaft das Spiel durchgehend im Griff hatte. Beim zwischenzeitlichen 1:1 hatte er aus kürzester Distanz keine Abwehrchance, wurde in der Situation auch von seiner Abwehr im Stich gelassen. Seine Wut war allerdings nur von kurzer Dauer und er wurde in der zweiten Halbzeit kein einziges Mal ernsthaft auf die Probe gestellt.

Der Stammkeeper der Berliner musste sich also dieses Mal nicht auszeichnen, strahlte jedoch nach seinem Patzer in Leverkusen wieder seine gewohnte Stabilität aus.

Abwehr

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dem Ex-Nürnberger Marvin Plattenhardt wollte vor allem in der ersten Halbzeit nicht allzu viel gelingen. Wieder einmal war es vor allem die starke rechte Seite von Hertha, die für Höhepunkte sorgte. Somit ist es auch kein Zufall, dass beide Treffer in Halbzeit zwei von Valentino Lazaro eingeleitet wurden. Plattenhardt, der sich für die Rückrunde viel vorgenommen hat, konnte offensiv erneut wenige Akzente setzen. Seine Zweikampfbilanz war weder sonderlich gut, noch auffällig schlecht (56% gewonnene Zweikämpfe).

Im Laufe des Spieles wurde „Platte“ stabiler und selbstbewusster. Insbesondere in der Schlussphase war mehr vom 26-Jährigen zu sehen. In den letzten 20 Minuten traute er sich mehr zu, war immer wieder in der gegnerischen Hälfte zu sehen. In der 72. Minute konnte er Maier gut in Szene setzen, in der 81. Minute kam er sogar selbst in guter Schussposition zum Abschluss.

Insgesamt zeigte er sich sehr lauffreudig (10,61 km) und bemüht. Eine ordentliche Leistung also vom linken Verteidiger, der allerdings noch Luft nach oben hat.

Karim Rekik – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Karim Rekik gehörte zu den „Risiko“-Spielern der Hertha-Startelf gegen Nürnberg. Sowohl er als auch seine Kollegen Niklas Stark und Marko Grujic, kommen aus längeren Verletzungen zurück. Fehlende Spielpraxis war jedoch nicht die größte Sorge der Fans, sondern eher das Risiko der erneuten Verletzung.

Doch der kurzfristige Ausfall von Jordan Torunarigha (Pferdekuss) zwang Pal Dardai dazu dieses Risiko einzugehen. Dardai setzte auf eine Dreierkette und Rekik musste von Anfang an spielen. Sein Auftritt war sehr stabil. Die Abstimmung mit Fabian Lustenberger und Niklas Stark funktionierte bis auf einzelne Szenen wirklich ordentlich. In Bezug auf seine Verletzung zeigte sich der Niederländer noch ein wenig zurückhaltend. Er führte weniger Zweikämpfe als Stark und Lustenberger, gewann allerdings 67% davon.

Sechs Ballsicherungen und sieben klärende Aktionen deuten auf eine stabile Leistung des 24-Jährigen hin, der allerdings davon profitierte, dass dem 1.FC Nürnberg nur sehr wenig gelingen wollte. Es ist zu erwarten, dass Rekik in den nächsten Wochen mit mehr Spielpraxis noch souveräner agiert als am Sonntag.

Fabian Lustenberger – Note: 2-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Es ist beeindruckend zu sehen, dass Fabian Lustenberger nach so vielen Jahren in Berlin immer noch eine so tragende Rolle in der Mannschaft spielt. Am Sonntag übernahm der Schweizer Verantwortung und war die leitende Figur der Berliner Defensive. Sieben Ballsicherungen, sieben klärende Aktionen und eine 90%ige Passquote sprechen eine deutliche Sprache. Er führte viele Zweikämpfe, gewann etwa die Hälfte und konnte mit seiner Routine im Defensivverbund überzeugen.

