BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 25. Spieltag: SC Freiburg – Hertha BSC

Nur zweimal in der laufenden Saison konnte Hertha BSC zwei Spiele am Stück gewinnen – nach der Niederlage gegen den SC Freiburg ist klar, dass es den Berlinern vorerst kein drittes Mal gelingen wird. Das 1:2 bei den Breisgauern war sicherlich unglücklich, aufgrund der schwachen ersten Halbzeit aber nicht gänzlich unverdient. Die Einzelkritik zu einer Niederlage, die Hertha einen herben Dämpfer im Rennen um Europa verpasst hat.

Tor

Rune Jarstein – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der Norweger konnte sich im Vergleich zu den vergangenen Spielen mehr in Szene setzen, doch beide Gegentreffern konnte er nicht verhindern.

Neun Schüsse gab der SC Freiburg am Samstag ab, vier davon direkt aufs Tor – zwei davon sind logischerweise auch im Kasten gelandet. Bei den anderen beiden (Schüsse von Frantz 66. Minute und Waldschmidt 87. Minute) war Jarstein jeweils zur Stelle, brachte seinen Körper schnell nach unten verfrachtet. Bei Freiburgs erstem Treffer war der 34-Jährige machtlos, allerdings hätte man sich bei zweiten Breisgauer Tor etwas mehr Mut von ihm gewünscht. Jarstein hätte bei der nahe ans Tor gebrachten Ecke herauslaufen und somit verhindern können, dass Ibisevic ihn unglücklich über die eigene Linie drückte. Kein klarer Fehler, aber ein Verbesserungsvorschlag.

Eine ordentliche Partie von Jarstein, dem es aber etwas an Strafraumbeherrschung mangelte.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Herthas Abwehrchef spielte einmal mehr einen sehr soliden Ball und hätte beinahe seinen zweiten Saisontreffer erzielt.

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw (der neuerdings zwei offene Plätze in seiner Innenverteidigung anzubieten hat) ließ sich Stark keinerlei Nervosität anmerken und blieb über 90 Minuten ohne großen Fehler. Waren seiner Zweikampfstärke, sowohl in der Luft als auch am Boden, gefragt, so war auf ihn Verlass. Dazu klärte er vier Aktionen und fing zwei Bälle ab. Allesamt keine herausragenden Werte, diese gab die Partie allerdings auch nicht her. Besonders im zweiten Durchgang war Stark eher als erster Ballverteiler gefragt – er hatte die meisten Ballkontakte seiner Mannschaft und brachte gute 86% seiner Pässe zum Mann. Fast hätte der 23-Jährige die Berliner 1:0-Führung erzielt, seinen gefährlichen Kopfball konnte SC-Keeper Schwolow allerdings noch abwehren.

Eine gute Vorstellung des Innenverteidigers, der aufgrund des Spielverlaufs aber nicht durchgängig glänzen konnte.

Karim Rekik – Note: 3


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der Niederländer gab sich bei seinem Comeback nach Rot-Sperre keine Blöße.

Die Zahlen des 24-Jährigen lesen im Vergleich zu Stark sehr ähnlich. Auch er gewann die Mehrzahl seiner Zweikampf, ob mit Fuß oder Kopf. Mit vier klärenden Aktionen und einem abgefangenen Ball steht er seinem Kollegen auch kaum in etwas nach. Zudem konnte Rekik sogar eine 90%ige Passquote vorweisen. Herthas Nummer vier räumte alles ab, was er finden konnte, beging dabei aber nicht ein einziges Foul. Mit gutem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten hielt Rekik seinen Machtbereich sauber.

Es war sicherlich nicht das forderndste Spiel seiner Karriere, dennoch kann man die Souveränität Rekik loben.

Jordan Torunarigha – Note: 3

Die Bewertung des 21-Jährigen fällt aufgrund der Extremen in seinem Spiel durchaus schwierig.

