Bundesliga

Warum der Verbleib von Dardai gut für Hertha ist

Der Kicker berichtete gestern vermeintlich exklusiv, dass der Vertrag mit Cheftrainer Pal Dardai bereits Mitte Dezember um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Nach Informationen des für gewöhnlich sehr gut informierten Morgenpost-Autors Uwe Bremer war die Vertragsverlängerung wohl (noch?) kein Thema in den Gremien von Hertha BSC. In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Schalke 04 gab es dann die Auflösung: Manager Michael Preetz verkündete (zunächst sehr umständlich und verschwurbelt), dass Pal Dardai auch in der kommenden Saison der Cheftrainer der Bundesligamannschaft sein wird.

Dardais Ausgangslage

Der Moment in dem das Spiel in Mainz zu Gunsten von Hertha kippte – Valentin Stocker holt den vorentscheidenen Elfmeter raus. (Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Diese Entscheidung symbolisiert das gewachsene Vertrauen in den Trainer Pal Dardai. Dessen Wirken und Entwicklung wird besonders deutlich, wenn man sich bewusst macht, wo er und Hertha BSC den gemeinsamen (Trainer-)Weg begonnen haben.

Beginnen wir also am Anfang. Es ist der 07.02.2015, ein Auswärtsspiel in Mainz. Jos Luhukay wurde nach einem enttäuschenden Rückrundenstart (2 Niederlagen) entlassen. Michael Preetz zaubert als Übergangslösung den U15-Trainer Pal Dardai aus dem Hut. Dieser schickt folgende Elf auf das Feld: Kraft – Pekarik, Hegeler, Brooks, Plattenhardt – Skjelbred, Lustenberger – Beerens, Stocker, Schulz – Schieber und holt damit einen unerwarteten 2:0 Auswärtssieg. Dardai übernahm eine Mannschaft ohne spielerische Identität und die geradewegs dabei war, innerhalb von sechs Jahren zum dritten Mal in die 2. Bundesliga abzusteigen. Dem Ungarn gelang es damals das Ruder rumzureißen und den Klassenerhalt (auch wen nur knapp) direkt zu sichern. Seitdem konnte Dardai das Team einmal auf den siebten, den sechsten und den zehnten Platz in der Bundesligaabschlusstabelle führen. Die heutige Mannschaft und der Verein im aktuellen Zustand haben nichts mehr mit dem Klub zu tun, der innerhalb von drei Jahren zweimal in die 2. Bundesliga abstieg.

Der Anteil des Trainers am Erfolg

Pal Dardai ist nicht allein für den Erfolg in seiner Amtszeit verantwortlich. So darf z.B. nicht die Rolle von seinem Co-Trainer Rainer Widmayer gerade zum Anfang der gemeinsame Zeit unterschätzt werden. Auch die kluge Transferpolitik von Michael Preetz ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Doch kann ein Großteil des Erfolgs – für Herthaverhältnisse waren die letzten 3,5 Jahre überaus erfolgreich – auch auf Dardais Wirken zurückgeführt werden, dies soll mit der nachfolgenden(sicherlich nicht abschließenden) Aufzählung verdeutlicht werden.

  1. Dardai baute den Stamm der gesamten Mannschaft um. Vergleicht man die Startelf in seinem ersten Spiel mit der Startelf im vergangenen Spiel gegen Nürnberg so sind Plattenhardt und Lustenberger die einzigen Spieler, die übrig geblieben sind. Skjelbred spielt in der aktuellen Saison eine ergänzende aber keine tragende Rolle mehr.

    Sinnbild für Dardais Vertrauen in junge Spieler: Arne Maier ( PATRIK STOLLARZ:AFP:Getty Images)