Einziges Manko: beim Gegentreffer verliert „Lusti“ beim Eckball sein Kopfballduell und lässt den komplett freistehenden Hanno Behrens gewähren, sodass dieser aus kürzester Distanz einschieben kann. Zwar war Niklas Stark für Behrens verantwortlich, trotzdem hätte der 30-Jährige genug Zeit gehabt, sich vor dem Nürnberger zu stellen, um ein Gegentor zu verhindern. Bis auf diese eine Situation erlaubte sich der Routinier aber keine Fehler und zeigte eine solide Partie.

Niklas Stark – Note: 3+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dass Niklas Stark noch nicht bei 100% ist, wusste man auch vor der Partie gegen sein Ex-Verein. Zudem wollte keiner sehen, dass sich der 23-Jährige erneut verletzt, nachdem er doch so lange in der Hinrunde ausfallen musste. Allerdings konnte Stark viele Zweifel aus dem Weg räumen. Er gewann nach Duda die meisten Zweikämpfe (13) und hatte die meisten Ballaktionen auf dem Platz. Auch sein Stellungsspiel war gut, sodass er selten in Schwierigkeiten kam.

Ein negativer Höhepunkt im Spiel war jedoch das zwischenzeitliche 1:1: Stark hatte eigentlich Hanno Behrens als Gegenspieler, ließ ihn jedoch im entscheidenden Augenblick aus den Augen, sodass dieser dann völlig frei einschieben konnte. Der Ex-Nürnberger ließ sich davon jedoch nicht beunruhigen und konnte in der restlichen Partie überzeugen.

Auch ihm spielte sicherlich die aktuell schwache Offensive von Nürnberg in die Karten. Es bleibt abzuwarten, wie sich Niklas Stark nach seiner langen Verletzung gegen offensiv-starke Gegner zeigt.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Der rechte Verteidiger von Hertha profitiert momentan auch von den taktischen Entscheidungen seines Trainers. Durch die Dreierkette war Lazaro ein wenig mehr von seinen defensiven Aufgaben befreit und konnte etwas höher auf dem Platz für Unruhe sorgen. Das zahlte sich insbesondere in der zweiten Halbzeit aus. Beide Treffer von Ondrej Duda haben ihren Ursprung auf die rechte Seite mit Valentino Lazaro. Der Österreicher war in beiden Situationen auf seinem Flügel im Vorwärtsgang und hatte das Auge für den Mitspieler.

Intelligente Pässe (Passquote von 85%), gute und schnelle Ballannahmen, Lazaro wirbelte mal wieder auf seiner Seite, ohne seine defensiven Aufgaben zu vernachlässigen. Mit 26 Sprints ist er gegen Nürnberg in dieser Kategorie bei Hertha auf dem ersten Platz. Er glänzte zwar nicht als direkter Torvorbereiter, hatte jedoch einen großen Anteil am Auswärtserfolg.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine starke Leistung des Youngsters der Berliner. Es wurde in der Winterpause und in der Vorberichterstattung vor allem über Marko Grujic gesprochen, doch die Verschnaufpause scheint vor allem Arne Maier gut getan zu haben. In Nürnberg zeigte sich der 20-Jährige frisch und sehr motiviert.

In der 28. Minute zeigte er zum ersten Mal sein ganzes Können und leitete eine sehr gefährliche Szene ein. In der Schlussphase war er beim Kontern eine echte Waffe, hätte in der 72. Minute mit ein wenig mehr Präzision im Abschluss sein erstes Profi-Tor erzielen können. In der 80. Minute konnte er Davie Selke gut in Szene setzen, dieser scheiterte jedoch am Pfosten.

Auffällig war die Art und Weise, wie Maier routiniert im Mittelfeld neben Marko Grujic (und später Vladimir Darida) und Ondrej Duda agierte. Mit 72 angekommenen Pässe (88% Passquote) und elf Ballsicherungen war er auf seiner Sechser-Position ein absoluter Ruhepol. Er traute sich mehr im Offensivspiel zu und konnte ganze vier Torschussvorlagen verbuchen.

Eine rundum gelungene Partie des Jungen aus Ludwigsfelde, der erneut zeigt, warum er trotz seines jungen Alters unumstrittener Stammspieler in Berlin ist.