Unabhängig der zwei Szenen, die das Spiel des Berliner Eigengewächses maßgeblich geprägt haben, hat Torunarigha eine mehr als solide Vorstellung gezeigt. Gegen Freiburg gewann er acht seiner elf Zweikämpfe, gewann beide seiner zwei Luftduelle. Zudem konnte er ganze fünf erfolgreiche Tackles verbuchen, eine wirklich gute Bilanz. Doch in einer entscheidenden Szene, nämlich dem Freiburger Führungstreffer, patzte der Innenverteidiger. Er verlor Torschütze Nils Petersen viel zu leicht aus den Augen und kam dann nicht mehr in den Zweikampf, um den Freiburger von dessen Kopfballtreffer abzuhalten. Das ging viel zu einfach und muss Torunarigha als klarer Fehler angerechnet werden.

Im zweiten Durchgang waren es aber vor allem Offensivaktionen, die den Linksfuß auszeichneten. Dardai stellte den robusten Abwehrspieler auf die linke Seite und ließ ihn dort Durchbrüche erzielen. Immer wieder stellte Torunarigha die Freiburger Abwehr vor Probleme und in Minute 75 bereitete er den 1:1-Ausgleich von Ibisevic mustergültig vor, damit seinen Fehler beim 0:1 also wieder wett.

Eine sehr auffällige Partie Torunarighas, der in einem Moment deutlich daneben lag und in einem anderen direkt am Ausgleich beteiligt war.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 5+

Der Schweizer kam überhaupt nicht in die Partie und wurde folgerichtig zur Halbzeit ausgewechselt.

Einen – einen Zweikampf hat Lustenberger gegen Freiburg geführt. Dass er diesen zwar gewonnen hat, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass er quasi nicht am Spiel teilnahm. Dazu kommen gerade einmal 19 Pässe (78,9% angekommen), nicht ein klärende Aktion und kein abgefangener Ball. Lustenberger schien teilweise untergetaucht zu sein, er konnte der Partie wenig geben. So wunderte es auch nicht, dass die Freiburger in der ersten Halbzeit durchaus guten Zugriff über die Spielmitte bekamen – Lustenberger stellte keinen Störfaktor für die Breisgauer dar.

Es war eindeutig nicht der Nachmittag des 30-Jährigen, der sich als Innenverteidiger deutlich wohler fühlt.

Marko Grujic – Note: 3+


 Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Herthas Mittelfeldmotor gehörte zu den Aktivposten seiner Mannschaft.

Die viertmeisten Meter (10,9 km), die drittmeisten Ballkontakte (78) wie Pässe (46), zusammen mit Duda die meisten Abschlüsse (fünf) – es ist legitim, zu behaupten, am Samstagnachmittag lief viel von Herthas Spiel über Grujic. Der Serbe versuchte stets, etwas zu bewirken, doch fehlte im meist das Glück oder die letzte Konsequenz in seinen Aktionen. Er setzt durch seine Zweikampfführung (führte 24 Duelle, tacklete viermal erfolgreich) und Abschlussfreude die richtigen Zeichen, aber wirklich effektiv war sein Spiel nicht. So waren seine Weitschüsse oftmals auch Produkt mangelnder Offensiv-Ideen. Dazu kamen ein bis zwei Unkonzentriertheiten, die zu unnötigen Ballverlusten geführt hatten.

Grujic konnte im Laufe der Partie immer mehr an Dominanz im Mittelfeld gewinnen und war ein prägender Faktor, allerdings reichte es nicht aus, um zwingende Chancen für Hertha zu entwickeln.

Lukas Klünter – Note: 3-


Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der Ersatz für den ausgefallenen Lazaro versuchte viel Druck zu entwickeln, doch blieb es bei diesen Versuchen.

Recht überraschend rückte Klünter für den verletzten Österreicher in die Startelf, sichtlich motiviert war er aber, seine gute Leistung aus dem Gladbach-Spiel zu wiederholen. Mit Freiburg Christian Günter lieferte er sich über 90 Minuten ein beherztes Duell um die Vorherrschaft auf dem Flügel, wodurch er sowohl offensiv wie defensiv ein immenses Pensum abspulte. Klünter lief die zweitlängste Strecke aller Herthaner (11,22 km), führte 16 Zweikämpfe (zehn gewonnen) und niemand schlug ansatzweise so viele Flanken wie er (fünf).

