Vorbericht

Hertha BSC – VfL Wolfsburg: Zwei Teams mit unterschiedlicher Formkurve

1 Kommentar

Ein aus Herthaner Sicht gänzlich ungewohntes Gefühl stellt sich dieser Tage dar. Man kann tatsächlich zufrieden mit dem Start in die Rückrunde sein. Vier Punkte aus den beiden Partien gegen Nürnberg und Schalke, die zudem teilweise äußerst sehenswerten Offensivfußball boten, geben Anlass, positiv auf die verbleibende Saison zu schauen. Am Samstag hat Hertha nun die Möglichkeit, sich in den Europa League-Rängen festzusetzen. Beim Gegner aus Wolfsburg sieht die Gefühlslage indes etwas anders aus.

Wie gewohnt haben wir für unseren Vorbericht wieder Expertise von außen geholt und mit Wolfsburg-Expertin Mimi über ihren VfL gesprochen. 

Mit komfortablem Polster in die Rückrunde

Wolfsburgs Weghorst beim Torjubel.

Neuzugang Weghorst kommt zusammen mit Ginczek auf 16 Scorerpunkte. (Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Die Hinrunde verlief für den VfL Wolfsburg unerwartet erfolgreich. Nachdem man sich in der Vorsaison erst in der Relegation den Ligaverbleib sicherte, war Platz Fünf nach 17 Spieltagen eine dicke Überraschung. So sagt auch Mimi: “Das war ein famoses Gefühl. Platz 5! Vor Frankfurt! Nach den letzten Jahren jenseits aller Vorstellungskraft. Natürlich muss man das realistisch einordnen. Dazu haben auch diverse Unsicherheiten der anderen Teams beigetragen. Aber es war doch sehr schön mit anzusehen, dass – verglichen mit der Vorsaison – wieder Energie und Enthusiasmus im Spiel zu erkennen waren. Die Körpersprache war eine ganz andere, das Team hatte Bock.“

Einen großen Anteil an der positiven Entwicklung hat Trainer Bruno Labbadia. Der gebürtige Darmstädter, der in der jüngeren Vergangenheit eher als Feuerwehrmann eingesetzt wurde und seine Teams vor allem über den Kampf kommen ließ, hat aus Wolfsburg ein Team gemacht, das selbst den Ball haben will und damit etwas anzufangen weiß. Hilfreich bei dieser Entwicklung waren auch die Transfers im Sommer. So hat man beispielsweise mit Weghorst einen Stürmer, der von der Physis an Vorgänger Mario Gomez erinnert und zudem mit einer guten Ballbehandlung aufwartet. Genau wie sein ebenfalls im Sommer verpflichteter Sturmkollege Daniel Ginczek kommt er in dieser Saison bisher auf starke acht Torbeteiligungen. Im Gegensatz zu den Transfers früherer Jahre à la Schürrle und Draxler scheint man nun Spieler verpflichtet zu haben, die tatsächlich in Wolfsburg spielen wollen und die der Mannschaft auf Anhieb weiterhelfen. Allerdings sieht man sich dieser Tage mit einem Problem konfrontiert, das zu den Zeiten Felix Magaths noch undenkbar gewesen wäre: Das Personal wird knapp.

Wolfsburg geplagt vom Verletzungspech

Der Kader des VfL Wolfsburg stellt sich dieser Tage quasi von selbst zusammen. So fehlen Bruno Labbadia derzeit zahlreiche elementare Leistungsträger, wie auch Mimi aufzeigt: “Camacho ist nach wie vor außer Gefecht, mit Ginczek fehlt ein ‘Topscorer’, mit Guilavogui fehlt Ordnung und Ruhe. Das macht sich deutlich bemerkbar. Nun auch noch Mehmedi, der an einem knappen Drittel aller bisherigen Tore beteiligt war.“ Dennoch hielt Wolfsburg auf dem Transfermarkt die Füße still und verzichtete darauf, im Winter nochmal nachzulegen. Mimi bewertet diese Gangart positiv und sagt: “Nach dem verzweifelten Transferirrsinn unter Allofs/Rebbe hat Schmadtke recht deutlich gemacht, dass es so nicht weitergehen werde. […] Viele Fans hatten gegen Ende der vergangenen Saison eigentlich nur einen Wunsch: Stabilität und Ruhe innerhalb des Teams. Da ist der VfL meines Erachtens auf einem guten Weg.“