Marko Grujic – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dass Marko Grujic im ersten Spiel der Rückrunde von Anfang an spielt, haben wenige erwartet. So war es auch eine gewisse Überraschung, als die Startaufstellung bekannt wurde. Eigentlich hieß es noch einige Wochen davor, er sei erst für das Heimspiel gegen Gelsenkirchen eine Option. Die schnelle Genesung des Serben ermöglichte jedoch Dardai wieder mit seinem „Totem“ zu spielen. Und so muss man feststellen: Hertha verliert mit Marko Grujic im Kader weiterhin kein Spiel.

Betrachtet man jedoch die Leistung des jungen Hoffnungsträgers, wird deutlich, dass er noch etwas Zeit braucht, um sein ganzes Potenzial wieder abzurufen. Grujic war eher unauffällig, nur selten im Offensivspiel zu sehen und führte wenige Zweikämpfe. Er war vor allem auf Sicherheit bedacht, gewann 80 % seiner Zweikämpfe und harmonierte gut im „magischen Dreieck“ mit Arne Maier und Ondrej Duda. Kurz vor der Pause hatte er noch eine Chance per Weitschuss.

Bemerkenswert ist sein Pass auf Vedad Ibisevic in der 15. Minute gewesen, der dann mit Davie Selke im Doppelpass die 1:0-Führung der Berliner erzielen konnte. Der 22-Jährige zeigte sich in dieser Situation hellwach und ermöglichte damit eine frühe Führung für sein Team. Wie erwartet ging er dann früh in der zweiten Halbzeit vom Platz und wurde von Vladimir Darida ersetzt. Am Ende war es ein ordentliches Comeback von Marko Grujic. Die Hertha-Fans werden wohl einfach nur froh sein, dass er sich nicht verletzt hat und im nächsten Spiel wohl erneut von Beginn an spielen wird.

Ondrej Duda – Note: 1-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine bekannte Luxus-Uhr-Marke hat am Sonntag viel Aufmerksamkeit bekommen, das Konto von Salomon Kalou wird dagegen etwas leichter sein. Durch sein Doppelpack in der zweiten Halbzeit in Nürnberg steht Ondrej Duda jetzt bei neun Toren und führt die interne Torschützenliste vor Vedad Ibisevic an. Wie verprochen müsste also jetzt Kalou seiner „Number 10“ eine Uhr kaufen. Der Ivorer hält auch sein Versprechen, der Torschütze jedoch will lieber das Geld spenden. Eine sinnvolle Entscheidung, wie wir finden.

Ein Doppelpack direkt im ersten Spiel der Rückrunde: es könnte nicht besser laufen für den jungen Slowaken, der bisher eine grandiose Saison in Berlin spielt. Gegen den „Club“ aus Nürnberg zeigte sich Duda von seiner besten Seite. Sein Torinstinkt bei seinen Treffern, seine Passgenauigkeit (75% angekommene Pässe) sowie die meisten gewonnenen Zweikämpfe (14) – die Zahlen untermauern den starken Eindruck, den Duda beim 3:1 Auswärtssieg hinterlassen hatte. Dazu kommt die Tatsache, dass er erneut der Spieler auf dem Platz war, der die meisten Kilometer gelaufen ist (11,73).

Insbesondere mit Arne Maier harmonierte Ondrej Duda herausragend gut, was zu vielen guten Möglichkeiten in beiden Halbzeiten führte. Insgesamt eine sehr starke Leistung von Ondrej Duda. In Berlin kann man jetzt hoffen, dass die Nummer zehn seine Rückrunde so stark weiterführt, wie seine Hinrunde. Dann sind die zehn Tore auch nicht mehr weit. Wir warten also auf die nächste Wette mit Salomon Kalou.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 1-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Herthas Kapitän befindet sich gerade im Vertragspoker: Hertha würde gerne mit dem erfahrenen Torschützen für ein Jahr verlängern und Ibisevic selbst wäre wohl ebenfalls nicht abgeneigt. Spekulationen um seine Zukunft scheinen den Bosnier jedoch keineswegs zu verunsichern. So zeigte er gegen Nürnberg eine starke Leistung, traf nach Zusammenspiel mit Grujic und Selke sehenswert zur 1:0-Führung. Beim 2:1 legte er „Number 10“ dann technisch herausragend per Hackentrick ein Tor vor.