Doch hier hakte es an seinem Spiel. Dem 22-Jährigen fehlte es an Präzision in seinen Aktionen, sodass er trotz vieler Szenen wenig bewirkte. Immer wieder konnte er mit seinem herausragenden Tempo (die meisten Sprints Herthas) Probleme für Freiburg erzeugen, doch der Anschlussaktionen fehlte es nahezu immer an Gefahr. So kam auch keine einzige seiner Hereingaben an. Defensiv war Klünter ebenso engagiert, doch Grifo war im Zusammenspiel mit Günter nur schwer in den Griff zu bekommen. So konnte Herthas rechter Flügelspieler nicht alles abwehren, was auf ihn zukam.

Eine äußert engagierte Darbietung Klünters, dem es aber noch an Effizienz mangelt.

Maxi Mittelstädt – Note: 4-


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Eine der schwächeren Auftritte Mittelstädts in dieser Saison.

Ähnlich wie Lustenberger gelang es dem 21-Jährigen nicht, sich in diese Begegnung einzufinden. Es mangelte ihm offensichtlich an Tagesform, da ihm auffällig viele Bälle versprungen und seinen Pässen fast durchgängig die Genauigkeit (64,7% angekommen) fehlte. Auch seine frühe gelbe Karte in der 17. Minute trug dazu bei, sein Spiel weiter zu hemmen. So war es kein Zufall, als Mittelstädt Freiburgs Grifo bei dessen Flanke zum 0:1 nur oberflächlich deckte. Er wollte keinen Platzverweis riskieren und ließ seinem Gegenspieler somit zu viel Platz.

Mittelstädt wollte an diesem Tag einfach nicht gelingen. Seine beste Aktion war eine technisch starke Hereingabe, die Duda aber neben den Pfosten setzte. Auch sein Schuss in der 55. Minute war nicht ungefährlich, aber das Glück war an diesem Tag nicht mit ihm. Nach 64 Minuten nahm Dardai den ausgelaugt wirkenden Flügelspieler schließlich vom Feld.

Ondrej Duda – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Spielmacher fand erst spät in die Partie, hatte dann aber merklichen Einfluss.

Sah man Herthas Aufstellung, wurde schnell klar, dass die Kreativität in diesem Spiel eindeutig von Duda kommen musste. Dieser Aufgabe kam der Slowake im ersten Durchgang allerdings kaum bis gar nicht nach. Sehr viele Fehlpässe und eine schwache Zweikampfquote führten dazu, dass Duda zwischen den Freiburger Ketten verloren wirkte. Einzig sein Freistoß auf Stark, der beinahe die Führung erzielt hätte, versprühte Gefahr.

Nach dem Pausentee agierte der 24-Jährige deutlich schärfer in seinen Aktionen. Er profitierte merklich von Maiers Einwechslung, da man sich nun das Fäden Ziehen im Mittelfeld teilen konnte. Duda agierte gut zwischen den Linien, bildete Dreiecke und war dadurch auch am 1:1-Ausgleich mit beteiligt. Mit 12,2 Kilometern lief Herthas Nummer zehn die größte Strecke aller Herthaner, war sehr aktiv und versuchte sich auch insgesamt fünf Abschlüssen (zwei daneben, drei geblockt). Zu kritisieren waren allerdings die Standardsituationen des Slowaken, denn Dudas Ecken fehlte es am Samstag deutlich an Qualität. Mit Ibisevic, Torunarigha, Stark und co. hatte Dardai viele kopfballstarke Spieler aufgeboten, die so aber nicht bedient werden konnten.

Eine durchwachsene Leistung Dudas, der nur streckenweise seine Qualität auf den Rasen bekam.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 4


Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Zwar wollte Kalou nicht viel gelingen, dennoch tauchte er nicht völlig unter.