  2. Herthas Taktik unter Luhukays war nach der ersten Saison entschlüsselt und Luhukay nicht wandlungsfähig genug, um darauf zu reagieren. Pal Dardai hat mit seinem 4-2-3-1 ein stabiles aber auch flexibles Spielsystem etabliert. Dieses System, von vielen als unattraktiv gescholten, war weitgehend erfolgreich. Dardai gab der Mannschaft eine taktische Identität, die dem Team Sicherheit und Halt gab und ein solider Ausgangspunkt für weitere taktische Entwicklungen ist.
  3. Dardai als Trainer konnte in seiner gesamten Amtszeit immer wieder junge und vielversprechende Talente nach Berlin locken. So z.B. Mitchell Weiser, Niklas Stark, Karim Rekik, Davie Selke, Ondrej Duda oder Valentino Lazaro. Und wenn sie dann in Berlin angekommen waren, hat Dardai sie kontinuierlich spielen lassen, sie in ihrer Entwicklung unterstützt und zu besseren Spielern gemacht.
  4. Ebenso setzt Dardai auf Talente aus der eigenen Jugendakademie und macht sie zu festen Größen im  Bundesligakader von Hertha BSC. Arne Maier, Jordan Torunarigha und Maximilian Mittelstädt sind die ersten Beispiele für Dardais Fähigkeit die eigene Talente voranzubringen. Mit Dennis Jastrzembski, Palko Dardai und Julius Kade befinden sich weitere vielversprechende Youngsters in der Warteposition.
  5. Dardai schafft ein fast perfektes Gleichgewicht zwischen Jung und Alt. Die Oldies Vedad Ibisevic (34), Salamon Kalou (33) und Rune Jarstein (34) sind in der aktuellen Saison absolute Leistungsträger. Dahinter fügen sich mit Per Skjelbred (32) und Fabian Lustenberger (31) zwei altgediente Spieler in die Rolle des Ergänzungsspielers ohne lautstark Ansprüche zu reklamieren.
  6. Eine neue taktische Flexibilität! Dardai konnte in dieser Saison endlich mit der Einführung der Dreierkette und des 4-4-2 mit Doppelspitze taktische Alternativen etablieren. Wahrscheinlich so oft wie noch nie in seiner Amtszeit wechselt Dardai das Spielsystem und die Ausrichtung der Mannschaft von Gegner zu Gegner. Dies verdeutlicht seine Entwicklungsfähigkeit als Trainer und sein strategisches Talent. Die neue taktischen Möglichkeiten sind auch darauf zurückzuführen, dass neue Spieler neue Optionen geben: Der Durchbruch von Ondrej Duda ermöglicht die Besetzung des Zehnerraums. Marko Grujic ist der lang ersehnte spielstarke Verbindungsspieler in der Mittelfeldzentrale. Und mit Jordan Torunarigha, Karim Rekik und Niklas Stark hat Dardai nun genügend Innenverteidiger um eine spielstarke Dreierkette aufzubieten. Dardai wächst mit seinen Möglichkeiten und seinen Spieler.

Es ist (noch) nicht alles Gold, was glänzt

Dardai ist mit seiner Rückrundenbilanz nicht zufrieden. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Neben der Lobhudelei gibt es natürlich auch kritische Punkte. Mit Widmayer wird am Ende der Saison ein wichtiger und einflussreicher Teil das Trainerteam verlassen. Für Außenstehende ist nicht immer klar, welcher Anteil des Erfolgs auf Widmayers Wirken zurückzuführen ist. In der kommenden Saison wird Dardai zeigen müssen, dass er auch ohne Widmayer taktische Impulse geben kann. Es wird spannend sein, für welchen Typ Co-Trainer sich Dardai und Preetz als Nachfolger von Widmayer entscheiden.

Eine negative Konstante gibt es im Wirken von Pal Dardai als Cheftrainer von Hertha BSC: Bislang hat er in jeder Rückrunde eklatant weniger Punkte als in der Hinrunde geholt. Regelmäßig verspielten die Berliner unter Dardai die gute Ausgangsposition der Hinrunde und verpassten so zweimal knapp die internationalen Plätze. Vielleicht schafft es Dardai in dieser Saison dieses “Gesetz” zu brechen. Mit dem 3:1 Sieg gegen Nürnberg konnte der erste Rückrundenauftaktsieg seit 2010 (!) eingefahren werden.

Ebenso schafft es Dardai seit Jahren nicht, der Mannschaft die Unart auszutreiben, zu schnell zu zufrieden zu sein. Die Saison 2017/18 war symptomatisch dafür. Jedesmal wenn die Herthaner sich in der Tabelle eine gute Ausgangsposition erarbeitet hatten, verfiel sie in ein eigenartiges Phlegma. Unmotivierte und uninspirierte Auftritte in denen die gute Tabellenposition verspielt wurde, waren die Folge. Die enttäuschenden Auftritte gegen Stuttgart und Leverkusen in der aktuellen Spielzeit zeigen, dass das Problem noch immer virulent ist. Preetz und Dardai gehen mittlerweile dieses Thema offensiv an und nehmen die Mannschaft verstärkt in die Verantwortung.