Er führte viele Luftzweikämpfe, gewann allerdings nur 31% davon. Glänzen konnte Ibisevic vor allem in Tornähe, wo er drei Torschüsse und drei Torschussvorlagen abgab. Die Zeit vom „Veda-Tor“ ist noch nicht vorbei: mit sieben Treffern ist er aktuell nach Ondrej Duda der zweitbeste Torschütze der „Blau-Weißen“.  In der 79. Minute hätte er sogar sein achtes Saisontor schießen können, scheiterte jedoch frei an FCN-Torhüter Christian Mathenia.

Davie Selke – Note: 2+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Was Davie Selke im Moment fehlt? Ein eigener Torerfolg. Alles andere funktioniert momentan sehr gut. Im Doppelpass mit Vedad Ibisevic konnte er das 1:0 vorbereiten. Seine zweite Torvorlage im Spiel gab er beim 3:1 auf Ondrej Duda ab. Zudem arbeitete der 24-Jährige unermüdlich für seine Mannschaft, führte viele Zweikämpfe und gewann 13 davon.

In der Hinrunde haben wir bereits den Einsatz und die Mentalität von Davie Selke gelobt. Warum es allerdings bisher nicht zu mehr Treffern reicht ist fraglich und wohl nur mit Pech zu beantworten. Auch am Sonntag war Selke nur ganz knapp davon entfernt, ein Tor zu erzielen. In der 81. Minute scheitert er am Pfosten, in der 84. Minute an Torhüter Mathenia.

Der junge Stürmer hat immerhin jetzt bereits vier Treffer vorbereitet, allein zwei im letzten Spiel. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis er auch in der Rückrunde trifft. Gegen Nürnberg zeigte er jedenfalls eine gute Leistung, wurde kurz vor Schluss durch Pascal Köpke ersetzt.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine erfrischende Leistung von Vladimir Darida, der ein anderes Gesicht zeigte, als noch in der Hinrunde. In der zweiten Halbzeit profitierte der Tscheche zweifellos davon, dass seine Mitspieler einen guten Tag erwischten und insbesondere seine zwei Mitspieler im zentralen Mittelfeld sehr stark spielten. Trotzdem konnte Darida seine Qualitäten wieder andeuten. Alle seine Pässe kamen im Spiel an, kurz vor Schluss hätte er sogar eine Torvorlage abgeben können und auch ein Distanzschuss des 28-Jährigen hätte äußerst gefährlich werden können, wäre er nicht noch entscheidend abgefälscht worden. Sein Pass auf Davie Selke führte jedoch aufgrund einer guten Parade von Mathenia nicht zum Tor.

Pascal Köpke – Note: /

Pascal Köpke durfte für die letzten Minuten für Davie Selke spielen. In der kurzen Zeit kann ein Spieler natürlich keine besonderen Eindrücke hinterlassen. Trotzdem ist die Entscheidung von Dardai ein Zeichen dafür, dass sich der junge Stürmer im Training anbietet.

Allerdings sind seine Chancen auf ein Stammelf-Einsatz wohl durch die starken Leistungen von Vedad Ibisevic und Davie Selke eher gesunken als gestiegen.


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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Fabian Behrendt
Januar 21, 2019 7:33 pm

Sehr guter Artikel. Weiter so 👍

Antworten

[…] an diesem Gegentor nicht absprechen. Dazu kommt eine schwache Zweikampfquote von 20% (im Vergleich: im Spiel gegen den 1.FC Nürnberg hatte er noch eine Zweikampfquote von 60%). Insgesamt war es also kein wirklich gutes Spiel von […]

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Endlich wieder ein Sieg im ersten Rückrundenspiel! Hertha BSC siegt im Sonntagsspiel gegen den 1.FC Nürnberg auswärts mit 3:1. Am Ende ist es ein verdienter Erfolg der “alten Dame” gewesen, die drei wichtige Punkte mit nach Hause nimmt. Unsere Einzelkritik zum erfolgreichen Rückrundenauftakt.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3

(Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Ein ruhiges Spiel für Rune Jarstein. Der Norweger musste kaum eingreifen und konnte zusehen, wie seine Mannschaft das Spiel durchgehend im Griff hatte. Beim zwischenzeitlichen 1:1 hatte er aus kürzester Distanz keine Abwehrchance, wurde in der Situation auch von seiner Abwehr im Stich gelassen. Seine Wut war allerdings nur von kurzer Dauer und er wurde in der zweiten Halbzeit kein einziges Mal ernsthaft auf die Probe gestellt.

Der Stammkeeper der Berliner musste sich also dieses Mal nicht auszeichnen, strahlte jedoch nach seinem Patzer in Leverkusen wieder seine gewohnte Stabilität aus.

Abwehr

Marvin Plattenhardt – Note: 3-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dem Ex-Nürnberger Marvin Plattenhardt wollte vor allem in der ersten Halbzeit nicht allzu viel gelingen. Wieder einmal war es vor allem die starke rechte Seite von Hertha, die für Höhepunkte sorgte. Somit ist es auch kein Zufall, dass beide Treffer in Halbzeit zwei von Valentino Lazaro eingeleitet wurden. Plattenhardt, der sich für die Rückrunde viel vorgenommen hat, konnte offensiv erneut wenige Akzente setzen. Seine Zweikampfbilanz war weder sonderlich gut, noch auffällig schlecht (56% gewonnene Zweikämpfe).

Im Laufe des Spieles wurde „Platte“ stabiler und selbstbewusster. Insbesondere in der Schlussphase war mehr vom 26-Jährigen zu sehen. In den letzten 20 Minuten traute er sich mehr zu, war immer wieder in der gegnerischen Hälfte zu sehen. In der 72. Minute konnte er Maier gut in Szene setzen, in der 81. Minute kam er sogar selbst in guter Schussposition zum Abschluss.

Insgesamt zeigte er sich sehr lauffreudig (10,61 km) und bemüht. Eine ordentliche Leistung also vom linken Verteidiger, der allerdings noch Luft nach oben hat.

Karim Rekik – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Karim Rekik gehörte zu den „Risiko“-Spielern der Hertha-Startelf gegen Nürnberg. Sowohl er als auch seine Kollegen Niklas Stark und Marko Grujic, kommen aus längeren Verletzungen zurück. Fehlende Spielpraxis war jedoch nicht die größte Sorge der Fans, sondern eher das Risiko der erneuten Verletzung.

Doch der kurzfristige Ausfall von Jordan Torunarigha (Pferdekuss) zwang Pal Dardai dazu dieses Risiko einzugehen. Dardai setzte auf eine Dreierkette und Rekik musste von Anfang an spielen. Sein Auftritt war sehr stabil. Die Abstimmung mit Fabian Lustenberger und Niklas Stark funktionierte bis auf einzelne Szenen wirklich ordentlich. In Bezug auf seine Verletzung zeigte sich der Niederländer noch ein wenig zurückhaltend. Er führte weniger Zweikämpfe als Stark und Lustenberger, gewann allerdings 67% davon.

Sechs Ballsicherungen und sieben klärende Aktionen deuten auf eine stabile Leistung des 24-Jährigen hin, der allerdings davon profitierte, dass dem 1.FC Nürnberg nur sehr wenig gelingen wollte. Es ist zu erwarten, dass Rekik in den nächsten Wochen mit mehr Spielpraxis noch souveräner agiert als am Sonntag.

Fabian Lustenberger – Note: 2-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Es ist beeindruckend zu sehen, dass Fabian Lustenberger nach so vielen Jahren in Berlin immer noch eine so tragende Rolle in der Mannschaft spielt. Am Sonntag übernahm der Schweizer Verantwortung und war die leitende Figur der Berliner Defensive. Sieben Ballsicherungen, sieben klärende Aktionen und eine 90%ige Passquote sprechen eine deutliche Sprache. Er führte viele Zweikämpfe, gewann etwa die Hälfte und konnte mit seiner Routine im Defensivverbund überzeugen.

Einziges Manko: beim Gegentreffer verliert „Lusti“ beim Eckball sein Kopfballduell und lässt den komplett freistehenden Hanno Behrens gewähren, sodass dieser aus kürzester Distanz einschieben kann. Zwar war Niklas Stark für Behrens verantwortlich, trotzdem hätte der 30-Jährige genug Zeit gehabt, sich vor dem Nürnberger zu stellen, um ein Gegentor zu verhindern. Bis auf diese eine Situation erlaubte sich der Routinier aber keine Fehler und zeigte eine solide Partie.

Niklas Stark – Note: 3+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dass Niklas Stark noch nicht bei 100% ist, wusste man auch vor der Partie gegen sein Ex-Verein. Zudem wollte keiner sehen, dass sich der 23-Jährige erneut verletzt, nachdem er doch so lange in der Hinrunde ausfallen musste. Allerdings konnte Stark viele Zweifel aus dem Weg räumen. Er gewann nach Duda die meisten Zweikämpfe (13) und hatte die meisten Ballaktionen auf dem Platz. Auch sein Stellungsspiel war gut, sodass er selten in Schwierigkeiten kam.

Ein negativer Höhepunkt im Spiel war jedoch das zwischenzeitliche 1:1: Stark hatte eigentlich Hanno Behrens als Gegenspieler, ließ ihn jedoch im entscheidenden Augenblick aus den Augen, sodass dieser dann völlig frei einschieben konnte. Der Ex-Nürnberger ließ sich davon jedoch nicht beunruhigen und konnte in der restlichen Partie überzeugen.

Auch ihm spielte sicherlich die aktuell schwache Offensive von Nürnberg in die Karten. Es bleibt abzuwarten, wie sich Niklas Stark nach seiner langen Verletzung gegen offensiv-starke Gegner zeigt.

Valentino Lazaro – Note: 2

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Der rechte Verteidiger von Hertha profitiert momentan auch von den taktischen Entscheidungen seines Trainers. Durch die Dreierkette war Lazaro ein wenig mehr von seinen defensiven Aufgaben befreit und konnte etwas höher auf dem Platz für Unruhe sorgen. Das zahlte sich insbesondere in der zweiten Halbzeit aus. Beide Treffer von Ondrej Duda haben ihren Ursprung auf die rechte Seite mit Valentino Lazaro. Der Österreicher war in beiden Situationen auf seinem Flügel im Vorwärtsgang und hatte das Auge für den Mitspieler.

Intelligente Pässe (Passquote von 85%), gute und schnelle Ballannahmen, Lazaro wirbelte mal wieder auf seiner Seite, ohne seine defensiven Aufgaben zu vernachlässigen. Mit 26 Sprints ist er gegen Nürnberg in dieser Kategorie bei Hertha auf dem ersten Platz. Er glänzte zwar nicht als direkter Torvorbereiter, hatte jedoch einen großen Anteil am Auswärtserfolg.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 2+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine starke Leistung des Youngsters der Berliner. Es wurde in der Winterpause und in der Vorberichterstattung vor allem über Marko Grujic gesprochen, doch die Verschnaufpause scheint vor allem Arne Maier gut getan zu haben. In Nürnberg zeigte sich der 20-Jährige frisch und sehr motiviert.

In der 28. Minute zeigte er zum ersten Mal sein ganzes Können und leitete eine sehr gefährliche Szene ein. In der Schlussphase war er beim Kontern eine echte Waffe, hätte in der 72. Minute mit ein wenig mehr Präzision im Abschluss sein erstes Profi-Tor erzielen können. In der 80. Minute konnte er Davie Selke gut in Szene setzen, dieser scheiterte jedoch am Pfosten.

Auffällig war die Art und Weise, wie Maier routiniert im Mittelfeld neben Marko Grujic (und später Vladimir Darida) und Ondrej Duda agierte. Mit 72 angekommenen Pässe (88% Passquote) und elf Ballsicherungen war er auf seiner Sechser-Position ein absoluter Ruhepol. Er traute sich mehr im Offensivspiel zu und konnte ganze vier Torschussvorlagen verbuchen.

Eine rundum gelungene Partie des Jungen aus Ludwigsfelde, der erneut zeigt, warum er trotz seines jungen Alters unumstrittener Stammspieler in Berlin ist.

Marko Grujic – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Dass Marko Grujic im ersten Spiel der Rückrunde von Anfang an spielt, haben wenige erwartet. So war es auch eine gewisse Überraschung, als die Startaufstellung bekannt wurde. Eigentlich hieß es noch einige Wochen davor, er sei erst für das Heimspiel gegen Gelsenkirchen eine Option. Die schnelle Genesung des Serben ermöglichte jedoch Dardai wieder mit seinem „Totem“ zu spielen. Und so muss man feststellen: Hertha verliert mit Marko Grujic im Kader weiterhin kein Spiel.

Betrachtet man jedoch die Leistung des jungen Hoffnungsträgers, wird deutlich, dass er noch etwas Zeit braucht, um sein ganzes Potenzial wieder abzurufen. Grujic war eher unauffällig, nur selten im Offensivspiel zu sehen und führte wenige Zweikämpfe. Er war vor allem auf Sicherheit bedacht, gewann 80 % seiner Zweikämpfe und harmonierte gut im „magischen Dreieck“ mit Arne Maier und Ondrej Duda. Kurz vor der Pause hatte er noch eine Chance per Weitschuss.

Bemerkenswert ist sein Pass auf Vedad Ibisevic in der 15. Minute gewesen, der dann mit Davie Selke im Doppelpass die 1:0-Führung der Berliner erzielen konnte. Der 22-Jährige zeigte sich in dieser Situation hellwach und ermöglichte damit eine frühe Führung für sein Team. Wie erwartet ging er dann früh in der zweiten Halbzeit vom Platz und wurde von Vladimir Darida ersetzt. Am Ende war es ein ordentliches Comeback von Marko Grujic. Die Hertha-Fans werden wohl einfach nur froh sein, dass er sich nicht verletzt hat und im nächsten Spiel wohl erneut von Beginn an spielen wird.

Ondrej Duda – Note: 1-

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine bekannte Luxus-Uhr-Marke hat am Sonntag viel Aufmerksamkeit bekommen, das Konto von Salomon Kalou wird dagegen etwas leichter sein. Durch sein Doppelpack in der zweiten Halbzeit in Nürnberg steht Ondrej Duda jetzt bei neun Toren und führt die interne Torschützenliste vor Vedad Ibisevic an. Wie verprochen müsste also jetzt Kalou seiner „Number 10“ eine Uhr kaufen. Der Ivorer hält auch sein Versprechen, der Torschütze jedoch will lieber das Geld spenden. Eine sinnvolle Entscheidung, wie wir finden.

Ein Doppelpack direkt im ersten Spiel der Rückrunde: es könnte nicht besser laufen für den jungen Slowaken, der bisher eine grandiose Saison in Berlin spielt. Gegen den „Club“ aus Nürnberg zeigte sich Duda von seiner besten Seite. Sein Torinstinkt bei seinen Treffern, seine Passgenauigkeit (75% angekommene Pässe) sowie die meisten gewonnenen Zweikämpfe (14) – die Zahlen untermauern den starken Eindruck, den Duda beim 3:1 Auswärtssieg hinterlassen hatte. Dazu kommt die Tatsache, dass er erneut der Spieler auf dem Platz war, der die meisten Kilometer gelaufen ist (11,73).

Insbesondere mit Arne Maier harmonierte Ondrej Duda herausragend gut, was zu vielen guten Möglichkeiten in beiden Halbzeiten führte. Insgesamt eine sehr starke Leistung von Ondrej Duda. In Berlin kann man jetzt hoffen, dass die Nummer zehn seine Rückrunde so stark weiterführt, wie seine Hinrunde. Dann sind die zehn Tore auch nicht mehr weit. Wir warten also auf die nächste Wette mit Salomon Kalou.

Sturm

Vedad Ibisevic – Note: 1-

(Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Herthas Kapitän befindet sich gerade im Vertragspoker: Hertha würde gerne mit dem erfahrenen Torschützen für ein Jahr verlängern und Ibisevic selbst wäre wohl ebenfalls nicht abgeneigt. Spekulationen um seine Zukunft scheinen den Bosnier jedoch keineswegs zu verunsichern. So zeigte er gegen Nürnberg eine starke Leistung, traf nach Zusammenspiel mit Grujic und Selke sehenswert zur 1:0-Führung. Beim 2:1 legte er „Number 10“ dann technisch herausragend per Hackentrick ein Tor vor.

Er führte viele Luftzweikämpfe, gewann allerdings nur 31% davon. Glänzen konnte Ibisevic vor allem in Tornähe, wo er drei Torschüsse und drei Torschussvorlagen abgab. Die Zeit vom „Veda-Tor“ ist noch nicht vorbei: mit sieben Treffern ist er aktuell nach Ondrej Duda der zweitbeste Torschütze der „Blau-Weißen“.  In der 79. Minute hätte er sogar sein achtes Saisontor schießen können, scheiterte jedoch frei an FCN-Torhüter Christian Mathenia.

Davie Selke – Note: 2+

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Was Davie Selke im Moment fehlt? Ein eigener Torerfolg. Alles andere funktioniert momentan sehr gut. Im Doppelpass mit Vedad Ibisevic konnte er das 1:0 vorbereiten. Seine zweite Torvorlage im Spiel gab er beim 3:1 auf Ondrej Duda ab. Zudem arbeitete der 24-Jährige unermüdlich für seine Mannschaft, führte viele Zweikämpfe und gewann 13 davon.

In der Hinrunde haben wir bereits den Einsatz und die Mentalität von Davie Selke gelobt. Warum es allerdings bisher nicht zu mehr Treffern reicht ist fraglich und wohl nur mit Pech zu beantworten. Auch am Sonntag war Selke nur ganz knapp davon entfernt, ein Tor zu erzielen. In der 81. Minute scheitert er am Pfosten, in der 84. Minute an Torhüter Mathenia.

Der junge Stürmer hat immerhin jetzt bereits vier Treffer vorbereitet, allein zwei im letzten Spiel. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis er auch in der Rückrunde trifft. Gegen Nürnberg zeigte er jedenfalls eine gute Leistung, wurde kurz vor Schluss durch Pascal Köpke ersetzt.

Einwechslungen

Vladimir Darida – Note: 3

(Foto: Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Eine erfrischende Leistung von Vladimir Darida, der ein anderes Gesicht zeigte, als noch in der Hinrunde. In der zweiten Halbzeit profitierte der Tscheche zweifellos davon, dass seine Mitspieler einen guten Tag erwischten und insbesondere seine zwei Mitspieler im zentralen Mittelfeld sehr stark spielten. Trotzdem konnte Darida seine Qualitäten wieder andeuten. Alle seine Pässe kamen im Spiel an, kurz vor Schluss hätte er sogar eine Torvorlage abgeben können und auch ein Distanzschuss des 28-Jährigen hätte äußerst gefährlich werden können, wäre er nicht noch entscheidend abgefälscht worden. Sein Pass auf Davie Selke führte jedoch aufgrund einer guten Parade von Mathenia nicht zum Tor.

Pascal Köpke – Note: /

Pascal Köpke durfte für die letzten Minuten für Davie Selke spielen. In der kurzen Zeit kann ein Spieler natürlich keine besonderen Eindrücke hinterlassen. Trotzdem ist die Entscheidung von Dardai ein Zeichen dafür, dass sich der junge Stürmer im Training anbietet.

Allerdings sind seine Chancen auf ein Stammelf-Einsatz wohl durch die starken Leistungen von Vedad Ibisevic und Davie Selke eher gesunken als gestiegen.


4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Fabian Behrendt
Januar 21, 2019 7:33 pm

Sehr guter Artikel. Weiter so 👍

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[…] an diesem Gegentor nicht absprechen. Dazu kommt eine schwache Zweikampfquote von 20% (im Vergleich: im Spiel gegen den 1.FC Nürnberg hatte er noch eine Zweikampfquote von 60%). Insgesamt war es also kein wirklich gutes Spiel von […]

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