BundesligaEinzelkritik

Einzelkritik 26. Spieltag: Hertha BSC – Borussia Dortmund

An diesem Spiel werden die Herthaner, Fans wie Spieler, noch länger zu kauen haben. In einem sensationellen Rahmen des ausverkauften und in Flutlicht gehüllten Berliner Olympiastadions trotzten die Blau-Weißen dem Favoriten aus Dortmund lange ein 2:2 ab, ehe der BVB in der Nachspielzeit das Spiel durch den Treffer von Marco Reus für sich entschied. Elfmeter, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, sehr viel Spielkultur, zwei Platzverweise – in dieser Partie war alles dabei, was Fußball ausmacht. Am Ende stehen die Berliner jedoch als Verlierer da. Die Einzelkritik zu einer eigentlich sehr starken Vorstellung Herthas.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Auch wenn der Norweger keines der drei BVB-Tore verhindern konnte, zeigte er eine gute Leistung.

Die reine Schussstatistik der Dortmunder liest sich mit 25 Abschlüssen beeindruckend, allerdings kamen nur acht davon direkt auf Jarsteins Kasten. Bei allen drei Gegentoren war Herthas Keeper machtlos, Zagadous Kopfball zum 2:2 und Reus’ Schuss zum 3:2 waren für den 34-Jährigen nicht mehr zu erreichen. Dasselbe gilt auch für den äußerst unglücklich von Rekik abgefälschten Ball zum 1:1, der Jarstein auf dem völlig falschen Fuß erwischt hatte. Die fünf BVB-Abschlüsse, die es zu halten gab, hielt der Torhüter hingegen souverän. Unglaubliche Paraden musste Jarstein allerdings nicht zeigen, es gab keine Szene, in der man sich fragte, wie er diesen Ball denn noch erreicht habe.

So ist es eine gute, aber keine sehr gute Vorstellung Jarsteins gewesen.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 1

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Eventuell beflügelt von der Nationalmannschaftsnominierung zeigte Niklas Stark gegen den BVB seine wohl beste Saisonleistung.

Eine blitzsaubere Vorstellung des Innenverteidigers. Stark war stets zur Stelle, wenn es in seinem Wirkungsbereich gebrannt hatte. Sechs (!) erfolgreiche Tacklings, vier klärende Aktionen, drei Blocks und drei abgefangene Bälle sind eine sehr starke Bilanz des 23-Jährigen. Stark bewies über die volle Spieldauer herausragendes Timing in seinen Aktionen, so gewann er auch die Mehrzahl seiner Zweikämpfe. Durch exzellentes Stellungsspiel und sein überdurchschnittliches Tempo (zweitmeisten Sprints bei Hertha) konnte er zahlreiche Dortmunder Angriffe entweder im Keim ersticken oder im letzten Moment abwehren. Exemplarisch war die Szene (22. Minute), in der Dortmunds Bruun Larsen quasi alleine auf Torhüter Jarstein zulief, doch Stark noch hinterhereilte und so den Schusswinkel für den BVB-Stürmer entscheidend einschränkte, sodass dieser direkt auf Jarstein zielte. Stark ließ sich nahezu nie von Dortmunds Dribblern düpieren, sondern klaute Sancho und co. gerne mal den Ball vom Fuß.

Zudem erlaubte sich Stark nicht einen einzigen Ballverlust in der eigenen Hälfte, sein Aufbauspiel war trotz Dortmunder Pressing sehr präzise. 80% seiner Pässe kamen an, nur einer seiner Fehlpässe war kein langer (und dadurch schwierigerer) Ball.

Eine herausragende Vorstellung Starks, der Dortmund absolut ebenbürtig war und seine Defensive sehr gut zusammenhielt. Mit Leidenschaft und Köpfchen wehrte er eine schwarz-gelbe Angriffswelle nach der anderen ab. Bundestrainer Joachim Löw kann sich auf einen Stark in Hochform freuen.

Karim Rekik – Note: 3+

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Starks Nebenmann verbuchte auch viele gute Szenen, wirkte einige Teile des Spiels jedoch etwas verunsichert.

Auch Rekik hatte einige Momente, in denen er durch gutes Timing gefährliche Szenen der Dortmunder Gäste entschärfte. Der 24-Jährige klärte insgesamt vier Szenen und blockte einen Ball ab – zwar nicht so hervorragende Werte wie Stark, jedoch aussagekräftig genug, um zu sagen, dass Rekik auch auf seinem Posten war. Er wäre es auch beinahe in der 14. Minute gewesen, jedoch fälschte er den Schuss von Delaney so unglücklich ab, dass er Torhüter Jarstein keine Chance ließ. Eine bittere Szene, die ihm aber nicht als Fehler angerechnet werden kann.

Sträflicher war vielmehr sein Aufbauspiel. Rekik erlaubte sich viel zu viele Fehlpässe in der eigenen Hälfte, wodurch er Dortmund immer wieder zu Angriffen einlud. Es mangelte dem Niederländer immer wieder an Konzentration, sodass es zu gefährlichen Szenen seitens des BVB kam. Gegen solch einen offensivstarken Gegner muss souveräner agiert werden – das ließ Rekik das ein um das andere Mal vermissen.

Eine ordentliche Vorstellung Rekiks, der gute wie schlechte Momente in seinem Spiel hatte.

Jordan Torunarigha – Note: 3+

Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

Einmal mehr fällt die Bewertung Torunarighas schwer, denn einmal mehr gab es Licht und Schatten in seinem Spiel.