Der Ivorer sammelte gegen Freiburg zwar nur die drittwenigsten Ballkontakte aller Startelfspieler (40) Herthas, doch war er erst einmal am Ball, wusste er auch meistens etwas damit anzufangen. Der 33-Jährige hielt das Spielgerät oftmals gut im letzten Angriffsdrittel und schaffte Platz für seine Mannschaftskollegen. Zwar wurde er selbst nahezu nie gefährlich (verpasst eine Hereingabe Mittelstädts nur knapp), dennoch war er an vielen Angriffen beteiligt. So spielte Kalou den so wertvollen Schnittstellenpass auf Torunarigha, der darauf folgend Ibisevic zum 1:1 bediente.

Kalou hat sicherlich schon bessere Spiele erlebt und es gab vor allem im ersten Durchgang Phasen, in denen er kaum zu sehen war, dennoch hatte er Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft.

Vedad Ibisevic – Note: 3-


Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Herthas Kapitän war nicht viel zu sehen, dann aber zur Stelle und letztendlich der große Pechvogel.

Ähnlich wie Kalou hatte Ibisevic gegen Nürnberg einen schweren Stand. Einige Teile der Partie war er vom Rest der Mannschaft abgeschnitten und verbuchte die wenigsten Ballkontakte aller Startelfspieler (37). Er bekam auch kaum brauchbare Zuspiele, aus denen er etwas hätte entwickeln können und so verlief seine erste Halbzeit äußerst ereignislos.

Nach dem Gang in die Kabine schien es für den Bosnier genauso weiterzugehen, doch darf man ihn niemals abschreiben. In der 75. Minute stand er plötzlich goldrichtig und netzte in feinster Mittelstürmer-Manier zum 1:1 ein. Nur um wenige Minuten später sehr unglücklich per Eigentor den 1:2-Endstand zu markieren. Ibisevic ist in dieser Szene kaum ein Vorwurf zu machen, es war einfach Pech.

Es war ein sehr undankbares Spiel für den Routinier, der aber immerhin sein neuntes Saisontor schoss.

Einwechslungen

Arne Maier – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

In der ungewohnten Rolle als Joker konnte Maier dem Spiel seiner Mannschaft neuen Schwung verleihen.

Drei Zahlen zeigen sehr genau auf, wie Maiers Spiel gegen Freiburg ausgesehen hatte: der 20-Jährige führte in 45 Minuten nicht einen direkten Zweikampf, verbuchte dafür aber 43 Ballkontakte (also mehr als Kalou oder Ibisevic über 90 Minuten) und spielte 40 Pässe (so viele wie Duda und Torunarigha). Daraus wird deutlich: Maier war eindeutig als Ballverteiler unterwegs und sollte im Zusammenspiel mit Grujic und Duda das Ballbesitzspiel seiner Mannschaft beleben. Das Eigengewächs bewegte sich dafür sehr clever in den Zwischenräumen und zerrüttete dadurch immer wieder die Freiburger Ketten. Dabei agierte er äußerst sicher im Passspiel, 90% seiner Zuspiele (85% in der gegnerischen Hälfte) kamen beim Mitspieler an. Dazu kam eine Torschussvorlage und ein eigener Abschluss.

Maier spielte nicht die Sterne vom Himmel, war allerdings ein sehr auffrischender Faktor für seine Mitspieler, da er den Ballbesitz deutlich dynamischer und kreativer gestaltete.

Dennis Jastrzembski – Note: 4


Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Der 19-Jährige durfte bei seinem fünften Bundesliga-Einsatz so lange wie nie zuvor auf dem Rasen stehen.

Für Mittelstädt gekommen, hatte “Jatze” ca. 30 Minuten Zeit, um für mehr Tempo und Zielstrebigkeit auf der linken Seite zu sorgen. Das gelang dem Eigengewächs allerdings nicht allzu häufig. Zwar bewegte er sich in den richtigen Räumen, doch seinen Aktionen fehlte es etwas an Effizienz und Übersicht. Einen geblockten Schuss und eine Torschussvorlage verbuchte er. Im direkten Zweikampf konnte sich Jastrzembski kaum durchsetzen, das überließ er mit der Zeit immer mehr Flügelpartner Torunarigha.

