BundesligaVorbericht

Hertha BSC – Werder Bremen: Eine echte Charakterprobe

Am Samstagabend (18.30 Uhr) treffen sich im Flutlicht des Olympiastadions Hertha BSC und Werder Bremen. Wieder einmal geht es um wichtige Punkte und einen möglichen Sprung in Richtung Europa. Eine ähnliche Gefühlslage herrscht auf beiden Seiten – ein Duell auf Augenhöhe.

Wir haben uns für unseren Vorbericht wie immer Expertise geholt, dieses Mal hat uns Joey – auf Twitter unter @Estadox zu finden – einige Fragen über Werder Bremen beantwortet.

Hohe Siege im Rücken für beide Teams

Hertha bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 3:0 (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Beide Teams konnten am vergangenen Wochenende starke Leistungen abrufen. Hertha zeigte laut Pal Dardai „das beste Auswärtsspiel in meiner Zeit als Hertha-Trainer“ und siegte mit 3:0 gegen den Tabellenzweiten aus Mönchengladbach. Ein sehr überraschender, und doch hochverdienter Erfolg der Hauptstädter, die zum ersten Mal seit 2008 wieder drei Punkte aus Gladbach mitnehmen konnten.

Doch auch Werder kommt mit Selbstvertrauen an die Spree: 4:0 hieß es beim Abpfiff gegen den FC Augsburg. Bremen ist weiterhin in der Rückrunde ungeschlagen und beweist große Qualität, auch gegen starke Gegner, wie beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt und im Pokalsieg gegen Borussia Dortmund.

Was die Bremer Mannschaft so stark macht, ist laut Joey unter anderem die „taktische Flexibilität“. Der aktuelle Erfolg von Werder läge auch daran, dass sie „als Team ein guter Allrounder geworden“ seien. Joey führt dazu aus: „Wir haben die Defensive wieder etwas stabilisiert, offensiv mehr Durchschlagskraft entwickelt und sind sowohl im eigenen Ballbesitzspiel als auch bei Kontern mindestens solide, teils sogar mehr als das.“ Beide Teams können also mit erhobenen Haupt in die Partie am Samstag gehen und auf ihre eigenen Stärken vertrauen.

Europäische Ambitionen an der Weser

Aktuell liegt Werder Bremen mit 30 Punkten auf Platz zehn der Tabelle, nur einen Zähler hinter der „alten Dame“. Beide Teams könnten mit einem Dreier am Samstag Abend die Plätze fünf oder sechs erreichen.

Europa ist also auch für Bremen zum Greifen nah. Die internationalen Plätze sind auch das „erklärte Saisonziel“ des Vereins. Joey glaubt jedoch nicht daran, dass am Ende der Saison die dementsprechend qualifizierenden Plätze erreicht werden können. Dafür sei die „Konkurrenz noch zu groß“. Viel wichtiger sei jedoch für ihn, „dass man die spielerische Entwicklung der letzten Wochen und Monate weiter im positiven Sinne fortsetzt, dann wird man auf kurz oder lang zwangsläufig wieder die Chance aufs internationale Geschäft erhalten.“

Ähnlich wie bei Hertha ist die Zielsetzung in Bremen also zunächst die spielerische Entwicklung und Stabilisierung in der Liga. Doch auch an der Weser will man raus aus dem Niemandsland der Tabelle und zurück zu den begehrten europäischen Plätzen. Ein Selbstläufer wird es für beide Seiten keinesfalls, sondern ein harter Kampf bis zum Saisonende gegen starke Konkurrenz aus Leverkusen, Frankfurt und Hoffenheim.

Kruse, Rashica oder doch Kohfeldt– Was ist Werders größte Waffe?

Doppeltorschütze gegen den FC Augsburg – Milot Rashica (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Dass Bremen echte Waffen in der Offensive hat, konnte man auch gegen den FC Augsburg feststellen. Unser Bremen-Experte warnt uns insbesondere vor Max Kruse und Milot Rashica. Über Kapitän Kruse sagt er: „Sein Start in die Saison war schwach. Seit einigen Monaten schöpft er aber wieder konstant sein Niveau aus und wenn das der Fall ist, gehört Kruse in vielen Belangen zu den besten Offensivspielern der Liga.”