Dass Hertha vor allem im ersten Durchgang defensiv so sicher agiert, lag auch zu großen Teilen am Berliner Eigengewächs. Torunarigha hatte Dortmund Christian Pulisic fest im Griff, konnte den US-Amerikaner immer wieder durch gute Tacklings und Blocks behindern. Vor allem sein Stellungsspiel war herausragend, denn der 21-Jährige fing sechs Bälle ab – ein sensationeller Wert. So ließ er Dortmunds rechte Seite kaum ins Umschaltspiel kommen. Im ersten Durchgang stritten sich Stark und Torunarigha im die Bestnote in Herthas Innenverteidigung. Dieses interne Duelle verlor Herthas Nummer 25 allerdings im zweiten Durchgang auf ganzer Linie.

BVB-Coach Lucien Favre hatte in der Halbzeitpause umgestellt, sodass Jadon Sancho nun Torunarighas Gegenspielers war. Mit dem quirligen Engländer hatte Herthas Innenverteidiger sehr viel größere Probleme. Immer wieder ließ er Sancho durch Dribblings an sich vorbeiziehen und auch seine Klärungsversuche in Form von Pässen wurde immer hektischer. Torunarigha verlor sich mit der Zeit immer mehr in den Provokationen Sanchos und der wohl fragwürdigen Zweikampfbewertung von Schiedsrichter Tobias Welz. So wurden ihm immer wieder Fouls für eigentlich normalen Körpereinsatz abgepfiffen, wodurch sein Foul an Marius Wolf, für das es normalerweise keine Verwarnung gibt, eine gelbe Karte nach sich zog. Von der hitzigen Stimmung beeinflusst, konzentrierte sich Torunarigha immer weniger auf sein Spiel, wodurch er Unachtsamkeiten im Defensivverhalten produzierte, flankiert von immer wieder starken Aktionen. Ein auf und ab, welches jedoch in der 85. Minute sein Ende fand. Torunarigha musste Hakimi regelwidrig festhalten, um einen höchst gefährlichen Angriff zu vereiteln – die Konsequenz: gelb-rot.

Es wäre legitim, über die Zweikampfauslegung des Schiedsrichters zu diskutieren, doch die Einzelkritik kann nur bewerten, was stattgefunden hat und Torunarigha hat im zweiten Durchgang offensichtlich seine Linie verloren und immer wieder Konzentrationsfehler eingestreut. Das schmälert seine hervorragende Leistung aus der ersten Halbzeit.

Mittelfeld

Marko Grujic – Note: 2

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Der Serbe war ein äußerst wichtiges Puzzleteil in Herthas taktischem Korsett am Samstagabend.

Herthas erste Halbzeit war geprägt von aggressivem Pressing und einer Manndeckung im zentralen Mittelfeld. Dafür nahm Grujic Dortmunds Kapitän Marco Reus ins Visier, sodass dieser vom Spiel entbunden werden und selten in dessen favorisierte Position im Rückraum der Abwehr vorstoßen sollte. Diese Aufgabe erledigte Grujic im ersten Durchgang äußerst gewissenhaft, ohne dabei das Offensivspiel gänzlich schleifen zu lassen. Immer wieder schaltete sich der 22-Jährige mit nach vorne ein, um als Anspielstation zu fungieren oder aus der Distanz zu schießen (gab nach drei Minuten Herthas ersten Schuss der Partie ab). Seine hohe Ballsicherheit (sicherte vier Bälle) machten Grujic zu einem guten Fädenzieher im Mittelfeld.

Im zweiten Durchgang verlagerte sich auch Grujics Spiel immer weiter nach hinten. Vier seiner fünf Tacklings (die zweitmeisten nach Stark) und vier seiner fünf klärenden Aktionen (zusammen mit Stark die meisten) fanden nach dem Halbzeitpfiff statt. Seine einzig nennenswerte Offensivszene in Halbzeit zwei wäre jedoch beinahe spielentscheidend gewesen, denn in der 56. Minute befreite sich Grujic von seinem Gegenspieler, setzte seinen Schuss dann aber nur gegen den Pfosten. Darüber hinaus agierte die Leihgabe hauptsächlich als Durchgangsstation, die den Ball von der Abwehr in Mittelfeld führte, um für Entlastung zu sorgen. Auch dann war seine Ruhe am Ball beeindrucken, denn trotz des immer größer werdenden Dortmunder Drucks spielte Grujic in der zweiten Halbzeit nur einen einzigen Fehlpass. Während also manch Herthaner in der Schlussphase den Kopf verlor, behielt ihn der 1,93m Hüne stets oben. Einzig beim 2:2-Ausgleich des BVB gab es leichte Abstimmungsprobleme mit Torunarigha, wer denn Torschütze Dan-Axel Zagaou zu decken habe.

Grujic zeigte eine starke Vorstellung, in der er sowohl offensiv als auch defensiv eine wichtige Rolle einnahm und der Berliner Abwehr tatkräftig unter die Arme griff. Seine hohe Ballsicherheit sorgte für viel Ruhe und Spielkultur bei Hertha.

Arne Maier – Note: 2-

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der 20-Jährige überzeugte durch einen extremen Aktionsradius.

