BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 24. Spieltag: Hertha BSC – FSV Mainz 05

Die Sache mit dem Glück im Fußball – Hertha BSC konnte am Samstagnachmittag einen 2:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05 feiern, hätte sich über eine Punkteteilung allerdings nicht beschweren dürfen. Die Gäste aus Rheinhessen hatte zahlreiche gute Gelegenheiten, waren ebenbürtig und doch reichten zehn starke Minuten der “alten Dame” aus, um die drei Punkte in blau-weiß zu hüllen. Ein denkbar knapper Sieg, aber wohl Karma, nachdem Hertha gegen Werder Bremen und den FC Bayern München insgesamt drei verdiente Punkte liegen ließ. So verbuchten die Berliner ihren ersten Heimsieg seit dem 8. Dezember letzten Jahres und bleiben an den Europa-Rängen dran. Die Einzelkritik zu zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten.

Tor

Rune Jarstein – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Kein Spiel, in dem sich Herthas Schlussmann auszeichnen konnte.

13 Schüsse gaben die Mainzer in Berlin ab, nur einer landete dabei direkt auf dem Kasten Jarsteins. Zu erklären ist diese Zahl damit, dass Aluminium-Treffer nicht als direkte Torschüsse gewertet werden, der Latten-Kopfball von Angreifer Onisiwo wird somit nicht dazugezählt. Wie bei dieser Chance wäre der Norweger wohl auch bei den beiden Kopfbällen von Ujah machtlos gewesen, welche sich knapp neben das Tor und an den Pfosten senkten. Ebenso ohne Chance war Jarstein beim Eigentor Starks, das nicht mehr abzuwehren war.

Es war kein ruhiger Nachmittag für den 34-Jährigen, allerdings auch keiner, bei dem er viel eingreifen konnte. Nur einen Schuss galt es abzuwehren und die Gelegenheit Öztunalis in Minute 83 stellte keine große Herausforderung für den Torhüter da.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 2


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Abwehrchef erlebte einen turbulenten Nachmittag.

Für die Beurteilung Starks stellt sich die zentrale Frage, wie man das Eigentor aus der 46. Minute gewichtet. Letztendlich ist es nämlich kein “Fehler” des 23-Jährigen. Es war absolut legitim, sich in den Schuss Öztunalis werfen zu wollen und es war dann großes Pech, den Ball so abzufälschen. Da die Einzelkritik die Leistung der Spieler bewertet und es sich hierbei um keine Unzulänglichkeit Starks handelte, muss das Eigentor hierfür also eine Randnotiz bleiben.

Darüber hinaus zeigte Stark nämlich eine gute Leistung. Der Innenverteidiger gewann 88% seiner Zweikämpfe und verlor auch nur eins seiner neun Kopfballduelle. Im direkten Zweikampf hatten Mainz’ Angreifer Onisiwo, Ujah und Quaison kaum eine Chance gegen Stark. Dazu passt auch, dass Herthas Nummer fünf neun Aktionen klärte, zwei Tackles und zwei abgeblockte Schüsse verbuchte. Man konnte sich vollends auf Stark verlassen, der über 90 Minuten hoch konzentriert agierte. Zudem machte er sein Eigentor mit seinem 2:1-Siegtreffer wieder gut.

Insgesamt also eine mehr als gelungene Darbietung Starks, der aufgrund mehrerer Spiele am Stück an immer mehr Routine dazugewinnt.

Fabian Lustenberger – Note: 2


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Schweizer zeigte einer seiner besten Saisonleistungen.

Auch Lustenberger scheint mit wachsender Anzahl an aufeinanderfolgenden Einsätzen an Sicherheit zu gewinnen. Als fester Bestandteil der Dreierkette agierte der Schweizer gegen Mainz höchst souverän. Mit einem überragenden Raumverständnis kühlte er zahlreiche Situationen (sieben klärende Aktionen, zwölf Ballsicherungen) ab. Auch sein Passspiel zeugte von großer Sicherheit. Zwar selten spektakulär, aber mit schöner Klarheit (90%ige Passquote) verteilte Lustenberger die Bälle. Niemand auf dem Feld hatte ansatzweise so viele Ballkontakte wie der 30-Jährige – 105. Des Weiteren überzeugte er im direkten Zweikampfverhalten, über 80% seiner Duelle entschied “Lusti” für sich, dazu kommen vier erfolgreiche Tackles. Einzig im Kopfballspiel zeigte er Schwächen, in zwei Situationen ließ er seinen Gegenspieler zu leicht zum Kopfball steigen, was beinahe zu Gegentoren geführt hätte.