Auch für Rashica, der gegen Augsburg doppelt treffen konnte, hat Joey Lob übrig: „Mit seinem Tempo, seiner grundsätzlichen Dynamik und seinen Tiefenläufen bringt er bei Werder eine Komponente ins Spiel, die bei uns im Kader niemand ersetzen kann“. Dieser war zwar diese Woche noch fraglich, wird jedoch gegen Hertha wieder fit sein. Die größte Waffe der Bremer könnte hingegen ihr Trainer sein. Joey gibt ihm einen „großen Anteil“ am Erfolg der letzten Zeit. „Als er übernommen hat, waren die Defizite in allen Bereichen eklatant.“, betont er. Dank Florian Kohfeldt gehöre man „mittlerweile taktisch und im Ballbesitzspiel wieder zu den besseren Teams der Liga“ und habe „zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten mal keine Abstiegssorgen.“

„Seit Ewigkeiten mal keine Abstiegssorgen“ – dieses Gefühl hat man in Berlin auch seitdem Pal Dardai Cheftrainer ist. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Vereine.

Hertha-BASE-Redakteur Marc war in Vorbereitung auf die Begegnung beim Bremen-Podcast Weserfunk zu Gast:

Weserfunk 88

Die Rückkehr von Sebastian Langkamp

Spielt aktuell in der Stammelf – Sebastian Langkamp (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Auf die Frage, welche Schwächen er bei Werder sieht, antwortet Joey: „Unsere größte Schwäche ist es sicherlich, dass wir noch zu selten die Konzentration über 90 Minuten halten können. Egal wie gut wir spielen, wir sind eigentlich immer für 1-2 Aussetzer gut, insbesondere im Abwehrverbund.“ Hertha wird also mögliche Defensiv-Patzer ausnutzen müssen, um die Punkte Zuhause zu behalten.

Spricht man über die Bremer Defensive, lohnt sich an dieser Stelle ein Blick auf eine Personalie in der Innenverteidigung: Sebastian Langkamp. Viereinhalb Jahre spielte der 31-Jährige in der Hauptstadt, ehe er vor gut einem Jahr an die Weser wechselte. Am Samstag trifft er auf viele alte Teamkollegen. Unumstritten ist er bisher in Bremen nicht gewesen, im letzten Spiel gegen Augsburg spielte er jedoch von Anfang an und zeigte eine solide Leistung.

Auf unsere Nachfrage in Bezug auf Langkamp erklärt uns Joey, dass er ihn auf Dauer nicht als Stammspieler an der Weser sieht. „Veljkovic hat nun bereits über einen längeren Zeitraum geschwächelt, Langkamp sich wiederum gefestigt, in der Spieleröffnung dazugelernt und ihn folgerichtig erstmal verdrängt. Mittelfristig kann es dennoch nicht in Werders Sinne sein, dass die Abwehr aus zwei Ü30ern besteht. Sicherlich auch deshalb hat Kohfeldt jüngst betont, dass Veljkovic die Zukunft bei Werder gehöre.“ Am Samstag wird Langkamp allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit erneut von Anfang an spielen.

Wie werden Hertha und Bremen aufgestellt sein?

Martin Harnik, Torschütze im Hinspiel, wird am Samstag ausfallen. (Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

In welchem System Florian Kohfeldt gegen die Blau-weißen aufstellen wird, kann Joey nicht vorhersagen: „Da wir zuletzt sehr flexibel angepasst haben, auch innerhalb eines Spiels, ist das etwas schwer zu sagen. (…) Wir werden im Verlauf des Spiels sicherlich einige Grundordnungen zu sehen bekommen.” Da Yuya Osako und Martin Harnik ausfallen, „dürfte (Johannes) Eggestein neben Max Kruse gesetzt sein.“ Zudem könnten laut Joey „entweder ein weiterer Mittelfeldspieler in die Startelf rutschen – Nuri Sahin oder Kevin Möhwald – oder aber einer aus Claudio Pizarro oder Josh Sargent die Offensive vervollständigen.“

Bei Hertha fallen weiterhin Matthew Leckie, Javairo Dilrosun, Peter Pekarik und auch Arne Maier aus. Jordan Torunarigha, der Anfang der Woche noch angeschlagen war, wird wohl auch gegen Bremen wieder von Anfang an spielen können. Valentino Lazaro ist nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder zurück. Es ist wahrscheinlich, dass Lukas Klünter, trotz seiner soliden Leistung gegen Borussia Mönchengladbach, für Lazaro wieder aus der Mannschaft rotieren wird. Es bestünde allerdings auch die Möglichkeit, dass Klünter seinen Platz in der Startelf behält und Lazaro erstmals seit langer Zeit wieder im Mittelfeld zum Einsatz kommt.

