BundesligaVorbericht

Hertha BSC – Mainz 05: Dardais Dirndl gegen 25 Power Rangers

Am 24. Spieltag treffen mit Hertha BSC und dem FSV Mainz 05 direkte Tabellennachbarn aufeinander – mit nur zwei Punkten Abstand liegen die Berliner (zehn) einen Rang höher als die 05er (elf). Während Trainer Pal Dardai für die kommenden Wochen einen Lauf von seiner Mannschaft erwartet, wollen die 05er die Karnevals-Tage mit einem Auswärtserfolg einläuten. Dass die jeweiligen Vorhaben aufgrund des Gegners alles andere als leichte sind, haben die jüngsten Begegnungen der beiden Teams bewiesen.

Zur Vorbereitung auf die Partie am Samstag (15.30 Uhr) haben wir mit FSV-Anhängerin Petra Tabarelli gesprochen, die neben ihrem Mainzer Fan-Dasein den sehr lesenswerten Blog Nachspielzeiten betreibt. Dort präsentiert sie ihre Forschungen über Fußballgeschichte, insbesondere die Entwicklung der Fußballregeln.

Schwarz ist wieder Modefarbe

Am Samstagnachmittag trifft Hertha BSC mit Mainz 05 auf einen sehr gefestigten Gegner. 30 Punkte nach 23 Spieltagen lassen die Rheinhessen in ruhigen Fahrwassern der Bundesliga-Tabelle schwimmen – 14 Punkte beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz. Bereits beim Hinspiel verfügten die 05er solide acht Zähler nach sechs Partien und während der bisherigen Saison kamen sie nicht einmal in akute Abstiegsnot, Rang 13 war die bislang schlechteste Platzierung (zehnter Spieltag).


Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Diese neu gewonnene Stabilität ist der ruhigen Arbeit seitens der Mainzer Vereinsverantwortlichen zuzuschreiben. Die vergangene Saison wurde durch für Mainz untypische Nebenkriegsschauplätze und einer sportlichen Talfahrt geprägt. Zahlreiche Gelegenheiten hatte es gegeben, die normalen Mechanismen des professionellen Vereinsfußballs greifen zu lassen und den noch unerfahrenen Trainer Sandro Schwarz zu beurlauben. “Letzte Saison kam Unsicherheit hinein, als man direkt einige Spiele am Beginn verlor. Du weißt, du bist im Treibsand und solltest dich nicht bewegen und doch wirst du nervös und zappelst etwas und machst es damit noch schlimmer. Eine natürliche Reaktion, die letztes Jahr bei vielen Fans leider dazu geführt hat, sich ein falsches Bild von Schwarz zu machen”, erklärte Petra uns die Problematik der letzten Spielzeit, die mächtig an dem Trainerstuhl von Schwarz gesägt hatte. Doch Sportvorstand Rouven Schröder hielt an dem 40-Jährigen fest und sollte mit dieser Entscheidung Weitsicht zeigen.

Mainz rettete sich nach einer schwachen Saison auf Platz 14 und drückte im Sommer den Reset-Button – elf Spieler verließen den Verein, sieben neue kamen hinzu. Trainer Schwarz wurde das Vertrauen ausgesprochen, im zweiten Anlauf seine Ideen einbringen und die 05er weiterentwickeln zu können. Auf unsere Frage, ob sich im Vergleich zur vorangegangenen Saison an der Herangehensweise von Schwarz etwas geändert hätte, antwortet Petra: “Nein, das glaube ich nicht. Vielmehr konnte Schwarz‘ Spielidee nun häufig umgesetzt werden.”

Mainz weiter auf Kurs Nichtabstieg

Diese Spielidee beschreibt unsere Interview-Gästin wie folgt: “Schwarz’ Spiel charakterisiert aus meiner Sicht ein recht offenes Spiel mit vielen kurzen Pässen. Dabei geht es weder vorwiegend über eine der Außenseite noch vor allem durch die Mitte. Es werden Räume dort geschaffen, wo es realisierbar ist und dann möglichst dorthin hineingestoßen.” Die 05er bekommen von ihrem Übungsleiter also mit auf den Weg, alles möglichst spielerisch zu lösen und taktisch flexibel aufzutreten. Dafür beherrscht die Mannschaft zahlreiche Spielsysteme, kann mit Dreier- oder Viererkette auflaufen, mit Raute oder klassischem Flügelspiel. Im Hinspiel traten die Mainzer in einem 5-3-2 an.


Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Für die Begegnung am Samstag gibt Trainer Schwarz “mit viel Leidenschaft kompakt gegen den Ball verteidigen” als Marschroute für seine Spieler vor. Der gebürtige Mainzer erwartet in Berlin einen variablen Gegner, “der sehr aggressiv, mannorientiert verteidigt und über eine große Qualität im Offensivbereich verfügt. Gemeint sind die “wuchtigen Spitzen Vedad Ibisevic und Davie Selke”.

Von der Taktik unabhängig werden die Mainzer selbstbewusst auftreten. Nach zuletzt drei deutlichen Niederlagen infolge mit einem Torverhältnis von insgesamt 1:11 konnte am vergangenen Spieltag ein souveräner 3:0-Sieg über Schalke 04 eingefahren werden. “Sie sind auf jeden Fall noch auf Kurs – Kurs Nichtabstieg. Bei drei Niederlagen in Folge macht sich natürlich etwas Unzufriedenheit bei den Spielern breit, aber die ist mit dem Sieg gegen Schalke gnadenlos zerborsten. Jetzt geht es Stück für Stück weiter mit dem Punktesammeln”, beschrieb Petra die aktuelle Stimmung innerhalb der Mannschaft.

25 Power Rangers, darunter starke Neuzugänge

Mainz steht bei 30 Punkten, Hertha bei 32 – mit einem Sieg würden die 05er also an den Blau-Weißen vorbeiziehen. “Gegen Ende der Saison im Mittelfeld zu stehen, ist das diesjährige Ziel und auch das der folgenden Jahre. Das ist in Mainz, dessen Mannschaft sich von Saison zu Saison etwas verändert, immer wieder das Ziel”, zeigt sich Petra trotz der tabellarischen Möglichkeiten bescheiden – ein Sieg wäre schön, es wird dennoch nach unten geschielt. “Für uns ist (Europa) kein Thema. Die 30 Punkte geben uns ein gutes Gefühl, mehr auch nicht. Es geht nur darum, Dinge besser zu machen. Hochrechnungen helfen uns nicht weiter. Nur unsere eigene Leistung”, unterstreicht Trainer Schwarz diese Erwartungshaltung.


Neuzugang Mateta ist Mainzer Toptorschütze (Foto:
Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Die Partie zwischen Hertha und Mainz fällt in eine für die Rheinhessen ganz besondere Zeit – den Karneval. Die “fünfte Jahreszeit”, wie es Sandro Schwarz nennt, soll mit einem Punkterfolg in Berlin eingeläutet werden. Auf die Frage, welches Kostüm zu seinen Spielern am besten passen würde, legte sich Schwarz auf die Power Rangers fest – “immer kampfbereit” sei seine Mannschaft, genauso wie die genannten Kindheitshelden. “25 kleine Power Rangers” habe Schwarz in seinen Reihen.

Unter diesen 25 befinden sich die bereits erwähnten sieben Neuzugänge. Nachdem Mainz sich im Sommer von Spielern im Verkaufswert von 55 Millionen Euro (Angabe: transfermarkt.de) trennte, wurde kräftig nachgerüstet und jedes Mannschaftsteil verstärkt. Nach zwei Saisondritteln ist ersichtlich, wie gut die Neuzugänge eingeschlagen sind. Innenverteidiger Moussa Niakhaté, die Mittelfeldspieler Pierre Kunde und Jean-Paul Boetius, wie auch Torjäger Jean-Philippe Mateta gehören allesamt zum Mainzer Stammpersonal. Ein Spieler hat Petra aber besonders überzeugt: “Von den neuen bin ich von Aaron Martín (Außenverteidiger) sehr positiv überrascht. Er hat nicht nur Giulio Donati während dessen Verletzung super vertreten, er hat sich eigentlich einen Stammplatz verdient.” Aber auch bereits etablierte Spieler haben in der laufenden Saison einen Sprung gemacht. “Daniel Brosinski hat sich in den vergangenen Saisons schon Stück für Stück zu einem Führungsspieler entwickelt und ist für mich diese Saison das wichtigste Glied bei Mainz 05, das in der vergangenen Saison noch Jean-Philippe Gbamin war”, so Petra.

In unserer letzten Podcast-Folge haben wir uns über die unglücklichen Ergebnisse gegen Werder Bremen und Bayern München unterhalten.