Es waren einmal mehr gute Ansätze beim Youngster zu sehen, jedoch fehlte es ihm offensichtlich noch an Reife.

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Tor

Rune Jarstein – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der Norweger konnte sich im Vergleich zu den vergangenen Spielen mehr in Szene setzen, doch beide Gegentreffern konnte er nicht verhindern.

Neun Schüsse gab der SC Freiburg am Samstag ab, vier davon direkt aufs Tor – zwei davon sind logischerweise auch im Kasten gelandet. Bei den anderen beiden (Schüsse von Frantz 66. Minute und Waldschmidt 87. Minute) war Jarstein jeweils zur Stelle, brachte seinen Körper schnell nach unten verfrachtet. Bei Freiburgs erstem Treffer war der 34-Jährige machtlos, allerdings hätte man sich bei zweiten Breisgauer Tor etwas mehr Mut von ihm gewünscht. Jarstein hätte bei der nahe ans Tor gebrachten Ecke herauslaufen und somit verhindern können, dass Ibisevic ihn unglücklich über die eigene Linie drückte. Kein klarer Fehler, aber ein Verbesserungsvorschlag.

Eine ordentliche Partie von Jarstein, dem es aber etwas an Strafraumbeherrschung mangelte.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Herthas Abwehrchef spielte einmal mehr einen sehr soliden Ball und hätte beinahe seinen zweiten Saisontreffer erzielt.

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw (der neuerdings zwei offene Plätze in seiner Innenverteidigung anzubieten hat) ließ sich Stark keinerlei Nervosität anmerken und blieb über 90 Minuten ohne großen Fehler. Waren seiner Zweikampfstärke, sowohl in der Luft als auch am Boden, gefragt, so war auf ihn Verlass. Dazu klärte er vier Aktionen und fing zwei Bälle ab. Allesamt keine herausragenden Werte, diese gab die Partie allerdings auch nicht her. Besonders im zweiten Durchgang war Stark eher als erster Ballverteiler gefragt – er hatte die meisten Ballkontakte seiner Mannschaft und brachte gute 86% seiner Pässe zum Mann. Fast hätte der 23-Jährige die Berliner 1:0-Führung erzielt, seinen gefährlichen Kopfball konnte SC-Keeper Schwolow allerdings noch abwehren.

Eine gute Vorstellung des Innenverteidigers, der aufgrund des Spielverlaufs aber nicht durchgängig glänzen konnte.

Karim Rekik – Note: 3


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der Niederländer gab sich bei seinem Comeback nach Rot-Sperre keine Blöße.

Die Zahlen des 24-Jährigen lesen im Vergleich zu Stark sehr ähnlich. Auch er gewann die Mehrzahl seiner Zweikampf, ob mit Fuß oder Kopf. Mit vier klärenden Aktionen und einem abgefangenen Ball steht er seinem Kollegen auch kaum in etwas nach. Zudem konnte Rekik sogar eine 90%ige Passquote vorweisen. Herthas Nummer vier räumte alles ab, was er finden konnte, beging dabei aber nicht ein einziges Foul. Mit gutem Stellungsspiel und Zweikampfverhalten hielt Rekik seinen Machtbereich sauber.

Es war sicherlich nicht das forderndste Spiel seiner Karriere, dennoch kann man die Souveränität Rekik loben.

Jordan Torunarigha – Note: 3

Die Bewertung des 21-Jährigen fällt aufgrund der Extremen in seinem Spiel durchaus schwierig.

Unabhängig der zwei Szenen, die das Spiel des Berliner Eigengewächses maßgeblich geprägt haben, hat Torunarigha eine mehr als solide Vorstellung gezeigt. Gegen Freiburg gewann er acht seiner elf Zweikämpfe, gewann beide seiner zwei Luftduelle. Zudem konnte er ganze fünf erfolgreiche Tackles verbuchen, eine wirklich gute Bilanz. Doch in einer entscheidenden Szene, nämlich dem Freiburger Führungstreffer, patzte der Innenverteidiger. Er verlor Torschütze Nils Petersen viel zu leicht aus den Augen und kam dann nicht mehr in den Zweikampf, um den Freiburger von dessen Kopfballtreffer abzuhalten. Das ging viel zu einfach und muss Torunarigha als klarer Fehler angerechnet werden.