Nach seiner überragenden Vorstellung gegen Borussia Mönchengladbach hat Davie Selke nicht nur Lob vom Trainer bekommen, er ist wohl auch aktuell nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Ob Dardai dann mit zwei Spitzen spielt oder Kapitän Vedad Ibisevic erneut auf die Bank Platz nimmt, ist unklar. Optionen hat der Cheftrainer am Samstag genug, beklagt sich beinahe schon über seinen „schweren Job“. Linksverteidiger Marvin Plattenhardt dürfte hingegen ziemlich sicher nicht in die Startelf zurückkehren. Seine Konkurrenten Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha konnten zuletzt überzeugen und so riecht es auf der linken Seite Herthas nach (zwischenzeitlicher) Wachablösung.

In unserer letzten Podcast-Folge haben wir uns auch detailliert über die personelle Lage bei Hertha BSC unterhalten:

Der positive Druck – Herthas große Schwäche

Kann der Erfolg in Mönchengladbach die Blockade lösen? (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Es bleibt ein Thema: der positive Druck bei Hertha BSC. Auch auf der Presskonferenz vor dem Spiel gegen Werder Bremen wurde Pal Dardai die Frage nach dem Nervenkostüm seiner Spieler gestellt. Es sei kein Thema in der Mannschaft, meinte der Trainer dazu. Das sei nur was für die Medien.

Im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg war es eine ähnliche Ausgangslage wie die am kommenden Samstag. Auch da hatte man die Chance, mit einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten die europäischen Plätze ernsthaft anzugreifen. Was folgte war eine enttäuschende Leistung und eine 0:1-Niederlage. Schon lange kennt man in der Hauptstadt das Problem mit Druck umzugehen – eine wirkliche Erklärung dafür hat man bislang noch nicht. Jedes Mal, wenn Hertha einen großen Schritt in Richtung Europa machen kann, gibt es schwache Spiele zu sehen. Wenn der Hauptstadt-Club jedoch nicht dem Mittelmaß verfallen möchte und wirklich europäische Ambitionen hegt, sollten solche Partien jedoch gewonnen werden. Es ist auch immer wieder die Frage, welche Erwartungen man an seine Mannschaft stellt.

Es bleibt also zu erwarten, ob möglicherweise der Sieg gegen Gladbach der Mannschaft frischen Wind geben und mentale Blockaden lösen kann. Ein Sieg gegen Bremen würde die Moral der Mannschaft wahrscheinlich immens festigen.

Angstgegner Werder Bremen – Kann Hertha erneut eine Serie brechen?

Hertha war zuletzt glücklos gegen Werder Bremen (Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Werder Bremen ist so etwas wie ein Angstgegner für Hertha BSC. Die Gesamtbilanz ist aus blau-weißer Sicht nicht gerade schön anzusehen. In 71 Bundesligaspielen konnte man nur 19 Mal gewinnen. 36 Spiele konnten die Bremer für sich entscheiden. Allerdings bleibt die Heimbilanz für die „alte Dame“ positiv: 15 der 35 Heimspiele konnte man für sich entscheiden nur zehn Mal holten die Bremer in Berlin drei Punkte.

Das letzte Mal konnten die Hauptstädter am 13. Dezember 2013 mit 3:2 gegen Bremen vor heimischer Kulisse gewinnen. Torschützen waren damals Adrian Ramos und Ronny. Diese Saison hat sich Hertha allerdings als Brecher eigener Serien hervorgetan, zuletzt vergangene Woche in Mönchengladbach. Es wird am Samstag jedoch eine große Herausforderung für die Blau-Weißen, erneut eine negative Bilanz der vergangenen Jahre etwas anzupassen. Das Hinspiel, ausgetragen im Weserstadion, endete mit einer verdienten 1:3-Niederlage für die Berliner. Unser Werder-Experte Joey erwartet ebenfalls ein knappes Aufeinandertreffen. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem am Ende Details entscheiden werden.“ Sein Tipp: Unentschieden.

Es wird ein echter Charaktertest für Hertha BSC. Kann man sich endlich von der Blockade lösen, den positiven Druck überwinden und die nächste Serie gegen Bremen beenden?