Besser früh als spät

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Hertha BSC: Rainer Widmayer

Besonders ängstliche oder kritische Geister könnten einwenden, dass die nun ausgesprochen Quasi-Verlängerung des Vertrages mit Dardai ein wenig zu früh wäre. Preetz hätte ruhig noch abwarten können, ob Dardai diesmal in der Rückrunde die Mannschaft auf Erfolgskurs bringen kann. Sicherlich ein berechtigter Einwand, jedoch steht in der Rückrunde die Kaderplanung für die nächste Saison an. Und hier steht Hertha BSC an einem Scheideweg, denn diverse Spielerverträge laufen aus. Die Vertragsverlängerung sorgt hier für Planungssicherheit und Kontinuität, gerade in einer Situation, in der der einflussreiche Co-Trainer den Klub verlässt.

Desweiteren kann man die aktuelle Situation zwischen Hertha BSC und seinen Fans als durchaus angespannt bezeichnen. Ein Grund dafür ist der digitale Wandel des Vereins, der nach Meinung vieler Fans die traditionellen Ursprünge der (West-)Berliner Hertha verkennt. In einer Situation ohne große Not (also eklatanten sportlichen Misserfolg) die Zusammenarbeit mit dem Trainer, der den Status einer Vereinslegende hat, zu beenden wäre wohl nicht vermittelbar gewesen. Selbst eine Verlängerung der Zusammenarbeit zu einem späten Zeitpunkt in der Saison würde wahrscheinlich von den Fans als Undankbarkeit gegenüber Dardai aufgefasst werden.

Kontinuität und Vertrauen als Markenzeichen von Hertha BSC

Wie sehr Kontinuität und Vertrauen in die handelnden Personen von großer Bedeutung für die Entwicklung eines Vereins sind, wird deutlich, wenn man sich die Gegenbeispiele anschaut. Schaut man auf Hamburg, Wolfsburg, Köln oder Stuttgart wird deutlich, wie wertvoll das gegenseitige Vertrauen zwischen Preetz und Dardai ist. Diese Kontinuität und die damit einhergehenden sportliche Stabilität erlauben es dem Verein, aktiv an der eigenen Zukunft zu arbeiten und beispielsweise die Pläne für das eigene Stadion voranzutreiben.

 


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Der Kicker berichtete gestern vermeintlich exklusiv, dass der Vertrag mit Cheftrainer Pal Dardai bereits Mitte Dezember um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Nach Informationen des für gewöhnlich sehr gut informierten Morgenpost-Autors Uwe Bremer war die Vertragsverlängerung wohl (noch?) kein Thema in den Gremien von Hertha BSC. In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Schalke 04 gab es dann die Auflösung: Manager Michael Preetz verkündete (zunächst sehr umständlich und verschwurbelt), dass Pal Dardai auch in der kommenden Saison der Cheftrainer der Bundesligamannschaft sein wird.

Dardais Ausgangslage

Der Moment in dem das Spiel in Mainz zu Gunsten von Hertha kippte – Valentin Stocker holt den vorentscheidenen Elfmeter raus. (Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)

Diese Entscheidung symbolisiert das gewachsene Vertrauen in den Trainer Pal Dardai. Dessen Wirken und Entwicklung wird besonders deutlich, wenn man sich bewusst macht, wo er und Hertha BSC den gemeinsamen (Trainer-)Weg begonnen haben.

Beginnen wir also am Anfang. Es ist der 07.02.2015, ein Auswärtsspiel in Mainz. Jos Luhukay wurde nach einem enttäuschenden Rückrundenstart (2 Niederlagen) entlassen. Michael Preetz zaubert als Übergangslösung den U15-Trainer Pal Dardai aus dem Hut. Dieser schickt folgende Elf auf das Feld: Kraft – Pekarik, Hegeler, Brooks, Plattenhardt – Skjelbred, Lustenberger – Beerens, Stocker, Schulz – Schieber und holt damit einen unerwarteten 2:0 Auswärtssieg. Dardai übernahm eine Mannschaft ohne spielerische Identität und die geradewegs dabei war, innerhalb von sechs Jahren zum dritten Mal in die 2. Bundesliga abzusteigen. Dem Ungarn gelang es damals das Ruder rumzureißen und den Klassenerhalt (auch wen nur knapp) direkt zu sichern. Seitdem konnte Dardai das Team einmal auf den siebten, den sechsten und den zehnten Platz in der Bundesligaabschlusstabelle führen. Die heutige Mannschaft und der Verein im aktuellen Zustand haben nichts mehr mit dem Klub zu tun, der innerhalb von drei Jahren zweimal in die 2. Bundesliga abstieg.