Auf dem Taktikbogen hat es so ausgesehen, als ob Maier und Grujic auf derselben Höhe agiert hätten, tatsächlich spielte Herthas Eigengewächs oftmals eine Etage weiter vorne – teilweise sogar höher als der eigentliche Spielmacher Ondrej Duda. Es war zu spüren, wie sehr Maier das Spiel an sich reißen wollte. Mit 12,42 Kilometern lief der U21-Nationalspieler mit Abstand die größte Strecke aller Herthaner, auch die meisten intensiven Läufe verbuchte er. Dazu kommt, dass Maier die drittmeisten Ballkontakte aller Blau-Weißen gesammelt hatte. Taktisch sehr klug und außerordentlich dynamisch wie handlungsschnell begab sich Maier in die Dortmunder Zwischenräume, um Dreiecke zu bilden, die die BVB-Defensive merklich aufbrachen.

Maier übernahm sowohl die Rolle des sich zurückfallendes Sechsers, der die Abwehr im Aufbauspiel unterstützt, als auch die des klassischen Ballverteilers im letzten Angriffsdrittel. 83,6% (79,4% in der gegnerischen Hälfte) seiner Pässe kamen beim Mitspieler an – gemessen an seinem Spielstil eine sehr gute Quote. Der Mittelfeldmotor war an zahllosen Offensivaktionen seiner Mannschaft beteiligt, jedoch kaum als direkter Vorbereiter (eine Torschussvorlage). Er überzeugte durch sein exzellentes Spielverständnis, da er gefährliche Räume entweder selbst anlief oder bediente. Defensiv spielte der Youngster aufgrund seiner vorgezogenen Position eine kleinere Rolle, so sammelte er keinerlei geklärte Aktionen oder Tacklings. Dafür lief er jedoch viele Räume zu.

Maier zeigte eine wirklich zufriedenstellende Leistung, die mit der Zeit jedoch an Highlights verlor, sodass sein Spiel immer mehr abflachte.

Valentino Lazaro – Note: 4+

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Österreicher kurbelte das Spiel seiner Mannschaft gehörig an, war allerdings auch fehleranfällig und hatte Probleme, seine Seite zu verteidigen.

Es war deutlich zu sehen, dass Lazaro in den letzten zwei Wochen kaum eine Trainingseinheit vollständig absolvieren konnte und sehr kurzfristig für das Spiel gegen die Schwarz-Gelben fit gemeldet wurde. Es fehlte dem 23-Jährigen bei all seinem Aufwand an Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen. So bildete er zusammen mit Salomon Kalou zwar ein gefährliches Duo, dass sehr aktiv Dortmunds linke Seite bearbeitete und oftmals auch überwand, doch fehlte es an guten Anschlussaktionen. So legte Lazaro nur eine einzige Chance direkt auf – den Fernschuss von Grujic in der dritten Minute. Mit viel Tatendrang agierte Herthas Rechtsverteidiger, keiner hatte mehr Ballkontakte als er und niemand zog so viele Sprints an – dafür kam jedoch viel zu wenig zählbares bei rum.

Dazu kam, dass seine Ausflüge nach vorne Konsequenzen für seine Hintermannschaft hatten. Lazaros Rückwärtsbewegung erfolgte oftmals zu langsam, sodass große Lücken aufs Herthas rechtem Flügel entstanden sind, die Dortmund mit seinen starken Offensivakteuren bespielen konnte. Einige dieser Konter leitete Lazaro mit grotesken Fehlpässen selbst ein, so z.B. den 1:1-Ausgleichstreffer Dortmunds, bei dem er Delaney den Ball perfekt in den Lauf servierte. Im direkten Duell mit Dortmunds Flügelspielern konnte sich der Österreicher nur selten durchsetzen, ohne Hilfe von seinen Mitspielern wäre er wohl noch überforderter gewesen.

Die Aktivität Lazaros im ersten Durchgang ist durchaus zu loben, allerdings hatte diese auch einen hohen Preis. Zudem konnte er mit jeder Minute für weniger Kreativität und Entlastung sorgen, defensiv zeigte er sich ebenfalls nicht von seiner besten Seite.

Maxi Mittelstädt – Note: 2

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Herthas linker Flügelspieler leitete die Führung ein und war auch sonst einer der auffälligsten Berliner.

Nach nur vier Minuten avancierte Mittelstädt zu einem der Aktivposten bei Hertha – sein gefährlicher Schuss mit seinem schwachen rechten Fuß zwang BVB-Keeper Bürki zu einer Parade, die allerdings vor den Füßen Kalous endete und zum 1: führte. Davon beflügelt riss der 21-Jährige das Spiel durchaus an sich und bereitete Dortmund einige Probleme. Vor allem die immens hohe Ballsicherheit Mittelstädts fiel auf, unglaubliche elf Bälle sicherte das Eigengewächs. Er löste sich durch eine gute Ballführund oder schnelles Kombinationsspiel immer wieder clever aus Dortmunder Pressingfallen und umging damit sicher geglaubte Ballverluste. Diese Ruhe am Ball wurde von seinen Mitspielern bemerkt, sodass Mittelstädt zu einer beliebten Anspielstation wurde – die Nummer 17 verbuchte die zweitmeisten Ballkontakte. Immer wieder fasste sich der U21-Nationalspieler ein Herz und versuchte gefährliche Szenen zu kreieren, insgesamt zwei Schüsse und vier flanken produzierte er, denen es aber etwas an Präzision fehlte.

Auch defensiv engagierte sich Mittelstädt – drei Tackles, zwei klärende Aktionen, zwei Blocks und ein abgefangener Ball beweisen seinen Aufwand. Im ersten Durchgang hatte er zusammen mit Torunarigha Dortmunds Pulisic noch sehr gut im Griff, Sancho bereitete da deutlich mehr Probleme.

Eine beeindruckende Leistung Mittelstädts, der mit breiter Brust und kühlem Kopf viel Verantwortung übernahm und sich kaum Fehler erlaubte.