Wolfsburgs Guilavogui beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg

Mit Guilavogui, Mehmedi, Camacho und Ginczek fehlen dem VfL zahlreiche Leistungsträger. (Quelle: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wolfsburg will den Fehlstart verhindern

Dennoch ist die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt auch ein Risiko. Wolfsburg ist mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartet. In der Hinrunde gewann man seine Auftaktspiele gegen Schalke und Leverkusen noch. Neben der höheren Qualität der Gegner im Vergleich zum Saisonstart sowie dem schon angesprochenen Verletzungspech sieht Mimi den Grund dafür auch in individuellen Fehlern: “Ein weiterer Faktor sind die Fehler einzelner Spieler. Hier ist insbesondere William zu nennen. Er bescherte Schalke ein wichtiges Tor und seine Aktion gegen Leverkusen, die auch zum Elfmeter führte, war meines Erachtens ebenfalls spielentscheidend.“ Ein Problem, das auch Hertha gegen Schalke gut und gern den Punktgewinn hätte kosten können. Will man sich ernsthaft in Richtung Europa orientieren, müssen diese Fehler am Samstag abgestellt und die aktuelle Schwächephase der Wolfsburger ausgenutzt werden.


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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Klaus-Eckart Peters
Februar 3, 2019 2:01 pm

Sehr guter zutreffender Kommentar von Mimi über die aktuelle Situation und Gefühlslage des VfL Wolfsburg gerade nach den beiden Katastrophen-Saisons davor.

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Ein aus Herthaner Sicht gänzlich ungewohntes Gefühl stellt sich dieser Tage dar. Man kann tatsächlich zufrieden mit dem Start in die Rückrunde sein. Vier Punkte aus den beiden Partien gegen Nürnberg und Schalke, die zudem teilweise äußerst sehenswerten Offensivfußball boten, geben Anlass, positiv auf die verbleibende Saison zu schauen. Am Samstag hat Hertha nun die Möglichkeit, sich in den Europa League-Rängen festzusetzen. Beim Gegner aus Wolfsburg sieht die Gefühlslage indes etwas anders aus.

Wie gewohnt haben wir für unseren Vorbericht wieder Expertise von außen geholt und mit Wolfsburg-Expertin Mimi über ihren VfL gesprochen. 

Mit komfortablem Polster in die Rückrunde

Wolfsburgs Weghorst beim Torjubel.

Neuzugang Weghorst kommt zusammen mit Ginczek auf 16 Scorerpunkte. (Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Die Hinrunde verlief für den VfL Wolfsburg unerwartet erfolgreich. Nachdem man sich in der Vorsaison erst in der Relegation den Ligaverbleib sicherte, war Platz Fünf nach 17 Spieltagen eine dicke Überraschung. So sagt auch Mimi: “Das war ein famoses Gefühl. Platz 5! Vor Frankfurt! Nach den letzten Jahren jenseits aller Vorstellungskraft. Natürlich muss man das realistisch einordnen. Dazu haben auch diverse Unsicherheiten der anderen Teams beigetragen. Aber es war doch sehr schön mit anzusehen, dass – verglichen mit der Vorsaison – wieder Energie und Enthusiasmus im Spiel zu erkennen waren. Die Körpersprache war eine ganz andere, das Team hatte Bock.“

Einen großen Anteil an der positiven Entwicklung hat Trainer Bruno Labbadia. Der gebürtige Darmstädter, der in der jüngeren Vergangenheit eher als Feuerwehrmann eingesetzt wurde und seine Teams vor allem über den Kampf kommen ließ, hat aus Wolfsburg ein Team gemacht, das selbst den Ball haben will und damit etwas anzufangen weiß. Hilfreich bei dieser Entwicklung waren auch die Transfers im Sommer. So hat man beispielsweise mit Weghorst einen Stürmer, der von der Physis an Vorgänger Mario Gomez erinnert und zudem mit einer guten Ballbehandlung aufwartet. Genau wie sein ebenfalls im Sommer verpflichteter Sturmkollege Daniel Ginczek kommt er in dieser Saison bisher auf starke acht Torbeteiligungen. Im Gegensatz zu den Transfers früherer Jahre à la Schürrle und Draxler scheint man nun Spieler verpflichtet zu haben, die tatsächlich in Wolfsburg spielen wollen und die der Mannschaft auf Anhieb weiterhelfen. Allerdings sieht man sich dieser Tage mit einem Problem konfrontiert, das zu den Zeiten Felix Magaths noch undenkbar gewesen wäre: Das Personal wird knapp.

Wolfsburg geplagt vom Verletzungspech

Der Kader des VfL Wolfsburg stellt sich dieser Tage quasi von selbst zusammen. So fehlen Bruno Labbadia derzeit zahlreiche elementare Leistungsträger, wie auch Mimi aufzeigt: “Camacho ist nach wie vor außer Gefecht, mit Ginczek fehlt ein ‘Topscorer’, mit Guilavogui fehlt Ordnung und Ruhe. Das macht sich deutlich bemerkbar. Nun auch noch Mehmedi, der an einem knappen Drittel aller bisherigen Tore beteiligt war.“ Dennoch hielt Wolfsburg auf dem Transfermarkt die Füße still und verzichtete darauf, im Winter nochmal nachzulegen. Mimi bewertet diese Gangart positiv und sagt: “Nach dem verzweifelten Transferirrsinn unter Allofs/Rebbe hat Schmadtke recht deutlich gemacht, dass es so nicht weitergehen werde. […] Viele Fans hatten gegen Ende der vergangenen Saison eigentlich nur einen Wunsch: Stabilität und Ruhe innerhalb des Teams. Da ist der VfL meines Erachtens auf einem guten Weg.“

Wolfsburgs Guilavogui beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg

Mit Guilavogui, Mehmedi, Camacho und Ginczek fehlen dem VfL zahlreiche Leistungsträger. (Quelle: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wolfsburg will den Fehlstart verhindern

Dennoch ist die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt auch ein Risiko. Wolfsburg ist mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartet. In der Hinrunde gewann man seine Auftaktspiele gegen Schalke und Leverkusen noch. Neben der höheren Qualität der Gegner im Vergleich zum Saisonstart sowie dem schon angesprochenen Verletzungspech sieht Mimi den Grund dafür auch in individuellen Fehlern: “Ein weiterer Faktor sind die Fehler einzelner Spieler. Hier ist insbesondere William zu nennen. Er bescherte Schalke ein wichtiges Tor und seine Aktion gegen Leverkusen, die auch zum Elfmeter führte, war meines Erachtens ebenfalls spielentscheidend.“ Ein Problem, das auch Hertha gegen Schalke gut und gern den Punktgewinn hätte kosten können. Will man sich ernsthaft in Richtung Europa orientieren, müssen diese Fehler am Samstag abgestellt und die aktuelle Schwächephase der Wolfsburger ausgenutzt werden.


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Klaus-Eckart Peters
Februar 3, 2019 2:01 pm

Sehr guter zutreffender Kommentar von Mimi über die aktuelle Situation und Gefühlslage des VfL Wolfsburg gerade nach den beiden Katastrophen-Saisons davor.

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