Dardais Dirndl-Wette für Europa

Die Welt bei Gegner Mainz ist also im Lot und könnte durch die nahenden Karnevalsfeiereien in großer Zufriedenheit münden. Eine ähnliche Stimmung möchte Herthas Trainer Pal Dardai in den kommenden Wochen schaffen – wobei der Vergleich hinkt, denn es ist vielmehr Gier als Zufriedenheit, die der Ungar erzeugen möchte. Dardai hat öffentlich das Ziel ausgegeben, aus den kommenden drei Partien sechs bis sieben Punkte zu holen (Gegner: Mainz, Freiburg und Dortmund). Die starken Leistungen aus den Spielen gegen Werder Bremen (1:1) und den FC Bayern München (0:1) haben nicht den verdienten Ertrag gebracht und so ist Platz sechs schon fünf Punkte in die Ferne gerückt. Hertha findet sich erstmals in dieser Saison in der zweiten Tabellenhälfte wieder.


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Zeit also, andere Seiten aufzuziehen und die größtmögliche Motivation aus seinen Spielern herauszukitzeln. Dardai versucht dies mit einer interessanten Wette – gewinnt Hertha gegen Mainz, wird sich Herthas Coach ein Dirndl überstreifen. Ein Einsatz, der seine Spieler zur Höchstleistung animieren sollte. Fakt ist, dass das letzte Saisondrittel bereits eingeläutet wurde und Hertha nun erste Ausrufezeichen im Kampf um das europäische Geschäft setzen muss.

Hierfür muss die Heimbilanz der Berliner aufgebessert werden. In der Rückrunde gelang noch kein einziger Sieg vor heimischen Publikum, zuletzt wurde am 8. Dezember letzten Jahres (1:0 gegen Frankfurt) zu Hause gewonnen. “Wenn wir Wolfsburg außen vor lassen, waren unsere Heimspiele jetzt wirklich in Ordnung”, will Dardai allerdings nichts von einer Heimschwäche wissen. Die Leistungen würden stimmen, “aber wir müssen unsere Chancen besser ausnutzen”, analysierte der 42-Jährige. Nun muss ein Dreier her und das ausgerechnet gegen die Mannschaft, die man in den letzten sechs Aufeinandertreffen nur einmal schlagen konnte.

Die entscheidende Rolle von Torunarigha

Die Zielvorgabe für Samstag ist klar – ein Sieg muss her. Hinter der Aufstellung hingegen steht noch ein Fragezeichen, das primär mit dem Einsatz von Jordan Torunarigha zu tun hat. Aufgrund der Rotsperre muss Dardai gegen Mainz auf Karim Rekik verzichten, der im Normalfall von Torunarigha ersetzt werden würde. Das Berliner Eigengewächs konnte die Trainingswoche allerdings nicht vollständig absolvieren und stehen die Chancen auf dessen Startelfeinsatz laut Dardai bei 50 Prozent. “Alles okay, ich kann spielen”, entgegnete der 21-Jährige allerdings, als er am Donnerstag den Trainingsplatz verließ.


Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Sollte Torunarigha aber doch nicht spielfähig sein, so müsste Dardai taktische Einbuße hinnehmen. “Wenn er nicht kann, müssen wir bei der Viererkette bleiben“, erklärte Dardai, da ihm ohne Rekik und Torunarigha kein Linksfuß zur Verfügung stünde. Es stehlt also noch im blau-weißen Himmel, ob Torunarigha, Lustenberger und Stark und oder nur die beiden zuletzt genannten die Innenverteidigung am Samstag bilden werden.

Wer dem Anschein nach definitiv auf der Bank Platz nehmen wird, ist Kapitän Vedad Ibisevic. Der 34-Jährige muss sich aktuell hinter dem formstarken Davie Selke anstellen und trotz seiner acht Saisontore lässt er sich keinen Frust anmerken. “Vedad geht mit der Situation sehr professionell um, er war nie beleidigt”, so Dardai. Neben Ibisevic wird Mathew Leckie sitzen. Der Australier stand zuletzt am 17. Spieltag im Kader, seitdem ließen ihn der Asia Cup und eine Verletzung ausfallen.

Vom Personal unabhängig tippt Petra: “Ein Unentschieden. Nachdem Schwarz gegen Schalke wieder in die Taktik-Trickkiste gegriffen und im Gegensatz zum Leverkusen-Spiel Mainz diesmal Erfolg hatte, wird Pal Dardai sehr genau überlegen, wie er die Hertha ein- und aufstellt. Ich glaube, dass sich beide Mannschaften gegenseitig taktisch aushebeln. Ich weiß nur noch nicht, ob’s eher ein langweiliges 0:0 oder ein sehenswertes 4:4 wird.” Beide Ergebnisse wären für Hertha zu wenig.