Ondrej Duda – Note: 3-

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Slowake durfte mal wieder als vorderster Manndecker fungieren.

Es ist allmählich keine Überraschung mehr, wenn Trainer Pal Dardai seinen eigentlichen Spielmacher Duda auf den des Gegners ansetzt. So wieder geschehen am Samstagabend, als Duda Dortmunds Julian Weigl auf Schritt und Tritt verfolgte, um das Aufbauspiel der Gastmannschaft massiv zu beschneiden. Dadurch hatte der 24-Jährige einen großen taktischen Wert für seine Mannschaft, der jedoch für wenig Spektakel sorgt.

Für diesen versuchte Duda allerdings auch bei den eigenen Angriffen zu sorgen. Wie Arne Maier war Duda vor allem als zentraler Anspielpunkt gedacht, der Bälle bekam, sicherte und weiterleitete. So legte Duda zwar selbst keinen Torschuss direkt auf (sein Herbeiführen des Elfmeters zum 2:1 wird nicht als Vorlage gewertet), war aber dennoch an zahlreichen Berliner Angriffen beteiligt. In der 59. Minute hätte Herthas Nummer zehn jedoch einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, als ihn Dortmund Diallo im Sprint schubste uns so aus dem Gleichgewicht brachte. Ohne dieses Eingreifen hätte Duda allein vor dem Torhüter gestanden, doch so blieb die Szene ohne Ertrag, was Duda eines möglichen Tores oder Assists beraubte.

Dudas Spiel verflachte ab der 60. Minute, er konnte ab da kaum noch etwas bewirken und lief der Partie etwas hinterher. Aufgrund dessen nahm ihm Dardai auch kurz vor Schluss vom Feld. Eine ordentliche, aber glücklose Darbietung des Spielmachers/Manndeckers.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 1

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Kalou und seine Darbietung gegen große Mannschaften bleiben eine besondere Geschichte.

Es wird wohl schwierig, bei dieser Bewertung ohne Superlative auszukommen, denn Kalou hat gegen Dortmund einmal mehr eine unglaubliche Vorstellung geboten. Nach vier Minuten erzielte er bereits seinen ersten Treffer des Tages, da er routiniert auf den Fehler Bürkis spekuliert hatte und dann ins leere Tor einschieben konnte. Genauso souverän gestaltete der Ivorer seine restlichen Einsatzminuten, in denen er mit unfassbarer Ballsicherheit und tollen Auge glänzte. Der 33-Jährige gewann 75% seiner Zweikämpfe, für einen Offensivspieler ein herausragender Wert, dazu sicherte er sechs Bälle. Egal wie viele Dortmunder Gegenspieler sich um ihn herumtümmelten, er behielt die Ruhe und Übersicht. So auch in der 35. Minute, als er den Elfmeter zum 2:1 cool verwandelte.

Neben seinen beiden Toren überzeugte Kalou auch als Ballverteiler. 82,8% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an und das trotz seiner teilweise sehr riskanten Schnittstellenpässe. So bediente er Duda in der 59. Minute (die Beinahe-Elfmeter-Szene) und Davie Selke in der 67. Minute in außergewöhnlicher Manier. Kalou erkannte immer wieder die Tiefe des Spiels und bespielte sie.

Nach 77 Minuten war Kalous genialer Arbeitstag beendet. Sowohl spielerisch, wie auch vor dem Tor lieferte der Routinier vollends ab. Selbst in der Arbeit gegen den Ball überzeugte er.

Davie Selke – Note: 3-

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Keine einfache Partie für den Startelf-Rückkehrer.

Herthas Mittelstürmer war über seine gesamte Einsatzzeit sehr bemüht, sich in das Spiel seiner Mannschaft einzubringen. So legte er beispielsweise Mittelstädts Schuss auf, der zum 1:0 geführt hatte. Selke war sehr aktiv, arbeitete auffällig fiel für seine Mitspieler, indem er sich an Kombinationen beteiligte oder Mitspieler an sich band. Am Boden hatte er eine sehr ausgeglichene Zweikampfbilanz, in der Luft konnte er sogar 66% seiner Duelle für sich entscheiden. Dadurch machte der 24-Jährige immer wieder Bälle fest und sorgte für Entlastung.

Allerdings bekam Selke selber kaum brauchbare Zuspiele, sodass er zu keinen gefährlichen Abschlüssen kam. Zagadou und Diallo deckten den Mittelstürmer sehr eng, sodass Selke wenig Luft im Strafraum blieb. So war es kein Zufall, dass er sich immer wieder fallen ließ oder auf den Außenbahnen abwich. Im Spiel gegen den Ball bildete er zusammen mit Kalou und situativ Duda die erste Pressinglinie, die den BVB ständig zu langen Bällen zwang und so zu vielen Ballverlusten führte. Da Selke nach ca. 70 Minuten die Puste ausging, wurde er in der 77. vom Feld genommen.

Eine sehr selbstlose und für den Matchplan wichtige, jedoch auch undankbare Partie für Davie Selke, der viel für seine Mitspieler gearbeitet hat, so aber keine eigenen Glanzpunkte setzen konnte.