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Am Samstagabend (18.30 Uhr) treffen sich im Flutlicht des Olympiastadions Hertha BSC und Werder Bremen. Wieder einmal geht es um wichtige Punkte und einen möglichen Sprung in Richtung Europa. Eine ähnliche Gefühlslage herrscht auf beiden Seiten – ein Duell auf Augenhöhe.

Wir haben uns für unseren Vorbericht wie immer Expertise geholt, dieses Mal hat uns Joey – auf Twitter unter @Estadox zu finden – einige Fragen über Werder Bremen beantwortet.

Hohe Siege im Rücken für beide Teams

Hertha bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 3:0 (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Beide Teams konnten am vergangenen Wochenende starke Leistungen abrufen. Hertha zeigte laut Pal Dardai „das beste Auswärtsspiel in meiner Zeit als Hertha-Trainer“ und siegte mit 3:0 gegen den Tabellenzweiten aus Mönchengladbach. Ein sehr überraschender, und doch hochverdienter Erfolg der Hauptstädter, die zum ersten Mal seit 2008 wieder drei Punkte aus Gladbach mitnehmen konnten.

Doch auch Werder kommt mit Selbstvertrauen an die Spree: 4:0 hieß es beim Abpfiff gegen den FC Augsburg. Bremen ist weiterhin in der Rückrunde ungeschlagen und beweist große Qualität, auch gegen starke Gegner, wie beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt und im Pokalsieg gegen Borussia Dortmund.

Was die Bremer Mannschaft so stark macht, ist laut Joey unter anderem die „taktische Flexibilität“. Der aktuelle Erfolg von Werder läge auch daran, dass sie „als Team ein guter Allrounder geworden“ seien. Joey führt dazu aus: „Wir haben die Defensive wieder etwas stabilisiert, offensiv mehr Durchschlagskraft entwickelt und sind sowohl im eigenen Ballbesitzspiel als auch bei Kontern mindestens solide, teils sogar mehr als das.“ Beide Teams können also mit erhobenen Haupt in die Partie am Samstag gehen und auf ihre eigenen Stärken vertrauen.

Europäische Ambitionen an der Weser

Aktuell liegt Werder Bremen mit 30 Punkten auf Platz zehn der Tabelle, nur einen Zähler hinter der „alten Dame“. Beide Teams könnten mit einem Dreier am Samstag Abend die Plätze fünf oder sechs erreichen.

Europa ist also auch für Bremen zum Greifen nah. Die internationalen Plätze sind auch das „erklärte Saisonziel“ des Vereins. Joey glaubt jedoch nicht daran, dass am Ende der Saison die dementsprechend qualifizierenden Plätze erreicht werden können. Dafür sei die „Konkurrenz noch zu groß“. Viel wichtiger sei jedoch für ihn, „dass man die spielerische Entwicklung der letzten Wochen und Monate weiter im positiven Sinne fortsetzt, dann wird man auf kurz oder lang zwangsläufig wieder die Chance aufs internationale Geschäft erhalten.“

Ähnlich wie bei Hertha ist die Zielsetzung in Bremen also zunächst die spielerische Entwicklung und Stabilisierung in der Liga. Doch auch an der Weser will man raus aus dem Niemandsland der Tabelle und zurück zu den begehrten europäischen Plätzen. Ein Selbstläufer wird es für beide Seiten keinesfalls, sondern ein harter Kampf bis zum Saisonende gegen starke Konkurrenz aus Leverkusen, Frankfurt und Hoffenheim.

Kruse, Rashica oder doch Kohfeldt– Was ist Werders größte Waffe?

Doppeltorschütze gegen den FC Augsburg – Milot Rashica (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Dass Bremen echte Waffen in der Offensive hat, konnte man auch gegen den FC Augsburg feststellen. Unser Bremen-Experte warnt uns insbesondere vor Max Kruse und Milot Rashica. Über Kapitän Kruse sagt er: „Sein Start in die Saison war schwach. Seit einigen Monaten schöpft er aber wieder konstant sein Niveau aus und wenn das der Fall ist, gehört Kruse in vielen Belangen zu den besten Offensivspielern der Liga.”