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Am 24. Spieltag treffen mit Hertha BSC und dem FSV Mainz 05 direkte Tabellennachbarn aufeinander – mit nur zwei Punkten Abstand liegen die Berliner (zehn) einen Rang höher als die 05er (elf). Während Trainer Pal Dardai für die kommenden Wochen einen Lauf von seiner Mannschaft erwartet, wollen die 05er die Karnevals-Tage mit einem Auswärtserfolg einläuten. Dass die jeweiligen Vorhaben aufgrund des Gegners alles andere als leichte sind, haben die jüngsten Begegnungen der beiden Teams bewiesen.

Zur Vorbereitung auf die Partie am Samstag (15.30 Uhr) haben wir mit FSV-Anhängerin Petra Tabarelli gesprochen, die neben ihrem Mainzer Fan-Dasein den sehr lesenswerten Blog Nachspielzeiten betreibt. Dort präsentiert sie ihre Forschungen über Fußballgeschichte, insbesondere die Entwicklung der Fußballregeln.

Schwarz ist wieder Modefarbe

Am Samstagnachmittag trifft Hertha BSC mit Mainz 05 auf einen sehr gefestigten Gegner. 30 Punkte nach 23 Spieltagen lassen die Rheinhessen in ruhigen Fahrwassern der Bundesliga-Tabelle schwimmen – 14 Punkte beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz. Bereits beim Hinspiel verfügten die 05er solide acht Zähler nach sechs Partien und während der bisherigen Saison kamen sie nicht einmal in akute Abstiegsnot, Rang 13 war die bislang schlechteste Platzierung (zehnter Spieltag).


Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Diese neu gewonnene Stabilität ist der ruhigen Arbeit seitens der Mainzer Vereinsverantwortlichen zuzuschreiben. Die vergangene Saison wurde durch für Mainz untypische Nebenkriegsschauplätze und einer sportlichen Talfahrt geprägt. Zahlreiche Gelegenheiten hatte es gegeben, die normalen Mechanismen des professionellen Vereinsfußballs greifen zu lassen und den noch unerfahrenen Trainer Sandro Schwarz zu beurlauben. “Letzte Saison kam Unsicherheit hinein, als man direkt einige Spiele am Beginn verlor. Du weißt, du bist im Treibsand und solltest dich nicht bewegen und doch wirst du nervös und zappelst etwas und machst es damit noch schlimmer. Eine natürliche Reaktion, die letztes Jahr bei vielen Fans leider dazu geführt hat, sich ein falsches Bild von Schwarz zu machen”, erklärte Petra uns die Problematik der letzten Spielzeit, die mächtig an dem Trainerstuhl von Schwarz gesägt hatte. Doch Sportvorstand Rouven Schröder hielt an dem 40-Jährigen fest und sollte mit dieser Entscheidung Weitsicht zeigen.

Mainz rettete sich nach einer schwachen Saison auf Platz 14 und drückte im Sommer den Reset-Button – elf Spieler verließen den Verein, sieben neue kamen hinzu. Trainer Schwarz wurde das Vertrauen ausgesprochen, im zweiten Anlauf seine Ideen einbringen und die 05er weiterentwickeln zu können. Auf unsere Frage, ob sich im Vergleich zur vorangegangenen Saison an der Herangehensweise von Schwarz etwas geändert hätte, antwortet Petra: “Nein, das glaube ich nicht. Vielmehr konnte Schwarz‘ Spielidee nun häufig umgesetzt werden.”

Mainz weiter auf Kurs Nichtabstieg

Diese Spielidee beschreibt unsere Interview-Gästin wie folgt: “Schwarz’ Spiel charakterisiert aus meiner Sicht ein recht offenes Spiel mit vielen kurzen Pässen. Dabei geht es weder vorwiegend über eine der Außenseite noch vor allem durch die Mitte. Es werden Räume dort geschaffen, wo es realisierbar ist und dann möglichst dorthin hineingestoßen.” Die 05er bekommen von ihrem Übungsleiter also mit auf den Weg, alles möglichst spielerisch zu lösen und taktisch flexibel aufzutreten. Dafür beherrscht die Mannschaft zahlreiche Spielsysteme, kann mit Dreier- oder Viererkette auflaufen, mit Raute oder klassischem Flügelspiel. Im Hinspiel traten die Mainzer in einem 5-3-2 an.


Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Für die Begegnung am Samstag gibt Trainer Schwarz “mit viel Leidenschaft kompakt gegen den Ball verteidigen” als Marschroute für seine Spieler vor. Der gebürtige Mainzer erwartet in Berlin einen variablen Gegner, “der sehr aggressiv, mannorientiert verteidigt und über eine große Qualität im Offensivbereich verfügt. Gemeint sind die “wuchtigen Spitzen Vedad Ibisevic und Davie Selke”.

Von der Taktik unabhängig werden die Mainzer selbstbewusst auftreten. Nach zuletzt drei deutlichen Niederlagen infolge mit einem Torverhältnis von insgesamt 1:11 konnte am vergangenen Spieltag ein souveräner 3:0-Sieg über Schalke 04 eingefahren werden. “Sie sind auf jeden Fall noch auf Kurs – Kurs Nichtabstieg. Bei drei Niederlagen in Folge macht sich natürlich etwas Unzufriedenheit bei den Spielern breit, aber die ist mit dem Sieg gegen Schalke gnadenlos zerborsten. Jetzt geht es Stück für Stück weiter mit dem Punktesammeln”, beschrieb Petra die aktuelle Stimmung innerhalb der Mannschaft.

25 Power Rangers, darunter starke Neuzugänge

Mainz steht bei 30 Punkten, Hertha bei 32 – mit einem Sieg würden die 05er also an den Blau-Weißen vorbeiziehen. “Gegen Ende der Saison im Mittelfeld zu stehen, ist das diesjährige Ziel und auch das der folgenden Jahre. Das ist in Mainz, dessen Mannschaft sich von Saison zu Saison etwas verändert, immer wieder das Ziel”, zeigt sich Petra trotz der tabellarischen Möglichkeiten bescheiden – ein Sieg wäre schön, es wird dennoch nach unten geschielt. “Für uns ist (Europa) kein Thema. Die 30 Punkte geben uns ein gutes Gefühl, mehr auch nicht. Es geht nur darum, Dinge besser zu machen. Hochrechnungen helfen uns nicht weiter. Nur unsere eigene Leistung”, unterstreicht Trainer Schwarz diese Erwartungshaltung.


Neuzugang Mateta ist Mainzer Toptorschütze (Foto:
Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Die Partie zwischen Hertha und Mainz fällt in eine für die Rheinhessen ganz besondere Zeit – den Karneval. Die “fünfte Jahreszeit”, wie es Sandro Schwarz nennt, soll mit einem Punkterfolg in Berlin eingeläutet werden. Auf die Frage, welches Kostüm zu seinen Spielern am besten passen würde, legte sich Schwarz auf die Power Rangers fest – “immer kampfbereit” sei seine Mannschaft, genauso wie die genannten Kindheitshelden. “25 kleine Power Rangers” habe Schwarz in seinen Reihen.

Unter diesen 25 befinden sich die bereits erwähnten sieben Neuzugänge. Nachdem Mainz sich im Sommer von Spielern im Verkaufswert von 55 Millionen Euro (Angabe: transfermarkt.de) trennte, wurde kräftig nachgerüstet und jedes Mannschaftsteil verstärkt. Nach zwei Saisondritteln ist ersichtlich, wie gut die Neuzugänge eingeschlagen sind. Innenverteidiger Moussa Niakhaté, die Mittelfeldspieler Pierre Kunde und Jean-Paul Boetius, wie auch Torjäger Jean-Philippe Mateta gehören allesamt zum Mainzer Stammpersonal. Ein Spieler hat Petra aber besonders überzeugt: “Von den neuen bin ich von Aaron Martín (Außenverteidiger) sehr positiv überrascht. Er hat nicht nur Giulio Donati während dessen Verletzung super vertreten, er hat sich eigentlich einen Stammplatz verdient.” Aber auch bereits etablierte Spieler haben in der laufenden Saison einen Sprung gemacht. “Daniel Brosinski hat sich in den vergangenen Saisons schon Stück für Stück zu einem Führungsspieler entwickelt und ist für mich diese Saison das wichtigste Glied bei Mainz 05, das in der vergangenen Saison noch Jean-Philippe Gbamin war”, so Petra.

In unserer letzten Podcast-Folge haben wir uns über die unglücklichen Ergebnisse gegen Werder Bremen und Bayern München unterhalten.