Vorheriger Beitrag
PODCAST HB#82 Es lag an nichts
Nächster Beitrag
Hertha und seine Torhüter: Vergangenheit, Torwart und Zukunft

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

[…] der Heimmannschaft. Dass Hertha die Position des Außenseiters aber herzlich wenig stört, hat man jüngst wiederholt gegen Dortmund bewiesen, auch wenn es am Ende nicht für den Punktgewinn reichte. Zudem sei hier auf das Intro des Textes […]

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

An diesem Spiel werden die Herthaner, Fans wie Spieler, noch länger zu kauen haben. In einem sensationellen Rahmen des ausverkauften und in Flutlicht gehüllten Berliner Olympiastadions trotzten die Blau-Weißen dem Favoriten aus Dortmund lange ein 2:2 ab, ehe der BVB in der Nachspielzeit das Spiel durch den Treffer von Marco Reus für sich entschied. Elfmeter, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen, sehr viel Spielkultur, zwei Platzverweise – in dieser Partie war alles dabei, was Fußball ausmacht. Am Ende stehen die Berliner jedoch als Verlierer da. Die Einzelkritik zu einer eigentlich sehr starken Vorstellung Herthas.

Tor

Rune Jarstein – Note: 2

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Auch wenn der Norweger keines der drei BVB-Tore verhindern konnte, zeigte er eine gute Leistung.

Die reine Schussstatistik der Dortmunder liest sich mit 25 Abschlüssen beeindruckend, allerdings kamen nur acht davon direkt auf Jarsteins Kasten. Bei allen drei Gegentoren war Herthas Keeper machtlos, Zagadous Kopfball zum 2:2 und Reus’ Schuss zum 3:2 waren für den 34-Jährigen nicht mehr zu erreichen. Dasselbe gilt auch für den äußerst unglücklich von Rekik abgefälschten Ball zum 1:1, der Jarstein auf dem völlig falschen Fuß erwischt hatte. Die fünf BVB-Abschlüsse, die es zu halten gab, hielt der Torhüter hingegen souverän. Unglaubliche Paraden musste Jarstein allerdings nicht zeigen, es gab keine Szene, in der man sich fragte, wie er diesen Ball denn noch erreicht habe.

So ist es eine gute, aber keine sehr gute Vorstellung Jarsteins gewesen.

Abwehr

Niklas Stark – Note: 1

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Eventuell beflügelt von der Nationalmannschaftsnominierung zeigte Niklas Stark gegen den BVB seine wohl beste Saisonleistung.

Eine blitzsaubere Vorstellung des Innenverteidigers. Stark war stets zur Stelle, wenn es in seinem Wirkungsbereich gebrannt hatte. Sechs (!) erfolgreiche Tacklings, vier klärende Aktionen, drei Blocks und drei abgefangene Bälle sind eine sehr starke Bilanz des 23-Jährigen. Stark bewies über die volle Spieldauer herausragendes Timing in seinen Aktionen, so gewann er auch die Mehrzahl seiner Zweikämpfe. Durch exzellentes Stellungsspiel und sein überdurchschnittliches Tempo (zweitmeisten Sprints bei Hertha) konnte er zahlreiche Dortmunder Angriffe entweder im Keim ersticken oder im letzten Moment abwehren. Exemplarisch war die Szene (22. Minute), in der Dortmunds Bruun Larsen quasi alleine auf Torhüter Jarstein zulief, doch Stark noch hinterhereilte und so den Schusswinkel für den BVB-Stürmer entscheidend einschränkte, sodass dieser direkt auf Jarstein zielte. Stark ließ sich nahezu nie von Dortmunds Dribblern düpieren, sondern klaute Sancho und co. gerne mal den Ball vom Fuß.

Zudem erlaubte sich Stark nicht einen einzigen Ballverlust in der eigenen Hälfte, sein Aufbauspiel war trotz Dortmunder Pressing sehr präzise. 80% seiner Pässe kamen an, nur einer seiner Fehlpässe war kein langer (und dadurch schwierigerer) Ball.

Eine herausragende Vorstellung Starks, der Dortmund absolut ebenbürtig war und seine Defensive sehr gut zusammenhielt. Mit Leidenschaft und Köpfchen wehrte er eine schwarz-gelbe Angriffswelle nach der anderen ab. Bundestrainer Joachim Löw kann sich auf einen Stark in Hochform freuen.

Karim Rekik – Note: 3+

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Starks Nebenmann verbuchte auch viele gute Szenen, wirkte einige Teile des Spiels jedoch etwas verunsichert.

Auch Rekik hatte einige Momente, in denen er durch gutes Timing gefährliche Szenen der Dortmunder Gäste entschärfte. Der 24-Jährige klärte insgesamt vier Szenen und blockte einen Ball ab – zwar nicht so hervorragende Werte wie Stark, jedoch aussagekräftig genug, um zu sagen, dass Rekik auch auf seinem Posten war. Er wäre es auch beinahe in der 14. Minute gewesen, jedoch fälschte er den Schuss von Delaney so unglücklich ab, dass er Torhüter Jarstein keine Chance ließ. Eine bittere Szene, die ihm aber nicht als Fehler angerechnet werden kann.

Sträflicher war vielmehr sein Aufbauspiel. Rekik erlaubte sich viel zu viele Fehlpässe in der eigenen Hälfte, wodurch er Dortmund immer wieder zu Angriffen einlud. Es mangelte dem Niederländer immer wieder an Konzentration, sodass es zu gefährlichen Szenen seitens des BVB kam. Gegen solch einen offensivstarken Gegner muss souveräner agiert werden – das ließ Rekik das ein um das andere Mal vermissen.

Eine ordentliche Vorstellung Rekiks, der gute wie schlechte Momente in seinem Spiel hatte.

Jordan Torunarigha – Note: 3+

Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

Einmal mehr fällt die Bewertung Torunarighas schwer, denn einmal mehr gab es Licht und Schatten in seinem Spiel.