Im zweiten Durchgang waren es aber vor allem Offensivaktionen, die den Linksfuß auszeichneten. Dardai stellte den robusten Abwehrspieler auf die linke Seite und ließ ihn dort Durchbrüche erzielen. Immer wieder stellte Torunarigha die Freiburger Abwehr vor Probleme und in Minute 75 bereitete er den 1:1-Ausgleich von Ibisevic mustergültig vor, damit seinen Fehler beim 0:1 also wieder wett.

Eine sehr auffällige Partie Torunarighas, der in einem Moment deutlich daneben lag und in einem anderen direkt am Ausgleich beteiligt war.

Mittelfeld

Fabian Lustenberger – Note: 5+

Der Schweizer kam überhaupt nicht in die Partie und wurde folgerichtig zur Halbzeit ausgewechselt.

Einen – einen Zweikampf hat Lustenberger gegen Freiburg geführt. Dass er diesen zwar gewonnen hat, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass er quasi nicht am Spiel teilnahm. Dazu kommen gerade einmal 19 Pässe (78,9% angekommen), nicht ein klärende Aktion und kein abgefangener Ball. Lustenberger schien teilweise untergetaucht zu sein, er konnte der Partie wenig geben. So wunderte es auch nicht, dass die Freiburger in der ersten Halbzeit durchaus guten Zugriff über die Spielmitte bekamen – Lustenberger stellte keinen Störfaktor für die Breisgauer dar.

Es war eindeutig nicht der Nachmittag des 30-Jährigen, der sich als Innenverteidiger deutlich wohler fühlt.

Marko Grujic – Note: 3+


 Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Herthas Mittelfeldmotor gehörte zu den Aktivposten seiner Mannschaft.

Die viertmeisten Meter (10,9 km), die drittmeisten Ballkontakte (78) wie Pässe (46), zusammen mit Duda die meisten Abschlüsse (fünf) – es ist legitim, zu behaupten, am Samstagnachmittag lief viel von Herthas Spiel über Grujic. Der Serbe versuchte stets, etwas zu bewirken, doch fehlte im meist das Glück oder die letzte Konsequenz in seinen Aktionen. Er setzt durch seine Zweikampfführung (führte 24 Duelle, tacklete viermal erfolgreich) und Abschlussfreude die richtigen Zeichen, aber wirklich effektiv war sein Spiel nicht. So waren seine Weitschüsse oftmals auch Produkt mangelnder Offensiv-Ideen. Dazu kamen ein bis zwei Unkonzentriertheiten, die zu unnötigen Ballverlusten geführt hatten.

Grujic konnte im Laufe der Partie immer mehr an Dominanz im Mittelfeld gewinnen und war ein prägender Faktor, allerdings reichte es nicht aus, um zwingende Chancen für Hertha zu entwickeln.

Lukas Klünter – Note: 3-


Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der Ersatz für den ausgefallenen Lazaro versuchte viel Druck zu entwickeln, doch blieb es bei diesen Versuchen.

Recht überraschend rückte Klünter für den verletzten Österreicher in die Startelf, sichtlich motiviert war er aber, seine gute Leistung aus dem Gladbach-Spiel zu wiederholen. Mit Freiburg Christian Günter lieferte er sich über 90 Minuten ein beherztes Duell um die Vorherrschaft auf dem Flügel, wodurch er sowohl offensiv wie defensiv ein immenses Pensum abspulte. Klünter lief die zweitlängste Strecke aller Herthaner (11,22 km), führte 16 Zweikämpfe (zehn gewonnen) und niemand schlug ansatzweise so viele Flanken wie er (fünf).