Dardais Dirndl-Wette für Europa

Die Welt bei Gegner Mainz ist also im Lot und könnte durch die nahenden Karnevalsfeiereien in großer Zufriedenheit münden. Eine ähnliche Stimmung möchte Herthas Trainer Pal Dardai in den kommenden Wochen schaffen – wobei der Vergleich hinkt, denn es ist vielmehr Gier als Zufriedenheit, die der Ungar erzeugen möchte. Dardai hat öffentlich das Ziel ausgegeben, aus den kommenden drei Partien sechs bis sieben Punkte zu holen (Gegner: Mainz, Freiburg und Dortmund). Die starken Leistungen aus den Spielen gegen Werder Bremen (1:1) und den FC Bayern München (0:1) haben nicht den verdienten Ertrag gebracht und so ist Platz sechs schon fünf Punkte in die Ferne gerückt. Hertha findet sich erstmals in dieser Saison in der zweiten Tabellenhälfte wieder.


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Zeit also, andere Seiten aufzuziehen und die größtmögliche Motivation aus seinen Spielern herauszukitzeln. Dardai versucht dies mit einer interessanten Wette – gewinnt Hertha gegen Mainz, wird sich Herthas Coach ein Dirndl überstreifen. Ein Einsatz, der seine Spieler zur Höchstleistung animieren sollte. Fakt ist, dass das letzte Saisondrittel bereits eingeläutet wurde und Hertha nun erste Ausrufezeichen im Kampf um das europäische Geschäft setzen muss.

Hierfür muss die Heimbilanz der Berliner aufgebessert werden. In der Rückrunde gelang noch kein einziger Sieg vor heimischen Publikum, zuletzt wurde am 8. Dezember letzten Jahres (1:0 gegen Frankfurt) zu Hause gewonnen. “Wenn wir Wolfsburg außen vor lassen, waren unsere Heimspiele jetzt wirklich in Ordnung”, will Dardai allerdings nichts von einer Heimschwäche wissen. Die Leistungen würden stimmen, “aber wir müssen unsere Chancen besser ausnutzen”, analysierte der 42-Jährige. Nun muss ein Dreier her und das ausgerechnet gegen die Mannschaft, die man in den letzten sechs Aufeinandertreffen nur einmal schlagen konnte.

Die entscheidende Rolle von Torunarigha

Die Zielvorgabe für Samstag ist klar – ein Sieg muss her. Hinter der Aufstellung hingegen steht noch ein Fragezeichen, das primär mit dem Einsatz von Jordan Torunarigha zu tun hat. Aufgrund der Rotsperre muss Dardai gegen Mainz auf Karim Rekik verzichten, der im Normalfall von Torunarigha ersetzt werden würde. Das Berliner Eigengewächs konnte die Trainingswoche allerdings nicht vollständig absolvieren und stehen die Chancen auf dessen Startelfeinsatz laut Dardai bei 50 Prozent. “Alles okay, ich kann spielen”, entgegnete der 21-Jährige allerdings, als er am Donnerstag den Trainingsplatz verließ.


Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Sollte Torunarigha aber doch nicht spielfähig sein, so müsste Dardai taktische Einbuße hinnehmen. “Wenn er nicht kann, müssen wir bei der Viererkette bleiben“, erklärte Dardai, da ihm ohne Rekik und Torunarigha kein Linksfuß zur Verfügung stünde. Es stehlt also noch im blau-weißen Himmel, ob Torunarigha, Lustenberger und Stark und oder nur die beiden zuletzt genannten die Innenverteidigung am Samstag bilden werden.

Wer dem Anschein nach definitiv auf der Bank Platz nehmen wird, ist Kapitän Vedad Ibisevic. Der 34-Jährige muss sich aktuell hinter dem formstarken Davie Selke anstellen und trotz seiner acht Saisontore lässt er sich keinen Frust anmerken. “Vedad geht mit der Situation sehr professionell um, er war nie beleidigt”, so Dardai. Neben Ibisevic wird Mathew Leckie sitzen. Der Australier stand zuletzt am 17. Spieltag im Kader, seitdem ließen ihn der Asia Cup und eine Verletzung ausfallen.

Vom Personal unabhängig tippt Petra: “Ein Unentschieden. Nachdem Schwarz gegen Schalke wieder in die Taktik-Trickkiste gegriffen und im Gegensatz zum Leverkusen-Spiel Mainz diesmal Erfolg hatte, wird Pal Dardai sehr genau überlegen, wie er die Hertha ein- und aufstellt. Ich glaube, dass sich beide Mannschaften gegenseitig taktisch aushebeln. Ich weiß nur noch nicht, ob’s eher ein langweiliges 0:0 oder ein sehenswertes 4:4 wird.” Beide Ergebnisse wären für Hertha zu wenig.


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