Über die gesamte Spieldauer überzeugte Lustenberger mit sehr klarem Passspiel und Defensivverhalten. Er erstickte viele Szenen im Keim und war daher ein immens wichtiger Teil der Berliner Abwehr.

Jordan Torunarigha – Note: 3-


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Eine durchwachsene Leistung des Berliner Eigengewächses.

Während Lustenberger aufgrund seines äußerst abgeklärten Spiels gelobt werden kann, zeichnete sich Torunarigha eher durch Unbeständigkeit aus. Immer wieder gab es Szenen, in denen der 21-Jährige durch teils großartige Grätschen auffiel. Fünf abgefangene Bälle sind ein ebenfalls sehr starker Wert.

Dieses Niveau konnte Torunarigha jedoch nicht über 90 Minuten halten und so gab regelmäßig Momente, in denen er seinen Gegner zu leicht ziehen ließ oder zu stumpf in Zweikämpfe ging (vier Fouls). Auch in der Mannorientierung im Strafraum hatte der Innenverteidiger deutliches Verbesserungspotenzial. So verbuchte Torunarigha eine negative Zweikampfbilanz und gewann nur 50% seiner Kopfballduelle.

Eine durchmischte Leistung des Abwehrtalents, dem es an Konstanz mangelte.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 4

Der 20-Jährige konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken.

Im ersten Durchgang fehlte es Hertha gänzlich an Kreativität und Tempo im Spiel. Mit hauptverantwortlich dafür, Dynamik und Rhythmus in das eigene Ballbesitzspiel zu bringen, ist das zentrale Mittelfeld. Das kann z.B. durch Seitenverlagerungen geschehen – doch Maier spielte bei insgesamt 56 Pässen nur einen einzigen langen Ball. Auch Schnittstellenpässe hinter die Abwehr sind ein probates Mittel, doch Maier traute sich nicht einen dieser Sorte zu. Nur fünf seiner Zuspiele fanden im letzten Drittel statt – das ist eine kleinere Zahl als die seiner Fehlpässe (sieben), welche teils in höchst gefährlichen Zonen gespielt wurden.

In der zweiten Halbzeit traute sich Maier etwas mehr zu, alle seine fünf Pässe im letzten Angriffsdrittel spielte er nach dem Pausentee. Auch eine Torschussvorlage gab Maier ab (77. Minute). Wirkliche Dominanz strahlte der Mittelfeldspieler aber nie aus und so plätscherte seine Partie etwas vor sich hin. Es war kein auffällig schlechtes Spiel von Maier, aber eben auch längst kein gutes.

Marko Grujic – Note: 3-


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Auch der Serbe wirkte mit der Aufgabe, die Mainzer Ketten zu überspielen, überfordert.

Grujic streute gegen Mainz zumindest ein paar lange Bälle und Läufe mit dem Spielgerät ein, von Erfolg war das jedoch nur selten gekrönt. Die Liverpooler Leihgabe wirkte in zahlreichen Momenten kopflos, ließ sich mehrere Male den Ball von den Füßen stehlen und versuchte, teils aussichtslose Situationen auszuspielen. Es fehlte an der letzten Überzeugung, sich durchsetzen zu können. Defensiv war Grujic aktiver als sein Nebenmann – drei Tackles, drei klärende Aktionen und vier abgefangene Bälle sind gute Werte.

Offensiv wollte Grujic, wie bereits erwähnt, nicht viel gelingen. In der 50. Minute stand der 22-Jährige allerdings richtig und drückte den zuvor von Keeper Müller abgewehrten Ball über die Linie. Damit leitete Grujic den Herthaner Sieg ein, auch wenn das Tor keiner tollen Einzelleistung zugrunde lag.

Es gab nicht allzu viel lobenswertes an der Vorstellung Grujic’, allerdings stand er einmal goldrichtig und war somit ein großer Faktor für diesen Heimdreier.O

Maxi Mittelstädt – Note: 3


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Defensiv zeigte Mittelstädt ein gutes Spiel, im Angriffsspiel bewegte er allerdings sehr wenig.