Auch für Rashica, der gegen Augsburg doppelt treffen konnte, hat Joey Lob übrig: „Mit seinem Tempo, seiner grundsätzlichen Dynamik und seinen Tiefenläufen bringt er bei Werder eine Komponente ins Spiel, die bei uns im Kader niemand ersetzen kann“. Dieser war zwar diese Woche noch fraglich, wird jedoch gegen Hertha wieder fit sein. Die größte Waffe der Bremer könnte hingegen ihr Trainer sein. Joey gibt ihm einen „großen Anteil“ am Erfolg der letzten Zeit. „Als er übernommen hat, waren die Defizite in allen Bereichen eklatant.“, betont er. Dank Florian Kohfeldt gehöre man „mittlerweile taktisch und im Ballbesitzspiel wieder zu den besseren Teams der Liga“ und habe „zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten mal keine Abstiegssorgen.“

„Seit Ewigkeiten mal keine Abstiegssorgen“ – dieses Gefühl hat man in Berlin auch seitdem Pal Dardai Cheftrainer ist. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Vereine.

Hertha-BASE-Redakteur Marc war in Vorbereitung auf die Begegnung beim Bremen-Podcast Weserfunk zu Gast:

Weserfunk 88

Die Rückkehr von Sebastian Langkamp

Spielt aktuell in der Stammelf – Sebastian Langkamp (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Auf die Frage, welche Schwächen er bei Werder sieht, antwortet Joey: „Unsere größte Schwäche ist es sicherlich, dass wir noch zu selten die Konzentration über 90 Minuten halten können. Egal wie gut wir spielen, wir sind eigentlich immer für 1-2 Aussetzer gut, insbesondere im Abwehrverbund.“ Hertha wird also mögliche Defensiv-Patzer ausnutzen müssen, um die Punkte Zuhause zu behalten.

Spricht man über die Bremer Defensive, lohnt sich an dieser Stelle ein Blick auf eine Personalie in der Innenverteidigung: Sebastian Langkamp. Viereinhalb Jahre spielte der 31-Jährige in der Hauptstadt, ehe er vor gut einem Jahr an die Weser wechselte. Am Samstag trifft er auf viele alte Teamkollegen. Unumstritten ist er bisher in Bremen nicht gewesen, im letzten Spiel gegen Augsburg spielte er jedoch von Anfang an und zeigte eine solide Leistung.

Auf unsere Nachfrage in Bezug auf Langkamp erklärt uns Joey, dass er ihn auf Dauer nicht als Stammspieler an der Weser sieht. „Veljkovic hat nun bereits über einen längeren Zeitraum geschwächelt, Langkamp sich wiederum gefestigt, in der Spieleröffnung dazugelernt und ihn folgerichtig erstmal verdrängt. Mittelfristig kann es dennoch nicht in Werders Sinne sein, dass die Abwehr aus zwei Ü30ern besteht. Sicherlich auch deshalb hat Kohfeldt jüngst betont, dass Veljkovic die Zukunft bei Werder gehöre.“ Am Samstag wird Langkamp allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit erneut von Anfang an spielen.

Wie werden Hertha und Bremen aufgestellt sein?

Martin Harnik, Torschütze im Hinspiel, wird am Samstag ausfallen. (Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

In welchem System Florian Kohfeldt gegen die Blau-weißen aufstellen wird, kann Joey nicht vorhersagen: „Da wir zuletzt sehr flexibel angepasst haben, auch innerhalb eines Spiels, ist das etwas schwer zu sagen. (…) Wir werden im Verlauf des Spiels sicherlich einige Grundordnungen zu sehen bekommen.” Da Yuya Osako und Martin Harnik ausfallen, „dürfte (Johannes) Eggestein neben Max Kruse gesetzt sein.“ Zudem könnten laut Joey „entweder ein weiterer Mittelfeldspieler in die Startelf rutschen – Nuri Sahin oder Kevin Möhwald – oder aber einer aus Claudio Pizarro oder Josh Sargent die Offensive vervollständigen.“

Bei Hertha fallen weiterhin Matthew Leckie, Javairo Dilrosun, Peter Pekarik und auch Arne Maier aus. Jordan Torunarigha, der Anfang der Woche noch angeschlagen war, wird wohl auch gegen Bremen wieder von Anfang an spielen können. Valentino Lazaro ist nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder zurück. Es ist wahrscheinlich, dass Lukas Klünter, trotz seiner soliden Leistung gegen Borussia Mönchengladbach, für Lazaro wieder aus der Mannschaft rotieren wird. Es bestünde allerdings auch die Möglichkeit, dass Klünter seinen Platz in der Startelf behält und Lazaro erstmals seit langer Zeit wieder im Mittelfeld zum Einsatz kommt.