Dass Hertha vor allem im ersten Durchgang defensiv so sicher agiert, lag auch zu großen Teilen am Berliner Eigengewächs. Torunarigha hatte Dortmund Christian Pulisic fest im Griff, konnte den US-Amerikaner immer wieder durch gute Tacklings und Blocks behindern. Vor allem sein Stellungsspiel war herausragend, denn der 21-Jährige fing sechs Bälle ab – ein sensationeller Wert. So ließ er Dortmunds rechte Seite kaum ins Umschaltspiel kommen. Im ersten Durchgang stritten sich Stark und Torunarigha im die Bestnote in Herthas Innenverteidigung. Dieses interne Duelle verlor Herthas Nummer 25 allerdings im zweiten Durchgang auf ganzer Linie.

BVB-Coach Lucien Favre hatte in der Halbzeitpause umgestellt, sodass Jadon Sancho nun Torunarighas Gegenspielers war. Mit dem quirligen Engländer hatte Herthas Innenverteidiger sehr viel größere Probleme. Immer wieder ließ er Sancho durch Dribblings an sich vorbeiziehen und auch seine Klärungsversuche in Form von Pässen wurde immer hektischer. Torunarigha verlor sich mit der Zeit immer mehr in den Provokationen Sanchos und der wohl fragwürdigen Zweikampfbewertung von Schiedsrichter Tobias Welz. So wurden ihm immer wieder Fouls für eigentlich normalen Körpereinsatz abgepfiffen, wodurch sein Foul an Marius Wolf, für das es normalerweise keine Verwarnung gibt, eine gelbe Karte nach sich zog. Von der hitzigen Stimmung beeinflusst, konzentrierte sich Torunarigha immer weniger auf sein Spiel, wodurch er Unachtsamkeiten im Defensivverhalten produzierte, flankiert von immer wieder starken Aktionen. Ein auf und ab, welches jedoch in der 85. Minute sein Ende fand. Torunarigha musste Hakimi regelwidrig festhalten, um einen höchst gefährlichen Angriff zu vereiteln – die Konsequenz: gelb-rot.

Es wäre legitim, über die Zweikampfauslegung des Schiedsrichters zu diskutieren, doch die Einzelkritik kann nur bewerten, was stattgefunden hat und Torunarigha hat im zweiten Durchgang offensichtlich seine Linie verloren und immer wieder Konzentrationsfehler eingestreut. Das schmälert seine hervorragende Leistung aus der ersten Halbzeit.

Mittelfeld

Marko Grujic – Note: 2

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Der Serbe war ein äußerst wichtiges Puzzleteil in Herthas taktischem Korsett am Samstagabend.

Herthas erste Halbzeit war geprägt von aggressivem Pressing und einer Manndeckung im zentralen Mittelfeld. Dafür nahm Grujic Dortmunds Kapitän Marco Reus ins Visier, sodass dieser vom Spiel entbunden werden und selten in dessen favorisierte Position im Rückraum der Abwehr vorstoßen sollte. Diese Aufgabe erledigte Grujic im ersten Durchgang äußerst gewissenhaft, ohne dabei das Offensivspiel gänzlich schleifen zu lassen. Immer wieder schaltete sich der 22-Jährige mit nach vorne ein, um als Anspielstation zu fungieren oder aus der Distanz zu schießen (gab nach drei Minuten Herthas ersten Schuss der Partie ab). Seine hohe Ballsicherheit (sicherte vier Bälle) machten Grujic zu einem guten Fädenzieher im Mittelfeld.

Im zweiten Durchgang verlagerte sich auch Grujics Spiel immer weiter nach hinten. Vier seiner fünf Tacklings (die zweitmeisten nach Stark) und vier seiner fünf klärenden Aktionen (zusammen mit Stark die meisten) fanden nach dem Halbzeitpfiff statt. Seine einzig nennenswerte Offensivszene in Halbzeit zwei wäre jedoch beinahe spielentscheidend gewesen, denn in der 56. Minute befreite sich Grujic von seinem Gegenspieler, setzte seinen Schuss dann aber nur gegen den Pfosten. Darüber hinaus agierte die Leihgabe hauptsächlich als Durchgangsstation, die den Ball von der Abwehr in Mittelfeld führte, um für Entlastung zu sorgen. Auch dann war seine Ruhe am Ball beeindrucken, denn trotz des immer größer werdenden Dortmunder Drucks spielte Grujic in der zweiten Halbzeit nur einen einzigen Fehlpass. Während also manch Herthaner in der Schlussphase den Kopf verlor, behielt ihn der 1,93m Hüne stets oben. Einzig beim 2:2-Ausgleich des BVB gab es leichte Abstimmungsprobleme mit Torunarigha, wer denn Torschütze Dan-Axel Zagaou zu decken habe.

Grujic zeigte eine starke Vorstellung, in der er sowohl offensiv als auch defensiv eine wichtige Rolle einnahm und der Berliner Abwehr tatkräftig unter die Arme griff. Seine hohe Ballsicherheit sorgte für viel Ruhe und Spielkultur bei Hertha.

Arne Maier – Note: 2-

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der 20-Jährige überzeugte durch einen extremen Aktionsradius.