Doch hier hakte es an seinem Spiel. Dem 22-Jährigen fehlte es an Präzision in seinen Aktionen, sodass er trotz vieler Szenen wenig bewirkte. Immer wieder konnte er mit seinem herausragenden Tempo (die meisten Sprints Herthas) Probleme für Freiburg erzeugen, doch der Anschlussaktionen fehlte es nahezu immer an Gefahr. So kam auch keine einzige seiner Hereingaben an. Defensiv war Klünter ebenso engagiert, doch Grifo war im Zusammenspiel mit Günter nur schwer in den Griff zu bekommen. So konnte Herthas rechter Flügelspieler nicht alles abwehren, was auf ihn zukam.

Eine äußert engagierte Darbietung Klünters, dem es aber noch an Effizienz mangelt.

Maxi Mittelstädt – Note: 4-


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Eine der schwächeren Auftritte Mittelstädts in dieser Saison.

Ähnlich wie Lustenberger gelang es dem 21-Jährigen nicht, sich in diese Begegnung einzufinden. Es mangelte ihm offensichtlich an Tagesform, da ihm auffällig viele Bälle versprungen und seinen Pässen fast durchgängig die Genauigkeit (64,7% angekommen) fehlte. Auch seine frühe gelbe Karte in der 17. Minute trug dazu bei, sein Spiel weiter zu hemmen. So war es kein Zufall, als Mittelstädt Freiburgs Grifo bei dessen Flanke zum 0:1 nur oberflächlich deckte. Er wollte keinen Platzverweis riskieren und ließ seinem Gegenspieler somit zu viel Platz.

Mittelstädt wollte an diesem Tag einfach nicht gelingen. Seine beste Aktion war eine technisch starke Hereingabe, die Duda aber neben den Pfosten setzte. Auch sein Schuss in der 55. Minute war nicht ungefährlich, aber das Glück war an diesem Tag nicht mit ihm. Nach 64 Minuten nahm Dardai den ausgelaugt wirkenden Flügelspieler schließlich vom Feld.

Ondrej Duda – Note: 4+


Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Herthas Spielmacher fand erst spät in die Partie, hatte dann aber merklichen Einfluss.

Sah man Herthas Aufstellung, wurde schnell klar, dass die Kreativität in diesem Spiel eindeutig von Duda kommen musste. Dieser Aufgabe kam der Slowake im ersten Durchgang allerdings kaum bis gar nicht nach. Sehr viele Fehlpässe und eine schwache Zweikampfquote führten dazu, dass Duda zwischen den Freiburger Ketten verloren wirkte. Einzig sein Freistoß auf Stark, der beinahe die Führung erzielt hätte, versprühte Gefahr.

Nach dem Pausentee agierte der 24-Jährige deutlich schärfer in seinen Aktionen. Er profitierte merklich von Maiers Einwechslung, da man sich nun das Fäden Ziehen im Mittelfeld teilen konnte. Duda agierte gut zwischen den Linien, bildete Dreiecke und war dadurch auch am 1:1-Ausgleich mit beteiligt. Mit 12,2 Kilometern lief Herthas Nummer zehn die größte Strecke aller Herthaner, war sehr aktiv und versuchte sich auch insgesamt fünf Abschlüssen (zwei daneben, drei geblockt). Zu kritisieren waren allerdings die Standardsituationen des Slowaken, denn Dudas Ecken fehlte es am Samstag deutlich an Qualität. Mit Ibisevic, Torunarigha, Stark und co. hatte Dardai viele kopfballstarke Spieler aufgeboten, die so aber nicht bedient werden konnten.

Eine durchwachsene Leistung Dudas, der nur streckenweise seine Qualität auf den Rasen bekam.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 4


Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Zwar wollte Kalou nicht viel gelingen, dennoch tauchte er nicht völlig unter.

Der Ivorer sammelte gegen Freiburg zwar nur die drittwenigsten Ballkontakte aller Startelfspieler (40) Herthas, doch war er erst einmal am Ball, wusste er auch meistens etwas damit anzufangen. Der 33-Jährige hielt das Spielgerät oftmals gut im letzten Angriffsdrittel und schaffte Platz für seine Mannschaftskollegen. Zwar wurde er selbst nahezu nie gefährlich (verpasst eine Hereingabe Mittelstädts nur knapp), dennoch war er an vielen Angriffen beteiligt. So spielte Kalou den so wertvollen Schnittstellenpass auf Torunarigha, der darauf folgend Ibisevic zum 1:1 bediente.

Kalou hat sicherlich schon bessere Spiele erlebt und es gab vor allem im ersten Durchgang Phasen, in denen er kaum zu sehen war, dennoch hatte er Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft.

Vedad Ibisevic – Note: 3-


Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images

Herthas Kapitän war nicht viel zu sehen, dann aber zur Stelle und letztendlich der große Pechvogel.

Ähnlich wie Kalou hatte Ibisevic gegen Nürnberg einen schweren Stand. Einige Teile der Partie war er vom Rest der Mannschaft abgeschnitten und verbuchte die wenigsten Ballkontakte aller Startelfspieler (37). Er bekam auch kaum brauchbare Zuspiele, aus denen er etwas hätte entwickeln können und so verlief seine erste Halbzeit äußerst ereignislos.

Nach dem Gang in die Kabine schien es für den Bosnier genauso weiterzugehen, doch darf man ihn niemals abschreiben. In der 75. Minute stand er plötzlich goldrichtig und netzte in feinster Mittelstürmer-Manier zum 1:1 ein. Nur um wenige Minuten später sehr unglücklich per Eigentor den 1:2-Endstand zu markieren. Ibisevic ist in dieser Szene kaum ein Vorwurf zu machen, es war einfach Pech.

Es war ein sehr undankbares Spiel für den Routinier, der aber immerhin sein neuntes Saisontor schoss.

Einwechslungen

Arne Maier – Note: 3+


Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

In der ungewohnten Rolle als Joker konnte Maier dem Spiel seiner Mannschaft neuen Schwung verleihen.

Drei Zahlen zeigen sehr genau auf, wie Maiers Spiel gegen Freiburg ausgesehen hatte: der 20-Jährige führte in 45 Minuten nicht einen direkten Zweikampf, verbuchte dafür aber 43 Ballkontakte (also mehr als Kalou oder Ibisevic über 90 Minuten) und spielte 40 Pässe (so viele wie Duda und Torunarigha). Daraus wird deutlich: Maier war eindeutig als Ballverteiler unterwegs und sollte im Zusammenspiel mit Grujic und Duda das Ballbesitzspiel seiner Mannschaft beleben. Das Eigengewächs bewegte sich dafür sehr clever in den Zwischenräumen und zerrüttete dadurch immer wieder die Freiburger Ketten. Dabei agierte er äußerst sicher im Passspiel, 90% seiner Zuspiele (85% in der gegnerischen Hälfte) kamen beim Mitspieler an. Dazu kam eine Torschussvorlage und ein eigener Abschluss.

Maier spielte nicht die Sterne vom Himmel, war allerdings ein sehr auffrischender Faktor für seine Mitspieler, da er den Ballbesitz deutlich dynamischer und kreativer gestaltete.

Dennis Jastrzembski – Note: 4


Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Der 19-Jährige durfte bei seinem fünften Bundesliga-Einsatz so lange wie nie zuvor auf dem Rasen stehen.

Für Mittelstädt gekommen, hatte “Jatze” ca. 30 Minuten Zeit, um für mehr Tempo und Zielstrebigkeit auf der linken Seite zu sorgen. Das gelang dem Eigengewächs allerdings nicht allzu häufig. Zwar bewegte er sich in den richtigen Räumen, doch seinen Aktionen fehlte es etwas an Effizienz und Übersicht. Einen geblockten Schuss und eine Torschussvorlage verbuchte er. Im direkten Zweikampf konnte sich Jastrzembski kaum durchsetzen, das überließ er mit der Zeit immer mehr Flügelpartner Torunarigha.

Es waren einmal mehr gute Ansätze beim Youngster zu sehen, jedoch fehlte es ihm offensichtlich noch an Reife.

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