Nach seiner überragenden Vorstellung gegen Borussia Mönchengladbach hat Davie Selke nicht nur Lob vom Trainer bekommen, er ist wohl auch aktuell nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Ob Dardai dann mit zwei Spitzen spielt oder Kapitän Vedad Ibisevic erneut auf die Bank Platz nimmt, ist unklar. Optionen hat der Cheftrainer am Samstag genug, beklagt sich beinahe schon über seinen „schweren Job“. Linksverteidiger Marvin Plattenhardt dürfte hingegen ziemlich sicher nicht in die Startelf zurückkehren. Seine Konkurrenten Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha konnten zuletzt überzeugen und so riecht es auf der linken Seite Herthas nach (zwischenzeitlicher) Wachablösung.

In unserer letzten Podcast-Folge haben wir uns auch detailliert über die personelle Lage bei Hertha BSC unterhalten:

Der positive Druck – Herthas große Schwäche

Kann der Erfolg in Mönchengladbach die Blockade lösen? (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Es bleibt ein Thema: der positive Druck bei Hertha BSC. Auch auf der Presskonferenz vor dem Spiel gegen Werder Bremen wurde Pal Dardai die Frage nach dem Nervenkostüm seiner Spieler gestellt. Es sei kein Thema in der Mannschaft, meinte der Trainer dazu. Das sei nur was für die Medien.

Im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg war es eine ähnliche Ausgangslage wie die am kommenden Samstag. Auch da hatte man die Chance, mit einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten die europäischen Plätze ernsthaft anzugreifen. Was folgte war eine enttäuschende Leistung und eine 0:1-Niederlage. Schon lange kennt man in der Hauptstadt das Problem mit Druck umzugehen – eine wirkliche Erklärung dafür hat man bislang noch nicht. Jedes Mal, wenn Hertha einen großen Schritt in Richtung Europa machen kann, gibt es schwache Spiele zu sehen. Wenn der Hauptstadt-Club jedoch nicht dem Mittelmaß verfallen möchte und wirklich europäische Ambitionen hegt, sollten solche Partien jedoch gewonnen werden. Es ist auch immer wieder die Frage, welche Erwartungen man an seine Mannschaft stellt.

Es bleibt also zu erwarten, ob möglicherweise der Sieg gegen Gladbach der Mannschaft frischen Wind geben und mentale Blockaden lösen kann. Ein Sieg gegen Bremen würde die Moral der Mannschaft wahrscheinlich immens festigen.

Angstgegner Werder Bremen – Kann Hertha erneut eine Serie brechen?

Hertha war zuletzt glücklos gegen Werder Bremen (Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Werder Bremen ist so etwas wie ein Angstgegner für Hertha BSC. Die Gesamtbilanz ist aus blau-weißer Sicht nicht gerade schön anzusehen. In 71 Bundesligaspielen konnte man nur 19 Mal gewinnen. 36 Spiele konnten die Bremer für sich entscheiden. Allerdings bleibt die Heimbilanz für die „alte Dame“ positiv: 15 der 35 Heimspiele konnte man für sich entscheiden nur zehn Mal holten die Bremer in Berlin drei Punkte.

Das letzte Mal konnten die Hauptstädter am 13. Dezember 2013 mit 3:2 gegen Bremen vor heimischer Kulisse gewinnen. Torschützen waren damals Adrian Ramos und Ronny. Diese Saison hat sich Hertha allerdings als Brecher eigener Serien hervorgetan, zuletzt vergangene Woche in Mönchengladbach. Es wird am Samstag jedoch eine große Herausforderung für die Blau-Weißen, erneut eine negative Bilanz der vergangenen Jahre etwas anzupassen. Das Hinspiel, ausgetragen im Weserstadion, endete mit einer verdienten 1:3-Niederlage für die Berliner. Unser Werder-Experte Joey erwartet ebenfalls ein knappes Aufeinandertreffen. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem am Ende Details entscheiden werden.“ Sein Tipp: Unentschieden.

Es wird ein echter Charaktertest für Hertha BSC. Kann man sich endlich von der Blockade lösen, den positiven Druck überwinden und die nächste Serie gegen Bremen beenden?


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