Auf dem Taktikbogen hat es so ausgesehen, als ob Maier und Grujic auf derselben Höhe agiert hätten, tatsächlich spielte Herthas Eigengewächs oftmals eine Etage weiter vorne – teilweise sogar höher als der eigentliche Spielmacher Ondrej Duda. Es war zu spüren, wie sehr Maier das Spiel an sich reißen wollte. Mit 12,42 Kilometern lief der U21-Nationalspieler mit Abstand die größte Strecke aller Herthaner, auch die meisten intensiven Läufe verbuchte er. Dazu kommt, dass Maier die drittmeisten Ballkontakte aller Blau-Weißen gesammelt hatte. Taktisch sehr klug und außerordentlich dynamisch wie handlungsschnell begab sich Maier in die Dortmunder Zwischenräume, um Dreiecke zu bilden, die die BVB-Defensive merklich aufbrachen.

Maier übernahm sowohl die Rolle des sich zurückfallendes Sechsers, der die Abwehr im Aufbauspiel unterstützt, als auch die des klassischen Ballverteilers im letzten Angriffsdrittel. 83,6% (79,4% in der gegnerischen Hälfte) seiner Pässe kamen beim Mitspieler an – gemessen an seinem Spielstil eine sehr gute Quote. Der Mittelfeldmotor war an zahllosen Offensivaktionen seiner Mannschaft beteiligt, jedoch kaum als direkter Vorbereiter (eine Torschussvorlage). Er überzeugte durch sein exzellentes Spielverständnis, da er gefährliche Räume entweder selbst anlief oder bediente. Defensiv spielte der Youngster aufgrund seiner vorgezogenen Position eine kleinere Rolle, so sammelte er keinerlei geklärte Aktionen oder Tacklings. Dafür lief er jedoch viele Räume zu.

Maier zeigte eine wirklich zufriedenstellende Leistung, die mit der Zeit jedoch an Highlights verlor, sodass sein Spiel immer mehr abflachte.

Valentino Lazaro – Note: 4+

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Österreicher kurbelte das Spiel seiner Mannschaft gehörig an, war allerdings auch fehleranfällig und hatte Probleme, seine Seite zu verteidigen.

Es war deutlich zu sehen, dass Lazaro in den letzten zwei Wochen kaum eine Trainingseinheit vollständig absolvieren konnte und sehr kurzfristig für das Spiel gegen die Schwarz-Gelben fit gemeldet wurde. Es fehlte dem 23-Jährigen bei all seinem Aufwand an Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen. So bildete er zusammen mit Salomon Kalou zwar ein gefährliches Duo, dass sehr aktiv Dortmunds linke Seite bearbeitete und oftmals auch überwand, doch fehlte es an guten Anschlussaktionen. So legte Lazaro nur eine einzige Chance direkt auf – den Fernschuss von Grujic in der dritten Minute. Mit viel Tatendrang agierte Herthas Rechtsverteidiger, keiner hatte mehr Ballkontakte als er und niemand zog so viele Sprints an – dafür kam jedoch viel zu wenig zählbares bei rum.

Dazu kam, dass seine Ausflüge nach vorne Konsequenzen für seine Hintermannschaft hatten. Lazaros Rückwärtsbewegung erfolgte oftmals zu langsam, sodass große Lücken aufs Herthas rechtem Flügel entstanden sind, die Dortmund mit seinen starken Offensivakteuren bespielen konnte. Einige dieser Konter leitete Lazaro mit grotesken Fehlpässen selbst ein, so z.B. den 1:1-Ausgleichstreffer Dortmunds, bei dem er Delaney den Ball perfekt in den Lauf servierte. Im direkten Duell mit Dortmunds Flügelspielern konnte sich der Österreicher nur selten durchsetzen, ohne Hilfe von seinen Mitspielern wäre er wohl noch überforderter gewesen.

Die Aktivität Lazaros im ersten Durchgang ist durchaus zu loben, allerdings hatte diese auch einen hohen Preis. Zudem konnte er mit jeder Minute für weniger Kreativität und Entlastung sorgen, defensiv zeigte er sich ebenfalls nicht von seiner besten Seite.

Maxi Mittelstädt – Note: 2

Foto: PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images

Herthas linker Flügelspieler leitete die Führung ein und war auch sonst einer der auffälligsten Berliner.

Nach nur vier Minuten avancierte Mittelstädt zu einem der Aktivposten bei Hertha – sein gefährlicher Schuss mit seinem schwachen rechten Fuß zwang BVB-Keeper Bürki zu einer Parade, die allerdings vor den Füßen Kalous endete und zum 1: führte. Davon beflügelt riss der 21-Jährige das Spiel durchaus an sich und bereitete Dortmund einige Probleme. Vor allem die immens hohe Ballsicherheit Mittelstädts fiel auf, unglaubliche elf Bälle sicherte das Eigengewächs. Er löste sich durch eine gute Ballführund oder schnelles Kombinationsspiel immer wieder clever aus Dortmunder Pressingfallen und umging damit sicher geglaubte Ballverluste. Diese Ruhe am Ball wurde von seinen Mitspielern bemerkt, sodass Mittelstädt zu einer beliebten Anspielstation wurde – die Nummer 17 verbuchte die zweitmeisten Ballkontakte. Immer wieder fasste sich der U21-Nationalspieler ein Herz und versuchte gefährliche Szenen zu kreieren, insgesamt zwei Schüsse und vier flanken produzierte er, denen es aber etwas an Präzision fehlte.

Auch defensiv engagierte sich Mittelstädt – drei Tackles, zwei klärende Aktionen, zwei Blocks und ein abgefangener Ball beweisen seinen Aufwand. Im ersten Durchgang hatte er zusammen mit Torunarigha Dortmunds Pulisic noch sehr gut im Griff, Sancho bereitete da deutlich mehr Probleme.

Eine beeindruckende Leistung Mittelstädts, der mit breiter Brust und kühlem Kopf viel Verantwortung übernahm und sich kaum Fehler erlaubte.