Hervorragende 75% seiner Zweikämpfe gewann der 21-Jährige am Samstagnachmittag, dazu kommen sieben (von neun) gewonnene Kopfballduelle. Mittelstädt ließ sich defensiv nichts zu schulden kommen und hielt seine Flanke äußerst sauber. So verwundert es nicht, dass nur eine einzige Torchance der Mainzer durch eine Hereingabe über Mittelstädts Seite entstand. Gegen den Ball agiert das Eigengewächs so gut wie kaum ein Mannschaftskamerad, vier Bälle fing er ab.

Auch das Passspiel Mittelstädts erfreut sich einer neuen Sicherheit. In der Hinrunde war es nicht ungewöhnlich, dass nur rund 60% seiner Zuspiele ihr Ziel fanden. Gegen Mainz waren es 85%, die Fehlpässe vor allem Risikobälle. Einzig im letzten Angriffsdrittel konnte der Flügelspieler wenig Durchschlagskraft entwickeln. Nur eine seiner vier Flanken fand einen Abnehmer, keine Chance konnte er auflegen. So war es eine spielerisch zu dünne Vorstellung. Defensiv ließ sich bei Mittelstädt nichts beanstanden, doch im Spiel nach vorne fehlte es an Ideen.

Valentino Lazaro – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Österreicher rettete ein eigentlich schwaches Spiel mit seiner entscheidenden Torbeteiligung.

Der Probleme Herthas im ersten Durchgang ließen sich stellvertretend an Lazaro ablesen: Defensiv zu unachtsam, kaum Dynamik und zahlreiche technische Fehler, die zu Ballverlusten führten. Der rechte Flügelspieler war sichtlich bemüht, etwas zu kreieren, aber es schienen ihm gänzlich die Mittel zu fehlen. Lazaro konnte keine Durchbrüche auf der Flanke erzielen, verlor seine Dribblings viel eher, wodurch es zu gefährlichen Szenen am eigenen Strafraum kam. Dort fehlte der 22-Jährige auch regelmäßig. Bei den ersten beiden Mainzer Chancen konnte FSV-Linksverteidiger Aaron Martin seelenruhig flanken, da ihn Lazaro aufgrund schlechten Stellungsspiels nicht auf dem Schirm hatte.

Auch für den blau-weißen Aufschwung in Halbzeit zwei war Lazaro ein passender Indikator. Von dem Rückstand angestachelt, stieß er deutlich effektiver in die gefährlichen Zonen hervor. In der 48. Minute zog er an Martin vorbei und schloss so gefährlich ab, dass Mainz-Keeper Müller zur Ecke (die zum 1:1 führte) abwehren musste. Immer wieder kam der Ball zu Lazaro, der mit jeder Aktion selbstsicherer und zu einem echten Problem für die 05er wurde. In Minute 60 ließ der Österreicher seinen Gegenspieler erneut hinter sich, drang in den Strafraum und bediente Stark zum 2:1-Treffer.

Es reichten zehn starke Minuten, um den Sieg davonzutragen – diese starken zehn Minuten waren maßgeblich von Lazaro geprägt, der ansonsten jedoch eine seiner schlechtesten Saisonleistungen zeigte.

Ondrej Duda – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Slowake hatte immer wieder gute Momente, insgesamt war sein Spiel aber zu fehleranfällig.

Es waren vor allem nicht die ersten 45 Minuten des Ondrej Duda. Herthas Spielmacher wollte in dieser Halbzeit absolut nichts gelingen. Einzig die frühe Ecke auf Torunarigha, dessen Kopfball knapp am Tor vorbeiging, konnte sich Duda gutschreiben. Ansonsten war sein Spiel von schwachen Zweikämpfen (drei von 19 gewonnen) und zahlreichen Fehlpässen (63% Passquote) geprägt. Es fiel ihm sehr schwer, in die Partie zu kommen, ungewöhnlich viele technische Fehler unterliefen ihm. Er war somit vielmehr mit sich selbst beschäftigt, als damit Lösungen für die Offensive zu finden.

Aber auch der 24-Jährige schien von der Halbzeitansprache Dardais profitiert zu haben und so gelang es ihm, deutlich mehr Schärfe und Präzision in sein Spiel zu bekommen. In Minute 50 brachte Duda die Ecke zum 1:1-Ausgleich in den Strafraum, 20 Minuten später hätte er beinahe durch einen sehenswerten Schlenzer den 3:1-Schlusspunkt gesetzt.

Insgesamt war es zu wenig von “Number ten”, auch wenn er durch seinen Eckball in der 50. Minute zum Sieg beigetragen hatte.

Angriff

Salomon Kalou – Note: 5+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Kapitän nahm kaum am Spiel teil.

Nein, es war nicht die Partie des Ivorers. Zu keinem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, Kalou würde seiner Mannschaft entscheidend weiterhelfen können. Verloren zwischen den Mainzer Defensivspielern verzeichnete er gerade einmal 32 Ballkontakte (zum Vergleich: Jarstein hatte 46) und sicherte nur einen einzigen Ball. In Zweikämpfen konnte sich der 33-Jährige kaum behaupten, seine Dribblings ließen ihre gewohnte Effektivität vermissen. Seine beste Aktion hatte Kalou in der 49. Minute, als er den Ball sicher vor den Strafraum geleitete und dann mit guter Übersicht Lazaro bediente, dessen Schuss zur 1:1-Ecke führte.

Nach 77 Minuten war der Arbeitstag Kalous beendet, er lieferte nur sehr wenige Argumente, ihn länger auf dem Feld zu lassen. Eine schwache Partie des Stürmers.

Davie Selke – Note: 4


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Sturmtank hatte bis zu seiner Auswechslung einen bemühten aber glücklosen Auftritt hingelegt.

Im ersten Durchgang Mittelstürmer von Hertha BSC zu sein, war wirklich keine dankbare Aufgabe für Selke. Der 24-Jährige erhielt keine brauchbaren Bälle, musste sich sehr viel selbst erarbeiten und hatte selbst Standprobleme auf dem mangelhaften Rasen.

Was ihn von Sturmpartner Kalou unterschied, war sein Aufwand. Selke führte sehr viele Zweikämpfe, um seinen Kollegen Platz zu verschaffen und er gewann auffällig viele dieser. Nur spielerisch wollte oder konnte ihm kaum etwas gelingen. Doch auch Selke sollte seinen Beitrag zum Heimerfolg leisten, als er Dudas Ecke sehr gefährlich auf das Mainzer Tor brachte und Torwart Müller zur Glanzparade zwang. Den daraus entstandenen Abpraller nutzte Grujic zum Ausgleichstreffer. Nach 67 Minuten musste Selke allerdings verletzungsbedingt ausgewechselt werden.


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Die Sache mit dem Glück im Fußball – Hertha BSC konnte am Samstagnachmittag einen 2:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05 feiern, hätte sich über eine Punkteteilung allerdings nicht beschweren dürfen. Die Gäste aus Rheinhessen hatte zahlreiche gute Gelegenheiten, waren ebenbürtig und doch reichten zehn starke Minuten der “alten Dame” aus, um die drei Punkte in blau-weiß zu hüllen. Ein denkbar knapper Sieg, aber wohl Karma, nachdem Hertha gegen Werder Bremen und den FC Bayern München insgesamt drei verdiente Punkte liegen ließ. So verbuchten die Berliner ihren ersten Heimsieg seit dem 8. Dezember letzten Jahres und bleiben an den Europa-Rängen dran. Die Einzelkritik zu zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten.

Tor

Rune Jarstein – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Kein Spiel, in dem sich Herthas Schlussmann auszeichnen konnte.

13 Schüsse gaben die Mainzer in Berlin ab, nur einer landete dabei direkt auf dem Kasten Jarsteins. Zu erklären ist diese Zahl damit, dass Aluminium-Treffer nicht als direkte Torschüsse gewertet werden, der Latten-Kopfball von Angreifer Onisiwo wird somit nicht dazugezählt. Wie bei dieser Chance wäre der Norweger wohl auch bei den beiden Kopfbällen von Ujah machtlos gewesen, welche sich knapp neben das Tor und an den Pfosten senkten. Ebenso ohne Chance war Jarstein beim Eigentor Starks, das nicht mehr abzuwehren war.

Es war kein ruhiger Nachmittag für den 34-Jährigen, allerdings auch keiner, bei dem er viel eingreifen konnte. Nur einen Schuss galt es abzuwehren und die Gelegenheit Öztunalis in Minute 83 stellte keine große Herausforderung für den Torhüter da.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 2


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Abwehrchef erlebte einen turbulenten Nachmittag.

Für die Beurteilung Starks stellt sich die zentrale Frage, wie man das Eigentor aus der 46. Minute gewichtet. Letztendlich ist es nämlich kein “Fehler” des 23-Jährigen. Es war absolut legitim, sich in den Schuss Öztunalis werfen zu wollen und es war dann großes Pech, den Ball so abzufälschen. Da die Einzelkritik die Leistung der Spieler bewertet und es sich hierbei um keine Unzulänglichkeit Starks handelte, muss das Eigentor hierfür also eine Randnotiz bleiben.

Darüber hinaus zeigte Stark nämlich eine gute Leistung. Der Innenverteidiger gewann 88% seiner Zweikämpfe und verlor auch nur eins seiner neun Kopfballduelle. Im direkten Zweikampf hatten Mainz’ Angreifer Onisiwo, Ujah und Quaison kaum eine Chance gegen Stark. Dazu passt auch, dass Herthas Nummer fünf neun Aktionen klärte, zwei Tackles und zwei abgeblockte Schüsse verbuchte. Man konnte sich vollends auf Stark verlassen, der über 90 Minuten hoch konzentriert agierte. Zudem machte er sein Eigentor mit seinem 2:1-Siegtreffer wieder gut.

Insgesamt also eine mehr als gelungene Darbietung Starks, der aufgrund mehrerer Spiele am Stück an immer mehr Routine dazugewinnt.

Fabian Lustenberger – Note: 2


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Schweizer zeigte einer seiner besten Saisonleistungen.

Auch Lustenberger scheint mit wachsender Anzahl an aufeinanderfolgenden Einsätzen an Sicherheit zu gewinnen. Als fester Bestandteil der Dreierkette agierte der Schweizer gegen Mainz höchst souverän. Mit einem überragenden Raumverständnis kühlte er zahlreiche Situationen (sieben klärende Aktionen, zwölf Ballsicherungen) ab. Auch sein Passspiel zeugte von großer Sicherheit. Zwar selten spektakulär, aber mit schöner Klarheit (90%ige Passquote) verteilte Lustenberger die Bälle. Niemand auf dem Feld hatte ansatzweise so viele Ballkontakte wie der 30-Jährige – 105. Des Weiteren überzeugte er im direkten Zweikampfverhalten, über 80% seiner Duelle entschied “Lusti” für sich, dazu kommen vier erfolgreiche Tackles. Einzig im Kopfballspiel zeigte er Schwächen, in zwei Situationen ließ er seinen Gegenspieler zu leicht zum Kopfball steigen, was beinahe zu Gegentoren geführt hätte.

Über die gesamte Spieldauer überzeugte Lustenberger mit sehr klarem Passspiel und Defensivverhalten. Er erstickte viele Szenen im Keim und war daher ein immens wichtiger Teil der Berliner Abwehr.

Jordan Torunarigha – Note: 3-


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Eine durchwachsene Leistung des Berliner Eigengewächses.

Während Lustenberger aufgrund seines äußerst abgeklärten Spiels gelobt werden kann, zeichnete sich Torunarigha eher durch Unbeständigkeit aus. Immer wieder gab es Szenen, in denen der 21-Jährige durch teils großartige Grätschen auffiel. Fünf abgefangene Bälle sind ein ebenfalls sehr starker Wert.

Dieses Niveau konnte Torunarigha jedoch nicht über 90 Minuten halten und so gab regelmäßig Momente, in denen er seinen Gegner zu leicht ziehen ließ oder zu stumpf in Zweikämpfe ging (vier Fouls). Auch in der Mannorientierung im Strafraum hatte der Innenverteidiger deutliches Verbesserungspotenzial. So verbuchte Torunarigha eine negative Zweikampfbilanz und gewann nur 50% seiner Kopfballduelle.

Eine durchmischte Leistung des Abwehrtalents, dem es an Konstanz mangelte.

Mittelfeld

Arne Maier – Note: 4

Der 20-Jährige konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken.

Im ersten Durchgang fehlte es Hertha gänzlich an Kreativität und Tempo im Spiel. Mit hauptverantwortlich dafür, Dynamik und Rhythmus in das eigene Ballbesitzspiel zu bringen, ist das zentrale Mittelfeld. Das kann z.B. durch Seitenverlagerungen geschehen – doch Maier spielte bei insgesamt 56 Pässen nur einen einzigen langen Ball. Auch Schnittstellenpässe hinter die Abwehr sind ein probates Mittel, doch Maier traute sich nicht einen dieser Sorte zu. Nur fünf seiner Zuspiele fanden im letzten Drittel statt – das ist eine kleinere Zahl als die seiner Fehlpässe (sieben), welche teils in höchst gefährlichen Zonen gespielt wurden.

In der zweiten Halbzeit traute sich Maier etwas mehr zu, alle seine fünf Pässe im letzten Angriffsdrittel spielte er nach dem Pausentee. Auch eine Torschussvorlage gab Maier ab (77. Minute). Wirkliche Dominanz strahlte der Mittelfeldspieler aber nie aus und so plätscherte seine Partie etwas vor sich hin. Es war kein auffällig schlechtes Spiel von Maier, aber eben auch längst kein gutes.

Marko Grujic – Note: 3-


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Auch der Serbe wirkte mit der Aufgabe, die Mainzer Ketten zu überspielen, überfordert.

Grujic streute gegen Mainz zumindest ein paar lange Bälle und Läufe mit dem Spielgerät ein, von Erfolg war das jedoch nur selten gekrönt. Die Liverpooler Leihgabe wirkte in zahlreichen Momenten kopflos, ließ sich mehrere Male den Ball von den Füßen stehlen und versuchte, teils aussichtslose Situationen auszuspielen. Es fehlte an der letzten Überzeugung, sich durchsetzen zu können. Defensiv war Grujic aktiver als sein Nebenmann – drei Tackles, drei klärende Aktionen und vier abgefangene Bälle sind gute Werte.

Offensiv wollte Grujic, wie bereits erwähnt, nicht viel gelingen. In der 50. Minute stand der 22-Jährige allerdings richtig und drückte den zuvor von Keeper Müller abgewehrten Ball über die Linie. Damit leitete Grujic den Herthaner Sieg ein, auch wenn das Tor keiner tollen Einzelleistung zugrunde lag.

Es gab nicht allzu viel lobenswertes an der Vorstellung Grujic’, allerdings stand er einmal goldrichtig und war somit ein großer Faktor für diesen Heimdreier.O

Maxi Mittelstädt – Note: 3


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Defensiv zeigte Mittelstädt ein gutes Spiel, im Angriffsspiel bewegte er allerdings sehr wenig.

Hervorragende 75% seiner Zweikämpfe gewann der 21-Jährige am Samstagnachmittag, dazu kommen sieben (von neun) gewonnene Kopfballduelle. Mittelstädt ließ sich defensiv nichts zu schulden kommen und hielt seine Flanke äußerst sauber. So verwundert es nicht, dass nur eine einzige Torchance der Mainzer durch eine Hereingabe über Mittelstädts Seite entstand. Gegen den Ball agiert das Eigengewächs so gut wie kaum ein Mannschaftskamerad, vier Bälle fing er ab.

Auch das Passspiel Mittelstädts erfreut sich einer neuen Sicherheit. In der Hinrunde war es nicht ungewöhnlich, dass nur rund 60% seiner Zuspiele ihr Ziel fanden. Gegen Mainz waren es 85%, die Fehlpässe vor allem Risikobälle. Einzig im letzten Angriffsdrittel konnte der Flügelspieler wenig Durchschlagskraft entwickeln. Nur eine seiner vier Flanken fand einen Abnehmer, keine Chance konnte er auflegen. So war es eine spielerisch zu dünne Vorstellung. Defensiv ließ sich bei Mittelstädt nichts beanstanden, doch im Spiel nach vorne fehlte es an Ideen.

Valentino Lazaro – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Österreicher rettete ein eigentlich schwaches Spiel mit seiner entscheidenden Torbeteiligung.

Der Probleme Herthas im ersten Durchgang ließen sich stellvertretend an Lazaro ablesen: Defensiv zu unachtsam, kaum Dynamik und zahlreiche technische Fehler, die zu Ballverlusten führten. Der rechte Flügelspieler war sichtlich bemüht, etwas zu kreieren, aber es schienen ihm gänzlich die Mittel zu fehlen. Lazaro konnte keine Durchbrüche auf der Flanke erzielen, verlor seine Dribblings viel eher, wodurch es zu gefährlichen Szenen am eigenen Strafraum kam. Dort fehlte der 22-Jährige auch regelmäßig. Bei den ersten beiden Mainzer Chancen konnte FSV-Linksverteidiger Aaron Martin seelenruhig flanken, da ihn Lazaro aufgrund schlechten Stellungsspiels nicht auf dem Schirm hatte.

Auch für den blau-weißen Aufschwung in Halbzeit zwei war Lazaro ein passender Indikator. Von dem Rückstand angestachelt, stieß er deutlich effektiver in die gefährlichen Zonen hervor. In der 48. Minute zog er an Martin vorbei und schloss so gefährlich ab, dass Mainz-Keeper Müller zur Ecke (die zum 1:1 führte) abwehren musste. Immer wieder kam der Ball zu Lazaro, der mit jeder Aktion selbstsicherer und zu einem echten Problem für die 05er wurde. In Minute 60 ließ der Österreicher seinen Gegenspieler erneut hinter sich, drang in den Strafraum und bediente Stark zum 2:1-Treffer.

Es reichten zehn starke Minuten, um den Sieg davonzutragen – diese starken zehn Minuten waren maßgeblich von Lazaro geprägt, der ansonsten jedoch eine seiner schlechtesten Saisonleistungen zeigte.

Ondrej Duda – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Slowake hatte immer wieder gute Momente, insgesamt war sein Spiel aber zu fehleranfällig.

Es waren vor allem nicht die ersten 45 Minuten des Ondrej Duda. Herthas Spielmacher wollte in dieser Halbzeit absolut nichts gelingen. Einzig die frühe Ecke auf Torunarigha, dessen Kopfball knapp am Tor vorbeiging, konnte sich Duda gutschreiben. Ansonsten war sein Spiel von schwachen Zweikämpfen (drei von 19 gewonnen) und zahlreichen Fehlpässen (63% Passquote) geprägt. Es fiel ihm sehr schwer, in die Partie zu kommen, ungewöhnlich viele technische Fehler unterliefen ihm. Er war somit vielmehr mit sich selbst beschäftigt, als damit Lösungen für die Offensive zu finden.

Aber auch der 24-Jährige schien von der Halbzeitansprache Dardais profitiert zu haben und so gelang es ihm, deutlich mehr Schärfe und Präzision in sein Spiel zu bekommen. In Minute 50 brachte Duda die Ecke zum 1:1-Ausgleich in den Strafraum, 20 Minuten später hätte er beinahe durch einen sehenswerten Schlenzer den 3:1-Schlusspunkt gesetzt.

Insgesamt war es zu wenig von “Number ten”, auch wenn er durch seinen Eckball in der 50. Minute zum Sieg beigetragen hatte.

Angriff

Salomon Kalou – Note: 5+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Kapitän nahm kaum am Spiel teil.

Nein, es war nicht die Partie des Ivorers. Zu keinem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, Kalou würde seiner Mannschaft entscheidend weiterhelfen können. Verloren zwischen den Mainzer Defensivspielern verzeichnete er gerade einmal 32 Ballkontakte (zum Vergleich: Jarstein hatte 46) und sicherte nur einen einzigen Ball. In Zweikämpfen konnte sich der 33-Jährige kaum behaupten, seine Dribblings ließen ihre gewohnte Effektivität vermissen. Seine beste Aktion hatte Kalou in der 49. Minute, als er den Ball sicher vor den Strafraum geleitete und dann mit guter Übersicht Lazaro bediente, dessen Schuss zur 1:1-Ecke führte.

Nach 77 Minuten war der Arbeitstag Kalous beendet, er lieferte nur sehr wenige Argumente, ihn länger auf dem Feld zu lassen. Eine schwache Partie des Stürmers.

Davie Selke – Note: 4


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Sturmtank hatte bis zu seiner Auswechslung einen bemühten aber glücklosen Auftritt hingelegt.

Im ersten Durchgang Mittelstürmer von Hertha BSC zu sein, war wirklich keine dankbare Aufgabe für Selke. Der 24-Jährige erhielt keine brauchbaren Bälle, musste sich sehr viel selbst erarbeiten und hatte selbst Standprobleme auf dem mangelhaften Rasen.

Was ihn von Sturmpartner Kalou unterschied, war sein Aufwand. Selke führte sehr viele Zweikämpfe, um seinen Kollegen Platz zu verschaffen und er gewann auffällig viele dieser. Nur spielerisch wollte oder konnte ihm kaum etwas gelingen. Doch auch Selke sollte seinen Beitrag zum Heimerfolg leisten, als er Dudas Ecke sehr gefährlich auf das Mainzer Tor brachte und Torwart Müller zur Glanzparade zwang. Den daraus entstandenen Abpraller nutzte Grujic zum Ausgleichstreffer. Nach 67 Minuten musste Selke allerdings verletzungsbedingt ausgewechselt werden.


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