Der Anteil des Trainers am Erfolg

Pal Dardai ist nicht allein für den Erfolg in seiner Amtszeit verantwortlich. So darf z.B. nicht die Rolle von seinem Co-Trainer Rainer Widmayer gerade zum Anfang der gemeinsame Zeit unterschätzt werden. Auch die kluge Transferpolitik von Michael Preetz ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Doch kann ein Großteil des Erfolgs – für Herthaverhältnisse waren die letzten 3,5 Jahre überaus erfolgreich – auch auf Dardais Wirken zurückgeführt werden, dies soll mit der nachfolgenden(sicherlich nicht abschließenden) Aufzählung verdeutlicht werden.

  1. Dardai baute den Stamm der gesamten Mannschaft um. Vergleicht man die Startelf in seinem ersten Spiel mit der Startelf im vergangenen Spiel gegen Nürnberg so sind Plattenhardt und Lustenberger die einzigen Spieler, die übrig geblieben sind. Skjelbred spielt in der aktuellen Saison eine ergänzende aber keine tragende Rolle mehr.

    Sinnbild für Dardais Vertrauen in junge Spieler: Arne Maier ( PATRIK STOLLARZ:AFP:Getty Images)

  2. Herthas Taktik unter Luhukays war nach der ersten Saison entschlüsselt und Luhukay nicht wandlungsfähig genug, um darauf zu reagieren. Pal Dardai hat mit seinem 4-2-3-1 ein stabiles aber auch flexibles Spielsystem etabliert. Dieses System, von vielen als unattraktiv gescholten, war weitgehend erfolgreich. Dardai gab der Mannschaft eine taktische Identität, die dem Team Sicherheit und Halt gab und ein solider Ausgangspunkt für weitere taktische Entwicklungen ist.
  3. Dardai als Trainer konnte in seiner gesamten Amtszeit immer wieder junge und vielversprechende Talente nach Berlin locken. So z.B. Mitchell Weiser, Niklas Stark, Karim Rekik, Davie Selke, Ondrej Duda oder Valentino Lazaro. Und wenn sie dann in Berlin angekommen waren, hat Dardai sie kontinuierlich spielen lassen, sie in ihrer Entwicklung unterstützt und zu besseren Spielern gemacht.
  4. Ebenso setzt Dardai auf Talente aus der eigenen Jugendakademie und macht sie zu festen Größen im  Bundesligakader von Hertha BSC. Arne Maier, Jordan Torunarigha und Maximilian Mittelstädt sind die ersten Beispiele für Dardais Fähigkeit die eigene Talente voranzubringen. Mit Dennis Jastrzembski, Palko Dardai und Julius Kade befinden sich weitere vielversprechende Youngsters in der Warteposition.
  5. Dardai schafft ein fast perfektes Gleichgewicht zwischen Jung und Alt. Die Oldies Vedad Ibisevic (34), Salamon Kalou (33) und Rune Jarstein (34) sind in der aktuellen Saison absolute Leistungsträger. Dahinter fügen sich mit Per Skjelbred (32) und Fabian Lustenberger (31) zwei altgediente Spieler in die Rolle des Ergänzungsspielers ohne lautstark Ansprüche zu reklamieren.
  6. Eine neue taktische Flexibilität! Dardai konnte in dieser Saison endlich mit der Einführung der Dreierkette und des 4-4-2 mit Doppelspitze taktische Alternativen etablieren. Wahrscheinlich so oft wie noch nie in seiner Amtszeit wechselt Dardai das Spielsystem und die Ausrichtung der Mannschaft von Gegner zu Gegner. Dies verdeutlicht seine Entwicklungsfähigkeit als Trainer und sein strategisches Talent. Die neue taktischen Möglichkeiten sind auch darauf zurückzuführen, dass neue Spieler neue Optionen geben: Der Durchbruch von Ondrej Duda ermöglicht die Besetzung des Zehnerraums. Marko Grujic ist der lang ersehnte spielstarke Verbindungsspieler in der Mittelfeldzentrale. Und mit Jordan Torunarigha, Karim Rekik und Niklas Stark hat Dardai nun genügend Innenverteidiger um eine spielstarke Dreierkette aufzubieten. Dardai wächst mit seinen Möglichkeiten und seinen Spieler.

Es ist (noch) nicht alles Gold, was glänzt

Dardai ist mit seiner Rückrundenbilanz nicht zufrieden. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Neben der Lobhudelei gibt es natürlich auch kritische Punkte. Mit Widmayer wird am Ende der Saison ein wichtiger und einflussreicher Teil das Trainerteam verlassen. Für Außenstehende ist nicht immer klar, welcher Anteil des Erfolgs auf Widmayers Wirken zurückzuführen ist. In der kommenden Saison wird Dardai zeigen müssen, dass er auch ohne Widmayer taktische Impulse geben kann. Es wird spannend sein, für welchen Typ Co-Trainer sich Dardai und Preetz als Nachfolger von Widmayer entscheiden.

Eine negative Konstante gibt es im Wirken von Pal Dardai als Cheftrainer von Hertha BSC: Bislang hat er in jeder Rückrunde eklatant weniger Punkte als in der Hinrunde geholt. Regelmäßig verspielten die Berliner unter Dardai die gute Ausgangsposition der Hinrunde und verpassten so zweimal knapp die internationalen Plätze. Vielleicht schafft es Dardai in dieser Saison dieses “Gesetz” zu brechen. Mit dem 3:1 Sieg gegen Nürnberg konnte der erste Rückrundenauftaktsieg seit 2010 (!) eingefahren werden.

Ebenso schafft es Dardai seit Jahren nicht, der Mannschaft die Unart auszutreiben, zu schnell zu zufrieden zu sein. Die Saison 2017/18 war symptomatisch dafür. Jedesmal wenn die Herthaner sich in der Tabelle eine gute Ausgangsposition erarbeitet hatten, verfiel sie in ein eigenartiges Phlegma. Unmotivierte und uninspirierte Auftritte in denen die gute Tabellenposition verspielt wurde, waren die Folge. Die enttäuschenden Auftritte gegen Stuttgart und Leverkusen in der aktuellen Spielzeit zeigen, dass das Problem noch immer virulent ist. Preetz und Dardai gehen mittlerweile dieses Thema offensiv an und nehmen die Mannschaft verstärkt in die Verantwortung.

Besser früh als spät

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Hertha BSC: Rainer Widmayer

Besonders ängstliche oder kritische Geister könnten einwenden, dass die nun ausgesprochen Quasi-Verlängerung des Vertrages mit Dardai ein wenig zu früh wäre. Preetz hätte ruhig noch abwarten können, ob Dardai diesmal in der Rückrunde die Mannschaft auf Erfolgskurs bringen kann. Sicherlich ein berechtigter Einwand, jedoch steht in der Rückrunde die Kaderplanung für die nächste Saison an. Und hier steht Hertha BSC an einem Scheideweg, denn diverse Spielerverträge laufen aus. Die Vertragsverlängerung sorgt hier für Planungssicherheit und Kontinuität, gerade in einer Situation, in der der einflussreiche Co-Trainer den Klub verlässt.

Desweiteren kann man die aktuelle Situation zwischen Hertha BSC und seinen Fans als durchaus angespannt bezeichnen. Ein Grund dafür ist der digitale Wandel des Vereins, der nach Meinung vieler Fans die traditionellen Ursprünge der (West-)Berliner Hertha verkennt. In einer Situation ohne große Not (also eklatanten sportlichen Misserfolg) die Zusammenarbeit mit dem Trainer, der den Status einer Vereinslegende hat, zu beenden wäre wohl nicht vermittelbar gewesen. Selbst eine Verlängerung der Zusammenarbeit zu einem späten Zeitpunkt in der Saison würde wahrscheinlich von den Fans als Undankbarkeit gegenüber Dardai aufgefasst werden.

Kontinuität und Vertrauen als Markenzeichen von Hertha BSC

Wie sehr Kontinuität und Vertrauen in die handelnden Personen von großer Bedeutung für die Entwicklung eines Vereins sind, wird deutlich, wenn man sich die Gegenbeispiele anschaut. Schaut man auf Hamburg, Wolfsburg, Köln oder Stuttgart wird deutlich, wie wertvoll das gegenseitige Vertrauen zwischen Preetz und Dardai ist. Diese Kontinuität und die damit einhergehenden sportliche Stabilität erlauben es dem Verein, aktiv an der eigenen Zukunft zu arbeiten und beispielsweise die Pläne für das eigene Stadion voranzutreiben.

 


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