Ondrej Duda – Note: 3-

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Der Slowake durfte mal wieder als vorderster Manndecker fungieren.

Es ist allmählich keine Überraschung mehr, wenn Trainer Pal Dardai seinen eigentlichen Spielmacher Duda auf den des Gegners ansetzt. So wieder geschehen am Samstagabend, als Duda Dortmunds Julian Weigl auf Schritt und Tritt verfolgte, um das Aufbauspiel der Gastmannschaft massiv zu beschneiden. Dadurch hatte der 24-Jährige einen großen taktischen Wert für seine Mannschaft, der jedoch für wenig Spektakel sorgt.

Für diesen versuchte Duda allerdings auch bei den eigenen Angriffen zu sorgen. Wie Arne Maier war Duda vor allem als zentraler Anspielpunkt gedacht, der Bälle bekam, sicherte und weiterleitete. So legte Duda zwar selbst keinen Torschuss direkt auf (sein Herbeiführen des Elfmeters zum 2:1 wird nicht als Vorlage gewertet), war aber dennoch an zahlreichen Berliner Angriffen beteiligt. In der 59. Minute hätte Herthas Nummer zehn jedoch einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, als ihn Dortmund Diallo im Sprint schubste uns so aus dem Gleichgewicht brachte. Ohne dieses Eingreifen hätte Duda allein vor dem Torhüter gestanden, doch so blieb die Szene ohne Ertrag, was Duda eines möglichen Tores oder Assists beraubte.

Dudas Spiel verflachte ab der 60. Minute, er konnte ab da kaum noch etwas bewirken und lief der Partie etwas hinterher. Aufgrund dessen nahm ihm Dardai auch kurz vor Schluss vom Feld. Eine ordentliche, aber glücklose Darbietung des Spielmachers/Manndeckers.

Sturm

Salomon Kalou – Note: 1

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Kalou und seine Darbietung gegen große Mannschaften bleiben eine besondere Geschichte.

Es wird wohl schwierig, bei dieser Bewertung ohne Superlative auszukommen, denn Kalou hat gegen Dortmund einmal mehr eine unglaubliche Vorstellung geboten. Nach vier Minuten erzielte er bereits seinen ersten Treffer des Tages, da er routiniert auf den Fehler Bürkis spekuliert hatte und dann ins leere Tor einschieben konnte. Genauso souverän gestaltete der Ivorer seine restlichen Einsatzminuten, in denen er mit unfassbarer Ballsicherheit und tollen Auge glänzte. Der 33-Jährige gewann 75% seiner Zweikämpfe, für einen Offensivspieler ein herausragender Wert, dazu sicherte er sechs Bälle. Egal wie viele Dortmunder Gegenspieler sich um ihn herumtümmelten, er behielt die Ruhe und Übersicht. So auch in der 35. Minute, als er den Elfmeter zum 2:1 cool verwandelte.

Neben seinen beiden Toren überzeugte Kalou auch als Ballverteiler. 82,8% seiner Pässe kamen beim Mitspieler an und das trotz seiner teilweise sehr riskanten Schnittstellenpässe. So bediente er Duda in der 59. Minute (die Beinahe-Elfmeter-Szene) und Davie Selke in der 67. Minute in außergewöhnlicher Manier. Kalou erkannte immer wieder die Tiefe des Spiels und bespielte sie.

Nach 77 Minuten war Kalous genialer Arbeitstag beendet. Sowohl spielerisch, wie auch vor dem Tor lieferte der Routinier vollends ab. Selbst in der Arbeit gegen den Ball überzeugte er.

Davie Selke – Note: 3-

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Keine einfache Partie für den Startelf-Rückkehrer.

Herthas Mittelstürmer war über seine gesamte Einsatzzeit sehr bemüht, sich in das Spiel seiner Mannschaft einzubringen. So legte er beispielsweise Mittelstädts Schuss auf, der zum 1:0 geführt hatte. Selke war sehr aktiv, arbeitete auffällig fiel für seine Mitspieler, indem er sich an Kombinationen beteiligte oder Mitspieler an sich band. Am Boden hatte er eine sehr ausgeglichene Zweikampfbilanz, in der Luft konnte er sogar 66% seiner Duelle für sich entscheiden. Dadurch machte der 24-Jährige immer wieder Bälle fest und sorgte für Entlastung.

Allerdings bekam Selke selber kaum brauchbare Zuspiele, sodass er zu keinen gefährlichen Abschlüssen kam. Zagadou und Diallo deckten den Mittelstürmer sehr eng, sodass Selke wenig Luft im Strafraum blieb. So war es kein Zufall, dass er sich immer wieder fallen ließ oder auf den Außenbahnen abwich. Im Spiel gegen den Ball bildete er zusammen mit Kalou und situativ Duda die erste Pressinglinie, die den BVB ständig zu langen Bällen zwang und so zu vielen Ballverlusten führte. Da Selke nach ca. 70 Minuten die Puste ausging, wurde er in der 77. vom Feld genommen.

Eine sehr selbstlose und für den Matchplan wichtige, jedoch auch undankbare Partie für Davie Selke, der viel für seine Mitspieler gearbeitet hat, so aber keine eigenen Glanzpunkte setzen konnte.

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

[…] der Heimmannschaft. Dass Hertha die Position des Außenseiters aber herzlich wenig stört, hat man jüngst wiederholt gegen Dortmund bewiesen, auch wenn es am Ende nicht für den Punktgewinn reichte. Zudem sei hier auf das Intro des Textes […]

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü